Annette Breaux und Todd Whitaker – 50x Schülerverhalten verbessern

Todd Whitaker und Annete Breaux zeigen 50 praxistaugliche Ansätze, um Schülerverhalten zum Positiven zu verändern. Das Buch bietet sowohl Lösungen für die Bewältigung akuter Probleme im Klassenzimmer als auch Strategien, um eine Lernumgebung zu schaffen, in der Schüler nachhaltig gern lernen – und sich deshalb entsprechend verhalten.

Kinder legen eben kindliches Verhalten an den Tag. Sie tun nicht immer, was richtig und gut für sie ist. Sie testen gern die Grenzen aus. Die Autoren vertreten die Meinung, dass man die Schüler erst erreichen muss, ehe man ihnen etwas beibringen kann.

Die insgesamt 50 Rezepte sind nach einem Dreischritt strukturiert. Das jeweilige Rezept beginnt mit einem Denksanstoß, in dem das „Problem“ geschildert wird. Darauf folgend wird auf Lösungen und Strategien für den Unterricht eingegangen und aufgezeigt wie das Problem verringert bzw. behoben werden kann. Die Quintessenz fasst die wichtigsten Punkte noch einmal zusammen.

Die Autoren sind beide in der Lehrerausbildung tätig und leben in Amerika. Dem Schreibstil ist dies anzumerken. Es ist selbstbewusst, erfolgsversprechend, imponierend, zum-Schmunzeln-bringend. Ein Beispiel gefällig?

Jeder Schüler hat einen Lehrer verdient, der an ihn glaubt. Wenn Sie dieses Buch lesen, davon sind wir überzeugt, dann sind Sie dieser Lehrer.

Ich mag Amerikaner und somit diese Art zu denken und zu schreiben. 🙂 Dabei darf man dieses Buch keineswegs in einem Rutsch durchlesen. Es braucht Zeit, um es auf sich wirken zu lassen, um sich selbst im Unterricht zu beobachten und das gezeigte Verhalten zu reflektieren. Viele Lehrer werden erfreut feststellen, dass sie das ein oder andere Verhalten bereits in ihr Repertoire aufgenommen haben. Einfach weil es funktioniert und den gewünschten Erfolg mit sich bringt. Das andere muss man ausprobieren und sehen welche Ergebnisse erzielt werden. Seit einem Monat stellt dieses Buch meine Abendlektüre dar und ich habe schon etliche der am Abend gelesenen Tipps am nächsten Tag ausprobiert. Viele mit einem überraschend positivem Ergebnis. Ein Beispiel aus der Praxis gefällig?

Dennis (Name geändert) geht in die zweite Klasse und spielt oft und gerne mit seiner Trinkflasche. Dabei benutzt er sie als Instrument und trommelt in unregelmäßigen Abständen damit unter seinem Tisch. Mit einem neugierigen Blick schaut er zur Lehrerin, um zu sehen, ob sie es gemerkt und gleichzeitig erkannt hat, woher denn das Geräusch kommt. Die Autoren interpretieren solches Verhalten als „Die Lust zu spielen“. In der Tat, Dennis meint es gar nicht böse, er ist nur experimentierfreudig. Die Empfehlung der Autoren war: Die Aufmerksamkeit des Schülers auf etwas anderes lenken, anstatt auf das störende Verhalten einzugehen. Also wurde Dennis von mir gebeten, mir doch bitte beim Herunternehmen meiner Transparenzkarten am Ende der Stunde zu helfen. Denn ich weiß  ja, dass er gerne mit Magneten spielt (wie schon erwähnt, er experimentiert gerne). Abrupt wurde die Flasche in die Tasche gepackt, ohne dass ich ihn darauf hinweisen musste und die Aufmerksamkeit war auf den Unterrichtsstoff gerichtet! Es wirkt!

Lehramtsanwärter, die sich auf die Prüfung vorbereiten und sich näher mit dem ersten Kolloquiumsthema „Leitideen pädagogischer Grundschularbeit“ beschäftigen, werden in diesem Buch einige hilfreiche Vernetzungen zu den im Seminar behandelten Themen finden. Dabei tauchen viele Beispiele aus der Praxis auf, die sich ebenfalls als hilfreich erweisen könnten, wenn das Thema „Unterrichtsstörungen“ angeschnitten wird.

Das grüne Cover, das Hoffnung symbolisiert und natürlich sehr erfolgsversprechend (beachte die Rakete!) gestaltet ist, finde ich gelungen und sympathisch. Oft sind die Rezepte wirklich Kleinigkeiten, die jedoch eine große Wirkung mit sich bringen. Die Auswirkung auf das Schülerverhalten eines lächelnden Lehrers, der den Klassenraum betritt, ist enorm. Ich würde viele der gegebenen Tipps am liebsten aufsaugen und lege dieses Buch allen Lehrern wärmstens ans Herz. Bevor Wissensvermittlung verwirklicht werden kann, müssen Bedingugen geschaffen werden, unter denen Lernen überhaupt stattfinden kann und dabei darf der Beziehungsaufbau nicht unterschätzt werden.

Ein äußerst gelungenes Fachbuch für die Praxis!

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Klaus Metzger – „Kopfzerbrecher“ – Sprachkompetenz entwickeln

„Kopfzerbrecher“ bietet unterschiedlichste Unterrichtsideen zur Entwicklung der Sprachkompetenz. Die Vorschläge aktivieren als sogenannte „gute Aufgaben“ das Sprachgefühl, Sprachwissen und die Spracherfahrung der SuS. Der Autor empfiehlt den Einsatz dieses Heftes auch für Kinder mit Migrationshintergrund. Die Kopiervorlagen wurden für alle Jahrgangsstufen konzipiert und weisen durch einen kleinen Vermerk auf der jeweiligen Seite für welche Jahrgangsstufe die Übung gedacht ist.

Es wurde darauf geachtet Aufgaben einzubinden, die alle etwas mit der Lebenswirklichkeit der Kinder zu tun haben. Welches ist das häufigste Wort im Deutschen? Welche „bedrohte“ Wörter gibt es und was bedeuten sie? Welches Wort passt nicht in die Reihe? Welchen Fehler hat der Ladenbesitzer bei der Formulierung seiner Werbung gemacht? Woher kommt das ’s eigentlich?

Die Kopiervorlagen sind sowohl im Deutschunterricht, als auch als isolierte Einheiten im Rahmen von Vertretungsstunden oder bei der Wochenplanarbeit einsetzbar. Die Übungen bauen nicht aufeinander auf, sondern stehen allein für sich.

Auf der mitgelieferten CD sind alle Kopiervorlagen als PDF-Datei und als individuell anzupassende DOC-Dateien zum Ausdrucken vorhanden.

Dr. Klaus Metzger hat bereits eine Vielzahl an den beliebten und sehr geschätzten Lehrerbücherei-Grundschule-Büchern veröffentlicht. Sie sind stets fundiert, anregend und innovativ. Auch dieses Band bietet inhaltlich eine Fülle an wunderbaren Ideen, die jedoch für mich persönlich besser hätten präsentiert werden können. Die Anordnung der Übungen ist willkürlich, sodass man für die Suche nach Kopiervorlagen für eine bestimmte Jahrgangsstufe das ganze Buch durchblättern muss. Hier wäre eine Anordnung nach Jahrgangsstufen sinnvoller gewesen.

Es heißt ja so schön „Das Auge isst mit!“. Das gilt auch für Unterrichtsmaterialien, sie sollen stets motivierend und anregend gestaltet sein. Die in diesem Buch vorliegenden Kopiervorlagen sind jedoch etwas schlicht, schon fast einfallslos präsentiert. Außerdem befindet sich der die Übung beschreibende Kommentar für die Lehrerhand oft auf derselben Kopiervorlage, die für die Schülerhand gedacht ist. Man müsste daher als Lehrer die Kopiervorlage erst einmal trennen und dann erneut kopieren. Alles etwas umständlich und nicht unbedingt benutzerfreundlich. In diesem Fall erweisen sich die veränderbaren Kopiervorlagen auf der CD-ROM als Glücksgriff. Hier können die jeweiligen Arbeitsaufträge und die Übung an sich nach eigenem Geschmack gestaltet und ausgedruckt werden. Vielleicht sogar als eine Art Kartei zusammengestellt werden.

Die Bandbreite und die Zusammenstellung der Kopfzerbrecher ist, wie man es von dem Autor gewohnt ist, wirklich gelungen. Die Grammatik wird auf eine spannende und aufregende Art und Weise den SuS näher gebracht und ist keinesfalls so öde wie die Aufmachung.

Inhaltlich absolut empfehlenswert, äußerliche Gestaltung der Kopiervorlagen verbesserungswürdig.


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Alexander Randolph – A Portrait of Nellie

Nellie lebt in ihrem Mauseloch ein ganz normales Leben einer gewöhnlichen Maus. Sie ist eine Maus mit Prinzipien und doch ziemlich einsam. Eines Tages bekommt sie Besuch von Sammy. Sie heiraten und bekommen Kinder. Schon bald findet sie einige Punkte, die sie an Sammy stören. Er scheint ziemlich zutraulich und lässt sich von der Haushälterin aushalten. Er benimmt sich keineswegs wie eine richtige Maus. Es kommt immer häufiger zu Streitigkeiten. Nellie möchte diese selbstgewählte Abhängigkeit und dieses „unmously“ Verhalten nicht länger dulden und trifft vor allem in Bezug auf ihre gemeinsamen Kinder eine schwerwiegende Entscheidung…

Nellie hat eine sehr sture und konservative Haltung. Sie hängt an ihren Prinzipien und möchte sich an die veränderte Situation ihrer Umwelt nicht anpassen. Seit vielen Jahren fürchten sich die Mäuse vor Katzen und sollen es auch in der Zukunft tun. Mäuse klauen das Essen der Menschen und lassen sich nicht von ihnen aushalten. Ihre Traditionen sind ihr heilig. Sammy dagegen ist in dieser Hinsicht offener und passt sich den veränderten Umständen an. Er versteht nicht, was daran verkehrt sein soll das angebotene Essen anzunehmen und nicht unnötig zusammenzuzucken, wenn die Katze, die im Haus lebt, für sie keine Gefahr darstellt, da sie selber Angst vor Mäusen hat. Das unreflektierte Festhalten an Althergebrachtem kann ich nicht befürworten.  Und das Ende der Geschichte hat mich leider auch enttäuscht:

„It is plain to see, they are trying to change our traditions.“
Sammy was forced to agree.

Die Illustrationen von Alexander Randolph sind ein Meisterstück. Sie sind einfach gehalten und entfalten vor dem weißen Hintergrund ihre große Wirkung. Das Bild der beiden Mäusen mit ihren ineinander verstrickten Mäuseschwänzen ist ja schon fast Kult.

Das Eheleben mit ihren Schwierigkeiten bzw. Verstrickungen und die Problematik der sich ständig verändernden Umwelt bilden das Hauptaugenmerk dieses Buches. Daher würde ich es eher für Erwachsene empfehlen. Die dargestellte Problematik ist für Kinder im Grundschulalter meistens unbedeutsam und noch ziemlich abstrakt. Allerdings könnte ich mir duchaus vorstellen das Buch in einer „Philosophieren mit Kindern-AG“ mit Viertklässlern einzusetzen, um über die jeweiligen Ansichten der Mäuse zu diskutieren. Sollte man an seinen Prinzipien und Regeln immer und überall festhalten? Verhält sich Nellie richtig? Verhält sich Sammy richtig? Wie könnte eine Einigung aussehen? Was würde man selber in einer solchen Sachlage tun?

Eine wunderschöne Aufmachung mit einem für mich zwiegespaltenem Inhalt.

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Andrea Erkert – Hurra! Wir spielen draußen

Das Buch enthält vielfältige Spielideen für Aktivitäten im Freien, für unterschiedlichste Gelegenheiten und Bedürfnissen. Die Spiele eignen sich für Kinder im Alter von 3 bis 8 Jahren und können mit einer Kleingruppe oder einer gesamten Schulklasse durchgeführt werden.
Die einzelnen Kapitel wurden nach unterschiedlichen Schwerpunkten eingeteilt. Für jedes Speil werden die empfohlenen Altersangaben und ggf. die benötigten Materialien angegeben. Es werden gelegentlich Naturmaterialien wie Kastanien, Eicheln, Bälle, Springseile, Stoppuhren und Augenbinden benötigt.

Im ersten Kapitel liegt der Fokus auf Kreisspielen, die  für das Aufwärmen und Begrüßen beabsichtigt sind. Das zweite Kapitel enthält Spiele zum Werfen, Rollen und Fangen. Hier stehen Schnelligkeit, Reaktionsvermögen und Bewegungskoordination im Vordergrund. Das dritte Kapitel beinhaltet Spiele zum Laufen und Verstecken. Das vierte Kapitel umfasst zahlreiche Spiele zum Hüpfen, Klettern und Balancieren. Es folgen Spiele zum Malen, Sandeln und Matschen. Das Buch wird durch Spiele zum Ruhigwerden und Entspannen abgerundet und bietet außerdem Vorschläge für Spiele, in denen Geschwister und auch Eltern eingebunden werden können.

Im Freien können Kinder so richtig in Bewegung kommen. Hier haben sie die Gelegenheit die Natur zu ertasten, zu riechen, zu erforschen, zu experimentieren und die Welt mit allen Sinnen zu begreifen. Sie haben die Gelegenheit ihr Können zu zeigen und ihre körperlichen Grenzen auszutesten. Draußen zu spielen macht den Kindern  meistens Spaß. Diese Freude sollte aufgegriffen und mit einigen motivierenden Ideen unter freiem Himmel weiter gefördert werden. Dieses Buch bietet eine umfangreiche Sammlung, die sowohl für zu Hause (Kindergeburtstage) als auch für Kindergarten, Grundschule und Freizeiten eingesetzt werden kann.

Die Bandbreite der Spiele ist groß und variiert von aktiven bis hin zu entspannten Spiele, bei denen die Kinder zur Ruhe kommen können. Sie träumen auf der Wiese, entspannen sich bei einer Streichelmassage oder meditieren beim Malen von Naturbildern. Es sind wirklich anregende Ideen dabei, von denen viele ohne viel Aufwand umgesetzt werden können. Bei diesem Buch hat man als Erwachsener Lust mit den Kindern nach draußen zu gehen und gemeinsam die Spielräume im Freien zu entdecken!
Und wieso nicht einmal einige Sportstunden für das Spielen im Freien nutzen? Dieses Buch ist die dazu passende Inspirationsquelle!

Anregend, vielfältig, übersichtlich, motivierend, gesundheitsfördernd!

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Mira Lobe – Das kleine Ich bin ich

Ein buntes Tier geht auf einer Blumenwiese spazieren und begegnet einem Laubfrosch, der ganz verwundert fragt, wer er eigentlich sei? Das bunte Etwas muss feststellen, dass es selbst gar nicht weiß welches Tier es ist und wird daraufhin vom Frosch als dumm bezeichnet. Auf seiner weiteren Reise trifft es verschiedenste Tiere, die nach genauer Betrachtung keine Ähnlichkeiten zu sich selbst erkennen können. Voller Verzweiflung und Enttäuschung ist das Tier den Tränen nahe und fragt sich, ob es am Ende denn gar nichts ist. Doch dann ruft es ganz laut zu sich: „Sicherlich gibt es mich! Ich bin ich!“

Mira Lobe hat mit diesem Bilderbuch einen Klassiker zur Thematik Förderung des Selbstwerts und der Selbstakzeptanz geschaffen. Auch der Umgang mit Unsicherheiten durch negative Rückmeldungen der Mitmenschen steht im Fokus.  Der Klassiker feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Jubiliäum und erscheint in einer Jubiläumsausgabe mit Audio-CD. Florian Boesch liest die Geschichte gekonnt vor und imitiert die unterschiedlichen Tierarten sehr wirkungsvoll. Auf den insgesamt 21 Tracks werden die kurzen Texte durch Liedmelodien unterbrochen und von einem Chor mit einem passenden Lied zur ersten Textpassage auf das Buch eingestimmt.

Die sehr gelungene Reimform vereinfacht das rhythmische Vortragen und die auf der Innenseite des Buches beigefügte Bastelanleitung ermöglicht die Herstellung eines Symbols für die Selbstfindung, die die Kinder auch tatsächlich mit nach Hause nehmen können.

Die Bilderbuchseiten wechseln sich mit farbigen und schwarz-weiß Illustrationen ab. Die bunten Seiten sind natürlich für Kinder viel attraktiver und eindrucksvoller. Hier würde man sich wünschen alle Seiten in bunter Gestaltung vorzufinden, um der Magie, die dieses Buch mit sich bringt, nichts an ihrer Faszination zu entziehen.

Wir sind alle einzigartig und das ist auch gut so.

 

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Sylvia Weve – Wie das Huhn beinahe vergaß, dass es ein Ei gelegt hatte

Henni, die Henne, legt ihr erstes Ei! Sie ist auf das Ergebnis so stolz, dass sie es unbedingt dem Hahn erzählen möchte. Ganz aufgeregt läuft sie los und bittet das Ferkel so lange auf ihr Ei aufzupassen. Also brütet das Schwein nun das Ei vorsichtig aus. Doch als es anfängt zu regnen, entschließt sich das Schwein sich selbst ins Trockene zu bringen und bittet wiederum die Frau Schaf das Ei zu schützen. Als es spät wird, verabschiedet sich das Schaf und der neue Schützling ist nun eine Schnecke, die ihr Haus zum Ausbrüten hergibt. Doch wo bleibt bloß die Henne? Das frisch geschlüpfte Küken freut sich auf seine Mutter und staunt nicht schlecht eine Schnecke vor sich zu haben. Jetzt liegt es an den Freunden die Mutter des frisch geschlüpften Kükens zu finden…

Sylvia Weve spielt auf die sehr einzigartige Verbindung zwischen Mutter und Kind an. Das Verantwortungsgefühl der Nebencharaktere und vor allem der Henne wird kritisch angeschnitten und doch die anfängliche Hilfbereitschaft der Bauernhoftiere positiv herausgehoben. Das Ei wird von einem Tier zum nächsten gereicht und kann kein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln, da es sich ständig fragt wie die Mutter wohl aussehen könnte. Von Tier zu Tier und der damit verbundenen Enttäuschung, wächst die Frustration des kleinen Küken. Es scheint immer kleiner und verlorener in der großen Welt zu wirken. Adoption ist in vielen Familien Wirklichkeit und genauso wie das Küken fangen viele Kinder an sich irgendwann mit den Eltern zu vergleichen und stellen immer mehr Fragen. Für das Kind auf dem Selbstfindungsweg gehört das Wissen um die Erzeuger immer dazu.

Unterschwellig wird die Problematik der noch nicht vorhandenen Bindung zum Ungeborenen angeschnitten, die jedoch beim ersten Körperkontakt verfliegt. Beim Anblick des Küken werden die Muttergefühle der Henne so richtig wach und sie ruft stolz aus: „Du gehörst zu mir!“.

Dieses Bilderbuch sticht besonders durch die einzigartigen und sehr vereinfachten stilistischen Elementen heraus. Je nach Gefühlslage dominieren die entsprechenden Grundfarben. Der Hintergrund und die Charaktere werden mit groben Pinselstrichen umspielt, die schwarzen Konturen geben den Figuren ihre Gestalt. Die Illustrationen animieren zum Nachmachen und lassen sich wunderbar im Kunstunterricht bereits mit den Kleinen sehr gut imitieren.

Thematisch erinnert mich das Buch sehr stark an das englischsprachige Buch „Monkey Puzzle„, in dem es auch darum geht die Mutter des kleinen Äffchen zu finden. Die Parallelen sind verblüffend.

Eine einfühlsame Geschichte über die verzweifelte Suche nach der Mutter.

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Ursula Salbert – Das Kinderyoga Spielebuch

Ursula Salbert möchte mit diesem Buch, nach eigener Angabe, „einen Beitrag zur Akzeptanz dieser wertvollen Methode leisten und sie als Möglichkeit zur Erhöhung der Lebensqualität der Kinder ins öffentliche Bewusstsein rücken“ (S. 8).

In diesem Praxis-Buch wurden 48 Kinderyoga-Übungen zusammengtragen.  Die Identifikationsfiguren Maus und Biene bilden die Hauptfiguren der Vorlesegeschichten. Sie verkörpern unterschiedliche Charaktere und reisen getrennt von einander nach Indien. Dort lernen sie die unterschiedlichsten Tiere und Pflanzen kennen und erlernen von ihnen auf abenteuerliche Art und Weise Yoga. Den Vorlesegeschichten folgen Spielgeschichten, hier haben Kinder die Gelegenheit in die Rolle der jeweiligen Hauptfigur zu schlüpfen und selbst Yoga- und Atemübungen durchzuführen. Die abschließende Traumgeschichte bietet die Möglichkeit alle Vorstellungsbilder und Empfindungen in Ruhe zu verinnerlichen.

Den Übungen vorangestellt sind wertvolle pädagogische Informationen über Kinderyoga, Hinweise zur Planung und Durchführung und Konzentrations- und Meditationsübungen. Eine sehr nützliche Beilage, ein Plakat mit 48 Bildkarten mit Yoga-Übungen aus den Spielgeschichten, rundet das Angebot ab.

Durch die ständige Reizüberflutung unserer Kinder und der mangelnden Zeit diese zu verarbeiten, werden immer mehr Kinder stressgeplagter. Der wachsende Zeit- und Leistungsdruck tut sein Übriges. So fehlt vielen Kindern die Zeit zum fantasievollen Spiel im Freien und die Möglichkeit sich selbst und ihre Umwelt ausgiebig zu erspüren, zu erleben, zu begreifen, zu experimentieren und auszuprobieren. Dieses Buch baut auf diesem Problem auf und möchte das spielerische Lernen mit dem Wechsel von Bewegung und Ruhe in den Vordergrund rücken.

Dieses sehr durchdachte Praxisbuch ist sehr schön nach 14 aufeinander aufbauenden Yoga-Spielgeschichten mit Übungsangaben und Traumgeschichten konzipiert. Neben der eigentlichen Spielgeschichte werden die jeweiligen Bewegungen herausgehoben und mithilfe eines Bildes noch einmal verdeutlicht. So weiß die Lehrkraft ganz genau, welche Bewegung zu welchem Textabschnitt durchgeführt werden soll.

Die 48 Yoga Übungen, die noch einmal getrennt von den Spielgeschichten mit Maus und Biene vorgestellt werden, werden nach dem Dreischritt (Vorstellungsbild, Übungsverlauf und Übungsziele) strukturiert. Im Vorstellungsbild wird eine Situation beschrieben nach der gehandelt werden soll. In der Kategorie Atemübung ist ein wehender Wind, der die Wolken, Blätter und Zweige wegpustet, als eine Art Sinnbild der Übung zu sehen. Natürlich können hierbei auch tatsächlich Blätter eingesetzt werden, um das Ausatmen sinnhafter zu gestalten. Die Übungsziele führen der Lehrkraft vor Augen welche Absicht die jeweilige Übung hat (z.B. Entschlackt den Körper, Stärkt das Lungengewebe, Fördert die Durchblutung, Hilft mental loszulassen etc.).

Dieses Kinderyoga-Spielebuch würde sich besonders gut für die Nachmittagsbetreuung eignen, sei es für eine AG oder den Ganztag. Die jeweiligen Stundenbilder sind durchdacht und so aufbereitet, dass sie gleich eingesetzt werden können. Ich würde mir persönlich zumindest für die Traumgeschichten eine CD mit schöner Entspannungsmusik wünschen. Vielleicht könnte hier die Geschichte sogar drauf gesprochen werden.

Ein praxisnahes Kinderyoga-Spielebuch, das viel Hintergrundwissen bietet und für Laien auf diesem Gebiet eine tolle Möglichkeit darstellt mit Kindern Yoga spielerisch zu praktizieren.

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Tad Hills – So ein Superküken

Flip und Flop sind die besten Freunde und lieben es Schmetterlinge zu beobachten, dem Fluss zu lauschen, die Blumen zu riechen oder das warme Lüftchen zu genießen. Doch eines Tages taucht Kiki auf, eine alte Angeberin, die alles besser kann. Sie kann am längsten die Luft anhalten und auf dem Kopf stehen, am schnellsten auf einem Bein hüpfen und am geschicktesten Baumstämme balancieren. Flip ist von der neuen Freundin begeistert. Doch Flop möchte mit seinem Freund lieber alleine sein, denn dieser Wettbewerb geht ihm ganz schön auf den Keks. Wie kann er bloß seinen Freund für eine Weile wieder für sich gewinnen? Ein Plan muss her!

Es ist das Spiel mit der Freundschaft, der Umgang mit Prahlerei, Eifersucht und dem Wettbewerb, was der Autor hier gekonnt anspricht. Die Dialoge der drei Freunde sind sehr authentisch, genauso höre ich sie tagtäglich auch auf dem Schulhof. Die Handlungen sind ebenfalls sehr kindgetreu und aus dem Kinderalltag entnommen. Die Küken messen ihre Kräfte, Ausdauer und Geschicklichkeit. Doch einer ist dabei immer der Beste, das Superküken, Kiki. Flop muss dagegen mit seinen Niederlagen kämpfen und entschließt sich lieber zurückzuziehen und sich dem Wettbewerb nicht mehr zu stellen. Er ist ein ruhiges Küken und bevorzugt Tätigkeiten, bei denen es keinen Gewinner oder Verlierer gibt. Und damit der neue Freund nicht zwischen Flop und Flip steht, entwickeln die beiden einen fabelhaften Plan, der Kiki für eine Zeit lang aus dem Rennen schickt.

Das Ende ist sehr überraschend und das „Problem“ auf eine sehr witzige Art und Weise  gelöst. Sie packen Kiki in ihrer Stärke und locken sie damit in eine für die beiden Freunde mehr als verdiente „Ruhepause“. Die Darstellung des Umgangs mit Angeberei und dem Wettbewerb ist sehr gelungen und bietet wundervolle Lösungsvorschläge, die bereits sehr jungen Kindern einleuchtend erscheinen. Das Bilderbuch eignet sich besonders gut für eine szenische Umsetzung, in der die Gefühle der drei Freunde sehr schön herausgestellt werden können. Auch Standbilder können hier die jeweilige Situation und Stimmung gut verdeutlichen.

Die Illustrationen sind sehr gemächlich, klar, farbintensiv und mit wenigen Details bestückt. Sie heben die Verspieltheit der Freunde und die Liebenswürdigkeit der Charaktere besonders gut hervor.

Ein wunderschön illustriertes Bilderbuch über Freundschaft, Eifersucht, Angeberei und dem Wettbewerb untereinander.

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Heinz Janisch und Helga Bansch – Ich kann alles!

Der kleine Dachs, Frenki, ist ein richtiges Stehaufmännchen. Er traut sich alles zu und versucht es voller Zuversicht immer wieder aufs Neue, gleich dem Motto „Ich kann alles!“. Er glaubt, dass er fliegen lernen und über das Wasser gehen  kann. Doch immer wieder fällt er auf die Nase und die gewagten Unterfangen enden in einem Fiasko. Seinem Mut und Zuversicht tut es keinen Abbruch. Frenki denkt positiv und stellt sich neuen Herausforderungen. Dabei entdeckt er immer wieder etwas Besonderes! Ein buntes Blatt, eine glitzernde Glaskugel, ein leuchtend weißer Stein oder eben sein verschollener Freund Zack Bumm. Alle Fehlversuche bringen auch etwas Positives mit sich!

In diesem Bilderbuch geht es um die Herangehensweise an das Neue und Unbekannte. Der ungeschickte Protagonist ist stets zuversichtlich und unerschrocken. Die Fehlversuche werden als positive Erfahrungen verbucht und als etwas Schönes und Besonderes betrachtet. Die Redensart „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ steht hier definitiv im Fokus. Allerdings stört mich aus pädagogischer Sicht der fehlende Lernzuwachs. Wir sind immer danach bestrebt Kinder über ihre Erfahrungen und Taten reflektieren zu lassen. Eine Kunst, die in diesem Buch vernachlässigt wird. Daher bin ich  persönlich hier etwas zwiegespaltener Meinung. Einerseits ist es wichtig sich von Niederlagen nicht entmutigen zu lassen und andererseits sollten diese Erfahrungen zur Weiterentwicklung verhelfen, damit eventuelle Fehler nicht wiederholt werden.

Die Illustrationen von Helga Bansch, die 25 Jahre als Volksschullehrerin gearbeitet hat, sind ein Augenschmaus. Mit der Technik  Acryl auf Leinwand schafft sie es die Aufmerksamkeit auf das Wichtigste im Bild zu bündeln. Die Bilder wirken klar, aufgeräumt und nicht überladen.

Eine wertvolle Grundthematik, die durch eine Prise Selbstreflexion und Lernzuwachs ergänzt werden könnte.


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Leonore Geißelbrecht – Tafener – Die Früchte-Detektive

Das vierte Band zur erfolgreichen Detektive-Reihe erscheint zum Thema „Früchte“. Am Anfang steht der Apfel und am Ende die Zitrusfrucht. Hier wird die gesunde Ernährung in den Fokus gerückt und in 4 Kapiteln auf die jeweiligen Früchte eingegangen. Unter „Obstgartenfrüchte“ verbergen sich u.a. Birne, Kirsche und Quitte. Hagebutte und Holunder tauchen unter „Wilde Heckenfrüchte“ wieder auf. Doch auch  Bananen, Kiwis und Weintrauben finden unter „Früchte aus dem Süden“ Erwähnung.

Die Autorin selbst bezeichnet das Buch als „eine Fundgrube an Verwertungs-Ideen“. Das Buch animiert auch zum Beobachten, Verändern, Untersuchen, Fantasieren, Toben, Spielen und Staunen.

Als Einführung jeder Früchteart wurde ein Steckbrief verfasst, der die wichtigsten Informationen übersichtlich darstellt. In Form von Notizzetteln werden die Besonderheiten kurz aufgeführt, wie z.B. die Eigenschaften und Taktiken der Pflanze, ihre Anpassungsfähigkeit, Verwandschaft, Wirkung und Ursprung. In den Aktionen werden diese Besonderheiten mit allen Sinnen erfasst, mit kleinen Experimenten selbst entdeckt und spielerisch vertieft. Die jeweiligen Kapitel werden mit Werk- und Bastelanregungen oder einfachen Rezepten, Geschichten, Reimen und Liedern ergänzt.

Im Frühjahr erwacht die Natur zum Leben. Es verändert sich so viel, dass diese Wunder zum Forschen herausfordern. Dieser Lernfreude wird in diesem Detektiv-Buch Rechnung getragen und der Inhalt auf sehr einfache Weise dargestellt, so dass es für jeden Laien verständlich ist. Ob das Basteln einer Apfellaterne, das Züchten einer Flaschenbirne, das Vorbereiten und Nähen eines Kirschkernkissens oder die Veranstaltung einer Spuckolympiade; die Ideen sind herrlich erfrischend und leicht umsetzbar. Besonders gut gefallen mir die Bastelideen zu den jeweiligen Obstsorten. Als Kind musste ich in der Schule mit jeglichen Obst- und Gemüsesorten etwas Witziges und Kreatives basteln. Dieses Buch bietet hierzu tolle Beispiele, die alle durch bunte Zeichnungen veranschaulicht werden. So wird aus einer Birne ein Igel, aus Hagebutte ein Augenverdreher und aus einer Zitrone ein Tintenfisch.

Der sehr umfassende Umgang mit den unterschiedlichen Früchten erweitert das Wissen der Kinder und ganz nebenbei wird die Lust auf den Verzehr des gesunden Obstes angeregt. Bereits beim Durchblättern wird der Tatendrang geweckt und die Lust auf das Pflanzen und Erforschen entfacht.

 

 

Ein kreatives Praxisbuch für den Kindergarten, Ganztag oder Grundschule mit einem großen Spaßfaktor und viel Fantasie.

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