Sven Maria Schröder – Max und Mux und der Riesenwunschpilz

Rezension

Max und Mux sind Fabelwesen und leben, wie soll es auch anders sein, im Fabelwald. Die zwei besten Freunde der Welt wohnen in ihren aneinander grenzenden Baumhäusern und besuchen sich immer, wenn einem mal langweilig ist. Auf den Ästen spielen sie, umrundet von zahlreichen Waldtieren, Karten oder buddeln entspannt im Garten. Die Idylle wird jedoch von einem Fund aufgerüttelt. Eines Tages findet Max bei der alten Eiche ein großes Pilzbuch. Und genau hier beginnt das Abenteuer, das sie in das Riesengebirge lockt, um einen weiß-blauen Wunschpilz zu finden.

Zugegeben erinnert Max mit seiner rundlichen Statur und der gestreiften, leicht engen Latzhose sehr schnell an Obelix. Die beiden Protagonisten sind ebenfalls Entdecker, wodurch eine weitere Parallele zu den bekannten Comicfiguren geschaffen ist. Sie teilen sich zudem die Wirkung, die sie auf Leser und Betrachter ausüben, denn man kommt nicht umhin sie gleich ins Herz zu schließen.

Sympathiepunkte erhält zudem die wahnsinnig beschauliche und angenehme Atmosphäre, die der Autor schafft. Auf den ersten Seiten hat das man das Gefühl, man würde die Sommerferien bei der Oma auf dem Land verbringen. Im Garten wird auf einer Picknickdecke gelesen, in der Landküche zusammen gekocht, die Wäsche auf der Leine aufgehangen und am angrenzenden See geangelt. Man würde am liebsten in das Szenario hüpfen.

Das Bilderbuch ist mit seinen 8 Kapiteln und insgesamt 64 Seiten eher ein Vorlesebuch, wobei man froh sein darf, dass die Seiten großformatig gehalten wurden und die Illustrationen entsprechend so viel Platz zur Verfügung bekommen. Die Geschichte lebt mitunter von den wunderbaren Bildern. Auch wenn ich grundsätzlich ein großer Fan von Typografie bin, war es beim Vorlesen der verschnörkelten Schrift zuweilen etwas anstrengend. Man kann jedoch leicht darüber hinweg sehen, wenn Kapitel als kleine Stopper gesehen werden und man somit die Spannung bis zur nächsten Vorlesezeit aufrechterhalten kann. Bei dem offenen Ende des Buches, darf man mutmaßen, dass uns weitere Abenteuer mit den besten Freunden erwarten.

Blick ins Buch

Fazit

Beschaulich und spannungsvoll – das perfekte Vorlesebuch für die Sommerzeit!

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Oliver Scherz und Barbara Scholz – Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika

Rezension

Eine Abenteuergeschichte, die Kinder von der ersten Sekunde an fesselt und gleich mitreißt. Untermalt mit fabelhaft lebendigen Illustrationen, scheint es ein Garant für großes Lesevergnügen zu sein. Das Geschwisterpaar Joscha und Marie werden mitten in der Nacht von einem Sturm wach. Am Fenster steht ein Riese, ein Elefant, der aus dem Zoo ausgebrochen ist, um sich auf den Weg in seine Heimat, nach Afrika zu machen. Dabei weiß er gar nicht, wo Afrika liegt, sodass die beiden Kinder beschließen ihn zu begleiten.

Unterwegs treffen sie sämtliche Tiere, freundliche und hilfsbereite, aber auch listige und durchtriebene wilde Tiere. Auf jeder Etappe durch die halbe Welt verändert sich die Landschaft und die Sehnsucht des Elefanten nach seiner wirklichen Familie steigt ins Unermessliche.

Dieses Buch eignet sich nicht nur als Vorlesebuch für Kinder ab 6 Jahren, sondern insbesondere für Jungen und Mädchen in der 3. oder 4. Klasse zum Selberlesen. Durch das Geschwisterpaar ist die geschlechtsspezifische Identifikation für alle Kinder gegeben. Hinzu kommt, dass es temporeich ist und viele inhaltliche Querschnitte aufweist, die vertieft aufgegriffen werden wollen. Zum einen werden hier bedeutende Werte wie „Familie“, „Hilfsbereitschaft und Solidarität“, „Heimat und Zugehörigkeit“, „Vertrauen und Verlässlichkeit“ thematisiert, zum anderen wird das Urteilsvermögen geschärft, wenn es darum geht sich die Tierhaltung in Zoos anzuschauen oder sich mit der Jagd nach Elfenbein und deren Auswirkungen zu beschäftigen. Außerdem lädt es ein, etwas über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, die unterschiedlichen Schönheiten der Welt zu entdecken und das Träumen und Fantasieren niemals aufzugeben!

Blick ins Buch

Dieses Buch haben wir als Ganzschrift in einer dritten Klasse während einer Projektwoche gelesen. Die Schülerinnen und Schüler hatten große Freude mit Marie und Joscha. Falls jemand Interesse an dem Unterrichtsmaterial zur Klassenlektüre hat, folgt dem Link zum Lesetagebuch zu „Wir sind nachher wieder da, wür müssen kurz nach Afrika“.

Unterrichtsmaterial Ganzschrift Klassenlektüre
(Material-ID: 132231)

Fazit

Höre niemals auf zu träumen und Geschichten zu erfinden!

 

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Annette Roeder und Julia Christians – Hetty Flattermaus fliegt hoch hinaus

Rezension

Hetty ist eine neugierige und wissbegierige Fledermaus und lässt sich auch von ihrer überbesorgten Mutter nicht stoppen. Die alleinerziehende und berufstätige Hulda liebt ihr einziges Kind heiß und innig und würde sie am liebsten nur zu Hause wissen. Um ihren Liebling unter Kontrolle zu halten, erfindet sie Gruselgeschichten und stattet Hetty mit einem Peilsender aus, um den Standort ihres Herzenskindes jederzeit überprüfen zu können.

Keine Frage, Hulda ist eine Helikoptermutter durch und durch. Gewissermaßen amüsiert diese Darstellung, denn sie trifft genau den Nerv der Zeit. Eltern, die ihren Kindern die Schultasche bis zum Sitzplatz in der Schule tragen, gibt es leider viele. Umso schöner, dass genau diesen mit dem Vorlesebuch nun ein Spiegel vors Gesicht gehalten wird. Denn da sind wir wohl uns alle einig, dass Kinder ihre Erfahrungen selbst machen müssen. So lässt sich auch Hetty auf Abenteuer außerhalb der sicheren Mauern ein und macht Bekanntschaften mit Wabbelwesen und Regenwürmern. Sie hilft einem kleinen Mausejungen bei seinen Flugversuchen und staunt immer mehr über die Entdeckungen in ihrer Umwelt.

Die 19 Kapitel des ersten Bandes der Hetty Flattermaus-Reihe umfassen ca. 6-8 Seiten und werden stets mit farbigen Illustrationen begleitet. Besonders gut gefällt der integrierte Wortwitz und die Sprachspielereien, wenn z.B. Frühstück einfach in Spätstück umbenannt wird oder wenn vom „Flügel“ statt „Bogen“ überspannen die Rede ist. Hauptsächlich werden sich sicherlich Mädchen als Adressaten angesprochen fühlen, denn die Protagonisten sind ausschließlich weiblich. Hin und wieder trifft Hetty jedoch auch auf männliche Erdbewohner, von denen es in den nächsten Bänden hoffentlich mehr gibt.

Blick ins Buch

Fazit

Weltentdeckungen mit einer mutigen und neugierigen Fledermaus für alle kleine Helden

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Andrea Schomburg und Stefanie Reich – Otto & der kleine Herr Knorff: Auf Monsterjagd

Mutig sein, wenn man keine Angst hat, das kann jeder. Aber mutig sein, wenn man Angst hat – da kann eben nur jemand mit Pups-Piraten-Panther-Mut.

Der kleine Herr Knorff ist ein äußerst freundlicher, ehrlicher, ordentlicher, regelbewusster und pünktlicher Geselle. Er stammt aus Knorffien, wo seine Artgenossen eher für Ungepflegtheit und Kloppereien bekannt sind. So hat er sich entschieden lieber bei den Menschen zu leben. Wer einmal bei den Menschen lebt, ist allerdings für immer ein Verstoßener und darf unter keinen Umständen zurückkehren.

In der Künstlerfamilie von Otto fühlt sich Herr Knorff pudelwohl und begleitet den Jungen gerne zu seinen Fußballspielen. Eines Tages bekommt Herr Knorff allerdings furchtbare grün-leuchtende Punkte am ganzen Körper: die Klaubauterkrätze! Das einzige Gegengift, das ihn retten kann, ist die abscheuliche Knorffsuppe aus Schneckenschleim, Popeln, Knorffspucke und Pupsbeeren. Dafür muss er jedoch zurück nach Knorffien!

Rezension

Dieses Erstlesebuch für Kinder ab 6 Jahren ist das zweite Band der vielversprechenden Reihe von Andrea Schomburg. Der Leser taucht gleich ins Geschehen ein und wird in die Abenteuerreise der beiden Protagonisten mitgenommen. Der Kontrast der beiden Figuren ist erzieherisch wertvoll. Während Herr Knorff für das gute Benehmen steht, versorgen seine Artgenossen den Leser mit witzigen Wortspielereien und garantieren einige Lacher zwischendurch. Otto hingegen ist ein gewöhnlicher Junge, der Ängste hat, aber auch den Mut sich diesen zu stellen und merkt, dass man viel schaffen kann, wenn man sich nur traut.

Die 13 Kapitel werden mit vielen farbenfrohen Illustrationen unterlegt und unterstützen das Hineindenken in diese besondere Fantasiewelt der Knorffe. Die integrierten Reime sind eine gelungene Abwechslung und trainieren das Sprachgefühl für Gedichte oder gereimte Verse. Die Schrift ist für fortgeschrittene Leseanfänger gut lesbar und wird nicht nur inhaltlich auch Zweit- und Drittklässler noch begeistern.

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Fazit

Eine gelungene Reihe für Jungen zwischen 6 und 9 Jahren, die fantasievolle Welten lieben.

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Rusalka Reh – Der Igel Nepomuk

Seinen Winterschlaf hält Nepomuk unter der alten Hecke im trockenen Laub. Als ihn die Feldmaus weckt, muss er voller Schrecken feststellen, dass er zu lange geschalfen hat. Er ist dünn wie ein Regenwurm geworden! Jetzt heißt es schnell auf Nahrungssuche gehen. Unterwegs trifft er das Eichhörnchen und verrät ihr wo sie im Herbst die schmackhafte Walnuss vergraben hat.

Auf dem Bauernhof begrüßt er alte Freunde und macht neue Bekanntschaften. Das Igeljahr ist ganz schön aufregend und kaum hat man sich versehen ist schon der nächste Winterschalf vor der Tür.

Der Protagonist ist ein liebenswerter und herzensguter Igel. Rusalka Reh hat wissenswerte Informationen rund um die Bauernhoftiere und insbesondere den Igel einfließen lassen. Natürlich werden die jungen Zuhörer mit einem Happy End beglückt. Echte Freunde helfen schließlich in allen Notsituationen.

Das Vorlesebuch eignet sich bereits für Kinder ab 4 Jahren. Es ist eine prima Gutenacht-Geschichte, die mit kleinen Aufregungen zurecht kommt, ohne die Gefühlswelt groß aufzuwühlen. Die Doppelseiten werden von einigen schwarz-weiß Illustrationen begleitet. Der hochwertige Leineneinband macht es zu einem wertigen Geschenkbuch. Weitere Abenteuer von Nepomuk in einem Folgeband wären wünschenswert.

Wissenswertes rund um das Igeljahr.

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Julia Boehme – Tafiti und die Affenbande

Tafiti und die Affenbande

Im 6. Band der erfolgreichen Tafiti-Reihe rund um das sympathische Erdmännchen und seinen Freund, dem fliegenden Pinselohrschwein, dreht sich alles um Tafitis Geburtstag. Seine Freude auf den berühmten Kuchen von Omama ist riesig, als die Kuchenform kurz vor der Feier geklaut wird. Der Verdacht steht nahe, dass die fiese Affenbande ihre Finger im Spiel hat. Schließlich sind sie für gemeine Streiche, Trubel und Chaos bekannt. Als jedoch Oma selbst verschwindet, zeigt die Affenbande Solidarität und unterstützt Tafiti und Pinsel dabei das geheimnisvolle Verschwinden aufzuklären. Wahre Freunde helfen immer in der Not!

Das niedliche Erdmännchen lässt so manche Kinderherzen schmelzen. In diesem 40-minütigen Hörbuch, unterteilt in neun Kapitel, legt sich Christoph Maria Herbst so richtig ins Zeug um die kleinen Zuhörer mitzureißen. Es wird gegrunzt, geseufzt, gequickt, geflüstert und geschnarcht. Die Sprecherrolle ist gut besetzt und trägt erheblich zum Zuhör-Spaß bei. Dank der kurzen Kapitel können sich auch junge Zuhörer in dieser kurzen Zeitspanne gut auf den Inhalt konzentrieren.

Im Klassenverband würde ich das Hörbuch jedoch erst ab Klasse 2 empfehlen. Für Erstklässler sind verschiedene und abwechslungsreichere Stimmen motivierender, untermalt mit eingebundenen Liedern, die zum  Mitsummen animieren. Für den häuslichen Rahmen, ohne ablenkende Nebengeräusche, eignet sich das Hörbuch bereits ab 4/ 5 Jahren.

Tafitis Abenteuer rund um Verdachtsfälle und wahre Freundschaften.

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Jennifer Gray und Amanda Swift – Fuzzi, Coco & co

Fuzzi, Coco & co

Fuzzi und Coco sind Meerschweinchen mit ganz unterschiedlichen Charakteren. Während Fuzzi abenteuerlustig und sehr dynamisch ist, beruht sich Coco auf ihre königliche Herkunft und handelt stets vornehm wie eine richtige Dame. Ihre Vergangenheit im Königshaus möchte Fuzzi ihr jedoch nicht so ganz abnehmen, zumindest nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt …Fuzzi ist nämlich Hobbykoch und möchte seine Künste in einem Spitzenrestaurant verbessern. Als er eine Anzeige in der Zeitung sieht, ist für ihn klar, dass er sich dort schnellstmöglich anmelden muss. Auf Cocos Bedenken hört er nicht und witzelt lieber über ihre übervorsichtige Art.

„Fuzzi, Coco & co.“ ist ein Buch für Kinder ab 8 Jahren. Es hat mich vom Inhalt ein bischen an ein Walt Disney Film erinnert. Es ist eine leichte, rasante Unterhaltung, ohne viel lehrreiches Material. Schwerpunktmäßig wäre es sicherlich bei der Thematik „Abenteuer“ einzuordnen.
Positiv hervorzuheben ist der angemahnte Umgang mit den neuen Medien. Coco gerät beim Recherchieren nach dem Standort des Restaurants auf einen Internetbetrüger, der sich mit ihr treffen möchte. Beim Treffen muss Coco die Erfahrung machen, dass man den Menschen im Internet nicht blindlings vertrauen sollte.
Ansonsten sind die vielen Wendungen für den Leser schwer nachzuvollziehen und der Handlungsverlauf öfter doch fragwürdig. Allerdings könnten Meerschweinchen-Fans und Liebhaber von Walt Disney-Filmen mit diesem Buch doch ihre Freude haben. Die anderen können dieses Buch getrost ignorieren.
Fuzzi, Coco & co
Kurzweilige und leichte Unterhaltung.

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Michael Römling – Schattenspieler

Vor ca. zwei Wochen ist dieses toll eingepackte Päckchen bei mir ins Haus geflattert. Diese mysteriöse Verpackung weckt natürlich die Neugierde … also ran an den Inhalt …

Berlin (1945): Die deutsche Hauptstadt ist zerbombt und steht kurz vor der Eroberung durch die russische Armee. Dem jüdischen Jungen Leo ist es bisher gelungen als „U-Boot“ in Verstecken zu leben und somit den deutschen „Spürhunden“ nicht in die Hände zu fallen. Doch nachdem sein Freund Wilhelm spurlos verschwunden ist, sieht er sich gezwungen sein Versteck zu verlassen. Auf seiner Flucht als „Schatten“ begegnet er Friedrich und hier entsteht eine wahre Freundschaft, die noch einige Abenteuer erwartet. Auf der Suche nach Wilhelm, führt eine Information zur anderen und als Spurenleser erweisen sie sich mehr als erfolgreich …

„Schattenspieler“ vereinigt eine spannende Story mit vielen geschichtlichen Fakten. Michael Röming gelingt es sehr gut den Leser in die damalige Zeit des Zweiten Weltkriegs eintauchen zu lassen, sodass man die Verzweiflung auf den Strassen und die Angst der „U-Boote“ hautnah spürt. Dabei ist die Beschreibung keinesfalls belehrend, anklagend oder zutiefst rührend. Es ist brutal ehrlich und verschweigt keineswegs, dass deutsche Frauen von der russischen Armee nach dem langen Krieg auch vergewaltigt wurden. Jedoch werden die Russen nicht schlichtweg grausam dargestellt, denn schließlich waren sie es gewesen, die die „U-Boote“ auch befreit haben und oft ihre Landsleute wegen Vergewaltigungen bestraft haben. Das zerstörte und gebrochene Berlin hatte man stets vor Augen:

Schutthaufen und Menschenketten, die sie abtrugen, Ziegelstapel, Trümmerbahnen und das vielstimmige Ping-Pong der Hämmer, die Steine von Mörtel befreiten (S. 268).

Der junge Leo, dessen Inneres übrigens auch dem Leser größtenfalls als ein undurchsichtiger Schatten im Verlauf des Buches bleibt, steht für jeden jüdischen Jungen der damaligen Zeit. Wir erfahren nicht viel von ihm. Wir wissen nicht wie er aussieht. Und doch fühlte ich mit ihm und konnte seine Handlungen sehr gut nachvollziehen. Die Gestaltung eines solchen Charakters ist eine Kunst. Die Parallelgeschichte um die beiden Jungen, mündete auch schon bald in einer gemeinsamen und äußerst spannenden Abenteuergeschichte. Zur Erhaltung des Spannungsbogens, rückte ein verborgener Schatz in den Vordergrund des Geschehens.

Während des Lesens habe ich auf ein Nachwort gehofft, welches die jungen Leser darüber aufklärt, was in diesem Buch Fiktion und was Realität ist. Und auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Auf fünf Seiten werden die realen Begebenheiten genau erläutert. Und doch bin ich unschlüssig geblieben, ob während der Luftangriffe die Viktoria auf der Siegessäule tatsächlich schwarz angemalt wurde, um den Angreifern keinen Orientierungspunkt zu geben.

Eine verkohlte Siegesgöttin, die nichts  mehr zu verkünden hatte (S. 258)

Die bildhafte Sprache hat mich ebenfalls begeistern können. Das Buch liest sich stolperfrei und punktet mit einigen tollen Bildnissen wie z.B. bei der Beschreibung des Wahns und der Wirklichkeit in der damaligen Bewölkerung (siehe unten).

Der Ballon steigt immer höher, weil sie immer mehr heiße Luft reinpusten. Und je höher der Ballon steigt, desto stärker spannt er sich, weil die Luft außen immer dünner wird. Und desto lauter wird der Knall, wenn der Ballon platzt. Sie wissen, dass das passieren wird. Und trotzdem pusten sie immer weiter heiße Luft rein (S. 6).

Ein sehr gelungenes Verweben von nüchternen, geschichtlichen Fakten und einer spannenden Abenteuergeschichte.

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Tobias Krejtschi – Wipfelwärts und Wurzelwärts

Weit im Norden bewohnen zwei Wichte einen Baum, der eine staatliche Größe erreicht hat. Doch eines Tages beschließt der Wurzelwicht die schwindelerregende Höhe zu testen und macht sich auf den mühseligen Weg hoch hinaus in die Lüfte. Der Wipelwicht dagegen möchte den Grund des Baumes mit all seinen Wurzeln und der Dunkelheit erleben und klettert den weiten Weg hinunter. Beide begegnen auf ihrem Kletterweg einer diebischen Elster, einem fleißigen Specht, einer schläfrigen Eule, dem Bauzeichner Meister Biber und einigen weiteren Tieren des Nordens. An ihrem jeweiligen Ziel angekommen, hocken sie sich hin und sind zufrieden.

Tobias Krejtschi verwandelt mit diesem Leporello ein Buch in einen fast lebensechten Baum, zumindest was die Größe von 2,5o m betrifft. In ausgefaltetem Zustand macht diese Kletterpartie der beiden Wichte optisch ganz schön viel her.  Die Farben sind ausdrucksstark und doch in natürlichen Erdtönen gehalten. Kleine Details, wie das Gemälde „Der Schrei“ von Edvard Munch oder das Album „Girl in Oslo“ von Bigbang, welche in den Sammlungen der Tiere auftauchen, fesseln vor allem die elterliche  Aufmerksamkeit zusätzlich. Die typischen Eigenheiten der Tiere, wie z.B. eine schlafende Eule oder der klopfende Specht wurden schön herausgearbeitet.
Leider wurde das Potenzial, das in die äußere Erscheinung des Buches investiert wurde, beim Inhalt vernachlässigt. Hier fehlt die nötige Würze. Nicht nur der Ausgang „sie hocken sich hin und sind zufrieden“, sondern auch die jeweiligen Begegnungen mit den Tieren sind eher enttäuschend. Ich hätte mir mehr außergewöhnliche Interaktionen gewünscht und einen weiteren Überraschungseffekt auf der inhaltlichen Ebene.

Die äußere Gestaltung zeigt sich sehr gelungen und innovativ. Leider kann da der Inhalt nur begrenzt mithalten.

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Mark Sperring und Günther Jakobs – Das Sonnenblumenschwert

Der kleine Ritter würde nur allzu gerne ein richtiger Ritter sein und gegen Drachen kämpfen. Dafür braucht er natürlich ein richtiges Schwert. Aber seine Mutter erlaubt es nicht. Statt einem richtigen Schwert schenkt sie ihm eine Sonnenblume. Mit dieser Blume, die er so schwingt wie ein richtiges Schwert, macht er sich auf den Weg zum Drachenberg. Oben angekommen trifft er tatsächlich einen gefährlichen und kampfbereiten Drachen. Von der Sonnenblume ganz überrascht und gerührt, nimmt die Geschichte eine erfreuliche Wendung …

Das herzerwärmende Bilderbuch richtet den Blick auf einen zunächst kampfverherrlichenden jungen Ritter, der jedoch bald erkennt, dass Freundschaft viel mehr zählt als Feindschaft. Dabei spielt die besorgte und fürsorgliche Mutter eine wichtige Rolle in seiner Wandlung. Sie erkennt die Nachteile der Kampfeslust und hat einen genialen Einfall, der den Jungen in die Arme eines Drachen treibt. Manchmal ist es wichtig einen ersten Schritt gegenüber seinen vermeintlichen Feinden zu machen. Oft entpuppen sie sich  als wertvolle Entwicklungshelfer.

Die Thematik und die sehr farbenfrohen Illustrationen sind ein Magnet für kleine Jungen. Dieses Buch war  in der freien Lesezeit im Dauerbetrieb 🙂

Ein Bilderbuch für kämpferische Jungen und friedliebende Mütter.