Achtsamkeit und unangenehme Gefühle im Bilderbuch „Der Dachs hat heute schlechte Laune!“

Achtsamkeit sich selbst und auch anderen Menschen gegenüber zu erlernen, ist kein leichtes Unterfangen. Und doch kann man schon sehr früh Kinder dafür sensibilisieren, mehr in sich hinein zu fühlen, zu spüren wie es ihnen geht und auch Wege aufzeigen, wie der Umgang mit „unangenehmen Gefühlen“ erfolgen kann.

Im Bilderbuch „Der Dachs hat heute schlechte Laune“ wird gezeigt, was passiert wenn man seine schlechte Laune an anderen auslässt und sie als „emotionalen Mülleimer“ für seine eigene Unausgeglichenheit missbraucht. Der Dachs faucht und poltert darauf los, sodass letztlich die Tiere des Waldes schlecht gelaunt sind und er merkt, dass es ihm nun wieder ganz gut geht. Glücklicherweise gelangt er zu der Erkenntnis, dass es nicht schlimm ist, schlechte Laune zu haben, sie jedoch zu verbreiten aber sehr wohl. Dieses Beispiel zeigt, wie leicht soziale Unachtsamkeit den Umgang miteinander belasten kann.

Dieses Unterrichtsmaterial zum Bilderbuch wurde für die Jahrgänge 2-4 konzipiert und möchte keineswegs negative Emotionen verurteilen. Auch schlechte Launen haben ihren eigenen Sinn und irgendwo auch eine Funktion inne. Der Lernzuwachs erfolgt in der Hinsicht, dass man seine schlechte Laune nicht an anderen auslässt und Wege findet damit anders umzugehen. Das Material möchte die Kinder darin unterstützen, ihre Launen besser zu verstehen, für Missverständnisse in der Kommunikation sensibilisieren und einen konstruktiven Umgang mit Konflikten aber auch einen einfühlsamen Umgang mit den eigenen Gefühlen fördern.

Aus dem Inhalt:

  • Gefährliche Guten-Morgen Laune
  • Gute und schlechte Tage
  • Schlechte Laune vertreiben
  • Die Tiere sind böse
  • Gefühle ändern sich
  • Wetterstimmungen
  • Alle Gefühle sind normal (Nomen, Verben, Adjektive)
  • Wiedergutmachung
  • Einladung schreiben
  • Nacherzählung schreiben
  • Richtig oder Falsch
  • Buchbewertung

Das Brettspiel fördert die Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen und hat keine eingegrenzte Zeitdauer. Das Ziel ist es, bestimmte Aktivitäten passend zu guter oder schlechter Laune auszuführen. So dürfen die Kinder missmutig durch das Zimmer stapfen oder einem Mitspieler ein Kompliment machen. Damit verdienen sie sich ein Plättchen oder eine ein anderes Spieltoken.

Zur Erweiterung des Wortschatzes und um einen gewissen Wortspeicher aufzubauen, bietet es sich an, Wörter nach Wortarten (Verben und Adjektive) zu sortieren und diese dann guter und schlechter Laune zuzuordnen. Bei dieser Zuordnungsaufgabe mit den Wortkarten dürfen die Wörter natürlich sehr gerne nachgespielt und pantomimisch dargestellt werden. Alternativ basteln die Kinder sich eigene „Wende-Stabfiguren„, die sie entsprechend der Stimmung der Wortkarte drehen. Natürlich können die Stabfiguren auch für unterrichtliche Zwecke in Form einer Nacherzählung genutzt werden.

Zum Material:

Bettina Obrecht und Julie Völk – Dann gehe ich jetzt, sagte die Zeit

Rezension

„Ich mag den Fluss“, sagte sie versonnen.
„Er ist wie ich. Immer geht er weg und immer ist er da.

Die Zeit – auf dem Buchtitel lediglich als wehender Rest einer ungreifbaren Dimension dargestellt, die allgegenwärtig und doch so schnell vergänglich ist. Wenn man im Alltag etwas innehält und bewusst die Zeit genießt, verweilt sie etwas länger. Doch der rote Fuß, stets in Bewegung, zeigt, dass sie unaufhaltsam ist, genauso wie der Fluss – symbolhaft für den Fluss des Lebens, eben ein Wettrennen, das nur die Zeit gewinnen kann.

Ein poetisches Buch mit vielen philosophischen Gedanken, verpackt in zarte Buntstiftstriche, die den Leser in pastellfarbigen Illustrationen durch die Geschichte tragen. Die Zeit ist Laras Freund. Anders als ihre Familienmitglieder, versucht sie nicht die Zeit zu vertreiben oder sie gar totzuschlagen. Auf der Suche nach der verschollenen Zeit, erlebt sie, dass Menschen sie kaum zu haben scheinen, sie eilen unaufhörlich und behaupten, dass Zeit Geld sei.

Die Zeit verweilt gerne im Park, weil Menschen dort im Moment leben, genießen und so wie Lara den Blick für die kleinen und lebenswerten Dinge haben. Diese Verbildlichung der Zeit von Julie Völk ist einfach herausragend. Die Botschaft von Bettina Obrecht macht das Buch zu einem Herzensbuch, nicht zuletzt wegen dem Sprachspiel mit den Begrifflichkeiten rund um die Zeit, die sich in unserem Sprachgebrauch, teils absurderweise, verfestigt haben.

Jeder hat Zeit, sie ist allgegenwärtig. Lediglich die Prioritäten muss man sich anders legen, denn sie rennt für jeden unaufhörlich. Zwischendurch innen halten und genießen – das müsste sich jeder wert sein!

Blick ins Buch

Fazit

Ein Herzensbuch des Jahres mit einer klaren Kaufempfehlung!

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Martin Widmark und Emilia Dziubak – Als Larson das Glück wiederfand

Rezension

Selten findet man eine derart gelungene Symbiose aus Wort und Bild. Martin Widmark ist es gelungen eine Illustratorin für seine Geschichte zu gewinnen, die es versteht diese gewichtige Botschaft entsprechend zu tragen. Es ist der hoffnungsvolle und äußerst subtile, stetig wachsende Schein, der dieses einzigartige Bilderbuch trägt. Bereits die Titelseite mit einem wahrhaftig warmen haptischen Erlebnis lässt ausreichend Raum für das immer stärker scheinende Hoffnungsschimmer, das sich im Laufe des Buches noch weiter ausbreitet, auch im Herzen der Leser.

Larson ist alt und einsam. Die Kinder sind längst ausgezogen und haben ihre eigenen Familien. Seine Frau ist vor geraumer Zeit verstorben. Sein Kater lässt sich seit einigen Tagen nicht mehr blicken. Im Haus sind alle Erinnerungsstücke aus glücklichen Zeiten aneinander gereiht. Das Bild mit der Sommerwiese voller Mohnblumen erinnert ihn an die erste Begegnung mit seiner Frau. In der verstaubten Bibliothek, sieht alles genauso aus wie damals, als das Haus noch mit Leben und Freude gefüllt war. Er hört sogar seine Frau sprechen, wie sie nach mehr Wein für die Sauce verlangt und muss dabei lächeln. Wehmütig geht er ins Bett und flüstert vorher noch schnell „Gute Nacht“, während er die Hand auf die Bettseite seiner Frau legt. Larson lebt in der Vergangenheit.

Doch eines Tages klingelt ein kleiner Nachbarsjunge an der Tür und übergibt Larson einen Blumentopf mit dem Wunsch, dass er sich bitte darum kümmern möge, während er mit seiner Familie verreist. Dies ist der Anfang von etwas Neuem. Diese Aufgabe lässt Larson innerlich wachsen und den Sinn im Leben wiederfinden. Das Glück kehrt allmählich zurück. Er entstaubt die Räumlichkeiten, lüftet das Haus, putzt die Fenster, begrüßt den zurück gekehrten Kater und vergisst am Abend sogar seiner Frau „Gute Nacht“ zu sagen. Er setzt sich neue Ziele, plant seinen Tag, statt einfach vor sich hin zu leben.

Der Aufbau dieser Geschichte ist eine Kunst. Wartin Widmark schafft es die Einsamkeit und die Hoffnungslosigkeit des alten Mannes so detailliert und schmerzlich realistisch zu erfassen, dass sich das Herz automatisch zusammen zieht. Ferner lässt Emilie Dziubak dem Leser durch die wirkungsvollen Bilder, die hin und wieder ganz ohne Text alleine für sich stehen, ausreichend Zeit zum Verarbeiten und Hineinspüren. Hier steckt so viel Wahres drin. Denn Schicksalsschläge gehören zum Leben dazu. Wichtig ist der Umgang damit. Hier wird gezeigt, dass in der Vergangenheit zu leben keine Lösung sein kann. Der Mensch braucht Ziele und neue Aufgaben. Der kleine Junge reicht dem alten Mann die Hand und so hoffe ich, dass dieses Bilderbuch einen Beitrag dazu leisten kann, dass wir aufmerksamer durch das Leben gehen und hier und da jemandem die Hand reichen, ein Lächeln schenken oder eben eine Blume, die so viel mehr bewirken kann, als wir es uns vielleicht denken!

Blick ins Buch

Fazit

Das schmerzliche Leben realistisch und doch so schön abgebildet: Ein Genuss, auch in Form eines Geschenkbuches!

 

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