Michaël Escoffier und Kris Di Giacomo – Wer hat Angst vor diesem Wolf?

Wer hat Angst vor diesem Wolf

Sag mal, Häschen, kennst du eigentlich den Wolf Schubidu?
Da der Hase den Wolf ja aus vielen Märchen kennt, zeichnet er mit Tafelkreide ein Ungeheuer mit scharfen Zähnen auf die Schiefertafel. Doch der Sprecher im Hintergrund korrigiert den Hasen und weist ihn darauf hin, dass Wolf Schubidu besonders ist. Er hat nämlich kleine Öhrchen, stumpfe Zähne und eine wilde Mähne. Nach der Korrektur sieht das Ungeheuer nun gar nicht mehr nach einem Wolf aus. Genau in diesem Moment ertönt eine drohende Stimme und das Monster erscheint. Doch bevor sich der Hase überhaupt in Sicherheit bringen kann, wird er geschnappt. Puh, der Hase ist ganz schön erleichtert, als er feststellt, dass man sich vor Wolf Schubidu gar nicht fürchten muss …

Michaël Escoffier ist es gelungen durch die Hintergrundstimme eine ganz besondere Spannung aufzubauen. Der Sprecher lässt den Hasen wie eine kleine Marionette tanzen und schon bald werden Erwachsene erkennen, dass diese Hintergrundstimme die Fantasien eines kleinen Kindes wiederspiegelt. Es ist so, als würde man ein kleines Kind beim Spielen mit einem Kuscheltier beobachten.

Die sehr gelungen aufgebaute Spannungskurve wird alsbald aufgelöst und das Ende ist zum Glück so gar nicht schrecklich, wie zuerst vermutet. Dieses Bilderbuch animiert die Kinder zum Erfinden von eigenen Geschichten mit Einbindung ihrer Kuscheltiere. Nach dem Vorlesen kann ein Rate-Mal-Wettbewerb oder ein Versteckspiel angeschlossen werden.

„Ich bin der Wolf… schubidu, find dich im Nu… schubidu!“
Sehr gerne darf dabei natürlich gesungen und weitergereimt werden!
Wer hat Angst vor diesem Wolf
Ein Bilderbuch, das ganz nah an den Fantasien und der Lebenswelt der Kinder ist!

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Sonja Bougaeva – Wie Frau B. so böse wurde …

Wie Frau B. so böse wurde

Vor Frau B. fürchtet sich jeder, besonders die Kinder. Doch sie war nicht immer so böse und brummig. Als kleines Mädchen wurde sie nämlich von anderen Kindern gehänselt und verspottet.  Ihrer Mutter konnte sie ihre Sorgen nicht anvertrauen, denn sie meinte nur, dass beim Essen nicht gesprochen werden darf.  Die kleine Frau B. wurde trauriger und trauriger. Diesen Zorn konnte sie über Jahre nicht mehr loswerden.
Auf einem Spielplatz strickend, erblickt Frau B.  eines Tages ein kleines Mädchen, das Tränen in den Augen hat, weil sie zuvor von einem Jungen mit Sand überschüttet wurde. Ab diesem Zeitpunkt spürt sie etwas ganz Ungewöhnliches … denn etwas kam ihr ganz bekannt vor …
Sie ging zum Spielplatz, um dort bequemer Kinder zu hassen.

Dieses Bilderbuch lässt mit einer Rückblende in die bewegende Vergangenheit einer verbitterten alten Dame blicken. Diese schmerzliche Erfahrung hat Frau B. zu der gemacht, die sie heute ist. Durch die Tatsache, dass ihre Mutter damals für sie kein Gehör gefunden hat und sie mit ihrer Traurigkeit allein gelassen wurde, staute sich zu einem innerlichen Damm voller loderndem Zorn.

Umso erfreulicher ist es zu entdecken, wie dieser Damm durch eine Begegnung mit einem kleinen Mädchen bricht. Nach und nach und zwar ganz langsam öffnet sich Frau B. Herz und sie kann sich wieder wie ein kleines, glückliches Mädchen fühlen.

Sonja Bougaeva hat bereits viele tolle Bilderbücher illustriert, u.a. „Wanda Walfisch“ oder auch „Zu Tisch!“. Auf diesem Titelbild  präsentiert sie eine überdimensionale, bedrohend wirkende alte Frau, die miesmutig mit einem Regenschirm bewaffnet den Betrachter anstarrt. Und doch ist der Farbauswahl, der Schriftwahl und dem Zeichenstil etwas Nettes und Warmherziges zu entlocken. Der Charakter der alten Dame ist durch die Darstellung außergewöhnlich gut getroffen. Man nimmt ihr ihre grimmige Art genauso gut ab, wie ihre Wandlung zu einer doch ganz netten und freundlichen alten Dame. Die Illustrationen sind allesamt zauberhaft. Ein reiner Augenschmaus.

Die Botschaft ist nicht minder wertvoll. Hier werden ganz kindgerecht die evtl. Konsequenzen von Mobbing-Opfern dargestellt. Dieser Schmerz ist so groß, dass man ihn sogar über Jahre hinweg mit sich trägt.

Wie Frau B. so böse wurde
 Ein verbitterter Kampf um die Verarbeitung von Kindheitserfahrungen.

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Daniel Miyares – Verzeihung!

Verzeihung

Auf einer angeblichen Sandbank sitzend, genießt ein kleiner gelber Vogel seine Ruhe. Als dann weitere Tiere sich auf die Sandbank gesellen und stets „Verzeihung!“ rufen, wird es doch ganz schön eng. Bevor ein Fuchs die Tiere warnen kann, explodiert der gelbe Vogel förmlich vor Wut und verjagt die Tiere mit einem lauten „Haut endlich ab!“. Und als es wieder ganz still wird, entpuppt sich die Insel als eine gefährliche Niederlassung…
Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.

Der miesmutig dreinschauende kleine Vogel erntet, was er gesät hat. Seine Unfreundlichkeit kommt schließlich im Sinne eines Bumerangeffekts zu ihm zurück. Daniel Miyares kombiniert eine große Prise schwarzen Humors mit leuchtenden, farbenprächtigen Illustrationen. Der Text ist sehr reduziert und auf die Kernaussagen pointiert geschrieben.

Das Bilderbuch ist für Kinder ab 6 oder 7 Jahren zu empfehlen. Jüngere Kinder werden die Botschaft des Bilderbuchs wahrscheinlich noch nicht begreifen. Es sollte definitiv über einen alternativen Umgang mit den Tieren seitens des kleinen Vogels gesprochen werden. Die kleinen Zuhörer könnten sicherlich reflektieren, wie die Tiere sich gefühlt haben mögen.

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„Verzeihung!“ – darf auch sehr gerne ironisch verstanden werden.

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Dieses Bilderbuch ist ein schöner Eintieg in die Thematik "Wir benehmen uns". Daran anschließend kann "Der Benimm-Führerschein" von Bernd Wehren zum Einsatz kommen.

Soheyla Sadr – Anne und Pfirsich – oder: Wo unsere Seele zu Hause ist

Anne und Pfirsich

Anne besucht ihre Oma, die sie liebevoll Pfirsich nennt, weil ihre Haut so eine weiche, duftende und uralte Pfirsichhaut hat. Regelmäßig erzählt Oma Pfirsich Geschichten. Heute erklärt sie Anne ihren ganz eigenen „Lichtergarten“. Dies ist ein Ort an dem die Seele wohnt. Unseren inneren Garten gestalten wir selbst und entscheiden auch ob wir ins Licht oder ins Dunkel gehen wollen.
Ja, ich entscheide, ob ich mich über den warmen Sonnenschein freue oder mich lieber ärgern will, dass ich den Garten gießen muss.
Der Lichtergarten ist immer da – in dir. Dieser muss allerdings auch gepflegt und gehegt werden, um weiterhin Ruhe, Trost und Verständnis spenden zu können. Er bietet Schutz bei Unsicherheit, Angst oder Kummer. Dein Garten ist dein Wegweiser.

„Anne und Pfirsich“ ist ein philosophisches Bilderbuch und handelt von der Kunst die innere Balance und Zufriedenheit zu finden. Soheyla Sadr hat es geschafft das Ungreifbare ein bisschen sichtbarer zu machen, indem es ein Bildnis des „Lichtergartens“ erhalten hat. Oma Pfirsich fungiert als eine weise und erfahrene Person, die ihrer Enkelin bereits früh verdeutlicht, dass jeder Mensch seines Glückes Schmied ist.

Bei Kummer und Schmerz genügt es dem inneren Garten einen Besuch abzustatten. Oft ist die eigene Einstellung, die unsere Sicht auf das Leben und evtl. Schicksalsschläge bestimmt. Die Autorin hebt das positive Denken hervor und zeigt, dass es sich leichter durchs Leben schreiten lässt, wenn man stets die Sonnenseite sieht.

Die leichten, pastellfarbenen Illustrationen unterstützen das Geheimnisvolle des Lichtergartens und wirken wie ein Schleier, der einen Hauch an Magie andeutet, aber nie zu viel verrät. Schließlich lebt dieses Bilderbuch von Fantasie und der eigenen Vorstellungskraft. Die Zeichnungen umgibt eine Leichtigkeit, stets begleitet von einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen der Protagonisten. Als Leser kann man nicht anders, als sich von dieser ausgetrahlten Ruhe und Gelassenheit anstecken zu lassen.

Anne und Pfirsich
 Dieses Bilderbuch lässt die eigene Lebenseinstellung überdenken. Ein tolles Geschenkbuch für Erwachsene, die eine Aufmunterung benötigen, quasi eine Gießkanne für den inneren Garten.

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Patrick Wirbeleit – Was zur Hölle?!

Was zur Hölle

 

Jonas hat ein Auge auf Annika geworfen. Leider beachtet sie ihn nicht und jeder Versuch ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen scheitert. Ihm kommt die Idee sie mit einer Vespa zu beeindrucken. Dafür fehlt ihm jedoch Geld. Seine Eltern sind arbeitslos und Taschengeld bekommt er somit auch nicht. Ein Nebenjob soll das nötige Kleingeld liefern. Er bewirbt sich als Aschefeger in der Hölle und muss über seine höllischen Kollegen ganz schön staunen. Dieser Nebenjob ist eine Höllenarbeit. Ein Teufelskerl beißt sogar freiwillig ins Gras, nur um auf Erden wiedergeboren zu werden. Dieses sprechende Häufchen Asche verspricht Jonas zu helfen seine Angebetete zu erobern. Dafür muss Jonas ihn jedoch auf die Erde schmuggeln. Wird ihm das gelingen und welche Konsequenzen hat es für Jonas?
Dieser schräge Comic-Roman wird von den außergewöhnlich gelungenen Illustrationen von Patrick Wirbeleit getragen. Viele Botschaften und der eigentliche Witz wird durch die Bilder transportiert. Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen fangen sehr schnell die Aufmerksamkeit ein und sagen oft mehr als die ergänzenden Texte.
Inhaltlich wird in diesem Roman für Jungen ab 10 Jahre hauptsächlich die Erste Liebe und aber auch Geldnot und Arbeitslosigkeit der Eltern thematisiert. Die ernsten Themen werden jedoch unterschwellig angeschnitten und ohne Bewertung präsentiert. Die Figur des Chefs wird sehr karikaturhaft dargestellt und die miesen Arbeitsumstände werden sicherlich auch einigen Erwachsenen bekannt vorkommen. Hier wird maßlos übertrieben, mit Stereotypen gespielt und die Handlung ist einfach nur abgedreht.
Die Textmenge ist übersichtlich und daher besonders für Jungen, die zu Lesemuffeln gehören, geeignet. Comic-Romane sind gute Einstiege für Kinder, die nur schwer für das Lesen zu begeistern sind. An den teuflischen Humor muss man sich erst gewöhnen – entweder es packt einen oder eben nicht.
Was zur Hölle
Tolle Illustrationen in Kombination mit einer verrückten Story und einem teuflischen Humor.

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Claude K. Dubois – Akim rennt

Akim rennt

Akim spielt am Fluss mit seinen Freunden, als die Luft vom dumpfen Lärm und Schüssen erbebt. Er versucht Zuflucht in seinem Haus zu finden, muss jedoch feststellen, dass es zerbombt wurde und nur noch Rauch und Asche ist. Akim rennt.  Er will zu seiner Familie. In einem Unterschlupf verbringt er einige Tage, bevor Soldaten das Haus stürmen und einige Kinder mitnehmen. Akim kann flüchten. Er rennt. In einer Hilfsorganisation gibt es einen Schlafplatz und Essen. Im Lager ist Akim in Sicherheit. Die Sehnsucht nach seiner Mutter ist weiterhin groß und die schrecklichen Ereignisse der vergangenen Wochen verfolgen ihn unentwegt…

Das Bilderbuch „Akim rennt“ thematisiert die Auswirkungen eines Krieges auf Kinder und die damit verbundenen Traumata. Das Buch handelt von Flucht, Angst, Verlust und Leiden eines kleinen Jungen, der nicht begreifen kann was um ihn herum geschieht. Auf 96 Seiten werden Bleistiftskizzen präsentiert, die das Grauen, das mit dem Krieg einhergeht, so verbildlichen, dass einem ein kalter Schauer den Rücken herunterläuft.

Die Textebene wird relativ sachlich, nüchtern und kurz gehalten, während die Illustrationen die eigentlichen Akteure dieser Geschichte sind. Sie vermögen mehr zu erzählen als bloße Worte. Es ist die Angst in den Augen, die Verzweiflung in den Bewegungen, der Schrecken und die Zerstörung in der Umgebung, die Grausamkeit im Überlebenskampf und die pure Sehnsucht nach den Liebenden, die diese Geschichte trägt. Die überwiegenden Bildanteile sind grau, versehen mit harten Linienstrichen, die Chaos und Zerstörung ausdrücken. Die Menschen sind Schatten ihrer selbst.

Dieses Bilderbuch trifft explosionsartig ins Herz und schnürt einem die Kehle zu. Es steckt so viel Realität, Schmerz und Unverblümtheit in diesem Buch, dass es emotional bewegt. Es schildert ein verstörendes Abbild des Krieges und das Happy-End am Schluss scheint lediglich ein kleiner Wermutstropfen, wenn man bedenkt, dass es vielen wehrlosen Kindern dort draußen ähnlich ergeht.

Amnesty International und PRO ASYL unterstützen Dubois‘  Bilderbuch und kämpfen für das Recht auf Schutz und Asyl.

Akim rennt
„Akim rennt“ weckt Anteilnahme und schafft einen emotionalen Zugang zu den Schicksalen tausender Flüchtlinge.

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Emily Gravett – Mathildas Katze

Mathildas Katze

Mathilda liebt ihre orange-gestreifte Katze. Am liebsten spielt sie mit ihr Spiele wie Verkleiden, Kaffeekränzchen veranstalten oder einfach nur malen. Während Mathilda dabei vor Energie und Begeisterung sprüht, schläft die Katze zwischendurch oder putzt sich lieber. Mathilda beginnt sich zu fragen, ob ihre Katze diese Spiele vielleicht gar nicht mag? Doch was mag sie überhaupt?
Die Identifikation mit dem eigenen Haustier ist bei Kindern groß. Bei Mathilda ist sie so groß, dass sie sogar ein farblich auf das Fell ihrer Katze abgestimmtes Kostüm trägt. Sie sieht die Katze als ihren Freund und unternimmt Sachen, die sie selber am liebsten mag. Dies ist eine für Kinder in diesem Alter sehr typische, egozentrische Sichtweise auf die Welt. Dabei hat sie ganz vergessen die Interessen und Bedürfnisse ihres Haustieres zu beachten.
Mit auf den Hüften aufgestemmten Armen muss sie erbost feststellen, dass ihre Katze an ihren Aktivitäten gar nicht teilnimmt. Symbolisch hängt sie das Kostüm ab und erst da findet sie heraus, was ihre Katze wirklich mag! Dieses Bilderbuch ist wirklich herzerwärmend und trumpft mit großflächigen Illustrationen und wenig Text auf. Ein Augenmerk ist besonders auf die Katze zu legen, die mal erschrocken, geduldig oder einfach gelangweilt und dabei trotzdem immer liebenswürdig dreinschaut. Die Geschichte führt den Leser ganz behutsam zum Überdenken des eigenen Verhaltens.
Mathildas Katze

Material

Was  mag ich? Was mag mein Haustier? Was mögen wir beide?

Mein Haustier und ich

 

Feinfühlige Darstellung inkl. eines kleinen Stupsers zum richtigen Umgang mit Haustieren.

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Saskia Hula und Eva Muszynski – Gilberts grausiges Getier

Gilberst grausiges Getier

Gilbert ist das allererste Mal alleine zu Hause. Seine Mutter muss ganz kurz zur Apotheke und da Gilbert in ihren Augen schon groß ist, lässt sie ihn alleine zurück. In dem großen und dunklen Haus ist Gilbert ganz mulmig zumute. Hier lauern nämlich die furchterregendsten Tiere. Gilbert beschließt ganz still zu sitzen und sich nicht zu bewegen, denn so glauben die Tiere vielleicht, dass keiner im Haus ist. Blöd nur, dass er schon bald auf die Toilette muss und der Weg dorthin ist lang. Am Zielort angelangt, erwartet Gilbert eine kleine Überraschung, die seine Angst ein bisschen abschwächt und ihm Zuversicht schenkt.

In diesem Bilderbuch von Saskia Hula wird die kleinkindliche Grundangst in Bezug auf die Trennung von Bezugspersonen thematisiert.  Die Angst vor dem Verlassenwerden wird zugleich auf die Dunkelheit projiziert. Der kleine Gilbert wehrt die Angst mit Hilfe seiner Fantasie ab und erfindet somit grausame Tiere. Hier wird dem Phänomen Angst mit dunklen Räumen und einer bunten Schar von Ungeheuern aufgewartet.

Bisher kam Gilbert nicht an den Lichtschalter auf der Toilette und hat diesen Raum als bedrohlich empfunden. Durch das aufgrund der äußeren Umstände erzwungene Erfolgserlebnis, gewinnt der kleine Protagonist im Laufe der Geschichte immer mehr an Selbstvertrauen und Zuversicht. Er bringt den Mut auf die Angst vor dem Neuen und Fremden zu überwinden.

Es wäre schön gewesen einen Einblick in die Dimension der Mutter-Kind-Beziehung zu bekommen. Gilberts Angstbewältigungsstrategie in Form des imaginären Ansatzes resultiert aus dem Urbedürfnis nach Liebe und Geborgenheit. Vielleicht wäre es möglich die Angst vor Dunkelheit in Zusammenhang mit der entsprechenden Angst vor Einsamkeit zu bringen, indem am Ende der Geschichte ein Bogen zurück zur Mutter geschlagen wird.

Gilberst grausiges Getier
Eine wichtige Botschaft: Manchmal muss man sich etwas zutrauen, um Erfolgserlebnisse verzeichnen und somit wachsen zu können.

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Lemony Snicket und Jon Klassen – Dunkel

Dunkel Jon Klassen

Die Dunkelheit jagt Leo große Angst ein. Sobald die Sonne untergeht, breitet sich das „Dunkel“ im ganzen Haus aus. Es versteckt sich im Schrank, hinter dem Duschvorhang und auch unter den Treppen. Doch die meiste Zeit verbringt das Dunkel im Keller, dort wo es auf den Sonnenuntergang wartet. Eines Nachts kommt das Dunkel in Leos Zimmer, um ihm etwas zu zeigen. Mit einer Taschenlampe bewaffnet, begibt sich Leo auf den Weg in den Keller, wo er eine sonderbare Entdeckung macht …

Die Angst vor der Dunkelheit beschäftigt viele Kinder. Die Thematik hat somit einen engen Alltagsbezug und spricht viele Kinder an. Oft spielt die Fantasie den Kindern einen Streich, sobald die Augen nichts mehr sehen können. In den sehr dunkel gehaltenen Illustrationen von Jon Klassen ist diese Erfahrung des Nicht-sehen-könnens wunderbar eingefangen. Lediglich die Taschenlampe in Leos Händen beleuchtet die Umgebung, so dass das Dunkel sehr viel Raum erhält.

Leos Angst ist für den Leser schon fast spürbar. Die Wirkung wird durch die Illustrationen verstärkt. Es empfiehlt sich das Bilderbuch nicht unbedingt vor dem Zubettgehen zu lesen. Ein gemeinsames Gespräch über den Ausgang der Geschichte ist ebenfalls sehr ratsam. Schließlich wird das Dunkel zum Schluss als etwas Notwendiges und vor allem Natürliches gesehen.

Als Leo ins Bett ging, war das Dunkel nicht mehr in seinem Zimmer, außer als er die Augen zumachte, um zu schlafen.

Diese Erkenntnis ist sehr beruhigend: Das Dunkel begleitet uns täglich wenn wir einfach nur die Augen schließen.

Dunkel Jon Klassen
Ein Bilderbuch über die Angst vor der Dunkelheit und wie man sich ihr stellen kann.

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Andreas Steinhöfel und Sabine Wilharm – Glücksstadt

Glücksstadt

Lena bekommt von K. Postkarten, die sich auf eine verrückte und aufregende Reise in die Glücksstadt gemacht hat. In einer Teekanne schwebend, berichtet K. von dem einengenden Gefühl ihres Heimatorts und ihrer Sehnsucht nach Träumen. Ansatzweise wird der verrückte Posseck und sein schweres Schicksal skizziert. Bruchstückhaft schildert K.  die sonderbaren Wesen und Sinnbilder des Glücks, wie z.B. die japanische Winke-Katze, das vierblättrige Kleeblatt oder die rosigen Glücksschweine.

Doch was ist Glück überhaupt? K. kommt letztlich zu dem Entschluss, dass das Leben eine große Reise ist und die Zukunft uns grundsätzlich rosig blüht, auch wenn nichts für immer ist.

Dieses philosophische Bilderbuch ist ein Erwachsenenbuch mit vielen tiefgründigen Einsprengseln, die den Leser zum Nachdenken bringen. Als Textform wurden ausschließlich Postkartentexte berücksichtigt, sodass der Leser weder von der namenlosen Absenderin, noch von der Empfängerin nähere Informationen erhält. Es ist eine Aneinanderreihung an Briefen, die während der Reise in die Glücksstadt geschrieben werden. In dieser Entwicklung, kann der Leser eine Wandlung im Gemüt der Absenderin wahrnehmen. Von der anfänglichen Unruhe und den symbolisch ausgestreckten Fühlern, kommt recht bald die Erkenntnis: „Und ohne es zu bemerken, war ich am glücklichsten immer dann, während ich suchte.“

Die Briefe sind gespickt mit verschachtelten Sätzen, die sehr gut die innere Zerrissenheit der Protagonisten verdeutlichen. Wortneuschöpfungen wie „Dottergelbigkeit“ und die Einbindung vom anspruchsvollen Wortmaterial wie „behäbig“ oder „Quertreiber“ erschweren das Verständnis erheblich für jüngere Leser. Durch das fast vollständige Fehlen des Kontextes, ist eine breite Interpretationsebene gegeben.

Die Illustrationen von Sabine Wilharm laden in diese durcheinander gewirbelte Fantasiewelt ein. Es ist eindeutig eine chaotische Unruhe und gleichzeitig aber auch Neugierde zu erkennen. Allen Bildern wohnt jedoch ein Zauber inne, der die Symbolhaftigkeit des Glücks streichelt.

Glücksstadt
Der Inhalt der Briefe wird für Kinder schwer zu fassen sein. Der Fokus kann jedoch auf die Briefform gelegt werden. Einzelne Forscherkinder können sich auf die Suche nach innovativen und abwechslungsreichen Anredeformen und verspielten Abschlussworten machen. Das Zusammentragen wird sicherlich sehr amüsant und erweitert zugleich den Sprachschatz.
 
Ein Bilderbuch für Erwachsene, die sich näher mit dem Thema Glück beschäftigen wollen.

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