Peter Nieländer et.al. – Wieso? Weshalb? Warum? Meine Abenteuer-Box: Wir entdecken die Ritterburg, Alles über Piraten, Bei den Wikingern

Meine Abenteuer-Hörspiel-Box

Die Abenteuer-Box beinhaltet insgesamt 3 Audio-CDs zu den Themen „Piraten“, „Wikinger“ und „Ritterburg“. Auf jeder CD tauchen drei Abenteurer in unterschiedliche Szenarien und segeln mit auf einem Wikinger- bzw. Piratenschiff oder besuchen eine Ritterburg. Die beiden Kinder sind ziemlich neugierig und fragen ihrem erwachsenen Begleiter Löcher in den Bauch. Folgende Fragen sind der Leitfaden der jeweiligen CD:

PIRATEN:
Warum gab es Piraten?; Wie sah ein Piratenschiff aus?; Wer gehörte zur Piratenmannschaft?; Wie wurde ein Schiff geenternt?; Wie lebten Piraten an Bord?; Wo hielten sich Piraten versteckt?; Was passierte mit der Beute?; Wo waren die Piraten zu Hause?; Wurden die Piraten alt?; Wo gibt es heute noch Piraten?

WIKINGER:
Wer waren die Wikinger?; Wie lebten die Wikinger?; Was ist ein Langhaus?; Warum waren die Wikinger so gefürchtet?; Gab es Wikingerstädte?; Wie war das Leben in der Stadt?; Womit handelten die Kaufleute?; Welche Handwerker gab es?; Was ist eine Rune?; Was ist ein Thing?; Wer waren Odin, Thor und Freya?; Wieso gibt es heute keine Wikinger mehr?

RITTERBURG:
Wer ist eigentlich ein Ritter?; Was gehörte zu einer Burg?; Wer wohnte noch in der Burg?; Wo kaufen die Leute auf der Burg ein?; Wie verbringt der Ritter seinen Tag?; Wie leben und spielen die Ritterkinder?; Müssen die Kinder auch zur Schule gehen und wie wird man überhaupt Ritter?; Weshalb und wann tragen Ritter Rüstungen?; Was geschieht, wenn Feinde angreifen?; Wie verläuft ein Turnier?; Wie feiern die Ritter ein Fest?

Als Intro wird auf jeder CD das Lied „Wieso? Weshalb? Warum?“ eingespielt und thematisiert die Bedeutung der Neugierde und des dadurch resultierenden Wissenszuwachses. Den Abschluss der Hör-CD bildet das gleiche Lied in der Instrumental-Version.

Positiv hervorzuheben ist der Aufbau der Themen nach kindlichen Fragen, die durchaus so von den Kindern gestellt werden konnten. Bei der Sammlung  der noch offenen Fragen von Kindern zu dem von mir zuletzt durchgeführten Thema „Piraten“, kamen in der Tat sechs der oben festgehaltenen Fragen genauso vor, nach denen wir das Thema anschließend aufbereitet haben.

Der Titel „Wir entdecken die Ritterburg“ könnte eventuell nicht richtig gedeutet werden. Es geht nicht ausschließlich um die Burg, sondern auch und besonders um das Leben auf der Ritterburg, einschließlich ihrer Bewohner und der Besonderheiten eines Ritterlebens.

Nicht nur die Hintergrundgeräusche wie das rauschende Meer, die wilden Rufe des Kapitäns oder das emsige Leben auf dem Markt, machen das Zuhören spannend, sondern auch die direkte Befragung der Experten. Das Mädchen und der Junge, die stets durch die Abenteuer leiten, werden von Wikingern und Piraten persönlich informiert und begleiten andere Kinder in ihre Welt und entdecken so auch die jeweilige Umgebung. In den Erzählungen werden Themenbegriffe (Kombüse, Muskete, Schabracke etc.) eingebaut und leicht verständlich und kindgerecht erklärt. Die Geschehnisse sind mit viel Sachwissen verknüpft und trotzdem unterhaltsam und nicht trocken erzählt.

Die Einrichtung einer „Hör-Ecke“ im Klassenraum ist wärmstens zu empfehlen. Besonders für Kinder mit LRS ist es sehr hilfreich ein Medium zur Verfügung zu haben, das ihre Neugierde aufrecht erhält und den Lernzuwachs durch die anderen Aufnahmekanäle gewährleistet. Diese didaktisch-sinnvoll aufbereitete Abenteuer-Box wäre für so eine Ecke eine wertvolle Ergänzung.

Mit viel Sachwissen angereichert, kindgerecht aufbereitet und spannend erzählt.

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Marije und Ronald Tolman – Die Insel

Die Insel- Tolman

Das Cover suggeriert bereits die fast spürbare Einsamkeit gekoppelt mit Sehnsucht und Hoffnung. Wir sehen den äußerst passenden Titel zum Bilderbuch ohne Worte, schlicht und einfach: die insel.

Ein Eisbär klettert auf einer Hängeleiter in eine große weiße Wolke.  In diesem geschützten Rahmen der Fantasie nimmt die Geschichte ihren Lauf. Die folgenden Doppelseiten zeigen den Eisbären mit den unterschiedlichsten Tieren. Er schwimmt mit allen möglichen Meeresbewohnern, taucht mit Delfinen, lauscht der Geigenmelodie vom Waschbären und betrachtet mit ihm den Sternenhimmel. Dabei wechselt seine Einsamkeit sich durch unterschiedliche Begegnungen ab.

Die Tiere kommen und gehen. Jedes Lebewesen teilt einen bestimmten Lebensabschnitt, besondere Momente und Erlebnisse mit dem Eisbären und zieht dann weiter, entlang seinem ganz persönlichen Lebensweg. Sie hinterlassen immer ein Stück von sich und bleiben in der Erinnerung des Eisbären für immer haften.

Das Konstrukt mitten im Meer wird durch weite Landschaften und helle Farbflächen hervorgehoben. Die Ausgeglichenheit, die innere Ruhe des Bären und die sachte Umgebung ist ansteckend. Ein verschmitztes Lächeln begleitet seine Lippen durch das ganze Buch. Dieses Bilderbuch ohne Worte, das von seinen Lesern interpretiert werden möchte, schildert das Leben. Schlicht und einfach.

Tolman - Die Insel

Dieses Bilderbuch ohne Worte nimmt den Leser auf eine Reise zum eigenen inneren Ruhepol.
Es ist schon fast magisch!

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Nikola Huppertz – 3, 2, 1 – Schulstart! Quinns abenteuerlicher erster Schultag

3, 2, 1 - Schulstart

Quinn ist ganz aufgeregt, denn schließlich wird er heute eingeschult. Seinen Sterne-und-Planeten-Ranzen hat er bereits auf dem Rücken und die Astronauten-Schultüte in der Hand. Mama, Papa, Oma und Opa begleiten ihn und schultern bereits die Fototasche. Quinns großer Tag ist da!

Als Quinn noch in der KiTa war, hatte er einen Weltraumlift mit dem er sich in die Raumstation begab. Damit suchte er das Weite, so wie auch an diesem Morgen. Als die gesamte Familie zur Schule aufbricht, entschwindet Quinn dem Trubel und saust mit seinem Space Shuttle durch das Buchstabengewimmel. Im intergalaktischen Buchstabenfeld erlebt er so manches Abenteuer und trifft für ihn bisher unbekannte  Astronauten. Als er im Weltall eine ihm funkelnagelneue Welt voller Rätsel und Geheimnisse entdeckt, beschließt er zu landen, um sie zu erforschen.

Der Schulanfang ist für Kinder ein großer Schritt in mehr Selbstständigkeit. Hier beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Der Eintritt in den „Ernst des Lebens“ ist mit Aufregung, Nervosität und doch Vorfreude auf den ersten Schultag verbunden. Vielen Kindern hilft es, wenn sie auf die neue und ihnen bis dato unbekannte Situation vorbereitet werden. Bilderbücher können einen kleinen Einblick in das Schulleben geben und somit Ängste und Unsicherheiten nehmen.

Der kleine Quinn entflieht seiner Angst und Aufregung in ein für ihn bekanntes und gewohntes Terrain, den Weltall. Hier fühlt er sich sicher und kann ohne „panische Panik“ in den ersten Schultag starten. Leider erfährt der Leser nur wenig von der Einschulung, denn der Hauptteil des Bilderbuchs konzentriert sich auf die Abenteuer im Weltall. Daher ist der Titel und auch das Titelbild leider etwas irreführend. Lediglich die Rakete im Hintergrund deutet den etwas anderen Schulstart an.

Erwachsene werden die versteckte Botschaft schnell durchschauen können, allerdings ist es schwierig den Kindern den plötzlichen Ausflug Quinns ins Weltall zu erklären. Daher ist dieses Buch nur begrenzt zur Sorgenmilderung zu empfehlen. Es ist eher für kleine Weltall- und Astronauten-Fans geeignet.

3, 2, 1 - Schulstart

Material

Was ist für Kinder an diesem Tag bedeutsamer als ihre Schultüte? Dies ist erfahrungsgemäß auch die am häufigsten gestellte allererste Hausaufgabe: Male deine Schultüte und ihren Inhalt!

Schultüte

Jungen als Operator- und Commando-Anbeter werden sich mit diesem Bilderbuch identifizieren können.

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Dr. Seuss – My book about me

Dieses schon fast antike Buch von dem bekannten und beliebten Dr. Seuss ist thematisch nach den grundlegenden Themen aufgebaut, die bereits in der Grundschule im Englischunterricht behandelt werden. Die Seiten beinhalten vorbereitete Felder zum Ausfüllen. Es geht zuerst darum sein Äußeres zu beschreiben: die Augenfarbe, die Haarfarbe, die Größe der Hände und Füße, Geburtsdatum, Lieblingsessen, Haustier, Lieblingsfarbe, Hobbies, Berufe, Gefühle und vieles mehr. Auf stolzen 72 Seiten werden auch Vorschläge gesammelt, aus denen man eine individuell passende Antwort aussuchen kann. Es ist somit ein Pool an breitgefächertem Wortschatz vorgegeben. Alle Vorschläge werden mit einem passenden Bild unterstützt und erleichtern das Verständnis.

Dieses Buch eignet sich hervorragend als Portfolio für den Englischunterricht. Ich würde persönlich nicht alle Seiten ausfüllen lassen, da sie zum Teil veraltet sind, wenn es z.B. darum geht einzutragen in welchem Land man lebt, wird für Deutschland noch Ost- und Westdeutschland als Auswahlmöglichkeit vorgeschlagen.

Die Bandbreite des dargebotenen Wortschatzes ist jedoch sehr gut gelungen. Auch die bereits vorbereiteten Satzanfänge, wie „When I grow up, I want to be …“ sind für die Grundschule gut geeignet. Oft haben die Kinder die Möglichkeit noch etwas Persönliches dazu zu malen, wie etwa den eigenen Handumriss oder die Haare. Alle Seiten sind unterschiedlich gestaltet und es lässt sich noch Vieles, eventuell im Unterricht Unbehandeltes, entdecken.

Auch für zu Hause ist dieses Buch eine gute Beschäftigungsmöglichkeit, sofern die Wortfelder in der Schule schon behandelt wurden.

Dieses Buch ist wirklich sehr anregend und motivierend. Außerdem lässt sich so ein Buch sehr gut als ein wertvolles Erinnerungsstück aufbewahren. Es hat halt einen anderen Stellenwert, als die bereits gewohnten Schnellhefter. Die Anschaffung liegt mit 12 Euro für vier Schuljahre auch im ertragbaren Rahmen.

Abwechslungsreich, motivierend und breitgefächert.

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Martin Baltscheit – Die Geschichte vom Löwen, der nicht bis 3 zählen konnte

Der Löwe kann brüllen und Zähne zeigen, nur das zählen beherrscht er nicht. Aber das stört ihn nicht. Nun ja, bis er eines Tages einen Löwen trifft, der seiner Löwin einen Blumenstrauss schenkt und ihre Aufmerksamkeit somit für sich beansprucht. Das missfällt dem Löwen sehr. Als ein Schmetterling ihn auf seine Wut provozierend fragt: „Na, hör mal, kannst du nicht bis 3 zählen?“, beschliesst der Löwe sich auf den Weg zu machen, um jemanden zu finden, der bis 3 zählen kann…

Das Buch „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ hat sich ja mittlerweile als Klassiker zur Einführung in das Thema Briefe schreiben fest etabliert. Die Illustrationen begeistern die Kleinen stets aufs Neue und das Mitsprechen der sich wiederholenden Strukturen geschieht wie von selbst. Umso erfreuter war ich eine Fortsetzung des überragenden Bilderbuchs in den Händen zu halten.

Die erste Illustration schliesst an das letzte Bild aus „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ an und zeigt den Löwen und die Löwin lesend auf der Wiese liegen. Durch ein Missverständnis verspürt der Löwe Minderwertigkeitsgefühle und beschliesst die anderen Tiere zu bitten, ihm das Zählen beizubringen, um seine Löwin wieder beeindrucken zu können. Dieses Vorhaben ist jedoch nicht von Erfolg gekrönnt, denn jedes Tier hat für sich nur eine besondere Zahl auserkoren wie z.B. das Einhorn die eins, die Schwäne die 2 usw., das Aufsagen einer Folge von  Zahlwörtern kann leider keines dieser Tiere. Die Antworten der Tiere sind stets in Reimform  und sehr amüsant. Die wiederkehrende Satzstruktur „Total blöd!“ animiert auch hier zum Nachsprechen. Die Illustrationen geben geschickt versteckt die nun folgende Zahl z.B. durch den Uhrzeiger, Kerzenanzahl, Kinderzahl etc. wieder. Beim Vorlesen kann vor der Erwähnung der richtigen Zahl innegehalten werden, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, die Zahl von sich aus zu nennen.

Der Fokus liegt in diesem Bilderbuch, meiner Meinung nach, jedoch eher auf der Zweideutigkeit bestimmter Aussagen. Was meint der Schmetterling, wenn er fragt: „Kannst du nicht bis 3 zählen?“, als der andere Löwe die Aufmerksamkeit der Löwin mit einem tollen Blumenstrauß auf sich lenken konnte und dafür einen Kuss bekam? Oder was bedeutet die Äußerung des Löwen nach einem Zweikampf, dem Löwen Bruchrechnung beigebracht zu haben? Diese Aussagen dienen wunderbar als Aufhänger zur Thematisierung von Redewendungen.

Leider empfinde ich den Ausgang der Geschichte, pädagogisch betrachtet, nicht wirklich gelungen. Das Problem der Rivalität wird mit Fäusten und Gewalt gelöst. Natürlich muss man im Hinterkopf behalten, dass die Löwen in der Tierwelt es genauso tun, aber einen bitteren Nachgeschmack hat es für mich trotzdem.

Zum Thema Bilderbücher im Mathematikunterricht verweise ich auf dieses äußerst gelungene Bilderbuch zur Mengenerfassung: Zwölf und der Wolf.

Zur Thematisierung von Redewendungen und zweideutigen Aussagen sehr zu empfehlen.


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Elisabeth Steinkellner und Michael Roher – Ein Rucksack voller Sand

Paula träumt vom Reisen. Wie gern würde sie in den Dschungel, die Wüste sehen, auf den höchsten Berg der Welt oder einfach nur am Strand sitzen und das Meer schmecken. Paula hat das Fernweh gepackt. Doch ihre Eltern sind übervorsichtig und machen sich große Sorgen. Sie warnen sie vor den Gefahren und dem drohenden Unheil. Als eines Tages ein Freund vor der Tür steht und frohen Mutes verkündet, dass er verreisen wird, schließt sich Paula ihm sofort an. Gemeinsam erleben sie auf ihrer Reise unvergessliche Abenteuer. Als Paula wieder nach Hause kommt, ist die Freude groß. Paulas Rucksack ist voll mit Sand, weil sie lauter Dinge mitgebracht hat, die man nicht sehen kann:

„Eine ordentliche Portion Geduld. Und haufenweise Fremdwörter. Eine große Ladung Mut. Und viele neue Freunde. Eine ganze Menge Farben, Gerüche und Geschmäcker. Und ein Meer an schönen Erinnerungen.

Dieses Bilderbuch habe ich bereits nach dem Betrachten der Titelseite ins Herz geschlossen. Jedes Detail ist so passend und stimmungsvoll gezeichnet, dass ich nicht umhin kam auf dieser Seite minutenlang zu verharren. Die Körpersprache des Mädchens, in der absolute Sehnsucht und Lebensfreude widerspiegelt. Die rosafarbenen Bäckchen, die auf die Aufregung und Vorfreude hindeuten und zu ihren Füßen die Wunder unserer Welt, die erkundet und entdeckt werden möchten.

Zu dieser Thematik habe ich eine ganz besondere Bindung, sodass ich es vortrefflich finde, wie einfühlsam Elisabeth Steinkellner die Besorgnis der Eltern schildert und die Sehnsucht des Mädchens endlich dem Alltag zu entfliehen, um mehr von der Welt zu sehen und einen Blück über den Tellerrand zu werfen.

Die in Collagentechnik gearbeiteten Illustrationen sagen ebenfalls das aus, was der Text unterschwellig andeutet. Paula ist anfangs durchsichtig und bekommt mit jedem Abenteuer einen Farbklecks auf ihrer Kleidung dazu. Jede Erfahrung macht uns reifer, klüger und eben bunter, interessanter. Die Farbgebung ist gediegen und ruhig. Lediglich die „Welt da draußen“ bekommt farbige Akzente und weitet sich im Verlauf der Geschichte weiter aus.

Die oben zitierten Mitbringsel deuten bereits an, wie wertvoll Reiseerfahrungen sein können und die Wörter sind überwältigend passend gewählt. Doch auch das Heimkommen ist schön und wird auf der letzten Seite augenzwinkernd unterstrichen.

Ein Bilderbuch, das voll ins Herz trifft.

Shaun Tan – Der rote Baum

Manchmal beginnt der Tag ohne Aussicht auf etwas Schönes

Das kleine Mädchen mit den rötlichen Haaren erwacht in ihrem Zimmer und sieht wie es sich immer weiter mit schwarzen Blättern füllt. Sie begibt sich in die Stadt und schleppt sich mit einem hängenden Kopf von einem dunklen und traurigen Ungeheuer bzw. Ort zum nächsten. Jeder ist so mit sich selbst beschäftigt, dass die Protagonistin die Welt als eine „taube Maschine“ bezeichnet. Sie wird mit einer Flut an Problemen mitgerissen, die alle auf einmal auf sie einprasseln. In dieser Situation hat man kein Auge mehr für das Schöne um einen herum und beginnt an sich selbst zu zweifeln. Als das Mädchen in ihr Zimmer zurückkehrt, erblickt sie jedoch Hoffnung und es strömt wieder etwas mehr Licht hinein.

Shaun Tan hat ein poetisches Werk zum Thema Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Depression und Burnout geschaffen. Das kleine Mädchen, ohne ein wirklich wahrnehmbares Gesicht, kann für jeden von uns stehen. Ihre Augen sind meist geschlossen und das Gesicht dem Boden entgegen gerichtet. Ihre Traurigkeit lässt sich an ihrer ganzen Körperhaltung ablesen. Die Verbildlichung der inneren Leere einer ausweglosen Situation ist künstlerisch auf höchstem Niveau eingefangen. Wir entdecken das Mädchen mit einer bleiernen Tauchermaske am Meeresgrund, eingeschlossen in einer Flasche. Die Welt wird als ein verrostetes Metallmonster dargestellt, verschachtelt, zertrümmert, ausweglos. Jedes Bild für sich, ist ein wahres Kunstwerk und besonders die vorletzte Illustration hat mich beim ersten Durchblättern für sich eingenommen und vollkommen fasziniert.

Doch in all diesen sorgenvollen, dunklen und beklemmenden Darstellungen wird das Mädchen stets von einem roten Blatt begleitet. Es schwirrt immer irgendwo im Bild umher und setzt unter den grauen und trostlosen Farben seinen Akzent eines Hoffnungsschimmers. Die Inszenierung des behutsamen Spiels von Licht und Schatten und dem damit verbundenen hoffnungsvollen Endes, ist mehr als beeindruckend.

Dieses melancholische Bilderbuch bedarf bei Kindern eine behutsame Herangehensweise und soll insbesondere darauf fokussieren, dass „auf jeden Regen Sonnenschein folgt“. Dunkle Augenblicke gehören zum Lebens ebenso dazu, wie die Hoffnung, die uns erlöst. Künstlerisch interessierende Erwachsene werden eine besondere Freude mit diesem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichneten Bilderbuch haben.

Melancholisch, poetisch, philosophisch, einfach meisterhaft!

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Rafik Schami – Fatima und der Traumdieb

Nach der Erkrankung seiner Mutter und der damit verbundenen Armut, begibt sich Hassan auf die Suche nach einer Arbeit. Bei einem Schlossherren wird er fündig, jedoch wird Hassan erst seinen Lohn erhalten, wenn er sich innerhalb einer Woche auf keinen Fall ärgert. Der Schlossherr tut sein Bestes, um Hassan auf jede erdenkliche Art und Weise zu demütigen. Und irgendwann reißt bei Hassan tatsächlich der Geduldsfaden und so muss er nach einer Woche mühvoller Arbeit ohne ein einziges Goldstück und ohne seine Träume zurück nach Hause kehren. Als seine Schwester Fatima diese Geschichte hört, macht sie sich auf den Weg zum Schlossherren, überzeugt davon dass sie sich von ihm nicht verärgern lässt und Hassans Träume zurückholen kann…

Rafik Schami präsentiert uns ein Märchen aus dem Orient und zeigt wie viel Tiefe in einem Bilderbuch schon bereits für sehr junge Kinder stecken kann. In sehr reduzierten Bildern wird die hoffnungslose Situation der Witwe dargestellt und damit verbunden die Armut im Leben der Kinder. Das Problem der Kinderarbeit wird so in den Vordergrund gerückt und aufgezeigt, welche Schwierigkeiten und Herausforderungen damit verknüpft sind.

Besonders die damit verbundene Bedeutsamkeit der Träume sticht eindeutig hervor. Vielen Kindern werden schon sehr früh ihre Träume gestohlen, die Hoffnung etwas im Leben zu leisten und das Vertrauen auf eine bessere Zukunft. Wer diese Träume stiehlt, ist somit nicht einfach nur ein Dieb, sondern ein Verbrecher.

Auf den letzten Seiten im Buch wird auf die Rechte der Kinder eingegangen und die Tragweite des Aufwachsens in Frieden erläutert. Die Erklärungen sind in einfacher, an die Kinder gerichteter Sprache gehalten und stellen die UNO-Kinderrechtskonventionen vor. Denn schließlich wird mit dem Kauf dieses Buches auch die Arbeit von UNICEF mit 1,50 Euro unterstützt.

Ein beeindruckender Appell, die Kinderrechte zu wahren und den Kindern ihre Kindheit und Träume lassen!

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Mario Ramos – Der Wolf im Nachthemd

An einem sonnigen Tag macht sich Rotkäppchen mit ihrem Körbchen auf dem Weg zur Großmutter. Im Wald begegnet sie dem Wolf, der kurzerhand beschließt Rotkäppchen und die Großmutter zu verspeisen. Er geht einem besonderen Plan nach und läuft, nach erfolgreicher Ablenkung Rotkäppchens, zum Haus der Großmutter. Im Haus entdeckt er Großmutters Nachthemd und beschließt es sich überzustülpen, um Rotkäppchen glauben zu lassen, er sei die Großmutter. Im neuen Gewand erhält das Märchen eine neue Wendung, die zu einem unerwartetem Fortgang führt.

Das Buch beginnt so wie wir das Märchen Rotkäppchen auch kennen. Doch bereits nach einigen Zeilen fällt dem Leser die Absurdität in diesem Buch auf. Der Wolf warnt Rotkäppchen vor bösen Haifischen im Wald. Er sperrt sich im Nachthemd der Großmutter aus dem Haus aus und die turbulenten und zugleich lustigen Erlebnisse nehmen ihren Lauf. Dieses Bilderbuch eignet sich perfekt für den unterrichtlichen Einsatz, wenn es darum geht das Ende eines Märchens zu verändern. Der Moment der Überraschung, als die Geschichte eine unerwartete Wendung nimmt, ist grandios. Auch diese Verschachtelung und die Einbindung sämtlicher weiterer Märchen in dieses Märchen („Meta-Märchen“) ist fantastisch. Doch auch der Blick „hinter die Maske“ wird zum Thema gemacht und das Gefühl nicht aus seiner „Verkleidung“ bzw. Haut kommen zu können. Das Abstreifen bestimmter Eigenschaften ist manchmal ganz schön mühselig und bedarf einiger Anstrengung und Hilfe.

Die Illustrationen vom Mario Ramos haben einen hohen Wiedererkennungswert was die Stilistik betrifft. Beim Anblick der Titelseite wird schon fast automatisch die Verbindung zum Buch „Ich bin der Stärkste im ganzen Land“, das ebenfalls aus Ramos‘ Feder stammt, hergestellt. Dieses Buch ist verblüffend und so überraschend, dass es sicherlich Potenzial hat, zum Lieblingsbuch gekürt zu werden.

Absurd, turbulent, überraschend und die Stimmung hebend.

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Ursel Scheffler – Die schönsten Tierfabeln

„Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Fuchs, der dem Raben durch Schmeicheleien ein Stück Käse abgaunert? Oder das Lehrstück vom Mistkäfer und der Ameise? Während diese im Sommer  fleißig Vorräte sammelt, liegt der Käfer faul auf seiner Haut  und muss im Winter hungern – gemäß dem alten Sprichwort: „Spare in der Zeit, so hast du in der Not!“ Obwohl all diese Geschichten sehr alt sind, haben sie bis heute nichts an ihrer Aussagekraft verloren. Fabeln stellen menschliche Fehler humoristisch überzogen und deshalb umso unterhaltsamer dar.  Ein reich bebilderter, farbenfroher Bücherschatz für die ganze Familie!

Dieses Fabelbuch ist für Kinder ab 5 Jahren gut geeignet. Es enthält auf jeder Doppelseite farbige Bilder und die insgesamt 58 Fabeln sind alle relativ kurz, im Durchschnitt nehmen sie 2 Seiten ein. Es sind bekannte und aber auch relativ unbekannte Fabeln vertreten. Neben „die Stadtmaus  und die Landmaus „und dem weiteren Klassiker „Die Ameise und die Grille“ sind Fabeln wie „Der Affe, der sein Herz vergaß“ und „Die neun dummen Wölfe“ in der Sammlung zu finden. Bei allen Fabeln wird die Moral am Ende der Geschichte noch einmal explizit hervorgehoben, meist in einem Reim, wie z.B. zur Fabel „Die Frösche im Butterfass“:

Das kleine Fröschlein paddelt fest,
weil ihn die Hoffnung nicht verlässt.
So ist die Lehre für das Leben:
Niemals vorschnell aufzugeben!

Zu einigen Fabeln wird in einem blauen Kasten auf die Tradition der jeweiligen Fabel eingegangen und so rückt der Ursprung, Fabelerzähler oder auch die Zeit in den Vordergrund. Auf den letzten sechs Seiten ist die Tierfabel an sich Thema und so wird das Wesen der Fabel, die Geschichte, die literarische Form und die Redensarten erläutert. Auch die berühmten Fabeldichter Äsop und Phädrus finden Erwähnung.

Die Fabeln sind leicht verständlich, lassen sich flüssig lesen und die Bedeutung wird von tollen Zeichnungen unterstützt. Vor allem die gesonderte Darstellung der Moral in Reimform am Ende jeder Fabel finde ich persönlich sehr gelungen.

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