Sabine Hönnige und Martina Unterfrauner – Das Zebra Wisch und Weg

Das Zebra Wisch und Weg

Das Zebra Wisch und Weg ist ein besonderes Zebra. An seinem Schwanz hängt ein großer, löchriger Zauberschwamm. Da es vor vielen Dingen Angst hat, zaubert es sich einfach mi dem Spruch „Schwämmchen, Schwämmchen, hör mir zu, ich will hier weg, dann hab ich Ruh!“ weg und taucht an einem anderen Ort wieder auf.

Der große Elefant macht dem Zebra Angst, genauso wie Dunkelheit, Höhe, Streitigkeiten, seltsame Geräusche und und und. Doch eines Tages ist sein Zauberschwamm einfach verschwunden und das ängstliche Zebra muss sich seinen Ängsten stellen. Bei einer Spinnen-Rettungsaktion merkt das Zebra, dass seine Angst oft unbegründet ist und man sich manchmal nur etwas trauen muss. Sein Mut wird belohnt und er lernt, dass es wichtig ist über seine Ängste und die unangenehmen Dinge zu sprechen.

„Das Zebra Wisch und Weg“ ist eine Angstbewältigungsgeschichte. Der erste Schritt ist immer sich als Kind die eigene Angst einzugestehen. Damit umzugehen ist der nächste Schritt. Das Zebra flüchtet sich zunächst vor scheinbar bedrohlichen Situationen und dichtet sich die schrecklichen Ereignisse zurecht. Irgendwann ist es gezwungen sich der eigenen Angst zu stellen und merkt, dass diese auch überwunden werden kann.

Sehr schön ist der vorgeschlagene Zugang erst über die Angst und die bedrohlichen Situationen zu sprechen. Zur Bewältigung schaut das Zebra daraufhin genauer hin, um zu erkennen ob Flucht sinnvoll ist, wie z.B. bei einer Begegnung mit Löwen oder Hyänen oder ob die Situation durch die eigene Angst verzerrt wurde. So entpuppt sich das dunkle Monster schnell als der eigene Schatten. Diese Differenzierung ist für das Überleben von Mensch und Tier sehr wichtig.

Das Bilderbuch ist mit einem Seitenumfang von 40 Seiten ziemlich umfassend. Die Darstellung der Mimik und Körperhaltung lassen keinen Zweifel an der Gefühlslage des Zebras; allein das traurige Gesicht und die zusammengekrümmte  Haltung auf der Titelseite sprechen Bände. Erfreulicherweise widmet sich die Autorin dem befreienden Gefühl, das die Loslösung von der Angst mit sich bringt, sehr ausführlich. So entdeckt das Zebra nach und nach, was es zuvor aufgrund der beherrschenden Angst alles verpasst hat: den funkelnden Sternenhimmel bei Nacht oder den kitzelnden Windhauch hoch oben auf den Bergen. Hier zeigt sich auch, dass es Wirklichkeit als solche nicht gibt, sondern nur die von uns – innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen – konstruierte Wirklichkeit.

Das Zebra Wisch und Weg

„Das Zebra Wisch und Weg“ ist ein aufbauendes Bilderbuch, das dazu einlädt, mit Kindern über ihre Ängste zu sprechen.

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Géraldine Elschner und Peggy Nille – Die Katze und der Vogel

Die Katze und der Vogel_Paul Klee

Die kleine Katze sitzt im goldenen Käfig. Eigentlich mangelt es ihr an nichts. Sie hat ein gemütliches Körbchen, warme Milch, Spielzeug und doch beneidet sie den Vogel im Garten um die Schönheit der Freiheit. Dort draußen leuchten die roten Blätter des Herbstes. Wenn sie die Augen schließt kann sie den Duft der Kastanien riechen und das weiche Moos unter ihren Pfoten spüren.

Der Vogel ist frei und die Katze gefangen. Und so bittet die Katze den Vogel ihre Gitterstäbe aufzupicken. Trotz des anfänglichen Misstrauens macht sich der Vogel an die Arbeit, schließlich hat die Katze ihm ihr Wort gegeben. Wird sie sich auch daran in der Freiheit halten?

Inspiriert vom Bild „Katze und Vogel“ des Künstlers Paul Klee erzählt die Autorin eine bezaubernde Geschichte. Das Originalbild wurde auf der vorletzten Seite im Großformat abgedruckt und regt bereits zum Nachdenken an. Mitten auf der Stirn der Katze ist ein kleiner Vogel abgedruckt. Ist es Sehnsucht, Traum oder bloß Erinnerung? Das Tolle an der Kunst ist, dass man sich entführen lassen kann. Hier gibt es kein Richtig und kein Falsch. Die Bildbetrachtung kann bereits vor dem Vorlesen stattfinden, die Interpretationsansätze der Kinder sind äußerst spannend und fantasiereich.

Die Illustrationen sind im Stil von Paul Klee gehalten. So lassen sich  schon bald die typischen Merkmale von Paul Klees Malstil herausarbeiten – Vereinfachung in der Darstellung, unrealistische Farbwahl etc.. Als Leser spürt man regelrecht mit allen Sinnen die Sehnsucht der Katze ihrem goldenen Käfig entfliehen zu können. Und doch schwankt man zwischen Furcht und Hoffnung. Wird die Katze ihr Versprechen halten? Der Ausgang des Bilderbuchs ist eine Möglichkeit das Kunstwerk zu interpretieren.

Auf der letzten Seite finden sich sechs Fragen zum Künstler und zum Kunstwerk, die sehr kindgerecht beantwortet werden. Hier bekommt man zusätzlich Informationen zu seinem Lebenslauf und zu seiner Liebe zu Farben. Des Weiteren wird ein weiterer Ausgang zur Geschichte angeschnitten, was ich besonders interessant finde.

Die Katze und der Vogel

weiterarbeit
Es wäre denkbar im Deutschunterricht einige Kunstwerke als Anlass zu nehmen, um dazu eigene Geschichten zu erfinden.
Für den Kunstunterricht hält der Band Kinder entdecken Paul Klee: Die kunterbunte Fundgrube für den Kunstunterricht  einige Ideen parat, wie z. B. Linienbilder herstellen, Schnurdruck etc.

Eine bezaubernde Geschichte rund um ein Kunstwerk, mit vielen Einsatzmöglichkeiten in der Grundschule.

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Georgina Andrews und Kate Knighton – 100 spannende Experimente für Kinder

100 spannende Experimente für Kinder

In der dunklen Jahreszeit steht Familien viel gemeinsame Zeit in den eigenen vier Wänden zur Verfügung. Diese kann abwechslungsreich gestaltet werden. Neben Brettspielen, Malen, Basteln, Konstruieren, Lesen, Rollenspiele spielen, darf auch gerne experimentiert werden. Die Welt anhand von Experimenten rund um Überraschungen aus der Natur zu erforschen, macht großen Spaß.

Dieses Buch lädt zu einer Entdeckungsreise in die Themengebiete „Magnetismus“, „Schall“, „Luft“, „Energie“ und „Wasser“ ein. Die Kinder lernen hierbei das genaue Hinschauen, sich über einen längeren Zeitraum auf eine Sache zu konzentrieren und Dinge einfach auszuprobieren, ohne sich bei den ersten Versuchen entmutigen zu lassen.

In dieser Sammlung finden sich viele bekannte Experimente, wie z.B. „sinkender Taucher“, „Versenkung der Büroklammer“, „schwimmendes Ei“ oder „schwimmende Blume“. Die größte Stärke ist hierbei jedoch die visuell attraktive Aufbereitung der Versuche. Da wird der mit Büroklammern beschwerte Deckel nicht in eine einfache Plastikflasche getaucht, sondern in eine zuvor zu eine Unterwasserwelt verwandelte Szenerie. Das Mischen von Säuren und Basen erfolgt als Darstellung eines Monsters, das vor sich hin schäumt. Das hat für Kinder natürlich einen ganz anderen Reiz und man hat dem Experiment zusätzlich einen kleinen Rahmen, eine Geschichte verliehen.

Zum Thema „Winter“ lässt sich aus der Fülle der Beispiele sehr schnell eine kleine Unterrichtsreihe zusammenstellen. Da eignen sich Versuche wie „Eisberge angeln“, „Eis schmelzen lassen“ oder „Durch Eis schneiden“. Es lassen sich auch Verbindungen zur kindlichen Lebenswelt herstellen, etwa mit der Fragestellung was das Bestreuen der Straßen mit Salz im Winter bewirkt. Oder was der Versuch „Durch Eis schneiden“ mit Schlittschuhlaufen auf der Eisbahn gemeinsam hat. Die Welt ist voller Überraschungen und spannender Erkenntnisse!

100 spannende Experimente für Kinder

Bekannte Experimente visuell attraktiv aufbereitet.

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Ruth Wielockx – Der kleine Christbaum

Der kleine Christbaum

Bald ist Weihnachten. Das kleine Christbäumchen freut sich ganz besonders darauf dieses Jahr in einem Haushalt auf viele glückliche Kindergesichter blicken zu dürfen. Die anderen Bäume befürchten jedoch, dass er noch zu klein ist und unter ihm nicht viele Geschenke Platz finden und nicht so viele Lichter aufgehängt werden können. Nachdem der starke, der knorrige, der stärkste und der schmale Christbaum verkauft wurden, bleibt der kleine Christbaum ganz allein auf dem Platz stehen. Langsam wird es kalt und dunkel. Doch bevor der Christbaumverkäufer das Tor schließen kann, kommt noch ein letzter, ganz besonderer Käufer …

Dieses nicht nur zauberhaft illustrierte, sondern auch herzzerreißend schön erzählte Bilderbuch hat sich in mein Herz der besten Weihnachtsbücher gebrannt. Es ist sehr emotional und schildert die Sehnsucht der kleinen Tanne endlich ein richtiger Christbaum zu werden.

Mithilfe der unterschiedlichen Käufer (Bäcker, Gemüsehändler, Bürgermeister etc.) und den damit verbundenen sich wiederholenden Elementen, steigt bei den Zuhörern die Ungeduld und die Vorfreude zugleich. Voller Inbrunst sangen wir den repetitiven Zusatz „Frohe Weihnachten!“, als ein Bäumchen nach dem anderen verschwand. Auf Nachfrage waren sich die Zuhörer einig, dass natürlich auch der kleine Christbaum einen Besitzer finden wird.

Als ich die Seite aufschlug, auf dem das Bäumchen einsam im Dunklen stand und für einen Moment innehielt, sah ich gleichzeitig in über 20 fassungslose und traurige Kindergesichter. Im Klassenraum herrschte absolute Stille und Unglaubwürdigkeit. Einem Kind stiegen vor lauter Verblüffung sogar die Tränen in die Augen. Solche Vorlesemomente verdeutlichen, dass Kinder in Geschichten emotional eintauchen und durch Bilder und Sprache tief berührt werden können. Was war die Erleichterung groß, als doch noch ein Käufer auftauchte! Dies wurde mit einem kräftigen und befreienden Applaus gewürdigt.

Der kleine Christbaum

Eines der besten Weihnachtsbücher, die ich kenne!

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Matthias Sodtke – Weihnachten mit Nulli und Priesemut

Weihnachten mit Nulli und Priesemut

In diesem Sammelband der beiden Abenteurer Nulli und Priesemut befinden sich zwei winterliche Geschichten, als zusätzliches weihnachtliches Extra ein Rezept für  Lebkuchen-Nullis und eine Bastelanleitung für einen Spitztüten-Adventskalender.

Wie sieht ein RICHTIGER Schneemann überhaupt aus? Das wollen die beiden Freunde herausfinden und bauen zwei komplett unterschiedliche Schneemänner. Während der eine lange Ohren aus Karotten und Hasenzähne hat, sieht der andere einem Frosch ziemlich ähnlich. Und jeder findet, dass er den richtigen Schneemann gebaut hat. Nun muss Oma Bär beurteilen wie ein richtiger Schneemann auszusehen hat. Dafür nimmt sie zwei unterschiedlich aussehende Äpfel und fragt die Freunde welcher Apfel der falsche ist… schon bald kommen sie „fast“ von selbst auf die Lösung ihres Problems.

Priesemut möchte eine Tanne vor das Haus stellen, damit der Weihnachtsmann weiß, dass hier Weihnachten gefeiert wird und Geschenke vorbei bringt. Nulli glaubt aber so gar nicht an den Weihnachtsmann, lässt sich jedoch auf das Vorhaben ein. Nach dem Einpflanzen und Schmücken der Tanne im Vorgarten warten die Freunde gespannt auf den Weihnachtsmann, doch schon bald fallen die Augen  vor lauter Müdigkeit zu. Ob der Weihnachtsmann den Baum gesehen und Geschenke vorbei gebracht hat?

Vor allem die erste Geschichte aus diesem Band hat mich begeistert. Kinder vergleichen sich in jüngeren Jahren sehr stark, versuchen sich zu messen und machen sich auf die Suche nach „richtig“ oder „falsch“. Diese Geschichte rund um den Schneemann zeigt, dass manchmal beide Sichtweisen richtig sein können. Schließlich gibt es auch keinen falschen Apfel, sie sehen dann eben etwas anders aus – mal grün, gelb oder rot; groß oder klein, glatt poliert und glänzend oder eben schrumpelig.

Diese Sicht auf die Andersartigkeit ist sehr wertvoll und eine bedeutende Erkenntnis. Hier ist es zusätzlich in eine schöne Weihnachtsgeschichte verpackt und lässt sich wunderbar in der Adventszeit thematisieren. Wir griffen es in unserem Kunstunterricht bei der Betrachtung unserer Ausstellung  „Spatzen im Winter“ auf. Sie sahen bei jedem Kind ein bisschen anders aus und doch waren das alles Spatzen. Hier kommen die Kriterien gut zum Einsatz um den Kindern klar zu machen, was einen Spatzen z.B. von einem Raben unterscheidet.

Das Aussuchen und Schmücken der Tanne lässt die Vorfreude auf das Weihnachtsfest steigen. Hier wird es besinnlich und aufregend zugleich.

WEihnachten mit Nulli und Priesemut

Zwei Weihnachtsgeschichten, die die Wartezeit auf das Weihnachtsfest versüßen.

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Valeri Gorbachev – Goldilocks and the three bears

Goldilocks and the three bears

 

Valeri Gorbachev hat das Märchen „Goldilocks and the three bears“ in einem nostalgisch angehauchten Illustrationsstil gezeichnet. Es wirkt wie ein richtiger Kinderbuchklassiker und erinnert mich an meine Vorlesebücher vor dem Zubettgehen. Vielleicht schimmern hier auch seine ukrainischen Wurzeln durch, die ihn geprägt haben.

Die Geschichte ist sprachlich keinesfalls vereinfacht. Der Erzählstil beinhaltet wenige wiederholende Sprachstrukturen. Dafür lassen sich hier authentische Ausdrücke finden, wie z.B. die Einbindung des Adjektivs „wee“, das für winzig steht. Es lassen sich darüberhinaus mehr Einzelheiten finden, wie z.B. die folgende Information:

Goldilocks had messed up covers on the great big father bear’s bed.

Um Kindern ein echtes Sprachgefühl für authentische Bilderbücher zu vermitteln, die nicht für Lerner angepasst und vereinfacht wurden, eignet sich das Buch wirklich gut. Zum einen ist den Kindern der Inhalt oft bekannt, sodass sie sich sehr gut auf die sprachlichen Feinheiten konzentrieren können. Es wäre denkbar das Buch zu Differenzierungszwecken einzusetzen. Mit einem „easy speak„-Mikrofon könnten die leistungsstarken Kinder sich die Version auch selbst anhören.

Goldilockss and the three bears

Material

Die Geschichte lässt sich wunderbar als Rollenspiel oder Stabpuppenspiel umsetzen. Als Requisiten benötigt man lediglich vereinfachte Gegenstände wie drei unterschiedlich große Schalen, drei Stühle und drei ISO-Matten. Die hier vorgestellte Version lässt sich bereits im 2. Schuljahr ohne viel Vorbereitung im schulischen Rahmen vorführen.

Bild_Goldilocks

Authentisches Bilderbuch schön verpackt

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Astrid Henn und Stephanie Schneider – Elefanten im Haus

Elefanten im Haus

In Fines Haus sind neue Nachbarn eingezogen. Alle anderen Bewohner des Hauses warnen das Kind vor den „Neuen“ und behaupten, dass sie  wie Elefanten ständig trampeln würden. Überhaupt sollte man sich vor ihnen in Acht nehmen.

Fines hofft, dass es in der Familie mehrere „Elefantenkinder“ gibt, mit denen sie spielen könnte und klingelt gleich an der Tür. Etwas verlegen bittet die dicke Elefantenfrau Fine herein und sie nimmt auch schon gleich einen etwas anderen Geruch wahr: „Irgendwie interessant“, stellt sie fest. Schnell freunden sich die Kinder an und ignorieren alle Vorurteile der Erwachsenen. Diese Toleranz schwappt schnell über:

… und so trotten alle Nachbarn brav hinter Papa her, um den Neuen zu sagen, wie gut es ist, dass sie da sind.

Dieses Bilderbuch hat eine fabelhafte Aufmachung und kommt inhaltlich sehr verschmitzt und schon fast frech daher. Stephanie Schneider spielt gekonnt in ihren Illustrationen mit Licht und  Schatten und verdeutlicht damit die Wechselwirkung zwischen Angst, Vorbehalten, Unsicherheit und aber auch Neugierde, Nächstenliebe, Offenheit.

Das kleine Mädchen verkörpert das Licht, während viele ihrer Nachbarn stets das Negative sehen und aufgrund ihrer Angst vor dem Neuen und Unbekannten einfach nur geblendet werden. Astrid Henn zeigt ganz kindlich auch die Wahrnehmung der Andersartigkeit der neuen Bewohner und lässt ihre Protagonisten sehr realistisch den fremdartigen Geruch wahrnehmen oder dem Umzug anzulastende Unordnung. Und doch sind die natürlich übertrieben dargestellten „Elefanten“ den Bewohnern gegenüber offen und zuvorkommend. Sie bitten das Mädchen herein und zeigen sich herzensgut.

Die Autorin hat das Kinderlied „Was müssen das für Bäume sein“ sehr passend abgewandelt und fasst somit die Kernaussage des Bilderbuchs sehr humorvoll zusammen:

Was müssen das für Räume sein,
wo die großen
Elefanten zur Miete wohnen,
ohne sich zu stoßen.

Elefanten im Haus

In der heutigen Flüchtlingskrise kann das Buch nicht oft genug vorgelesen werden. Hier können sogar viele Erwachsene sich etwas abschauen.

 

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Jenni Desmond – Das Zebra, das zu schnell rannte

Das Zebra, das zu schnell rannte

Das Zebra, das sehr schnell rennen kann, hat zwei beste Freunde: einen Elefanten, der sehr klug ist und interessante Geschichten erzählen kann und einen Vogel, der äußerst witzig ist und alle zum Lachen bringt. Zusammen sind sie die drei allerbesten Freunde. Doch eines Tages war das Zebra so aufgedreht und fröhlich, dass er ZU schnell rannte und den Freunden davon ganz schwindelig wurde. Sie baten das Zebra damit aufzuhören, doch das Zebra hörte nicht auf. So entschieden der Elefant und der Vogel, dass sie zu zweit besser dran sind.

Eine Giraffe fand das traurige Zebra und bot ihm ein paar frische Blätter an. Nun rannten sie zusammen um die Wette. Währenddessen zog ein schwerer Sturm auf und der Elefant und der Vogel wünschten sich Zebra zurück, um sie mit einem Zebra-Spiel aufzuheitern. Das Gewitter machte ihnen Angst. Sie fanden Zebra bei Giraffe und spielten, lachten und lauschten interessanten Geschichten, bis sie einschliefen. Am nächsten Morgen waren sie jedoch nicht mehr die drei allerbesten Freunde… denn sie waren jetzt zu viert!

Jenni Desmond hat hier ein sehr zauberhaftes und modern illustriertes Bilderbuch geschaffen. Durch feine Linienstriche schafft sie es den Figuren ganz eigene Charakterzüge zu verleihen. Dabei ist stets Bewegung und Perspektivwechsel im Spiel. Es ist ein Genuss sich die Zeichnungen immer und immer wieder anzuschauen.

Das Thema Freundschaft wird hier in einer oft nicht unproblematischen Konstellation thematisiert. In der Streitschlichtung erlebe ich regelmäßig, dass eine häufige Ursache für Streitigkeiten Ausgrenzung und Eifersucht ist. Das Zebra hat sich nicht an die Bitte seiner Freunde halten können und war in seinem Verhalten noch sehr egozentrisch, was typisch für 5-6 Jährige ist, woraufhin er von seinen Freunden ausgegrenzt wurde.

Die Freunde erleben jedoch, dass jeder in seiner Individualität, mit all den dazugehörenden Macken, so schätzbar ist, dass sie ihn schon bald vermissen. Und da Freundschaft kein starres Konstrukt ist, erfahren die Freunde, dass der Freundschaftsbund sich auch vergrößern und alle somit bereichern kann. Manchmal ist nur ein Perspektivwechsel nötig.

Das Zebra, das zu schnell rannte

Material

Seine Freunde schätzen lernen mit all den dazugehörenden Eigenschaften – sich streiten, versöhnen, respektieren und lieben … ein lebenslanger Prozess.Zebra_Freunde_Bild

Ein alltägliches Thema für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter.

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Al MacCuish und Rebecca Gibbon – Die Biene, die sprechen konnte

Die Biene, die sprechen konnte

Belle wohnt in Paris und ist ein richtiges Stadtkind. Dennoch freut sie sich jeden Sommer ihre Großeltern auf dem Land besuchen zu dürfen. Jedes Jahr bekommt sie von ihrem Opa ein Geschenk – mal ist es ein Steckenpferd, mal ein Baumhaus oder auch schon einmal eine wunderschöne Staffelei. Dieses Jahr erwartet Belle ein umlackiertes Fahrrad ihrer Mutter auf sie.

Da darf gleich auf die Pedale getreten und die Natur erkundet werden. Auf ihrer Radtour verirrt sie Belle im Wald und macht eine erfreuliche Bekanntschaft mit einer sprechenden Biene, die sie in die Geheimnisse der Wirkung von Heilpflanzen einweiht und die Aufgabe der Bienen erklärt.

Es beginnt ein spannender Sommer mit allerlei Wunder rund um die Natur …

Dieses charmant französische Bilderbuch ist eine wahre Liebeserklärung an die Bienen. Der Autor zog selbst im Alter von 25 Jahren hinaus in die Natur und fing dort als „Bienenhirt“ ein neues Leben im Einklang mit der Natur an. Diese Leidenschaft und Liebe ist auf jeder Seite spürbar.

Diese Geschichte öffnet das Herz. Belle liebt die Großstadt, dennoch genießt sie es im Sommer zu ihren Großeltern entfliehen zu können. Diese Idylle, die auf den Illustrationen von Rebecca Gibbon so sehnsüchtig eingefangen ist, lässt die Vorfreude auf die Sommerferien erwachen. Auf dem Land scheint die Zeit stehen zu bleiben. Es ist keine Spur von Hektik in den Bildern wahrzunehmen. Hier kann man beinahe die  frische Landluft wahrnehmen und das Drumherum einfach auf sich wirken lassen, mit all den Düften und Geräuschen der Natur. Diese Szenerie belebt die Sinne. Als Landkind, das auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, lässt es mich ganz wehmütig werden.

Nach einem kleinen Unfall auf dem Rad, hilft die sprechende Biene Belle ihre Wunde zu versorgen und reibt das Knie mit einer Arnika-Blüte ein. Sie erklärt ihr, dass es ohne Bienen keine Erdbeeren und keine Orangen gäbe, woraufhin Belle der Biene stolz zustimmen muss: „La nature est bien faite“.

Alles hat seinen Platz und Zweck – das ist die Schönheit der Natur

In der Danksagung hebt der Autor in einer langen Liste all die Köstlichkeiten hervor, die wir ohne Bienen nicht genießen könnten. Dieses Bilderbuch erklärt das Phänomen der Bestäubung ganz kindgerecht und verständlich. Nach der Behandlung des Themas „Apfel“ im Sachunterricht nahm ich dieses Bilderbuch hinzu, um den Kindern die besondere Bedeutung der Bienen aufzuzeigen. Alle Kinder sahen die Bienen danach ganz anders. Wir bedankten uns für all die Köstlichkeiten und entschieden, dass Bienen zwar manchmal, eigentlich ganz selten stechen, aber grundsätzlich tolle Insekten sind, die eigentlich auch putzig aussehen und Großes leisten.

Die Biene, die sprechen konnte

Eine sehr charmante und französisch angehauchte Liebeserklärung an die Bienen!

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Siri Melchior – Rita & Kroko suchen Kastanien

Rita & Kroko suchen Kastanien

Rita und Kroko machen sich auf in den Wald, um Kastanien zu sammeln. Im Gepäck dürfen ein Kompass und eine Karte nicht fehlen. Vorher muss Rita Kroko eindringlich auf die wichtigste Regel im Wald hinweisen – immer auf dem Pfad zu bleiben, um sich nicht zu verirren. Umgeben von bunten Herbstblättern und dem Knarren von Baumkronen, finden die besten Freunde zunächst nur Pilze und Ameisen. Und kaum hat sich Rita umgedreht, sitzt Kroko schon auf einem Baum. Da hilft nur das liebevolle Anleinen mit ihrem Schal, schließlich möchte Rita nicht, dass Kroko noch verloren geht.

Doch schon bald erblickt Rita auf dem Waldboden ein Meer an Kastanien und während sie Kastanie für Kastanie sammelt, vergisst sie bald ihre eigene bedeutende Regel …

Siri Melchior lässt den Leser in eine besinnliche Herbststimmung eintauchen. Die modernen Illustrationen sind allesamt in warmen Herbsttönen gehalten und laden regelrecht zu einem Herbstspaziergang im Wald ein. Während des Betrachtens riecht man förmlich die warme Herbstluft, hört die knarrenden Geräusche und lässt sich von letzten warmen Sonnenstrahlen und dem bunten Laub verwöhnen.

Nach dem Lesen der unterhaltsamen Lektüre im kuscheligen Bett gibt es keine Alternative als raus in den Wald zu gehen. Das Bilderbuch ist ein guter Aufhänger, um mit den Kindern die wichtigen Regeln für einen Waldspaziergang zu besprechen. So wie Rita Kroko einbläut den Pfad nicht zu verlassen, gilt es vor allem mit einer Gruppe an Kindern einiges zu beachten. Als Besucher ist es wichtig unnötigen Lärm und Krach zu vermeiden. Außerdem soll kein Müll den Wald verunreinigen. Ein Förster hat einmal sehr eindringlich gebeten jeglichen Müll mitzunehmen. Die Mülleimer sollten möglichst nicht benutzt werden, da Tiere dazu neigen den Inhalt zu fressen. Das Abbrechen von Ästen, Zweigen oder der Rinde ist im Wald ebenfalls nicht erwünscht. Schließlich ist der Wald der Lebensraum von Tieren und Pflanzen und wir sollten als Besucher Rücksicht darauf nehmen.

Rita und Kroko suchen Kastanien

weiterarbeit
Dieses Bilderbuch kann als Inspirationsquelle dienen, um Baumkronen von Herbstbäumen zu drucken. Dafür werden lediglich Korken und Fingerfarben in Herbsttönen benötigt. Nach dem Vorzeichnen eines dicken Baumstamms, kann das Stempeln schon beginnen. Alternativ können auch schöne Pilze als Fernsterdekoration  oder niedliche Kastanienfiguren gestaltet werden.

Ein unterhaltsames Herbstbuch, das zu einem Waldspaziergang einlädt!

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