Jodi Moore und Howard McWilliam – Das war ich nicht – das war der Drache!

Wenn du eine tolle Sandburg baust, zieht ganz sicher ein Drache ein …

Ein kleiner Junge befindet sich mit seiner gesamten Familie im Strandurlaub. Und was gibt es da Schöneres, als Sandburgen zu bauen? Und da seine Burg besonders gut gelungen ist, bekommt sie schon bald einen neuen Bewohner: einen roten und äußerst lustigen Drachen. Zusammen spielen sie Frisbee, pusten große Seifenblasen, grillen Marshmallows, lassen Flugdrachen steigen und vieles mehr. Der Drache ist albern und steckt  voller neuer spannender Ideen. Doch keiner glaubt Leon, dass es den Drachen wirklich gibt. Als belegte Brote verschwinden und Fingerabdrücke auf dem Schokoladenkuchen entdeckt werden, glaube alle, dass der kleine Junge der Schlawiner ist. Irgendwann hat auch Leon genug und schwört sich nie wieder eine Sandburg zu bauen … na ja zumindest nicht bis morgen …

Nach „Ich brauche mein Monster“ beglückt uns Howard McWilliam mit einem neuen Bilderbuch. Auch hier sind die Bilder farbenfroh, detailreich und die Figuren wirken schon fast lebendig. Die temporeichen Illustrationen vermitteln schon beinahe den Eindruck, als würde würde sich ein Cartoon anschauen und nicht in einem Buch blättern!

Der unsichtbare Freund, mit dem man jede Menge Spaß haben kann, steht im Mittelpunkt dieser Geschichte. Der Drache ist ein toller Ferienbegleiter, vor allem in einer Gegend, in der man vielleicht keine anderen Kinder kennt. So verliert sich der kleine Leon in einer Phantasiewelt, die so einen Tag am Strand zu etwas ganz Besonderem macht.

Dem aufmerksamen Betrachter wird natürlich schon bald auffallen, dass alles was der kleine Junge dem Drachen in die Schuhe schiebt von anderen Personen und gar von ihm persönlich bewerkstelligt wird. Etwa wenn der Drache die bösen Jungen verjagt, die seine Sandburg zerstören wollten, erkennt man im Hintergrund seinen Vater mit einer drohenden Geste mit der Grillzange. Und wer tatsächlich an dem Schokoladenkuchen geknabbert hat, liegt selbstverständlich auf der Hand …

Außerdem bietet dieses Buch eine Vielzahl an wunderbaren Ideen zur Beschäftigung der Kinder an einem sonnigen Tag am Strand.

Mit diesem Bilderbuch steigt definitiv die Vorfreude auf einen Strandurlaub!

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Jessica Meserve – Klein!

Die Kleine hat ein Problem: Sie steht im Schatten ihrer großen Schwester. Die große Schwester kann alles viel besser. Sie springt viel weiter, läuft viel schneller und bekommt die schönsten Geschenke. Die jüngere Schwester fühlt sich dagegen ganz klein und beschließt sich an ihrer großen Schwester zu rächen. Doch dadurch geht es ihr nur noch jämmerlicher zumute…

Die jüngeren Geschwister haben es manchmal ganz schön schwer! Sie stehen im Schatten ihrer älteren Geschwister und müssen sich erst beweisen und eigene Stärken entdecken. Jeder hat seine ganz eigenen Fähigkeiten und Begabungen, die man zunächst herausfinden muss. Der Thematik zur Findung des eigenen Ichs und der Loslösung von dem Vergleich mit den Geschwistern und der damit verbundenen Rivalität wird in diesem Bilderbuch Rechnung getragen. Und so wird die kleine Protagonisten zunächst immer im großen Schatten ihrer Schwester dargestellt. Der Schatten folgt ihr immer und überallhin. Bis … nun ja … sie auch ihrer Stärke bewusst wird. Nach diesem Ereignis hat jede der beiden Mädchen ihren eigenen ebenbürtigen Schatten. Die fabelhaften Illustrationen zeichnen diese Unsicherheit und Angst des kleinen Mädchens ganz wunderbar. Thematisch werden sich ganz viele junge oder auch ältere Geschisterkinder mit diesem Buch identifizieren können. Wem erging es in einigen Situationen nicht so ähnlich?

Geschwisterrivalität und Selbstfindung in grandiose Illustrationen eingebettet.

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Sylvia Weve – Wie das Huhn beinahe vergaß, dass es ein Ei gelegt hatte

Henni, die Henne, legt ihr erstes Ei! Sie ist auf das Ergebnis so stolz, dass sie es unbedingt dem Hahn erzählen möchte. Ganz aufgeregt läuft sie los und bittet das Ferkel so lange auf ihr Ei aufzupassen. Also brütet das Schwein nun das Ei vorsichtig aus. Doch als es anfängt zu regnen, entschließt sich das Schwein sich selbst ins Trockene zu bringen und bittet wiederum die Frau Schaf das Ei zu schützen. Als es spät wird, verabschiedet sich das Schaf und der neue Schützling ist nun eine Schnecke, die ihr Haus zum Ausbrüten hergibt. Doch wo bleibt bloß die Henne? Das frisch geschlüpfte Küken freut sich auf seine Mutter und staunt nicht schlecht eine Schnecke vor sich zu haben. Jetzt liegt es an den Freunden die Mutter des frisch geschlüpften Kükens zu finden…

Sylvia Weve spielt auf die sehr einzigartige Verbindung zwischen Mutter und Kind an. Das Verantwortungsgefühl der Nebencharaktere und vor allem der Henne wird kritisch angeschnitten und doch die anfängliche Hilfbereitschaft der Bauernhoftiere positiv herausgehoben. Das Ei wird von einem Tier zum nächsten gereicht und kann kein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln, da es sich ständig fragt wie die Mutter wohl aussehen könnte. Von Tier zu Tier und der damit verbundenen Enttäuschung, wächst die Frustration des kleinen Küken. Es scheint immer kleiner und verlorener in der großen Welt zu wirken. Adoption ist in vielen Familien Wirklichkeit und genauso wie das Küken fangen viele Kinder an sich irgendwann mit den Eltern zu vergleichen und stellen immer mehr Fragen. Für das Kind auf dem Selbstfindungsweg gehört das Wissen um die Erzeuger immer dazu.

Unterschwellig wird die Problematik der noch nicht vorhandenen Bindung zum Ungeborenen angeschnitten, die jedoch beim ersten Körperkontakt verfliegt. Beim Anblick des Küken werden die Muttergefühle der Henne so richtig wach und sie ruft stolz aus: „Du gehörst zu mir!“.

Dieses Bilderbuch sticht besonders durch die einzigartigen und sehr vereinfachten stilistischen Elementen heraus. Je nach Gefühlslage dominieren die entsprechenden Grundfarben. Der Hintergrund und die Charaktere werden mit groben Pinselstrichen umspielt, die schwarzen Konturen geben den Figuren ihre Gestalt. Die Illustrationen animieren zum Nachmachen und lassen sich wunderbar im Kunstunterricht bereits mit den Kleinen sehr gut imitieren.

Thematisch erinnert mich das Buch sehr stark an das englischsprachige Buch „Monkey Puzzle„, in dem es auch darum geht die Mutter des kleinen Äffchen zu finden. Die Parallelen sind verblüffend.

Eine einfühlsame Geschichte über die verzweifelte Suche nach der Mutter.

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Heinz Janisch und Helga Bansch – Ich kann alles!

Der kleine Dachs, Frenki, ist ein richtiges Stehaufmännchen. Er traut sich alles zu und versucht es voller Zuversicht immer wieder aufs Neue, gleich dem Motto „Ich kann alles!“. Er glaubt, dass er fliegen lernen und über das Wasser gehen  kann. Doch immer wieder fällt er auf die Nase und die gewagten Unterfangen enden in einem Fiasko. Seinem Mut und Zuversicht tut es keinen Abbruch. Frenki denkt positiv und stellt sich neuen Herausforderungen. Dabei entdeckt er immer wieder etwas Besonderes! Ein buntes Blatt, eine glitzernde Glaskugel, ein leuchtend weißer Stein oder eben sein verschollener Freund Zack Bumm. Alle Fehlversuche bringen auch etwas Positives mit sich!

In diesem Bilderbuch geht es um die Herangehensweise an das Neue und Unbekannte. Der ungeschickte Protagonist ist stets zuversichtlich und unerschrocken. Die Fehlversuche werden als positive Erfahrungen verbucht und als etwas Schönes und Besonderes betrachtet. Die Redensart „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ steht hier definitiv im Fokus. Allerdings stört mich aus pädagogischer Sicht der fehlende Lernzuwachs. Wir sind immer danach bestrebt Kinder über ihre Erfahrungen und Taten reflektieren zu lassen. Eine Kunst, die in diesem Buch vernachlässigt wird. Daher bin ich  persönlich hier etwas zwiegespaltener Meinung. Einerseits ist es wichtig sich von Niederlagen nicht entmutigen zu lassen und andererseits sollten diese Erfahrungen zur Weiterentwicklung verhelfen, damit eventuelle Fehler nicht wiederholt werden.

Die Illustrationen von Helga Bansch, die 25 Jahre als Volksschullehrerin gearbeitet hat, sind ein Augenschmaus. Mit der Technik  Acryl auf Leinwand schafft sie es die Aufmerksamkeit auf das Wichtigste im Bild zu bündeln. Die Bilder wirken klar, aufgeräumt und nicht überladen.

Eine wertvolle Grundthematik, die durch eine Prise Selbstreflexion und Lernzuwachs ergänzt werden könnte.


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Mark Sperring und Günther Jakobs – Das Sonnenblumenschwert

Der kleine Ritter würde nur allzu gerne ein richtiger Ritter sein und gegen Drachen kämpfen. Dafür braucht er natürlich ein richtiges Schwert. Aber seine Mutter erlaubt es nicht. Statt einem richtigen Schwert schenkt sie ihm eine Sonnenblume. Mit dieser Blume, die er so schwingt wie ein richtiges Schwert, macht er sich auf den Weg zum Drachenberg. Oben angekommen trifft er tatsächlich einen gefährlichen und kampfbereiten Drachen. Von der Sonnenblume ganz überrascht und gerührt, nimmt die Geschichte eine erfreuliche Wendung …

Das herzerwärmende Bilderbuch richtet den Blick auf einen zunächst kampfverherrlichenden jungen Ritter, der jedoch bald erkennt, dass Freundschaft viel mehr zählt als Feindschaft. Dabei spielt die besorgte und fürsorgliche Mutter eine wichtige Rolle in seiner Wandlung. Sie erkennt die Nachteile der Kampfeslust und hat einen genialen Einfall, der den Jungen in die Arme eines Drachen treibt. Manchmal ist es wichtig einen ersten Schritt gegenüber seinen vermeintlichen Feinden zu machen. Oft entpuppen sie sich  als wertvolle Entwicklungshelfer.

Die Thematik und die sehr farbenfrohen Illustrationen sind ein Magnet für kleine Jungen. Dieses Buch war  in der freien Lesezeit im Dauerbetrieb 🙂

Ein Bilderbuch für kämpferische Jungen und friedliebende Mütter.

 


Adolfo Serra – Rotkäppchen

Rotkäppchen macht sich auf den Weg durch den dunklen Wald zu ihrer Großmutter. Als Proviant hat sie ihr Kuchen und Wein eingepackt. Der Weg entpuppt sich jedoch so gefährlich und düster wie noch nie, denn ein böser Wolf ist hinter dem Mädchen her. Er hat sie fest im Blick, spürt sie auf, windet und dreht sich und versucht sie wie einen unschuldig, zartroten Schmetterling zu schnappen… wird sie ihm doch entfliehen können?

Ich musste diese Rezension meiner SUB-Liste vorziehen, weil es mich von der ersten Sekunde an in seinen Bann gezogen hat und ich es alsbald vorstellen wollte. Ich habe mich in jede Seite dieses Bilderbuchs ohne Worte verliebt. Es erzählt das altbekannte Märchen in einer neuen Interpretation und auf eine wahrhaftig peotische Art und Weise. Adolfo Serra zieht eine Parallele vom Rotkäppchen zum roten Schmetterling, das unschuldig und leichtfüssig zur Großmutter unterwegs ist. Der Wolf  wird mit negativen Eigenschaften eindrucksvoll kontrastiert. Er lauert überall, symbolisiert durch den haarigen und struppigen Fellrücken, als Zahnstufen, die das Rotkäppchen erst erklimmen muss und letztlich auch als traumhafte Fata Morgana im Haar des Mädchens (s.Bild unten).

Die Perspektiven und Größenverhältnisse nehmen einen sofort ein. Die Illustrationen beschränken sich auf die drei Farben schwarz, weiß und rot. Es wirkt alles so rein, rätselhaft und einfach zauberhaft. Dieses Buch braucht keine Worte, weil die Bilder so unglaublich viel zu erzählen haben und vor allem Platz für Interpretationen lassen. Es konzentriert sich nicht lediglich auf Beschreibungen, sondern fordert in der Tat Deutungen der Bilder. Das ist für mich der Unterschied zwischen gewöhnlichen Bilderbüchern ohne Worte und großartigen, wie das vorliegende.

Natürlich hat das Buch ein Happy End und auf der letzten Seite schaut das Mädchen den Leser mit einem Blick an, als würde sie sich für diese wunderbare Reise in diese außergewöhnlich märchenhafte Welt bedanken wollen. Adolfo Serra, ich würde mich über ein Wiedersehen freuen und mich erneut in Ihren Illustrationen verlieren wollen!

Dieses Buch bleibt für ewig in meinem Bücherregal. Ich gebe es nie wieder her!

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Katie Cleminson – Otto, der Bücherbär

Otto ist kein normaler Bär, er ist ein Bücherbär und wohnt somit im Buch. Doch wenn niemand hinsieht, wird Otto lebendig und begibt sich regelmäßig auf Entdeckungsreisen. Als jedoch eines Tages seine Familie wegzieht und das Buch in Umzugskisten im leeren Haus stehen lässt, ist Otto zunächst sehr traurig und da er nicht alleine sein möchte, macht er sich einen Plan. Er packt seine Tasche und macht sich auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Doch das Leben in der Großstadt gefällt Otto so gar nicht, nun ja bis er … ein großes und helles Haus entdeckt …

In diesem Bilderbuch geht es um die Liebe zu Büchern. Aus der Sicht des Helden eines Bilderbuchs wird verdeutlicht, dass Bücher in der Tat ein Eigenleben führen können. Denn in ihnen stecken so viele spannende Geschichten und aufregende Figuren, dass sie zum Leben erweckt werden wollen. Diese Bücher möchten gelesen werden und kein trostloses Leben im Regal führen. Ganz auf der Fantasieebene von kleinen Kindern, spinnt die Autorin die Geschichte um Otto und lässt ihn nachts aus dem Buch herausschlüpfen, um die Welt zu erkunden. Beim Lesen werden die Charaktere im Kopf des Lesers lebendig und dieses Bilderbuch unterstreicht dieses Phänomen auf sehr kindgerechte Art und Weise.

Die Zeichnungen sind von sehr starken und dunklen Konturen geprägt, die Farben wurden eher dezent eingesetzt und bilden einen starken Kontrast zu den Umrandungen. Der Bücherbär wirkt dagegen von der ersten Sekunde an sehr symphatisch und äußerst freundlich. Besonders gut hat mir der Vergleich des Vorsatzpapiers am Anfang und am Ende des Buches gefallen. Am Anfang ist ein Bücherregal abgebildet, mit einer Vielzahl aneinander gereihten Büchern, am Ende sieht man die gleichen Bücher, jedoch diesmal mit all ihren lebendigen Helden, die um die Bücher platziert wurden und sich größtenteils ebenfalls der Beschäftigung des Lesens widmen.

Die gewichtige Botschaft ist daher: Bücher wollen gelesen werden, also nichts wie ran!

Ein Buch, das in keiner Bücherei fehlen darf.

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Hélène Kérillis und Stéphane Girel – A bird in winter

Das Bilderbuch greift das Leben im 17. Jahrhundert auf und porträtiert das kleine Mädchen Mayken und ihren Alltag. Die Achtjährige arbeitet ganztägig im Gasthof ihrer Mutter und freut sich daher umso mehr auf die Sonntage. Denn dann kann sie endlich  auf dem zugefrorenen See Schlittschuhlaufen. Als sie jedoch eines Tages sich zurück auf den Heimweg macht, endeckt sie auf dem Nachhauseweg einen verletzten Vogel, der nicht mehr fliegen kann. Sie nimmt ihn in ihre Obhut und versucht ihn heimlich gesund zu pflegen. Als allerdings im Dorf ein Feuer ausbricht, scheint der kleine, hilfsbedürftige Vogel in Gefahr … wird Mayken ihn noch retten können?

Angelehnt an das Gemälde „The Hunters in the Snow“ von Pieter Bruegel, stellt auch dieses Bilderbuch das einfache Leben in einem Dorf vom 17. Jahrhundert dar. Die Protagonisten wird von der Autorin, die selbst auch als Lehrerin arbeitete, als verträumt und äußerst hilfsbereit abgebildet. Sie muss täglich mehrere Stunden hart arbeiten und hat nur wenig Freizeit. Da träumt sie von der besonderen Fähigkeit des Fliegens und wünscht sich nichts sehnlicher als dies auch tun zu können und dadurch  womöglich ihrem Leben zu enfliehen. Diesen Wunsch kann sie durch den von ihr gesund gepflegten Vogel verwirklichen.

Die Zeichnungen sind eine Augenweide! Die Doppelseite, als Mayken den kranken Vogel entdeckt, könnte ich ewig betrachten. Der Illustrator wurde bereits zweimal mit dem fanzösischen Bilderbuchpreis „Prix Sorcières” ausgezeichnet und schafft es die Angst und Einsamkeit Maykens ganz wunderbar in seinen Bildern einzufangen. Es sind die Farben, die Schatten und die Perspektiven, die eine besondere Stimmung aufbauen und einen guten Eindruck von der damaligen Lebensweise vermitteln.

Die Thematik der Hilfsbereitschaft steht in diesem Bilderbuch im Fokus. Aber auch die Darstellung des sich von heute sehr unterscheidenenden Kinderalltag gelingt ausgezeichnet. Es ist ein ruhiges Buch, ohne viel Aufruhr, dafür mit einer großen Prise Verträumtheit.

Die englische Version dürfte mit viel Mimik und Gestik und in einer vereinfachten sprachlichen Darstellung durchaus für Kinder ab 9 Jahre verständlich sein. Die Originalversion dürfte von Kindern ab 11 Jahren zu bewältigen sein, u.a. auch zur Thematik Kindheit im Wandel. Unter „Ein Vogel im Schnee“ gibt es das Buch auch auf deutsch zu finden.

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Silke Leffler – Abends, wenn wir schlafen geh’n

Abends, wenn wir schlafen gehen, begeben wir uns gemeinsam mit der Träumefee auf eine traumhafte Reise. Dabei helfen ihr die vielen Träumeelfen, die uns durch schreckliche und aber auch schöne Traumerlebnisse begleiten. Im Traum reist man an fremde Orte, kämpft mit Löwen, spielt womöglich auf einer Blumenwiese und stets sind da die Träumelefen, die über einem schützend wachen.

Das mit Collagen-Technik gestaltete Bilderbuch eröffnet dem kleinen Leser bzw. Zuhörer die Traumwelt. Die meisten Eltern nehmen sich für das Vorlesen am Abend, vor dem Einschlafen ihres Nachwuchses, Zeit.  Dieses Bilderbuch  spricht auf kindgerechte Weise die Wunder des Träumens an. Träumen ist nämlich universal, denn dieses Stichwort prangt auf dem Koffer der Träumefee und verdeutlicht, dass Kinder im Traum ihre Erlebnisse verarbeiten. Träumeelfen lassen einen immerhin „sonderbar die Welt entdecken“. Dabei werden keineswegs die Albträume ausgeschlossen. Hässliche Kreaturen, die für empfindliche und sensible Kinder vor dem Einschlafen evtl. zu viel sein könnten, symbolisieren das Phänomen der Albträume, die auch bei Kleinkindern auftreten. Doch auch die positive und faszinierende Seite des Träumens wird unterstrichen. Im Traum kann man nämlich in fremde Welten reisen und z.B. das spektakuläre Gefühl des Fliegens spürbar erfahren. Pädagogisch wertvoll ist die Tatsache, dass das Buch mit dem Ausblick der beschützenden und bewachenden Tätigkeit der Träumeelfen endet und die Kinder in voller Zuversicht zurücklässt.

Als weiteres Schmankerl ist die Gestaltung des Bilderbuchs in Reimform zu erwähnen. Ein Zwei-, Drei- oder Vierzeiler fasst die abgedruckten Vorgänge kurz und prägnant zusammen. Das Buch endet mit einem unvollendeten Satz, der womöglich zum Weiterdichten einladen soll.

Das spektakuläre Phänomen des Träumens auf kindgerechte Weise erklärt.

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Ingrid & Dieter Schubert – Der rote Regenschirm

Die beiden Freunde, die kleine Katze und der schwarze Hund, werden durch einen Sturm voneinander getrennt. Der neugierige Hund tastet sich an den roten Regenschirm heran und wird glatt mit dem sturmigen Wind hoch in die Luft gerissen. Nun beginnt für ihn eine abenteuerliche Reise. Er wandert gemütlich auf weichen Wolken, erfährt die Hitze in der Savannah, kämpft mit seinem Schirm gegen gefährliche Krokodile, reitet auf hohen Wellen und schwingt sich durch die Lianen im tropischen Regenwald. Doch irgendwann sind diese Abenteuer so erschöpfend, dass der Hund nur den Wunsch hat wieder zu seinem Freund zurück zu kommen…

Ein Bilderbuch ganz ohne Worte. Jede Doppelseite erzählt von den zahlreichen Abenteuern des kleinen Protagonisten. Das Buch lebt von den Bildern und die Handlung ist unkompliziert und schnell zu erfassen. Die fantastische Reise führt den neugierigen Hund durch viele wunderschöne Orte auf dieser Welt, die jedoch auch Gefahren bergen können. Die Bilder bieten durch einige Einzelheiten eine differenzierende Bandbreite an Sprachmaterial, sodass die Sprachkompetenz der kleinen Erzähler nicht nur gefördert, sondern auch gefordert werden kann. Es bietet sich ebenfalls an, die jeweiligen Abenteuer gemeinsam mit den Kindern nachzuspielen. Da wäre das Hüpfen auf den Wolken, das Wellenreiten, der Tauchgang in die Tiefen des Meeres, das Schwingen auf den Lianen und das Frieren am Nordpol. Die Kinder werden sich wunderbar in die jeweilige Situation hineinversetzten und somit ihre Fähigkeiten im gestischen und mimischen Spielen ausbauen können. Denn auch die Gefühlswelt wird angesprochen: die Trauer über den Verlust des Freundes, die Aufregung all die unbekannten Tiere zu sehen, die Furcht vor den Krokodilen, die Erschöpfung am Ende der Reise und die Wiedersehensfreude zum Schluss. Die Bandbreite ist beachtlich.

Ein kleiner Kritikpunkt ist die Titelbildgestaltung, die ganz irreführend eine Giraffe abbildet. Man könnte vermuten, dass die Giraffe eine besondere Rolle in dem Buch spielt, was jedoch nicht der Fall ist und sich somit eher als störend erweist und eventuell zu Missverständnissen führen könnte.

Ein Bilderbuch, das ganz ohne Worte auskommt, die sprachlichen Kompetenzen fördert und wunderbar für das Nachspielen eingesetzt werden kann.

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