Mira Lobe und Susi Weigel – Bimbulli

Mira Lobe - Bimbulli

Annerl und Peter spielen Mutter-Vater-Kind. Für die Rolle des Kindes nähen sie kurzerhand aus einem „Fetzerl“ einen „Bimbulli“. Da dem Puppenkind ein Wagerl fehlt, wird auch dieses aus einer Knopfschachtel, Haarnadeln und zwei Knöpfen für Räder gebastelt. Beim Versteckspielen kommt das Bimbulli abhanden und erlebt nun seine eigenen Abenteuer. Nach der Begegnung mit der freundlichen Henne verspricht Bimbulli gut auf Prinz Küken aufzupassen. Doch schon bald kommt Regen auf und da beide nicht nass werden würfen, fragen sie einen Frosch, ob er ihnen nicht Unterschlupf gewähren kann. Dieser ist zuerst gar nicht so über den Besuch erfreut und als dann noch mehr Tiere Schutz suchen, reagiert er zornig. Doch die Tiere können sich schließlich auf die Gutmütigkeit des Frosches verlassen und rücken immer mehr zusammen. Doch das Wasser steigt und steigt… Werden die Freunde es sicher an Land schaffen?
Das erstmals im Jahre 1964 erschienene Bilderbuch der Erfolgsautorin Mira Lobe, die u.a. für den weltbekannten Kinderbuchklassiker „Das kleine Ich bin ich“ bekannt ist, thematisiert die Bedeutung des Zusammenhalts in einer Gemeinschaft. Die Illustratorin Susi Weigel hätte am 29. Januar 2014 ihren 100. Geburtstag gefeiert. Im Team mit Mira Lobe haben sie gemeinsam an die 40 Kinderbücher geschaffen. Die Illustrationen wechseln sich hier in ihrer Farbgebung stets ab. Neben schwarz-weiß Abbildungen tauchen auf jeder zweiten Seite farbige, großflächige Darstellungen auf.
„Bimbulli“ ist unternehmungslustig und fungiert als Wertevermittler in der Fantasiewelt von Kindern. Pädagogisch wertvoll und immer noch aktuell ist die kreative Erschaffung der Puppe aus einem Stoffstück von den Kindern. Aus einfachen Mitteln wird beispielhaft gezeigt, wie aus einem Stück Stoff und ein bisschen Watte ein Puppenkind gemacht werden kann. Passend dazu findet sich im Buch eine genaue Anleitung für das Nähen eines eigenen „Bimbulli“.
bimbulli
Durch Bimbulli wird der grantige und missmutige Frosch nett und freundlich. Diese Abenteuerreise zeigt, dass Egoismus nicht siegen kann und man es mit Gemeinschaftssinn schlussendlich weiter bringt. Man kommt nicht umhin das kleine „Etwas“ mit dem tollen Namen „Bimbulli“ ins Herz zu schließen. Das Such-Wimmelbild macht den Kindern am meisten Spaß (siehe Bild unten). Wo versteckt sich bloß das Bimbulli? Hier darf man sich in den tollen Illustrationen von Susi Weigel verlieren und die nostalgische Note genießen.
Bimbulli
Dieses Bilderbuch ist ein zeitloser Klassiker und schließt Kreativität, Fantasie, Gemeinschaftssinn und Freundschaft ein.

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Mark und Rowan Sommerset – Alles gut, Kleiner!

Alles gut, Kleiner

Zwei Krabbeltierchen leben auf unterschiedlichen Seiten eines grünen Blattes. Während das rote Krabbeltierchen  frohen Mutes in die Welt blickt, fürchtet sich das blaue Krabbeltierchen über die Grenzen des Blattes hinauszuschauen und bemitleidet sich selbst. Auch nach mehrfacher Aufforderung des roten Krabbeltierchens die Schattenseite des Blattes zu verlassen, jammert das blaue Krabbeltierchen:
Ach, ich weiß  nicht, ich weiß nicht,
ob ich das kann.
Auch die große Sehnsucht nach Sonne kann die Angst nicht dämmen und so wartet das blaue Krabbeltierchen bis die Erlösung durch für ihn nicht zu beeinflussende Begebenheiten bewirkt wird.

Ein unauffälliges, grünliches Buch im Querformat mit wundervoll ausgestanzten Einzelheiten und meisterhaften Reimen trägt eine gewichtige Botschaft. Das blaue Krabbeltierchen leidet an einer scheinbar „erlernten Hilflosigkeit“. Dieses psychologische Konzept dient der Erklärung von Depressionen und Angstzuständen. Das blaue Krabbeltierchen glaubt nicht daran etwas aus eigener Kraft bewirken oder überwinden zu können. Er kann die als unangenehm erlebten Zustände nicht abstellen, obwohl er es könnte, betrachtet vor allem aus der Sicht des roten Krabbeltierchens.

Diese beiden Krabbeltierchen könnten nicht unterschiedlicher sein. Das mutige, rot leuchtende Krabbeltierchen nimmt sein Leben in die Hand, agiert selbstbewusst und „liebt die Aussicht“. Das blaue, ängstliche, unsichere Krabbeltierchen dagegen traut sich nur wenig zu, versinkt in Selbstmitleid und schiebt die negativen Zustände seinem Schicksal zu, auf das er angeblich keinen Einfluss nehmen kann. Trotz zahlreicher Hilfsangebote seines Freundes kann er seinem Elend nicht entfliehen.

Doch Freiheit und Hoffnung sind in Sicht, auch wenn sie leider nicht von dem blauen Krabbeltierchen selbst herbeigeführt werden. Die Hoffnung bleibt, dass er zukünftig seine Ängste überwindet und seine Probleme selbst anpackt.

Alles gut, Kleiner!

„Ist das Glas halb voll oder halb leer?“ – Ein Bilderbuch für kleine Optimisten und die, die es werden möchten. Man muss sich nur trauen!

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Antje Damm – Clara und Bruno

Clara und Bruno

Clara liebt ihren Hund Bruno. Gemeinsam unternehmen sie Spaziergänge zum Strand, buddeln Löcher, gehen zum Metzger und angeln Fische. Doch irgendwann frisst Bruno nichts mehr und Clara macht sich Sorgen. Schließlich weiß sie, was kommt. Sie gräbt ein letztes Mal ein Loch, ein Loch für Bruno.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Sterben und Tod“ ist schwierig, nicht zuletzt aufgrund der Unmöglichkeit der persönlichen Erfahrbarkeit, der Ungewissheit über ein Leben nach dem Tod sowie seine Unumgänglichkeit. Der Umgang mit dem Verlust eines Haustieres wird hier als Aufgabe der Hauptfigur gezeigt, denn nur aktive Trauerarbeit führt zu einer erfolgreichen Verarbeitung. Dazu gehören auch Tränen und die für immer bleibende Erinnerung.

Antje Damm zeigt einen exemplarischen Umgang mit dem Tod infolge einer Krankheit. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf einem angstfreien Zugang zu Sterben, indem es als normal, natürlich, als Teil eines Kreislaufes verdeutlicht wird.  Der eintretende Tod von Bruno wird vom Herbst begleitet und symbolisiert, da es sich um ein Naturphänomen handelt, die Vergänglichkeit. Auch die Metapher des starken Windes, das Wegfliegen, deutet den Tod an und macht es zu etwas Natürlichem.

Der sachlich-nüchterne Zugang wird durch die Darstellung des toten Fisches verstärkt, den sich Bruno schmecken lässt. Leben ist für uns alle, egal ob Mensch oder Tier, vergänglich und Teil eines natürlichen Kreislaufs. Antje Damm mutet ganz zu recht dem Kind eine unbeschönigte Konfrontation mit realen Problemen, die das Leben schreiben.

Clara und Bruno

Ein sachlich-nüchterner Zugang zum Thema Sterben und Tod.

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Tor Freeman – Olivia und die schlechte Laune

Olivia hat schlechte Laune

Die dunkle Wolke über Olivias Kopf lässt schon vermuten, dass heute einfach nicht ihr Tag ist. Sie hat schlechte Laune. Im Verlauf des Tages trifft sie ihre beste Freundin Molly. Als sie Olivia fragt, ob sie denn nicht mit Dinosauriern spielen möchte, motzt Olivia sie einfach an. Daraufhin möchte Paul Olivia ganz stolz  seinen neuen Hut präsentieren, doch sie beleidigt ihn und zieht mit mieser Miene weiter. Dieses Schicksal trifft noch drei weitere Freunde und bei allen hinterlässt die Begegnung mit Olivia ebenfalls eine dunkle Wolke über dem Kopf. Schlechte Laune ist eben ansteckend.
Wird Olivia sich von ihrer schlechten Laune befreien können? Und wie macht sie ihr Verhalten bei ihren Freunden wieder gut?

Tor Freeman zeigt in den für Olivia-Bände typischen sequenzartigen Abfolgebildern welche Auswirkungen eine Begegnung mit schlecht gelaunten Menschen haben kann. Sie hinterlässt einen faden Nachgeschmack oder eben eine dunkle Wolke, manchmal sogar versehen mit einem Blitz. Olivia ist zu ihren Freunden gemein, unfair, mies und motzig. Solchen Menschen möchte man nicht über den Weg laufen. Und doch zeigt es ganz wunderbar, dass es richtig ungerecht ist, sich seinen Freunden gegenüber so zu verhalten.

Achtung Spoiler! (Zum Lesen bitte markieren)

Leider wird die Wendung zur guten Laune durch Süßigkeiten hervorgerufen.
Eine nicht allzu sinnvolle pädagogische Maßnahme.
Schöner wäre es gewesen eine Selbsteinsicht zu evozieren.

Positiv ist, dass Olivia diese negative Ladung schlechter Laune von ihren Freunden zurückbekommt. Hier wäre es schön zu sehen, dass dieses Erlebnis sie zum Nachdenken bringt und schließlich in einem Umdenken endet.

Olivia hat schlechte Laune

Ein nettes Geschenkbuch für so manche Menschen, die gerne schlechte Laune verbreiten. 😉

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Ann Bonwill und Simon Rickerty – Ich bin doch keine Erbse

Ich bin doch keine Erbse

Das Flusspferd Hugo und der Vogel Bella sind die allerbesten Freunde. Gemeinsam planen sie ihre Kostüme für einen Märchenkostümball. Hugo schlägt vor sich als Prinzessin zu verkleiden und Bella soll dementsprechend als Erbse zum Ball gehen. Mit diesem Vorschlag ist Bella jedoch ganz und gar nicht einverstanden, schließlich ist eine Erbse klein und rund. Viel lieber würde Bella als Meerjungfrau gehen und Hugo soll dafür ihr schöner Felsen sein. Hugo findet, dass Felsen grau und plump sind, was seinen Ärger noch weiter steigert. Nach einigen weiteren unzufriedenstellenden Vorschlägen, eskaliert die Kostümsuche in einem Streit.

Außerdem will ich gar nicht mehr mit dir auf den Ball gehen.
Na wenn das so ist, dann will ich auch nicht mehr.

Werden die beiden Freunde sich doch noch einigen können und es rechtzeitig zum Märchenkostümball schaffen?

Die Ausgangssituation ist so realitätsnah der kindlichen Lebenswelt entnommen, dass man schon zu Beginn schmunzeln muss. Zur Freundschaft gehört eben auch sich behaupten zu können und natürlich Kompromisse zu schließen. Dies ist ein humorvolles Bilderbuch rund um Bestimmer, Konkurrenten und wahre Freunde.

Die sehr bunten und reduzierten Illustrationen von Simon Rickerty fokussieren auf die Gefühle und die Verkleidungen der beiden Protagonisten. Die Dialoge unterscheiden sich in eigens für die Tiere entworfenen Schriften und lassen sich schnell den jeweiligen Figuren zuordnen. Man kann den Streit mit all den typisch kindischen Formulierungen regelrecht hören. Die Unzufriedenheit, der Trotz und die Ärgernis springen den Leser buchstäblich an. Ja, genauso läuft es unter Kindern ab.

Pädagogisch wertvoll ist auch der vorgeschlagene Kompromiss. Vor dem Vorlesen der eigentlichen Lösung, müsste man mit den Kindern unbedingt ins Gespräch kommen und die Kinder auch selbst beschreiben lassen, wie die beiden Freunde sich wohl fühlen. Natürlich wäre es sicherlich auch spannend von den Kindern zu erfahren, wie sie sich die Lösung des Streits vorstellen.

Dieses Thema ist nicht nur unter Freunden, sondern auch später in der Grundschule, wenn Kinder mit einem Partner oder in der Gruppe etwas erarbeiten sollen, sehr bedeutsam. Die Bedürfnisse der anderen Mitschüler berücksichtigen und sich einigen können ist ein langwieriger Prozess und eine nicht zu unterschätzende Kunst.

Ich bin doch keine Erbse

Eine humorvolle Geschichte rund um die Fähigkeit auf seine Mitmenschen einzugehen und vielleicht auch selbst einmal zurückstecken zu können.

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Kerstin Schoene – Ein Haufen Freunde

Ein Haufen Freunde

Alle Tiere im Zoo machen sich Sorgen um den kleinen Pinguin. Dieser bedauert herzzerreißend seine Unfähigkeit zu fliegen, schließlich sei er ja ein Vogel: „So sehr ich mich auch anstrenge, ein Pinguin bleibt immer unten.“

Um dem Pinguin seinen Herzenswunsch „Über den Wolken zu schweben“ zu erfüllen, beschließen die Tiere ihm gemeinschaftlich zu helfen.  Nach dem Prinzip „Jeder Versuch macht klug“ erproben die Tiere die unterschiedlichsten Einfälle und kommen letztlich zu dem Entschluss sich selbst zu stapeln. Doch kann ein Igel einen Elefanten und ein Flamingo einen Krokodil halten?

Als Betrachter hat man die liebenswürdigen Zootiere und besonders den Pinguin alsbald ins Herz geschlossen. Kerstin Schoene zaubert eine solch wonnetrunkene Wärme in ihre Charaktere, dass man sie einfach nur gern haben muss.

Der besondere Clou dieses Bilderbuchs ist die Wendung um 90°C mitten im Buch, die mit einer inhaltlichen Wendung zum Guten einhergeht. Ab hier wird die Geschichte quer gelesen und der kleine Pinguin rückt immer ein Stückchen näher seinem Herzenswunsch entgegen. Sehr amüsant ist natürlich die ungewöhnliche Reihenfolge der Stapelung. Da steht ein Nilpferd auf einem Zebra und der hochrote Gesichtsausdruck verrät sehr genau, wie sinnvoll diese Abfolge ist. Doch genau von diesem Witz und Charme lebt dieses Bilderbuch.  Hier wird sich keiner das Schmunzeln verkneifen können!

Im Mittelpunkt des Bilderbuchs steht die Thematik „Zusammenhalt“, „Gemeinschaft“ und „Sich-gegenseitig-helfen“. Nach dem Motto „Zusammen sind wir stark“ vollbringen die Zootiere das Unmögliche und erfüllen somit ihrem Freund seinen sehnlichsten Traum.

Ein Haufen Freunde

Bezaubernde Charaktere mit einer großen Portion Witz und einem einfallsreichen Glanzpunkt!

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Susa Apenrade und Miriam Cordes – Zusammen sind wir einfach stark

Zusammen sind wir einfach stark

Sofie freut sich auf den Kindergarten. Am liebsten spielt sie mit ihren Freundinnen Tierklinik. Doch als sie mitbekommt, dass ihre Freundin Anna sie nicht bei ihrem Geburtstag dabei haben will, schwindet ihre Freude ganz schnell.

Nach dieser Begebenheit wird Sofie ganz sensibel im Umgang mit anderen Kindern. Wie fühlt sich wohl Alina, wenn ihr Basti nicht erlaubt mit anderen Kindern gemeinsam zu puzzeln. Wie reagiert Sofie in dieser Situation? Hat sie aus ihrer Erfahrung mit Anna gelernt?

Dieses Bilderbuch schildert in unterschiedlichen kindgerechten Situationen vielfältige, konkrete Begebenheiten, in denen Kinder von anderen Kinder ausgegrenzt oder ignoriert werden. Aus ihrer Erfahrung weiß Sofie wie sich das anfühlt und überlegt stets, wie sie die jeweiligen Kinder in die Gemeinschaft einbeziehen kann.

Besonders gut gefallen mir an diesem Bilderbuch die an die jeweilige Situation anschließenden Entscheidungsfragen als Gesprächsanlässe:

Was meinst du? Was könnten die Kinder tun?

Wie soll sich Sofie entscheiden?

Hier dürfen unterschiedliche Vorschläge gesammelt und die Gefühle der Teilnehmenden ausführlich besprochen werden. Haben die Kinder sich auch schon einmal so gefühlt? Wie ging es ihnen dabei? Was wären die Alternativen im Verhalten?

Die einzelnen Szenen, die auch übrigens durchaus aus dem Kontext der Geschichte heraus einzeln vorgelesen werden können, animieren dazu, Kinder zu bestärken, auf andere offen zuzugehen und sich für sie einzusetzen. Dafür bedarf es durchaus Selbstbewusstsein und Ich-Stärke. An die Gesprächsfragen anschließend folgt Sofies tatsächliche Reaktion auf die jeweiligen Sachlagen.

Im Lehrplan NRW für Sachunterricht ist das Thema „Mensch und Gemeinschaft“ ein wichtiger Schwerpunkt. Hier sollen eigene Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer wahrgenommen und eine faire Aushandlung von Interessen und Regeln vorangetrieben werden. Die im Buch dargestellten Situationen eignen sich hervorragend für Rollenspiele, anhand derer sich Lösungsmöglichkeiten für Konfliktsituationen entwickeln lassen und ihre Wirkung überprüft werden kann. Da sich einige wenige Konflikte im Kindergarten als Umgebung abspielen, müssten die Situationen evtl. modifiziert dargestellt werden, damit sich Grundschulkinder damit besser identifizieren können.

Zusammen sind wir einfach stark

Material

Zusammenhalt

Darstellung kindgerechter Konfliktsituationen und deren faire Lösung. Ein Bilderbuch über Freundschaft und Zusammenhalt, das zum Mitdenken anregt.

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Alice Brière-Haquet – Alles Schweine, oder was?

Alles Schweine, oder was?!

Der kleine Schafjunge und sein Vater leben im „Schweinland“. Sie sind von lauter Schweinen umgeben, die ihnen gegenüber nicht unbedingt freundlich gesonnen sind. Die Bäckerei-Verkäuferin grunzt sie stets boshaft an, der Parkwächter dreht ihnen den Rücken zu und auch das kleine Mädchen von nebenan macht ganz fiese Witze. Doch am schrecklichsten ist  Bodo Grunz und „der wohnt leider neben uns“ …

Schafe sind in diesem Land ganz und gar nicht beliebt. Doch woran mag das liegen? Mögen Schweine keine Schafe oder kennen sie sie einfach nicht?

Eine wundervolle Annährungsgeschichte zweier „Nationen“, die ein unverschönert ehrliches, multikulturelles Zusammenleben schildert. Die Illustrationen zeigen wunderbar das überschattete Verhältnis der beiden zuerst komplett unterschiedlich anmutenden Völker. Auf den charmant-frechen, comic-artigen Bildern, gibt es Vieles zu entdecken. Das Mienenspiel der Darsteller wurde von Pénélope Paicheler ganz zauberhaft und variantenreich eingefangen.

Das grantige und keinesfalls wohlwollende Beziehungsverhältnis resultiert jedoch daraus, dass die beiden Parteien sich kaum  kennen. Erst durch einen blöden Zufall, bei dem sich die Schafe als Retter erweisen, beginnt das eigentliche Kennenlernen. Und nu? Es werden Gemeinsamkeiten entdeckt, die zum schrittweisen Ausbau von Sympathie, Toleranz und Akzeptanz führen.

Das Bilderbuch wurde aus dem Französischen übersetzt und mit witzigen Reimen untermalt. Hier und da werden Stolpersteine beim Vorlesen deutlich. Insgesamt ist es jedoch erheiternd und äußerst passend zu den mit Augenzwinkern zu verstehenden Bildern, die viel mehr für sich sprechen, als der Text es vielleicht vermag.

Alles Schweine, oder was ?!

Ob einer Schaf ist oder Schwein,
ist piepegal.
Wer glaubt, das sollte anders sein,
der kann uns mal.

Material

Drei Arbeitsblätter für die Grundschule zum Thema „Fremd sein – Freunde finden“: Ängste, Wünsche, Gemeinsamkeiten, die verbinden!

Fremd sein - Freunde finden

Eine ehrliche, lehrreiche, pädagogisch wertvolle Integrationsgeschichte für alle Schweine und Schafe dieser Welt!

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Tor Freeman – Olivia und das große Geheimnis

Olivia und das große Geheimnis

Das verschmitzte Lächeln der Katze Olivia auf dem Titelbild suggeriert bereits, dass das Für-sich-behalten eines großen Geheimnisses nicht ihre Stärke ist. Molly verrät Olivia ein großes Geheimnis und bittet sie es keinem weiter zu erzählen. Natürlich verspricht Olivia es ihr hoch und heilig. Doch die Last ein Geheimnis für sich zu behalten ist groß. Einigen Versuchungen kann Olivia  widerstehen, doch ihrem guten Freund Jan teilt sie es dann doch mit. „Du darfst es aber niemandem erzählen!“, fordert Olivia darauf hin. Dieser sagt es aber dann doch einem Freund weiter und so macht das Geheimnis eine ganze Runde und kommt schließlich wieder bei Molly an… Ups, welche Ausrede wird sich Olivia einfallen lassen? Und um welches Geheimnis hat es sich denn nun überhaupt gedreht?

In den sequenzartigen Abfolgebildern wird die Erzählschleife sehr schön bildlich dargestellt. Der Weg des Geheimnisses kann auch an den Illustrationen visuell gut nachverfolgt werden. Tor Freeman greift ein kindgerechtes Thema auf und stellt vor allem die „Bürde“ des „Geheimnis-behaltens“ in den Vordergrund. In der Tat legen Menschen, die andere bitten ihr Geheimnis nicht weiterzuerzählen, ihnen eine schwer zu tragende Last auf.

Wie verhält es sich mit Geheimnissen? Was ist eigentlich ein Geheimnis? Wie widersteht man der Versuchung das Geheimnis weiter zu erzählen? Ist das Weitererzählen ein Freundschaftsbruch? Im Anschluss an das Lesen gibt es viele Diskussionsanregungen. Positiv hervorzuheben ist ebenfalls die Art der Konfrontation. Das Problem wird mit Witz, Augenzwinkern und Ablenkung gelöst.

Die Spannung der Geschichte wird bis zum Schluss aufrecht erhalten, denn der Leser weiß zu keinem Zeitpunkt, um welches Geheimnis es sich denn nun dreht. Durch eine Illustration am Schluss, kann der Leser lediglich mutmaßen, um welches große Geheimnis es sich gehandelt hat… aber pssst! es wird natürlich nicht verraten!  Man muss Geheimnisse schließlich für sich behalten können! Auch das muss gelernt sein!

Was eignet sich besser, als das Spiel „Stille Post“ im Anschluss an das gemeinsame Lesen. Das Weitergeben an „geheimen Wörtern“ ist nicht so einfach, denn vieles wird missverstanden, falsch gedeutet oder einfach nicht richtig gehört. Genauso wie bei der Weitergabe von Geheimnissen …

Olivia und das grosse Geheimnis

Leichte Unterhaltung rundum für Kinder bedeutenden Thematik „Geheimnisse“.

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Katharina Mauder und Frauke Weldin – Wenn Waldo Waschbär wütend wird

Wenn Waldo Waschbär wütend wird

Rezension

Waldo, der Waschbär, hat heute keinen guten Tag. Sein Lieblingsessen fällt auf den Boden, er schlägt sich mit einem Hammer auf die Pfote und dann versengt er sich auch noch das Fell. Jedes Mal, wenn Waldo seine Wut aufsteigen spürt, fühlt es sich so an, als ob tausend Knallfrösche in seinem Bauch sind.  Und dann kann er einfach nicht anders,  als ganz laut herumzubrüllen. Das erschreckt jedoch seinen Freund Igel so gewaltig, dass er sich einkugelt und nicht mehr traut herauszukommen. Da Waldo seine Freundschaft durch seine Wutausbrüche nicht gefährden möchte, lässt er sich auf Igels Lösungsvorschläge ein und probiert das tiefe Durchatmen, das Boxen und viele weitere wutlösende Varianten aus…bis… er seine ganz eigene Möglichkeit findet, die Knallfrösche rechtzeitig zu beseitigen!

Sehr einfühlsam und kindgerecht gelingt es Katharina Mauder, bereits jüngeren Kindern die Auswirkungen von unangebrachten Wutausbrüchen zu verdeutlichen. Waldos Freund Igel kann  nämlich seine lauten Schreie nicht ertragen und kugelt sich ein. Dieses Verhalten macht ihm gehörig Angst. Durch die Reaktion des Igels, kommt der Waschbär ins Grübeln und erkennt, dass seine Wutausbrüche andere stören und Freundschaften in Gefahr bringen können. Diese Erkenntnis verleitet ihn dazu gemeinsam mit seinem Freund nach Alternativen zum lauten Brüllen zu suchen. Die Selbsterkenntnis finde ich besonders schön herausgearbeitet, denn sie ist für die Änderung des negativen Verhaltens aüßerst bedeutend. Erst wenn ich weiß, warum ich etwas ändern soll, bin ich bereit die dafür notwendigen Schritte zu gehen.

Die unterschiedlichen Lösungsvorschläge des Igels sind allesamt pädagogisch wertvoll. Auch der Hinweis, dass Änderungen Zeit brauchen und nicht von heute auf morgen zu realisieren sind, ist lebensnah und der Wirklichkeit entsprechend. Ein weiterer Pluspunkt geht an dieses Bilderbuch für die Darbietung der ganz individuellen „Wutmedizin“, die Waldo ganz zufällig für sich entdeckt.

Die meisten Illustrationen sind für meinen Geschmack etwas flach und weisen leider nur wenig Tiefe auf (mit Ausnahme der unten abgebildeten Zeichnung). Insgesamt hätte ich mir eine größere Bandbreite an  unterschiedlichen Gefühlsdarstellungen, mehr Dynamik und Konzentration auf das Wesentliche gewünscht, um den sehr gut herausgearbeiteten Inhalt zu unterstützen.

Das Bilderbuch eignet sich hervorragend als Lektüre für Klassen, die an ihrem Klassenklima arbeiten möchten oder für Familien, die ebenfalls mit Knallfröschen im Bauch der Kinder zu kämpfen haben. Auch bei der Ausbildung zu Mediatoren in Streitschlichter-AGs, bietet sich dieses Buch als Einstieg in die Thematik gut an.

Blick ins Buch

Wenn Waldo Waschbär wütend wird

 

Fazit

Sensibel und sinnvoll herausgearbeitete Thematik über Wutausbrüche, Freundschaft und Hilfsbereitschaft.

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