Mies van Hout – Heute bin ich

Mies van Hout entführt die Leser und Betrachter in eine Unterwasserwelt von insgesamt 20 unterschiedlichen Gefühlszuständen, die anhand von verschiedensten Fischarten verdeutlicht werden. Eine Doppelseite ist jeweils einem Gemütszustand gewidmet, wobei auf der einen Seite jeweils das Gefühl in Wortform und auf der anderen Seite ein dazu passender Fisch dargestellt wird. Die Emotionsbandbreite reicht von ängstlich bis zufrieden. Der Fisch thront in seiner Vollkommenheit auf einem schwarzen Hintergrund und erringt dadurch die höchst mögliche Beachtung des Betrachters. Dabei darf ruhig analysiert werden, woran man das jeweilige Gefühl so gut erkennen kann. Es wird schnell deutlich werden, dass die Stimmungen vor allem an den Augen, dem Mund, der „Körpersprache“ und der Farbwahl abgelesen werden können. Natürlich animieren die Darstellungen zum spielerischen Imitieren und erweitern den Grundwortschatz um einige sehr bedeutende Emotionen. Durch diese tolle Wachsmaltechnik lassen sich im Kunstunterricht sicherlich wundervolle Bilder von „Heute bin ich …“ herstellen und die zuvor erarbeiteten Kriterien zur Gemütsdarstellung anwenden.

Dank diesem besonderen und herzerwärmenden Bilderbuch, bin ich heute … GLÜCKLICH … und kann gar nicht aufhören das Buch immer und immer wieder von Neuem durchzublättern und mich daran zu erfreuen!

Ein wahrer Schatz in diesem Meer an Bilderbüchern zum Thema Gefühle!

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Heike Schütz – Prinzessin Kartoffelinchen

Prinzessin Kartoffelinchen ist eine ganz besondere Kartoffel, die mit ihren roten Punkten alle anderen Kartoffeln überstrahlt. Sie ist nämlich etwas ganz Besonderes und gehört zu der Sorte „Rotauge“. Als die anderen, gewöhnlichen Kartoffeln anfangen sie aufgrund ihrer Andersartigkeit zu hänseln, wird Kartoffelinchen ganz traurig. Die Traurigkeit  verfliegt jedoch schnell, als sie durch einen unvorhergesehenen Zufall auf eine interessante Reise gehen darf. Sie trifft auf Geschöpfe, die ihr mit Neid und Missgunst begegnen und ihr somit das Leben schwer machen. Allerdings hält ihr das Schicksal auch positive Begegnungen bereit, durch die der Jahreskreislauf seinen neuen Anfang nimmt.

Das Buch ist in vier Kapitel eingeteilt, für die jeweils eine Jahreszeit steht. Die Geschichte beginnt im Herbst mit der Ernte von Kartoffelinchen und endet im Sommer mit dem Heranwachsen der Karoffelkindern. Das Thema „Kartoffeln“ wird an vielen Grundschulen behandelt und lässt sich wunderbar fächerübergreifend in den Unterricht einbinden. Durch dieses Buch habe ich mir eine kindgerechte Herangehensweise an das Wachstum der Kartoffelplanze erhofft. Allerdings sind die Wachstumsphasen im Verlauf der Anbauzeit in diesem Buch nur nebensächlich behandelt worden. Die Austriebe wurden nur am Rande kurz erwähnt. Das Schrumpelig-werden kurz vor der Aussaat wurde leider völlig ignoriert. Hauptsächlich geht es um die Themen Ausgrenzung, Neid, Missgunst, Eifersucht und aber auch Freundschaft, Hoffnung und Liebe.

Die Bilder wirken so herrlich sympathisch in ihrer unprofessionell scheinenden Ausführung und unterstützen durch erdige Bleistiftfarben das Bild des Naturprodukts. Ich hätte mir allerdings großflächigere Zeichnungen und weniger Text gewünscht, da das Buch für Kinder ab 3 Jahren empfohlen wird. Allerdings wäre ich eher dafür die Altersempfehlung auf 5 Jahre anzuheben, denn die Geschichte ist durchaus lang und von der Wortwahl zum Teil zumindest für Dreijährige anspruchsvoll.

Eine nette Geschichte über die Reise einer ganz besonderen Kartoffel.


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Mira Lobe – Das kleine Ich bin ich

Ein buntes Tier geht auf einer Blumenwiese spazieren und begegnet einem Laubfrosch, der ganz verwundert fragt, wer er eigentlich sei? Das bunte Etwas muss feststellen, dass es selbst gar nicht weiß welches Tier es ist und wird daraufhin vom Frosch als dumm bezeichnet. Auf seiner weiteren Reise trifft es verschiedenste Tiere, die nach genauer Betrachtung keine Ähnlichkeiten zu sich selbst erkennen können. Voller Verzweiflung und Enttäuschung ist das Tier den Tränen nahe und fragt sich, ob es am Ende denn gar nichts ist. Doch dann ruft es ganz laut zu sich: „Sicherlich gibt es mich! Ich bin ich!“

Mira Lobe hat mit diesem Bilderbuch einen Klassiker zur Thematik Förderung des Selbstwerts und der Selbstakzeptanz geschaffen. Auch der Umgang mit Unsicherheiten durch negative Rückmeldungen der Mitmenschen steht im Fokus.  Der Klassiker feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Jubiliäum und erscheint in einer Jubiläumsausgabe mit Audio-CD. Florian Boesch liest die Geschichte gekonnt vor und imitiert die unterschiedlichen Tierarten sehr wirkungsvoll. Auf den insgesamt 21 Tracks werden die kurzen Texte durch Liedmelodien unterbrochen und von einem Chor mit einem passenden Lied zur ersten Textpassage auf das Buch eingestimmt.

Die sehr gelungene Reimform vereinfacht das rhythmische Vortragen und die auf der Innenseite des Buches beigefügte Bastelanleitung ermöglicht die Herstellung eines Symbols für die Selbstfindung, die die Kinder auch tatsächlich mit nach Hause nehmen können.

Die Bilderbuchseiten wechseln sich mit farbigen und schwarz-weiß Illustrationen ab. Die bunten Seiten sind natürlich für Kinder viel attraktiver und eindrucksvoller. Hier würde man sich wünschen alle Seiten in bunter Gestaltung vorzufinden, um der Magie, die dieses Buch mit sich bringt, nichts an ihrer Faszination zu entziehen.

Wir sind alle einzigartig und das ist auch gut so.

 

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Tad Hills – So ein Superküken

Flip und Flop sind die besten Freunde und lieben es Schmetterlinge zu beobachten, dem Fluss zu lauschen, die Blumen zu riechen oder das warme Lüftchen zu genießen. Doch eines Tages taucht Kiki auf, eine alte Angeberin, die alles besser kann. Sie kann am längsten die Luft anhalten und auf dem Kopf stehen, am schnellsten auf einem Bein hüpfen und am geschicktesten Baumstämme balancieren. Flip ist von der neuen Freundin begeistert. Doch Flop möchte mit seinem Freund lieber alleine sein, denn dieser Wettbewerb geht ihm ganz schön auf den Keks. Wie kann er bloß seinen Freund für eine Weile wieder für sich gewinnen? Ein Plan muss her!

Es ist das Spiel mit der Freundschaft, der Umgang mit Prahlerei, Eifersucht und dem Wettbewerb, was der Autor hier gekonnt anspricht. Die Dialoge der drei Freunde sind sehr authentisch, genauso höre ich sie tagtäglich auch auf dem Schulhof. Die Handlungen sind ebenfalls sehr kindgetreu und aus dem Kinderalltag entnommen. Die Küken messen ihre Kräfte, Ausdauer und Geschicklichkeit. Doch einer ist dabei immer der Beste, das Superküken, Kiki. Flop muss dagegen mit seinen Niederlagen kämpfen und entschließt sich lieber zurückzuziehen und sich dem Wettbewerb nicht mehr zu stellen. Er ist ein ruhiges Küken und bevorzugt Tätigkeiten, bei denen es keinen Gewinner oder Verlierer gibt. Und damit der neue Freund nicht zwischen Flop und Flip steht, entwickeln die beiden einen fabelhaften Plan, der Kiki für eine Zeit lang aus dem Rennen schickt.

Das Ende ist sehr überraschend und das „Problem“ auf eine sehr witzige Art und Weise  gelöst. Sie packen Kiki in ihrer Stärke und locken sie damit in eine für die beiden Freunde mehr als verdiente „Ruhepause“. Die Darstellung des Umgangs mit Angeberei und dem Wettbewerb ist sehr gelungen und bietet wundervolle Lösungsvorschläge, die bereits sehr jungen Kindern einleuchtend erscheinen. Das Bilderbuch eignet sich besonders gut für eine szenische Umsetzung, in der die Gefühle der drei Freunde sehr schön herausgestellt werden können. Auch Standbilder können hier die jeweilige Situation und Stimmung gut verdeutlichen.

Die Illustrationen sind sehr gemächlich, klar, farbintensiv und mit wenigen Details bestückt. Sie heben die Verspieltheit der Freunde und die Liebenswürdigkeit der Charaktere besonders gut hervor.

Ein wunderschön illustriertes Bilderbuch über Freundschaft, Eifersucht, Angeberei und dem Wettbewerb untereinander.

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Daniela Drescher – Merlind und die Walpurgisnacht

Merlind möchte mit ihrem Drachen zum Walpurgisfest aufbrechen, wäre da nicht die schwierige Kleiderwahl gewesen. Soll sie den grünen Hut nehmen? Oder doch lieber den violetten? Die Entscheidung fällt Merlind schwer und während Igor, ihr Hausdrache auf sie wartet, setzt er sich aus Versehen auf den Besen, der sie beide zum Fest fliegen sollte. Merlind versucht mit ihren Zauberkünsten den Besen heil zu zaubern. Wird die kleine Hexe es rechtzeitig schaffen oder wird das Fest ohne die beiden gefeiert werden müssen?

Die Thematik der misslungenen Zauber und der witzigen Zaubersprüche kennt man bereits aus einigen anderen Hexenbüchern. Die Resultate sind daher immer mit einem Schmunzeln verbunden. Die Geschichte stellt einen Folgeband dar und beginnt wenig spektakulär, denn Merlind tut sich mit Entscheidungen schwer. Nach einigen Fehlversuchen in der Zauberkunst, muss sich Merlind eingestehen, dass es mit dem Heilzaubern des Besens nichts mehr wird. Gut, dass man wenigstens Freunde hat, auf die man sich verlassen kann. Beim Fest angekommen, endet auch leider schon das Buch.
Zusammenfassend steht wohl die Freundschaft im Vordergrund und das Sich-verlassen-können auf sein enges Umfeld. Einen Knackpunkt stellt für mich der demotivierende Ausgang der Zauberversuche dar. Hier hätte ich mir zumindest einen Ausblick auf Verbesserung oder einen anderweitigen Lernzuwachs gewünscht. Auch die „Abenteuer“ sind leider etwas profan und enden bevor sie eigentlich begonnen haben.

Die Illustrationen sind sehr farbenfroh und detailliert. Der Anblick gefällt. Die Auswahl der Schrift und die Darstellung des gesamten Texts empfinde ich als etwas unpassend, ja sogar fast störrisch. Es ist wenig verspielt und recht „erwachsen anmutend“.

Das Bilderbuch hätte mehr Erlebnisse und wirkliche Abenteuer vertragen können.


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Axel Scheffler und Julia Donaldson – Räuber Ratte

Räuber Ratte ist eine äußerst gemeine und fiese Ratte. Sie klaut jedem, dem sie begegnet das Essen. Dabei ist es dem Schurken völlig egal, ob es sich um Brotkrümmel, Blätter, Fliegen oder Stroh handelt. Räuber Ratte frisst den Bewohnern des Waldes alles weg und versetzt sie in Angst und Schrecken. Die armen Tiere werden immer dünner, bis sich letztlich eine kleine Ente zu wehren weiß…

Das Dream-Team Julia Donaldson und Axel Scheffler kreieren auch diesmal ein Buch, das in Erinnerung bleibt. Axel Scheffler, als äußerst begabter Illustrator, erweckt in diesem Buch einen Anti-Helden zum Leben. Ein gemeiner Dieb treibt im Wald sein Unwesen und ist getrieben von Unersättlichkeit und Gier.  Ihm gegenüber steht eine kleine Ente, die ihm durch Klugheit und List überlegen ist. Letztendlich wird dem Räuber seine eigene unmäßige Habsucht zum Verhängnis, gleich dem Sprichwort: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus!
Thematisch geht es um die Gemeinschaft und Einzelkämpfer, um das Richtig und Falsch, um Werte in der Gesellschaft und ihre Widrigkeiten.

Und wie es im wahren Leben oft der Fall ist, folgt einem unangemessenem Verhalten eine Strafe, die auch die Ratte verbüßen muss. Ich persönlich konnte die Schritte auf den letzten Seiten nicht wirklich nachvollziehen, mir fehlten die Schlüsse. War es letztendlich die Ratte selbst, die ihr Fehlverhalten eingesehen hat oder war es eine externe Person, die diese Strafe der Ratte auferhängt hat? Aus welchem Grund raubt die Ratte nicht weiter? Das ist für mich leider unschlüssig geblieben.

Das Buch wurde von Salah Naoura ins Deutsche übersetzt und dabei die ursprüngliche Reimform beibehalten. Hier und da ergeben sich beim Vorlesen noch einige Stolpersteine, die jedoch nicht gravierend sind. Insgesamt ist das Übersetzten von Reimen eine Kunst, die es nicht zu unterschätzen gilt. Nichtsdestotrotz bin ich auf die Originalfassung sehr gespannt, die gleich auf meiner Wunschliste landet!

Was ist falsch und was richtig in einer Gesellschaft? Welche Werte zählen? Was wird nicht länger akzeptiert?
Dieses Bilderbuch beschreibt aus der Perspektive eines Anti-Helden die Problematik der Integration, Emphatiefähigkeit und des sozialen Verhaltens.


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Manfred Rohrbeck – Komm mit, kleiner Eisbär!

In Komm mit, kleiner Eisbär wird der Protagonist früh am Morgen wach und hat wahnsinnigen Hunger. Gemeinsam mit seiner Mutter geht es nun auf zur Futtersuche. Auf dem Weg begegnen sie vielen unterschiedlichen Tieren, die alle ihre Besonderheiten haben. Ob Blauwal, Polarfuchs, Eisente oder Robbe, sie alle sind ziemlich schnell und gewieft und die Suche nach etwas Essbarem  scheint schwieriger als gedacht. Doch vor allem ist sie mit vielen spannenden Abenteuern verbunden.

Das Pappbilderbuch mit einer original Schleich-Figur überzeugt vor allem durch diesen großen Koffer, der sich wunderbar als Geschenk oder Mitbringsel eignet. Die Abenteuer des tierischen kleinen Helden können so vor der Kulisse des Bilderbuchs nachgespielt werden. Durch die Gucklöcher kann die kleine Schleich-Figur hindurchschlüpfen und das Kind so die Futtersuche nachspielen, das morgendliche Brummen imitieren und so wunderbar in die Tierwelt eintauchen. Ganz nebenbei lernt es noch viele interessante Informationen über die Tierwelt der Eisbären kennen. Die integrierten Klappen verraten außerdem noch weitere spannende Informationen über die Tiere, die der kleine Eisbär auf seiner Futtersuche trifft.

Die Illustrationen sind naturgetreu gestaltet und spiegeln die Lebensräume  der Arktis wunderbar wider. Das Kind trifft auf ganz spielerische Weise  auf die Vielfalt in der Natur und kann sich aktiv handelnd einbringen und lernen.

Das Tierspielbuch gibt es in drei weiteren Varianten, in denen ein Panther, Fuchs oder Pferd ihre Lebensräume entdecken.  Im Herbst 2012 sind zwei weitere Titel zu Lamm und Löwe sowie Tiger geplant.

Eine tolle Verbindung zwischen Spielzeug und Buch. So können Bücher für die ganz jungen noch attraktiver gestaltet werden. Die Lese- bzw. Spielfreude ist garantiert!

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Constanze Endlich und Johann Rüttinger – Schnabelgrün: Das Schwein im Fass

Der Rabe Schnabelgrün wohnt mit seinem Zaubermeister Naserot auf einem schönen Boot und dabei geht es immer lustig zu, denn Rabe lernt von ihm das Zaubern. Als Zauberlehrling geht jedoch so manches schief und so muss sein Meister ihm doch ganz schön oft aus der Patsche helfen.
Bei seinem allmorgendlichen Rundflug entdeckt Schnabelgrün ein Schwein, welches in einem Fass stecken geblieben ist und beschließt ihm zu helfen. Die Zauberreime, die Schnabelgrün mit den Worten: „Magie, Magah und Spinnenhaar, was ich jetzt sage, das wird wahr!“ einleitet, verfehlen jedoch ihre Wirkung und das Ergebnis ist immer mit einer zum Schmunzeln bringenden Überraschung verbunden.

Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß, dass ich ein großer Fan von Büchern in Reimform bin. Dieses Bilderbuch hat mich von der ersten Sekunde an begeistert. Es lässt sich flüssig vorlesen, reißt einen sofort mit und lässt einen über die Schönheit der deutschen Sprache staunen. Der wiederkehrende Zauberspruch animiert auch die kleinsten Zuhörer zum Mitsprechen und die fehlgeschlagenen Zauber bringen einen einfach nur zum Kichern. Der Zauberrabe Schnabelgrün hat Wiedererkennungswert und sogar die Schriftart beeindruckt. Die Illustrationen von Johann Rüttinger sind bunt und vor allem individuell. An seinen Zeichenstil erinnert man sich und würde ihn unter vielen Bildern wiedererkennen.

„Dann fliegen sie davon, die zwei,
bereit für neue Zauberei.“

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf die weiteren Abenteuer und Zauberversuche des kleinen Raben Schnabelgrün und behalte ihn definitiv im Auge. Das immer wiederkehrende Symbol der Zauberei in Form von Sternen, welches sogar in der Schrift auftaucht, verleitet mich dazu diesem Buch die volle Sternzahl zu geben!

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Anna Marshall – Oma und die 99 Schmetterlinge

99 bunte Schmetterlinge hat Oma als Schulmädchen aufgezogen und freigelassen. Und Bären in der Bäckerei getroffen. Jeden Tag erzählt Oma Geschichten von früher – und verliert sie dabei den roten Faden, suchen wir gemeinsam nach ihm. Ich bin gerne beim Oma, und ich werde sie vermissen, wenn sie eines Tages als hundertster Schmetterling davongeflogen sein wird.“

Dieses Bilderbuch treibt einem Tränen in die Augen! Es ist mit so vielen poetischen Einschüben, dass es den Leser  unglaublich zu bewegen vermag und gleichzeitig auch traurig stimmt. Die Geschichte wird aus der Sicht eines kleinen Mädchens erzählt, deren Oma immer mehr und mehr an Alzheimer zu leiden scheint. Diese Demenz ist jedoch für die Enkelin etwas sehr Spannendes, denn gemeinsam tauchen sie in vergangene, äußerst witzige und unwirkliche Geschichten ab: „Beim Denken wachsen uns ganz langsam Flügel.“ Sie entfliehen der Wirklichkeit und begeben sich auf fantastische Reisen. Bis irgendwann auch die Enkelin erkennen muss, dass die Haut der Oma immer durchsichtiger wird und sie bald „abheben und davon fliegen“ wird, denn sie ist der 100. Schmetterling!

Dieses wahnsinnig rührende Bilderbuch wurde mit dem  „Meefisch 2011“  ausgezeichnet und ist in der Tat ein Meisterwerk! Die Bilder scheinen einige Zeitungsausschnitte zu beinhalten, die den Leser zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit schwanken lassen. Was ist wahr und was erfunden? Sind es tatsächliche Geschehnisse aus Omas früherer Zeit oder ihre Erfindungen, die der Demenz zu Schulde kommen?

Es geht um Abschiednehmen, um Vergänglichkeit und Loslassenkönnen. Es ist eine stetige Verwandlung, der man nicht entrinnen und doch nur hoffen kann, dass die Hinterbliebenen einen in Erinnerung behalten. Nichts währt ewig.

Poetisch, mitfühlend, rührend, auf den Punkt.

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Nadine Monfils und Claude K. Dubois – Anna will nicht geküsst werden


Anna findet es furchtbar erdrückend und unangenehm nass und feucht, wenn ihre Mutter sie abknutscht. Das mag Anna gar nicht. Daher versteckt sie sich vor den Küssen ihrer Mutter, doch sie findet sie, egal wo sie steckt. Für Anna ist das ein wirkliches Dilemma, denn nicht geküsst werden zu wollen, heißt ja keinesfalls dass man denjenigen nicht mag. Und so wendet sie sich mit ihrem Problem an ihren Vater und gemeinsam finden sie eine Lösung, die sie zufälligerweise in ein Tierheim führt …

Auch ich kann mich daran erinnern, als Kind von meiner Tante total abgeknutscht worden zu sein und das mochte ich auch ganz und gar nicht. Über einen Ärmel, mit dem ich das Ganze abwischen konnte, war ich damals sehr froh 🙂 Hier geht es jedoch um eine Mutter, die mit ihren erdrückenden Küssen anscheinend übertreibt. Eine heikle Situation, die einerseits den Eltern verdeutlichen soll, dass Kinder sich irgendwann abnabeln und diese enge Nähe nicht mehr benötigen und der Wunsch durchaus Akzeptanz finden soll und andererseits um die Kinder, die in einer innerlichen Zwickmühle stecken, denn nicht geküsst werden zu wollen, bedeutet keinesfalls dass man die Eltern weniger lieb hat. Die im Buch vorgeschlagene Lösung betrachte ich mit einem Augenzwinkern und finde sie eher amüsant. Denn ich denke nicht, dass ein Tier die Nähe zum eigenen Kind ersetzen kann.  Dieses Buch ermutigt Grenzen zu setzen, sich zu wehren und seine Meinung offen kundzutun.

Die Illustrationen sind eine Augenweide. Die Zeichnungen sind minimalistisch und unglaublich liebevoll, sodass man Anna, die mit hinterher fliegenden Küssen schon fast gejagt wird, gleich ins Herz schließen muss. Die Farben sind eher gedeckt und dezent,  Naturtöne überwiegen, nur die Küsse sind knallrot und fast überall präsent.

Eine schöne Gute-Nacht-Geschichte, bei der der Gute-Nacht-Kuss keinesfalls fehlen darf! 😉

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