Rachel Rooney und Zehra Hicks – Geh weg, du Problem!

Rezension

Probleme sind große und kleine Monster, ganz komische Wesen, die in ihrer veränderten Gestalt immer wieder auftauchen. manche sind wahnsinnig klebrig, andere knifflig, schwer und gemein. Sie tauchen manchmal plötzlich, manchmal schleichend auf.

Es gibt mehrere Möglichkeiten und Wege mit ihnen umzugehen. Wenn man einem Problem begegnet, bleibt man locker und ruhig. Man nimmt sich Zeit und nennt es beim Namen. Dabei gibt es harmlose Probleme, die schnell wieder von alleine verschwinden, sogar einfach über Nacht. Andere muss man lösen, bevor sie sich verbünden und noch größer werden.

Drum trau dich! Trau dich!
Du bist nicht allein. (…)

… sag ein Wort.
Du fühlst dich gleich besser.

Wie wunderbar, dass in einem Bilderbuch auch dieses recht komplexe Thema angegangen wird. Natürlich kennen auch Kinder Probleme und Schwierigkeiten. Der Umgang damit erfolgt intuitiv und manchmal gar nicht, weil das entsprechende Werkzeug dafür fehlt. Hier werden Probleme etwas greifbarer, indem sie ein Gesicht erhalten und mit Beispielen gestützt werden. Kindgerechte Probleme können sein, dass man ein bestimmtes vorgesetztes Gericht nicht mag, sich beim Spielen um ein Spielzeug streitet, Angst vor Höhe auf einer Rutsche hat oder von anderen gehänselt wird.

Die vorerst einfachste Strategie ist zunächst abzuwarten, ob das Problem wiederkehrt. Wie in dieser Geschichte gezeigt, ist es im wahren Leben tatsächlich so, dass vieles sich ohne unser Zutun von alleine erledigt. Doch sobald es einen länger beschäftigt und das Problem schwerer und größer wird, muss man handeln. Die Lösung, die hier gezeigt wird, es sehr lobenswert und erfordert auch Mut, denn es heißt „Mit anderen ins Gespräch gehen“. Gesprächspartner können Freunde oder Erwachsene sein und sobald man es losgeworden ist, fühlt man sich bereits leichter, sodass darauf aufbauend gemeinsam weiter überlegt werden kann, wenn sich das Problem nicht hier schon wieder aufgelöst hat.

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Fazit

Achtsamkeit sich selbst gegenüber lernen und vorbeugend agieren

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Nele Winter und Dorothea Ackroyd – Pit und Pu und der große Streit

Rezension

Pit, der Waschbär möchte seinen allerbesten Freund mit einem selbstgebackenen Kuchen überraschen. Mit einem Bollerwagen macht er sich auf den Weg zum Fuchs, als ihn von hinten eine Maus erschreckt, die so schnell vorbeiflitzt, dass Pit über den Karren stolpert und der Kuchen nun Matsch ist. Verärgert trottet er weiter. Am Staudamm angekommen, verfliegt die schlechte Laune schnell, denn Pu ist sein allerbester Freund. Allerdings wird die Stimmung durch die Ankündigung eines weiteren Freundes erneut getrübt. Ausgerechnet die Maus wird Pit als Pus neue Freundin vorgestellt, mit der er Pu nun teilen muss.

Eifersucht unter Freunden ist bei Kindern ein immerwährend aktuelles Thema. Schließlich spielt Freundschaft eine zentrale Rolle in unserem Leben. Mit Freundschaften werden intensive, erlebnisreiche und vertrauensvolle Momente verbunden, an die man sich gerne zurückerinnert und die einem zeigen, dass man nicht alleine ist. Freunde zu teilen, fällt Kindern schwer. Manche lassen sich sogar dazu verleiten zu meinen: „Sie hat mir meine Freundin weggenommen.“ Die Komplexität wird auch in diesem Bilderbuch deutlich. Das Spielen zu dritt ist für viele jüngere Kinder hin und wieder eine Herausforderung. Die intensiven Gefühle rund um die vielfältigen Dynamiken des Konflikts und Streits können die Betrachter durch die Einnahme der Außenperspektive wahrnehmen. Ebenso wird hier sehr gut dargestellt, welche innerpsychischen Reaktionen in Pit vorgehen und welche Ängste er aushalten muss. Die Versöhnung ist nicht weniger bedeutungsvoll, sodass auch dieses Zusammenkommen als nachhaltiges Gefühl der Sicherheit zur Freundschaft dazugehört.

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Fazit

Intensive Gefühle rund um Eifersucht, Teilen, Angst und Sicherheit in einer komplexen Wechselwirkung innerhalb von Freundschaften.

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Daniela Kunkel – Das kleine WIR

Rezension

Die Figur des „kleinen WIR“ wird sicherlich vielen seit der Erstveröffentlichung im Jahre 2016 bekannt sein. Nicht nur die Geschichte, sondern auch das grüne Wesen, das Daniela Kunkel gezaubert hat, brennt sich schnell ins Herz. Das kleine WIR entsteht nämlich dort, wo Menschen sich mögen und nett zueinander sind. So kommt es, dass es eigentlich ziemlich viele WIRs gibt, wobei jedes ein bisschen anders aussieht.

Eine Gemeinsamkeit haben sie jedoch alle: Sie sind äußerst wertvoll. Ben und Emma haben genau so ein gemeinsames WIR und dürfen sich eigentlich glücklich schätzen. Es lebt in einem kleinen Häuschen, in Form eines Herzens. Streitigkeiten mag es allerdings gar nicht und wird dabei immer kleiner, schwächer und droht dann schon fast zu verschwinden. Als Ben und Emma sich in die Haare kriegen, passiert ihnen genau das. Sie begeben sich jeweils alleine auf die Suche und müssen bald feststellen, dass das WIR sich nur gemeinsam finden lässt.

Es geht hier um Gemeinschaft, Solidarität und Verbundenheit. Auch die Schönheit einer besonderen Verbindung wird ganz wunderbar und für Kinder schnell nachvollziehbar umwoben. Allerdings muss Freundschaft auch gepflegt werden, sodass man schnell zum Thema „Freunde finden und behalten“ kommt. Allzu schnell kann eine wertvolle Verbindung und damit das WIR-Gefühl zerbrechen. Den Blickwinkel vom ICH zum WIR zu lenken ist eine emotional-soziale Lernanforderung, bei der dieses Bilderbuch eine große Stütze ist. Hier erlebt man den Perspektivwechsel quasi hautnah mit. Aufeinander Rücksicht nehmen, sorgsam mit den Mitmenschen umgehen und das Gefühl von Zusammengehörigkeit pflegen, könnte nicht aktueller sein.

Das Bilderbuch begleitete uns in einer Projektwoche zum Thema „Soziales Lernen“ im Anfangsunterricht. Wir durften uns mit dem grünen Wesen 5 Tage lang intensiv beschäftigen und schauen seitdem, dass es weiterhin groß und stark bleibt. Sollte jemand an den Darstellungen zur Projektwoche oder dem Material interessiert sein, der darf dem Link folgen.

Fazit

Ein wertvolles Bilderbuch, mit einer noch wertvolleren Botschaft. Dazu ist das Wesen noch so bezaubernd!

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Susanne Weber und Meike Töpperwien: Das Känguru und du – Der leckere Zankapfel

Rezension

Susanne Weber thematisiert in diesem Pappbilderbuch für die Allerkleinsten ab 2 Jahren wie eine Streitkultur aussehen kann. Känguru Hopsidu und der Hase sind Freunde und haben sich eigentlich ziemlich gerne. Im Wettstreit um den höchsten Sprung, verbunden mit der Errungenschaft eines Apfels, kommt es dann doch zum Streit zwischen den beiden Freunden. Während das Känguru springt, schnappt sich der Hase den leckeren Apfel und will sich glatt davon machen.

Doch Hopsidu ruft: „Das ist jetzt echt nicht fair.“ Beide fangen an, an dem Apfel zu ziehen, bis dann der Vorschlag zum Teilen kommt.

Zusammen sitzen wir im Gras,
zu zweit macht alles doppelt Spaß.

Auf 16 Seiten wird der Wettbewerb unter Freunden und ein möglicher Ausgang des Streits in Reimform aufgegriffen. Die Möglichkeit zu teilen wird hier vorgeschlagen und der Hinweis gegeben, dass Teilen beide glücklich macht. Begleitet wird die Geschichte von wunderbaren plakativen Illustrationen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren und den Betrachter nicht mit Details überfrachten.

Reime sind eine spielerische Möglichkeiten sich der Sprachbewusstheit zu nähern. Zugleich unterstützen sie das bewusste Hören. Auch unbetonte, fast verschluckte Silben werden durch die gebundene rhythmische Sprache oft leichter erkennbar. Davon profitieren besonders Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Dabei üben sie Lautkombinationen, die es in ihrer Muttersprache so vielleicht gar nicht gibt. Sie entwickeln ein Gefühl für Melodien und Rhythmen, die jeder Sprache innewohnen. 

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Fazit

Richtig streiten muss auch gelernt sein.

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Hanna Grubhofer – Was brauchst du?: Mit der Giraffensprache und Gewaltfreier Kommunikation Konflikte kindgerecht lösen

Rezension

Gino Giraffe fungiert als Mediator, bevor ein Streit eskalieren kann. Mit der Giraffensprache schafft es Gino im Sinne der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, die Bedürfnisse der Beteiligten zu umreißen. Alternative Lösungsvorschläge werden auf den Mit-Mach-Seiten gesammelt, wobei immer mehrere Lösungen in Frage kommen. Das Ziel dieses DIN-A5-Büchleins ist es, Kinder darin zu bestärken, ihre Gefühle und Bedürfnisse auszusprechen, ohne wie ein Wolf zu „knurren“, indem sie anfangen zu treten oder zu schlagen.

Hier werden insgesamt 7 voneinander unabhängige Streitsituationen dargestellt. Auf der rechten Seite finden sich stets farbige Aquarellillustrationen, die völlig ohne Text auskommen. Sie lassen sich daher auch sehr gut vergrößern und zu Erzählzwecken nutzen. Bei manchen Geschichten empfiehlt es sich die Handlung frei zu erzählen, statt vorzulesen, weil man Kinder so viel mehr mitnehmen kann.

Ein Beispiel einer Streitsituationen, die im Buch aufgegriffen ist, ist die Problematik von Igel Igor, der aus vielen Herbstblättern einen Haufen für seine Höhle gebaut hat. Ziege Zita kommt angerannt und rammt ihre Hörner so sehr in den Haufen, dass die Höhle zusammen fällt. Igor Igel ist entsetzt und regt sich auf, während die Ziege sich verwirrt umschaut. Gino Giraffe kommt dazu und regt zum Nachdenken an: „Was könnt ihr jetzt machen, damit Igor einen sicheren Ort für den Winterschlaf hat und Zita sich austoben kann?“. Diese Situation ist recht alltagstauglich, wenn jemand z.B. die Sandburg eines anderen kaputt macht. Die vorgeschlagene Lösung ist dagegen etwas unbefriedigend, wenn es heißt: „Zita Ziege tobt über die Wiese und Igor Igel kümmert sich alleine um seine Höhle.“ Irgendeine Art der Wiedergutmachung wäre durchaus sinnvoll gewesen. Erfreulich ist dafür, dass auf den Mit-Mach-Seiten immer Raum für eigene Ideen bleibt.

Diese Form des wiederholten Perspektivwechsels hilft den Kindern, deutlicher und bewusster die Ursachen der Konflikte zu verstehen und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

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Die Einübung der Giraffensprache bedarf vielfältiger Übungsmöglichkeiten. Daher empfiehlt es sich spiralcurricular das Konzept immer wieder einzubauen, um den Kindern mehr Handwerkszeug mitgeben zu können. Eine Ergänzung stellt das Material Respektvoll miteinander sprechen – Konflikten vorbeugen aus dem Verlag an der Ruhr dar, in dem 10 Trainingsmodule für den schulischen Gebrauch zusammengestellt wurden.

2019-10-05-10-23-42-318(1)

Fazit

Situationsbedingte Anwendung der Giraffensprache im Sinne der gewaltfreien Kommunikation.

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Rachel Bright und Jim Field – Die Streithörnchen

Rezension

Der Sommer nahm Abschied im mächtigen Wald,
das Moos gedieh saftig, die Luft wurde kalt.
Der Himmel war rot und der Herbst zog ins Land,
so manch müdes Wesen im Bettchen verschwand.

Pia Jüngert hat das Bilderbuch aus dem Englischen in dahinfließende Reime gebracht. Zu keinem Zeitpunkt wirkt es holprig oder stockend. Die Seele bilden allerdings die zauberhaften Illustrationen von Jim Field. Was sind das bloß für charakteristische Wesen, die einem bereits auf der Titelseite entgegen blicken? Und was soll ich sagen: Wer kennt sie nicht? Die Streithörnchen?

Lenni ist ein sorgloses Eichhörnchen und legt im Gegensatz zum fleißigen Finn kaum Vorräte für den Winter an. Als beide einen Zapfen erblicken, beginnt die Hetzjagd nach der letzten Nuss im Jahr. Sie ringen im Wasserfall, entfliehen einem Vogel und treiben schließlich hilflos im Fluss. Hier schaffen sie es gerade noch ans Ufer und ziehen sich gegenseitig mit schwindender Kraft heraus. Genau in diesem Augenblick kommt die Erkenntnis, dass teilen wunderbar sein kann und es nichts Schöneres gibt als gemeinsam zu lachen.

Dieses Bilderbuch ist perfekt zum Einläuten der Herbstzeit. Es richtet den Blick auf die Veränderungen in der Natur und schafft einen gelungenen Übergang zum „Loslassen im sozialen Miteinander“. Manchmal ist das Teilen recht schwer und erfordert eine ausgeprägte Teilungsbereitschaft, die im Freundeskreis Kindern vorerst noch leichter fällt. In eine turbulente Geschichte verpackt, zeigt Rachel Bright, dass gemeinsam oft mehr ist als einsam.

 

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Fazit

Fantastische Reime und Illustrationen – ein Vorlesegenuss!

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Andrea Schomburg und Stefanie Jeschke – Das große Knuddel

Das große Knuddel ist ein Wesen, das stets zur Stelle ist, wenn zwei sich streiten. Es ist weich, fluffig und froh. Mit seiner positiven Aura und durch die bloße Anwesenheit bringt es die streitenden Parteien dazu sich bald wieder zu vertragen.

Es kann die Maus Margaritta sein, die Minnie alles weg knabbert oder ein Riese und ein Zwerg, die sich mit Steinen bewerfen.

Kommt angeflitzt, wenn wir uns streiten,
ist für uns da zu allen Zeiten.

Dieses Pappbilderbuch für Kinder ab 2 Jahren ist ein toller Begleiter für Geschwisterkinder, die sich häufiger in den Haaren haben. Durch die sich schnell einprägsamen Reime lernen schon die Kleinen den Frust vor dem eigentlichen Ausbruch nicht unnötig entstehen zu lassen. Das Knuddel ist nie lange weg und kommt zum Glück immer zurück!

Streit und baldige Versöhnung – dank Knuddel!

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Ann Bonwill und Simon Rickerty – Ich bin doch keine Erbse

Ich bin doch keine Erbse

Das Flusspferd Hugo und der Vogel Bella sind die allerbesten Freunde. Gemeinsam planen sie ihre Kostüme für einen Märchenkostümball. Hugo schlägt vor sich als Prinzessin zu verkleiden und Bella soll dementsprechend als Erbse zum Ball gehen. Mit diesem Vorschlag ist Bella jedoch ganz und gar nicht einverstanden, schließlich ist eine Erbse klein und rund. Viel lieber würde Bella als Meerjungfrau gehen und Hugo soll dafür ihr schöner Felsen sein. Hugo findet, dass Felsen grau und plump sind, was seinen Ärger noch weiter steigert. Nach einigen weiteren unzufriedenstellenden Vorschlägen, eskaliert die Kostümsuche in einem Streit.

Außerdem will ich gar nicht mehr mit dir auf den Ball gehen.
Na wenn das so ist, dann will ich auch nicht mehr.

Werden die beiden Freunde sich doch noch einigen können und es rechtzeitig zum Märchenkostümball schaffen?

Die Ausgangssituation ist so realitätsnah der kindlichen Lebenswelt entnommen, dass man schon zu Beginn schmunzeln muss. Zur Freundschaft gehört eben auch sich behaupten zu können und natürlich Kompromisse zu schließen. Dies ist ein humorvolles Bilderbuch rund um Bestimmer, Konkurrenten und wahre Freunde.

Die sehr bunten und reduzierten Illustrationen von Simon Rickerty fokussieren auf die Gefühle und die Verkleidungen der beiden Protagonisten. Die Dialoge unterscheiden sich in eigens für die Tiere entworfenen Schriften und lassen sich schnell den jeweiligen Figuren zuordnen. Man kann den Streit mit all den typisch kindischen Formulierungen regelrecht hören. Die Unzufriedenheit, der Trotz und die Ärgernis springen den Leser buchstäblich an. Ja, genauso läuft es unter Kindern ab.

Pädagogisch wertvoll ist auch der vorgeschlagene Kompromiss. Vor dem Vorlesen der eigentlichen Lösung, müsste man mit den Kindern unbedingt ins Gespräch kommen und die Kinder auch selbst beschreiben lassen, wie die beiden Freunde sich wohl fühlen. Natürlich wäre es sicherlich auch spannend von den Kindern zu erfahren, wie sie sich die Lösung des Streits vorstellen.

Dieses Thema ist nicht nur unter Freunden, sondern auch später in der Grundschule, wenn Kinder mit einem Partner oder in der Gruppe etwas erarbeiten sollen, sehr bedeutsam. Die Bedürfnisse der anderen Mitschüler berücksichtigen und sich einigen können ist ein langwieriger Prozess und eine nicht zu unterschätzende Kunst.

Ich bin doch keine Erbse

Eine humorvolle Geschichte rund um die Fähigkeit auf seine Mitmenschen einzugehen und vielleicht auch selbst einmal zurückstecken zu können.

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Martin Baltscheit und Christoph Mett – Die Elefantenwahrheit

Die Elefantenwahrheit

Fünf blinde Wissenschaftler sonnen sich auf der Terrasse und stellen nebenbei Hypothesen über Sonnengesetze auf. Als sich ihnen ein großer Elefant vor die Sonne stellt, machen sie sich auf den Weg herauszufinden, wer die Sonne verdeckt. Denn da sind sich die Wissenschaftler einig: „Wenn wir wissen wollen, wie wir es vertreiben können, müssen wir wissen, was es ist!“

Einer nach dem anderen ertastet den großen Elefanten und je nachdem was sie zum Fühlen bekommen, werden die abenteuerlichsten Vermutungen angestellt. Der lange Rüssel erinntert an einen Schlauch der Feuerwehr, der Schwanz an eine Toilettenbürste, die großen Ohren an einen Teppich und der breite Rücken an einen Berg. Während der Streit explodiert und die Wissenschaftler sich böshafte Beschimpfungen zubrüllen, entschwindet der Elefant dem Geschehen still und leise. Und die Wissenschaftler? Nun ja, sie verschließen weiterhin die Augen, auch wenn die Wahrheit so offensichtlich ist…

Solche Bilderbuchschätze trifft man selten. Martin Baltschein ist es gelungen ein Bilderbuch zu kreieren, das zum Nachdenken, Lachen, Weiterspinnen, Fragen und vor allem Hinterfragen anregt. Dies ist sicher kein Buch für ebenmal zwischendurch, es ist eines zum Zusammensein, Diskutieren und In-sich-gehen. Eines voll von Philosophie und Lebensweisheit.

Den bedeutvollen Inhalt ergänzen die außerordentlich gut gelungenen Illustrationen, die stets die Tragik der Blindheit der Wissenschaftler verbildlichen. Das Beharren auf eigenen Theorien ist durch die Person der Wissenschaftler ein wunderbar herausgearbeitetes Indiz für Starrsinnigkeit, Unnachgiebigkeit und Blödheit. Der Spott und die Verleumdung werden einfach nur zu genüsslich in Wort und Bild ausge­walzt. Die auf dem Fundament dieses Scheuklappen-Denkens insze­nierte Welt aus schablo­nenhaften Figu­ren ist zu fabelhaft.

Die Geschichte erinnert mich sehr stark an das Buch „7 blinde Mäuse“ von Ed Young. In beiden Büchern wird ein Elefant ertastet und seine Körperteile zu den wundersamsten Interpretationen umgedichtet. Während es bei den sieben Mäusen ebenfalls zum Streit kommt, betrachten sie im Nachhinein das Wesen aus der Distanz und erkennen, dass jede Maus irgendwie Recht gehabt hat. Diese Erkenntnis fehlt in diesem Bilderbuch. Die Wissenschaftler erfassen nicht die Tatsache, dass eine Perspektive allein noch nicht die ganze Wahrheit erfasst.

Ein weiterer thematischer Komplex, den dieses bildreiche Buch berührt, ist die Entstehung von Streit, weil man die ganzen Zusammenhänge nicht sieht und sich nur auf seine Sichtweise konzentriert. Neben diesen bedeutsamen Botschaften, eignet sich das Bilderbuch auch als Einstieg in die Welt des Sinns „Tasten und Fühlen“. Die Geschichte lässt sich wunderbar nachspielen, indem den Kindern die Augen verbunden werden und jedes Kind nur einen bestimmten Körperteil einer größeren Figur abtastet und schildert, was es fühlt. 

Die Elefantenwahrheit

Material

Das folgende Arbeitsblatt zieht einen Vergleich zwischen den Bilderbüchern „Die Elefantenwahrheit“ und „7 blinde Mäuse“. In der sich schneidenden Fläche sollen Gemeinsamkeiten und in den jeweiligen Kreisen die Unterschiede notiert werden. Beide Bücher lassen sich wunderbar auch in einer AG zum Thema „Philosophieren mit Kindern“ einsetzen.

Buchvergleich Elefantenwahrheit

Tiefgründig, vielschichtig, rundum gelungen!

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Katharina Mauder und Frauke Weldin – Wenn Waldo Waschbär wütend wird

Wenn Waldo Waschbär wütend wird

Waldo, der Waschbär, hat heute keinen guten Tag. Sein Lieblingsessen fällt auf den Boden, er schlägt sich mit einem Hammer auf die Pfote und dann versengt er sich auch noch das Fell. Jedes Mal, wenn Waldo seine Wut aufsteigen spürt, fühlt es sich so an, als ob tausend Knallfrösche in seinem Bauch sind.  Und dann kann er einfach nicht anders,  als ganz laut herumzubrüllen. Das erschreckt jedoch seinen Freund Igel so gewaltig, dass er sich einkugelt und nicht mehr traut herauszukommen. Da Waldo seine Freundschaft durch seine Wutausbrüche nicht gefährden möchte, lässt er sich auf Igels Lösungsvorschläge ein und probiert das tiefe Durchatmen, das Boxen und viele weitere wutlösende Varianten aus…bis… er seine ganz eigene Möglichkeit findet, die Knallfrösche rechtzeitig zu beseitigen!

Sehr einfühlsam und kindgerecht gelingt es Katharina Mauder, bereits jüngeren Kindern die Auswirkungen von unangebrachten Wutausbrüchen zu verdeutlichen. Waldos Freund Igel kann  nämlich seine lauten Schreie nicht ertragen und kugelt sich ein. Dieses Verhalten macht ihm gehörig Angst. Durch die Reaktion des Igels, kommt der Waschbär ins Grübeln und erkennt, dass seine Wutausbrüche andere stören und Freundschaften in Gefahr bringen können. Diese Erkenntnis verleitet ihn dazu gemeinsam mit seinem Freund nach Alternativen zum lauten Brüllen zu suchen. Die Selbsterkenntnis finde ich besonders schön herausgearbeitet, denn sie ist für die Änderung des negativen Verhaltens aüßerst bedeutend. Erst wenn ich weiß, warum ich etwas ändern soll, bin ich bereit die dafür notwendigen Schritte zu gehen.

Die unterschiedlichen Lösungsvorschläge des Igels sind allesamt pädagogisch wertvoll. Auch der Hinweis, dass Änderungen Zeit brauchen und nicht von heute auf morgen zu realisieren sind, ist lebensnah und der Wirklichkeit entsprechend. Ein weiterer Pluspunkt geht an dieses Bilderbuch für die Darbietung der ganz individuellen „Wutmedizin“, die Waldo ganz zufällig für sich entdeckt.

Die meisten Illustrationen sind für meinen Geschmack etwas flach und weisen leider nur wenig Tiefe auf (mit Ausnahme der unten abgebildeten Zeichnung). Insgesamt hätte ich mir eine größere Bandbreite an  unterschiedlichen Gefühlsdarstellungen, mehr Dynamik und Konzentration auf das Wesentliche gewünscht, um den sehr gut herausgearbeiteten Inhalt zu unterstützen.

Das Bilderbuch eignet sich hervorragend als Lektüre für Klassen, die an ihrem Klassenklima arbeiten möchten oder für Familien, die ebenfalls mit Knallfröschen im Bauch der Kinder zu kämpfen haben. Auch bei der Ausbildung zu Mediatoren in Streitschlichter-AGs, bietet sich dieses Buch als Einstieg in die Thematik gut an.

Wenn Waldo Waschbär wütend wird

Material

Passend zu Wutausbrüchen und Streitigkeiten, habe ich die einzelnen Schritte bei einer Streitschlichtung und das dazu passende Vertragsabkommen erstellt:

Streitschlichtung

Sensibel und sinnvoll herausgearbeitete Thematik über Wutausbrüche, Freundschaft und Hilfsbereitschaft.

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