Timon Meyer und Julian Meyer – Pauls Garten

Rezension

Die Meyer-Brüder konnten bereits mit ihrer Autoren- und Illustratoren-Kunst bei den Bilderbüchern „Heute nicht“ und „Rolf röhrt“ mehr als überzeugen und auch „Pauls Garten“ braucht sich hier nicht verstecken. Text und Bild ergänzen sich auf so eine natürliche symbiotische Art und Weise, dass das Eintauchen in die Geschichte ein Leichtes ist.

Paul ist ein leidenschaftlicher Gärtner und sein Gemüsebeet strotzt nur so vor saftigen Tomaten, scharfen Chilis und prallen Trauben. Die Bienen fühlen sich hier pudelwohl und haben alle Flügel voll zu tun. Von morgens bis abends beackert Paul seinen Garten und versorgt die Pflanzen mit Wasser, sät Samen aus und jät Unkraut. Da kommt ihm die neugierige Erna sehr gelegen, die wissbegierig über den Gartenzaun schaut. Die angebotene Hilfe nimmt Paul liebend gerne an und weist sie in die Gärtnerkunst ein. Gemeinsam düngen sie bis das Gemüse bis zur vollen Pracht sprießt. Als Erna die noch nicht ganz reifen Tomaten kosten möchte, warnt Paul, dass die Erntezeit und damit die Belohnung für die mühevolle Arbeit noch ein paar Tage auf sich warten lassen muss.

Doch wo sind die Radieschen?
Ach herrje, du liebes Lieschen!

Die Beete leer, die Bäume kahl.
Paule im Gesicht aschfahl.

Die Auflösung nach dem ersten Schreck lässt nicht lange auf sich warten. Hier kommen wichtige Werte ins Spiel, denn nach der Hilfsbereitschaft, die Erna Paul gegenüber an den Tag gelegt hat, in Verbindung mit ihrer Herzensgüte, was ihren Charakter letztlich auch ausmacht, kann der Leser sehr gut ihre weiteren Handlungen nachvollziehen. Es kann ihr keiner böse sein. Doch wie weit kann Herzenswärme und Güte gehen? Gibt es womöglich Grenzen?

Auch hier wurde die Gefühlsebene in den Gesichtausdrücken der Charaktere illustratorisch unglaublich gut eingefangen. Es wimmelt nur vor Emotionen und man leidet als Leser mit dem lieben Paule mit. Die ganze Mühe umsonst? Mein Lieblingsbild ist übrigens die Darstellung der beiden Freunde unter der dicken, schwarzen Wolke. Sie blicken verletzt, enttäuscht und zermürbt drein. Die Körper sind sich zugeneigt, doch die Augen voneinander abgewandt. Hier hat sich Schmerz ausgebreitet, wenn auch ungewollt und ohne boshafte Absichten, was an dem Resultat trotzdem nichts ändert.

Gleich der Redewendungen „Was du Anderen (Gutes) tust, kommt irgendwann zu dir zurück“ oder „Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus“, werden Paul und Erna von den Tieren letztlich reich beschenkt. Viel besser passt wohl noch das Sprichwort „Wie man sät, so erntet man“. Der Kreis des Gebens schließt sich zum Ende der Geschichte auf eine sehr wohltuende Art und Weise. Vielleicht ist das was die Freunde bekommen, letzten Endes auch das, was die menschliche Seele am meisten nährt? Nächstenliebe?

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Fazit

„Wie man sät, so erntet man“ – Gutes tun, tut gut!

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Hannah Pang und Clover Robin – Jahreszeiten

Rezension

Wie sehen die vier Jahreszeiten in den unterschiedlichen geografischen Gegenden der Erde überhaupt aus? Ist der Jahresverlauf und damit einhergehend die Magie der Natur überhaupt vergleichbar?

Hannah Pang geht diesen Fragestellungen in diesem Kindersachbuch nach und lädt zum genauen Schauen, Vergleichen, Diskutieren, Naturbücherwälzen und Staunen ein. Auf der ersten Doppelseite werden wohl die meisten Kinder mit ihrem Vorwissen abgeholt. Hier präsentiert sich eine prächtige und erhabene Eiche mit all den sie umgebenden Tieren und Pflanzen. Im Frühling leiht sie ihre Äste den Amseln, die darauf ihre Jungen ausbrüten. Im Sommer sprießt das grüne Blätterkleid und auch die Eicheln werden schon sichtbar. Die Herbstblätter dienen Tieren als Schutzlager und auch wenn im Winter die Eiche leer und kahl erscheint, so beherbergt sie doch einige Baumbewohner. Es ist alles eine Symbiose. Dieser Blick auf den Baum in seinen vier Jahreszeitenwandlungen ist faszinierend. Die Baumkrone und die Erdschicht bietet so viele Anknüpfungspunkte. Lediglich die Wurzelschicht hätte ich mir persönlich ebenfalls als Ergänzung gewünscht, um das Unsichtbare und doch Wesentliche den Kindern vor Augen zu halten.

Hoch im Norden in der Arktis sind nur zwei Jahreszeiten zu unterscheiden. Der Winter dauert viele Monate, während im Sommer die Sonne auch mitten in der Nacht noch zu sehen ist. Die Polarlichter sind ein Naturschauspiel! Die vier Jahreszeiten in Alaska, Australien, Afrika und China haben ihre ganz eigenen Besonderheiten und ihren angepassten Rhythmus an die Jahreszeiten, der das Leben auf der Erde so reich und außergewöhnlich macht.

Hannah Pang ist ein ganz besonderer Blick auf die Natur gelungen. Der Jahreszeitenwandel ist für Kinder omnipräsent und bietet bedeutende Anhaltspunkte im Empfinden der Zeit und Einschätzung der Dauer von Lebensereignissen. Umso schöner ist diese Erweiterung des Horizonts hin zu geografischen Gebieten, die so ganz anders geprägt sind. Die Darstellung des Mangrovenbaumes in der Regen- und Trockenzeit ist wahnsinnig spannend und heischt Faszination ein. Dieses Jahreszeitenbuch mit den zauberhaften Illustrationen in der Collagentechnik und den interaktiven Klappen ist ein Wurf!

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Fazit

Jahreszeitenverlauf mit dem Blick Richtung „Globus“ – für alle Naturfreunde und Weltentdecker!

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Janie Bynum – Das Plapperküken

Rezension

Das Plapperküken ist eine Quasselstrippe und das Mundwerk steht niemals still. Es piept unentwegt vor sich hin. Das Problem ist nur, dass es keine Zuhörer findet. Die Mutter sammelt Käfer von den Tomaten ein, der Vater muss arbeiten und kräht munter auf einem Holzzaun. Die Schwester ist unter einem Baum sitzend in ein Buch vertieft und hat für das Geplapper des Kükens ebenfalls keinen Nerv.

Das redefreudige Tier muss sich also mit sich selbst begnügen und beschließt im Garten vor sich hin zu buddeln. Dort stößt es auf ein großes und geheimnisvolles Ei, das auf die Plapperei des Kükens nicht reagiert. Der neue Freund, der dann bald nach der richtigen Fürsorge schlüpft, bleibt wenig redselig. Damit bildet es den perfekten Freund für die Quasselstrippe. Die gegensätzlichen Charaktere scheinen sich also gut zu ergänzen und bilden eine harmonische Verbindung.

Die Illustrationen des lebendigen Plapperkükens können kindlich-ehrlicher gar nicht sein. Die Figur verschafft sich schnell ein Freiticket in das Herz der jungen Zuhörer. Sehr bald fühlt man mit dem Küken mit und bedauert den recht authentischen und realitätsnahen Umgang des Umfelds in Bezug auf sehr redselige Mitmenschen. Sie können nun einmal sehr anstrengend und kräftezehrend sein. Viele reagieren daher mit Rückzug, so wie die Familie es vormacht. Die Problematik bleibt für das Plapperküken so lange bestehen, bis es einen Freund findet, der diesen Input und die besondere Zuwendung genießt. Vielleicht braucht es im Leben einfach nur den passenden Gegenpart? Dann ist man bei diesen Personen genau so richtig, wie man ist!

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Fazit

Quasselstrippen haben es aber auch nicht leicht!

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Michael Engler – Wir zwei und das Ei

Rezension

Aus der Bilderbuchreihe „Wir zwei gehören zusammen“ ist nun der fünfte Band erschienen. Die beiden Helden Hase und Igel genießen nach einem langen und grauen Winter die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und freuen sich auf einen aufregenden Frühling. Unten im Tal entdecken sie etwas Weißes, Rundes und Glattes. Es kommt ihnen einem Stein sehr ähnlich vor. Die Krähe klärt die beiden jedoch auf und betont:

Eines Tages schlüpft aus so einem Ei ein kleines Küken.
Jedoch nur, wenn das Ei immer warm gehalten wird.

Und so beschließen die beiden Protagonisten das Ei so gut es ihnen gelingt, warm zu halten. Dafür müssen sie es jedoch zu ihrer Lichtung bringen. Schließlich ist es doch wärmer. Sie rollen das Ei Meter für Meter und nach und nach verfärbt es sich. Es wird grün vom Gras, gelb vom frischen Löwenzahn und die Beeren zaubern blaue Punkte auf das Ei. Am Ende legt sich ein goldener Überzug aus Blütenstaub darüber. Der Zauber ist nun vollkommen!

Genauso wie in den Vorgängerbänden stehen die herzensguten, stets hilfsbereiten Tiere im Fokus der Geschichte. Sie vertreten die Werte, dass gemeinsam viel erreicht werden kann und nehmen sich die nötige Zeit die geheimnisvollen Wunder der Natur zu entdecken. Sie fühlen sich für alle Tiere des Waldes verantwortlich und scheuen keine Mühe andere zu unterstützen. Die Illustrationen mit den fein gestrichelten Figuren sind nicht zu überladen und fokussieren auf das Wesentliche, ohne allzu viel Ablenkung für die jungen Betrachter. Die stilsichere Reduziertheit ist dem Inhalt angepasst. Hieraus lassen sich zwei Bereiche thematisieren. Das Färben der Ostereier mit Naturfarben ist eines der beiden wesentlichen Aufhänger und Anknüpfungspunkte, genauso wie die Entwicklung eines Küken, mit all seinen Entwicklungsstadien.

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Kurz vor Ostern bietet es sich an, für die Eltern oder die Kinder eine kleine Osterüberraschung zu basteln. Diese Eierbecher in Form eines Hasen und Küken, sind schnell und ohne viel Materialaufwand fertigzustellen. Die Papierrolle als Halterung kann angemalt oder mit Krepppapier umwickelt werden, sodass dort ein Osterei oder Sckokoladenei Platz finden kann.

Fazit

Vorfreude auf Ostern und das Eierfärben steigern – gemeinsam gelingt das am besten!

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Helme Heine – Der Hase mit der roten Nase (Unterrichtsmaterial)

Rezension

Der Hase mit der roten Nase und einem blauen Ohr in Helme Heines Klassiker wird zum Protagonisten auf der Bühne der Thematik „Andersartigkeit“. Der Hase ist sich seiner äußeren Ausgefallenheit zunächst unsicher, denn auch er neigt dazu so sein zu wollen, wie alle anderen. Nicht nur seine Artgenossen wundern sich über das besondere Aussehen, auch die anderen Tiere staunen ganz schön. Traurig sitzt er am Ufer eines Sees und frisst ganz alleine Klee.

Erst als der Fuchs, als natürlicher Feind eines Hasen, ihn nicht als solchen erkennt, wandelt sich der Blickwinkel des unsicheren Hasen. Durch diese Erfahrung lernt er die Vorteile seiner Andersartigkeit zu schätzen. Dieses Gedicht in eingängigen Paarreimen ruft dazu auf, seine individuellen Stärken und Schwächen anzunehmen. Selbstakzeptanz ist ein zu fördernder Arbeitsbereich, auch schon bei sehr jungen Kindern. Gewöhnlich fällt es ihnen nicht schwer, sich an die Zeilen zu erinnern, sodass es sich perfekt für die Osterzeit zur Einbindung im integrativen Deutschunterricht in den Klassen 1 und 2 eignet.

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Das Übungsheft zum Gedicht wurde für die Klassen 1 und 2 konzipiert und bietet differenzierte Aufgaben an, aus denen die Lehrkraft die für ihre Lerngruppe entsprechenden Aufgaben zusammenstellen kann. Es gilt Sätze in die richtige Reihenfolge zu bringen, Reimwörter zu ergänzen, Fragen zum Text zu beantworten oder zu unterschiedlichen Textabschnitten passende Bilder zu gestalten. Damit üben die Schülerinnen und Schüler das sinnentnehmende Lesen, vertiefen ihr Textverständnis und erweitern ihre Lese- und Schreibkompetenz auf der Wort- und Satzebene.


Ein Fokus liegt auf der Verbalisierung der Empfindungen und Emotionen. Die Anwendung des Perspektivwechsels wird angebahnt, indem Schülerinnen und Schüler sich in die Tiere und den Hasen hineinversetzen und die Sprech- und Gedankenblasen zu den Figuren formulieren. Lies und mal-Aufträge, Suchsel und österliche Aufgabenformate runden das Lernangebot zusätzlich ab. Der kurze Text lädt dazu ein, die Geschichte nachzuspielen oder szenisch zu inszenieren.

Fazit

Förderung von Selbstakzeptanz und Toleranz gegenüber von Andersartigkeit.

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Michelle Robinson – Die kleine Zahnfee

Rezension

Zahnfee will ich werden, das ist mein großes Ziel.
Mit meiner Schwester Maja üb ich seit heute viel!

Tilda ist eine fleißige Zahnfee und hängt an den Lippen ihrer Schwester, die wertvolle Tipps und Tricks aus dem Leben einer Zahnfee an ihre jüngere Schwester weitergibt. Sie warnt aber auch vor der wichtigsten Regel, dass das Kind niemals aufwachen darf. Nach einigen Theoriestunden gilt es nun, sich zunächst im Tierreich unter Beweis zu stellen. Denn auch dort verlieren Tierkinder Zähne.

Während es bei Baby Nilpferd noch ohne große Schwierigkeiten verläuft, birgt das Abholen der Beißerchen von Krokodilbabys, Seehunden- und Anakonda-Kindern durchaus seine Gefahren. Doch mit Bravour meistert sie auch diese Abenteuer. Endlich darf sie einem Menschenkind eine Münze unter das Kopfkissen schieben. Doch ausgerechnet an ihrem ersten Tag als Zahnfee passiert ihr das größte denkbare Malheur: Das Kind wacht auf!

Dieses gereimte Bilderbuch spricht ein Thema an, das für Kinder im Alter von 6-8 Jahren eine große Relevanz aufzeigt. Sie identifizieren sich mit dieser für sie äußerst wichtigen Entwicklungsphase und damit auch mit der Thematik. Wie oft erlebe ich es, dass Wackelzähne mitten in der Frühstücksphase sich verabschieden und die Kinder stolz den Zahn für die Zahnfee einpacken, um es unter das Kopfkissen zu legen.

Diese magische Geschichte versprüht einen ganz eigenen Charme. Tilda wird bei ihren Versuchen die Wackelzähne gefährlicher Tiere einzusammeln, immer von Feenstaub begleitet. Dieser umwobene Zauber begleitet auch das Menschenkind bis in den Schlaf, sodass die selige Atmosphäre perfekt zur Gute-Nacht-Geschichte passt.

Bevor die kleine Frieda begreift, was da geschieht,
hat sie mein Feenglitzer schon in den Schlaf gewiegt!

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Fazit

Die kleine Zahnfee und ihr Feenglitzer versprühen eine ganz eigene magische Stimmung!

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Rotraut Susanne Berner – Einhorn, Bär und Nachtigall tanzen auf dem Maskenball

Rezension

26 Maskentiere laden zu einem Maskenball ein, der es ganz schön in sich hat! Mit viel Humor und einer ordentlichen Portion Leichtigkeit, packt die Autorin die aktuellen Geschehnisse rund um die Pandemie und der damit verbundenen Maskenpflicht in ein buntes ABC-Reimbuch.

Trotz Maske ist nachts der Gesang
der Nachtigall von süßem Klang.

Beim Maskenball haben die Tiere sich natürlich mit einer Mundschutzmaske verkleidet, auch wenn man zunächst eine andere Feierlichkeit erwarten würde. Die Maskerade ist äußerst amüsant und wird immer in lustige, sich reimende Zweizeiler verpackt. Diese werden von zauberhaften Bleistift-Illustrationen gestützt. So braucht der Bär keine Diät zu machen, denn die Maske hindert ihn ausreichend vor zu übermäßiger Nahrungsaufnahme. Das Faultier braucht fast 20 Stunden, bis es die Maske umgebunden. Die Giraffe muss sich gar keine Sorge wegen ausreichend Abstand machen. Der lange Hals übernimmt es praktischerweise für sie. Und ja, eine Maske kann auch nerven. Lamas finden daran gar keinen Gefallen:

Spucken ist des Lamas Lust,
eine Maske bringt da Frust.


In einem angehängten Mitmachteil werden Kinder dazu animiert, selbst Masken zu gestalten und Gesichter fertig zu malen. Es gibt Punkt-zu-Punkt-Aktivitäten, eine Bildergeschichte, die weitererzählt werden möchte und anregende Fehlersuchbilder. Und warum dieses Bilderbuch nicht mal bei einer Videokonferenz den Kindern zu Karneval oder Fasching vorlesen? Lächelnde Gesichter wären garantiert!

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Fazit

Die Maskerade mal auch mit einem Augenzwinkern betrachten – Diese Leichtigkeit ist wohltuend!

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Daniela Kunkel – Das kleine WIR zu Hause

Rezension

Das kleine WIR ist mittlerweile eine Kultfigur und sorgt in vielen Klassenzimmern für ein besseres Klassenklima und die Einhaltung von Klassenregeln. In diesem Band widmet sich das kleine WIR den Familien, denn auch dort ist einiges beim wertschätzenden Miteinander und dem liebevollen Zusammenhalt innerhalb der Familienmitglieder zu tun.

Jede Familie ist einzigartig und besonders. Es gibt große Familien, bei denen die Großeltern mit im Haus leben oder kleine Familien, die aus nur zwei Personen bestehen. Auch Haustiere können eine Familie ergänzen. Die Familienkonstellationen sind vielfältig, doch eines haben sie alle gemeinsam: Jede Familie hat ein kleines WIR. Es verbindet alle Familienmitglieder, vergleichbar mit einem unsichtbaren Wollknäul. Man ist im Herzen immer miteinander vereint, auch wenn man nicht zusammen ist.

Familie Fusselgrün hat ebenfalls ein starkes WIR. Es wird zusammen gekuschelt, gespielt und auch mal beim Aufräumen Quatsch gemacht. Doch irgendwann ziehen in jede noch so fröhliche Familie Gewitterwolken ein. Die unterschiedlichen Bedürfnisse und Empfindlichkeiten führen zu Unmut und Streit. Die negativen Gefühle werden an anderen entladen und dunkle Schimpf-Wolken und Wut-Blitze ziehen auf. Das bringt das kleine WIR zum Schrumpfen, bis es irgendwann gar nicht mehr auffindbar ist.

Jetzt hilft nur Zusammenhalt bei der Suche nach dem kleinen grünen Wesen. Anschließend entwirft Familie Fusselgrün einen „Familien-Gewitter-Notfall-Plan“, um vorbeugend Streitigkeiten zu vermeiden und die Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder angemessen und rechtzeitig berücksichtigen zu können.

Daniela Kunkel hat es wieder geschafft ein Bilderbuch so herzerwärmend und realitätsnah zu illustrieren, das in keiner Familie fehlen darf. Es fängt außerdem die momentane Situation des Corona-Lockdowns mehr als gelungen ein. Familien verbringen nun viel mehr Zeit miteinander und sehen sich vor einige Herausforderungen gestellt. Geschwisterkinder zoffen sich, der Haushalt explodiert und der Ehemann hört einfach nicht zu. Der Haussegen kann schnell schief hängen. Doch auch wenn solche Tage zum Familienleben dazugehören, braucht es zum Ausgleich der Waage liebevolle Erlebnisse und wertvolle Momente miteinander. Praxisnahe Anregungen für die Umsetzung bietet das Bilderbuch in Fülle und Hülle.

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Fazit

Das WIR-Gefühl innerhalb von Familien stärken – gewusst wie!

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Bewertung: 5 von 5.

Ursel Scheffler – Ach, du dicker Weihnachtsmann

Rezension

Der Weihnachtsmann hat seine Arbeit für dieses Jahr verrichtet. Alle Päckchen sind verteilt und nun darf er sich endlich ausruhen. Er hat Ferien bis zum nächsten Weihnachtsfest! Entspannt nimmt er ein Fußbad, schläft lange aus und frühstückt am nächsten Morgen fast zwei Stunden lang ganz gemütlich. Nach sieben Brötchen und fünf Tassen Milchkaffee, blättert er in der Tageszeitung und kann seinen Augen nicht trauen. Er liest die fettgedruckte Überschrift und erschreckt gewaltig:

Der Bart muss ab, Herr Weihnachtsmann!

Der Weihnachtsmann entspricht nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit.
Dieser bärtige, fette alte Mann, der Kindern Süßigkeiten und nutzlosen Spielkram
bringt, gehört abgeschafft!

Im Spiegel betrachtet sich der Weihnachtsmann kritisch und muss tatsächlich feststellen, dass er schon einmal fitter und jünger aussah. Also rasiert er sich den Bart ab und entschließt sich, mehr auf seine Gesundheit zu achten. Sein Ziel ist es, ein moderner, gesunder und praktischer Weihnachtsmann zu werden. Er fährt fortan Fahrrad, liest Bücher über „Gesunde Ernährung“, joggt, macht Kniebeugen und Yoga-Übungen, pflanzt Obst und Gemüse an und beschließt nächstes Jahr nur noch nützliche Geschenke zu verteilen.

Ganz still war es auf einmal. Und der Weihnachtsmann dachte: „War das ein verrücktes Jahr!“ Er hatte viel gelernt über sich und die Welt.

Ursel Scheffler präsentiert eine etwas andere Weihnachtsgeschichte, die sich vordergründig auf die Zeit nach Weihnachten konzentriert und genau das in den Blickwinkel nimmt, womit sich die Menschen hauptsächlich beschäftigen: Neujahresvorsätze! Es geht darum, den Winterspeck loszuwerden, die Ernährung umzustellen, sich weiterzubilden und dem Leben grundsätzlich mehr Sinnhaftigkeit zu verleihen.

Jutta Timm bebildert den verschmitzten Weihnachtsmann gekonnt in expressiven und lebendigen Illustrationen. Oft darf man die Bilder, ohne jegliche Texteinschübe, einfach für sich genießen. Die Transformation wird hier äußerst gelungen eingefangen. Das Harmonieverhältnis zwischen Text und Bild spielt erfolgreich Ping-Pong.

Blick ins Buch

Und weil so viele die gleichen Vorsätze wie der Weihnachtsmann haben, lohnt es sich einen Blick auf die „Gesunde Ernährung“ zu werfen. Das kann in Form eines Lapbook erfolgen, welches für das 2. Schuljahr konzipiert wurde. Bleibt gesund und munter!

Fazit

Ein unterhaltsames Bilderbuch für die Zeit nach Weihnachten, mit einem Augenzwinkern erzählt!

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Bewertung: 4.5 von 5.

Nikola Huppertz – Gebrannte Mandeln für Grisou

Rezension

Vanillekipferl liegen auf dem Backblech und nur noch wenige verschlossene Türchen des Adventskalenders sind zu sehen. Diese heimelige Atmosphäre begrüßt den Leser auf der ersten Doppelseite. Die Weihnachtsgeschichte dreht sich um den sprechenden Papagei Gisou, der seine Familie im Vorweihnachtsstress erlebt. Alle scheinen in Eile zu sein und zwar so sehr, dass die Mutter nicht daran denkt, die Käfigtür zu schließen.

Gisous Traum nach frisch gebrannten Mandeln ist nun greifbar nah. Er nimmt all seinen Mut zusammen und hebt in die dämmrige Kälte ab. Doch die Suche und der Weg insgesamt sind voller Gefahren und von zeitweiser Mutlosigkeit geprägt. Hin und wieder begegnet man im Leben bedeutsamen Wegweisern, die einen lenken. So schafft es auch Gisou schließlich doch noch pünktlich an Heiligabend zurück zu seiner Familie, wo er seine geübten Kunststücke aufführt und das Lied „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ mitträllert.

Die modernen Illustrationen von Andrea Stegmaier werden vordergründig von gedämpften und naturbelassenen Farbpaletten bedient. So präsentiert sich das Bilderbuch in den unterschiedlichen Abstufungen von Grautönen, Beige und Orange. Es schildert die Sehnsucht nach Familie, Nähe und Heimeligkeit, trotz all des Trubels und der Aufregung, die so eine Vorweihnachtszeit mit sich bringt. Das eigentliche Nest und damit verbunden dieser gewisse Zug zurück zu dem Vertrauensvollen und Warmen, ist in der Weihnachtszeit so groß und bedeutungsvoll wie sonst nur selten im Verlauf des Jahres.

Blick ins Buch
Fazit

Bei der Familie ist es vor allem in der Weihnachtszeit am schönsten!

Bewertung: 4 von 5.

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