Anne Möller – Vom Leben in der Erde

Vom Leben in der Erde

 

Welche Schätze verstecken sich unter unseren Füßen? Wenn wir auf den Boden schauen, sehen wir Gras, Laub oder einfach nur Erde. Doch was befindet sich darunter?
Zahlreiche altersgerechte Sachinformationen werden hier in Bildern voller Details verpackt. Dank der Klappfenster, wird den Kindern nach und nach spannendes Wissen rund um unseren Nährboden und damit einhergehend einige geschichtliche Entwicklungen vermittelt.
In einem Querschnitt bestaunen wir einen Mäusebau mit all den gesammelten Vorräten für den Winter. Ein genauer Blick in die tieferen Schichten der Erde offenbart uns Schätze aus einer früheren Zeit, als die Dinosaurier noch lebten und die Steinzeitmenschen ihre Spuren hinterließen. Wir erfahren die wichtige Funktion eines Regenwurms zur Entstehung eines fruchtbaren Bodens, aus dem auch etwas wachsen kann. Einige Gemüsesorten werden unter die Lupe genommen und der Zauber der Natur somit bestaunt. Ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen auch die Steine. Welche wurden von Wasser geschliffen? Stammen einige auch aus einem Vulkanausbruch oder ist das einfach nur ein versteinerter Seeigel?
Dieses Sachbuch gibt einen kleinen Einstieg in die Entwicklung unserer Erde. Es spornt an genauer auf unsere Umwelt zu schauen. Die Klappen tragen zur Eigenaktivität der Kinder bei und steigern die Neugierde. Sie zwingen zum Mitdenken und Vorhersagen. Da dieses Sachbuch sicherlich viele Detailinformationen enthält, sollte es nicht in einem Schub gelesen werden. Es braucht Zeit, um die gewonnenen Erkenntnisse zu verarbeiten.
Anne Möller konzentriert sich gerne auf Tiermotive. Zahlreiche Bildbände sind bereits von ihr erschienen. Die Illustrationen bestechen durch Anschaulichkeit und bildhafte Klarheit. Als Betrachter haben wir das Gefühl mitten in der Natur zu sein und die beschriebenen Beobachtungen selbst wahrzunehmen. Dieses Sachbilderbuch weckt das Bedürfnis den Dingen in der Natur auf den Grund zu gehen und als kleiner Forscher die unsichtbaren Schätze zu ergründen.
Vom Leben in der Erde
Anschaulich, informativ, den Blick erweiternd.

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Mira Lobe und Susi Weigel – Bimbulli

Mira Lobe - Bimbulli

Annerl und Peter spielen Mutter-Vater-Kind. Für die Rolle des Kindes nähen sie kurzerhand aus einem „Fetzerl“ einen „Bimbulli“. Da dem Puppenkind ein Wagerl fehlt, wird auch dieses aus einer Knopfschachtel, Haarnadeln und zwei Knöpfen für Räder gebastelt. Beim Versteckspielen kommt das Bimbulli abhanden und erlebt nun seine eigenen Abenteuer. Nach der Begegnung mit der freundlichen Henne verspricht Bimbulli gut auf Prinz Küken aufzupassen. Doch schon bald kommt Regen auf und da beide nicht nass werden würfen, fragen sie einen Frosch, ob er ihnen nicht Unterschlupf gewähren kann. Dieser ist zuerst gar nicht so über den Besuch erfreut und als dann noch mehr Tiere Schutz suchen, reagiert er zornig. Doch die Tiere können sich schließlich auf die Gutmütigkeit des Frosches verlassen und rücken immer mehr zusammen. Doch das Wasser steigt und steigt… Werden die Freunde es sicher an Land schaffen?
Das erstmals im Jahre 1964 erschienene Bilderbuch der Erfolgsautorin Mira Lobe, die u.a. für den weltbekannten Kinderbuchklassiker „Das kleine Ich bin ich“ bekannt ist, thematisiert die Bedeutung des Zusammenhalts in einer Gemeinschaft. Die Illustratorin Susi Weigel hätte am 29. Januar 2014 ihren 100. Geburtstag gefeiert. Im Team mit Mira Lobe haben sie gemeinsam an die 40 Kinderbücher geschaffen. Die Illustrationen wechseln sich hier in ihrer Farbgebung stets ab. Neben schwarz-weiß Abbildungen tauchen auf jeder zweiten Seite farbige, großflächige Darstellungen auf.
„Bimbulli“ ist unternehmungslustig und fungiert als Wertevermittler in der Fantasiewelt von Kindern. Pädagogisch wertvoll und immer noch aktuell ist die kreative Erschaffung der Puppe aus einem Stoffstück von den Kindern. Aus einfachen Mitteln wird beispielhaft gezeigt, wie aus einem Stück Stoff und ein bisschen Watte ein Puppenkind gemacht werden kann. Passend dazu findet sich im Buch eine genaue Anleitung für das Nähen eines eigenen „Bimbulli“.
bimbulli
Durch Bimbulli wird der grantige und missmutige Frosch nett und freundlich. Diese Abenteuerreise zeigt, dass Egoismus nicht siegen kann und man es mit Gemeinschaftssinn schlussendlich weiter bringt. Man kommt nicht umhin das kleine „Etwas“ mit dem tollen Namen „Bimbulli“ ins Herz zu schließen. Das Such-Wimmelbild macht den Kindern am meisten Spaß (siehe Bild unten). Wo versteckt sich bloß das Bimbulli? Hier darf man sich in den tollen Illustrationen von Susi Weigel verlieren und die nostalgische Note genießen.
Bimbulli
Dieses Bilderbuch ist ein zeitloser Klassiker und schließt Kreativität, Fantasie, Gemeinschaftssinn und Freundschaft ein.

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Lorenz Pauli und Kathrin Schärer – Das Beste überhaupt: Meerschwein sein

Das beste überhaupt: Meerschwein sein

Miro, ein kleines Meerschweinchen, bricht zum jährlichen Wahlfest des „besten Meerschweins überhaupt“ auf. Während seine Freunde auf dem langen Weg zum Gewinnerstein ihre Talente unter Beweis stellen, fühlt sich Miro pudelwohl einfach mittendrin zu sein. Andere Meerschweinchen versuchen sich zu übertreffen und zeigen ihre Schnelligkeit, Klugheit, und ihren Mut, was Miro hin und wieder auch als schiere Dummheit abtun könnte.
Das amtierende und äußerst gelangweilte Meerschwein hört sich die Geschichten der besonderen Taten jedes Einzelnen an. Als Miro an der Reihe ist, berichtet er,  dass er nur mittendrin war und eigentlich nichts Besonderes kann. Er hat geholfen und war einfach nur dabei, mittendrin in der Gemeinschaft der Meerschweinchen.

So ganz objektiv kann ich dieses Bilderbuch nicht besprechen. Ich bin ein Fan. Ein Fan von diesem traumhaften Erfolgsduo „Pauli & Schärer“. Und das seit der Veröffentlichung des herausragenden Bilderbuchs „mutig, mutig“. Auch dieses Bilderbuch haut mich um.

Kathrin Schärer schafft es mit ihren nüchternen, nicht allzu verschnörkelten oder nahezu comicartigen Illustrationen, eine Verbindung zwischen den ernstzunehmenden Protagonisten und dem Leser zu schaffen. Die Symbiose aus erdigfarbenen Naturtönen, Collageelemente und subtilen Bleistiftzeichnungen ergibt ein stimmiges Bild, in das man sich einfach nur verlieren möchte.

Lorenz Pauli füttert das Bilderbuch mit sinnvoller Botschaft über den Wert des Mittelmaßes. Das Streben nach ganz oben wird einmal reflektiert betrachtet. Miro ist ein Gegenbeweis – ein äußerst wichtiges Bindeglied für eine funktionierende Gemeinschaft:

Er tut, was er kann. Und so gut er es kann.

Das Bilderbuch ist eine sehr erfrischende Abwechslung gegen das „Ellenbogendenken“ und „sich-in-den-Vordergrund-Drängens“. Die zur Botschaft des Buches unpassende Kürung von Miro zum „Besten überhaupt“ ist leider pädagogisch betrachtet ein bisschen ungünstig. So erscheint es am Ende doch so, als würde Miro sich über dieses Krönchen freuen und als wäre es etwas Erstrebenswertes auf dem Gewinnerstein ein ganzes Jahr lang auszuharren. Zum Glück bleibt sich Miro treu und unterstreicht sein Bestreben nach einem Leben „mittendrin“.

Auf der Abschlussseite sehen wir an die 50 Meerschweinchen in Braun-Grau-Tönen und Miro ist mittendrin. Doch wo ist er? Das ist schwer zu erraten! Alle sind zwar unterschiedlich, doch Miro können wir auch nach längerem Betrachten nicht ausmachen. Und hier kommt die beste Formulierung der bedeutsamen Botschaft dieses Bilderbuchs:

Ich weiß nicht, welches Meerschwein Miro ist. Aber Miro weiß, wer er ist.

Miro hat nach der langen Wanderung zu sich selbst gefunden. Er ist JEMAND.

Das beste überhaupt: Meerschwein sein

Mein persönliches Highlight zum Thema „Selbstfindung“ in Verbindung mit Achtsamkeit und Zusammenhalt in der Gemeinschaft.

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James Krüss und Anke Kuhl – Es war einmal ein Mann

Es war einmal ein Mann

Es war einmal ein Mann, der hatte einen Zahn.
Der Zahn, der tat ihm weh.
Da sprang er in den See.
Den namenlosen und zugleich ruhelosen Mann begleitet stets eine dunkle Wolke, die seinen Gemütszustand anzeigt. Er läuft herum, immer auf der Suche nach etwas, was er nicht zu finden scheint. Und bei allem hat er etwas auszusetzen. Der Wald ist zu dicht. Die Hölle ist zu heiß. Die Stadt ist voll Gedränge. Das Tal ist ihm zu flach.
Zum Glück findet er am Ende seinen Ruhepol, sodass statt der dunklen Wolke nun doch ein Herz über seinem Kopf schwebt. Manchmal ist das Glück doch nicht so weit wie man es zuerst vermutet.
Er änderte sich sehr und nörgelt‘ niemals mehr.

Das neuaufgelegte Bilderbuch aus dem Jahre 1967 kann noch immer mit den wunderschönen, leicht einprägsamen und rhythmischen Reimen begeistern. Die konservative und vielleicht ein bisschen nostalgische Botschaft das Glück in der eigenen Familie zu finden ist auch heute noch sehr aktuell.

Die Illustrationen von Anke Kuhl unterstützen das freche, spitzbübische Gemüt des Zeitgenossen und verdeutlichen mit einem kleinen Augenzwinkern seine Ruhelosigkeit und Unzufriedenheit. Aus jedem Abenteuer gesellt sich ein Lebewesen dem mürrischen Mann und so wird er bald von einer ganzen Polonaise begleitet, die zum Schluss auch sein nun endlich gefundenes Glück bestaunen darf.

Das Leben ist eine Reise. Dazu gehören Tiefen und Höhen. Seinen Platz in der Welt zu finden ist demnach gar nicht so einfach. Hier dürfen wir einen Mann auf seiner Reise der Selbstfindung begleiten und seine Wandlung von einem Desperado zum wahren Optimisten, der zur Ruhe gekommen ist und die innere Zufriedenheit gefunden hat, miterleben.

Es war einmal ein Mann

Die Reise des Lebens, festgehalten in wunderschönen Bildern und in gereimter Sprache. Ein tolles Geschenk auch für Erwachsene!

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Mark und Rowan Sommerset – Alles gut, Kleiner!

Alles gut, Kleiner

Zwei Krabbeltierchen leben auf unterschiedlichen Seiten eines grünen Blattes. Während das rote Krabbeltierchen  frohen Mutes in die Welt blickt, fürchtet sich das blaue Krabbeltierchen über die Grenzen des Blattes hinauszuschauen und bemitleidet sich selbst. Auch nach mehrfacher Aufforderung des roten Krabbeltierchens die Schattenseite des Blattes zu verlassen, jammert das blaue Krabbeltierchen:
Ach, ich weiß  nicht, ich weiß nicht,
ob ich das kann.
Auch die große Sehnsucht nach Sonne kann die Angst nicht dämmen und so wartet das blaue Krabbeltierchen bis die Erlösung durch für ihn nicht zu beeinflussende Begebenheiten bewirkt wird.

Ein unauffälliges, grünliches Buch im Querformat mit wundervoll ausgestanzten Einzelheiten und meisterhaften Reimen trägt eine gewichtige Botschaft. Das blaue Krabbeltierchen leidet an einer scheinbar „erlernten Hilflosigkeit“. Dieses psychologische Konzept dient der Erklärung von Depressionen und Angstzuständen. Das blaue Krabbeltierchen glaubt nicht daran etwas aus eigener Kraft bewirken oder überwinden zu können. Er kann die als unangenehm erlebten Zustände nicht abstellen, obwohl er es könnte, betrachtet vor allem aus der Sicht des roten Krabbeltierchens.

Diese beiden Krabbeltierchen könnten nicht unterschiedlicher sein. Das mutige, rot leuchtende Krabbeltierchen nimmt sein Leben in die Hand, agiert selbstbewusst und „liebt die Aussicht“. Das blaue, ängstliche, unsichere Krabbeltierchen dagegen traut sich nur wenig zu, versinkt in Selbstmitleid und schiebt die negativen Zustände seinem Schicksal zu, auf das er angeblich keinen Einfluss nehmen kann. Trotz zahlreicher Hilfsangebote seines Freundes kann er seinem Elend nicht entfliehen.

Doch Freiheit und Hoffnung sind in Sicht, auch wenn sie leider nicht von dem blauen Krabbeltierchen selbst herbeigeführt werden. Die Hoffnung bleibt, dass er zukünftig seine Ängste überwindet und seine Probleme selbst anpackt.

Alles gut, Kleiner!

„Ist das Glas halb voll oder halb leer?“ – Ein Bilderbuch für kleine Optimisten und die, die es werden möchten. Man muss sich nur trauen!

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Daniel Nassar und Julio Antonio Blasco – Wo die wilden Tiere wohnen

Wo die wilden Tiere wohnen

Lange bevor die Menschheit die größten und ausgefallensten Bauten angefertigt hat, haben die „animales architectos“, so der Originaltitel, äußerst anspruchsvolle und sehr ausgeklügelte Konstruktionen hervorgebracht. Diese ausgefallenen Wohnstätten beinhalten komplexe Funktionen, wie z.B. Temperaturregulierung, bis ins Detail ausgearbeitete Belüftungssysteme, Fallen, Köderkammern, Täuschungsbauten, mehrere Fluchtwege usw.

Die dazu verwendeten Materialien und Techniken können einfach oder unvorstellbar komplex sein. Aber alle haben die Gemeinsamkeit, dass sie speziell auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten jeder dieser Tierart angepasst sind. So scheint es, dass der Autor Daniel Nassar, der selbst als Architekt tätig ist, die Baukunst der Tiere als ein Paradigma für nachhaltiges Bauen sieht.

Jede Doppelseite stellt eines der insgesamt 14 im Buch enthaltenen Tierarten mitsamt ihrer Bauten vor. Nach einer kurzen Vorstellung des Tieres, folgt die schrittweise Beschreibung des Bauvorgangs. Das Verständnis wird mithilfe einer Zeichnung unterstützt. Hinter der Aufklappseite verbirgt sich eine Liste mit dem nötigen Baumaterial, sowie eine Kurzfassung des Bauprojekts. Jedes Tier wird vorne auf der Aufklappseite noch einmal in einer Art Steckbrief mit passenden Oberbegriffen präsentiert.

Dieses Bilderbuch sollte mit den Kindern gemeinsam gelesen werden. Es beinhaltet Beschreibungen von zum Teil sehr komplexen Vorgängen, die einer Erklärung bedürfen. Sehr schön ist die Einbindung eines Steckbriefs und der vereinfachten Skizze der Wohnstätte.  Ein netter Einfall, aber als Gesamtergebnis eigentlich überflüssig finde ich dagegen viele Kategorien beim Bauprojekt, wie z.B. die nicht ausgefüllte Schwierigkeitsstufe (wäre eigentlich ganz interessant gewesen), die Kategorie „Beinhaltend“ (?) oder auch der Massstab, mit dem Kinder eh nichts anfangen können. Hier hätte man vielleicht noch greifbarere und kindgerechtere Kategorien einbinden können.

Die Illustrationen von Julio Antonio Blasco halten sich in ihren erdigen Farbtönen eher im Hintergrund und rauben den Architekten aus dem Tierreich nicht ihren verdienten Glanz.

wo die wilden tiere wohnen

Dieses Sachbilderbuch versucht Interesse, Aufmerksamkeit und Respekt für nichtmenschliche Konstruktionen zu wecken und ein Bewusstsein für unsere eigene Architektur zu entwickeln.

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Kai Lüftner und Katja Gehrmann – Für immer

für immer

Der kleine Egon ist seiner eigenen Aussage nach ein „Zurückgebliebener“. Denn zurück bleiben die, die jemanden verloren haben. Egon hat seinen Vater verloren. Für immer. Wie lange ist für immer? Ewig!

Die Menschen um ihn herum verhalten sich auf einmal ganz komisch. Da sind die Flüsterer, die Grinser und die Sprachlosen. Egon mag sie alle nicht. Es ist eben schwer über den Tod zu sprechen. Doch Egon trägt immer ein kleines Stück von seinem Vater im Herzen. Er ist immer bei ihm. Für immer.

Dieses Buch wartet seit Monaten auf meine Rezension. Warum? Ganz einfach, weil ich fürchte der Schönheit dieses Buch mit meinen Worten nicht gerecht werden zu können.

Kai Lüftner stellt die äußerst schmerzhafte Irreversibilität des Todes in einer rührenden und poetischen Weise dar. Kinder können das Konzept des „Nie-wieder-kommens“ ab vier Jahren bereits relativ gut auf Tiere anwenden. Bezogen auf Personen gehen sie in dieser Entwicklungsphase aber noch davon aus, dass bestimmte Personengruppen wie z.B. die Eltern vom Tod ausgenommen sind. Erst ab sieben Jahren gelingt die Ausweitung auf alle Personen um einen herum. Bilderbücher stellen somit eine unschätzbare Hilfestellung in Bezug auf die Thematisierung des Phänomens Tod  dar.

„Für immer“ findet eine eigene Sprache, um das Unfassbare, Unerträgliche zu gestalten. Kai Lüftner schafft den notwendigen Raum, der zur Trauerbewältigung nötig ist, und schließt dabei Angst, Verlassenheit, aber auch Trost und die Sehnsucht nach der Zukunft mit ein. Dem dramatischen Verlust sind Ruhe und Kraft entgegengesetzt.

Durch eine kleine Rückblende sehen wir Egon im Zimmer seines kranken Vaters und können beobachten wie er dort seinen roten Drachen, der ihn durch das ganze Buch begleiten wird, baut. Sein Vater hilft ihm dabei und deutet mit einer Säge und einem Holzstiel bereits das Kreuzzeichen, seinen eigenen unvermeidlichen Tod, an.

Es gibt keine Tabletten gegen das „Für immer“.

Der Schmerz ist unendlich groß. Doch wie lange ist überhaupt „für immer“? Egon beginnt sein Zeitverständnis mit für ihn relevanten Zeitspannen zu vergleichen. Diese Seite ist für mich einfach herzzerreißend: Ein hilfesuchender kleiner Junge im endlosen Labyrinth mit der schmerzlichen Erkenntnis – Für immer ist ewig!

Die drei Gruppierungen der Menschen um Egon herum sind ebenfalls grandios realistisch dem wirklichen Leben entnommen. Die einen versuchen die Tragik mit Witzen zu überspielen, die anderen flüstern über den kleinen Egon in der Annahme er würde es nicht wahrnehmen. Die Mehrheit jedoch schweigt einfach, weil das Unfassbare auch für sie nicht wirklich greifbar ist.

Kai Lüftner findet kindgerechte tröstende Worte, verpackt in kurze Sätze, um das Unfassbare für Kinder verständlich zu bündeln. Die letzte Seite ist schließlich das i-Tüpfelchen. Hier bleibt garantiert kein Auge trocken. Doch auch das „Weinen“ gehört zur Trauerbewältigung. Und es ist ermutigend zu sehen, dass die Schnur des roten Drachens auf der letzten Seite länger wird, auch wenn das Loslassen seine Zeit brauchen wird …

Kai Lüftner Für immer

„Für immer“ findet eine eigene Sprache, um das Unfassbare und Unerträgliche zu gestalten.

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Antje Damm – Clara und Bruno

Clara und Bruno

Clara liebt ihren Hund Bruno. Gemeinsam unternehmen sie Spaziergänge zum Strand, buddeln Löcher, gehen zum Metzger und angeln Fische. Doch irgendwann frisst Bruno nichts mehr und Clara macht sich Sorgen. Schließlich weiß sie, was kommt. Sie gräbt ein letztes Mal ein Loch, ein Loch für Bruno.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Sterben und Tod“ ist schwierig, nicht zuletzt aufgrund der Unmöglichkeit der persönlichen Erfahrbarkeit, der Ungewissheit über ein Leben nach dem Tod sowie seine Unumgänglichkeit. Der Umgang mit dem Verlust eines Haustieres wird hier als Aufgabe der Hauptfigur gezeigt, denn nur aktive Trauerarbeit führt zu einer erfolgreichen Verarbeitung. Dazu gehören auch Tränen und die für immer bleibende Erinnerung.

Antje Damm zeigt einen exemplarischen Umgang mit dem Tod infolge einer Krankheit. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf einem angstfreien Zugang zu Sterben, indem es als normal, natürlich, als Teil eines Kreislaufes verdeutlicht wird.  Der eintretende Tod von Bruno wird vom Herbst begleitet und symbolisiert, da es sich um ein Naturphänomen handelt, die Vergänglichkeit. Auch die Metapher des starken Windes, das Wegfliegen, deutet den Tod an und macht es zu etwas Natürlichem.

Der sachlich-nüchterne Zugang wird durch die Darstellung des toten Fisches verstärkt, den sich Bruno schmecken lässt. Leben ist für uns alle, egal ob Mensch oder Tier, vergänglich und Teil eines natürlichen Kreislaufs. Antje Damm mutet ganz zu recht dem Kind eine unbeschönigte Konfrontation mit realen Problemen, die das Leben schreiben.

Clara und Bruno

Ein sachlich-nüchterner Zugang zum Thema Sterben und Tod.

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Tor Freeman – Olivia und die schlechte Laune

Olivia hat schlechte Laune

Die dunkle Wolke über Olivias Kopf lässt schon vermuten, dass heute einfach nicht ihr Tag ist. Sie hat schlechte Laune. Im Verlauf des Tages trifft sie ihre beste Freundin Molly. Als sie Olivia fragt, ob sie denn nicht mit Dinosauriern spielen möchte, motzt Olivia sie einfach an. Daraufhin möchte Paul Olivia ganz stolz  seinen neuen Hut präsentieren, doch sie beleidigt ihn und zieht mit mieser Miene weiter. Dieses Schicksal trifft noch drei weitere Freunde und bei allen hinterlässt die Begegnung mit Olivia ebenfalls eine dunkle Wolke über dem Kopf. Schlechte Laune ist eben ansteckend.
Wird Olivia sich von ihrer schlechten Laune befreien können? Und wie macht sie ihr Verhalten bei ihren Freunden wieder gut?

Tor Freeman zeigt in den für Olivia-Bände typischen sequenzartigen Abfolgebildern welche Auswirkungen eine Begegnung mit schlecht gelaunten Menschen haben kann. Sie hinterlässt einen faden Nachgeschmack oder eben eine dunkle Wolke, manchmal sogar versehen mit einem Blitz. Olivia ist zu ihren Freunden gemein, unfair, mies und motzig. Solchen Menschen möchte man nicht über den Weg laufen. Und doch zeigt es ganz wunderbar, dass es richtig ungerecht ist, sich seinen Freunden gegenüber so zu verhalten.

Achtung Spoiler! (Zum Lesen bitte markieren)

Leider wird die Wendung zur guten Laune durch Süßigkeiten hervorgerufen.
Eine nicht allzu sinnvolle pädagogische Maßnahme.
Schöner wäre es gewesen eine Selbsteinsicht zu evozieren.

Positiv ist, dass Olivia diese negative Ladung schlechter Laune von ihren Freunden zurückbekommt. Hier wäre es schön zu sehen, dass dieses Erlebnis sie zum Nachdenken bringt und schließlich in einem Umdenken endet.

Olivia hat schlechte Laune

Ein nettes Geschenkbuch für so manche Menschen, die gerne schlechte Laune verbreiten. 😉

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Davide Cali und Maurizio A.C. Quarello – Kleiner Inuit

Kleiner Inuit

Die Schatten von morgen hinterlassen keine Spuren im Schnee.

Kleiner Inuit möchte unbedingt wissen, ob er eines Tages ein großer Jäger sein wird. Dafür befragt er den Hasen, denn schließlich hat er große Ohren. Der Hase kann dem Jungen keine Antwort geben und verweist ihn an den Fuchs mit der wirklich guten Spürnase. Nachdem der Fuchs, die Schneeeule und auch das Walross dem Jungen nicht sagen konnten, ob aus ihm ein großer Jäger wird, bringt ihn der Wal zu einer kleinen Insel. Hier wohnt der Weise der Zeit, ein weißer Elch, der dem Kleinen Inuit einen lebensklugen Blick in die Zukunft gewährt.

Bereits auf dem ersten Bild begegnen wir dem jungen Protagonisten und seinem Begleiter, deren Schatten ein Fragezeichen auf dem schneebedeckten Untergrund malen. Der italienische  Illustrator Maurizio Quarello schafft es mit seinen ruhigen und malerischen Winterlandschaften sowohl die Entschlossenheit als auch die Herausforderungen des Lebens, gespiegelt in den übergroßen Dimensionen eines Wals, einzufangen.

Der Blick in die Zukunft, den der weise Elch dem Jungen gewährt, zeigt zehn unterschiedliche Inuits. Und so gewinnt Kleiner Inuit die Erkenntnis, dass er selbst für seine Zukunft verantwortlich ist, gleich dem Motto „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Passend dazu sehen wir auf dem letzten Bild den kleinen Inuit, wie er mutig vier unterschiedliche Pfade im Schnee beschreitet und neugierig, aber auch selbstbewusst in seine Zukunft schaut.

Du bestimmst den Weg. Du gehst, wohin du willst.

Kleiner Inuit

Material

Ein Arbeitsblatt, das bereits im 1. Schuljahr ausgefüllt werden darf: „Das möchte ich werden, wenn ich groß bin“. Schön verpackt, ist es im vierten Schuljahr ein wunderbares Abschiedsgeschenk und gleichzeitig eine Erinnerung an die Selbstbestimmung!

Berufswunsch

Ein Loblied auf die Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit.

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