Piet Grobler und Dianne Hofmeyr – Bojabi, der Zauberbaum

Bojabi, der Zauberbaum

Rezension

Nach einer langen Dürrezeit kämpfen die Tiere Afrikas um das Überleben. Das Gras ist vertrocknet und die Bäume ohne ein einziges Blättchen. In der Ferne erblicken sie jedoch eines Tages einen Baum voll saftiger und reifer Früchte. Wenn da bloß nicht die gemeine Python wäre, die erst bereit ist den Baum frei zu geben, wenn die Tiere ihr den wundersamen Namen des Zauberbaums verraten können. Nun begeben sich die Tiere nacheinander auf den langen Weg zum König der Tiere, der als einziger den Namen kennt. Wem wird es gelingen den kniffligen Namen die lange Strecke hindurch zu behalten? Dem schnellen Zebra, dem klugen Affen oder doch der langsamen Schildkröte?

Dianne Hofmeyr erzählt die afrikanische Fabel in ihrer eigenen Version nach. Laut ihrer eigenen Aussage, ist die Geschichte um den Zauberbaum für alle Kinder, die unsinnige Namen und Reime lieben. Hier finden sich tatsächlich urkomische Abwandlungen der Originalbezeichnung, die alle in ihrer Typografie von Piet Grobler wunderschön hervorgehoben wurden.

Dieses Bilderbuch lebt in der Tat von dem sehr beeindruckenden und modernen Illustrationsstil. Die Zeichnungen konnten mir sogar mehr imponieren, als der Inhalt der Geschichte. Während ich mir in der Geschichte  hier und da einige Kürzungen gewünscht hätte und für eine Fabel typische Moral als Ergänzung, konnte ich mich an den Bildern einfach nicht satt sehen. Die feinen Pinselstriche und der sehr individuell angehauchte Farbverlauf, sind in Verbindung mit dem einzigartigen afrikanischen Flair ein wundervolles Kennzeichen Goblers Illustrationskunst.

Blick ins Buch

Bojabi, der Zauberbaum

 

 

Auf der Plattform „Lehrermarktplatz“ findet sich zum Bilderbuch ein Arbeitsblatt für die Weiterarbeit an der Fabel „Bojabi, der Zauberbaum“:

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(Material-ID: 122754)

Fazit

Fantastische Bilder, jede Seite ein Genuss!

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Martin Baltscheit und Christoph Mett – Die Elefantenwahrheit

Die Elefantenwahrheit

Fünf blinde Wissenschaftler sonnen sich auf der Terrasse und stellen nebenbei Hypothesen über Sonnengesetze auf. Als sich ihnen ein großer Elefant vor die Sonne stellt, machen sie sich auf den Weg herauszufinden, wer die Sonne verdeckt. Denn da sind sich die Wissenschaftler einig: „Wenn wir wissen wollen, wie wir es vertreiben können, müssen wir wissen, was es ist!“

Einer nach dem anderen ertastet den großen Elefanten und je nachdem was sie zum Fühlen bekommen, werden die abenteuerlichsten Vermutungen angestellt. Der lange Rüssel erinntert an einen Schlauch der Feuerwehr, der Schwanz an eine Toilettenbürste, die großen Ohren an einen Teppich und der breite Rücken an einen Berg. Während der Streit explodiert und die Wissenschaftler sich böshafte Beschimpfungen zubrüllen, entschwindet der Elefant dem Geschehen still und leise. Und die Wissenschaftler? Nun ja, sie verschließen weiterhin die Augen, auch wenn die Wahrheit so offensichtlich ist…

Solche Bilderbuchschätze trifft man selten. Martin Baltschein ist es gelungen ein Bilderbuch zu kreieren, das zum Nachdenken, Lachen, Weiterspinnen, Fragen und vor allem Hinterfragen anregt. Dies ist sicher kein Buch für ebenmal zwischendurch, es ist eines zum Zusammensein, Diskutieren und In-sich-gehen. Eines voll von Philosophie und Lebensweisheit.

Den bedeutvollen Inhalt ergänzen die außerordentlich gut gelungenen Illustrationen, die stets die Tragik der Blindheit der Wissenschaftler verbildlichen. Das Beharren auf eigenen Theorien ist durch die Person der Wissenschaftler ein wunderbar herausgearbeitetes Indiz für Starrsinnigkeit, Unnachgiebigkeit und Blödheit. Der Spott und die Verleumdung werden einfach nur zu genüsslich in Wort und Bild ausge­walzt. Die auf dem Fundament dieses Scheuklappen-Denkens insze­nierte Welt aus schablo­nenhaften Figu­ren ist zu fabelhaft.

Die Geschichte erinnert mich sehr stark an das Buch „7 blinde Mäuse“ von Ed Young. In beiden Büchern wird ein Elefant ertastet und seine Körperteile zu den wundersamsten Interpretationen umgedichtet. Während es bei den sieben Mäusen ebenfalls zum Streit kommt, betrachten sie im Nachhinein das Wesen aus der Distanz und erkennen, dass jede Maus irgendwie Recht gehabt hat. Diese Erkenntnis fehlt in diesem Bilderbuch. Die Wissenschaftler erfassen nicht die Tatsache, dass eine Perspektive allein noch nicht die ganze Wahrheit erfasst.

Ein weiterer thematischer Komplex, den dieses bildreiche Buch berührt, ist die Entstehung von Streit, weil man die ganzen Zusammenhänge nicht sieht und sich nur auf seine Sichtweise konzentriert. Neben diesen bedeutsamen Botschaften, eignet sich das Bilderbuch auch als Einstieg in die Welt des Sinns „Tasten und Fühlen“. Die Geschichte lässt sich wunderbar nachspielen, indem den Kindern die Augen verbunden werden und jedes Kind nur einen bestimmten Körperteil einer größeren Figur abtastet und schildert, was es fühlt. 

Die Elefantenwahrheit

Material

Das folgende Arbeitsblatt zieht einen Vergleich zwischen den Bilderbüchern „Die Elefantenwahrheit“ und „7 blinde Mäuse“. In der sich schneidenden Fläche sollen Gemeinsamkeiten und in den jeweiligen Kreisen die Unterschiede notiert werden. Beide Bücher lassen sich wunderbar auch in einer AG zum Thema „Philosophieren mit Kindern“ einsetzen.

Buchvergleich Elefantenwahrheit

Tiefgründig, vielschichtig, rundum gelungen!

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Katharina Mauder und Frauke Weldin – Wenn Waldo Waschbär wütend wird

Wenn Waldo Waschbär wütend wird

Rezension

Waldo, der Waschbär, hat heute keinen guten Tag. Sein Lieblingsessen fällt auf den Boden, er schlägt sich mit einem Hammer auf die Pfote und dann versengt er sich auch noch das Fell. Jedes Mal, wenn Waldo seine Wut aufsteigen spürt, fühlt es sich so an, als ob tausend Knallfrösche in seinem Bauch sind.  Und dann kann er einfach nicht anders,  als ganz laut herumzubrüllen. Das erschreckt jedoch seinen Freund Igel so gewaltig, dass er sich einkugelt und nicht mehr traut herauszukommen. Da Waldo seine Freundschaft durch seine Wutausbrüche nicht gefährden möchte, lässt er sich auf Igels Lösungsvorschläge ein und probiert das tiefe Durchatmen, das Boxen und viele weitere wutlösende Varianten aus…bis… er seine ganz eigene Möglichkeit findet, die Knallfrösche rechtzeitig zu beseitigen!

Sehr einfühlsam und kindgerecht gelingt es Katharina Mauder, bereits jüngeren Kindern die Auswirkungen von unangebrachten Wutausbrüchen zu verdeutlichen. Waldos Freund Igel kann  nämlich seine lauten Schreie nicht ertragen und kugelt sich ein. Dieses Verhalten macht ihm gehörig Angst. Durch die Reaktion des Igels, kommt der Waschbär ins Grübeln und erkennt, dass seine Wutausbrüche andere stören und Freundschaften in Gefahr bringen können. Diese Erkenntnis verleitet ihn dazu gemeinsam mit seinem Freund nach Alternativen zum lauten Brüllen zu suchen. Die Selbsterkenntnis finde ich besonders schön herausgearbeitet, denn sie ist für die Änderung des negativen Verhaltens aüßerst bedeutend. Erst wenn ich weiß, warum ich etwas ändern soll, bin ich bereit die dafür notwendigen Schritte zu gehen.

Die unterschiedlichen Lösungsvorschläge des Igels sind allesamt pädagogisch wertvoll. Auch der Hinweis, dass Änderungen Zeit brauchen und nicht von heute auf morgen zu realisieren sind, ist lebensnah und der Wirklichkeit entsprechend. Ein weiterer Pluspunkt geht an dieses Bilderbuch für die Darbietung der ganz individuellen „Wutmedizin“, die Waldo ganz zufällig für sich entdeckt.

Die meisten Illustrationen sind für meinen Geschmack etwas flach und weisen leider nur wenig Tiefe auf (mit Ausnahme der unten abgebildeten Zeichnung). Insgesamt hätte ich mir eine größere Bandbreite an  unterschiedlichen Gefühlsdarstellungen, mehr Dynamik und Konzentration auf das Wesentliche gewünscht, um den sehr gut herausgearbeiteten Inhalt zu unterstützen.

Das Bilderbuch eignet sich hervorragend als Lektüre für Klassen, die an ihrem Klassenklima arbeiten möchten oder für Familien, die ebenfalls mit Knallfröschen im Bauch der Kinder zu kämpfen haben. Auch bei der Ausbildung zu Mediatoren in Streitschlichter-AGs, bietet sich dieses Buch als Einstieg in die Thematik gut an.

Blick ins Buch

Wenn Waldo Waschbär wütend wird

 

Fazit

Sensibel und sinnvoll herausgearbeitete Thematik über Wutausbrüche, Freundschaft und Hilfsbereitschaft.

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Bist du das, Wolf?

Bist du das, Wolf?

 

Auf einem kleinen Bauernhof treibt ein böser Wolf sein Unwesen. Ein Schweinchen nimmt all seinen Mut zusammen, um seine Freunde zu retten und macht sich auf die Suche nach dem Feind. Er schaut im Heuspeicher nach und greift vorsichtig in einen Heuhaufen. Kaum glaubt er das Fell vom Wolf ertastet zu haben, bemerkt er, dass es bloß die Katze ist.  Auch bei seinen eigenen Artgenossen schaut er nach und als er denkt die Füße des Wolfes ertastet zu haben, muss sein Vater lachen, denn das waren seine Hufen, die er soeben gekitzelt hat. Doch das kleine, mutige Schweinchen gibt nicht auf und sucht weiter. Wird es ihm gelingen den bösen Wolf zu finden?

Dieses autorenlose Bilderbuch lebt von der Einbindung des Sinns „Tasten“ durch die vielen hervorstehenden Klappen. Kinder dürfen sich ganz auf das Fühlen konzentrieren und bereits Vermutung anstellen, welches Körperteil des Wolfes es sein könnte oder ist es womöglich doch ein anderes Tier? Neben künstlichem Fell, wurde Sandpapier, Samtstoff, Moosgummi und klebende Folie verwendet. Die Klappen sind so gestaltet, dass das Innere nicht einsehbar ist und die Fantasie der Kinder daher sehr gut blühen kann.

Das allerletzte Bild sollte beim ersten gemeinsamen Betrachten mit etwas Vorsicht, vor allem bei 2-Jährigen, enthüllt werden. Der Pop-up-Wolf schaut doch etwas grausam herein. Der weit aufgerissene Mund und die spitzen Zähne wirken durchaus furchteinflößend. Durch die Bewegung der beiden Seitenflügel öffnet und schließt sich die Schnauze wieder und animiert zum Spielen und Experimentieren.

Bist du das, Wolf?

Ein Bilderbuch zum Ausbau des Tastsinns, gleich dem Motto: „Greif hinein, wenn du dich traust!“

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David McKee – Elmar

Elmar

Elmar ist kein grauer Elefant, wie alle anderen Elefanten in seiner Herde. Er ist anders. Er ist bunt kariert und bringt seine elefantenfarbenen Zeitgenossen immer zum Lachen. Doch genau das macht ihn eines Tages nachdenklich: „Ein karierter Elefant – wo gibt’s denn so was? (…) Kein Wunder, dass sie über mich lachen.“ Er beschließt sich den anderen anzupassen. Das Gefühl nicht mehr aus der Masse herauszustechen und genauso wie die anderen zu sein, missfällt Elmar schon sehr bald, sodass er sich wiederholt etwas Schelmisches ausdenkt, was ganz seinem Naturell entspricht!

Elmar hat sich zum zeitlosen Klassiker unter den Bilderbüchern gemausert und das zu recht! Die Thematik „Anderssein“ und „Einzigartigkeit“ wird in diesem Werk des britischen Kinderbuchautors nicht zuletzt durch die äußerst gelungene und farbenfrohe Darstellung des sehr symphatischen Elefanten bildlich hervorgehoben. Jedes Kind erkennt auf Anhieb, dass Elmar anders ist und nicht nur durch seine äußere Erscheinung glänzt, sondern auch durch seine Individualität. Diesen Punkt finde ich besonders erwähnenswert. Das Bewusstsein über die Stärken jedes Individuums steht hier im Mittelpunkt und Elmar zeigt auf eine sehr humorvolle Weise, dass man sich nicht verstellen sollte, nur um so zu sein, wie alle anderen.

Farbe bekennen und sich als Person akzeptieren, diese Botschaft vermittelt der freundliche und buntkarierte Elefant. David McKee hat eine Figur geschaffen, die im Gedächtnis bleibt und durch viele weitere Abenteuer weiterhin die jungen Leser begeistern kann.

Elmar

Material

Was bietet sich zu diesem Bilderbuch mehr an, als den buntkarierten Elefanten mithilfe der Reißtechnik im Kunstunterricht  darzustellen?  In der Schuleingangsphase kann ein Umriss eines Elefanten als Vorlage sehr hilfreich sein.

Ein entzückendes Bildbuch über einen ungewöhnlichen Elefanten, der seine Einzigartigkeit umarmt.

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Nikola Huppertz – 3, 2, 1 – Schulstart! Quinns abenteuerlicher erster Schultag

3, 2, 1 - Schulstart

Quinn ist ganz aufgeregt, denn schließlich wird er heute eingeschult. Seinen Sterne-und-Planeten-Ranzen hat er bereits auf dem Rücken und die Astronauten-Schultüte in der Hand. Mama, Papa, Oma und Opa begleiten ihn und schultern bereits die Fototasche. Quinns großer Tag ist da!

Als Quinn noch in der KiTa war, hatte er einen Weltraumlift mit dem er sich in die Raumstation begab. Damit suchte er das Weite, so wie auch an diesem Morgen. Als die gesamte Familie zur Schule aufbricht, entschwindet Quinn dem Trubel und saust mit seinem Space Shuttle durch das Buchstabengewimmel. Im intergalaktischen Buchstabenfeld erlebt er so manches Abenteuer und trifft für ihn bisher unbekannte  Astronauten. Als er im Weltall eine ihm funkelnagelneue Welt voller Rätsel und Geheimnisse entdeckt, beschließt er zu landen, um sie zu erforschen.

Der Schulanfang ist für Kinder ein großer Schritt in mehr Selbstständigkeit. Hier beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Der Eintritt in den „Ernst des Lebens“ ist mit Aufregung, Nervosität und doch Vorfreude auf den ersten Schultag verbunden. Vielen Kindern hilft es, wenn sie auf die neue und ihnen bis dato unbekannte Situation vorbereitet werden. Bilderbücher können einen kleinen Einblick in das Schulleben geben und somit Ängste und Unsicherheiten nehmen.

Der kleine Quinn entflieht seiner Angst und Aufregung in ein für ihn bekanntes und gewohntes Terrain, den Weltall. Hier fühlt er sich sicher und kann ohne „panische Panik“ in den ersten Schultag starten. Leider erfährt der Leser nur wenig von der Einschulung, denn der Hauptteil des Bilderbuchs konzentriert sich auf die Abenteuer im Weltall. Daher ist der Titel und auch das Titelbild leider etwas irreführend. Lediglich die Rakete im Hintergrund deutet den etwas anderen Schulstart an.

Erwachsene werden die versteckte Botschaft schnell durchschauen können, allerdings ist es schwierig den Kindern den plötzlichen Ausflug Quinns ins Weltall zu erklären. Daher ist dieses Buch nur begrenzt zur Sorgenmilderung zu empfehlen. Es ist eher für kleine Weltall- und Astronauten-Fans geeignet.

3, 2, 1 - Schulstart

Material

Was ist für Kinder an diesem Tag bedeutsamer als ihre Schultüte? Dies ist erfahrungsgemäß auch die am häufigsten gestellte allererste Hausaufgabe: Male deine Schultüte und ihren Inhalt!

Schultüte

Jungen als Operator- und Commando-Anbeter werden sich mit diesem Bilderbuch identifizieren können.

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Antonie Schneider und Susanne Straßer – Herr Glück & Frau Unglück

Herr Glück & Frau Unglück

Rezension

Als Frau Unglück einen neuen und dazu noch äußerst netten Nachbarn bekommt, ist sie darüber gar nicht begeistert. Sie liebt nämlich kahle Bäume, Spinnennetze, Ziegen und Kakteen. Jeden Tag aufs Neue begrüßt der Nachbar jedoch die strahlende Sonne, den aufgehenden Mond und die leuchtenden Sterne. Er pflanzt Sonnenblumen im Garten und ist immer von Glücksschweinen umgeben. Doch als der lebensfrohe Nachbar sich bei Frau Unglück auch noch vorstellen möchte, knallt sie ihm entschieden vor der Nase die Tür zu. Nun ist für Frau Unglück höchste Zeit den Nachbarn endlich loszuwerden und so schmiedet sie einen Plan und schickt ihm Ungeziefer, Vogelscheuchen und Maulwürfe. Und was macht Herr Glück? „Er freut sich über die schwarze Katze von nebenan, den Maulwurf, die Raupe …“ Und ruft aus: „Wie schön das Leben doch ist!“

Ist diese Lebensfreude womöglich doch ansteckend?

Die Illustratorin Susanne Straßer bedient sich in ihren collageähnlichen Bildern vieler klischeehafter Kontraste. Während Herr Glück stets von Kleeblättern, Marienkäfern, Hufeisen, Glücksschweinen und Sonnenstrahlen umgeben ist, hängen über der Hausnummer 13 von Frau Unglück schwere, dunkle Regenwolken. Im Garten ist kein Zeichen von Leben zu finden und die schwarze Katze symbolisiert eindeutig ihren Pessimismus. Der falsch angebrachte Hufeisen veranschaulicht deutlich ihre negative Weltsicht und Lebenseinstellung. Diese einzigartige Zusammenstellung der einzelnen Elemente in den Bildern weckt ganz offensichtlich die Entdeckerfreude. Diese flächigen und karrikierenden Illustrationen spielen äußerst gekonnt mit dem Geschichtenrahmen.

Die Thematik des Bilderbuchs fokussiert auf zwei sehr unterschiedliche Lebensansichten, gleich dem Motto: „Ist das Glas halb leer oder halb voll?“ Schließlich wird man als Leser anhand des Geschichtenverlaufs schnell erkennen können, dass jeder seines Glückes Schmied ist. Es liegt in der eigenen Hand wie man sein Leben gestaltet und die Begebenheiten sieht. Das ist eine sehr schöne Quintessenz, die  nicht früh genug vermittelt werden kann.

Doch auch die angeschnittene Hilfsbereitschaft, Offenheit und Zuvorkommenheit sind wichtige Stützen dieses Bilderbuchs. Auch Erwachsene dürfen sich übrigens diesen Kerngedanken gerne öfter mal in Erinnerung rufen. So habe ich dieses tolle Buch bereits einige Male verschenkt  😀

Blick ins Buch

Herr Glück & Frau Unglück

Fazit

Das Glücklichsein kann man teilen, man muss sich nur trauen sich anstecken zu lassen.


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Holger Haag und Manfred Rohrbeck – Hör mal, das Meer lebt!

Hör mal, das Meer lebt!

Das Meer wird oft mit Dunkelheit und Unheimlichkeit assoziiert und doch fasziniert es viele Menschen. Was verbirgt sich tatsächlich in der endlosen Tiefe? Diese Sound-Sachbuchreihe aus dem Coppenrath Verlag versucht etwas Licht ins Dunkle zu bringen.

Auf einer Weltkarte werden zunächst die Meeresbewohner, nach ihrem Lebensort sortiert, dargestellt. Wer lebt in der Nordsee, im Mittelmeer, Atlantik oder auch im Nordpolarmeer? Besonders gelungen ist die Begründung für den strukturierten Aufbau des Sachbuchs. Denn welche Tiere  und Pflanzen wo leben, hängt davon ab, wie tief und wie warm das Wasser ist. Und so erfahren die jungen Lesen auf den darauffolgenden Seiten mehr über die Meeresbewohner und ihre besonderen Lebensumstände. Die abgebildeten Tiere sind stets mit einer Bezeichnung versehen, sodass zahlreiche Namen für die unterschiedlichsten Tiere zusätzlich erlernt werden können.

Neben der  ansprechenden, farbenfrohen und nicht allzu überladenen Seitengestaltung, ist der besondere Clou dieser Sachbuchreihe der Einbau des „Sound-Buttons“. Mit insgesamt sieben Geräuschen können die Kinder einzelne Tiere auf Knopfdruck hören. Mal ruft eine Silbermöwe, mal heult ein Seehund, mal stimmt ein Orca mit seinem Gesang ein. Das Wellenrauschen rundet schließlich das wundervolle Sinnerlebnis ab. Die entsprechenden Symbole sind im ganzen Buch verteilt und reagieren auf Druck, wobei man hier als Elternteil eventuell nachhelfen müsste. Die Geräusche sind echt und von der Lautstärke für Kleinkinder angemessen.

Vielleicht werden schon bald manche junge Zuhörer zur Geräuschimitation angeregt und so ihr Stimmorgan weiter ausprägen…

Hör mal, das Meer lebt!

Material

Zur Förderung des genauen Lesens und des entdeckenden Lernens:

Quiz Hör mal das Meer lebt

Eine spannende und gelungene Einbindung des zusätzlichen Sinns „Hören“ in Verbindung mit vielen wertvollen Informationen über unsere Meeresbewohner.

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Maria Theresia Rössler und Brunella Baldi – Prinzessin Leonie und der linkshändige König

Prinzessin Leonie und der linkshändige König

Eine schwarze Katze, die einem König vor vielen, vielen Jahren den Weg kreuzte und ihn so zum Stolpern brachte, war der Auslöser zur nun fest verankerten Regel „Links vor rechts bringt Schlechtes“. Seit diesem Tag herrscht im Königreich Linksverbot. Alle Aufgaben sollen ausschließlich mit der rechten Hand erledigt werden. Doch als die kleine Prinzessin Leonie unbeabsichtigt mit dem linken Fuß aufsteht und merkt, dass nichts weiter Verwunderliches geschieht, gerät das Festhalten am Linksverbot ins Wanken. Zum Geburtstag wünscht sich das Mädchen, dass einen Tag lang alle im Königreich alles mit der linken Hand machen. Während es den meisten ganz schön schwer fällt, entpuppt sich der König, der sonst als Tollpatsch bekannt war, als kein bisschen ungeschickt. Doch welche Hand ist nun die richtige? Und wie wäre es, wenn jeder selbst entscheidet, ob rechts oder links?

Die Autorin Maria Theresia Rössler arbeitete jahrelang als Grundschullehrerin und präsentiert in diesem Bilderbuch ein liebesvolles Plädoyer für Linkshändigkeit. Das starre Festhalten an althergebrachten Sitten und für alle verbindlichen Gewohnheiten wird genauso kritisiert, wie das blinde Folgen dieser Regeln. Die Fähigkeit zur Reflexion, in Gestalt des kleinen Mädchens, zerbricht die eingefahrenen, sinnlosen Muster und Gepflogenheiten und regt gleichzeitig dazu an das Individuum selbst entscheiden zu lassen mit welcher Hand es am besten arbeiten kann.

Auch wenn es heutzutage Normalität ist, Kinder in ihrer Wahl der bevorzugten Hand zu unterstützen, war es nicht immer so der Fall. Linkshänder wurden auf rechts „umgepolt“ und das Schreiben mit der linken Hand bestraft. Heute weiß man, dass es fatale Folgen haben kann. Die Gehirnhälften geraten in ein Wirrwarr und aufgrund dieser Anstrengung werden manche Kinder schnell müde oder beginnen zu stottern. Die Forschung geht davon aus, dass Linkshändigkeit genetisch bedingt sei und somit auch vererbbar ist.

Das Thema wurde von Frau Rössler auf Kinderniveau heruntergebrochen und in ein ansprechendes Geschichtengeflecht gepackt. Leider werde ich beim Lesen den erhobenen Zeigefinger nicht los. Es verfolgt mich. Das Auftreten der Gestalten als pädagogische Instanzen ist allgegenwärtig.

Nach dem Lesen sollte die Thematik mit den Kindern ausführlich besprochen und herausgearbeitet werden, wie sich Menschen fühlen, die „zwei falsche Hände“ haben:

„Ich habe zwei falsche Hände“, erklärt Ernesto.

„Die richtige Hand ist die falsche, aber die falsche ist meine richtige! Verstehst du?

Prinzessin Leonie und der linkshändige König

Material

Das folgende „Story Web“ hilt den Kindern eine Geschichte nach Kriterien zu klassifizieren und tiefer in die Thematik einzutauchen: storyweb

Das Themennetz Linkshändigkeit ist umwoben von der Lehre: Jeder entscheidet für sich, welche Hand die „richtige“ ist!

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Helga Bansch – Amelie und der Fisch

Amelie und der Fisch

Amelie ist mit ihren Eltern das erste Mal im Leben am Meer und fürchtet sich etwas vor so viel Wasser und den großen Wellen. Als sie sich ein bisschen weiter ins Wasser traut, kommt ein kleiner Fisch, der an ihren Zehen knabbert. Mit ihrem neuen Freund vergisst sie ihre Angst völlig und sie spielen Verstecken, Fangen, Tauchen und Springen. Abends schwimmt der Fisch ins offene Meer hinaus und kommt am nächsten Morgen erneut zu Amelie. Das Abscheidnehmen fällt Amelie immer schwerer, bis sie beschließt den kleinen Fisch in einem Glas einzufangen.

Der Fisch ist jedoch sehr unglücklich und Amelie bekommt ein schlechtes Gewissen. Sie lässt ihn wieder frei und wartet am nächten Morgen vergebens auf ihren kleinen Freund. Er kommt nicht. Amelie ist traurig und sagt, dass es ihr leid tut den Fisch gegen seinen Willen festgehalten zu haben. Sie hat verstanden, dass jedes Lebewesen frei ist und man die Zuneigung eines anderen nicht erzwingen kann.

Die Grundstimmung dieses fabelhaften Bilderbuchs erinnert mich sehr stark an mein Lieblingsbuch aus dem Jungbrunnen Verlag „Ein Rucksack voller Sand“. In diesem Bilderbuch schwingt Sehnsucht, Unsicherheit, Angst, aber auch Erkenntnis, Erfahrungsgewinn und Reife mit.

Die Feriengeschichte von Helga Bansch zeigt, dass Beziehungen als Besitzeigentum nicht funktionieren können. Das kleine Mädchen begreift recht schnell, dass der Wille eine Freundschaft zu erzwingen, sie bereits im Keim ersticken lässt. Denn jeder benötigt seine Freiheiten und die Akzeptanz dieser Regel bringt die Freundschaft im Gegenzug zum Wachsen und Blühen.

Helga Bansch skizziert die Figuren dieser Geschichte mit bloßen Bleistiftstrichen und akzentuiert die Umgebung mit dezenten, natürlichen Farbklecksen. Es breitet sich dadurch eine leicht melancholisch angehauchte und doch mit Zuversicht gefüllte Stimmung aus. Die kleine Ente, die Amelie überallhin begleitet, scheint eine Art „inner mirror for a spiritual journey“ zu sein. Die Gefühlswelt Amelies spiegelt sich ebenfalls in der Körperhaltung und dem Gesichtsausdruck der Ente wider.

Amelie und der Fisch

MaterialDieses Bilderbuch bringt einen zum Wachsen. Nach dem Lesen nimmt man einen wichtigen Erfahrungsschatz mit sich und ist dankbar für so viel Erkenntniszuwachs!

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