Bettina Obrecht und Julie Völk – Dann gehe ich jetzt, sagte die Zeit

Rezension

„Ich mag den Fluss“, sagte sie versonnen.
„Er ist wie ich. Immer geht er weg und immer ist er da.

Die Zeit – auf dem Buchtitel lediglich als wehender Rest einer ungreifbaren Dimension dargestellt, die allgegenwärtig und doch so schnell vergänglich ist. Wenn man im Alltag etwas innehält und bewusst die Zeit genießt, verweilt sie etwas länger. Doch der rote Fuß, stets in Bewegung, zeigt, dass sie unaufhaltsam ist, genauso wie der Fluss – symbolhaft für den Fluss des Lebens, eben ein Wettrennen, das nur die Zeit gewinnen kann.

Ein poetisches Buch mit vielen philosophischen Gedanken, verpackt in zarte Buntstiftstriche, die den Leser in pastellfarbigen Illustrationen durch die Geschichte tragen. Die Zeit ist Laras Freund. Anders als ihre Familienmitglieder, versucht sie nicht die Zeit zu vertreiben oder sie gar totzuschlagen. Auf der Suche nach der verschollenen Zeit, erlebt sie, dass Menschen sie kaum zu haben scheinen, sie eilen unaufhörlich und behaupten, dass Zeit Geld sei.

Die Zeit verweilt gerne im Park, weil Menschen dort im Moment leben, genießen und so wie Lara den Blick für die kleinen und lebenswerten Dinge haben. Diese Verbildlichung der Zeit von Julie Völk ist einfach herausragend. Die Botschaft von Bettina Obrecht macht das Buch zu einem Herzensbuch, nicht zuletzt wegen dem Sprachspiel mit den Begrifflichkeiten rund um die Zeit, die sich in unserem Sprachgebrauch, teils absurderweise, verfestigt haben.

Jeder hat Zeit, sie ist allgegenwärtig. Lediglich die Prioritäten muss man sich anders legen, denn sie rennt für jeden unaufhörlich. Zwischendurch innen halten und genießen – das müsste sich jeder wert sein!

Blick ins Buch

Fazit

Ein Herzensbuch des Jahres mit einer klaren Kaufempfehlung!

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Kobi Yamada – Vielleicht: Eine Geschichte über die unendlich vielen Begabungen in jedem von uns

Rezension

Trostspendende, aufbauende und mutmachende Worte sind in diesem Bilderbuch für große und kleine Identitätssuchende zu finden. Sehnsüchtig und verträumt schaut der geschlechtsneutrale Protagonist in den Himmel. Hier funkeln die Sterne, hier liegt die Zukunft, das Unbekannte, der Weg.

Auf die Erde stützend, mit einem Tierfreund im Rücken und einem persönlichen kleinen Rucksack, den wohl jeder von uns trägt, vollgepackt mit Erfahrungen, Erinnerungen, Bereicherungen und vielleicht auch Wunden. Das Seelenhaus ist niemals leer.

Kobi Yamada spricht den Leser von der ersten Seite an:

Hast du dich jemals gefragt, warum du hier bist?

Die darauffolgenden Seiten sind vielmehr Gedankenanstöße philosophischer Natur, die unabhängig voneinander gelesen werden können. Es geht um die Einzigartigkeiten jedes einzelnen Menschen, den Sinn des Lebens, die Gestaltung der Zukunft, den Mut neue Dinge auszuprobieren, dem Wind entgegen zu segeln, denn schließlich werden auf Reisen Entdeckungen gemacht. Dieses Bilderbuch spricht auch Stolpersteine an und stupst aber auch an, nicht stehen zu bleiben:

Manches wird dir Mühe bereiten, manches Sorgen, und es wird nicht immer einfach sein. Manchmal wird es sich richtig schwer anfühlen. Und du könntest sogar alles vermasseln. Du könntest hinfallen.

Was, wenn du erst an der Oberfläche kratzt? Von dem, was du machen und wer du sein kannst?

Es schwingt eigentlich etwas Schweres in diesem Buch. Die Bedeutsamkeit des Seins und das Sinnieren über Lebensqualität ist keine leichte Kost. Gestützt und beflügelt wird die Botschaft durch die außerordentlich gelungenen Illustrationen von Gabriella Barouch. Sie haben einen Zauber inne, getragen von unglaublich viel Leichtigkeit. So wie der Protagonist die Samen der Pusteblume wegpustet, werden auch die Beklemmungen, Ängste und Sorgen gelöst und es tritt das Gefühl von Befreiung und erlösendem Optimismus zu Tage.

Blick ins Buch

Fazit

Prädikat: wertvoll!

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