Christian Borstlap – Lebt da was auf deiner Nase?

Rezension

Die Lust des Illustrators und Autors an der gestalterischen, kreativen Umsetzung des Themas springt einem bereits auf der Titelseite entgegen. Es verblüfft und überrascht. Zunächst ist man sich nicht einmal sicher, ob es in der ungewöhnlichen Perspektive und einer derartigen Reduzierung überhaupt zum Thema passt. Im Verlauf der Seiten springt jedoch genau diese Experimentierlust auf den Leser über und man ist dankbar über die Vereinfachung dieser komplexen Materie, nicht nur in Bezug auf die visuelle Wahrnehmung.

Mikroben sind für das menschliche Auge unsichtbare Wesen, die eben nicht nur auf unserer Nase leben, sondern überall. Genauso wie der Mensch essen sie, bewegen sich, spüren Dinge und machen sogar ihr Geschäft. Sie machen die erstaunlichsten Dinge! Innerhalb einer Stunde bringen sie Familien hervor. Manchen Mikroben ist es sogar möglich in kochendem Wasser zu überleben. Andere ernähren sich von Metall.

Spätestens mit diesen Fun Facts wird Christian Borstlap das Interesse der jungen Leser für die Thematik geweckt haben. Auch wenn heutzutage – und das zeigen uns auch die aktuellen Entwicklungen rund um Covid-19 – vieles im Dunkeln über Bakterien und Viren bleibt, so büßen sie keinesfalls an Faszination ein. Sie können sogar einen natürlichen Ersatz für Plastik liefern oder auch Energie erzeugen. Der Forscherdrang ist aktiviert, der Wissendurst ausreichend heraus gekitzelt. Die Überleitung liefert das Kleingedruckte im Nachwort. Auf vier Doppelseiten finden sich hier vertiefende Informationen, die Wissenswertes aufgreifen.

Die Illustrationskunst zeigt sich in Gestalt unterschiedlicher Techniken, die sich abwechseln: Collagen, Drucke, Zeichnungen, plakative Darstellungen und grafische Designs. Eine große Abwechslung und Überraschung wartet auf jeder Doppelseite.

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Wissenswertes spannend und überraschend verpackt!

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Astrid Lindgren und Astrid Henn – Michel in der Suppenschüssel

Rezension

Da balanciert er also mit einer Suppenschüssel auf dem Kopf und trotzdem erahnt man das verschmitzte Lächeln, die Bewegungsfreude und den Einfallsreichtum dieses Jungen. Die blonden Haare und das blau-weiß gestreifte Hemd, lassen den Leser schnell erahnen, um welchen Lausbub es sich handelt – Michel aus Lönneberga.

MIt Astrid Lindgrens Geschichten sind unzählige Kinder groß geworden. Jetzt dürfen sich zukünftige Lindgren-Fans auch freuen. Denn Astrid Henn hat den Klassiker neu und liebenswert illustiert. Es wirkt frisch, modern und lädt zu vielen heiteren Geschichten ein, die keineswegs an Charme und Herzenswärme eingebüßt haben.

Beim Lesen oder auch Vorlesen kommt es einem wie das Aufsuchen eines heilen Zufluchtorts vor. Es ist fast wie Urlaub, wenn man Michel in seiner Leichtigkeit und Unbekümmertheit erlebt. Durch seine immerwährenden Flausen im Kopf, schafft er es unseren Kindern zu zeigen, dass das Leben um uns herum passiert. Der Mensch braucht nicht viel, um selbst tätig und erfinderisch zu werden. Die Abenteuer klopfen regelrecht an die Tür. Man braucht sie nur zu öffnen.

In diesem ersten von insgesamt drei Bänden finden sich drei Geschichten. Jede Doppelseite erstrahlt in pastelligen Farbtönen. Die Charaktere des schwedischen Dorfes sind langgezogen, mit einem markant kleinen Kopf, was den Wiedererkennungswert erhöht. Den Tieren sind die Gefühle an den Gesichtern abzulesen, wenn etwa die Katze genervt sich erneut vor Michel retten muss, nur weil er gucken möchte, ob er schneller laufen kann als sie. Genau diese Ideen sind so wertvoll, denn sie zeigen, dass Experimentierfreude und ein wacher Geist unheimlich viel zum Entdecken bieten.

Ferner werden hier Werte und Tugenden vermittelt, die für einige Kinder vielleicht gar nicht mehr gegenwärtig sind. Statt die Suppenschüssel kaputt zu schlagen, entscheidet sich die Familie einen Arzt aufzusuchen. Die Suppenschüssel hat schließlich vier Kronen gekostet. Also muss der Junge ausharren. Schließlich ist die Blödelei selbst verschuldet. Grundsätzlich wird hier Kaputtes noch zusammengeleimt.

Michel ist kreativ, originell in seiner Denkweise, überlegt umfassend, sucht nach alternativen Wegen und lässt sich nicht durch einen umgefallenen Baustamm stoppen. Er springt rüber und bahnt sich seinen Weg. Wenn unsere Kinder all dieses und noch viel mehr aus diesem Klassiker mitnehmen, dürfen Erwachsene die Geschichten von Astrid Lindgren immer und immer wieder vorlesen.

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Geschichten rund um Michel kommen nie aus der Mode und machen sich auch im neuen Gewand sehr gut!

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Suza Kolb – Emil Einstein

Rezension

Beim neugierigen Goldschopf kribbelt es immer wie verrückt, wenn er eine neue Idee hat. So geschieht es auch an seinem sechsten Geburtstag. Von seinen Eltern bekommt das angeblich vom Glück verwöhnte Sonntagskind Holzbretter geschenkt. Nach anfänglicher Enttäuschung, beginnt Emil mit Frau Pfeifendeckels Hilfe ein Auto zu bauen, sein eigenes Erfindermobil.

Die Idee zum Bau einer Tier-Übersetzer-Maschine kündigt sich mit einem dollen Jucken an, das vergleichbar mit einer Armee an Ameisen in den Haaren ist. Unermüdlich nimmt Emil Tierstimmen auf und übersetzt sie. Trotz dem zeitaufwändigen Tüfteln, scheint die Idee nicht umsetzbar, doch wie viele Erfindungen auch, hilft hier ein kleiner Zufall der Entwicklung weiter.

Dieses Buch handelt von Mut, Erfinderreichtum und aber auch Ausdauer. Die Fähigkeit Frustrationen zu erleiden, wenn es nicht so läuft, wie man es sich vorstellt, muss ebenfalls vorhanden sein. Dabei gibt Emil nicht auf, begegnet seiner Umwelt mit einem offenen Blick und dank seiner neugierigen Art entdeckt er immer Neues und Spannendes um ihn herum. Begleitet wird er von seinen Freuden, dem Nachbarskater Leonardo, benannt nach dem Erfinder Leonardo da Vinci und der Mäusedame Bertha, mit der Namensverwandschaft zu Bertha Benz, der ersten Pionierin des Automobils. Nur der Waldkauz braucht noch einen echten Namen, der wahrscheinlich in den Folgebänden erst enthüllt wird. Weitere Abenteuer rund um Emil Einstein und seinen Erfindungen werden erwartet!

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In Emils Erfinderlabor ist immer etwas los – unterhaltsamer Erfinder und Tierfreund.

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Kertu Sillaste – Jeder macht Kunst auf seine Weise

Rezension

Acht Kinder stehen aneinandergereiht, frontal den Leser gezielt anschauend und stellen sich als Kinder von Künstlern vor. Doch was machen ihre Eltern eigentlich beruflich? Wie weit gefächert sind Kunstrichtungen und wie lässt sich mit diesen kreativen Strömungen Geld verdienen?

„Jeder macht Kunst auf seine Weise“ ist eine liebevolle Zusammenstellung an Möglichkeiten und Chancen, ein Ausdruck der Schöpferkraft, der Kunst innewohnt. Alle Kunstfreunde werden nicht anders können, als beim Lesen Anerkennung und Dankbarkeit zu verspüren.

Astrids Vater ist Maler der Abstrakten Kunst, die alles und nichts darstellt. Jeder sieht im Bild schließlich andere Dinge. Auch Astrid versucht sich an Bildern ohne Ränder und Grenzen. Lennarts Vater ist Bildhauer und macht Skulpturen aus den unterschiedlichsten Stoffen. Augusts Eltern sind Fotografen und fangen das ein, was andere nicht sehen. Das bringt August auf die Idee, selbst Rätselbilder zu fotografieren und Ausschnitte daraus zu präsentieren. Andere Künstler stellen Installationen aus und verwandeln ganze Räume in Kunst. Es gibt Mütter und Väter, die Performances einstudieren und damit Aktionskunst propagieren. Illustrationen für Bilderbücher zu malen und so Geschichten erzählen, ist eine fabelhafte Form der Kunst, findet Rosalie. Marlenes Mama ist Kunsthistorikerin und arbeitet im Museum. Sie stellt Fragen. Die Menschen finden ihre eigenen Antworten darauf. Und so endet dieses wertvolle Bilderbuch mit Marlene, die es liebt, über Kunst zu reden. Sie stellt Fragen, die unbeantwortet bleiben. Die Fragen sind nämlich an den Leser gerichtet.

Eine wahnsinnige Bereicherung ist der Aufbau dieses Bilderbuchs, denn nach der Darstellung der Professionen der Eltern, werden die Kinder selbst aktiv und verkriechen sich, um Kunst auf ihre Art und Weise auszuprobieren. Es ist kein Imitieren, doch durchaus Orientieren an den Vorbildern, eine Vorstufe zum eigenen kreativen Erschaffen. Dieses Bilderbuch schafft eine besondere Intimität zur Kunst, denn auch Hans muss feststellen:

Inmitten von Kunst fühlt man sich wohl.

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Wir brauchen mehr Kunst und Kreativität und Träume in unserem Leben!

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Zoë Tucker und Rachel Katstaller -Ada und die Zahlen-Knack-Maschine: Das außergewöhnliche Leben der Ada Lovelace

Rezension

Das ist Ada.
Sie mag wie ein normales
kleines Mädchen aussehen,
aber die Wahrheit ist, dass
Ada die Welt verändert hat.

So beginnt das Sachbilderbuch über eine sehr starke, wissbegierige und mutige Frau und ihre wissenschaftliche Errungenschaft. Schon früh interessierte sich Ada für knifflige und komplizierte Aufgaben und las alle Bücher, die sie in der Bibliothek finden konnte. Ihre Leidenschaft galt insbesondere Zahlen und Berechnungen.

Mädchen war in der damaligen Zeit eine gute Beschulung nicht vergönnt und so wurde sie von klugen Menschen aus aller Welt zu Hause unterrichtet. Einer ihrer Lehrer war ein Erfinder und mathematisches Genie, von dem sich Ada anstecken ließ. Sie forderten sich gegenseitig heraus und stellten sich Rätsel und Knobelaufgaben. Mit ihm entwickelte sie mithilfe von Lochkarten ein kompliziertes Programm und gilt heute als die erste Programmiererin in der Computertechnik.

Tucker bedient sich einer sehr einfachen und nachvollziehbaren Sprache, um die berühmte Persönlichkeit und ihre Erfindung anschaulich darzustellen. Die außergewöhnliche Liebe für Rätsel und Zahlen wurde wunderbar herausgearbeitet, genauso wie der Wissendurst und das kreative Potenzial, das in ihr schlummerte. Die Text- und Bild-Komposition ist hier herausragend gelöst. Die Farbstufen von unterschiedlichen Blau- und Brauntönen wirken sehr harmonisch, stimmig und modern.

Ada Lovelace ist eine Pionierin und Vorreiterin. Diese Geschichte der kleinen Ada kann Mädchen als weibliches Vorbild dienen, an der sie erkennen, wie eine Frau mit ihrer Begabung umgegangen ist. Das Lesen dieser Biografie kann sie dabei unterstützen, die Lebensplanung selbstbewusster anzugehen. Gerade hoch begabte Mädchen mit mathematisch-technischen Begabungen und Talenten benötigen Zuspruch, da andere Mädchen sich für diese Themen tendenziell nicht interessieren – so zumindest das Bild in unserer Gesellschaft. Umso schöner, dass dieses Sachbilderbuch diesem Klischee entgegenwirkt!

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Ermutigendes Buch seiner Leidenschaft nachzugehen und nicht aufzuhören zu forschen und kreativ zu sein!

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Larissa Ribeiro: Im Dschungel wird gewählt

Rezension

Als regierender König der Tiere nutzt der Löwe seine Privilegien und leitet den Fluss zu seinem privaten Schwimmbad um. Dieser Amtsmissbrauch geht an den Tieren des Dschungels nicht spurlos vorbei. Gemeinsam stimmen sie für Neuwahlen und stellen Wahlregeln auf.

Die Kandidaten beteiligen sich in Wahlkampagnen, gestalten Wahlplakate und propagieren ihre Wahlversprechen. Jedes Tier hat seinen Schwerpunkt, den es vertritt. Der Löwe steht für konservative Werte und verspricht zu erhalten, was sich bewährt hat. Der Affe plädiert für Gleichberechtigung und stellt allen Tieren Höhlen und Häuser in Aussicht. Die Schlange spricht sich für Gemeinschaft aus, während das Faultier mit Ruhe und Geduld viel erreichen will. Schließlich entsteht eine gute Regierung nicht über Nacht. Wer wird die Wahl für sich entscheiden können?

Dieses Bilderbuch eignet sich wunderbar zur Forcierung von Demokratie und Mitbestimmung im Schulleben. Vor allem vor Klassensprecherwahlen, ist es eine gute Möglichkeit in die Thematik im Unterricht einzusteigen und die erarbeiteten Wahlregeln zu wiederholen. Besonders spannend ist es hier zu entdecken, dass einige Wahlregeln nur im übertragenden Sinne zu verstehen sind, wenn es z.B. heißt, dass „Gegner grundsätzlich nicht aufgefressen werden dürfen“.

Die Wahlplakate der Tiere lassen sich als Anregung nutzen, um sich klar zu werden, welche Stärken man als KlassersprecherIn mitbringt. Im vierten Schuljahr haben die SchülerInnen meist große Freude diese Idee in die Tat umzusetzen. Das wohl größte Highlight dieses Bilderbuchs ist die erste Regierungsmaßnahme des Wahlsiegers, einen „Rat“ zu gründen, wo miteinander besprochen werden kann, wie das Zusammenleben in Zukunft aussehen soll. Das ist die perfekte Überleitung zum Klassenrat, den die Klassensprecher im 3. und 4. Schuljahr selbstständig leiten. Auch hier gilt, wie im Buch, dass jedes Kind und seine Ideen und Empfindungen bedeutend sind.

Alle sind auf ihre Weise wichtig.

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Demokratisches Denken kindgerecht anbahnen!

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Rotraut Susanne Berner – Einhorn, Bär und Nachtigall tanzen auf dem Maskenball

Rezension

26 Maskentiere laden zu einem Maskenball ein, der es ganz schön in sich hat! Mit viel Humor und einer ordentlichen Portion Leichtigkeit, packt die Autorin die aktuellen Geschehnisse rund um die Pandemie und der damit verbundenen Maskenpflicht in ein buntes ABC-Reimbuch.

Trotz Maske ist nachts der Gesang
der Nachtigall von süßem Klang.

Beim Maskenball haben die Tiere sich natürlich mit einer Mundschutzmaske verkleidet, auch wenn man zunächst eine andere Feierlichkeit erwarten würde. Die Maskerade ist äußerst amüsant und wird immer in lustige, sich reimende Zweizeiler verpackt. Diese werden von zauberhaften Bleistift-Illustrationen gestützt. So braucht der Bär keine Diät zu machen, denn die Maske hindert ihn ausreichend vor zu übermäßiger Nahrungsaufnahme. Das Faultier braucht fast 20 Stunden, bis es die Maske umgebunden. Die Giraffe muss sich gar keine Sorge wegen ausreichend Abstand machen. Der lange Hals übernimmt es praktischerweise für sie. Und ja, eine Maske kann auch nerven. Lamas finden daran gar keinen Gefallen:

Spucken ist des Lamas Lust,
eine Maske bringt da Frust.


In einem angehängten Mitmachteil werden Kinder dazu animiert, selbst Masken zu gestalten und Gesichter fertig zu malen. Es gibt Punkt-zu-Punkt-Aktivitäten, eine Bildergeschichte, die weitererzählt werden möchte und anregende Fehlersuchbilder. Und warum dieses Bilderbuch nicht mal bei einer Videokonferenz den Kindern zu Karneval oder Fasching vorlesen? Lächelnde Gesichter wären garantiert!

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Die Maskerade mal auch mit einem Augenzwinkern betrachten – Diese Leichtigkeit ist wohltuend!

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Keri Smith – Mach dieses Bilderbuch fertig

Rezension

Ist ein Buch, das nicht benutzt wird, eigentlich überhaupt ein Buch?
Nein, denn Bücher brauchen ihre Leser.

Achtung! Dieses Bilderbuch ruft zur Interaktion mit dem eigenen Medium auf. Es definiert sich sogar erst durch die Verbindung mit dem Leser und möchte, dass den Seiten Leben eingehaucht wird, indem der Rezipient es mit allen Sinnen in sich aufnimmt: schütteln, riechen, knicken, kritzeln, tanzen … alles ist erlaubt und sogar erwünscht!

Es geht um die Reflexion von Nutzen und dem Benutzen der Bilderbücher im Allgemeinen. Die Autorin beleuchtet durchaus kritisch und doch gleichsam unterhaltsam den gewohnten Umgang mit Büchern. Wenn es nach der Autorin gingen würde, sollte man Bücher regelmäßig nutzen, statt sie nach dem Lesen ins Regal zum Verstauben zu stellen.

Dieses Bilderbuch ist eine Liebeserklärung an das geschriebene Wort in Papierform. Es macht Lust, lang vergessene Geschichten hervor zu holen und erneut in diese Welt einzutauchen, die man sich nur mit dem Buch teilt. Auch die Illustrationen wirken äußerst inspirierend, denn hier werden mit einfachen Mitteln die Bücher lebendig. In einer Collage bekommen die Bücher ein Gesicht, werden eingekleidet oder fungieren als fliegende Objekte. Die einzelnen Seiten sind zu Booten gefaltet oder dienen als Verzierung von wundersamen Korkenmännchen. Wer mag da nicht einsteigen und auch kreativ werden?

Die vorletzte Seite propagiert ein „Bitte nicht stören!“-Schild, denn Lesestunden brauchen auch hin und wieder Ruhe und Muße, während die letzte Seite passenderweise dazu einlädt das Bilderbuch erneut zu lesen und Neues zu entdecken. Es gibt schließlich viele Möglichkeiten, Zeit mit einem Buch zu verbringen.

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Ein etwas anderes Bilderbucherlebnis, mit einer kreativen und modernen Botschaft!

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Bewertung: 4 von 5.

Lisen Adbåge – Die Bestimmer

Rezension

Auf dem Schulhof gibt es zwei Gruppen Kinder. Die einen sind diejenigen, die bestimmen und die anderen dürfen mitmachen oder eben auch nicht. Die Bestimmer reißen die Macht an sich, Entscheidungen zu treffen, während die anderen sich fügen müssen, um nicht ausgeschlossen zu werden.

Wenn die Bestimmer auf die Schaukel möchten, scheuchen sie die anderen weg. Sie folgen den anderen zum Klettergerüst und befehlen auch dort, dass sie Platz machen und verschwinden. Die Hütten aus Zweigen zerstören sie, einfach um eigene zu bauen und natürlich dürfen bei diesem Unternehmen die anderen nicht mitmachen.

Auf dem Fußballplatz merken die Bestimmer, dass sie für zwei Mannschaften zu wenige sind und bestimmen doch gleich, dass die anderen mitmachen sollen. Doch die anderen schauen sich bloß an und sagen: „Nein!“.

Auch schon im Kindesalter ist das Thema „Macht“ und das Sagen haben sehr aktuell. Manche Kinder möchten Entscheidungen treffen und erwarten, dass die anderen sich fügen und zurückstecken. Im Klassenrat ist es bei uns immer wieder Thema, wenn sich die anderen über das „Chef-sein-wollen“ der Bestimmer beschweren. Dieses Bilderbuch zeigt sehr deutlich, dass dieses Verhalten sich irgendwann rächt. Gemeinschaft bedeutet immer aufeinander Rücksicht zu nehmen, sich abzuwechseln und Rollen zu tauschen. Das Blatt kann sich nämlich ganz schnell wenden, wenn man den Kindern beibringt bei Ungerechtigkeit „Nein!“ zu sagen und dieses Bilderbuch macht es gekonnt vor! Soziales Lernen kann man nicht früh genug anbahnen.

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Kinder im Selbstkonzept stärken und das „Nein-Sagen“ üben.

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Bettina Obrecht und Julie Völk – Dann gehe ich jetzt, sagte die Zeit

Rezension

„Ich mag den Fluss“, sagte sie versonnen.
„Er ist wie ich. Immer geht er weg und immer ist er da.

Die Zeit – auf dem Buchtitel lediglich als wehender Rest einer ungreifbaren Dimension dargestellt, die allgegenwärtig und doch so schnell vergänglich ist. Wenn man im Alltag etwas innehält und bewusst die Zeit genießt, verweilt sie etwas länger. Doch der rote Fuß, stets in Bewegung, zeigt, dass sie unaufhaltsam ist, genauso wie der Fluss – symbolhaft für den Fluss des Lebens, eben ein Wettrennen, das nur die Zeit gewinnen kann.

Ein poetisches Buch mit vielen philosophischen Gedanken, verpackt in zarte Buntstiftstriche, die den Leser in pastellfarbigen Illustrationen durch die Geschichte tragen. Die Zeit ist Laras Freund. Anders als ihre Familienmitglieder, versucht sie nicht die Zeit zu vertreiben oder sie gar totzuschlagen. Auf der Suche nach der verschollenen Zeit, erlebt sie, dass Menschen sie kaum zu haben scheinen, sie eilen unaufhörlich und behaupten, dass Zeit Geld sei.

Die Zeit verweilt gerne im Park, weil Menschen dort im Moment leben, genießen und so wie Lara den Blick für die kleinen und lebenswerten Dinge haben. Diese Verbildlichung der Zeit von Julie Völk ist einfach herausragend. Die Botschaft von Bettina Obrecht macht das Buch zu einem Herzensbuch, nicht zuletzt wegen dem Sprachspiel mit den Begrifflichkeiten rund um die Zeit, die sich in unserem Sprachgebrauch, teils absurderweise, verfestigt haben.

Jeder hat Zeit, sie ist allgegenwärtig. Lediglich die Prioritäten muss man sich anders legen, denn sie rennt für jeden unaufhörlich. Zwischendurch innen halten und genießen – das müsste sich jeder wert sein!

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Fazit

Ein Herzensbuch des Jahres mit einer klaren Kaufempfehlung!

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