Suse Klein – Motzen, trotzen, glücklich sein – Unsere Gefühle

Rezension

Emotionen und Gefühle erkennen und benennen können, fällt vielen Kindern auch in der Grundschule noch schwer. Dabei macht es zusätzlich einen Unterschied, ob es die Eigen- oder Fremdwahrnehmung ist. Die Bestimmung der Befindlichkeit muss zusätzlich auch sprachlich passend ausgedrückt werden. Man kann also nicht früh genug beginnen, ein Bewusstsein für sich selbst zu entwickeln, um darauf aufbauend diese eigene Körpereinschätzung auf seine Mitmenschen übertragen zu lernen.

Dieses Bildkartenset ist für den Einsatz im Kindergarten gedacht und besteht zunächst aus acht Gefühlskarten, bei denen die Gesichtsausdrücke ganz wunderbar von der Illustratorin Jutta Berend eingefangen wurden. Es sind außerdem Hinweise und Spielideen enthalten, die dazu anregen, sich zu Beginn vertieft mit den Grundgefühlen, wie „Freude, Trotz, Wut, Angst, Traurigkeit, Ekel, Neugierde und Liebe“ auseinanderzusetzen. Erfreulicherweise sind hier auch die wichtigsten menschlichen Basisemotionen aus der Psychologie enthalten. Lediglich „Überraschung“ fehlt als primäre Emotion. Anschließend wird empfohlen mit den Gefühlskarten handelnd umzugehen, indem durch Pantomime Gefühle erraten werden sollen oder man durch die Bildkarten mit den Kindern ins Gespräch kommt, in welchen Situationen sie dieses Gefühl erlebt haben.

Es folgt der Vorschlag, Gefühle zu sortieren und sie in angenehme und unangenehme Stapel einzuordnen. Erst danach kommen die Situationen-Karten zum Einsatz, die sehr durchdacht die Tür zum Transferbereich öffnen. Hier findet also Anwendung und hoffentlich Verinnerlichung statt. Auf den 24 Situationen-Karten werden die acht Gefühle in kindgerechten Ereignissen, die aus dem Leben der Kinder entnommen sind, dargestellt: neugierig öffnen zwei Mädchen eine Schatztruhe, eine Mannschaft freut sich über einen Pokal, ein Junge ängstigt sich im Dunkeln, ein Junge ist wütend, weil er im Spiel verloren hat und wirft alles um, jemand trauert um sein verstorbenes Haustier und dann kuschelt ein Kind seelig mit einer Katze. Die illustrierten, sehr alltäglichen und realitätsnahen Szenen machen die Zuordnung einfach und gleichzeitig könnnen Kinder für sich reflektieren, inwiefern sie die Situation bereits erlebt haben. Das Einfühlen wird deutlich vereinfacht, weil es nun greifbarer wird. So sind die Karten auch gut für therapeutische Zwecke geeignet und können auch in Sozialtrainings prima eingesetzt werden.

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Fazit

Ein Bildkartenset zur Ausbildung des Einfühlungsvermögens und Stärkung der sozialen Fähigkeiten.

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Nele Winter und Dorothea Ackroyd – Pit und Pu und der große Streit

Rezension

Pit, der Waschbär möchte seinen allerbesten Freund mit einem selbstgebackenen Kuchen überraschen. Mit einem Bollerwagen macht er sich auf den Weg zum Fuchs, als ihn von hinten eine Maus erschreckt, die so schnell vorbeiflitzt, dass Pit über den Karren stolpert und der Kuchen nun Matsch ist. Verärgert trottet er weiter. Am Staudamm angekommen, verfliegt die schlechte Laune schnell, denn Pu ist sein allerbester Freund. Allerdings wird die Stimmung durch die Ankündigung eines weiteren Freundes erneut getrübt. Ausgerechnet die Maus wird Pit als Pus neue Freundin vorgestellt, mit der er Pu nun teilen muss.

Eifersucht unter Freunden ist bei Kindern ein immerwährend aktuelles Thema. Schließlich spielt Freundschaft eine zentrale Rolle in unserem Leben. Mit Freundschaften werden intensive, erlebnisreiche und vertrauensvolle Momente verbunden, an die man sich gerne zurückerinnert und die einem zeigen, dass man nicht alleine ist. Freunde zu teilen, fällt Kindern schwer. Manche lassen sich sogar dazu verleiten zu meinen: „Sie hat mir meine Freundin weggenommen.“ Die Komplexität wird auch in diesem Bilderbuch deutlich. Das Spielen zu dritt ist für viele jüngere Kinder hin und wieder eine Herausforderung. Die intensiven Gefühle rund um die vielfältigen Dynamiken des Konflikts und Streits können die Betrachter durch die Einnahme der Außenperspektive wahrnehmen. Ebenso wird hier sehr gut dargestellt, welche innerpsychischen Reaktionen in Pit vorgehen und welche Ängste er aushalten muss. Die Versöhnung ist nicht weniger bedeutungsvoll, sodass auch dieses Zusammenkommen als nachhaltiges Gefühl der Sicherheit zur Freundschaft dazugehört.

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Fazit

Intensive Gefühle rund um Eifersucht, Teilen, Angst und Sicherheit in einer komplexen Wechselwirkung innerhalb von Freundschaften.

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Katharina Mauder und Frauke Weldin – Wenn Waldo Waschbär wütend wird

Wenn Waldo Waschbär wütend wird

Rezension

Waldo, der Waschbär, hat heute keinen guten Tag. Sein Lieblingsessen fällt auf den Boden, er schlägt sich mit einem Hammer auf die Pfote und dann versengt er sich auch noch das Fell. Jedes Mal, wenn Waldo seine Wut aufsteigen spürt, fühlt es sich so an, als ob tausend Knallfrösche in seinem Bauch sind.  Und dann kann er einfach nicht anders,  als ganz laut herumzubrüllen. Das erschreckt jedoch seinen Freund Igel so gewaltig, dass er sich einkugelt und nicht mehr traut herauszukommen. Da Waldo seine Freundschaft durch seine Wutausbrüche nicht gefährden möchte, lässt er sich auf Igels Lösungsvorschläge ein und probiert das tiefe Durchatmen, das Boxen und viele weitere wutlösende Varianten aus…bis… er seine ganz eigene Möglichkeit findet, die Knallfrösche rechtzeitig zu beseitigen!

Sehr einfühlsam und kindgerecht gelingt es Katharina Mauder, bereits jüngeren Kindern die Auswirkungen von unangebrachten Wutausbrüchen zu verdeutlichen. Waldos Freund Igel kann  nämlich seine lauten Schreie nicht ertragen und kugelt sich ein. Dieses Verhalten macht ihm gehörig Angst. Durch die Reaktion des Igels, kommt der Waschbär ins Grübeln und erkennt, dass seine Wutausbrüche andere stören und Freundschaften in Gefahr bringen können. Diese Erkenntnis verleitet ihn dazu gemeinsam mit seinem Freund nach Alternativen zum lauten Brüllen zu suchen. Die Selbsterkenntnis finde ich besonders schön herausgearbeitet, denn sie ist für die Änderung des negativen Verhaltens aüßerst bedeutend. Erst wenn ich weiß, warum ich etwas ändern soll, bin ich bereit die dafür notwendigen Schritte zu gehen.

Die unterschiedlichen Lösungsvorschläge des Igels sind allesamt pädagogisch wertvoll. Auch der Hinweis, dass Änderungen Zeit brauchen und nicht von heute auf morgen zu realisieren sind, ist lebensnah und der Wirklichkeit entsprechend. Ein weiterer Pluspunkt geht an dieses Bilderbuch für die Darbietung der ganz individuellen „Wutmedizin“, die Waldo ganz zufällig für sich entdeckt.

Die meisten Illustrationen sind für meinen Geschmack etwas flach und weisen leider nur wenig Tiefe auf (mit Ausnahme der unten abgebildeten Zeichnung). Insgesamt hätte ich mir eine größere Bandbreite an  unterschiedlichen Gefühlsdarstellungen, mehr Dynamik und Konzentration auf das Wesentliche gewünscht, um den sehr gut herausgearbeiteten Inhalt zu unterstützen.

Das Bilderbuch eignet sich hervorragend als Lektüre für Klassen, die an ihrem Klassenklima arbeiten möchten oder für Familien, die ebenfalls mit Knallfröschen im Bauch der Kinder zu kämpfen haben. Auch bei der Ausbildung zu Mediatoren in Streitschlichter-AGs, bietet sich dieses Buch als Einstieg in die Thematik gut an.

Blick ins Buch

Wenn Waldo Waschbär wütend wird

 

Fazit

Sensibel und sinnvoll herausgearbeitete Thematik über Wutausbrüche, Freundschaft und Hilfsbereitschaft.

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