Rudi Rhode und Mona Sabine Meis – Wenn Nervensägen an unseren Nerven sägen

Rezension

Auf dieses Sachbuch bin ich im Rahmen einer Fortbildung zu „Unterrichtsstörungen“ gestoßen. Schon bald wird man feststellen, dass das hier vorgestellte Konzept in jeglichen Bereichen einsetzbar ist, in denen man mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat.

Auch Eltern werden hiervon profitieren, genauso wie Erzieher, Lehrer und Betreuer jeglicher Kindergruppen. Erfreulich ist dabei, dass der Schreibstil zum Weiterblättern animiert, sodass man das Buch im Nu verschlungen hat. Für Sachbücher ist es eine Seltenheit. Auch wenn man beim Lesen hin und wieder denkt „Na klar!“, werden grundlegende Punkte sehr praxisorientiert nahegebracht und in Erinnerung gerufen.

Das „KEB-Modell“ von Rhode und Meis steht für die „kontrolliert-eskalierte Beharrlichkeit“ und zeigt auf, dass zuerst die innere, selbstsichere Haltung der Erwachsenen stimmen muss. Seien Sie sich Ihrer Regeln bewusst und stehen Sie dahinter. Daneben sollte auch die Körpersprache und die verbalen Äußerungen beachtet werden, da es sonst die Kleinen zum Austesten ihrer Grenzen animiert. Schön fand ich auch die „Schallplatten-Technik“, die mit kleinen aber äußerst effektvollen Abwandlungen absolut hilfreich im Alltag ist. Das funktioniert wirklich und ist sowohl für den Erwachsenen und aber auch für das Kind sehr entlastend und raubt viel weniger Zeit bei Konfliktsituationen.

Toll ist auch, dass sogenannte Machtkämpfe nicht am Selbstbewusstsein des Gegenübers rütteln und immer eine gewisse Prise „Gelassenheit“ mitschwingt. Sie sind geprägt von Verständnis, aber auch festen Regeln und der Einhaltung derer. Hilfreich für das Verständnis sind auch die beispielhaften Dialoge, die hier aufgezeigt werden. Nach einem „So sollte es nicht laufen“, folgt ein „Das ist der bessere Weg“, sodass es dem Leser ganz deutlich vor Augen geführt wird, welche Alternativen wir Erwachsenen haben. Letztendlich gehört Grenzenaustesten zur Entwicklung von Kindern dazu. Das Gerüst der Erwachsenen muss allerdings stimmen, denn so können Konflikte präventiv schon im Keim erstickt werden.

Blick ins Buch

Fazit

Praxistaugliche Tipps, die sich an der Wirklichkeit orientieren und sich ohne allzu viel Theoriewissen umsetzen lassen.

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Mies van Hout – Überraschung!

Überraschung- Mies van Hout

Erziehung und Muttersein ist eine Lebensaufgabe!

Die niederländische Künstlerin und Illustratorin Mies van Hout präsentiert auf zwölf Doppelseiten die einzelnen Stationen einer Mutter-Kind-Beziehung. Als Protagonist dient ein farbenprächtiger Vogel mit einem sich stets ändernden Federkleid. Die unnachahmlichen Illustrationen der mehrfach prämierten Künstlerin ragen aus dem schwarzen Hintergrund empor und brennen sich sofort in das Gedächtnis des Betrachters ein.

Während das nun in der sechsten Auflage erschienene Bilderbuch „Heute bin ich“ die Emotionswelt von Fischen, die sonst nicht unbedingt für ihre abwechslungsreiche Mimik berüchtigt sind, in den Vordergrund stellt, widmet sich dieser Folgeband dem Brutverhalten von Vögeln. Auf der ersten Doppelseite strahlt uns ein hoffnungsvoller Vogel mit einem in die Luft gehobenen Schnabel und in aller Farbenpracht leuchtendem Gefieder in Form von kleinen Küken, an. Daneben pulsiert das für sich stehende Wort „WÜNSCHEN“ in all seiner Dringlichkeit. Die nach außen transparente Innerlichkeit dieses Vogels kann nicht anders, als den Leser bereits von der ersten Seite auf diese wundervolle Reise der Mutterschaft und des Lebens zu entführen.

Die bedeutsamen weiteren Lebensabschnitte menschlichen Heranreifens und die somit für die Mutter verbundene Rollenänderung werden in Form von Verben als Entwicklungsschritte dargestellt. Nach „hoffen“ und „erwarten“ kommt das „Staunen“ über dieses Wunder des Lebens. Doch auch die alltäglichen Erziehungsmethoden, zu denen auch das aufmerksame „Zuhören“ gehört, hier realisiert durch das von der Vogelmama zum Küken geneigte offene Ohr und die großen, weiten, aufmerksamen Augen, finden ihren Platz im Buch als essenzielle Aufgabe im Prozess der Entwicklung.

Das Herz wird beim Betrachten der letzten Seite auch etwas schwer, denn hier wird eine wehmütige Vogelmama skizziert, die viel von ihrer Innerlichkeit an die Kinder gegeben hat und sie in all ihren Regenbogenfarben mit frohem Lebensmut davon fliegen sieht. Das Muttersein mündet unweigerlich in einem elterlichen „Loslassen“, das zwischen Melancholie und aber auch Stolz pendelt.

Diese Sensibilität trifft ins Herz. Es ist ein Buch für Erwachsene, vor allem für Mütter, aber auch Pädagogen und allen im Reifeprozess von Kindern Beteiligten. Die rührende Wahrhaftigkeit wird mit wenigen Worten, dafür in umso umwerfenden und kostbaren Pastell- und Wachskreidezeichnungen übermittelt.

Mies van Hout - Überraschung
Dieses von innen heraus leuchtende Bilderbuch ist das perfekte Geschenkbuch für den Muttertag oder  für werdende Mütter.

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