Margarethe Fimmen, Doris Fischer und Anne Lenze – Gemeinsam starten: Soziales Lernen

Rezension

Auch wenn das Gemeinsame Lernen in der Ausnahmesituation der Corona-Zeit momentan etwas anders aussieht, so steht das soziale Lernen vielleicht noch stärker im Fokus als je zuvor. Es geht schließlich vordergründig um Rücksichtnahme, Zusammenhalt und Solidarität.

Es ist davon auszugehen, dass Kinder, die im Sommer eingeschult werden, auch anders an die Vermittlung, Entwicklung und Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen im Schulalltag herangeführt werden müssen. Neben der Wissensvermittlung bestimmt das soziale Lernen nicht nur im Anfangsunterricht das Schulleben. Die Grundschule ist hierbei als Lernort von großer Heterogenität geprägt und braucht den Schutzraum einer funktionierenden Klassengemeinschaft.

Gemeinsam starten – Soziales Lernen richtet den Blick auf genau diese Kernkompetenzen und bietet fortlaufend für die ersten beiden Schuljahre aufeinander aufbauende Förderschwerpunkte. Dabei erfolgt die Gliederung anhand von folgenden Modulen:

  • Miteinander leben
  • Miteinander lernen
  • Miteinander sprechen
  • Sich kennenlernen
  • Operatoren

Erfahrungsgemäß sollte das Soziale Lernen bereits beim Punkt „Miteinander spielen“ ansetzen und zwar vom ersten Schultag an. Etliche Wochen habe ich im letzten Durchgang in die Einübung investiert, weil viele Kinder das Abwarten, Vorlassen, Aushalten, Gönnen können etc. nur schwer verinnerlicht haben. Erst danach war der Blick frei für das Miteinander auf Klassenebene. Erfreulicherweise sind hier viele Arbeitsblätter ohne Schriftkenntnisse einsetzbar. Es gilt „richtiges“ vom „falschen“ Verhalten zu unterscheiden und farblich entsprechend zu markieren. Motivierende Puzzlebilder sind von Anfang an und ohne große Erklärungen zu nutzen. Um andere Themen zu umreißen: Kennenlernspiele, sich begrüßen und verabschieden, Regeln im Schulgebäude, gemeinsam frühstücken, miteinander sprechen im Stuhlkreis, Stimmungsbarometer, Gesprächsregeln, spielerische Übungen zu Gesprächsregeln, Sprechanlässe schaffen, Arbeitsformen kennenlernen, Klassendienste einführen, Klassensprecher wählen, Gefühle zeigen und Konflikte lösen.

Die Kopiervorlagen sind stets übersichtlich, nicht allzu überladen und vom Layout ansprechend gestaltet. Das ist bei den Finken-Materialien immer ein großer Pluspunkt, den auch viele Förderkinder schätzen. Die 6 bunten Poster sind glücklicherweise auch auf der mitgelieferten CD enthalten, sodass diese auf einem Beamer oder mithilfe eines Whiteboards bequem gezeigt werden können. Das ist vor allem heutzutage viel wert, wenn der nötige Sicherheitsabstand eingehalten werden muss. Auf der CD befinden sich auch die wunderbar illustrierten 16 Operatoren-Karten, die die Arbeitsanweisungen, wie „kreise ein, benenne, klebe auf, kreuze an“ auch visuell verdeutlichen. Dafür werden viele DaZ-Kinder dankbar sein, denen das Erlesen der Arbeitsaufträge noch Mühe bereitet.

Das Einüben ist ein fortlaufender Prozess. Man kann bestimmtes Vorwissen oft nicht voraussetzen. Auch der richtige Toilettengang muss thematisiert werden. Das hat auch der Verlag erkannt (siehe KV oben). Es ist nicht mit schlichter oder gar einmaliger Besprechung getan. Deshalb ist der Themenbereich „Gesprächsregeln einhalten mit spielerischen Übungen“ meiner Meinung nach besonders wertvoll. Hier verinnerlichen die Schülerinnen und Schüler nachhaltig die Regeln, ohne den pädagogischen Zeigefinger. Das friedliche Miteinander wird gestärkt und idealerweise ein erfolgreiches Lernen ermöglicht.

Blick ins Buch

Fazit

Soziales Lernen von Anfang an im Fokus, um ein erfolgreiches und friedliches Miteinander zu ermöglichen.

(Bitte beachten: Die Finken-Materialien sind nicht im Handel, sondern nur direkt beim Verlag erhältlich.)

 

Burkhard Günther – Schwierigen Schülern souverän begegnen: 25 hilfreiche Profi-Tipps für den Lehreralltag in der Grundschule

Rezension

Das kleine DIN-A5-Büchlein stammt aus der Reihe der „Profi-Tipps für den Lehreralltag in der Grundschule“ und bietet 25 Denkanstöße zum Umgang mit schwierigen Schülern.

Doch eigentlich geht es weniger um die Schülerinnen und Schüler an sich, die ja nur bedingt geformt und verändert werden können, sondern vielmehr um die eigene Einstellung zu Möglichkeiten und Grenzen einer Lehrkraft. Das Buch ist grob in drei Bereiche unterteilt. Es geht um die Rolle, die Aufgaben und Kompetenzen als Lehrkraft, um den Herausforderungen, wenn es um Konflikte und Regelverletzungen kommt, zu begegnen. Das Kompetenzspektrum der Lehrer ist sehr weit gefächert und bleibt ein lebenslanger Prozess. Dabei ist eine elastische Denkstruktur und flexible Handlungsalternativen von Vorteil.

Wenn auch vieles aus diesem Buch bekannt zu sein scheint, ist eine Wiederholung oftmals nicht verkehrt, um sich einiges doch wieder bewusst zu werden. Dafür sind die prägnanten Tipps ganz hilfreich. Die pädagogischen Tools werden aufgefrischt, die zur professionellen Einstellung und einer achtsamen Haltung beitragen. Außerdem wird der Handwerkskoffer erweitert, da oftmals spontane und schnelle Reaktionen im Unterrichtsalltag nötig sind.

Blick ins Buch

Die Prämisse pädagogischer Arbeit sollte lauten: Konflikte sind herzlich willkommen, denn sie bieten die wunderbare Möglichkeit, dass alle daran lernen dürfen. Ein Konflikt ist nicht mehr und nicht weniger als ein Interessenausgleich. Und die Interessen von Menschen sind nun mal sehr verschieden. Es geht also nur darum, auf welche Weise und in welcher Art man Konflikte löst.

Fazit

Steigerung der Souveränität im Lehreralltag und im Umgang mit schwierigen Kindern

(Amazon-Link)

Sonja Bougaeva – Wie Frau B. so böse wurde …

Wie Frau B. so böse wurde

Vor Frau B. fürchtet sich jeder, besonders die Kinder. Doch sie war nicht immer so böse und brummig. Als kleines Mädchen wurde sie nämlich von anderen Kindern gehänselt und verspottet.  Ihrer Mutter konnte sie ihre Sorgen nicht anvertrauen, denn sie meinte nur, dass beim Essen nicht gesprochen werden darf.  Die kleine Frau B. wurde trauriger und trauriger. Diesen Zorn konnte sie über Jahre nicht mehr loswerden.
Auf einem Spielplatz strickend, erblickt Frau B.  eines Tages ein kleines Mädchen, das Tränen in den Augen hat, weil sie zuvor von einem Jungen mit Sand überschüttet wurde. Ab diesem Zeitpunkt spürt sie etwas ganz Ungewöhnliches … denn etwas kam ihr ganz bekannt vor …
Sie ging zum Spielplatz, um dort bequemer Kinder zu hassen.

Dieses Bilderbuch lässt mit einer Rückblende in die bewegende Vergangenheit einer verbitterten alten Dame blicken. Diese schmerzliche Erfahrung hat Frau B. zu der gemacht, die sie heute ist. Durch die Tatsache, dass ihre Mutter damals für sie kein Gehör gefunden hat und sie mit ihrer Traurigkeit allein gelassen wurde, staute sich zu einem innerlichen Damm voller loderndem Zorn.

Umso erfreulicher ist es zu entdecken, wie dieser Damm durch eine Begegnung mit einem kleinen Mädchen bricht. Nach und nach und zwar ganz langsam öffnet sich Frau B. Herz und sie kann sich wieder wie ein kleines, glückliches Mädchen fühlen.

Sonja Bougaeva hat bereits viele tolle Bilderbücher illustriert, u.a. „Wanda Walfisch“ oder auch „Zu Tisch!“. Auf diesem Titelbild  präsentiert sie eine überdimensionale, bedrohend wirkende alte Frau, die miesmutig mit einem Regenschirm bewaffnet den Betrachter anstarrt. Und doch ist der Farbauswahl, der Schriftwahl und dem Zeichenstil etwas Nettes und Warmherziges zu entlocken. Der Charakter der alten Dame ist durch die Darstellung außergewöhnlich gut getroffen. Man nimmt ihr ihre grimmige Art genauso gut ab, wie ihre Wandlung zu einer doch ganz netten und freundlichen alten Dame. Die Illustrationen sind allesamt zauberhaft. Ein reiner Augenschmaus.

Die Botschaft ist nicht minder wertvoll. Hier werden ganz kindgerecht die evtl. Konsequenzen von Mobbing-Opfern dargestellt. Dieser Schmerz ist so groß, dass man ihn sogar über Jahre hinweg mit sich trägt.

Wie Frau B. so böse wurde
 Ein verbitterter Kampf um die Verarbeitung von Kindheitserfahrungen.

bei amazon.de

Bernd Wehren – Der Benimm-Führerschein

Der Benimm-Führerschein

Gute Umgangsformen in der Schule, zu Hause und in der Öffentlichkeit sowie gegenseitiger Respekt stehen im Mittelpunkt dieses Benimm-Führerscheins. Für ein angenehmes und konstruktives Miteinander sind bestimmte Grundregeln des guten Benehmens unerlässlich.

Das Benimm-Training von Bernd Wehren präsentiert 27 kurze Bildergeschichten aus dem Alltag der Kinder. Die Bilder zeigen sowohl richtiges als auch falsches Benehmen, was von der Schülerseite in der richtigen Farbe einzukreisen ist. Nach der Sensibilisierung für die Thematik, sollen die Bildergeschichten nachgespielt werden, um die Kinder emotional an die Alltagssituation zu binden. Anschließend gilt es diese Situation auf die eigene Klasse zu übertragen und zu überlegen, wie man sich selbst z.B. im Schwimmbad verhält und welche Regel evtl. missachtet werden. Der letzte Schritt ist immer die Bildergeschichte erneut zu spielen, um dann ausschließlich gutes Benehmen in der jeweiligen Situation zu zeigen.

Die Bildergeschichten bestehen aus drei Bildern und sind den Bereichen „Schule„, „zu Hause“ und „Öffentlichkeit“ zuzuordnen. Ein Kästchen ist stets weiß und gibt SuS die Gelegenheit selbst ein passendes Bild zu malen. Zusätzlich kann den Bildergeschichten eine Überschrift verliehen werden, um es anschließend als kurzen Text aufzuschreiben. Der Aufbau und die Aufgaben sind immer gleich, so dass die Kinder recht schnell selbstständig an dem Führerschein arbeiten können. Thematisch drehen sich die Geschichten um das richtige Verhalten auf dem Schulflur, im Schwimmbad, in der Umkleidekabine, auf Klassenfahrt oder in der Kirche. Im häuslichen Rahmen wird der Schwerpunkt auf Mithelfen im Haushalt, Essmanieren oder zu Gast bei Freunden gelegt. Das Benehmen in öffentlichen Verkehrsmitteln, das ungefragte Fotografieren oder  lautes Musikhören finden ebenfalls Erwähnung.

Der Benimm-Führerschein

Ein beispielhafter Elternbrief als Kopiervorlage soll die Eltern informieren und vor allem in das Benimm-Projekt miteinbeziehen. Schließlich werden die Grundsteine guten Benehmens im Elternhaus gelegt. Im Lieferumfang findet sich ein Klassensatz (32) an farbigen Führerscheinen, die 20 freie Zeilen haben und individuell eingetragen werden können. Die Lehrkraft kann somit auf ihre Lerngruppe abgestimmt aus der Sammlung der Bildergeschichten passende Situationen auswählen. Eine Generalprobe und die tatsächliche Benimm-Führerschein-Prüfung in Form eines Multiple-Choice-Fragebogens ergänzen die Unterrichtsideen. Neben den Lösungen zu den Arbeitsblättern findet sich auch eine Urkunde, die nach dem erfolgreichen Bestehen den Kindern ausgehändigt werden darf.

Dieser Benimm-Führerschein ist besonders für Brennpunktschulen, die das Ziel haben Benehmensmägel zu reduzieren, zu empfehlen. Eingesetzt kann es in Form eines Projekts zum Thema „Unsere Schule benimmt sich“. Als Vorlage für die Gestaltung einer „Benimm-AG“, wäre es ebenfalls denkbar. Besonders positiv ist die Einbindung der Eltern zu erwähnen. Auf das Schuljahr verteilt können einzelne Bildergeschichten auch im Klassenrat thematisiert werden.

Der Benimm-Führerschein Wehren
Ein Benimm-Führerschein zur Reflexion guten und schlechten Benehmens.

Der Benimm-Führerschein: 2. bis 4. Klasse

bei amazon.de

Axel Scheffler und Julia Donaldson – Räuber Ratte

Räuber Ratte ist eine äußerst gemeine und fiese Ratte. Sie klaut jedem, dem sie begegnet das Essen. Dabei ist es dem Schurken völlig egal, ob es sich um Brotkrümmel, Blätter, Fliegen oder Stroh handelt. Räuber Ratte frisst den Bewohnern des Waldes alles weg und versetzt sie in Angst und Schrecken. Die armen Tiere werden immer dünner, bis sich letztlich eine kleine Ente zu wehren weiß…

Das Dream-Team Julia Donaldson und Axel Scheffler kreieren auch diesmal ein Buch, das in Erinnerung bleibt. Axel Scheffler, als äußerst begabter Illustrator, erweckt in diesem Buch einen Anti-Helden zum Leben. Ein gemeiner Dieb treibt im Wald sein Unwesen und ist getrieben von Unersättlichkeit und Gier.  Ihm gegenüber steht eine kleine Ente, die ihm durch Klugheit und List überlegen ist. Letztendlich wird dem Räuber seine eigene unmäßige Habsucht zum Verhängnis, gleich dem Sprichwort: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus!
Thematisch geht es um die Gemeinschaft und Einzelkämpfer, um das Richtig und Falsch, um Werte in der Gesellschaft und ihre Widrigkeiten.

Und wie es im wahren Leben oft der Fall ist, folgt einem unangemessenem Verhalten eine Strafe, die auch die Ratte verbüßen muss. Ich persönlich konnte die Schritte auf den letzten Seiten nicht wirklich nachvollziehen, mir fehlten die Schlüsse. War es letztendlich die Ratte selbst, die ihr Fehlverhalten eingesehen hat oder war es eine externe Person, die diese Strafe der Ratte auferhängt hat? Aus welchem Grund raubt die Ratte nicht weiter? Das ist für mich leider unschlüssig geblieben.

Das Buch wurde von Salah Naoura ins Deutsche übersetzt und dabei die ursprüngliche Reimform beibehalten. Hier und da ergeben sich beim Vorlesen noch einige Stolpersteine, die jedoch nicht gravierend sind. Insgesamt ist das Übersetzten von Reimen eine Kunst, die es nicht zu unterschätzen gilt. Nichtsdestotrotz bin ich auf die Originalfassung sehr gespannt, die gleich auf meiner Wunschliste landet!

Was ist falsch und was richtig in einer Gesellschaft? Welche Werte zählen? Was wird nicht länger akzeptiert?
Dieses Bilderbuch beschreibt aus der Perspektive eines Anti-Helden die Problematik der Integration, Emphatiefähigkeit und des sozialen Verhaltens.


bei amazon.de