Nina Laden – Wichtig ist, dass es dich gibt

Es geht im Buch nicht um die Seiten.
Wichtig ist, was du verstehst.

Dieses poetische Bilderbuch deutet bereits in den ersten Zeilen an, dass die Botschaft tiefer geht. Die Verknüpfung gelingt jedem Individuum je nach Stadium seiner Entwicklung auch anders. Jeder nimmt eine andere Botschaft aus diesem Buch mit. Die wohl wichtigste ist allerdings ist die Selbstliebe. Wir kommen für uns vollkommen auf die Welt und wachsen mit den Herausforderungen des Lebens. Wir fallen, lernen dazu, stehen auf und machen weiter.

Es geht nicht drum, anders zu sein.
Wichtig ist, dass man sich liebt.

Die Bilder beeindrucken in ihrer Fülle und Farbigkeit, während der Text sich manchmal holprig liest. Einige Phrasen sind in Reimen gehalten, anderen fehlt die rhythmische Prise, um den Text flüssig lesen zu können. Man strauchelt und stolpert, kehrt zurück und versucht es erneut.

Der Thematik tut es keinen Abbruch. Die Schönheit des Daseins ist omnipräsent. Manche nehmen weite Reisen auf sich auf, um eigentlich festzustellen, dass die Reise zu sich selbst eine andere ist. Wichtig ist, achtsam zu sein, sich selbst und andere anzunehmen und das Leben in seiner Pracht zu feiern.

Selbstliebe – Achtsamkeit als Basis des menschlichen, ausgeglichenen Seins.

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Nikolai Popov – Warum?

Für manche zeitgeschichtliche Ereignisse und Geschehnisse fehlen einem einfach die Worte. So verzichtet auch der russische Autor Nikolai Popov gänzlich auf jeglichen Text. Die dunklen Aquarellillustrationen sprechen für sich und wiegen ausreichend schwer.

Der Autor zeigt einfühlsam und doch unbeschönigt, wie eine augenscheinliche Nichtigkeit sich so weit hochschaukelt, dass die eigentliche Ursache völlig aus dem Blickfeld gerät. Ein Frosch sitzt auf einem Baumstumpf und riecht an einer Blume. Eine Maus buddelt sich ihren Weg frei und möchte genau diese Blume auch haben. Sie greift den Frosch an. Die Spirale der Gewalt und Verwüstung beginnt und endet schließlich im Krieg und Zerstörung. Die Sinnlosigkeit und Trostlosigkeit schreit regelrecht aus diesem Buch, trotz der Leere auf der Textebene. Es ist widersinnig – eine Absurdität.

Passender könnte der Titel des Bilderbuchs zur Thematik „Krieg“ gar nicht sein: Warum? Diese Frage füllt den Raum. Hier schwingt Ohnmacht, Unverständnis und Mitgefühl mit. Es bietet wunderbaren Gesprächsanlass für Kinder, sich mit ihren Gefühlen auseinander zu setzen. Es regt dazu an, weiter zu denken und zu überlegen, an welcher Stelle dieser Streit hätte geschlichtet werden können, ohne dass es sich weiter aufbauscht und schließlich derart explodiert. Der Umgang mit den eigenen Emotionen, die Fähigkeit Bedürfnisse zu kommunizieren, die Grenzen des Gegenübers zu wahren – so viele Lernfelder und so wichtige Lernchancen! Es ist unabdingbar, sich dafür Zeit zu nehmen…

Gewalt und Streit gehören zum kindlichen Alltag und erwachsen aus ihrer Lebenswelt. Doch wie geht man mit Problemen und negativen Gefühlen um? Neid? Missgunst? Habgier? Ist es möglich, das richtige Streiten zu lernen? Ist es möglich, einen Streit zu beenden, bevor es sich immer weiter hochschaukelt?

Dieses Unterrichtsmaterial für die Grundschule sensibilisiert Kinder für die Sinnlosigkeit von Gewalt und Krieg. Der Ukraine-Russland-Konflikt macht uns alle fassungslos. Es kann ganz leicht sein, sich in der Spirale von Gewalt wieder zu finden. Diesen Kreislauf gilt es rechtzeitig zu durchbrechen. Frieden ist leider nicht selbstverständlich. Doch, warum eigentlich?

Die Einnahmen aus dem Verkauf des Materials gehen gänzlich an das UNICEF Hilfsprojekt Ukraine. Danke für die Unterstützung!

Ausdrucksstarke Bilder und eine gewichtige Botschaft, die der Auseinandersetzung bedarf. Unbedingt!

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Christopher CHeng und STephen Michael King – Bär und Maus

Rezension

„Bär“, sagte die Maus. „Meinst du, wir werden uns immer noch an den Händen
halten – auch wenn wir schon alt und grau sind…

Bär und Maus sind die allerbersten Freunde und meistern gemeinsam jegliche Widerstände des Lebens. Sie helfen sich gegenseitig beim Besteigen von Bergen, halten sich ihre Hände beim Lesen von Gruselgeschichten. Sie sind füreinander da und meistern die tiefsten Flüsse und halten zueinander, auch wenn der Andere etwas Blödes getan hat.

Es geht um Bindung und die Sicherheit der bedingungslosen Liebe. Der Wunsch geliebt zu werden, um seiner selbst willen. In der schwärzesten Zeit, wenn man sich selbst vielleicht gar nicht mehr liebt und an sich zweifelt, zu wissen dass jemand für einen da ist und trotz der Fehler und Unzulänglichkeiten einen liebt.

Dieses Grundbedürfnis wird in dieser einfühlsamen Geschichte so liebevoll aufgenommen, dass man beim Lesen ganz ruhig wird. Die herbstlichen Farben und der Sturm erinnern an Vergänglichkeit, Bewegung und die Gewissheit, dass die Lebenszeit nicht endlich ist.

Die Maus testet den Bären und erkundigt sich mittels verschiedener Szenarien, ob der Bär immer noch zu ihr halten würde. Die Antwort ist stets „Ja!“

„Aber wenn ich irgendwohin gehen muss und du nicht nachkommen kannst, was dann?“, fragte die Maus.
Bär dachte nach, aber nur für ein paar Sekunden.
„Dann wäre ich trauriger als traurig“, brummte Bär.
„Dann würde ich weinen, bis keine Tränen mehr da sind.
Ich würde an all die Spiele denken, die wir gespielt haben,
an die vielen Hügel,
die wir hinaufgekraxelt sind…“

Was bleibt schließlich im Leben? Es ist die Erinnerung, Dankbarkeit eine gewisse Zeit miteinander im Leben geteilt zu haben. Manchmal ist es auch notwendig Menschen gehen zu lassen, einfach weil man sie liebt.

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Fazit

Liebe – Vetrauen – Sicherheit – Halt

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Cynthia Cliff – Der wilde Garten

Rezension

Der Stadtgarten erstrahlt in sauberen, hübschen, gepflegten Reihen. Die Bewohner der Stadt geben sich die größte Mühe innerhalb der Stadtmauer schnurgerade Beete zu ziehen. Hier wächst Obst, Gemüse und Blumen. Alles hat seine Ordnung und die Ernte ist reich.

Julie und ihr Großvater tanken allerdings in der Wildnis außerhalb der Stadt so richtig auf. Hier gibt es die schmackhaftesten Himbeeren, die man sich vorstellen kann. Im Weiher ist eine Vielzahl an versteckten und gut getarnten Tieren zu entdecken. Das echte Leben und die eigentliche Natur ist im wilden Garten zu finden, dessen ist sich Julie gewiss.

Irgendwann wird den Bewohnern der Stadt ihre Gartenfläche zu klein und sie schmieden Pläne zur Erweiterung. Doch Julie und ihr Großvater sind nicht untätig. Sie basteln Schilder, die allen Menschen zeigen, dass die Wildnis der Lebensraum so vieler Tiere und Pflanzen ist und dies ein schützenswerter und wertvoller Ort ist. Gleich dem Motto „Was man kennt, schützt man!“, lassen die Bewohner die Wildnis auch in ihren Garten einkehren und geben der Natur ihren Raum zurück.

Dieses Bilderbuch ist ein wunderbarer Aufhänger, um den Schulgarten etwas wilder zu gestalten und mithilfe eines Insektenhotels und dem Aussäen wilder Blumen mehr Leben in die Stadt zu bringen und den Tieren und Pflanzen mehr Lebensraum zu bieten.

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Leben im Einklang mit der Natur – nur so viel nehmen, wie man wirklich braucht.

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Barry Falls – Das ist deine Welt!

Die Welt ist wundervoll – genau wie du!

Das Leben – abgebildet als saftig grüner Baum mit unendlichen Verzweigungen, Lebenswegen, Inhalten, die aus den Ästen und Zweigen herausragen. Hier steckt Wissen, wertvolle Begegnungen, Erfahrungen, Erlebnisse, Künste, Kultur, Fertigkeiten und vieles mehr. Das Sammelsurium ist scheinbar unendlich – das Leben bietet so viel! Unter dem Baum laufen Kinder, begleitet von ihren Eltern, die sie stützen, ihnen Mut machen, anstupsen, anregen, motivieren und Liebe schenken.

„Das ist deine Welt!“ ist das perfekte Geschenk von Erwachsenen an Kinder, sei es aus Elternsicht oder der Patentante bzw. -onkel. Es ist ein bunter Mutmacher, der die Kinder bestärkt sich den Herausforderungen zu stellen, mutig dem Leben entgegen zu treten, auftretende Probleme mit Zuversicht zu meistern und stets an sich zu glauben.

Gelegenheiten zum Verschenken gibt es genug: Einschulung, Übertritt an die weiterführende Schule, Konfirmation oder Kommunion, runde Geburtstage, Prüfungen jeglicher Art oder auch sehr gerne einfach mal so, wenn das Kind oder auch der Jugendliche etwas emotionale Stütze benötigt.

Das Kind wird im Buch behutsam an die Hand genommen und anhand von drei Lebensweisheiten durch das Leben begleitet. Es sind die Wunder, die es zu entdecken gilt. Es läuft nicht alles glatt und so wie erhofft. Auch dunkle Seiten, Niederschläge und Fehler gilt es zu bewältigen. Es wird Menschen geben, die ihre Sicht einem aufdrücken wollen. Und genau hier kommt mein Highlight: Der Sprecher stoppt an dieser Stelle und gleitet in die Selbstreflexion:

Moment einmal, kann das denn sein?
Ich rede dir genauso drein!
Erkläre alles immerzu,
nur weil ich größer bin als du.

Die dritte Lebensweisheit ist die bedingungslose, elterliche Liebe, die immerwährend existieren wird, egal was kommt!

Ein rührendes, mutmachendes Bilderbuch als ideales Geschenkbuch!

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Bette Westera und Julia Dürr – Schokostreuselgroß: Ein Baby in Mamas Bauch

Rezension

Maxi bekommt ein Brüderchen. Ihre Mama hat bereits ein schokostreuselgroßes Baby im Bauch. Doch wie kommt es da rein? Der Blick durch den Bauchnabel enthüllt leider keine weiteren Details. Während die Erwachsenen das Ultraschallbild voller Liebe anschauen, sieht Maxi nur schwarze, weiße und graue Linien.

Ein Geschwisterchen zu bekommen ist ein ereignisreiches Erlebnis und mit vielen Fragen verbunden. Dieses recht textlastige Buch, ohne jedoch schwer und unverständlich zu wirken, geht die wichtigsten Fragen aus kindlicher Sicht. Die Vergleiche und Bildnisse der teils komplexen Materie fügen sich passend und gut nachvollziehbar ein. Begleitet wird es stets von einer Prise Humor und einer wohltuenden Offenheit dem Thema Sexualität, Fortpflanzung und Schwangerschaft gegenüber.

Und vorher muss die Tür des Babyzimmers, die Öffnung zwischen Gebärmutter und Scheide, größer werden, damit mein Bruder hindurchpasst. Jedes Mal, wenn Mama Schmerzen hat, wird die Türöffnung ein Stückchen weiter. Genau so lange, bis es passt. Das nennt man Wehen.

(Seite 83)

Die Illustrationen und die Darstellungen der Figuren wirken modern, unbefangen und losgelöst von althergebrachten Normen und Konventionen. Maxi blickt über den Tellerrand hinaus und erfährt, dass es auch zwei Mütter geben kann, die ein Kind bekommen. Das Wunder des neuen Lebens schwappt gleich über und man freut sich regelrecht auf die noch ausstehenden Fragen, die Maxi beschäftigen.

Das Aufklärungsbuch lässt vermeintliche Tabus wie Fehlgeburt oder künstliche Befruchtung nicht aus und spricht auch diese Randthemen sensibel an. Getragen wird es von einer Selbstverständlichkeit und Akzeptanz, die jegliche Sorgen und Ängste zu nehmen weiß.

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Fazit

Große Schwester werden – Fragen und kindgerechte Antworten, die Sorgen und Ängste nehmen.

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Iris Wolfermann – Karla und die Sache mit der Liebe

Rezension

Anders als in der altbekannten Lektüre „Ben liebt Anna“, die gerne zur Thematisierung von dem ersten Gefühl des Verliebtseins genutzt wird, verguckt sich hier Karla in Ben. Allerdings ist sich die Protagonistin gar nicht so sicher, ob sie nicht doch Tan lieber mag. So stehen die beiden Jungen als Schatten hinter ihr auf dem Buchcover, während sie versucht herauszufinden, warum alle beim Thema Sex rote Ohren bekommen.

Als Karla in das Elternschlafzimmer geht, weil sie von dort seltsame Geräusche hört, weichen ihre Eltern aus und behaupten, dass Papa Mama die Fußnägel unter der Bettdecke lackieren würde. In Sachkunde lernt Karla gerade die Geschlechtsteile und was Verhütung bedeutet. Als sie ihre ältere Schwester zu ihrem neuen Freund befragen möchte, rennt sie einfach weg. Alle scheinen der Sache mit der Liebe gegenüber etwas schambehaftet zu sein.

Während Karla neugierig und offen dem Thema Sexualität gegenübertritt, scheinen die anderen damit Unwohlsein und Scham zu verbinden, was eigentlich schade ist. Die Vögel haben Sex auf offener Straße und auch ihre Eltern vergnügen sich, doch sprechen mag keiner darüber. So beschließt Karla für sich:

Wenn ich groß bin, dann mache ich Sex mit Ben. Und mit Tan.
Und dann sollen wir keine roten Ohren bekommen.

Blick ins Buch
Fazit

Ein unterhaltsames Buch über das erste Verliebtsein und die Scham rund um die Sache mit der Liebe.

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Carsten Müller und Sarah Siegl – Von wegen Bienchen & Blümchen!

Rezension

Dies ist ein Aufklärungsbuch mit allen modernen Diversitätsansätzen und der Thematisierung von Gender. Das witzig bebilderte Sachbilderbuch ist ein Rundumschlag mit Themen, die im Sexualunterricht der Grundschule angeschnitten werden und bietet auch für Eltern und Pädagogen Tipps zum unverkrampften Umgang mit Sexualität.

Die Bandbreite reicht von der Einzigartigkeit der Körper, der Veränderung von Gefühlen, Geschlechtsreife und der damit einhergehenden Geschlechtsidentität. Der Fachbegriff „Vulva“ wird für die sichtbaren Schamlippen benutzt, ergänzend zur Vagina als Scheide. Erfreulicherweise wird Gefühlen ausreichend Platz eingeräumt, denn genau diese steuern uns, auch in der Sexualität. Der Mut auch einmal „Stopp!“ zu sagen und sensibel dem Nein-Gefühl zu sein, sind wichtige Bestandteile der Aufklärung.

Jede Doppelseite widmet sich einem Thema und leitet gekonnt zu anderen, vernetzten Randthemen über. Hier finden sich Inhalte, die ich persönlich in anderen Büchern oft vermisse. So werden hier Doktorspiele und die Erkundung der Körper berücksichtigt. Auch die Begegnung mit Pornografie findet Erwähnung. Hilfreiche Ratschläge zum Umgang mit verstörenden Bildern und dem Medienkonsum von Kindern werden ergänzt. Pädagogisch wertvoll ist außerdem die Darstellung der unterschiedlichen Familienformen, die sich eben nicht in einen Familienstammbaum zwängen lassen. Man findet hier Regenbogenfamilien, gleichgeschlechtliche Paare ohne Kinder, Patchworkfamilien und Alleinerziehende. Sie alle bilden ihre Form einer Familie. Und schließlich geht es darum, dass Sex nicht ausschließlich zum Zweck der Fortpflanzung dient, sondern weil es einfach Spaß macht. Die Natur hat sich das schon ganz klug ausgedacht!

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Eisprung
Fazit

Schambefreites Aufklärungsbuch zur natürlichsten Sache der Welt, ganz ohne Bienchen und Blümchen.

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Hans-Christian Schmidt – Liebe machen

Rezension

Ein Mann liebt eine Frau ganz doll.
Und sie ist auch ganz liebevoll.
Sie schaun sich an, sie küssen sich,
berühren sich ganz vorsichtig (…)

Dieses in Reimform verfasste Bilderbuch kommt ohne einen schambehafteten Deckmantel daher. Die Abstraktion der Figuren als Strichmännchen ist ein wahnsinnig kluger Schachzug des Illustrators. „Liebe machen“ zeigt in ehrlicher und unbefangener Art und Weise, wie zwei Menschen sich in der Steinzeit beim Beerenpflücken begegnen und wie die Anziehungskraft so weit wächst, dass sie mehr Nähe zueinander suchen und sich in ihrer Höhle zurückziehen, um ihre Liebe zu feiern.

Die offene Beschreibung der Körper, die von Lust geleitet sind, ist wahnsinnig gut umgesetzt. Hier wird etwas etabliert, was mir in anderen Aufklärungsbüchern für Kinder fehlt: Die eigenen Empfindungen und die Zeichen des Körpers lesen können und das Gegenüber nicht außer Acht lassen. Der Text bleibt verspielt und trotzdem unverblümt. Es zeigt, dass Sexualität etwas Selbstverständliches ist. Ohne Sexualität würde es keine Menschen geben. Wir wären sonst ausgestorben. So wie der Titel es bereits suggeriert, liegt der Fokus nicht einzig und allein auf dem sexuellen Akt. Das Gefühl spielt eine große Rolle, wenn es heißt „…es ist, als wärn sie eins dabei.“

Und wenn sie so zusammenfinden,
lässt sie den Penis ganz verschwinden
knapp unterm Bauch in ihrer Scheide.
Das ist sehr angenehm für beide.

Die Zeichnungen auf den Höhlenwänden zeigen die unterschiedlichsten Stellungen, in denen das Liebesspiel ausgelebt werden kann. So kommt es, dass die Steinzeitfrau irgendwann mit einem kugelrunden Bauch auf der Wiese steht und nach einigen Monaten auch ein Kind zur Welt bringt, während der Mann vor lauter „Unwohlsein“ ihr den Rücken zudreht. Die Komik der Szene zaubert auch Erwachsenen ein Schmunzeln ins Gesicht. Nun sind die beiden eine Familie und schauen beglückt auf den neuen Erdenbürger. Auf der letzten Doppelseite wechselt der Zeichenstil von den vereinfachten und leicht abstrakten Strichen zu recht realistischen Bildern der Neuzeit. Wir sehen eine frischgebackene Familie mit einem Säugling in den Händen und müssen feststellen, dass sich diesbezüglich seit der Steinzeit wenig verändert hat.

Spannend ist die Ergänzung, dass womöglich ein Folgeband geplant ist, in dem thematisiert wird, dass sich natürlich auch zwei Frauen und zwei Männer lieben können.

Wie die sich lieben,
das sei ein andermal beschrieben…

Blick ins Buch
Fazit

Für erste Fragen der Kinder rund um Sexualität und Nachwuchs bestens geeignet!

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Moritz Petz und Amélie Jackowski – Der Dachs hat heute Langeweile

Rezension

Da hängt der Dachs kopfüber auf dem Sessel und starrt an die Decke. Um ihn herum ist jegliches Spielzeug verteilt. Aber so wirklich Freude sich damit zu beschäftigen, hat der Dachs nicht. Langeweile auszuhalten, ist eine Herausforderung.

Dem Dachs fällt heute die Decke auf den Kopf. Er probiert es mit seiner Lieblingsbeschäftigung und holt die Malutensilien heraus. Doch auch das bereitet ihm keine Freude. Als der Fuchs vor seiner Tür steht, beschließen sie eine Höhle zu bauen. Aber spannend ist das heute für die beiden nicht. Jeder Gast bringt seine eigene Idee gegen Langeweile mit, doch puzzeln, Karten spielen und sogar singen bereiten ihnen keine Freude.

Lediglich als die Maus mit einer Augenklappe auftaucht, entfacht die Fantasie der Tiere. Es sprüht nur so vor Kreativität und Einfallsreichtum. Alle machen sich an die Arbeit. Das wilde Piratenabenteuer darf beginnen!

Und die Langeweile …
die kann sich woanders langweilen.

Langeweile ist der beste Motor für Kreativität. Diese wertvolle Erfahrung auch dieses Gefühl des angeblichen Nichts-tun-wollens mal auszuhalten und durchzuleben sind wichtig. Das damit verbundene ungestörte Schwelgen in seiner Gedankenwelt sind für Kinder wertvolle und gewinnbringende Erfahrungen. Die Schaffenskraft wird früher oder später erwachsen. Das Füllen der ungeplanten Zeit und die damit verbundene Entschleunigung, ganz ohne Spielvorschläge seitens der Erwachsenen und Terminvorgaben, kann von den Kindern gelernt werden, wenn man ihnen die Chance und die Gelegenheit gibt.

Blick ins Buch
Fazit

Langeweile durchleben und das Entfachen der Kreativität als Gefühlsbausteine im kindlichen Alltag

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