Daniela Kulot – Wir sind erste Klasse!: Ein ABC zum Schulanfang

Rezension

Daniela Kulot gelingt es mit diesem Bilderbuch rund um den Schulanfang ganz unaufgeregt über die Aufregung der Einschulung für alle Beteiligten zu erzählen. Die 26 Kurzgeschichten zu jedem Buchstaben sind nicht krampfhaft darauf ausgerichtet, dass jedes Wort mit dem entsprechenden Buchstaben beginnt. Ganz im Gegenteil, in einem lockeren Erzählstil werden sehr wirklichkeitsgetreue Situationen geschildert.

Anton ist aufgeregt. Er kommt heute in die erste Klasse! Hurraaaa! (…) Vorher muss Anton Mama trösten. Sie heult ja jetzt schon.

Genau diese Darstellung erlebe ich jedes Jahr zur Einschulung. Während die i-Dötzchen sich eigentlich freuen, überträgt sich die Nervosität der Eltern auf manche Kinder, sodass sie sich manchmal gar nicht in den Klassenraum trauen. In ganz unterschiedlichen Familienkonstellation treffen wir hier auf eine bunte Vielfalt an Kindern. Sie alle kommen zusammen, um gemeinsam die nächsten Jahre zu lernen und zu leben. Gregor braucht eine Gehhilfe, Hannah ist immer ganz hektisch und Lilli ist Linkshänderin.

Jede Kurzgeschichte wird von zauberhaften Illustrationen begleitet. Sie sind bunt und einfach knuffig, dem Kulot-Stil bin ich allerdings schon seit Jahren verfallen. Rund um die Szene werden Wörter präsentiert, denen der Anfangsbuchstabe fehlt. Schnell wird klar, dass hier natürlich der zur Geschichte passende Anfangsbuchstabe ergänzt werden muss.

Dieses Bilderbuch ist perfekt für die Schultüte oder als Geschenk für alle an der Einschulung Beteiligten. Auch im Klassenraum lässt es sich gut etablieren und jede Geschichte passend zum momentan behandelten Buchstaben vorlesen. Die Situationen bieten einen guten Gesprächsanlass, um anschließend auf das „soziale Lernen“ einzugehen, sei es zur „Andersartigkeit“, „Gefühle“ oder „Regelbewusstsein“.

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Fazit

Das Bilderbuch zur Einschulung ist einfach klasse!

 

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Saskia Hula und Felicitas Horstschäfer – 100 Gründe für Urlaub im Zelt

Rezension

So ein Aufbruch in die Sommerferien hat es ganz schön in sich, besonders wenn es zum Campen geht. Es müssen Sachen gepackt, die Haustiere versorgt und die Route bedacht werden. Die Fahrt ist anstrengend und lang. Außerdem ist es heiß und unbequem. Vor Ort fehlen die neuen Medien, die Kinder sprechen eine andere Sprache und die Mücken nerven.

Auf jeder Seite werden Gründe genannt, warum so ein Camping-Urlaub nervig ist. Bei 100 Seiten kommen daher so einige Argumente zusammen. Auch wenn das Buch vermeintlich nur so vor Negativität strotzt, kommt man aus der Erwachsenensicht schnell zum Urteil, dass diese „Unbequemheiten“ den Urlaub erst so richtig erinnerungswürdig machen.  Die Widrigkeiten, wie z.B. auf andere Kinder zugehen, deren Sprache man nicht spricht und dann doch lernt miteinander zu kommunizieren, prägen uns und lassen uns wachsen.

Dieses Urlaubsbuch ist mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Das Glas ist voller als man denkt, möchte man glatt behaupten und den Menschen, die alles negativ sehen, zurufen:

„Seid froh über die Herausforderungen, denn sie lassen euch lernen und wachsen!“

Eine wünschenswerte Gelassenheit, vielleicht sogar eine Prise Stoizismus, hat Saskia Hula in diese Parabel gekleidet. Die Illustrationen untermalen diesen cartoonähnlichen Charakter. Wir urteilen manchmal zu schnell und unbedacht, so wie die schnellen Wachsmalstriche von Felicitas Horstschäfer es vermuten lassen. Hinter jedem auch so kleinen Stolperstein, hier im Buch Kieselstein, steckt eine Geschichte…eine Chance!

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Fazit

Von wegen doof – Urlaub ist immer eine Bereicherung!

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Oliver Jeffers – Hier sind wir: Anleitung zum Leben auf der Erde

Rezension

Alexander Gerst gelang es mit der Weltraum-Mission ein neues Bewusstsein für den Kosmos zu wecken. Die Faszination der Raumfahrt und damit einhergehend auch das Bewusstsein zur Verletzlichkeit unseres Planeten rückte in den letzten Monaten in den Vordergrund, auch bei vielen Kindern.

Diese Begeisterung kann in diesem wirklich fulminanten Bilderbuch von Oliver Jeffers ihren Ankerpunkt finden. Nach der Darstellung des Sonnensystems, wird die Erde etwas genauer vorgestellt. Der Wasserkreislauf ist eines meiner Lieblingsseiten, weil es viele sachunterrichtliche Aspekte sehr kindgerecht aufgreift. Zunächst geht es um das „Land“, was schon recht gut erforscht ist und die Vielfalt der unterschiedlichen Tiere. Der Mensch wird als eine besondere Spezies vorgestellt, der Körper kurz skizziert und die Andersartigkeit zur Schau gestellt. Auf einer Doppelseite kann man sich von Menschen in allen Formen, Größen und Farben beeindrucken lassen.

Eigentlich hat der Autor dieses Buch für seinen Sohn geschrieben und alles hineingepackt, was ein Neuankömmling auf dieser Welt wissen muss. So überrascht es nicht, dass es viele philosophische Ansätze enthält. Überall schwingt eine gewisse Doppeldeutigkeit mit. Während der Polarstern den Norden als Himmelsrichtung weist, wird der zweideutige Hinweis noch beigefügt: „Wie du den Weg findest, wenn du dich verirrt hast“. Es geht um Lebensweisheiten. Es geht um tiefergehende Wegweiser.

Der wohl rührendste und heutzutage sehr aktuelle Aspekt ist die Verbildlichung der „Zeit“, die sich manchmal dehnend und manchmal fliegend anfühlt. Es geht um Vergänglichkeit. Ein Vater, der seinem Sohn die Sorgfalt im Umgang mit der Erde näher bringen möchte und darauf hinweist, dass es wichtig ist zu fragen. Auch wenn er selbst nicht mehr auf der Erde weilt, so gibt es andere Menschen, die die nächste Generation fragen sollte. Es ist ein Werk als Ausdruck der Liebe an die Menschheit und die Erde. Einfach famos!

Nutze deine Zeit gut, denn sie verrint schnell.

 

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Fazit

Fulminante Bilder – famose Botschaft!

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José Sanabria und María Laura Días Domínguez – Ein Blatt im Wind

Rezension

Schon fast wie eine Liebeserklärung mutet dieses Bilderbuch einer spanischen Autorin an die beinahe nostalgische  Form der Informationsverbreitung an. Die gedruckte Zeitung als Nachrichten-Medium erscheint heutzutage neben dem Internet schon fast eine veraltete Form der Informationsbeschaffung zu sein. Umso rührender ist diese Hommage an eine ehemals revolutionäre Wissensquelle.

Aus der Ich-Perspektive wird die Reise einer Zeitung geschildert. Zunächst genießt es die wohlige Wärme in einer Druckerei und begibt sich anschließend auf einer ganz individuelle Reise. Vom Wind zerstreut landen die einzelnen Blätter an unterschiedlichen Orten. Es dient einem Jungen als gefaltetes Schiffchen, bietet einem verliebten Paar Schutz vor dem Regen, spendet in einem Kamin Wärme oder erfüllt seinen Zweck als Reinigungsutensil.  Ein betrübter Mann erhält das letzte Blatt.

Es war das erste Mal, dass jemand las, was ich zu sagen hatte.

Und hier entdeckt er eine Nachricht, auf die er schon lange wartete. Es war die wunderbarste Nachricht der Welt. Auch wenn wir als Leser nie den Inhalt dieser freudigen Botschaft erfahren, so können wir mit ansehen zu welchem Zweck Zeitungen dienen. Sie informieren, belehren, dokumentieren, unterhalten und manipulieren zuweilen. Man könnte auch hier weiterspinnen und gemeinsam mit den Kindern Pro und Kontra für diese Form der Nachrichtenverbreitung sammeln. Sogar die Illustrationen wirken verstaubt, aus einer anderen Zeit und einfach überholt. Als Gesamtbild fügt sich diese Komponente jedoch wunderbar in das enstsprechende Raster ein.

Dieses Bilderbuch ist ein toller Aufhänger für ein Zeitungsprojekt, das oft im vierten Schuljahr der Grundschule durchgeführt wird. Es lässt sich sehr gut in die Themeneinheit „Medien und Werbung“ einbinden. Durch die vielschichtige Verwendung der zerstreuten Blätter regt es zum fächerübergreifenden Arbeiten an und motiviert dazu Recycling-Projekte zu verwirklichen.

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Fazit

Eine Hommage an die gedruckte Form der Nachrichtenverbreitung.

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Peter H. Reynolds und Eberhard Naumann – Ramons Atelier: Malen kann jeder

Ramon malt unglaublich gerne. Als sein Bruder sich jedoch über seine Blumenvase amüsiert, versucht Ramon so zu malen, dass seine Bilder „echt“ aussehen. Doch das will partout nicht klappen. Also beschließt er aufzugeben.

Seine Schwester schnappt sich jedoch eines seiner zerknüllten Bilder und rennt damit weg. Ramon folgt ihr bis in ihr Zimmer und entdeckt dort eine Galerie seiner zerknüllter Kunstwerke. Begeistert zeigt sie auf eine Blumenvase und meint:

Sieht doch total vas-ICH aus!

Und so nimmt Ramon wieder das Malen auf – diesmal mit einem lockeren Stift und Herzen. Ganz ohne Angst!

Der ich-ige Blick gab ihm Kraft und ließ seinen Ideen freien Lauf.

 

Rezension

Das Bilderbuch „Der Punkt: Kunst kann jeder“ von Peter H. Reynolds ist bereits ein Klassiker, wenn es darum geht Selbstvertrauen in die eigenen Malkünste zu vermitteln. Und auch in diesem Buch geht es darum nicht möglichst realistisch zu malen, sondern seinen ganz eigenen, individuellen, eben „ich-igen“ Malstil zu finden.

Es ist eine wunderbare Überleitung in die Entwicklung der Kunstepochen, insbesondere die Wandlung vom „Realismus“ hin zum Expressionismus. Manchmal geht es nur darum die Welt durch andere Augen zu sehen. Hierbei hilft Ramon seine Schwester, die seine Bilder ganz besonders und bezaubernd findet. Daraus schöpft der Protagonist wieder Selbstvertrauen und neuen Mut. Diese Freude überträgt sich sogar auf das Schreiben. Ramon erschafft „ich-ige Gedichte“ und reimt fröhlich vor sich hin, einfach weil es sich gut anfühlt.

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Fazit

Malen kann jeder – wenn er an sich glaubt!

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Sepideh Sahiri und Julie Völk – Meine liebsten Dinge müssen mit

Ein langer, grauer Schatten bildet sich hinter dem Mädchen, als sie auf einem Stuhl stehend sorgevoll zurückblickt. Gerade eben hat ihr Vater verkündet, dass sie in eine „neue Wohnung“ in einem anderen Land ziehen. Jeder darf einen kleinen Koffer mitnehmen. Doch was tun, wenn die allerliebsten Dinge nicht in einen Koffer passen? Da wäre das Aquarium, der Birnbaum und die beste Freundin. Sie alle passen nicht in einen Koffer. Das Mädchen packt kurzerhand die allerliebsten Dinge in eine Flaschenpost und schickt sie über das Meer.

Ich weiß, dass es vielleicht ein bisschen länger dauern kann. Aber das ist nicht so schlimm, das kann warten.

Rezension

Nach all den tobenden und lauten Bilderbüchern rund um die Flüchtlingswelle, kommt dieses Buch ganz ruhig und sachte daher. Die Schwarzweiß-Zeichnung sind fragil und zerbrechlich, so wie die Darstellung des Mädchens auf dem Stuhl. Das bisher gekannte Leben schwankt und von innerer Sicherheit ist keine Spur mehr. Sorgevoll blickt sie zurück auf diesem schon fast schwebenden Teppich. Umso rührender ist, dass die allerletzte Illustration das Mädchen ebenfalls von hinten zeigt. Hier ist der Schatten jedoch weniger ausdrucksstark und düster. Sie blickt nach vorne und das Haar weht im Wind. Leben bedeutet Veränderung und ob die Flaschenpost tatsächlich ankommt, bleibt ungewiss.

Dieses Bilderbuch handelt von den wichtigen Dingen im Leben. Was macht einen wirklich glücklich? Wie verarbeitet man einen Umzug und damit einhergehend Trennung und Abschied? Die kindliche Idee der Heldin ist beeindruckend und federleicht. Auch wenn das Ende offen bleibt, hilft es ihr den Schmerz zu verarbeiten und Hoffnung zu schöpfen.

Ich komme nicht umhin der Illustratorin meinen Respekt zu zollen. Der Sinn für Feinheiten und die Lieben zu den Details, die alle versteckt und mit einer gewichtigen Botschaft das Bilderbuch zu einem leicht zerbrechlichen Kunstwerk machen, ist beachtlich. Einzelne Farbtupfer werden an genau den richtigen Stellen gesetzt und runden den Inhalt so subtil und doch gekonnt ab, dass ich wirklich beeindruckt zurückbleibe.

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Fazit

Leise – gewichtig – lebensnah – verletzlich

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Dave Eggers und Tucker Nichols – Wer hat die Brücke angemalt?

Rezension

Dave Eggers erzählt eine Geschichte über Einfallsreichtum, Mut, Inspiration, Willensstärke und Durchsetzungskraft. Auf insgesamt 104 Seiten erfährt der Leser den Entwicklungsprozess der weltbekannten Hängebrücke am Eingang zur Bucht von San Francisco, der Golden Gate Bridge. Der Umfang der Seiten macht es erfahrbar wie aufwendig und zeit- und nervenaufreibend der Prozess des Baus war. Es war eine enorme technische Herausforderung eine Hängebrücke in der Länge, bei dem tiefen Wasser und den starken Gezeitenströmungen zu bauen. Der Autor nimmt den Leser mit und zeigt in kunstvollen Scherenschnitt-Abbildungen wie Entwürfe verworfen und der Transport der Einzelteile bewerkstelligt wurde. Faszinierend ist ebenfalls die Beschreibung der Tauchvorgänge, um die Brückenfundamente in dem tiefen Wasser zu befestigen.

Der Widerstand, dem sich der Planer Joseph B. Strauss über all die Jahre hinweg aussetzen musste, wurde passend als eine Ansammlung von definierenden Köpfen verbildlicht, die sich ihm immer und immer wieder in den Weg stellten. Die Farbwahl stellt einen interessanten Aspekt dar. Auch hier gab es unterschiedliche Meinungen, wobei viele das typische „Grau“ oder „Schwarz“ bevorzugten. Das Bauingenieur-Team jedoch entschied sich für das „Knallorange“ der Rostschutzfarbe, weil sich die Brücke dadurch wunderbar in die Umgebung mit den grünen Hügeln und dem blauen Wasser einfügte.

Dieses besondere Buch ist eine Liebeserklärung an das Wahrzeichen Amerikas. Und wer hätte gedacht, dass aus einem Brücken-Bau eine so spannende und unterhaltsame Geschichte gezaubert werden kann? Außerdem ist sie wahr und lässt sich in Bezug auf die Verwirklichung seiner Träume im Leben übertragen werden.

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Eine kunstvolle Erklärung an den Zauber der eigenen Willensstärke!

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Kerstin Brichzin und Igor Kuprin – Der Junge im Rock

Felix liebt Röcke, weil er darin viel besser rennen und klettern kann. Außerdem sieht er in den weiten Röcken wie ein Schmetterling aus, der auf einer Wiese tanzt. Er leiht sich kurzerhand das grüne Kleid seiner Schwester aus und wünscht sich schon bald einen eigenen Rock. Also geht sein Vater mit ihm einkaufen. Seine neuen Freunde finden den Faltenrock allerdings befremdlich und meinen, dass echte Jungen dunkle Farben tragen und Hosen anziehen.

Auch die Eltern fangen an zu tuscheln. Das macht Felix traurig. So beschließt sein Vater auch einen Rock anzuziehen. Denn schließlich tragen Mädchen ja auch Hosen. Warum sollte es Jungen nicht erlaubt sein?

Rezension

Dieses Bilderbuch beschäftigt sich mit dem Rollenverständnis von Jungen und Mädchen. Es ist ein toller Aufhänger zur Thematik „Identifikation mit dem eigenen Geschlecht“. Haben alle Mädchen lange Haare? Tragen Jungen dunkle Farben und Mädchen rosa Kleidungsstücke? Spielen Mädchen mit Puppen und Jungen mit Autos? Es sind alles überspitzte Behauptungen, die durchaus auch von Kindern bereits in Frage gestellt werden können.

Felix mag Röcke, weil seine Beine dadurch viel Luft bekommen. Die Verkäuferin, die Eltern und die Kindergartenkinder sind jedoch von den gesellschaftlichen Normen so sehr geprägt, dass sie es als „unanständig“ einstufen. Der Vater reagiert genau richtig und stellt diese Ansicht in Frage. Wie kam es zu dieser Ausgrenzung und wie kann Toleranz aussehen?

Ich hätte mir aus pädagogischer Sicht gewünscht, dass die ErzieherInnen im Bilderbuch diesen Anker aufgreifen und daraus einen Verkleidungstag veranstalten. Die Mädchen schlüpfen in die Jungenrolle und die Jungen verkleiden sich als Mädchen. Eine Modenschau mit entsprechender Schminke würde diese Distanz eventuell mildern und den inneren Fühlraum der Kinder erweitern.

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Fazit

Rollenbilder kindgerecht hinterfragen und Toleranz aufbauen

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Monte Shin – Spiegelzauber

Rezension

Aufgepasst: Es folgt ein Pappbilderbuch-Highlight! Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es viel zu wenige Kinderbücher gibt, die sich mit mathematischen Prinzipien beschäftigen. Wenn dazu noch die kognitiven Fähigkeiten angeregt werden und Kinder zum Handeln und Ausprobieren bewegt werden, ist es schnell um mich geschehen. So wie bei diesem Buch!

Monte Shin hat auf eine sehr anregende und animierende Weise die Spiegelung in den Fokus gestellt. Hierbei werden unvollendete Figuren präsentiert, die durch einfaches Drehen ihre Position verändern können. Im Buch integriert ist eine Spiegel-Klappe, die auf die Spiegelachse gelegt werden kann. Da es fest mit dem Buch verbunden ist, kann es nicht verloren gehen. So können bereits die Kleinen beobachten welcher Gegenstand oder welches Tier sich im Spiegel entpuppt. Hier läuft ein äußerst komplexer Vorgang in Bezug auf die Aktivierung der Sinne ab.

Der Schwierigkeitsgrad kann gesteigert werden, indem vorher überlegt werden soll welche Position sich eignet. D.h. hierbei wird das räumliche Vorstellungsvermögen geschult und nicht unbedingt auf die Zufallshandlung vertraut. Um daraus ein Spiel zu machen, wäre es denkbar eine bestimmte Anzahl an Versuchsmöglichkeiten festzulegen. Die Auflösung befindet sich gleich auf der nächsten Seite, sodass auch eine Selbstkontrolle gewährleistet ist. Dieses Buch ist eine tolle Anschaffung für die Kita oder auch die Lehrerbücherei.

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Fazit

Spiegelung als mathematisches Konzept sehr anregend verpackt!

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Cara Manes und Fatinha Ramos – Sonia Delaunay und ihre Farben

Charles findet eine farbenfrohe Decke, die ihm aus unerklärlichen Gründen vertraut vorkommt. Seine Mutter Sonia erklärt ihm daraufhin, dass sie es für ihn gemacht hat, als er auf die Welt kam. Als sie die Stoffstückchen zusammen nähte, hörte sie die Farben beinahe singen, als ob sie lebendig wären. Und da der Junge sich sehr über die besondere Fähigkeit seiner Mutter wundert, nimmt sie ihn mit auf eine Reise …

Sie besuchen einen Bal Bullier, Stände mit Obst und Gemüse, ein Geschäft in Amsterdam, das Sonias bunte Stoffe verkauft.

… denn Kunst kann man nicht nur anschauen, man kann darauf sitzen, sie anziehen oder darin fahren. Kunst ist überall.

Als Sonia wieder aufbrechen möchte, ist Charles noch gar nicht bereit.

Ich habe so viele Farben in meinen Augen und Musik in meinen Ohren und Ideen in meinem Kopf.

Rezension

Sonia Delaunay war eine der faszinierenden Persönlichkeiten im 20. Jahrhundert. Gemeinsam mit ihrem Mann Robert Delaunay widmete sie sich erfolgreich der abstrakten Malerei. Die farbenfrohen Kunstwerke beschränkten sich nicht nur auf die Leinwand, sondern fanden ihren Ausdruck in der Mode, Kulissen, Skulpturen oder Textilien.

Dieses Bilderbuch reißt die wichtigsten Punkte im Leben der Künstlerin an. An den wichtigsten Stationen machen Mutter und Sohn Halt und so gewinnt der Leser schnell einen Überblick über ihr Leben und ihren Schaffungsprozess. Es geht darum die Farben zu fühlen und sich auf die Kunst einzulassen. Das Leben ist schließlich Kunst.

Passend zu den Erlebnissen werden Original-Kunstwerke integriert. Der „Portugiesische Markt“ oder die „Elektrischen Prismen“, genau so wie „Le Bal Bullier“ werden passend zu Geschichte dem Leser präsentiert. Hier wird die Gleichzeitigkeit von Sehen und Hören unterstrichen. Der Lyriker Guillaume Apollinaire nannte diese Art zu arbeiten Orphismus. Charles wurde später, beeinflusst durch seine Eltern, Jazz-Experte und -Autor.

 

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Fazit

Sehen und Hören als Elemente der Kunst, die unseren Alltag in jeglichen Bereichen durchdringen.

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