Nancy Walker-Guye und Maren Briswalter – Schneehäschens Weihnachtsüberraschung

Schneehäschen Weihnachtsüberraschung

Dachs hat seine Freunde Schneehäschen, Waschbär und Bär zu sich nach Hause eingeladen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Während es in der gemütlichen Höhle nach Apfel und Zimt riecht, überrascht Schneehäschen seine Freunde mit einem zusätzlichen Gast, dem Fuchs. Seine Tierfreunde sind jedoch von dem Neuankömmling wenig begeistert und fangen schon nach einer Weile zu tuscheln an. Von dem wenig herzlichen Empfang abgeschreckt, entschließt der Fuchs nun alleine Weihnachten zu feiern und entschwindet in den dunklen, kalten Wald. Werden die anderen Tiere ihr Verhalten überdenken und den Fuchs doch noch passend zum Weihnachtsfest finden können? Oder bleibt der ausgegrenzte Fuchs zum Fest der Liebe alleine?

Im Morgenkreis habe ich letzte Woche ein Brainstorming zum Thema „Weihnachten“ gemacht. Mit der Einleitungsfrage „Was verbindest du mit Weihnachten?“ wurden sämtliche Einfälle der Kinder auf einem Plakat schriftlich festgehalten. Ganz hoch im Kurs war das Stichwort „Geschenke“, aber auch „Weihnachtsbaum“, „Candy Cane“, „Gingerbread Man“ und „Weihnachtskarten“. Es fiel mir auf, es sind alles materielle Dinge.

Im Buch „Schneehäschens Weihnachtsüberraschung“ liegt der Fokus auf den ideellen Werten, dem Zwischenmenschlichen. Erst durch ihr eigenes Fehlverhalten wird den Tieren bewusst, dass Ausgrenzung falsch ist und dass sie dem Fuchs Unrecht getan haben. Im Rahmen des Weihnachtsfests werden Kinder für die Nächstenliebe, die Akzeptanz der Andersartigkeit und des Fremden sensibilisiert.

Die Illustrationen sind dementsprechend gediegen und ruhig. Bei der verzweifelten Suche im dunklen Wald stechen kalte Farben und blanke Äste hervor, die die Einsamkeit sehr gut verbildlichen. Beim gemeinsamen Beisammensein in der Höhle dagegen, dominieren die warmen Farben und die Nächstenliebe ist schon fast spürbar. Die Tiere wirken in ihrer Gestalt schon fast menschlich und durch ihr Handeln lässt sich das eigene Verhalten besser reflektieren.

Ich hoffe nun, dass nach dem Lesen wir unser Plakat um Stichworte wie „Beisammensein“, „Familie“, „Besinnlichkeit“   bereichern können. 😉

Schneehäschen Weihnahctsüberraschung

Material

Auf der letzten Doppelseite dürfen die Tierspuren im Buch identifiziert werden. Welche Spur gehört dem Fuchs und welche dem Bären? Und wer danach noch nicht genug vom Spurenlesen hat, darf sich mit diesem Memory die Zeit vertreiben.

Memory Tierspuren

Ein gemächliches Bilderbuch, das den Fokus auf ideelle Werte in der turbulenten Weihnachtszeit legt.

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Corina Fletcher und Britta Teckentrup – Playbook Farm

Playbook Farm

Rezension

„Playbook Farm“ thematisiert das Bauernhofleben mitsamt seiner tierischen Bewohner. Den ganzen Tag über geht es auf dem Bauernhof geschäftig zu. Früh morgens müssen die Kühe (moo, moo, moo) gemolken werden. Dann blöken (baa, baa, baa)  auch schon die Schafe und auch die Pferde (neigh, neigh, neigh) verlangen ihr Futter. Die Katze (meow, meow, meow) ruft ihre Kätzchen zusammen, während die Truthähne (gobble, gobble, gobble) vergnügt schnattern.

Und doch wird am Ende des Tages festgestellt:

Everyone is happy, all day long, on the busy farm.

Das „Playbook Farm“ ist ein Pop-up Buch und eine 3-D Spielmatte zugleich.

Sprachlich fokussiert dieses Buch auf die Bauernhoftiere und ihre Laute (Hahn, Kuh, Hund, Katze, Schaf, Hase, Pferd, Truthahn, Schwein). Im Zubehör enthalten sind ebenfalls neun Pappfiguren in Form von Tieren, einem Bauer und zwei Fahrzeugen.

Nach dem Lesen kann dieses Buch in drei einfachen Schritten in eine Spielwiese transformiert werden. Die Scheune, die Windmühle und der kleine Garten bilden eine hervorragende und sehr motivierende Spielumgebung. Die „stand-up“ Pappfiguren werden auf der Unterseite einfach ein bisschen auseinander gefaltet und können in die ganz eigene Geschichte mit eingebunden werden. Die Fantasie der Kinder kann nun ihre Flügel ausbreiten!

Dieses farbenfrohe „playmat“ kann auch wunderbar als Themeneinstieg zu „farm animals“ genutzt werden. Auf einem Thementisch macht es sicherlich viel her und motiviert die Kinder zusätzlich. Die Pappe der Figuren ist leider nicht ganz so stabil und könnte schnell zerknickt werden. Daher würde ich die Tiere für den schulischen Gebrauch durch Holztiere ersetzen. Im häuslichen Gebrauch müsste man abwägen wie vorsichtig die jeweiligen Kinder mit Spielzeugen umgehen.

Blick ins Buch

Playbook Farm   Playbook Farm

Playbook Farm

Fazit

Ein Buch, das im Handumdrehen in eine Spielwiese verwandelt werden kann, ist die perfekte Geschenkidee. Ich bin davon begeistert und warte geduldig auf die weiteren Ausgaben!

(deutsche Version)

(englische Version)

Lucy Cousins – Katy Cat and Beaky Boo

Katy Cat stellt sich vor und beschreibt ihr Aussehen, einschließlich ihrer Farbe, äußerlichen Merkmale (whiskers, beak, trunk), passenden Tiergeräuschs (cock-a-doodle-doo, moo), Kleidung (shorts, boots, hat),  Lieblingsessen (grass, fish, cheese) und Wohnumgebung (shell, hive).

Gleichzeitig fragt Katy Cat ihren besten Freund Beaky Boo die entsprechenden Fragen: „I am wearing pants. What are you wearing?/ I live in a house. Where do you live?“ Hinter durchschnittlich vier Klappen pro Doppelseite verstecken sich alternative Antwortmöglichkeiten, wobei nur eine  Antwort auf Beaky Boo zutrifft.

Die Illustrationen sind alle sehr farbenfroh und minimalistisch. Die unterschiedlichen Merkmale sind trotzdem eindeutig herausgearbeitet und unterstützen das Verständnis. Unter jeder Klappe wird das jeweilige Wort auch schriftlich dargestellt.

Dieses Bilderbuch riecht einfach nach einer Prüfungsstunde! Hier sind so viele Themengebiete versammelt, dass es perfekt als Grundlage für die Herstellung der Einübung eines Dialogs in Form von Rätseln eignet. Auf Plakaten können die SuS in kleinen Gruppen sich ein Themengebiet vornehmen und im Sinne des „spiralcurricularen Lernen“ die bereits behandelten Wortfelder und dazu passende Satzstrukturen bildlich und schriftlich, als Erinnerungsstütze für den Rest der Klasse, festhalten. Die Adjektive scaly, prickly, woolly, feathery können auch als fächerübergreifendes Projekt im Kunstunterricht als fühlbare Vorlagen erstellt werden.

Ich bin von diesem Buch sehr begeistert und werde es sicherlich auch selbst ausprobieren. Ich bin ganz froh darüber gestolpert zu sein!

(Falls es jemand ausprobiert, teilt mir doch bitte eure Erfahrungen hier mit! Danke!)

Ein Bilderbuch, das viele Themengebiete nach dem Lehrplan NRW für den Englischunterricht der Grundschule anschneidet und kindgerecht und dazu noch spannend verpackt!

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Petr Horácek – One spotted giraffe

In diesem herausragenden Bilderbuch können bereits sehr junge Kinder unterschiedliche Tiere entdecken und zählen. Auf jeder Doppelseite werden Tiere dargestellt, beginnend wie der Titel es bereits suggeriert, mit einer gefleckten Giraffe. Um die Schätzung zu überprüfen darf eine Klappe geflippt werden und siehe da: Es poppt die richtige Zahl ganz im Muster des jeweiligen Tieres heraus. Gleich darunter wird die richtige Zahl ausgeschrieben dargestellt.

Neben den Zahlen und Tieren können ganz nebenbei unterschiedliche, zu den Tieren passende Adjektive, eingeführt oder vertieft werden: snappy crocodiles, striped zebras, slithering snakes oder die furry pandas.

Dieses Buch habe ich sehr schnell in mein Lehrerherz geschlossen. Nicht nur, dass es so wunderschöne und farbenfrohe Illustrationen enthält und mit Aktivität in Form des Umklappens und der dahinter steckenden Überraschung verbunden ist, nein, es ist für den Englischunterricht ideal!

Die Seiten sind nicht überfrachtet und weisen eine immer wiederkehrende Satzaufbaustruktur auf. Es kann genauso gut zur Einführung von Zahlen, als auch zur Wiederholung der Zahlen und zur Einführung des Wortfeldes „Tiere“ benutzt werden. Auch im dritten Schuljahr kann es in der „English Corner“ als Nachschlagewerk dazu dienen passenden Adjektive zu finden, um unterschiedliche „wild animals“ zu beschreiben.

In einem kleinen Leporello können die Kinder anschließend ihre Lieblingstiere nach dem gleichen Muster malen, die Mengenangaben trainieren und eventuell sogar nach der vorgegebenen Satzstruktur beschriften. Als Differenzierung können auch Lücken gelassen werden, die die SuS je nach Lernstand ausfüllen.

Ein perfektes Bilderbuch für den frühen Englischunterricht zu den Themen „Zahlen“ und „Tiere“.

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Giles Andreae – Giraffes can’t dance

Das Bilderbuch „Giraffes can’t dance“ spielt in einem Dschungel. Zu dem jährlich stattfindenden Jungle-Dance versammeln sich Tiere, um ihre Tanzkünste vorzuführen. Während die Nashörner ihr Bestes in Rock-n-roll geben, beeindrucken die Affen mit einem grandiosen Cha-Cha-Cha, und die Warzenschweine glänzen mit dem klassischen Waltzer. Nur der schlacksige Gerald blamiert sich unentwegt und zeigt auch dieses Jahr allen Tieren, dass er zwei linke Hufe hat. Beschämt zieht sich die Giraffe in den Wald zurück und trifft hier auf eine weise Grille. Sie verrät ihm, dass alle Tiere unterschiedlich sind und daher jeder ein anderes Lied zum Tanzen benötigt: „you just need a different song“.

Mit dem neuen Selbstvertrauen ist Gerald nun in der Lage, im Mondschein des Dschungels und unter der ganz eigenen Musik, die nur er hören kann, alle anderen Tiere von seiner neuen Beweglichkeit und dem ganz eigenen Rhythmusgefühl zu beeindrucken.

Das auf Reimen aufgebaute Bilderbuch stellt am Anfang der Geschichte ein Tier dar, welches von den anderen gemobbt wird und mithilfe eines guten Ratschlags schließlich zu neuem Selbtsvewusstsein findet. Wir erleben eine gefühlsbetonte Reise von einem Individuum, das von anderen aufgrund seiner Andersartigkeit ausgelacht und verstossen wird. Durch den  Glauben an sich selbst und die Unterstützung anderer, wächst Gerald letztendlich über sich selbst hinaus.

Das Bilderbuch kann wunderbar im Englischunterricht der Grundschule zum Thema „wild animals“ eingesetzt werden. Hierbei  finden die wichtigsten wilden Tiere wie elephants, rhinos, monkeys, lions, snakes und crocodiles Erwähnung und einige andere werden beim Jungle Dance abgebildet. Auch das Aussehen der Tiere wird kurz angeschnitten, Gerald mit seinen „thin legs“ und „long neck“, sodass hier auch auf die äußere Beschreibung der Tiere eingegangen und der Wortschatz um einige Ausdrücke erweitert werden kann. Durch die reimende Sprache sind einige Ausdrücke für Grundschüler etwas schwer zu verstehen, was jedoch durch die unterstützende Mimik und Gestik der Lehrkraft ausgeglichen werden kann. Auch als Umsetzung zum Theaterstück eignet sich die Geschichte sehr gut, da viele Kinder mitmachen und die Sprechrollen von den Kindern auf ganz eigenem Niveau aufbereitet und eventuell gar erweitert werden können.
Weitere Unterrichtsideen und zum Buch passende Bildkarten findet man als Download beim Oldenbourg-Verlag.

Da auch unterschiedliche Tanzstile vorgestellt werden und das ganz eigene Rhythmusgefühl eine wichtige Rolle spielt, eignet sich das Bilderbuch auch sehr gut für den fächerübergreifenden Unterricht. Im Musikunterricht können hierzu unterschiedliche Tänze ausprobiert und das Rhythmusgefühl thematisiert werden.

Gerald was a tall giraffe
Whose neck was long and slim,
But his knees were awfully bandy
And his legs were rather thin.

Ein ergreifendes  Bilderbuch über die Suche nach dem eigenen Selbstvertrauen, das sehr gut im fremdsprachlichen Unterricht eingesetzt werden kann.

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Daniela Kulot – Malte Maulwurf und sein wundersamer Fernseher

Malte Maulwurf hat zu seinem Geburtstag von seiner Freundin Mia Maus einen wundersamen Fernseher geschenkt bekommen. Es ist sogar in HD-Qualität, hat eine Fernbedienung, doch leider keinen Ton. Das jedoch stört den Malte nicht, denn er erzählt eh lieber einfach selbst dazu. Und so kommt es, dass Malte mit seinen Freunden vor einem riesigen Aquarium sitzen und in die Welt von spannenden, fantasiereichen und bunten Geschichten eintauchen. Malte ist ein toller Geschichtenerzähler und lockt viele Zuschauer und -hörer in seine Wohnung. Als der Molch auftaucht und einen richtigen Fernseher mitbringt, sind die Freunde glücklich, denn endlich haben sie eine vernünftige Sitzgelegenheit, um weiterhin Maltes wundersamen Geschichten zu lauschen …

„Weißt du (…), wenn du wunderbunt glücklich, froh und frei bist, dann kannst du Dinge sehen, die andere nicht sehen können, und du kannst Dinge erreichen, die andere nicht erreichen können.“

In dem neuen Bilderbuch von der sehr talentierten Daniela Kulot wird das Geschichtenerzählen und die Fantasie in den Vordergrund der Geschehnisse gestellt. Malte nutzt sein Aquarium als Anlass seinen Freunden die wundersamsten Dinge zu erzählen. Mit stets offener Körperhaltung präsentiert er ihnen die Früchte seiner Fantasie und kann sie an sein stetig wachsendes Aquarium fesseln. Die Farben des anfangs kleinen und eher unscheinbaren Aquariums, werden mit Maltes Erzählungen immer prächtiger, strahlender und bunter. Seine Zuschauer hat er alsbald für sich gewonnen und lässt die Kunst des Erzählens und ihre Bedeutsamkeit aufleben, sodass der „richtige“ Fernseher dagegen sehr blass aussieht.

Daniela Kulot schneidet das Thema Medienkonsum ohne den erhobenen Zeigefinger an und zeigt, dass die Mündlichkeit und das Beisammensein in der Gesellschaft sehr wertvoll ist. Natürlich können auch bestimmte Fernsehsendungen Wissenswertes vermitteln und die Fantasie anregen, dabei kommt es jedoch auf die Art der Sendung an. Manche können die kindliche Kreativität gar beflügeln (siehe Studie von Tillmann). Doch die Kunst des Erzählens entwickelt sich nun einmal durch das Sprechen.

Hier kann das Buch wunderbar bereits in der 2. Klasse als Aufhänger für das mündliche Erzählen genommen werden. Was heißt Geschichtenerzählen? Was bewirkt das bei den Zuhörern? Was macht einen guten Geschichtenerzähler aus? Das Aquarium kann durch einen Kamishibai-Rahmen ersetzt und mit den fantasievollen Beiträgen der Kinder gefüllt werden!

Wiedereinmal ein grandioses Bilderbuch von Daniela Kulot: die  Magie des kunstvollen Geschichtenerzählens!

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Alexander Steffensmeier – Lieselotte versteckt sich

Die Kuh Lieselotte liebt es mit den anderen Bauernhoftieren Verstecken zu spielen. Aber da sie so groß ist, ist das Finden eines guten Verstecks für sie nicht so einfach. Als sie einen großen Baum erblickt, beschließt die kurzerhand in die schwindelerregende Höhe zu klettern. Ihre Freunde suchen sie vergeblich. So schön der Ausblick vom Baum auch ist, so ganz alleine wird es ihr dann doch langweilig. Leider erweist sich der Weg nach unten ziemlich gefährlich  und so gesellt sich ein Freund nach dem anderen zu ihr mit der vergeblichen Absicht ihr herunterzuhelfen … ist eine Rettung noch möglich?

In diesem Band wird ein neues Abenteuer der beliebten, durchaus verrückten und doch liebenswerten und abenteuerlichen Kuh Lieselotte festgehalten. Das Szenario ist ein Bauernhof mit vielen Tieren, ohne jegliche moderne Spielgeräte. Alles was die Tiere  für das Spielen in der Natur haben, ist ihre eigene Fantasie. Für eine mögliche Einstimmung auf einen Urlaub auf dem Bauernhof wird ein alltäglicher Freizeitvertrieb präsentiert, der Spaß macht und das Miteinander fördert.

Die Absurdität des Hochkletterns einer Kuh auf den Baum, verleiht dem Buch eine  heitere Stimmungswürze. Aus einer misslichen Lage wird versucht das Beste zu machen und es einfach mit Humor zu nehmen. Große Bilder voller Trubel sind besonders für jüngere Kinder sehr anschaulich und ansprechend gestaltet. Die vielfältige Mimik und die unbeholfene und meist täppische Körpersprache von Lieselotte sind stets ein Genuss.

Ich lese und betrachte das Buch und fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt. Der Geruch der Tiere und die bloße Fantasie und die einfache Umgebung, die für das Erfinden von eigenen Spielen genutzt wurde, kommen mir wieder in den Sinn. Dieses Bilderbuch spiegelt eine sorglose Unbefangenheit und gleichzeitig die Rückbesinnung auf die traditionellen Werte wider, in die ich gerne abermals eintauche.

Eine heitere Rückbesinnung auf eine Kindheit in der Natur.

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Martin Baltscheit – Die Geschichte vom Löwen, der nicht bis 3 zählen konnte

Der Löwe kann brüllen und Zähne zeigen, nur das zählen beherrscht er nicht. Aber das stört ihn nicht. Nun ja, bis er eines Tages einen Löwen trifft, der seiner Löwin einen Blumenstrauss schenkt und ihre Aufmerksamkeit somit für sich beansprucht. Das missfällt dem Löwen sehr. Als ein Schmetterling ihn auf seine Wut provozierend fragt: „Na, hör mal, kannst du nicht bis 3 zählen?“, beschliesst der Löwe sich auf den Weg zu machen, um jemanden zu finden, der bis 3 zählen kann…

Das Buch „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ hat sich ja mittlerweile als Klassiker zur Einführung in das Thema Briefe schreiben fest etabliert. Die Illustrationen begeistern die Kleinen stets aufs Neue und das Mitsprechen der sich wiederholenden Strukturen geschieht wie von selbst. Umso erfreuter war ich eine Fortsetzung des überragenden Bilderbuchs in den Händen zu halten.

Die erste Illustration schliesst an das letzte Bild aus „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ an und zeigt den Löwen und die Löwin lesend auf der Wiese liegen. Durch ein Missverständnis verspürt der Löwe Minderwertigkeitsgefühle und beschliesst die anderen Tiere zu bitten, ihm das Zählen beizubringen, um seine Löwin wieder beeindrucken zu können. Dieses Vorhaben ist jedoch nicht von Erfolg gekrönnt, denn jedes Tier hat für sich nur eine besondere Zahl auserkoren wie z.B. das Einhorn die eins, die Schwäne die 2 usw., das Aufsagen einer Folge von  Zahlwörtern kann leider keines dieser Tiere. Die Antworten der Tiere sind stets in Reimform  und sehr amüsant. Die wiederkehrende Satzstruktur „Total blöd!“ animiert auch hier zum Nachsprechen. Die Illustrationen geben geschickt versteckt die nun folgende Zahl z.B. durch den Uhrzeiger, Kerzenanzahl, Kinderzahl etc. wieder. Beim Vorlesen kann vor der Erwähnung der richtigen Zahl innegehalten werden, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, die Zahl von sich aus zu nennen.

Der Fokus liegt in diesem Bilderbuch, meiner Meinung nach, jedoch eher auf der Zweideutigkeit bestimmter Aussagen. Was meint der Schmetterling, wenn er fragt: „Kannst du nicht bis 3 zählen?“, als der andere Löwe die Aufmerksamkeit der Löwin mit einem tollen Blumenstrauß auf sich lenken konnte und dafür einen Kuss bekam? Oder was bedeutet die Äußerung des Löwen nach einem Zweikampf, dem Löwen Bruchrechnung beigebracht zu haben? Diese Aussagen dienen wunderbar als Aufhänger zur Thematisierung von Redewendungen.

Leider empfinde ich den Ausgang der Geschichte, pädagogisch betrachtet, nicht wirklich gelungen. Das Problem der Rivalität wird mit Fäusten und Gewalt gelöst. Natürlich muss man im Hinterkopf behalten, dass die Löwen in der Tierwelt es genauso tun, aber einen bitteren Nachgeschmack hat es für mich trotzdem.

Zum Thema Bilderbücher im Mathematikunterricht verweise ich auf dieses äußerst gelungene Bilderbuch zur Mengenerfassung: Zwölf und der Wolf.

Zur Thematisierung von Redewendungen und zweideutigen Aussagen sehr zu empfehlen.


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Werner Holzwarth und Stefanie Jeschke – Ich wär so gern … dachte das Erdmännchen

Das kleine Erdmännchen lebt im Zoo und erledigt seine Aufpasserrolle ganz gewissenhaft: nach links … geradeaus … nach rechts … geradeaus. Doch im Zoo leben auch andere Tiere, wie z.B. die starken Bären, die lustigen Schimpansen oder die mächtigen Löwen. Wie gern wäre das Erdmännchen so wie die anderen Zoobewohner… Trotz seiner verträumten Bewunderung über die Wesensmerkmale der anderen Tiere, fällt dem Erdmännchen, so wachsam wie er ist, der große dunkle Schatten sofort auf. Schnell pfeift er seine Artgenossen in ihre Erdlöcher und steht nun selber im Mittelpunkt der Bewunderung!

Ich bin ein Erdmännchenfan. Diese niedlichen Tiere könnte ich im Zoo stundenlang beobachten. Ein niedliches Exemplar hat auch Stefanie Jeschke geschaffen. Werner Holzwarth hat seinen Text an die schnellen und ruckartigen Bewegungen eines Erdmännchen angepasst und so findet der Leser viele bruchstückhafte und äußerst knappe Gedankengänge des Erdmännchen.

„Ich wär so gern …“ – Das Erdmännchen würde am liebsten in die Haut anderer Tiere schlüpfen. Stets begründet, stellt er seine Bewunderung für andere dar und merkt gar nicht, dass auch er einiges bietet, was die anderen Tiere ebenso an ihm bewundern und worauf er stolz sein kann.

Dieses Bilderbuch konzentriert sich darauf die Wesensmerkmale unterschiedlicher Tiere herauszuarbeiten. Was macht ein Erdmännchen besonders? Natürlich seine Schnelligkeit und Wachsamkeit. Es geht darum seine eigenen Stärken zu erkennen und zu wissen was man besonders gut kann. Jeder hat seine eigenen Talente und Begabungen, die es zu schätzen gilt, statt andere wegen ihrer Fähigkeiten zu beneiden.

Das Bilderbuch bietet einen tollen Schreibanlass für Grundschulkinder, die erst kürzlich im Zoo waren. „Ich wäre so gern …, weil …“ – die Vervollständigungen wären sicherlich sehr spannend und aufschlussreich. 🙂

Ein wundervoll illustriertes Bilderbuch  über die eigenen Stärken. Kinder und Erwachsene werden gleichermaßen ihre Freude daran finden. Ganz bestimmt!

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Kerstin Schoene und Nina Gunetsreiner – Lullemu, wer bist DU?

Der muntere und sehr aufgeweckte Hund Lullemu hat zwar eine sehr große Sammlung an Spielzeugen, aber dafür keine Freunde. Eines Tages macht er sich auf die Suche und stellt ganz unterschiedlichen Tieren immer ein- und dieselbe Frage: „Wollen wir Freunde sein?“. Der Hahn möchte Lullemu nur als Freund haben, wenn dieser ein prächtiges Federkleid zeigt. Das Schaf verlangt nach einem wolligen Fell. Und als schließlich ein Marienkäfer auf feine Flügeln beharrt, muss Lullemu erkennen, dass er den Bedingungen der Tiere nicht gerecht werden kann….  Und dann trifft er einen, der auch schon soooo lange auf der Suche nach einem Freund ist …

Der Aufbau und die Thematik dieses Bilderbuchs erinnert mich sehr stark an das erst kürzlich rezensierte Buch „Passt das?“ von Meike Teichmann. In beiden Büchern begibt sich der Protagonist in die Tierwelt, um nach Zugehörigkeit und Freundschaft zu suchen. Dieses Bilderbuch unterscheidet sich dadurch, dass der Protagonist sich nicht von sich aus verändern möchte, sondern von seiner Außenwelt dazu genötigt wird. Als Aussenseiter möchte sich Lullemu stets anpassen und erfährt permament Ausgrenzung, Missgunst und Zurückweisung. Er kann es keinem Tier recht tun, so sehr er sich auch bemüht. Bis er eines Tages einen seinesgleichen findet.

Dieses Bilderbuch behandelt das Thema Freundefinden sehr spielerisch. Die Illustrationen sind sehr großflächig und bunt. Die Traurigkeit Lullemus kommt nur dezent zum Vorschein. Es zeigt, dass wahre Freundschaft an keine Bedingungen geknüpft sein sollte. Bei wahren Freunden soll man sich so geben können, wie man tatsächlich ist, ohne sich verstellen zu müssen.

 

Eine bunte Geschichte vom Freundefinden.

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