Philip Waechter – Kuchen bei mir

Kuchen bei mir

Das kleine Schweinchen sitzt am Küchentisch und verfasst einen Einladungsbrief an seinen Freund. Per Flaschenpost schickt er das Schreiben weit über das Meer Richtung Strand. Es wird von einem Wal auf den richtigen Weg gebracht und schwebt ungehindert an einem Fischerboot vorbei. Am Strand fischt sein Freund es gleich aus den Fluten heraus und packt gleich seine Sachen. Er geht auf die Bitte seines Freundes ein und besorgt auch flugs einen Becher Schlagsahne. Schließlich soll es beim Schweinchen Kuchen geben.

Philip Waechter’s  Thematisierung der Flaschenpost ist in der heutigen digitalisierten Welt schon fast nostalgisch angehaucht. Die Reise der Flaschenpost entschleunigt die Kommunikationsebene und zeigt auf, wie groß die Freude sein kann eine Botschaft auf diesem Wege zu erhalten.

Der Text besteht ausschließlich aus dem Inhalt dieses Einladungsschreibens. Es wird die höfliche Anrede, der eigentliche Brieftext mit Einbindung der Erkundigung nach dem Wohlbefinden des Gegenübers und schlußendlich der Abschiedsgruß miteinbezogen. Die vertraulichen Anredepronomen (hier „Du“, „Deine“) werden groß geschrieben. So finden sich hier alle Zutaten zum Aufbau eines Briefes.

Während die einzelnen Zeilen des Brieftexts auf jeder Doppelseite links platziert sind, befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite die jeweiligen Stationen des Briefweges. So wird auch inhaltlich auf den Brief eingegangen und gezeigt wie der Freund seinen Rucksack packt und dort eine Zahnbürste herausragt. Schließlich heißt es im Brief:

Dann vergiss Deine Zahnbürste nicht!
Die meisterhaften Illustrationen unterstützen den ruhigen Aufbau und lassen den Leser sich über den Weg der Flaschenpost erfreuen, die letztendlich zwei Menschen zusammenführt, die sich gern haben.
Kuchen bei mir

Material

Dieses Bilderbuch eignet sich hervorragend zur Thematisierung der einzelnen Zutaten von Briefen, insbesondere von Einladungsschreiben. Anschließend wäre eine Einrichtung eines Klassenbriefkastens in Form von einzelnen Fläschchen  für jedes Kind möglich. So kann die Flaschenpost kommen!

Flaschenpost

Ein wunderbar ruhiges Bilderbuch über die Freude an entschleunigten Kommunikationsmitteln und der Freundschaft.

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Paul Friester und Philippe Goossens – Heule Eule: Nein, ich lasse niemand rein!

Heule Eule

Im zweiten Band des erfolgreichen Vorgängers geht es um die stets wachsende Autonomie und aber auch den einzigartigen Bund zwischen Mutter und Kind. Mama Eule möchte los und Heule Eules Lieblingsessen holen. Sie rät ihr eindringlich brav zu sein und niemanden hereinzulassen. Während  Heule Eule noch ganz vertieft in ihr Lieblingsmärchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ ist, klopft es schon an die Höhlentür.

Ganz pflichtbewusst hält sich Heule Eule an die Abmachung mit der Mama Eule und lässt keinen herein – auch nicht die eigene Mutter. Auch das Eichhörnchen und der Käfer können Heule Eule nicht überzeugen. Durch die ganze Aufregung fließen bei der kleinen Eule erneut Krokodilstränen. Erst der schlaue Rabe hat einen cleveren Rat…

Dieses kleine alltägliche Problem werden viele aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Das erste Mal ganz alleine zu Hause zu bleiben ist mit einigen Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Die Einbindung eines „Märchens im Märchen“ ist ein ausgeklügeltes stilistisches Mittel. Sofern den kleinen Zuhörern das Märchen bekannt ist, werden sie sich nicht wundern warum Heule Eule nicht die Tür öffnet.

Die Illustrationen von Philippe Goossens sind genauso herzerwärmend wie im ersten Band. Vereinzelte Charaktere tauchen erneut auf und bleiben ihren zugeschriebenen, charakteristischen Eigenarten treu. Der Hirschkäfer ist wie gewohnt mürrisch und motzig. Zum Glück kann Mama Eule ihr Kind dann doch persönlich trösten und die Madentüte überreichen. Es gibt also doch einen unsichtbaren Schlüssel zum Herzen.

Heule Eule
Aus jeder Begebenheit und Erfahrung lässt sich eine prägende Lehre ziehen!

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Marcus Pfister – Weisst du, was Glück ist?

Weisst du, was Glück ist?

Was ist Glück?
Glück ist das Allerwichtigste überhaupt.
Zwei kleine Mäuse sitzen auf der Wiese und hängen ihren Gedanken nach. Sie beschäftigen sich mit dem Thema „Glück“ und ergänzen abwechselnd den Satzanfang „Glück ist …“. Für Zoe ist es pures Glück im Winter die Schneeflocken auf der Zunge zu schmecken. Leo liebt es dagegen den Flug einer kleinen Feder zu beobachten. Sie äußern ihre ganz individuellen Vorstellungen von Glück und kommen schlußendlich zu der Einsicht, dass Glück auch ist, gemeinsam mit der besten Freundin einen Drachen steigen zu lassen.

Dieses Bilderbuch über das Glück macht einfach glücklich!

Marcus Pfister, der mit seinem Bilderbuch „Der Regenbogenfisch“ schon viele Kinder glücklich gemacht hat, vermittelt mit der immer gleichen Aufbaustruktur die alltäglichen Glücksgefühle im Leben eines Kindes. Dabei sind es die einfachen Erlebnisse in Verbindung mit der Natur, die die kleinen Mäuse am meisten faszinieren. Das Sammeln von schönen Kieselsteinen oder das Wegpusten der Samen einer Pusteblume macht die Mäuse glücklich. Sehr schön ist, dass die unterschiedlichen Sinne stets einbezogen werden.

Pädagogisch wertvoll ist auch die Erkenntnis, dass einen durchaus Dinge glücklich machen können, die man alleine erlebt und aber auch das Miteinander hervorgehoben wird. Das letzte Bild zeigt die zwei kleinen Mäuse lachend und Hand in Hand weglaufen. Freundschaft macht eben auch glücklich.

Die Illustrationen sind sehr reduziert und mit einem großen Anteil an weißer Fläche dargestellt. Es bleibt viel Freiraum für die eigenen Gedanken und Fantasien. Die Tupf-/ Schwammtechnik lässt alle Erlebnisse harmonisch wirken und ganz subtil ineinander verschwimmen. Es schafft letztendlich einen schönen Rahmen, der zeigt, dass Glück im Fluss des Lebens besteht.

Weisst du, was Glück ist?

Material

Das Thema „Glück“ ist prädestiniert, um mit Kindern darüber zu philosophieren. Was ist Glück? Kann man Glücklichsein überhaupt erlernen? Worin besteht ein glückliches Leben? Gerhard Friedrich hat in seinem Buch „Mit Kindern philosophieren“ den Themen „Glück“ und „Freundschaft“ je ein Kapitel gewidmet. Hier finden sich unzählige themenorientierte Bastelideen, Liedvorschläge und Diskussionsanregungen.

Nach dem Vorlesen der ersten Seiten, die stets mit dem Satzanfang „Glück ist…“ beginnen, wäre es denkbar die Kinder ihre eigenen Glücksmomente sammeln zu lassen. Auch bestimmte Zitate lassen sich für kleine Diskussionsrunden gut nutzen.

Bild_Glück

 Ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch über das Thema Glück!

 

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Marion Billet – Hörst du die Dschungeltiere?

Hörst du die Dschungeltiere

Das „Soundbuch“ stellt dem Leser sechs unterschiedliche Dschungeltiere in Bild- und Tonform vor. Bildlich werden sie in ihrem typischen Lebensraum in der freien Natur dargestellt. Die zahme Löwin ruht sich unter einem Baum in der tropischen Hitze Savannahs aus, während der muntere Elefant sich mit dem Wasser bespritzt.

Der eigentliche Clou sind jedoch die integrierten Tiergeräusche, die durch einen Fingerdruck zu betätigen sind. Im hinteren Teil des Buches ist eine Batterie eingebaut und mithilfe einer leichten Berührung einer ausgestanzten Stelle auf jeder Doppelseite ertönen bereits die authentischen Aufnahmen. Marion Billet hat erfreulicherweise auf echte, unverfälschte Aufnahmen zurückgegriffen.Auf der vorletzten Seite wartet auf die Kleinen eine interaktive Übung. Die Kinder werden aufgefordert die abgebildeten Dschungeltiere zu benennen und das dazu passende Tiergeräusch zu machen.

Das Nachahmen der Tiergeräusche ist eine pure Freude und äußerst lustig noch dazu. Welcher Erwachsene könnte aus dem Stegreif einen Panda nachmachen? Auch nach wiederholtem Hören stellt es sich als eine nicht zu unterschätzende Herausforderung heraus. Denkbar wäre auch ein Ratespiel daraus zu machen. Erst das Tiergeräusch hören und dann einem Dschungeltier zuordnen. Zur Unterscheidung von einem Nilpferd und einem Panda braucht es doch Konzentration und eine feine auditive Sinneswahrnehmung.

Hörst du die Dschungeltiere
Farbenfrohe Abbildungen, robuste Buchseiten, authentische Tiergeräusche, die zum Nachahmen animieren.

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Doris Kutschbach – Meine bunte Welt: Erste Kunstwerke – erste Wörter in 12 Sprachen

Meine bunte Welt

„Meine bunte Welt“ präsentiert über 70 farbliche Kunstwerke im Format von 22 x 22 cm. Auf jeder Doppelseite wird ein Gemälde mit Elementen aus dem kindlichen Umfeld dargestellt. Mal dreht sich die Szenerie rund um Vater, Mutter, Alltagsgegenstände, Körper oder einfach um Tiere und Natur. Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein zum Bild passendes Wort in zwölf verschiedenen Sprachen abgebildet. Jeder Sprache ist eine Farbe zugeordnet, darunter finden sich: Deutsch, Englisch, Spanisch, Russisch, Arabisch, Italienisch, Japanisch, Chinesisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch und Türkisch.

Auf den letzten Seiten findet sich eine nach den Künstlern ausgerichtete Aufzählung der im Buch enthaltenen Kunstwerke, wie z.B. Vincent van Gogh, Katsushika Hokusai, Albrecht Dürer, Gustav Klimt, August Macke, Franz Marc, Pablo Picasso uvm.

Doris Kutschbach hat die kindliche Begeisterung für eine unverfängliche Kunstbetrachtung mit der Unterstützung zum Spracherwerb verknüpft. Entstanden ist ein Buch für wahre Kunstliebhaber. Ohne viel Ablenkung können Kleinkinder und Erwachsene ihre Aufmerksamkeit voll und ganz dem jeweiligen Kunstwerk widmen. Beim gemeinsamen Beschreiben der Bilder wird der mündliche Sprachgebrauch trainiert und nebenbei das Wissen rund um berühmte Kunstwerke erweitert.

Zusätzlich wird das Sprachbewusstsein aktiviert. Vor allem für mehrsprachige Kinder ist dies ein äußerst sinnvolles pädagogisches Konzept, da sie Wertschätzung für ihr Können erlangen und unterschiedliche Klänge für andere Sprache erfahren können. Neben jedem Wort ist nämlich die Lautschrift abgebildet. Als Erwachsener muss man dafür  jedoch die IPA Lautschrift lesen können.

Meine bunte Welt

Meine DAZ-Kinder lieben dieses Kunstbuch, weil sie voller Stolz anderen Kindern das jeweilige Wort vorlesen können. Ganz nebenbei trainieren sie beim Beschreiben der Bilder ihre mündlichen Ausdrucksfertigkeiten. Eine weitere Übungen, die sich die Kinder ausgedacht haben,  sieht so aus, dass sie einen Satz mit einer bestimmten Anzahl an Wörtern bilden sollen. Die Bedingung ist jedoch, dass der Satz zum Bild passen soll und immer das zum Gemälde passende deutsche Wort im Satz enthalten sein soll. Auch das Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ spielen sie ins diesem Zusammenhang ungemein gerne. Im Kunstunterricht nutze ich dieses Buch für Bildbetrachtungen als Einstieg in ein neues Thema. Passend zum Herbst haben wir uns erst kürzlich das gleichnamige Kunstwerk von Giuseppe Archimboldo ganz genau angeschaut und daraufhin selbst Porträts aus Gemüse und Obst gestaltet.

Meine bunte Welt
Kunstbetrachtung auf unterschiedlichen Sprachen, die eines gemeinsam haben: Die Liebe zur Kunst!

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Stian Hole – Annas Himmel

Annas Himmel

Heute lässt da oben jemand Nägel vom Himmel regnen.

Annas Welt wurde auf den Kopf gestellt. Der Löwenzahn ist nun zur Pusteblume geworden. Es ist Zeit des Abschiednehmens. Annas Vater trägt einen schwarzen Anzug und drängt Anna zur Eile. Die Kirchenglocken läuten bereits in der Ferne. Etwas liegt in der Luft, das spürt auch Anna.

Den Gang zum Begräbnis ihrer Mutter zögert sie hinaus und taucht stattdessen lieber in den Himmel ab. Ein Himmel voller Fantasien, wohin sie auch ihren Vater entführt. Dort leben fliegende Fische, farbenfrohe Pflanzen und ein Meer von Unsichtbaren, wie z.B. der Opa auf dem Stuhl wippend, der alte Briefträger, Elvis Presley und auch Picasso. Anna und ihr Vater fliegen an all diesen Seelen vorbei, nur die Mama können sie nicht entdecken. Ob sie Gott beim Unkraut jäten hilft?

… aber morgen sind es vielleicht Erdbeeren mit Honig.

Stian Hole hat mit diesem Bilderbuch einen Gefühlsrausch erschaffen. Anna schützt sich vor ihrem Schicksalsschlag die eigene Mutter verloren zu haben, indem sie sich in eine Traumwelt begibt. Dort kann sie sich das Geschehnis und die Funktion Gottes besser erklären. Diese Himmelswelt ist auch für ihren Vater eine Stütze, der in Anna seine Kraft für das Weiterleben zu schöpfen scheint.

Stian Hole, der norwegische Artdesigner, wurde für sein Buch  Garmans Sommer mit sämtlichen Preisen ausgezeichnet. Er bleibt seiner Technik, Fotos und Grafiken zu einer stark verfremdeten Fantasiewelt zu strukturieren, treu. Dieser „Kunterbuntstil“ verdeutlicht umso mehr, dass nichts von Dauer ist. Annas Mutter wird in ihrer schönsten Robe als eine schwarz-weiß-Fotografie mitten von den Unsichtbaren dargestellt. Anna dagegen erleben wir wie in einer Schutzhülle, die naiv und unbefangen dem Leben und auch dem Tod entgegen tritt. Beim Vater fließen Tränen und das ist auch gut so – Trauer braucht seine Zeit.

Dieses Bilderbuch hat so viele subtile Hinweise auf das Leben und den Tod, dass es beim Betrachten seine Zeit braucht. Das Betrachten schmerzt, weil es gleichzeitig so schön, fantasievoll und ehrlich ist. Es ist ein Bilderbuch vordergründig für Teenager und Erwachsene, um den Schrecken zurückzudrängen und den Himmel als eine wunderbare Explosion aus Farben und Formen zu sehen.

Auf der letzten Seite regnet es tatsächlich Erdbeeren und nun schaukelt der Vater mit einem angedeuteten Lächeln, während Anna ihm liebevoll die Wange streichelt.

Annas HImmel
Dieses Bilderbuch geht unter die Haut.

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Michaël Escoffier und Kris Di Giacomo – Wer hat Angst vor diesem Wolf?

Wer hat Angst vor diesem Wolf

Sag mal, Häschen, kennst du eigentlich den Wolf Schubidu?
Da der Hase den Wolf ja aus vielen Märchen kennt, zeichnet er mit Tafelkreide ein Ungeheuer mit scharfen Zähnen auf die Schiefertafel. Doch der Sprecher im Hintergrund korrigiert den Hasen und weist ihn darauf hin, dass Wolf Schubidu besonders ist. Er hat nämlich kleine Öhrchen, stumpfe Zähne und eine wilde Mähne. Nach der Korrektur sieht das Ungeheuer nun gar nicht mehr nach einem Wolf aus. Genau in diesem Moment ertönt eine drohende Stimme und das Monster erscheint. Doch bevor sich der Hase überhaupt in Sicherheit bringen kann, wird er geschnappt. Puh, der Hase ist ganz schön erleichtert, als er feststellt, dass man sich vor Wolf Schubidu gar nicht fürchten muss …

Michaël Escoffier ist es gelungen durch die Hintergrundstimme eine ganz besondere Spannung aufzubauen. Der Sprecher lässt den Hasen wie eine kleine Marionette tanzen und schon bald werden Erwachsene erkennen, dass diese Hintergrundstimme die Fantasien eines kleinen Kindes wiederspiegelt. Es ist so, als würde man ein kleines Kind beim Spielen mit einem Kuscheltier beobachten.

Die sehr gelungen aufgebaute Spannungskurve wird alsbald aufgelöst und das Ende ist zum Glück so gar nicht schrecklich, wie zuerst vermutet. Dieses Bilderbuch animiert die Kinder zum Erfinden von eigenen Geschichten mit Einbindung ihrer Kuscheltiere. Nach dem Vorlesen kann ein Rate-Mal-Wettbewerb oder ein Versteckspiel angeschlossen werden.

„Ich bin der Wolf… schubidu, find dich im Nu… schubidu!“
Sehr gerne darf dabei natürlich gesungen und weitergereimt werden!
Wer hat Angst vor diesem Wolf
Ein Bilderbuch, das ganz nah an den Fantasien und der Lebenswelt der Kinder ist!

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Sonja Bougaeva – Wie Frau B. so böse wurde …

Wie Frau B. so böse wurde

Vor Frau B. fürchtet sich jeder, besonders die Kinder. Doch sie war nicht immer so böse und brummig. Als kleines Mädchen wurde sie nämlich von anderen Kindern gehänselt und verspottet.  Ihrer Mutter konnte sie ihre Sorgen nicht anvertrauen, denn sie meinte nur, dass beim Essen nicht gesprochen werden darf.  Die kleine Frau B. wurde trauriger und trauriger. Diesen Zorn konnte sie über Jahre nicht mehr loswerden.
Auf einem Spielplatz strickend, erblickt Frau B.  eines Tages ein kleines Mädchen, das Tränen in den Augen hat, weil sie zuvor von einem Jungen mit Sand überschüttet wurde. Ab diesem Zeitpunkt spürt sie etwas ganz Ungewöhnliches … denn etwas kam ihr ganz bekannt vor …
Sie ging zum Spielplatz, um dort bequemer Kinder zu hassen.

Dieses Bilderbuch lässt mit einer Rückblende in die bewegende Vergangenheit einer verbitterten alten Dame blicken. Diese schmerzliche Erfahrung hat Frau B. zu der gemacht, die sie heute ist. Durch die Tatsache, dass ihre Mutter damals für sie kein Gehör gefunden hat und sie mit ihrer Traurigkeit allein gelassen wurde, staute sich zu einem innerlichen Damm voller loderndem Zorn.

Umso erfreulicher ist es zu entdecken, wie dieser Damm durch eine Begegnung mit einem kleinen Mädchen bricht. Nach und nach und zwar ganz langsam öffnet sich Frau B. Herz und sie kann sich wieder wie ein kleines, glückliches Mädchen fühlen.

Sonja Bougaeva hat bereits viele tolle Bilderbücher illustriert, u.a. „Wanda Walfisch“ oder auch „Zu Tisch!“. Auf diesem Titelbild  präsentiert sie eine überdimensionale, bedrohend wirkende alte Frau, die miesmutig mit einem Regenschirm bewaffnet den Betrachter anstarrt. Und doch ist der Farbauswahl, der Schriftwahl und dem Zeichenstil etwas Nettes und Warmherziges zu entlocken. Der Charakter der alten Dame ist durch die Darstellung außergewöhnlich gut getroffen. Man nimmt ihr ihre grimmige Art genauso gut ab, wie ihre Wandlung zu einer doch ganz netten und freundlichen alten Dame. Die Illustrationen sind allesamt zauberhaft. Ein reiner Augenschmaus.

Die Botschaft ist nicht minder wertvoll. Hier werden ganz kindgerecht die evtl. Konsequenzen von Mobbing-Opfern dargestellt. Dieser Schmerz ist so groß, dass man ihn sogar über Jahre hinweg mit sich trägt.

Wie Frau B. so böse wurde
 Ein verbitterter Kampf um die Verarbeitung von Kindheitserfahrungen.

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Daniel Miyares – Verzeihung!

Verzeihung

Auf einer angeblichen Sandbank sitzend, genießt ein kleiner gelber Vogel seine Ruhe. Als dann weitere Tiere sich auf die Sandbank gesellen und stets „Verzeihung!“ rufen, wird es doch ganz schön eng. Bevor ein Fuchs die Tiere warnen kann, explodiert der gelbe Vogel förmlich vor Wut und verjagt die Tiere mit einem lauten „Haut endlich ab!“. Und als es wieder ganz still wird, entpuppt sich die Insel als eine gefährliche Niederlassung…
Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.

Der miesmutig dreinschauende kleine Vogel erntet, was er gesät hat. Seine Unfreundlichkeit kommt schließlich im Sinne eines Bumerangeffekts zu ihm zurück. Daniel Miyares kombiniert eine große Prise schwarzen Humors mit leuchtenden, farbenprächtigen Illustrationen. Der Text ist sehr reduziert und auf die Kernaussagen pointiert geschrieben.

Das Bilderbuch ist für Kinder ab 6 oder 7 Jahren zu empfehlen. Jüngere Kinder werden die Botschaft des Bilderbuchs wahrscheinlich noch nicht begreifen. Es sollte definitiv über einen alternativen Umgang mit den Tieren seitens des kleinen Vogels gesprochen werden. Die kleinen Zuhörer könnten sicherlich reflektieren, wie die Tiere sich gefühlt haben mögen.

Verzeihung.jpg
„Verzeihung!“ – darf auch sehr gerne ironisch verstanden werden.

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Dieses Bilderbuch ist ein schöner Eintieg in die Thematik "Wir benehmen uns". Daran anschließend kann "Der Benimm-Führerschein" von Bernd Wehren zum Einsatz kommen.

Soheyla Sadr – Anne und Pfirsich – oder: Wo unsere Seele zu Hause ist

Anne und Pfirsich

Anne besucht ihre Oma, die sie liebevoll Pfirsich nennt, weil ihre Haut so eine weiche, duftende und uralte Pfirsichhaut hat. Regelmäßig erzählt Oma Pfirsich Geschichten. Heute erklärt sie Anne ihren ganz eigenen „Lichtergarten“. Dies ist ein Ort an dem die Seele wohnt. Unseren inneren Garten gestalten wir selbst und entscheiden auch ob wir ins Licht oder ins Dunkel gehen wollen.
Ja, ich entscheide, ob ich mich über den warmen Sonnenschein freue oder mich lieber ärgern will, dass ich den Garten gießen muss.
Der Lichtergarten ist immer da – in dir. Dieser muss allerdings auch gepflegt und gehegt werden, um weiterhin Ruhe, Trost und Verständnis spenden zu können. Er bietet Schutz bei Unsicherheit, Angst oder Kummer. Dein Garten ist dein Wegweiser.

„Anne und Pfirsich“ ist ein philosophisches Bilderbuch und handelt von der Kunst die innere Balance und Zufriedenheit zu finden. Soheyla Sadr hat es geschafft das Ungreifbare ein bisschen sichtbarer zu machen, indem es ein Bildnis des „Lichtergartens“ erhalten hat. Oma Pfirsich fungiert als eine weise und erfahrene Person, die ihrer Enkelin bereits früh verdeutlicht, dass jeder Mensch seines Glückes Schmied ist.

Bei Kummer und Schmerz genügt es dem inneren Garten einen Besuch abzustatten. Oft ist die eigene Einstellung, die unsere Sicht auf das Leben und evtl. Schicksalsschläge bestimmt. Die Autorin hebt das positive Denken hervor und zeigt, dass es sich leichter durchs Leben schreiten lässt, wenn man stets die Sonnenseite sieht.

Die leichten, pastellfarbenen Illustrationen unterstützen das Geheimnisvolle des Lichtergartens und wirken wie ein Schleier, der einen Hauch an Magie andeutet, aber nie zu viel verrät. Schließlich lebt dieses Bilderbuch von Fantasie und der eigenen Vorstellungskraft. Die Zeichnungen umgibt eine Leichtigkeit, stets begleitet von einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen der Protagonisten. Als Leser kann man nicht anders, als sich von dieser ausgetrahlten Ruhe und Gelassenheit anstecken zu lassen.

Anne und Pfirsich
 Dieses Bilderbuch lässt die eigene Lebenseinstellung überdenken. Ein tolles Geschenkbuch für Erwachsene, die eine Aufmunterung benötigen, quasi eine Gießkanne für den inneren Garten.

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