Elise Gravel – Pilzparade

Anstelle von Lamellen hat der Pfifferling lauter kleiner Falten, wie die Gesichtsfalten deiner Großeltern.

Pilze sammeln ist wie eine von der Natur organisierte Schatzsuche. Und was es da alles zu entdecken gibt! Elise Gravel taucht in diesem Sachbilderbuch den Wald in ein modern illustriertes Gewand. Die Farbpalette gibt eine große Bandbreite an Braun- und Grüntönen, die vom Waldboden in Ocker bis hin zu dattelbraunen Baumstämmen reichen. Diese konkurrieren gekonnt mit weinroten Färbungen der Herbstblätter und dem satten Tannengrün der Nadelbäume. Die Protagonisten schauen den Leser eindringlich mit ihren weit aufgerissenen Augen an. Hier ist Leben!

Dieses ganz besondere Reich der ganz beschirmten Wesen, die weder Tiere noch Pflanzen sind, zu erkunden ist wahnsinnig spannend. Die omnipräsente Begeisterung der Autorin schwappt gleich über. Die Sachinformationen werden keineswegs trocken präsentiert und aneinander gereiht, sondern fügen sich in eine amüsante Erzählung ein. Neben der Darstellung der Bestandteile und der Bedeutung der Sporen, geht es sogleich an die verschiedenen Pilzarten, von denen es unzählige gibt. Gemeinerweise passen sie sich immer der Umwelt an und haben viele Doppelgänger, die nicht alle essbar sind und gar äußerst giftig daherkommen.

Und als wäre es nicht genug, lädt die Autorin zum Waldspaziergang, bei dem möglichst alle Sinne eingeschlossen werden sollen, ein. Wie wäre es, sich auf die Suche nach einem weißen Golfball zu machen? Wenn du Glück hast, findest du den Stäubling. Wenn man drauftritt, stößt er eine Staubwolke aus und klingt wie ein Pups. Dieser Sorte hilft das Zertreten zur Vermehrung. Grundsätzlich sollte die Natur, besonders im Wald, geachtet werden. Schließlich sind wir dort Gäste…auf Schatzsuche!

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Alexandra Helmig und Valeria Docampo – Alva und das Leuchten der Erinnerung

„Oh ja!“, ruft er. „Ich liebe Kirsch-Sahne-Torte. Die gab es jeden Sonntag bei meiner Tante Lisbeth.“ Er strahlt über beide Ohren.
„Danke, dass du mich erinnert hast.“

Alva lebt auf einer einsamen Insel und schwillt in der Vergangenheit der Menschen. Jeden Tag poliert, entstaubt, pflegt und hegt sie ihre Erinnerungen, damit sie nicht verblassen. Dabei gibt es federleichte und fröhliche Erinnerungen, wie z.B. den ersten Kuss auf dem Dachboden. Dann wiederum begegnet Alva auch schweren Schicksalen, die besonders lange an der Sonne trocknen müssen.

Doch eines Tages kommen nur noch bruchstückhafte Erinnerungen bei ihr an. Sie begibt sich erstmals in die Stadt, um dem auf den Grund zu gehen. Die Menschen hasten an ihr vorbei. Jeder steckt in seiner eigenen Gedankenblase. Die Rastlosigkeit und das Gefühl des dumpfen Druckes hallt nach. Sie haben keine Zeit für das Jetzt und sind nicht mehr in der Lage wertvolle Erinnerungen abzuspeichern.

Alexandra Helmig skizziert eine realitätsnahe und doch gleichzeitig eine schmerzhafte Parabel auf die Rastlosigkeit der modernen Zeit. Das Lebensglück im Hier und Jetzt zu fühlen und zu begreifen – daran müssen wir uns erinnern und es leben. Valeria Docampo, die schon unzählige rührende Bilderbücher illustriert hat, wie z.B. „Im Garten der Pusteblumen„, schafft es auch hier eine gewisse Melancholie einzufangen. Das Autorenteam plädiert für das bewusste Erleben der Gegenwart und zeigt auf, wie nährend und rührend Erinnerungen sein können. Erinnerungen sind eine Schatzkiste, die es sich lohnt regelmäßig zu öffnen.

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Marcus Pfister – So oder so: Einfach Pinguin sein

Man meint, dass alle Pinguine doch gleich sind, doch beim genauen Betrachten fällt auf, dass jeder Pinguin anders ist. Marc Pfister setzt in eine kühle Eislandschaft vielschichtige, farbenfrohe Figuren und haucht damit der Szenerie Leben ein. Bereits der Schriftzug des Titels integriert die Regenbogenfarben und verdeutlicht unser buntes Bild der Gesellschaft, in der Andersartigkeit als Bereicherung empfunden wird.

In der Pinguin-Kolonie ist jeder willkommen. Sie bilden in der Antarktis eine Gemeinschaft trotz all der Verschiedenheit, die dort schlummert. Da ist z.B. Luca, der mit seinem roten Schnabel aus einer anderen Kolonie zu ihnen gestoßen ist. Mit seiner fröhlichen Art bezaubert er viele Pinguine. Dann sind dort drei beste Freundinnen, die sich immer unterstützen, egal was kommen mag. Sie sind eine eingeschweißte Eisblock-Gemeinschaft. Ida dagegen ist sehr gerne für sich und verbringt viel Zeit alleine. In ihr steckt etwas, das höher und weiter und freier sein will. Und dann ist da auch Leon, der auf manche Plump und schwerfällig wirken kann, ja manchmal sogar faul. Doch eigentlich ist er hellwach und ein außergewöhnlich guter Beobachter.

Auf jeder Doppelseite werden die unterschiedlichen Charaktere vorgestellt. Hier werden Eigenschaften skizziert, die auch in einen Steckbrief hätten übertragen werden können. Es strotz nur vor Diversität und Vielfalt. Die Geschlechterrollen werden über Bord geworfen. Das Individuum steht im Fokus, genauso wie das Titelbild es bereits suggeriert.

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Olivia Hope und Daniel Egnéus – Sei wild, mein Kind!

Sei kein Faultier, bleib nicht liegen;
die Welt ist bunt, und du kannst fliegen.

Das Bilderbuch von Olivia Hope lädt zur Ungezwungenheit in Bezug auf die Lebensreise ein. Es unterstreicht, dass Kinder Kinder sein dürfen. Dazu gehört es auch zu toben, laut zu sein, mutig, frei und unerschrocken den Herausforderungen des Lebens zu begegnen. Sei wild! Mach Rabatz! Lebe das Leben in all seiner Fülle!

Denn wer mit offenem Herzen das Abenteuer sucht, wird die funkelnden Wunder entdecken, die die Welt zu bieten hat. Die Textpassagen sind kurz und geschwungen. Hier ist Bewegung auch in der Typografie zu finden. Der Protagonist reitet auf Elefanten, klettert mit den Kletteraffen, taucht in die blaue Tiefe und spürt Sonne, Sand und Wind. Er hält Stürmen stand und läuft mit den Wölfen im Schnee um die Wette. Das Leuchten der Glühwürmchen ist einer Einladung zum Tanzen gleichzusetzen. Viele ältere Menschen behaupten nur das zu bereuen, was sie nicht gemacht und sich nicht getraut haben.

Es ist ein wunderbares Geschenkbuch für alle Menschen, denen eine kleine Erinnerung gut tut, sich mehr aus der Komfortzone zu wagen und den Veränderungen des Lebens mit offenem Herzen zu begegnen. Macht euch auf den Weg! Entdeckt die Wunder unserer Welt!

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Crockett Johnson – Harold und die Zauberkreide

In dem bezaubernden Kinderbuch „Harold und seine Zauberkreide“ erweckt ein kleiner Junge durch seine Zeichnungen unterschiedliche Dinge zum Leben. Dabei haben bei ihm alle Gefühle eine gewisse Daseinsberechtigung. Er versucht nicht ihnen Einhalt zu gebieten.

Wenn er Angst hat, läuft er nicht weg. Stattdessen überlegt er sich kreative Lösungen, wie er sich aus den Situationen rettet. Aus Angst vor dem Drachen, malt er sich ein Boot als Ausflucht. Wenn er Heimweh bekommt, malt er sich ein Fenster, steigt hindurch und landet in seinem eigenen Kinderzimmer.

Das Kinderbuch ist farblich sehr reduziert gehalten, lediglich die lila Kreide führt offensichtlich ein Eigenleben. Die Linie schweben und tanzen und erschaffen Dinge und Wesen. Was er malt, ist auch wirklich da.

Die Botschaft dieses Kinderbuchs hat in Bezug auf die Selbstwirksamkeit eine wichtige Lehre. Es geht darum, in schwierigen Lebensphasen und Situationen nicht zu erstarren, sondern Entscheidungen zu treffen und weiter zu gehen. Welche Möglichkeiten und Lösungen gibt es bei Problemen? Es stärkt schon im Kindesalter die Fähigkeit der Resilienz, was die Widerstandsfähigkeit bezeichnet mit belastenden Lebensumständen umzugehen.

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JoseF Guggenmos und Heike Herold – Seifenblase, flieg!

Als ich Seifenblasen blies,
ist es mir gelungen:
Eine, die ich fliegen ließ,
ist mir nicht zersprungen.

Josef Guggenmos bescherte uns bereits das Frühlingsgedicht schlechthin mit dem Titel „Die Tulpe“. Dieses Sommergedicht rund um die schwerelose Seifenblase, eignet sich perfekt für die warmen Sommertage. Von ihr geht eine unbeschreibliche Faszination und Bewunderung aus. Seifenblasen versetzen nicht nur Kinder in Erstaunen. Schließlich ist das Spiel und Schweben in der Luft von einer unvorhergesehenen Dauer und stets mit einem Funken Spannung verbunden.

Heike Herold hat sein Gedicht „Meine Seifenblase, flieg!“ in einen Mantel ihrer ganz eigenen Bildsprache gefasst. In zarten Illustrationen begleiten wir ein Mädchen, das eine Seifenblase auf ihre Reise schickt. Sie fliegt vogelleicht über die Hausdächer der Stadt, begegnet Amseln und steigt hinauf in den Himmel. Sie ist zart, blank und wunderschön. Über grünen Wiesen schafft sie es sogar die Aufmerksamkeit von zwei sich streitenden Menschen auf sich zu ziehen. Die Magie ist allgegenwärtig.

Die Illustrationen sind genauso zart, wie es der Text suggeriert. Hin und wieder überkommt einen das Gefühl, dass die Seifenblase und die faszinierende Spiegelung in Bezug auf Format und Räumlichkeit noch mehr herausgearbeitet hätte werden können. Das regenbogenfarbige Schillern hätte noch eine würdigendere Darstellung verdient.

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Lisa Wirth – Blumen im Kopf

Das Leben steckt voller bunter Blumen und warmer Sonnenstrahlen. Manchmal regnet es, aber Blumen brauchen Wasser, damit sie wachsen können. Deshalb ist der Regen etwas Gutes.

Eines Tages steht Johanna vor dem Gartenzaun ihre Opas Günther und weint fürchterlich. Sie wurde in der Schule aufgrund ihrer roten Haare gehänselt. Opa Günther weiß mit den Jahren das Lebensglück in den kleinen Dingen zu schätzen. Manchmal muss man sich das bewusst machen, wie gut es einem doch geht. Viel zu schnell verfällt der Mensch in den Strom negativer Gedanken.

Und so bringt er Johanna bei, wie sie in ihrem inneren Garten Blumen pflanzen kann. Mit jedem guten Gedanken wächst eine Blume aus dem Kopf. Gemeinsam sammeln sie Beispiele und denken an einen Teich mit Enten, Libellen und Schmetterlingen, umgeben von prächtigen Blumenbeeten. Sie erkennen, dass Johanna dankbar sein kann, dass ein Freund heute zu ihr gestanden und sie getröstet hat. Nach Regen kommt Sonnenschein und letztlich auch der Regenbogen.

Dieses feinfühlige Bilderbuch schenkt Sensibilität für die eigenen Emotionen und zeigt, wie Selbstfürsorge aussehen kann. Es lehrt Akzeptanz für schwierige Zeiten und gibt gleichzeitig Hoffnung. Wertvolle Momente und Augenblicke möchten auch gewürdigt und wertgeschätzt werden. So wie im Garten müssen diese gepflegt und gewässert werden. Es lohnt sich, sich dafür regelmäßig die Zeit zu nehmen, denn es gibt vieles wofür man dankbar sein kann.

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Jean-Luc Englebert – Jan der kleine Maler

Jan darf als kleiner Helfer eines großen Lehrmeisters im Malatelier mithelfen. Die meiste Zeit schaut er vielmehr dem Meister zu, denn als Jüngster darf er erst später das Handwerk der Malerei erlernen, Pinsel anspitzen und Fischreste für Leim anrühren. Im Mittelalter mussten die Farbpigmente noch gemörsert und mit Leinöl angemischt werden. In seinem Zimmer experimentiert er selbst mit Farbe und zaubert eigenen Kunstwerke auf seiner Staffelei.

Eines Tages bekommt der große Lehrmeister den Auftrag ein junges Paar in kostbaren Kleidern zu malen. Die Gräfin trägt ein blaues Gewand. Blaupigmente sind allerdings besonders wertvoll und der Lehrmeister hat davon nicht genug. Kann Jan hierbei helfen und was haben Fischreste damit zu tun?

Dieses Bilderbuch thematisiert die Begeisterung für Farbtöne und zeigt die Liebe zur Kunst. Hier springt die Leidenschaft und die Anstrengungsbereitschaft des jungen Künstlers einem sofort ins Auge. Man kommt kaum umhin selbst mit Farbe zu exprimentieren und Töne anzumischen, um Zinnober, Purpur, Terrakotta und Ocker zu zaubern. Feine Schattierungen, Aufhellen oder Abdunkeln der Farben machen genauso Freude. Neugierde ist hierbei nur der Beginn!

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Helme Heine – Mini: Keine ANGST VOR GROßEN tIEREN

Die Botschaft dieses Bilderbuchs ist sowohl für Kinder als auch Erwachsene höchst aktuell und bedeutsam. Das Kind möchte in seinem Wachstum Dinge ausprobieren, entdecken, Wagemut zeigen und über den Tellerrand schauen.

So drängt es auch Mini, die kleine Maus, ihr Mauseloch zu verlassen und auf Erkundungstour zu gehen. Ihre Eltern warnen sie vor allen möglichen Gefahren, die überall lauern und würden Mini am liebsten in ein Glaskäfig stecken, der sie schützen soll. Sie zeigen sich ganz und gar als „Helikoptereltern“.

Mini lässt sich von der Sorge und dem Wunsch sie in Behutsamkeit zu wissen nicht stoppen und wagt, angetrieben von der Wissbegierde was die Welt zu bieten hat, immer neue Dinge einfallen, um sich draußen zu behaupten. Sie schnappt sich eine Kerze, denn sie weiß, dass Tiere vor Feuer Angst haben und lernt, dass der Wind die Flamme schnell auspustet. Als Nächstes malt sie sich als Biene an und wagt einen neuen Versuch. Doch der Regen wäscht die Tarnung fort. Diese „trial-and-error“-Abfolge zeigt genau, wie Lernen funktioniert. Manchmal ist es ein Ausprobieren und daraus resultierend Lernen aus den eigenen Fehlern, was einem keiner abnehmen kann.

Auch wenn es draußen durchaus gefährlich und bedrohlich werden kann, so gibt es wundersame Dinge und Menschen zu entdecken. So begegnet auch Mini Gleichgesinnte, mit denen sie nun gemeinsam weitere Abenteuer erlebt.

Helme Heine präsentiert uns in diesem Bilderbuch die Phase des Loslösens vom behüteten Elternhaus. Es geht darum „Flügge zu werden“ und nicht leichtsinnig, aber dennoch wagemutig, voller Selbstvertrauen, den Herausforderungen des Lebens zu begegnen.

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Amélie Javaux und Annick Masson

Kinder wachsen heutzutage ganz selbstverständlich mit einer Vielzahl an unterschiedlichen digitalen Medien auf. Diese bringen diverse Vorteile mit sich, dienen als Informationsquelle und erleichtern viele Lebensbereiche. Sie können aber auch problematisch werden, wenn sie sich auf den Umgang im Miteinander auswirken. Dieses Bilderbuch „Die digitale Familie“ richtet den Blick auf die Achtsamkeit in der Kommunikation. Es möchte die neuen Medien keinesfalls verteufeln, dafür mehr sensibilisieren.

Krümel ist der glücklichste Hund auf Erden. Zumindest ist er das bis Oma eines Tages die Kinder mit sämtlichen Smartphones und Tablets überhäuft. Was gut gemeint war, endet in einer Katastrophe. Die Kinder sind fortan nur noch in ihre digitalen Geräte vertieft. Sie wischen und starren in die bewegungslosen Kisten. Ihre Augen sind wie hypnotisiert. Krümel fühlt sich überflüssig und läuft weg. Diese Kehrtwende bringt die digitale Familie zum Überdenken ihres Kosumverhaltens an den Bildschirmen. Natürlich verschwinden sie nicht ganz aus ihrem Alltag. Doch sie erkennen, dass Balance wichtig ist.

Digitale Medien bergen die Gefahr in einer Parallelwelt zu verweilen. Hin und wieder ist es notwendig, aus den eingefahreren Mustern herauszutreten und zu reflektieren. Der Mensch braucht echte, reale Interaktion für ein gesundes Miteinander. Umso schöner ist es, dass im Buch am Ende Ideen, betitelt als „Glücksrezepte“, gezeigt werden, wie Familienleben neben den digitalen Medien noch genutzt werden kann. Hierzu gehört auch selbstverständlich die kraftspendende „me-time“ und Zeit in der Natur.

Fazit: Gerne öfter ausloggen und die gemeinsame quality-time genießen!

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