Géraldine Elschner und Lucie Vandevelde – Hundertwasser: Ein Haus für dunkelbunte Träume

Rezension

In der sonst ordentlichen Stadt geschehen seltsame Dinge. Zu den grauen und gleich aussehenden Gebäuden gesellen sich bunte und außergewöhnliche Wohnkomplexe. „Der Zauberer der Dächer“ wird wohl in der Stadt sein, mutmaßen die Protagonistinnen, die die Wandlung neugierig beobachten.

Auf einem verwilderten Grundstück steht seit Jahrzenten ein alter Baum mit einer prächtigen Baumkrone. Als die ganzen Bagger anrücken, sorgen die Kinder sich um den „König der Bäume“. Die neuen Ziegelmauern werden immer höher gezogen, sodass der Baum bald ganz aus ihrer Sicht verschwindet. Der wundersame Zauberer jedoch führt sie schließlich in den Innenhof und die Kinder können ihren Augen nicht glauben. Sie erblicken nicht nur den knorrigen Baum in voller Blüte, sondern viele weitere Grünpflanzen um ihn herum und erklären sich bereit, sich um die neuen „Mieter“ zu kümmern.

Sie sind hier genauso zuhause wie die Menschen und sollen sich wohlfühlen. Wir sind doch alle Mieter dieser Erde.

Der Künstler Friedensreich Hundertwasser ist für Kinder mit seinen unkonventionellen Formen und den bunten Farben ein Magnet. Die beiden Hauptmotive seiner architektonischen Arbeit werden in diesem Bilderbuch ganz wunderbar aufgegriffen. Zum einen werden die vegetativen Formen aus der Natur hier in Form von Einbindung der Pflanzen in den Vordergrund gestellt, sodass der Wohnkomplex beinahe organisch zu wachsen scheint. Zum anderen wird der Motivkreis rund um seine Architektur und den bestimmten Merkmalen seiner unebenen und farbenfrohen Fassaden von der Illustratorin Lucie Vandevelde wunderbar in Szene gesetzt. Die goldenen Zwiebelkuppeln, die bunt umrahmten Fenster, die scheinbar lebendig zu werden drohen und die Grasdächer, die zusätzlichen Lebensraum für Tiere bieten, sind hier fabelhaft eingefangen.

Die Autorin Géraldine Elschner ließ sich bereits vom Bild „Katze und Vogel“ des Künstlers Paul Klee inspirieren. Das dazu passende Kunst-Bilderbuch „Die Katze und der Vogel“ kann ich ebenfalls allen Kunstbegeisterten wärmstens empfehlen.

Blick ins Buch

Fazit

Zum diesjährigen zwanzigsten Todestag von Friedensreich Hundertwasser hat der Prestel Verlag ein gutes Händchen bei der Auswahl bewiesen, um den Künstler entsprechend zu würdigen.

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Nikolaus Heidelbach – Alma und Oma im Museum

Rezension

„Alma und Oma im Museum“ besticht zunächst mit einer recht eigenwilligen Bildsprache. Man könnte meinen, es wirkt recht starr, eingestaubt und leicht versteinert. Nikolaus Heidelbach spielt allerdings bewusst mit der Wirkung seiner Illustrationen und offenbart im Bilderbuch wie fantastisch Kunstgeschichte und beeindruckend Museumsbesuche eigentlich sein können.

Im Museum benötigt man die richtigen Schuhe, gute Augen und genug Zeit. Almas Oma gibt einen Audioguide an ihre Enkelin weiter und leitet sie damit durch das Museum. Sie lenkt den Blick gekonnt auf Details und lässt Alma trotzdem genug Freiraum, um selbst Entdeckungen zu machen. Hin und wieder springt sie selbst in ein Bild, sodass Alma stets aufmerksam bleibt und auch die Leser ihre Beobachtungsgabe schulen.

Ungeübte Museumsbesucher fühlen sich oft erschlagen von der Fülle der Kunstwerke. Hierzu hat die Oma einen Trick und rät, sich zunächst etwas Kleines auszusuchen, um es sich genauer anzuschauen. Die 16 Gemälde sind religiöse Meisterwerke aus dem Mittelalter und zeigen Bilder wie die »Maria im Rosengarten« oder den »Heiligen Antonius«. Es entsteht eine Diskussion über „Gut und Böse“ und die Darstellungen dessen. Die Oma ist gekonnt versteckt. Man muss schon genau hinschauen, um sie zu finden, was den Rätselspaß für Kinder vorzugsweise ab 8 Jahren erhöht.

Das Bilderbuch ist recht textlastig und hat Denkanstöße, die Zeit brauchen, um den Inhalt sacken zu lassen. Auch Alma benötigt zwischendurch eine Pause, um sich von den Sinneseindrücken zu erholen. Sie erfährt außerdem viel über das damalige Weltbild, lernt neue Wortbedeutungen, wie z.B. die Bezeichnung „Hunnen“ und erlebt, dass Kunstgeschichte ganz spannend sein kann. Außerdem werden Almas Beobachtungen zum Ende des Museumsbesuchs pointierter, da immer mehr Vorwissen einfließt. Der Leser lässt sich in die Regeln bezüglich des Verhaltens im Museum einweisen und eignet sich Wissen über den Beruf eine Kunsthistorikers an. Am Ende des Buches nehmen die beiden sich eine Ausstellung zu „Barock“ vor. Man lernt schließlich nie aus!

 

Blick ins Buch

Fazit

Mit diesem Bilderbuch kann Kindern Kunst schmackhaft gemacht werden. Ein Genuss!

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Annemarie van Haeringen – Monsieur Matisse und seine fliegende Schere

Monsieur Matisse und seine fliegende Schere

Monsieur Matisse ist ein Maler mit ganz viel Sonne im Bauch. Dementsprechend sind seine Bilder farbenfroh, frisch und rein. Doch eines Tages scheint die Sonne im Bauch nicht mehr. Monsieur Matisse wird krank und ganz schwach. Im Krankenhaus wacht er in einem weißen, tristen Zimmer auf und beschließt sie nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Doch das stellt sich als sehr mühsam heraus. Als sein Blick auf eine Schere fällt, erwacht ihn ihm neuer Lebensmut. Seine Idee heißt „Malen mit der Schere“ und so fliegt die Schere und er schneidet und schneidet und erschafft eine ganz eigene, wunderbare Farbwelt.
Der französische Maler Henri Matisse wird von Annemarie van Haeringen in diesem Bilderbuch als ein Künstler mit  sonnigem Wesen vorgestellt. Besonderer Fokus ist seinen letzten Jahren gewidmet, seiner Krankheit und der daraus entstandenen Idee der fliegenden Schere.

Die Sätze sind durchweg kurz und leicht verständlich. Die Gestaltung der Wände erinnert stark an das Kunstwerk „Der Papagei und die Meerjungfrau“.  Sehr schön ist, dass die Autorin auch erwähnt, dass Henri Matisse oft all die schönen Erinnerungen an seine Reisen in den Kunstwerken festgehalten hat. In den Motiven finden sich Pflanzen, Blumen, Tang, Algen, Schwämme und Vögel. Die Faszination mit der Schere zu „malen“ springt definitiv über und unterstreicht den innovativen Gedanken:

Das ist Bildhauerei direkt in Farbe!
Was liegt da näher als nach dem Lesen das Malen mit der Schere auszuprobieren?
Monsieur Matisse und seine fliegende Schere
Hautnahe Liebe zur Kunst!
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