Catherine Rayner – Agathe zählt die Sterne

Agathe zählt die Sterne
Die Lieblingsbeschäftigung von der Giraffe Agathe ist das Zählen. Sie zählt die Punkte der Marienkäfer, die Blätter am Baum, die Streifen der Zebras oder auch die Punkte auf dem Gepardenfell. Sie kann damit einfach nicht aufhören. Voller Freude bringt sie auch ihren Freunden das Zählen bei und übt mit ihnen den lieben langen Tag. Doch was kann man zählen, wenn langsam die Dunkelheit einbricht?  Richtig! Die leuchtenden Sterne am Himmelszelt!
Dieses Bilderbuch ist eine reine Liebeserklärung an die Kunst des Zählens. Auch wenn Agathe einigen Widrigkeiten ausgesetzt wird, die das Zählen erschweren, wie z.B. das Verschwinden der Marienkäfer unter Blättern oder die schwindelerregende Geschwindigkeit der Zebras, bleibt ihre Freude an dieser Fertigkeit erhalten. Voller Motivation und Entdeckungslust zählt Agathe alles Mögliche um sie herum. Glücklicherweise halten die Sterne still und erleichtern der geduldigen Giraffe das Zählen.

Das dominierende Gestaltungsmittel in den Illustrationen von Catherine Rayner ist die Maltechnik mit Wasserfarben, die so unverfänglich frisch, frei und natürlich daher kommt. Die Flecken der Giraffe mit den in sich verschwimmenden Brauntönen im Einband laden definitiv zum Weiterzählen ein. Die überraschende Aufklappseite mit dem Blick in den funkelnden Sternenhimmel lässt die Kleinen staunen und weckt die Neugierde auch selbst einmal die Sterne zählen zu wollen. Die Tür zur Unendlichkeit der mathematischen Möglichkeiten wurde somit geöffnet!

Agathe zählt die Sterne
Eine reine Liebeserklärung an die Kunst des Zählens.
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Daniel Nassar und Julio Antonio Blasco – Wo die wilden Tiere wohnen

Wo die wilden Tiere wohnen

Lange bevor die Menschheit die größten und ausgefallensten Bauten angefertigt hat, haben die „animales architectos“, so der Originaltitel, äußerst anspruchsvolle und sehr ausgeklügelte Konstruktionen hervorgebracht. Diese ausgefallenen Wohnstätten beinhalten komplexe Funktionen, wie z.B. Temperaturregulierung, bis ins Detail ausgearbeitete Belüftungssysteme, Fallen, Köderkammern, Täuschungsbauten, mehrere Fluchtwege usw.

Die dazu verwendeten Materialien und Techniken können einfach oder unvorstellbar komplex sein. Aber alle haben die Gemeinsamkeit, dass sie speziell auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten jeder dieser Tierart angepasst sind. So scheint es, dass der Autor Daniel Nassar, der selbst als Architekt tätig ist, die Baukunst der Tiere als ein Paradigma für nachhaltiges Bauen sieht.

Jede Doppelseite stellt eines der insgesamt 14 im Buch enthaltenen Tierarten mitsamt ihrer Bauten vor. Nach einer kurzen Vorstellung des Tieres, folgt die schrittweise Beschreibung des Bauvorgangs. Das Verständnis wird mithilfe einer Zeichnung unterstützt. Hinter der Aufklappseite verbirgt sich eine Liste mit dem nötigen Baumaterial, sowie eine Kurzfassung des Bauprojekts. Jedes Tier wird vorne auf der Aufklappseite noch einmal in einer Art Steckbrief mit passenden Oberbegriffen präsentiert.

Dieses Bilderbuch sollte mit den Kindern gemeinsam gelesen werden. Es beinhaltet Beschreibungen von zum Teil sehr komplexen Vorgängen, die einer Erklärung bedürfen. Sehr schön ist die Einbindung eines Steckbriefs und der vereinfachten Skizze der Wohnstätte.  Ein netter Einfall, aber als Gesamtergebnis eigentlich überflüssig finde ich dagegen viele Kategorien beim Bauprojekt, wie z.B. die nicht ausgefüllte Schwierigkeitsstufe (wäre eigentlich ganz interessant gewesen), die Kategorie „Beinhaltend“ (?) oder auch der Massstab, mit dem Kinder eh nichts anfangen können. Hier hätte man vielleicht noch greifbarere und kindgerechtere Kategorien einbinden können.

Die Illustrationen von Julio Antonio Blasco halten sich in ihren erdigen Farbtönen eher im Hintergrund und rauben den Architekten aus dem Tierreich nicht ihren verdienten Glanz.

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Dieses Sachbilderbuch versucht Interesse, Aufmerksamkeit und Respekt für nichtmenschliche Konstruktionen zu wecken und ein Bewusstsein für unsere eigene Architektur zu entwickeln.

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Alex Cousseau und Philippe-Henri Turin – Der kleine Drache Theodor

Gerade als die Welt nach Weltuntergang riecht, kommt ein kleiner Drache zur Welt, der ganz anders ist, als seine Zeitgenossen. Er geht in die Drachenschule und merkt schon bald, dass er sich nicht nur äußerlich von den anderen unterscheidet, sondern auch durch seine allzu blühende Fantasie. Statt Feuer zu speien und die Heft zu verbrennen, dichtet er lieber. Auch das Fliegenlernen gestaltet sich komplizierter als gedacht und so wird er von seinen Drachenfreunden ausgelacht und ausgegrenzt. Der kleine Dichter wird zum Einzelgänger und verliert sich immer mehr in seinen Dichtungen. Die Lehrerin beginnt ebenfalls  zu verzweifeln …

In diesem Bilderbuch wird die Thematik der Andersartigkeit aufgegriffen. Der kleine Drache entwickelt sich zwar im Feuerspeien recht langsam, dafür ist er im Dichten den anderen weit voraus. Doch auch seine Zeit für das Fliegen und Feuerspucken wird kommen, dafür braucht er lediglich einen kleinen Schubs und die Unterstützung von wichtigen Freunden, die  stets einen guten Rat parat haben. Das Thema Mobbing wird ebenfalls angeschnitten und den jüngeren Kindern so beispielhaft vor Augen geführt, wie man sich fühlen kann, wenn man von seinen Mitschülern ausgelacht wird. Schließlich sollte die Erkenntnis darauf hinaus laufen, dass jeder unterschiedliche Talente und Fähigkeiten hat und nicht alle Kinder zur gleichen Zeit dasselbe können müssen. Leider fehlt die Integration des kleinen Drachen, sodass er als Einzelgänger schließlich weiter seinen Weg sucht und die Erkenntnis bei seinen Mitschülern, keinen wegen seinem Anderssein auszugrenzen und die damit verbundene Akzeptanz, nicht in Erscheinung tritt.

Ich habe dieses Bilderbuch im ebook-Format gelesen (nein, ich werde wohl nie ein Fan davon werden), bei dem die Bilder leicht verpixelt sind, sodass ich zu der sicherlich beeindruckenden Größe des ursprünglichen DIN-A3 Formats nichts sagen kann. Die Drachen erinnern mich jedoch vom Zeichenstil an die Skulpturen der balinesischen Kunst, mit all ihren farbenfrohen und detailreichen Erscheinungen.

Nicht alle können zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche lernen. Jeder braucht seine Zeit, denn wir alle haben unsere eigenen Talente, Vorlieben und besondere Fähigkeiten.

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