Marcy Campbell und Corinna Luyken – Adrian hat gar kein Pferd

Rezension

Adrian sitzt in der Schule und träumt vor sich hin. Jedem, der ihm begegnet, erzählt er, dass er ein Pferd hat. Die Protagonistin beobachtet Adrian sehr genau und stellt fest, dass es sich um eine Lüge handeln muss. Wie soll er sich um ein Pferd kümmern, wenn er in der Schule nicht einmal seinen Platz aufräumen kann? Er bringt außerdem ein Butterbrot in die Schule, weil er kein Geld hat, sich etwas zu kaufen. Also schreit Zoe auf dem Schulhof los:

Er lügt. Adrian Simmer hat gar kein Pferd.

Bei einem Spaziergang mit ihrem Hund, trifft sie eines Tages auf Adrian vor dem kleinsten Haus, das sie je gesehen hat. Er erzählt ihr wieder von seinem Pferd mit weißem Fell, einer goldenen Mähne… und plötzlich muss das Mädchen zugeben, dass Adrian einfach die beeindruckendste Fantasie von allen Kindern der Schule hat.

Dieses rührende Bilderbuch stellt ein Talent heraus, das ans Herz geht, vor allem wenn man bedenkt, aus welchen Verhältnissen Adrian zu stammen scheint. In manchen Situationen im Leben träumt man sich am liebsten weg, in eine fantasievolle Welt, in der alles möglich ist. Auch wenn es Adrian sonst nicht leicht hat. Er vermag es gekonnt seine Zuhörer durch seine lebendigen und ausschmückenden Erzählungen mitzureißen und zwar so glaubhaft, dass jeder ihm die Geschichte vom Pferd abkauft.

Umso erfreulicher ist, dass Zoe sein Talent und seine gewaltige Vorstellungskraft schließlich anerkennt. Die Wut verpufft und es bleiben Mitgefühl und Anerkennung. Auffallend sind die farbreduzierten Illustrationen von Corinna Luyken, die gezielt die letzte Doppelseite dem Pferd widmet, welches nur schemenhaft zu deuten ist. Es bleibt ausreichend Platz für die persönliche Imagination, die die Lücken zu füllen vermag. Und tun wir das nicht auch bei jeglichen Geschichten und Erzählungen? Die Autoren bereiten für uns den Rahmen vor, lebendig wird der Inhalt doch erst in unseren Köpfen.

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Fazit

Ein Hoch auf die menschliche Vorstellungskraft und die Kunst zu träumen!

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Stefanie Gerstenberger und Susanne Göhlich – Ärgere niemals einen Elefanten

An einem Sonntagnachmittag macht Paul gemeinsam mit seiner Mutter einen Ausflug in den Zoo. Im sauberen Matrosenanzug und glänzenden Lackschuhen, geht es für Paul von Gehege zu Gehege und stets bläut die Mutter ihm ein:

Nun sei brav und mach dich nicht schmutzig, Paul!

Allerdings macht das Bravsein nicht so viel Spaß wie Tiere zu ärgern. Also schnappt Paul dem Elefanten das Brötchen aus dem Rüssel weg und wird im Nu nassgespritzt. Der Giraffe piekst Paul ins Bein, woraufhin seine Matrosenmütze durchgekaut wird und die Lamas verleitet er zum Spucken, indem er sie mit Steinen bewirft. Seine Mutter holt dauernd ihr Stofftaschentuch hervor und putzt den Jungen sauber.

Auf dem Nachhauseweg sieht Paul die anderen Kinder, wie sie Tiere streicheln, am Rücken kratzen und füttern. Dafür vollführen die Tiere für sie die tollsten Kunststücke, nur für Paul nicht. Wie gut, dass Paul am Straßenrand ein Kätzchen im Karton findet, sodass er den Umgang mit Tieren in seinen vier Wänden üben darf.

Rezension

Dieses amüsante Bilderbuch ist natürlich überzogen in der Darstellung. Hier wird nicht nur das Fehlverhalten des Kindes aufgezeigt, sondern auch ganz eindeutig die Kurzsichtigkeit der Mutter. Paul mag sich nicht an die Regeln im Zoo halten und testet seine Grenzen gezielt aus. Da die Mutter ausschließlich auf die Sauberkeit ihres Sprösslings bedacht ist, kommt er damit auch ganz gut durch, bis ihm schließlich die Tiere den Spiegel vors Gesicht halten und zurückschlagen.

Die Geschichte ist ein wunderbarer Anlass, um über das Regelverhalten im Zoo ins Gespräch zu kommen. Vor lauter Aufregung oder aus Langeweile kann es tatsächlich passieren, dass Kinder z.B. gegen Scheiben klopfen, laut rufen oder versuchen, ins Gehege zu greifen. Hier hilft die Erklärung, dass die Tiere sich dadurch erschrecken oder sich gestört fühlen, was sie erheblich unter Stress setzt. Es ist ratsam Kindern so früh wie möglich beizubringen, die Tiere nur aus der Ferne zu beobachten und sie sonst in Ruhe zu lassen.

Auch zum Thema „Tierefüttern“ sollte man sich vorab informieren, wo es erlaubt und wo grundsätzlich verboten ist. Schließlich geht es um das Wohl der Tiere. Der Zoo ist deren Zuhause und wir Besucher sind entsprechend Gäste, die sich auch so zu verhalten haben.

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Fazit

Regelverhalten im Zoo überspritzt und humorvoll dargestellt, untermauert mit wundervollen farbigen Illustrationen.

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Theodor Fontane und Antje Bohnstedt – Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Rezension

Die Ballade von Theodor Fontane gehört im vierten Schuljahr zum Kanon der gängigsten Gedichte in der Herbstzeit. Mit diesen Bildkarten, illustriert von Antje Bohnstedt, macht das Vortragen besonders viel Freude. Die Erzählkarten im DIN-A3-Format sind ansprechend gestaltet und durch die Darstellung mit dem Kamishibai, hat man die Aufmerksamkeit der Zuhörer schon sicher. Der Don Bosco Verlag bietet allerdings auch kleine Broschüren zum Gedicht an.

Der großherzige Herr von Ribbeck verschenkte in der Herbstzeit reife Birnen aus seinem Garten an Kinder – Jahr für Jahr. Nach dem Tod des alten Herrn übernahm sein knausriger Sohn das Erbe. Dieser behielt die Birnen lieber für sich. Vorausahnend hat sich Herr von Ribbeck jedoch eine Birne ins Grab legen lassen, sodass seit einigen Jahren dort nun ein Birnbaum wächst.

Dieses Gedicht handelt von Warmherzigkeit, der Freude zu teilen und ist über Generationen stets weiter getragen worden. Es sensibilisiert für das Thema „Erbe“, „Nachlass“ und „Hinterlassenschaft“, auch in Verbindung mit den „Früchten“ und hat aber auch „Verfall“ und den natürlichen Fortlauf des Lebens innerhalb des Zyklus der Jahreszeiten im Blick. Der Herbst steht als Sinnbild für den Kreislauf des Lebens, irdische Vergänglichkeit und den Wandel, mit der Botschaft „Nichts währt ewig“.

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

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Fazit

Ein Klassiker in einer besonders schönen Ausarbeitung!

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Ebi Naumann und Heike Herold – Das rote Ding

Rezension

Dieses Bilderbuch gehört zugegeben zu meinen persönlichen Highlights im Jahr 2019. „Das rote Ding“ feiert die menschliche Fantasie, wohlwissend dass sie auf Vorerfahrungen, Wünschen und Hoffnungen basiert. Es überzeugt durch zarte Illustrationen und einer vielschichtigen Sensibilität in der thematischen Umsetzung.

Der Betrachter sieht stets ein ähnliches Szenarium. Am Flussufer entdeckt die Protagonistin „ein rotes Ding“ und mutmaßt, was es sein könnte. Dicht unter der Wasseroberfläche treibt das rote Etwas und das Mädchen zeigt es allen, die vorbeikommen. Damit beginnt das Rätselraten und nimmt auch vom Format und Aufbau der Doppelseiten viel Raum ein. Der Fantasie und Vorstellungskraft wird viel Platz und damit auch ein erhebliches Maß an Bedeutung zugestanden.

Nanu! Da schwimmt was – rot und klein.
Sieht aus wie `n Ball! Nein, warte mal.
Könnt`es nicht riesengroß auch sein?
Ich wünschte mir, es wär ein …

Der Vierzeiler ist auf jeder Doppelseite als Kreuzreim formuliert. Beim Rätselraten helfen die Bilder, auch wenn hin und wieder Kinder nicht gleich auf das richtige Wort kommen. Glücklicherweise gibt es keine Auflösung auf der darauffolgenden Seite. Denn darauf kommt es in diesem Buch auch nicht an. Es zählt alleine der Türöffner „Fantasie“, eine Fähigkeit die Inhalte zu neuen Vorstellungen zu verknüpfen und sich dies in Gedanken auszumalen.

Jeder sieht etwas anderes in das schwimmende rote Ding hinein und verrät dadurch auch immer etwas über sich. Der Gärtner ist sich sicher, dass es sich um eine Blüte handeln muss, während spielende Kinder voller Überzeugung meinen, dass es nur ein Drache sein kann. Das Rätsel bleibt bis zum Ende ungelöst.

Es überrascht mich keineswegs, dass Heike Herold mit dem fantasievollen Ratespiel-Bilderbuch 2016 auch die Jury des Troisdorfer Bilderbuchstipendiums beeindruckt hat. Passend dazu findet sich subtil der Ausspruch „Ignoramus et ignorabimus“ des Physiologen Emil Heinrich Du Bois-Reymond auf einem Sockel eingraviert, der als Ausdruck der Skepsis gegenüber den Erklärungsansprüchen der Naturwissenschaften bekannt geworden ist und nichts anders meint als: „Wir wissen es nicht und werden es auch nie wissen“.

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Unweigerlich musste ich an den roten Punkt von Paul Klee denken. Bei dieser Unterrichtseinheit wird das Bildelement des roten Punktes  in einen neuen Zusammenhang eingebettet. Damit kann das Versteckspiel und auch die Suchreise nach dem roten Punkt beginnen. Eindrücke von möglichen Schülerarbeiten finden sich auf der Seite von „Kunstgalerie: Der rote Hahn“.

Doch was wäre passender als Kindern die Gelegenheit zu geben, die Hälfte ihres treibenden roten Dings selbst zu vervollständigen? Ich bin mir sicher, dass man viel über den Menschen, seine Träume, Wünsche und Fantasien erfährt.

Bild: papillionisliest.wordpress.com

Fazit

Willkommen in der Welt der fabelhaften Fantasie!

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Annika Siems und Wolfgang Dreyer – Eine Reise in die geheimnisvolle Tiefsee

Rezension

Unter der schillernden Oberfläche der Ozeane, in vielen Metern Tiefe, beginnt eine geheimnisvolle und spannende Unterwasserwelt: Sie ist bevölkert von bizarren Lebewesen und ausgestattet mit wertvollen Rohstoffen auf dem Meeresboden. Auch wenn die Erdoberfläche über zwei Drittel mit Wasser bedeckt ist, ist gerade einmal 1% des Lebens im Dunkeln der Meere erforscht.

Dieses überdimensional große Kindersachbuch ab 8 Jahren, ist schon fast ein Ausstellungstück. So sehr beeindrucken Dank Siems meisterhafte Wissenschaftsillustrationen, die Gemälden ähneln. Das Layout und die einzelnen Seiten sind der geheimnisvollen Meeresschwärze nachempfunden und ziehen die Leser wie in einem Sog hinein. Die besondere Atmosphäre der Welt da unten, die dunkel, kalt und sauerstoffarm ist, mit ihren nahezu reglos verharrenden Fischen ist schon fast spürbar.

Bisher haben sich nur wenige Menschen zum Tiefseegrund gewagt. Wolfgang Dreyer nimmt uns mit einem Forschungsschiff zu einer voll mit spannenden Fakten geladenen Expedition. Die integrierten Informationen sind alle aktuell und verständlich verpackt. Es werden Begrifflichkeiten erläutert und ihrem Ursprung nach gedeutet.

Der Großteil der Tiefsee-Fische kann im Dunklen leuchten. Mit einer bestimmten Lichtausstrahlung können sie sowohl Partner als auch Beute anlocken. Die Kraft des Lichts ist für sie lebenswichtig, weil sie mit Stärke oder Schnelligkeit in der Kälte und Dunkelheit der Tiefsee nicht trumpfen können. Diese Anpassungsmechanismen und Tarnungsstrategien sind nicht nur für Kinder äußerst spannend. Erwachsene werden ebenfalls eine ordentliche Ladung an Wissen mitnehmen. Was ist Meeresschnee? Welche Gefahren bergen die Schwarzen Raucher? Im Nachwort wird eindringlich auf die Folgen von Eingriffen in das Ökosystem Tiefsee eingegangen. Die Tiefsee trägt schließlich eine große Mitverantwortung für grundlegende Stoffkreisläufe und das Klima auf der Erde.

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Fazit

„Eine Reise in die geheimnisvolle Tiefsee“ weckt Begeisterung für Meeresbiologie.

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Lily Murray und Ana Albero – Ausgezeichnet! 50 Preise für außergewöhnliche Menschen

Rezension

Dieses Sachbuch für Kinder ab 7 Jahren lädt die Leser zu einer feierlichen Preisverleihung ein. Ausgezeichnet werden 50 bedeutende Persönlichkeiten, wie herausragende Wissenschaftler und Künstler, Sportler und Musiker, aber auch mutige Friedenskämpfer und grundsätzlich Menschen, die kein Risiko gescheut haben, um neue Welten und Ideen zu erforschen.

Die Bezeichnungen der Preise haben es in sich. Da gibt es die Kategorien Alleskönner, Wissendurst, Tapferkeit, unbeirrte Malerei, Gib-niemals-auf oder den Kunst-Revoluzzer. Jede Doppelseite widmet sich einer bewegenden, informativen und oftmals lustigen Darstellung der Biografie und intergiert lebendige Illustrationen von Ana Albero, die von einzelnen Lebensszenen der Preisträger erzählen. Der Illustratorin ist es gut gelungen die wesentlichen und markanten Merkmale so einzufangen, dass die Weltveränderer auch auf Fotografien wiedererkannt werden. Gelungen sind außerdem die Begründungen für den Preis, die eine Art pointierte Zusammenfassungen sind. Da heißt es für Marie Curie, dass sie den Preis für strahlende Forschung verdient hat, weil …

sie eine der berühmtesten Wissenschaftlerinnen aller Zeiten war. Oft bekam sie eine Arbeit nicht, weil sie eine Frau war, doch sie ließ sich davon nicht unterkriegen.

sie neue Elemente im Periodensystem entdeckte – Polonium und Radium

sie als erste Frau den Nobelpreis erhielt und als erster Mensch sogar zwei Nobelpreise bekam

sie die Curie-Institute von Paris und Warschau gründete, die bis heute wichtige medizinische Wirkungsstätten sind

Um nur einige hier vorgestellte Persönlichkeiten zu nennen, die ihren Träumen, Überzeugungen und Leidenschaften gefolgt sind: Albert Einstein, Abraham Lincoln, Leonardo da Vinci, Isaac Newton, Marie Curie, Mahatma Gandhi, Pablo Picasso, J. K. Rowling, Nelson Mandela, Hans Christian Andersen, Alfred Nobel, Frida Kahlo, Ludwig van Beethoven, Maria Montessori und viele mehr. Dabei sind es Menschen aus den verschiedensten Bereichen und Epochen, wie z.B. Naturwissenschaften, Literatur, Pädagogik, Politik, Sport, Kunst und Musik. Die Bandbreite, die eine wunderbare Schöpfungsquelle für wichtige Ereignisse aus der Geschichte darstellt, ist groß. Diese Lebensgeschichten regen Kinder an, sich näher mit einer Thematik zu beschäftigen und verknüpfen Vorwissen unterhaltsam und kindgerecht.

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Fazit

Kindgerechte Informationen über bedeutende Persönlichkeiten – eine wunderbare Biografien-Sammlung!

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Dagmar Geisler – Was, wenn Eltern auseinandergehen?

Rezension

Es ist nicht so leicht, einen Anfang zu finden, um über diese Dinge zu reden.

Eine „Trennung“ oder „Scheidung“ kommt vor. Das tut allen Beteiligten weh und macht vielen Kindern Angst. Dagmar Geisler geht dieses Thema ganz behutsam an und pflanzt den inhaltlichen Samen in eine Kindergartengruppe, in der Marie den anderen Kindern erzählt, dass die Eltern ihrer Freundin sich scheiden lassen wollen. Es folgt ein spannender Austausch aus Kindersicht.

Auf der Metaebene wird zwischendurch erklärend eingestreut, dass die Liebe zwischen Mutter und Vater vergehen kann. Es wird glücklicherweise ein Unterschied zur Bindung zum Kind gemacht. Diese Art der Liebe bleibt für immer bestehen. Es wird kindgerecht der Weg bis zum schlussendlichen Auseinandergehen gezeigt.

Manchmal sitzen sie bloß da.

Manchmal weinen sie.

Manchmal streiten sie und manchmal fährt einer plötzlich weg…

Einige Kindergartenkinder werfen ein, dass deren Eltern sich auch streiten, was natürlich Angst schürt. Erfreulich ist, dass ein anderes Kind deutlich macht, dass Streit in Ordnung ist, solange sie sich vertragen. Für alle Beteiligten hilft in so einer Situation zu reden. Schließlich werden auch positive Entwicklungen aufgezeigt, die so eine Trennung mit sich bringen kann. Hier gibt es verschiedene Wege, sei es eine neue Familienkonstellation in einem Patchwork-Rahmen oder der nun wieder fröhliche Vater mit einer neuen Freundin.

Pädagogisch sinnvoll ist die Idee zum konkreten Umgang mit den Ängsten und Sorgen in Form eines „Wunschzettels“. Auch wenn die Wünsche womöglich gar nicht in Erfüllung gehen, sie sind zunächst raus und das alleine erleichtert schon ungemein. Hier wird eine Gesprächskultur forciert, die ermöglicht angstfrei und sachlich über das sensible Thema zu sprechen. Ein offener Umgang erleichtert auch Kindern die Verarbeitung und fängt sie in diesem neuen Lebensabschnitt auf.

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Fazit

Eine offene Gesprächskultur hilft, mit den Gefühlen zurecht zu kommen.

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Johanna Lindemann – Die schönste Laterne der Welt

Rezension

Es war Anfang November. Die letzten Blätter segelten von den Bäumen. Draußen wurde es wieder früher dunkel. Seit Tagen freute sich Anton auf den Laternenumzug in seinem Kindergarten.

Im Jahreszeitenkreis ist der Laternenumzug für Kinder ein bedeutendes Ereignis. Damit geht eine besondere heimelige Atmosphäre einher, die Menschen zusammen bringt und Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt. Auch Antons Herz hüpft vor Aufregung und Vorfreude. Doch leider geht beim Laternenbasteln alles Erdenkliche schief. Zuerst kommt sein Papa zu spät. Als wäre das nicht schon Enttäuschung genug, misslingt auch noch die eigentliche Laterne und sieht eher nach einem „Monsterfanten“ aus. Auf dem Nachhauseweg klemmt diese schließlich in der Autotür ein.

Auch beim Laternenumzug will die Pechsträhne nicht abreißen. Antons Laterne landet letztlich in der Pfütze. Sein Vater nimmt seinen bitterlich weinenden Sohn aus der Menschenmenge heraus und versucht ihn auf einer Bank zu trösten. Ein Mann, der ebenfalls auf der Bank sitzt, bemerkt den Klumpen in Antons Händen, trinkt den letzten Schluck aus seiner Dose aus und zieht ein Taschenmesser aus seiner Jacke.

Johanna Lindemann gelingt es in diesem Bilderbuch ein sehr authentisches Bild der heutigen Welt aufzuzeigen. Der anscheinend alleinerziehende Vater ist gestresst und kann sich kaum auf die Bastelaktion mit seinem Sohn freuen. Er gibt sein Bestes und kann sich doch nicht teilen. Den inneren Konflikt spürt auch der Sohn, ein Netz aus Moral und Loyalität, Sympathie und Authentizität. Die Autorin entführt den Leser in eine sehr lebhafte Innenwelt des jungen Protagonisten, sodass man sehr schnell Mitgefühl entwickelt.

Das religiöse Fest rund um den heiligen „Sankt Martin“ wird in „Die schönste Laterne der Welt“ herunter gebrochen und bindet jeden Weltbürger ein. Die Botschaft dieser Geschichte zeigt, dass jeder zum „Martin“ werden kann, indem er die Augen offen hält, auf Menschen zugeht, mithilft, anpackt, Nächstenliebe zeigt und mit den anderen „Licht“ und ein „Lächeln“ teilt.

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Fazit

Authentisch – ehrlich – herzöffnend

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GEWINNSPIEL – Fritzi – eine Wendewundergeschichte

Fritzi war dabei - eine Wendewundergeschichte

Ein Land ohne Mauer –
da ist keiner sauer!

Fritzi – Eine Wendewundergeschichte erzählt die turbulenten Ereignisse von Sommer bis Herbst 1989 aus der Perspektive seiner jungen Protagonistin und macht sie so für ein junges Publikum nacherlebbar. Zum Jubiläum „30 Jahre Mauerfall“ startete am 9. Oktober 2019 der knapp 90-minütige Animationsfilm Fritzi – Eine Wendewundergeschichte in den deutschen Kinos.

Im Kinderbuch „Fritzi war dabei“ von Hanna Schott und Gerda Raidt wird den Fragen nachgegangen, was denn DDR überhaupt für ein Land war und warum so viele Menschen von dort weg wollten. Fritzi kommt nach den Sommerferien als schicke Pionierin mit dem roten Halstuch in die vierte Klasse. Nach dem Fahnenappell beginnt der ganz normale Schulalltag, außer dass Sophie sich nun in Ungarn befindet, statt neben Fritzi zu sitzen. Wie viele andere ist sie in den Westen geflohen. Mutig macht sich Fritzi auf die Suche nach ihrer Freundin und gerät in ein Abenteuer, das die Zukunft des ganzen Landes verändert. Sie erlebt den großen Umbruch 1989 in Leipzig hautnah mit.

Zehn Jahre nach Erscheinen des Buches folgt nun die Animationsverfilmung. Sowohl das Buch als auch der Film sind gelungene Beispiele dafür, wie komplexe, historische Zusammenhänge kindgerecht und verständlich erzählt werden können. Man bekommt einen Eindruck, wie die Kinder in der DDR lebten, über die Wochen und Tage kurz vor dem Mauerfall und auch über die friedliche Revolution. Kernthemen der Geschichte sind Mut, Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt. Sie sind auch jenseits der speziellen geschichtlichen Situation für Kinder ein wichtiger Impuls im Alltag.

Weitere Informationen finden sich u.a. auf der Facebook-Seite zum Film. Ein Leser oder eine Leserin hat nun die Möglichkeit, passend zum Film, ein FILMPAKET zu gewinnen. Es besteht aus einer Buchvorlage, die im Klett Kinderbuch Verlag erschienen ist, 2 Kinokarten (gültig bis 31. Dezember 2019) und einem Filmposter.

Wer teilnehmen möchte, kommentiert bitte unter diesem Post:
Welchen Film habt ihr euch zuletzt im Kino angeschaut?

Am 13. Oktober wird ausgelost. Der Gewinner wird unter diesem Post und auf FACEBOOK und INSTAGRAM verkündet.
Ein zusätzliches Los könnt ihr euch bei Instagram und/oder Facebook mit einem Kommentar unter dem entsprechenden Beitrag sichern. Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück!

Teilnahmeschluss ist der 13. Oktober 2019 (20:00).

Bitte beachten: Teilnahmeberechtigt sind nur User mit Versandadresse in Deutschland, die mindestens 18 Jahre alt sind. Die GewinnerInnen werden nach dem Zufallsprinzip ermittelt. Die Daten werden nach Beendigung des Gewinnspiels gelöscht. Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook oder Instagram. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wird der Gewinn nicht innerhalb von drei (3) Tagen nach der Benkanntgabe angenommen, wird das Recht vorbehalten, den Gewinn anderen Teilnehmern zur Verfügung zu stellen.

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EDIT: Herzlichen Glückwunsch, Krisztina Kesek!

Da die Gewinnerin sich leider nicht zurück gemeldet hat, musste ich erneut ziehen. Marco Nadorp darf sich freuen!

Rudi Rhode und Mona Sabine Meis – Wenn Nervensägen an unseren Nerven sägen

Rezension

Auf dieses Sachbuch bin ich im Rahmen einer Fortbildung zu „Unterrichtsstörungen“ gestoßen. Schon bald wird man feststellen, dass das hier vorgestellte Konzept in jeglichen Bereichen einsetzbar ist, in denen man mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat.

Auch Eltern werden hiervon profitieren, genauso wie Erzieher, Lehrer und Betreuer jeglicher Kindergruppen. Erfreulich ist dabei, dass der Schreibstil zum Weiterblättern animiert, sodass man das Buch im Nu verschlungen hat. Für Sachbücher ist es eine Seltenheit. Auch wenn man beim Lesen hin und wieder denkt „Na klar!“, werden grundlegende Punkte sehr praxisorientiert nahegebracht und in Erinnerung gerufen.

Das „KEB-Modell“ von Rhode und Meis steht für die „kontrolliert-eskalierte Beharrlichkeit“ und zeigt auf, dass zuerst die innere, selbstsichere Haltung der Erwachsenen stimmen muss. Seien Sie sich Ihrer Regeln bewusst und stehen Sie dahinter. Daneben sollte auch die Körpersprache und die verbalen Äußerungen beachtet werden, da es sonst die Kleinen zum Austesten ihrer Grenzen animiert. Schön fand ich auch die „Schallplatten-Technik“, die mit kleinen aber äußerst effektvollen Abwandlungen absolut hilfreich im Alltag ist. Das funktioniert wirklich und ist sowohl für den Erwachsenen und aber auch für das Kind sehr entlastend und raubt viel weniger Zeit bei Konfliktsituationen.

Toll ist auch, dass sogenannte Machtkämpfe nicht am Selbstbewusstsein des Gegenübers rütteln und immer eine gewisse Prise „Gelassenheit“ mitschwingt. Sie sind geprägt von Verständnis, aber auch festen Regeln und der Einhaltung derer. Hilfreich für das Verständnis sind auch die beispielhaften Dialoge, die hier aufgezeigt werden. Nach einem „So sollte es nicht laufen“, folgt ein „Das ist der bessere Weg“, sodass es dem Leser ganz deutlich vor Augen geführt wird, welche Alternativen wir Erwachsenen haben. Letztendlich gehört Grenzenaustesten zur Entwicklung von Kindern dazu. Das Gerüst der Erwachsenen muss allerdings stimmen, denn so können Konflikte präventiv schon im Keim erstickt werden.

Blick ins Buch

Fazit

Praxistaugliche Tipps, die sich an der Wirklichkeit orientieren und sich ohne allzu viel Theoriewissen umsetzen lassen.

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