Corinna Wieja – Lea Lavendel und der magische Honig

Rezension

Für alle, die den Zauber der Natur lieben.

Die Protagonistin Lea Lavendel hat eine besondere Gabe. Sie ist eine Pflanzenflüsterin und kann mit Pflanzen sprechen. Es liegt daher nahe, dass sie es sich zu ihrer Aufgabe gemacht hat, die Pflanzen zu schützen. Von ihrer Lehrerin Hortensia wird sie in den Zauber der Natur eingeweiht und studiert fleißig Herbarien mit wertvollen Informationen rund um Blumen und ihre Geheimnisse.

Ein sprechendes Gänseblümchen, das auf den Namen Bella hört, begleitet Lea stets. Sie hat eine ganz eigene Art Worte zu erfinden und zu verniedlichen. Hier muss man einige Ausdrücke ihrer Pflanzensprache mehrmals lesen, um zu verstehen, was die sprechende Blume meinen könnte. So werden Adjektive erfunden, wie „brennesselig“ für kratzbürstig oder „primelös“ als Ausdruck für Begeisterung. Diese Art des Sprachspiels bereitet Freude und Magie zieht eh die Leser schnell in ihren Bann.

Die Thematik „Umweltschutz“, „Wiesenbewohner“ und „Pflanzenkunde“ findet in dem zweiten Band der Reihe zu Lea Lavendel Beachtung. Neben dem inhaltichen Strang rund um Unterricht in der Flüstermagie, ist die Botschaft den Fokus auf das Gleichgewicht zu legen, sinn- und wertvoll. Kinder werden dafür sensibilisiert mehr über Pflanzen und Insekten zu erfahren und die Bedeutung der Wechselwirkung auch für den Menschen zu erkennen.

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Wertvolle Einstreuung von Sachinformationen rund um Insekten und Wiesenpflanzen, gewürzt mit magischer und abenteuerlicher Rahmenhandlung.

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Astrid Lindgren und Astrid Henn – Michel in der Suppenschüssel

Rezension

Da balanciert er also mit einer Suppenschüssel auf dem Kopf und trotzdem erahnt man das verschmitzte Lächeln, die Bewegungsfreude und den Einfallsreichtum dieses Jungen. Die blonden Haare und das blau-weiß gestreifte Hemd, lassen den Leser schnell erahnen, um welchen Lausbub es sich handelt – Michel aus Lönneberga.

MIt Astrid Lindgrens Geschichten sind unzählige Kinder groß geworden. Jetzt dürfen sich zukünftige Lindgren-Fans auch freuen. Denn Astrid Henn hat den Klassiker neu und liebenswert illustiert. Es wirkt frisch, modern und lädt zu vielen heiteren Geschichten ein, die keineswegs an Charme und Herzenswärme eingebüßt haben.

Beim Lesen oder auch Vorlesen kommt es einem wie das Aufsuchen eines heilen Zufluchtorts vor. Es ist fast wie Urlaub, wenn man Michel in seiner Leichtigkeit und Unbekümmertheit erlebt. Durch seine immerwährenden Flausen im Kopf, schafft er es unseren Kindern zu zeigen, dass das Leben um uns herum passiert. Der Mensch braucht nicht viel, um selbst tätig und erfinderisch zu werden. Die Abenteuer klopfen regelrecht an die Tür. Man braucht sie nur zu öffnen.

In diesem ersten von insgesamt drei Bänden finden sich drei Geschichten. Jede Doppelseite erstrahlt in pastelligen Farbtönen. Die Charaktere des schwedischen Dorfes sind langgezogen, mit einem markant kleinen Kopf, was den Wiedererkennungswert erhöht. Den Tieren sind die Gefühle an den Gesichtern abzulesen, wenn etwa die Katze genervt sich erneut vor Michel retten muss, nur weil er gucken möchte, ob er schneller laufen kann als sie. Genau diese Ideen sind so wertvoll, denn sie zeigen, dass Experimentierfreude und ein wacher Geist unheimlich viel zum Entdecken bieten.

Ferner werden hier Werte und Tugenden vermittelt, die für einige Kinder vielleicht gar nicht mehr gegenwärtig sind. Statt die Suppenschüssel kaputt zu schlagen, entscheidet sich die Familie einen Arzt aufzusuchen. Die Suppenschüssel hat schließlich vier Kronen gekostet. Also muss der Junge ausharren. Schließlich ist die Blödelei selbst verschuldet. Grundsätzlich wird hier Kaputtes noch zusammengeleimt.

Michel ist kreativ, originell in seiner Denkweise, überlegt umfassend, sucht nach alternativen Wegen und lässt sich nicht durch einen umgefallenen Baustamm stoppen. Er springt rüber und bahnt sich seinen Weg. Wenn unsere Kinder all dieses und noch viel mehr aus diesem Klassiker mitnehmen, dürfen Erwachsene die Geschichten von Astrid Lindgren immer und immer wieder vorlesen.

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Geschichten rund um Michel kommen nie aus der Mode und machen sich auch im neuen Gewand sehr gut!

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Petra Eimer – Und dann kam Juli

Rezension

Paul führt ein, seiner Aussage nach, ganz gewöhnliches Leben. Zumindest war es bis zu dem Tag so, an dem Juli ihm zugelaufen kam. Das Pferd macht es sich im heimischen Garten bequem und verwüstet nicht nur Papas Gemüsegarten, sondern macht sich auch an Mamas Blumen zu schaffen. Im Gegensatz zu Paul, haben weder seine Eltern noch seine Freunde etwas gegen Juli.

Der Versuch den eigentlichen Besitzer mithilfe von Flugblättern und Anzeigen ausfindig zu machen, wird vorerst nicht von Erfolg gekrönt. Paul muss sich wohl oder übel mit Juli abfinden. Mit Hunden und Katzen hätte Paul noch etwas als Haustier anfangen können, aber Pferde? Jegliche Vorhaben Juli das Sprechen beizubringen oder es zu dressieren, misslingen. Wird Pauls Herz sich doch noch für Juli erwärmen?

Das Buch begeistert mit einer ganz reichhaltigen und wunderbar modernen und farbigen Bebilderung, die sich konsequent durch das Buch für Kinder ab 8 Jahren zieht. Petra Eimer spielt auch mit der Darstellung der Schrift, die sich an den inhaltlichen Aussagen orientiert. Das Lesen wird dadurch auch für Lesemuffel abwechslungsreich gestaltet und beinhaltet somit schon fast einen Hauch an comicähnlicher Erscheinung.

Getragen wird die Geschichte durch alltägliche Familiensitutationen, die wohl jedes Kind zwischen 8 und 10 Jahren kennt. Viele Dinge werden einem nun peinlich. Das Interesse und die Scham dem anderen Geschlecht gegenüber steigen. Der Kernessenz ist jedoch das Vertrauenfassen Neuem gegenüber und das Ablegen der vorerst negativen Anmutungen und Vorhersagen. Es geht darum, Offenheit zu entwickeln und mutig genug zu sein, um Unbekanntes näher zu erfahren.

Ein großes Schmunzeln ist bei allen Lesern auf Seite 79 zu erwarten. Hier wird im Sinne der „Buch im Buch-Darstellung“ der Verkaufsschlager „Die Schule der magischen Tiere“ erwähnt, aus der Paul die Idee schöpft, dass das Pferd vielleicht sein magisches Tier ist, mit Talenten die ihm noch nicht offenbart wurden.

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Eine unterhaltsame Lektüre zum Vorlesen oder Selberlesen – für Jungen und Mädchen gleichermaßen geeignet!

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Sabine Städing – Petronella Apfelmus: Zaubertricks und Maulwurfshügel

Rezension

Kaum eine Protagonistin schafft es bei Mädchen und Jungen gleichermaßen beliebt zu sein, wie Petronella Apfelmus. Mittlerweile ist der 8. Band zur quirligen Apfelhexe erschienen und auch hier lässt die Spannung und der Ideenreichtum nicht nach.

Die Zwillinge Lea und Luis veranstalten eine Geburtstagsparty mit dem Motto „Zauberei“. Petronella trumpft mit einem ganz besonderen Geschenk auf und verspricht sich einen ganz besonderen Zaubertrick zu überlegen. Als es an die Einladungskarten geht, ist es für die Kinder kein leichtes Unterfangen zu entscheiden, wer eingeladen werden soll.

In der Zwischenzeit verlangen auch die anderen Tiere und Zauberwesen Petronellas Aufmerksamkeit. Als Apfelhexe hat man alle Hände voll zu tun und muss sämtliche Rätsel lösen. Familie Stacheligs Igeljunge ist in ein Bach gefallen, der Zahn eines Eichhörnchens ist beim Walnussknacken abgebrochen und auch sonst ist das Wartezimmer mit Hilfesuchenden proppenvoll.

Das Zauberei- und Illusions-Geburtstagsfest ist ein voller Erfolg. Herr Kuchenbrand legt sich als Jongleur richtig ins Zeug und weiße Kaninchen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Doch das beste Geburtstagsgeschenk kommt natürlich von der Apfelhexe, die alle Kinder auf Käfergröße verzaubert. Nach diesem Zaubertrick geht der Spaß erst richtig los.

Geburtstagspartys kommen direkt aus der Lebenswelt der Kinder und damit einhergehend die Problematik nur eine bestimmte Anzahl an Kindern einladen zu dürfen. Die Identifikation ist hiermit schon gegeben. Die Geschichte ist amüsant, leicht verständlich und hat liebenswerte Charaktere, die man schnell ins Herz schließt. Die Illustrationen von Sabine Büchner nehmen den Leser in diese zauberhafte Welt mit, in der das Baden im Teich als erstrebenswertes Abenteuer gilt.

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Verhexte Abenteuer im Einklang mit der Natur!

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Bewertung: 4 von 5.

Alexander Steffensmeier – Lieselotte: Lustige Bauernhofgeschichten zum Vorlesen

Rezension

Lieselotte ist eine muntere und abenteuerlustige Postkuh, die auf einem Bauernhof lebt. Ein Versprechen kann sie definitiv halten: Mit ihr wird es nie langweilig. In diesem Vorlesebuch sind acht Geschichten zusammengefasst, die sich mit Witz und Humor übertrumpfen.

Sie erschreckt den Postboten und freut sich ungemein über die gelungene Aktion, während sie ihm in die Pedale tretend zuschaut. Ihre Verrücktheit kommt ganz ohne Superkräfte und anderer Besonderheiten aus. Sie ist schlichtweg unterhaltsam und zwar von ihrem Wesen her. Als sie nicht einschlafen kann, probiert sie jegliche Tricks aus, um doch noch müde zu werden. Es sind Begebenheiten und Emotionen, mit denen sich jedes Kind identifizieren kann. Sie mit einer Badekappe im Badesee zu erblicken, zaubert dem Betrachter bereits ein Lächeln ins Gesicht.

So ist es nicht sonderlich verwunderlich, dass TV-Produzenten die Geschichten für die Kamera nun entdeckt haben. Am Sonntag, den 31. Mai 2020, läuft die erste Folge der neuen Animationsserie rund um die tollpatschige Postkuh, die täglich um 18:40 Uhr bei KiKA ausgestrahlt wird. Die Fernsehserie ist in 52 Folgen à 7 Minuten aufgeteilt.

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Die beliebteste Bilderbuchfigur wird nun verfilmt. Dieses Vorlesebuch mit den Originalabbildungen aus der TV-Serie ist ein wunderbarer Schmanckerln als Einstimmung.

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Lydia Ruwe – Irmelina Geisterkind: Das Geheimnis der Dorfeiche

Rezension

Das aufgeweckte Geisterkind Irmelina ist nun endlich 10 Jahre alt. In der Geisterwelt geht damit die Feierlichkeit einher, ein Geisterreich zugeteilt zu bekommen. Doch statt Windgeister kennen zu lernen und die Lüfte zu erkunden, bekommt der kleine Wirbelwind die Dorfeiche von Hügelhausen, am stinkenden Dorftümpel als neuen Schutzort, für den sie nun Verantwortung trägt. Ihre Begeisterung hält sich in Grenzen, bis sie Juna kennen lernt. Die Neunjährige ist ein Menschenkind. Ihr Naturell ist eher die Zurückgezogenheit, sodass sie sich von dem forschen Nachbarsjungen manchmal überrollt fühlt. Gerne wäre sie etwas mutiger, um ihm auch mal ihre Meinung sagen zu können. Vielleicht ist aber auch genau das der Grund, warum sie auf das Geisterkind stößt. Mit dieser ungewöhnlichen Freundschaft beginnt ein Sommer voller Abenteuer.

Der Auftakt einer neuen Kinderbuch-Reihe hat die Natur und Umwelt als einen großen Themenblock und aber auch die Entwicklung eines gesunden Selbstkonzepts. Es erfordert durchaus Selbstbewusstsein für seine Meinung einzustehen und die Wahrheit zu sagen. Der Leser darf zwei Figuren dabei begleiten, wie sie stets dazulernen und sich weiter entwickeln, denn fehlerfrei ist keiner und mutig sein, hat viele Facetten.

Nach einer ausführlichen Vorstellung der beiden Charaktere in ihrer eigenen Welt, laufen die beiden Erzählstränge schließlich zusammen, sodass die die Begegnung an der Badestelle für beide der Beginn von etwas Neuem ist. Mit einem Schwur besiegelt, beginnt nun eine Freundschaft, die sehr verheißungsvoll erscheint. Das Kinderbuch ist vorwiegend für Mädchen interessant, die gerne in fantastische Welten abtauchen. Doch auch als Vorlesebuch lockt es Kinder Abenteuer in der Natur zu suchen.

Und hopsidops machte das Geisterkind sich auf den Weg, den Baumstamm hinab, zu seiner neuen Menschenfreundin (S. 61).

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Eine Sommerlektüre für alle Mädchen, die sich auf fantastische Abenteuer mit einem Geisterwesen freuen!


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Annette Roeder und Julia Christians – Hetty Flattermaus fliegt hoch hinaus

Rezension

Hetty ist eine neugierige und wissbegierige Fledermaus und lässt sich auch von ihrer überbesorgten Mutter nicht stoppen. Die alleinerziehende und berufstätige Hulda liebt ihr einziges Kind heiß und innig und würde sie am liebsten nur zu Hause wissen. Um ihren Liebling unter Kontrolle zu halten, erfindet sie Gruselgeschichten und stattet Hetty mit einem Peilsender aus, um den Standort ihres Herzenskindes jederzeit überprüfen zu können.

Keine Frage, Hulda ist eine Helikoptermutter durch und durch. Gewissermaßen amüsiert diese Darstellung, denn sie trifft genau den Nerv der Zeit. Eltern, die ihren Kindern die Schultasche bis zum Sitzplatz in der Schule tragen, gibt es leider viele. Umso schöner, dass genau diesen mit dem Vorlesebuch nun ein Spiegel vors Gesicht gehalten wird. Denn da sind wir wohl uns alle einig, dass Kinder ihre Erfahrungen selbst machen müssen. So lässt sich auch Hetty auf Abenteuer außerhalb der sicheren Mauern ein und macht Bekanntschaften mit Wabbelwesen und Regenwürmern. Sie hilft einem kleinen Mausejungen bei seinen Flugversuchen und staunt immer mehr über die Entdeckungen in ihrer Umwelt.

Die 19 Kapitel des ersten Bandes der Hetty Flattermaus-Reihe umfassen ca. 6-8 Seiten und werden stets mit farbigen Illustrationen begleitet. Besonders gut gefällt der integrierte Wortwitz und die Sprachspielereien, wenn z.B. Frühstück einfach in Spätstück umbenannt wird oder wenn vom „Flügel“ statt „Bogen“ überspannen die Rede ist. Hauptsächlich werden sich sicherlich Mädchen als Adressaten angesprochen fühlen, denn die Protagonisten sind ausschließlich weiblich. Hin und wieder trifft Hetty jedoch auch auf männliche Erdbewohner, von denen es in den nächsten Bänden hoffentlich mehr gibt.

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Weltentdeckungen mit einer mutigen und neugierigen Fledermaus für alle kleine Helden

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Kathrin Rohmann – Glückstage unterm Apfelbaum

Rezension

Das Vorlesebuch „Glückstage unterm Apfelbaum“ gliedert sich in 28 Vorlesekapitel, die zwischen 4-6 Seiten umfassen. Pro Kapitel kann eine Vorlesezeit von ca. 5 Minuten eingeplant werden. Damit eignet sich das Buch perfekt für die abendlichen Vorlesestunden für Kinder ab 5 Jahren oder auch als Vorlesebuch in den Frühstückspausen der Schuleingangsphase. Die Kapitel sind zwar in sich abgeschlossen, bauen aber trotzdem aufeinander auf.

Die siebenjährige Minna ist die Protagonistin und strotzt nur so vor abenteuerlichen Einfällen. Auch vor Fantasiewesen macht ihre Kreativität keinen Halt. So taucht eines Nachts Willi im Ruderboot auf, der liebend gerne Puffer-Inseln sammelt. Es versteht sich von selbst, dass Minna hier helfen muss und geschwind Kartoffelpuffer aus der Küche holt. Unter dem Apfelbaum begegnet Minna dem Botaniker Fritz Glück und lässt sich in die Pflanzenkunde einweisen. Minnas Welt ist wirklich voll von fantasievollen Gestalten, die jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer machen.

Es sind insgesamt gemächliche und ruhige, wenig temporeiche oder verwobene Geschichten, die stets die Umwelt einbinden und den gewöhnlichen Alltag eines Kindes. Zu den Schauplätzen gehört die Schule, der Freundeskreis und die Ferien bei der Oma. Zur Ferienabfahrt gehört die gewöhnliche Hektik des Packens genauso dazu wie die Vorfreude auf Omas Geruch nach Blumenerde, Kaffee und Brot dazu. Auch wenn Minna Irmelin und Bodo als Freunde hat, ist es thematisch eher ein Vorlesebuch für Mädchen. Einhorn-Liebhaber kommen hier auf ihre Kosten und das pädagogisch wertvolle Postkarten-Schreiben findet ebenfalls Erwähnung.

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„Glückstage unterm Apfelbaum – Geschichten von Minna“ lädt zum Träumen ein, beindruckt durch Einfachheit in der Gestaltung und beschert Leseglück für die ganze Familie.

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Lucy Astner – Kalle Körnchen

Rezension

„Kalle Körnchen“ ist ein Traumwichtel, ein Helfer des Sandmanns. Zu seinen Aufgaben gehört es die Träume zu machen, die der Sandmann in der Nacht an die Kinder verteilt. Die Kreation der schimmernden Traumblasen gelingt ihm am besten in der Hängematte vor seiner Baumhöhle. Hier wird er hin und wieder gestört. Mal möchte der übermütige Frechdachs etwas von ihm, mal tauchen hunderte von Hirtenwichteln auf, weil das Schaft Nummer vier zu früh über den Zaun hüpft.

Gute-Nacht-Geschichten haben eine besondere Bedeutung im ritualisierten Einschlafmodus von Kindern. Sie dürfen nicht allzu aufwühlend oder aufregend sein, sondern sollten am besten eine wohltuende Ruhe versprühen. Vorlesen stärkt außerdem die Bindung zwischen Eltern und Kind. Die Eltern werden sich freuen hier eine recht große Schrift vorzufinden, die auch bei schlechteren Lichtverhältnissen gut lesbar ist. Beim abendlichen Vorleseritual entsteht die Möglichkeit, sich nahe zu sein, gibt Sicherheit und hilft dabei, den Übergang vom Tag in die Nacht bewusst zu gestalten.

Diese Kurzgeschichten drehen sich inhaltlich um den Sandmann und seine Helfer. Durch die eingestreuten fantasievollen Aspekte wird die Tür zum Areal im kindlichen Hirn geöffnet, das für Kreativität und Schaffensfreude zuständig ist. Gleichzeitig wirkt es wie eine Einladung in die Traumwelt einzutauchen. Der Schlafsand ist ein schönes Symbol für den Übergang in das Schlummerland. Auch die Zeichnungen wirken harmonisch, friedlich und liebevoll.

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Harmonisches Vorlesebuch für die gemeinsame Zeit als Übergang vom Tag in die Nacht

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Otfried Preußler – Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete

Rezension

Anlässlich Preußlers 95. Geburtstag, den er im Oktober begangen hätte, veröffentlicht der Thienemann Verlag einen neuen Band vom Hotzenplotz.

Die Aufregung in diesem Abenteuerbuch für Kinder ab 6 Jahren ist groß. Wachtmeister Dimpfelmoser stellt erschrocken fest, dass der berüchtigte Räuber Hotzenplotz dem Spitzenhaus entwischt ist und das ausgerechnet als Seppel und Kasperl Pilze für Großmutters Schwammerlsuppe suchen wollen. Statt also Pilze zu suchen, beschließen die beiden sich auf die Suche nach Hotzenplotz zu begeben. Eine selbstgebaute Mondrakete soll letztendlich Hotzenplotz im Wald anlocken und ihn ein für allemal auf den Mond schießen. So weit der Plan zumindest…

Der Kultfigur „Hotzenplotz“ wurde in diesem Band eine Generalüberholung verpasst. Nicht zuletzt wegen der Illustrationen wirkt der Klassiker jünger, frischer und insgesamt frecher und lebendiger. Jede Doppelseite wird mit farbigen Illustrationen gestützt. Diese Fassung ist textlich reduzierter als das Original und soll eigentlich Kinder, die Otfried Preußler bisher nicht kennen, auf den Geschmack seiner tollen Bücher bringen. Zugegeben leidet der sprachliche Stil und die Erzählkunst, die Preußlers Bücher ausmachen, aufgrund der Knappheit der Texte. Das werden Leser, die mit Otfried Preußlers Originalbüchern aufgewachsen sind und den ganz eigenen Witz in den Formulierungen lieben, zu bemängeln wissen. Nichtsdestotrotz lässt es vielleicht auch die ältere Generation dazu bewegen ihre Schätze aus den Regalen hervorzukramen und ihren Enkeln, die nun auf den Geschmack gekommen sind, daraus vorzulesen. Das wäre allemal wünschenswert!

Die Quintessenz ist glücklicherweise immer gleich. Auch hier gewinnen die Guten mit Mut, cleveren Schachzügen und vielleicht auch einer kleinen Prise Glück. Die Bösewichte scheitern dagegen an unklugen Handlungen und törichten Gedankenmustern.

 

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Der Klasssiker im neuen Gewand.

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