Rebecca Cobb – Aufessen?!

Rebecca Cobb - Aufessen?!

Dieses Bilderbuch dreht sich um ein Mädchen, das das Essen verweigert. Viel lieber malt sie ihre Bilder im Wohnzimmer. Doch als Mama ganz ärgerlich wird und sie an den Tisch schickt, verschränkt sie ihre Arme vor der Brust und sitzt ziemlich lange so da. Als sie unter den Tisch schaut, entdeckt sie einen furchtbar hungrigen Krokodil. Zu ihm gesellt sich ein ebenso hungriger Bär und ein Wolf, der auch etwas von der Leibspeise ab haben möchte. Alle drei verputzen das leckere Mittagessen. Die Mutter von dem kleinen Mädchen ist mit dem leeren Teller sehr zufrieden.

Zur Abendzeit macht der Bauch von dem kleinen Mädchen allerdings furchtbar laute Geräusche. Es brummt und knurrt nur so! Sind die drei hungrigen Freunde auch zum Abendessen willkommen? Oder gehört der Teller bis auf den letzten Bissen dem Mädchen?

Manche Eltern werden sich in der geschilderten Situation sehr gut wiederfinden können. Das leidige Thema des Aufessens wird hier mit einer fantasie- und  humorvollen Begebenheit angesprochen. Das Rebellieren der Kinder gegen die für eine bestimmte Uhrzeit festgelegte Mahlzeit, spiegelt sich sehr schön in den vier aufeinanderfolgenden, individuellen Illustrationen wider. Das Mädchen sitzt am Tisch, es passiert nichts, sie schaut nach links, wieder auf den Teller, verschränkt die Arme, senkt den Kopf auf den Tisch.

Nach dem gemeinsamen Lesen, lässt sich in den darauffolgenden Mahlzeiten das Spiel  „Unter-den-Tisch-schauen-auf-der-Suche-nach-hungrigen-Tieren“ spielen. Vielleicht dauert das Aufessen dann tatsächlich nicht mehr so lange. In der Tat werden Kinder diesen Grundgedanken „das Essen mit Tieren zu teilen“ mögen, sich auch sehr gut in das Mädchen hineinversetzen und vielleicht besser nachvollziehen können, dass der Magen zur Abendzeit mehr brummt, wenn es mittags nichts zu essen gab.

Besonders gut gefällt mir, dass das Mädchen diese drei Tiere zuvor selbst gemalt hat und sie quasi aus ihrer Fantasie entspringen. Die kindlichen Kreativität und Vorstellungskraft wird somit ganz unterschwellig gefeiert. Auch das durch viele „crayon-ähnliche“ Striche geprägte Bildmaterial von Rebecca Cobb sticht hervor. Das struppige Fell der Tiere und der zersauste Kopf des kleinen Mädchen unterstreichen sehr schön die Eigensinnigkeit und den widerspenstigen Geist der Protagonistin.

Rebecca Cobb - Aufessen?!

Schnell aufessen, bevor die Fantasietiere das Essen wegschnappen!

bei amazon.de

Frank Flöthmann – Grimms Märchen ohne Worte

Grimms Märchen ohne Worte

Grimms Märchen verzaubern Jung und Alt. Jeder kennt sie, jeder liebt sie. Man wächst mit ihnen auf und liest und hört sie immer wieder gerne. Bei Märchen denkt man automatisch an verschnörkelt illustrierte Bücher mit viel Magie und Nostalgie.

Umso erfrischender kommt das von Frank Flöthmann geschaffenes Werk, das ganz ohne Worte, aber dafür mit vielen frechen und eigenwilligen Piktogrammen auskommt, daher. In den vorherrschenden Farben „grün“ und „rot“ und mit einigen Spritzern von „weiß“ und „schwarz“ überladenen, kleinen Szenebildern, werden die Märchen neu erzählt, zum Teil auch mit einem neuinterpretierten Ende. Wenn z.B. die vom Jäger gerettete Oma und das Rotkäppchen beschließen, den Wolf als Strafe zu ihrem Diener zu degradieren.

Auf 86 Seiten werden 16 bekannteste Märchen von den Gebrüdern Grimm erzählt, darunter „Frau Holle“, „Rumpelstilzchen“, „Aschenputtel“, „Hans im Glück“ etc. Frank Flöthmann schafft es seine Leser zur intensiven Auseinandersetzung mit den Zeichnungen und evtl. bereits verstaubten Kenntnissen der Märchenhandlung zu bewegen.

Kleine Pfeile als Wegweiser geben den richtigen Weg für die Erzählung an, denn auch hier folgt Frank Flöthmann nicht den gewöhnlichen Konventionen, sondern bedient sich seiner Autorenfreiheit und bindet manchmal auch zwei Pfeile in ein Bild ein, um die Gleichzeitigkeit des Geschehens darzubieten.

Das Gehirn rattert bei jedem Bild und die Zunge sucht nach den passenden Worten und Ausdrücken für diese humoristischen und ganz eigenen Darstellungen.

Ja, die Seiten sind überfüllt und verwirren womöglich auf den ersten Blick. Die Farben mögen für die Augen anstrengend sein. Aber genau diese Andersartigkeit, diesen Sarkasmus liebe ich an diesem Buch!

In der Unterrichtspraxis können Teile dieses Werkes zur Förderung des mündlichen Sprachgebrauchs eingesetzt werden. (Manche Szenen sind nicht unbedingt für Kinder geeignet, wenn z.B. ein Stinkefinger die Wut einer Figur ausdrücken soll. Da sollte selektiv vorgegangen werden). Als Abschluss einer Unterrichtsreihe, in der die Kinder sich mit den bekannten Märchen der Gebrüder Grimm auseinandergesetzt haben, können einzelne Märchen in Gruppen nacherzählt und schließlich im Plenum vorgetragen werden. Vorkenntnisse sind für die Nacherzählung notwendig. Auch die Beschäftigung mit der Andersartigkeit der hier dargestellten Märchen ist denkbar. Was wurde vom Original abgewandelt? Denke dir auch ein Ende zu einem selbst gewählten Märchen aus. Stelle dein Lieblinsgmärchen ebenfalls im Comic-Format dar. Welche Symbole wurden für bestimmte Handlungen verwendet? Die Bandbreite der möglichen Arbeitsaufträge ist groß, genauso groß wie meine Begeisterung für dieses Buch!

Grimms Märchen ohne Worte

Um es in Frank Flöthmanns Darstellunsgweise zu sagen: Unkonventionell + frech = liebenswert!

Und das Beste? Dieses Buch gibt es hier auf meinem Blog am 23.04.2013, dem Welttag des Buches, zu gewinnen!

bei amazon.de

Jimi Lee – Unsere Erde

Unsere Erde

Mit diesem Buch möchte die südkoreanische Grafik-Designerin Kinder auf den Umweltschutz aufmerksam machen. Den Mittelpunkt bildet die in der Mitte jeder Seite ausgestanzte Erdkugel. In ruhigen, klaren, sparsamen Bildern wird eine Geschichte über unseren Planeten erzählt. Dabei verzichtet das Buch komplett auf den Text und stellt die Ereignisse ausschließlich in vielsagenden Bildern dar.

Zunächst wird die frühe Entwicklung der Flora verbildlicht. Pflanze für Pflanze, Baum für Baum, das Leben wird in kleinen Schritten, die sehr gut den langwierigen Prozess dieser Entwicklung aufzeigen, verdeutlicht. Bis schließlich ein vom Menschen erschaffener Bagger auftaucht und die Wälder abholzt. Auf der nun freien Fläche werden in rasanter Zeit kleine Häuser gebaut, die jedoch schon bald von Hochhäusern und Wolkenkratzern ersetzt werden. Die Verschmutzung der Umwelt nimmt mit Fabriken und den Emissionen immer weiter zu. Bäume und Pflanzen verschwinden gänzlich. Wird die Erde sich dafür rächen?

Besonders schön finde ich, dass die Autorin die Erde nicht als Betonklotzen im Endergebnis präsentiert, sondern es schafft einen anderen Umgang mit unserer Umwelt aufzuzeigen. In der Mitte des Buches beginnt die Natur  ihr Terrain zurückzugewinnen, sodass der Mensch diese wertschätzt und mit ihr nun behutsam umzugehen weiß.

Beeindruckend sind ebenfalls die aus Papier ausgeschnittenen Darstellungen, die um die Erde herum platziert worden sind. Die Symbolik ruft das ökologische Märchen wunderbar ins Leben, bringt einen zum Nachdenken und fördert die Ausdrucksfähigkeit.

Jimi Lee - Unsere Erde

Minedition bietet die Möglichkeit zum Durchblättern: hier entlang!

Material

Eine Ideensammlung mit einigen Beispielfragen soll zur Auseinandersetzung mit dieser wichtigen Thematik anregen. Des Weiteren können die SuS eine Befragung an der eigenen Schule durchführen, um herauszufinden wie umweltbewusst die eigene Schule ist:

Umweltschutz_Ideensammlung_Interview

Bilderbuch ohne Text – Mensch im Einklang mit der Natur: ein wichtiges Thema kunstvoll präsentiert

bei amazon.de

Lorenz Pauli und Kathrin Schärer – 3 freche Mäuse

3 freche Mäuse

Während Mama Maus ganz schwarz und der Papa ganz weiß ist, sind ihre Kinder gefleckt. Die eine Maus hat ein E auf dem Rücken, die andere ein I und das dritte Kind ein N. So wurden sie auch nach ihrem Buchstaben benannt. Auf ihren Abenteuerreisen entdecken sie so manche Schriftzüge, die sie gekonnt und gewitzt durch ihren eigenen Buchstaben ersetzen. So entsteht aus „Haus zu verkaufen“ schnell „Hans zu verkaufen“ (siehe Bild unten). Sie verändern so Speisekarten, Schilder, Aushänge und können sogar zu dritt ein eigenes Wort erstellen (oder doch zwei?).

In der zweiten Geschichte versuchen Tiere 12 Goldstücke gerecht aufzuteilen. Bei dieser Zählgeschichte geht es um die Mengenaufteilung, das Dividieren und Nicht-austricksen-lassen.

Die Propellerfee hat 10 Wünsche zu vergeben. Doch leider ist ihr Propeller so laut, dass sie aus allen Wünschen etwas ganz anderes herbeizaubert, als die Wunschperson es sich gewünscht hat. Aus Pferd wird Herd, aus Schloss ein Ross. Wie gut, dass das Wunschkind bald den Dreh raus hat und sich was ganz Neues einfallen lässt, um sich bei der Propellerfee Gehör zu verschaffen.

Jedes Pädagogen-Herz wird bei diesem Buch höher schlagen! Mit viel Sprachwitz und -spielerei gelingt es Lorenz Pauli, der mich schon mit „mutig, mutig“ mehr als begeistern konnte, mit einfachen Erzählungen speziell für Leseanfänger das Mitdenken und das antizipierende Lesen zu fördern. Als Leser kommt man nicht umhin bei den Schriftzügen zu überlegen, welche Maus sich an welcher Stelle des Aushangs platziert oder wie die Goldstücke nun doch gerecht verteilt werden. Die Seiten sind spärlich beschriftet und mit großer Schriftart abgedruckt, also perfekt für Leseanfänger zur Selbstlektüre geeignet.

Dem Charme der doppelseitigen Illustrationen von Kathrin Schärer – mit Schwung, Dynamik und verspieltem Bezug zum Text gezeichnet – kann man sich nicht entziehen. Mit vielen Grautönen und gedeckter Farbauswahl, schafft sie es die Kernaussage des Textes gekonnt in Bildern umzusetzen.

Mit diesen Geschichten lässt sich wunderbar in der Praxis arbeiten: mit ausgeschnittenen Buchstaben in Mausform Wörter oder Sätze verändern, unterschiedlich viele Goldstücke an verschiedene Tiere „gerecht“ verteilen oder auch selbst einen Wunschzettel mit 10 Wünschen erstellen. Und vielleicht das passende Reimwort zum Wunsch finden?

3 freche Mäuse

Material

Drei Mäuse stehen zum Ausschneiden und Experimentieren bereit:

3 freche Mäuse_Wortspiele

Einfallsreich, pädagogisch wertvoll und sprachlich verspielt.

bei amazon.de

Saskia Hula und Stefanie Reich – Eine Kiste für den Bären

Eine Kiste für den Bären

Rezension

Eine einfache Holzkiste steht eines Tages mitten im Wald, vor der Tür zur Höhle des Bären. Die Waldbewohner, darunter ein Fuchs, Hase, Wolf, Dachs und Eichhörnchen, wollen natürlich auch wissen, was sich in der Holzkiste verbirgt und stellen ihr ganz eigenen Mutmaßungen an. Als die Ameisen-Feuerwehrmänner mit einem Stemmeisen anrücken, erwacht auch schon der Bär aus seiner Winterschlaf und lüftet alsbald das Geheimnis um die mysteriöse Kiste.

Ein heiteres Bilderbuch mit großformatigen, farbenfrohen Illustrationen von Stefanie Reich, die bereits Herrn Anders seine unverwechselbare Erscheinung verliehen hat. Den besonderen Charme der Geschichte hat das Bilderbuch den Zeichnungen zu verdanken. Sie sind frisch, modern, jung. Hier ein paar Striche an der Baumrinde, dort ein paar pastellfarbene Blümchen an den modern illustrierten Bäumchen, entzückende Kulleraugen und schon hat man sich in das Bilderbuch verliebt. Man kann einfach nicht anders!

Die Geschichte um den Bären herum bietet sich als Einstieg zur Thematik „Winterschlaf“. Wo verbringen Bären den Winter? Wie lange dauert der Winterschlaf? Wie ist es mit der Nahrung? Welche Vorbereitungen müssen getroffen werden? Was ist an der Geschichte Fiktion und was findet tatsächlich in der Realität statt? Es bieten sich durch das Bilderbuch so einige Gesprächsanlässe und der Spannungsbogen um den Inhalt der Kiste ist ebenfalls sehr gut geschlagen worden. Die Kinder werden es kaum erwarten können zu erfahren, was es mit der Kiste auf sich hat …

Blick ins Buch

Eine Kiste für den Bären

 

Dieses Arbeitsblatt kann bereits ab der ersten Klasse oder auch schon im Kindergarten eingesetzt werden. Der Vorleser sollte an der Stelle, als der Bär aus seinem Winterschlaf erwacht, eine Pause einlegen und die Kinder vermuten lassen, was sich wohl in der Kiste für den Bären befinden könnte. Es darf sowohl gemalt, als auch geschrieben werden.Logo_PL_klein

(Material-ID: 122653)

Fazit

Unkomplizierte und erheiternde Geschichte rund um ein mysteriöses Päckchen.

(Amazon-Link)

Michael Köhlmeier – Das Sonntagskind

Das Sonntagskind

Michael Köhlmeier spielt in seinem Buch „Das Sonntagskind“ mit dem Guten und dem Bösen. Beide Seiten stehen sich gegenüber und der Ausgang ist nicht immer vorhersagbar. Die von der Gesellschaft auferlegten Tugenden werden kritisch beäugt und mit viel Witz und manchmal auch Absurdität ausgemalt. In 16 Märchen und Sagen aus Österreich thematisiert der Autor auf herrliche Weise abgewandelte, bekannte und auch unbekannte Geschichten. Stets sind es wundersame Begebenheiten, die einen an die Geschichte fesseln. Da treffen gewiefte Teufel auf dümmliche Schmiede, die zum Glück eine kluge Frau an ihrer Seite haben und so rechtzeitig ihren Kopf aus der Schlinge ziehen können. Manche müssen jedoch auch ihr weißes Hemd lassen und kommen nicht ganz so glimpflich davon.

Weitere Hauptthemen sind Armut und Verzweiflung aber auch Liebe und Misstrauen. Viele Gefühle gehen mit ihrem Schatten Hand in Hand. Die Erzählungen sollten einzeln genossen werden. Jede Geschichte und mit ihr verbundene Aussage, Lehre, Moral bedarf einer ausführlichen Auseinandersetzung. Gerne auch in einem Diskurs.

Was macht dieses Buch so besonders? Für mich ist es definitiv der erfrischend „neuzeitliche“ Erzählstil des Autors. Die Zeilen sind gefüttert mit pointierter, frecher, alltäglicher Sprache (siehe Beispiel unten). Michael Köhlmeier hat sich stets die künstlerische Freiheit der Erzählkunst bewahrt und endet jede Geschichte mit der immer gleichen Aussage „So wird bis heute in … erzählt – so oder so ähnlich.“

Die Illustrationen von Monika Maslowka hauchen diesen Geschichten diese besondere Würze, auch Unbeständigkeit, Rätselhaftigkeit und Witz ein. Das wunderschöne Titelbild würde ich mir auch als Poster an die Wand hängen. Die in der Drucktechnik verewigten Blätter,  das darauf schwebende Sonntagskind mit den goldenen Haaren und dem aufgeklebten fröhlichen „Blätter-Fisch“ als persönlicher Schutz, ist für die Geschichtensammlung sehr prägend. Insbesondere wenn man den in der Nähe lauernden fiesen Fisch betrachtet. Und was soll uns das sagen? Die Gefahr, die Bedrohung und Verlockung ist nie weit entfernt. Jeden Tag aufs Neue gilt es „richtige“ Entscheidungen zu treffen … na ja zumindest so oder so ähnlich …

Das Sonntagskind

Irgendwann, was weiß ich wann, lebte in der Nähe von Landeck ein Mann, der war arm, sehr arm. Er sagte zu sich selber: Keinen gibt’s, der ärmer ist als ich, keine auf der ganzen beschissenen Welt, verdammt nochmal! (S. 41)

Erfrischend spielerisch angehauchte, neuzeitliche Sprache verbunden mit tiefgründigen Botschaften.

bei amazon.de

Piet Grobler und Dianne Hofmeyr – Bojabi, der Zauberbaum

Bojabi, der Zauberbaum

Rezension

Nach einer langen Dürrezeit kämpfen die Tiere Afrikas um das Überleben. Das Gras ist vertrocknet und die Bäume ohne ein einziges Blättchen. In der Ferne erblicken sie jedoch eines Tages einen Baum voll saftiger und reifer Früchte. Wenn da bloß nicht die gemeine Python wäre, die erst bereit ist den Baum frei zu geben, wenn die Tiere ihr den wundersamen Namen des Zauberbaums verraten können. Nun begeben sich die Tiere nacheinander auf den langen Weg zum König der Tiere, der als einziger den Namen kennt. Wem wird es gelingen den kniffligen Namen die lange Strecke hindurch zu behalten? Dem schnellen Zebra, dem klugen Affen oder doch der langsamen Schildkröte?

Dianne Hofmeyr erzählt die afrikanische Fabel in ihrer eigenen Version nach. Laut ihrer eigenen Aussage, ist die Geschichte um den Zauberbaum für alle Kinder, die unsinnige Namen und Reime lieben. Hier finden sich tatsächlich urkomische Abwandlungen der Originalbezeichnung, die alle in ihrer Typografie von Piet Grobler wunderschön hervorgehoben wurden.

Dieses Bilderbuch lebt in der Tat von dem sehr beeindruckenden und modernen Illustrationsstil. Die Zeichnungen konnten mir sogar mehr imponieren, als der Inhalt der Geschichte. Während ich mir in der Geschichte  hier und da einige Kürzungen gewünscht hätte und für eine Fabel typische Moral als Ergänzung, konnte ich mich an den Bildern einfach nicht satt sehen. Die feinen Pinselstriche und der sehr individuell angehauchte Farbverlauf, sind in Verbindung mit dem einzigartigen afrikanischen Flair ein wundervolles Kennzeichen Goblers Illustrationskunst.

Blick ins Buch

Bojabi, der Zauberbaum

 

 

Auf der Plattform „Lehrermarktplatz“ findet sich zum Bilderbuch ein Arbeitsblatt für die Weiterarbeit an der Fabel „Bojabi, der Zauberbaum“:

Logo_PL_klein
(Material-ID: 122754)

Fazit

Fantastische Bilder, jede Seite ein Genuss!

(Amazon-Link)

Martin Baltscheit und Christoph Mett – Die Elefantenwahrheit

Die Elefantenwahrheit

Fünf blinde Wissenschaftler sonnen sich auf der Terrasse und stellen nebenbei Hypothesen über Sonnengesetze auf. Als sich ihnen ein großer Elefant vor die Sonne stellt, machen sie sich auf den Weg herauszufinden, wer die Sonne verdeckt. Denn da sind sich die Wissenschaftler einig: „Wenn wir wissen wollen, wie wir es vertreiben können, müssen wir wissen, was es ist!“

Einer nach dem anderen ertastet den großen Elefanten und je nachdem was sie zum Fühlen bekommen, werden die abenteuerlichsten Vermutungen angestellt. Der lange Rüssel erinntert an einen Schlauch der Feuerwehr, der Schwanz an eine Toilettenbürste, die großen Ohren an einen Teppich und der breite Rücken an einen Berg. Während der Streit explodiert und die Wissenschaftler sich böshafte Beschimpfungen zubrüllen, entschwindet der Elefant dem Geschehen still und leise. Und die Wissenschaftler? Nun ja, sie verschließen weiterhin die Augen, auch wenn die Wahrheit so offensichtlich ist…

Solche Bilderbuchschätze trifft man selten. Martin Baltschein ist es gelungen ein Bilderbuch zu kreieren, das zum Nachdenken, Lachen, Weiterspinnen, Fragen und vor allem Hinterfragen anregt. Dies ist sicher kein Buch für ebenmal zwischendurch, es ist eines zum Zusammensein, Diskutieren und In-sich-gehen. Eines voll von Philosophie und Lebensweisheit.

Den bedeutvollen Inhalt ergänzen die außerordentlich gut gelungenen Illustrationen, die stets die Tragik der Blindheit der Wissenschaftler verbildlichen. Das Beharren auf eigenen Theorien ist durch die Person der Wissenschaftler ein wunderbar herausgearbeitetes Indiz für Starrsinnigkeit, Unnachgiebigkeit und Blödheit. Der Spott und die Verleumdung werden einfach nur zu genüsslich in Wort und Bild ausge­walzt. Die auf dem Fundament dieses Scheuklappen-Denkens insze­nierte Welt aus schablo­nenhaften Figu­ren ist zu fabelhaft.

Die Geschichte erinnert mich sehr stark an das Buch „7 blinde Mäuse“ von Ed Young. In beiden Büchern wird ein Elefant ertastet und seine Körperteile zu den wundersamsten Interpretationen umgedichtet. Während es bei den sieben Mäusen ebenfalls zum Streit kommt, betrachten sie im Nachhinein das Wesen aus der Distanz und erkennen, dass jede Maus irgendwie Recht gehabt hat. Diese Erkenntnis fehlt in diesem Bilderbuch. Die Wissenschaftler erfassen nicht die Tatsache, dass eine Perspektive allein noch nicht die ganze Wahrheit erfasst.

Ein weiterer thematischer Komplex, den dieses bildreiche Buch berührt, ist die Entstehung von Streit, weil man die ganzen Zusammenhänge nicht sieht und sich nur auf seine Sichtweise konzentriert. Neben diesen bedeutsamen Botschaften, eignet sich das Bilderbuch auch als Einstieg in die Welt des Sinns „Tasten und Fühlen“. Die Geschichte lässt sich wunderbar nachspielen, indem den Kindern die Augen verbunden werden und jedes Kind nur einen bestimmten Körperteil einer größeren Figur abtastet und schildert, was es fühlt. 

Die Elefantenwahrheit

Material

Das folgende Arbeitsblatt zieht einen Vergleich zwischen den Bilderbüchern „Die Elefantenwahrheit“ und „7 blinde Mäuse“. In der sich schneidenden Fläche sollen Gemeinsamkeiten und in den jeweiligen Kreisen die Unterschiede notiert werden. Beide Bücher lassen sich wunderbar auch in einer AG zum Thema „Philosophieren mit Kindern“ einsetzen.

Buchvergleich Elefantenwahrheit

Tiefgründig, vielschichtig, rundum gelungen!

bei amazon.de

Katharina Mauder und Frauke Weldin – Wenn Waldo Waschbär wütend wird

Wenn Waldo Waschbär wütend wird

Rezension

Waldo, der Waschbär, hat heute keinen guten Tag. Sein Lieblingsessen fällt auf den Boden, er schlägt sich mit einem Hammer auf die Pfote und dann versengt er sich auch noch das Fell. Jedes Mal, wenn Waldo seine Wut aufsteigen spürt, fühlt es sich so an, als ob tausend Knallfrösche in seinem Bauch sind.  Und dann kann er einfach nicht anders,  als ganz laut herumzubrüllen. Das erschreckt jedoch seinen Freund Igel so gewaltig, dass er sich einkugelt und nicht mehr traut herauszukommen. Da Waldo seine Freundschaft durch seine Wutausbrüche nicht gefährden möchte, lässt er sich auf Igels Lösungsvorschläge ein und probiert das tiefe Durchatmen, das Boxen und viele weitere wutlösende Varianten aus…bis… er seine ganz eigene Möglichkeit findet, die Knallfrösche rechtzeitig zu beseitigen!

Sehr einfühlsam und kindgerecht gelingt es Katharina Mauder, bereits jüngeren Kindern die Auswirkungen von unangebrachten Wutausbrüchen zu verdeutlichen. Waldos Freund Igel kann  nämlich seine lauten Schreie nicht ertragen und kugelt sich ein. Dieses Verhalten macht ihm gehörig Angst. Durch die Reaktion des Igels, kommt der Waschbär ins Grübeln und erkennt, dass seine Wutausbrüche andere stören und Freundschaften in Gefahr bringen können. Diese Erkenntnis verleitet ihn dazu gemeinsam mit seinem Freund nach Alternativen zum lauten Brüllen zu suchen. Die Selbsterkenntnis finde ich besonders schön herausgearbeitet, denn sie ist für die Änderung des negativen Verhaltens aüßerst bedeutend. Erst wenn ich weiß, warum ich etwas ändern soll, bin ich bereit die dafür notwendigen Schritte zu gehen.

Die unterschiedlichen Lösungsvorschläge des Igels sind allesamt pädagogisch wertvoll. Auch der Hinweis, dass Änderungen Zeit brauchen und nicht von heute auf morgen zu realisieren sind, ist lebensnah und der Wirklichkeit entsprechend. Ein weiterer Pluspunkt geht an dieses Bilderbuch für die Darbietung der ganz individuellen „Wutmedizin“, die Waldo ganz zufällig für sich entdeckt.

Die meisten Illustrationen sind für meinen Geschmack etwas flach und weisen leider nur wenig Tiefe auf (mit Ausnahme der unten abgebildeten Zeichnung). Insgesamt hätte ich mir eine größere Bandbreite an  unterschiedlichen Gefühlsdarstellungen, mehr Dynamik und Konzentration auf das Wesentliche gewünscht, um den sehr gut herausgearbeiteten Inhalt zu unterstützen.

Das Bilderbuch eignet sich hervorragend als Lektüre für Klassen, die an ihrem Klassenklima arbeiten möchten oder für Familien, die ebenfalls mit Knallfröschen im Bauch der Kinder zu kämpfen haben. Auch bei der Ausbildung zu Mediatoren in Streitschlichter-AGs, bietet sich dieses Buch als Einstieg in die Thematik gut an.

Blick ins Buch

Wenn Waldo Waschbär wütend wird

 

Fazit

Sensibel und sinnvoll herausgearbeitete Thematik über Wutausbrüche, Freundschaft und Hilfsbereitschaft.

(Amazon-Link)

Bist du das, Wolf?

Bist du das, Wolf?

 

Auf einem kleinen Bauernhof treibt ein böser Wolf sein Unwesen. Ein Schweinchen nimmt all seinen Mut zusammen, um seine Freunde zu retten und macht sich auf die Suche nach dem Feind. Er schaut im Heuspeicher nach und greift vorsichtig in einen Heuhaufen. Kaum glaubt er das Fell vom Wolf ertastet zu haben, bemerkt er, dass es bloß die Katze ist.  Auch bei seinen eigenen Artgenossen schaut er nach und als er denkt die Füße des Wolfes ertastet zu haben, muss sein Vater lachen, denn das waren seine Hufen, die er soeben gekitzelt hat. Doch das kleine, mutige Schweinchen gibt nicht auf und sucht weiter. Wird es ihm gelingen den bösen Wolf zu finden?

Dieses autorenlose Bilderbuch lebt von der Einbindung des Sinns „Tasten“ durch die vielen hervorstehenden Klappen. Kinder dürfen sich ganz auf das Fühlen konzentrieren und bereits Vermutung anstellen, welches Körperteil des Wolfes es sein könnte oder ist es womöglich doch ein anderes Tier? Neben künstlichem Fell, wurde Sandpapier, Samtstoff, Moosgummi und klebende Folie verwendet. Die Klappen sind so gestaltet, dass das Innere nicht einsehbar ist und die Fantasie der Kinder daher sehr gut blühen kann.

Das allerletzte Bild sollte beim ersten gemeinsamen Betrachten mit etwas Vorsicht, vor allem bei 2-Jährigen, enthüllt werden. Der Pop-up-Wolf schaut doch etwas grausam herein. Der weit aufgerissene Mund und die spitzen Zähne wirken durchaus furchteinflößend. Durch die Bewegung der beiden Seitenflügel öffnet und schließt sich die Schnauze wieder und animiert zum Spielen und Experimentieren.

Bist du das, Wolf?

Ein Bilderbuch zum Ausbau des Tastsinns, gleich dem Motto: „Greif hinein, wenn du dich traust!“

bei amazon.de