Oriol Canosa – Post aus Paidonesien

Rezension

Paidonesien kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Insel der Kinder“. Hierhin hat es den neujährigen Nicolas verschlagen. Auf einer Kreuzschifffahrt hat er se satt, sich die dauernden Streitigkeiten seiner Eltern anzuhören. Also packt er sein Hab und Gut und paddelt zur einsamen Insel, die er zum Rückzugsort für Kinder ernennt, die sich von ihren Familien genervt fühlen oder einfach eine schlechte Phase haben und für sich sein möchten. Das erste Gesetz heißt nämlich auch, dass Erwachsenen der Zugang nicht gestattet ist!

Als Inselpräsident mit einer stetig wachsenden Bevölkerungszahl nimmt Nicolas Kontakt zur Generalsekretärin der Vereinten Nationen auf und handelt eine Lebensmittelversorgung aus. Ein Architekt ist für den Bau eines Wolkenkratzers zuständig, indem alle Kinder Platz finden. Esther Blitzbirne ist dabei seine rechte Hand und unterstützt Nicolas im Aushandeln sämtlicher Verträge. Denn schließlich hat man als Staatschef alle Hände voll zu tun…zumindest bis einen die Sehnsucht nach der eigenen Familie doch einholt.

Dieser Inselbriefroman enthält ausschließlich Brief-Korrespondenzen. Aus pädagogischer Sicht ist es spannend die persönlichen und die formellen Briefe unter die Lupe zu nehmen. Wie unterscheidet sich die Anrede, der Schluss und insgesamt die Sprache? Gibt es besonders gelungene und höfliche Formulierungen? Jeder Absender hat seine eigene Schriftart und Typografie, sodass die Zuordnung zu den Charakteren leichter fällt. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind Autonomie und die Abkapselung vom Elternhaus. Die Kinder entdecken ihr eigenes Ich und sind mutig genug für ihre Entscheidungen einzustehen. Oft wird man als Erwachsener überrascht sein, was Kinder alles schaffen, wenn man es ihnen nur zutraut und sie machen lässt.

Blick ins Buch
Fazit

Das Streben nach Autonomie und Unabhängigkeit – in Briefform verfasst.

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Philip Waechter – Kuchen bei mir

Kuchen bei mir

Das kleine Schweinchen sitzt am Küchentisch und verfasst einen Einladungsbrief an seinen Freund. Per Flaschenpost schickt er das Schreiben weit über das Meer Richtung Strand. Es wird von einem Wal auf den richtigen Weg gebracht und schwebt ungehindert an einem Fischerboot vorbei. Am Strand fischt sein Freund es gleich aus den Fluten heraus und packt gleich seine Sachen. Er geht auf die Bitte seines Freundes ein und besorgt auch flugs einen Becher Schlagsahne. Schließlich soll es beim Schweinchen Kuchen geben.

Philip Waechter’s  Thematisierung der Flaschenpost ist in der heutigen digitalisierten Welt schon fast nostalgisch angehaucht. Die Reise der Flaschenpost entschleunigt die Kommunikationsebene und zeigt auf, wie groß die Freude sein kann eine Botschaft auf diesem Wege zu erhalten.

Der Text besteht ausschließlich aus dem Inhalt dieses Einladungsschreibens. Es wird die höfliche Anrede, der eigentliche Brieftext mit Einbindung der Erkundigung nach dem Wohlbefinden des Gegenübers und schlußendlich der Abschiedsgruß miteinbezogen. Die vertraulichen Anredepronomen (hier „Du“, „Deine“) werden groß geschrieben. So finden sich hier alle Zutaten zum Aufbau eines Briefes.

Während die einzelnen Zeilen des Brieftexts auf jeder Doppelseite links platziert sind, befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite die jeweiligen Stationen des Briefweges. So wird auch inhaltlich auf den Brief eingegangen und gezeigt wie der Freund seinen Rucksack packt und dort eine Zahnbürste herausragt. Schließlich heißt es im Brief:

Dann vergiss Deine Zahnbürste nicht!
Die meisterhaften Illustrationen unterstützen den ruhigen Aufbau und lassen den Leser sich über den Weg der Flaschenpost erfreuen, die letztendlich zwei Menschen zusammenführt, die sich gern haben.
Kuchen bei mir

Material

Dieses Bilderbuch eignet sich hervorragend zur Thematisierung der einzelnen Zutaten von Briefen, insbesondere von Einladungsschreiben. Anschließend wäre eine Einrichtung eines Klassenbriefkastens in Form von einzelnen Fläschchen  für jedes Kind möglich. So kann die Flaschenpost kommen!

Flaschenpost

Ein wunderbar ruhiges Bilderbuch über die Freude an entschleunigten Kommunikationsmitteln und der Freundschaft.

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