Günther Jakobs – Flieg, Lela flieg!: Für immer beste Freunde

Rezension

Pino bereitet sich auf den Winter vor und sammelt eifrig Vorräte als er eine Schwalbe zwischen den Ästen einer Buche entdeckt. Das Eichhörnchen klettert zur Schwalbe hoch und bietet ihr an ihre Verletzung in seinem Haus im Inneren eines Baumstamms auszukurieren. Die kalte Jahreszeit über verbringen sie gemeinsam und trinken heißen Tee, spielen Spiele und lachen über Pinos Witze. Doch am liebsten hört das Eichhörnchen Lelas Geschichten von ihren vielen Reisen.

Im Frühling lernt Lela wieder fliegen, denn ihr Flügel ist schon fast geheilt. Beim Sommerfest haben alle Tiere im Wald so viel Spaß, dass sich Pino wünscht, dass Lela für immer bei ihm bleibt. Doch im Herbst packt Lela beim Anblick eines Vogelzugs die Sehnsucht nach der Ferne. Pino ahnt schon, was Lela sagen will, als sie ihre Familie am Himmel sieht …

Die grandiosen Illustrationen von Günther Jakobs bahnen sich zuerst einen Weg ins Herz. Man könnte sich die Bilder ewig anschauen. Die Vogel- und Froschperspektive aber auch das Farbenspiel haben eine ganz besondere Wirkung auf den Betrachter.

Die Geschichte mit den vielen thematischen Abzweigungen lässt sich wunderbar im naturwissenschaftlichen Unterricht einbinden. Es geht um Jahreszeiten und die Verwandlung der Natur, die die Tiere dazu zwingt sich entsprechend vorzubereiten. Das Eichhörnchen sammelt fleißig Vorräte und sucht Haselnüsse, Bucheckern und Tannenzapfen. Die Landschaft ist in ein saftiges Orange und Gelb getaucht. Die Schwalbe bietet Ansätze sich den „Vogelzug“ genauer anzuschauen. Woher wissen die Vögel wohin und wann sie aufbrechen müssen? Gibt es einen inneren Kompass? Wie finden sie den Weg wieder zurück?

Damit geht auch das Thema „Abschied und Trennung“ einher. Die Schwalbe muss ihren Freund verlassen und Pino ist gezwungen Abschied zu nehmen und die Freundin ziehen zu lassen. Der Trennungsschmerz ist beiden anzusehen. Hier lassen sich Parallelen ziehen, die Kinder ebenfalls früh erfahren, wenn z.B. der beste Freund wegzieht oder man selbst derjenige ist, der den Freundschaftskreis verlassen muss. Die Darstellung des Abschieds ist bildlich sehr rührend eingefangen.

Blick ins Buch

Nach dem Vorlesen könnte eine Aktivität rund um das „aktive Zuhören“ anschließen. Bei einigen Quiz-Fragen können die Kinder beweisen, was sie behalten haben.

Flieg, Lela, flieg(Material-ID: #125765)

Fazit

Gefühlvolle Geschichte mit fantastischen Illustrationen.

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Merken

Steve Smallman – Ein Zebra als Ehrengast

Zebra erhält von seiner Königlichen Hoheit eine schmeichelnde Einladung als Ehrengast zum Festmahl. Während Zebra ganz aus dem Häuschen ist, wird sein Freund Elefant skeptisch und vermutet, dass hinter der Einladung eine böse List steckt. Er versucht das Zebra mit jeglichen Ablenkungen von der Feier fernzuhalten. Das Zebra unterstellt dem Freund allerdings Neid und Missgunst. Wer erweist sich als klüger?

Das Thema „Freundschaft“ spielt in diesem Bilderbuch voller großformatiger, farbenfroher Illustrationen eine große Rolle. Es geht um Konkurrenzdenken, Intelligenz, Überheblichkeit, Neid, Gemeinheiten aber auch um Fürsorge und Hilfsbereitschaft. Es sind Themenbereiche aus der kindlichen Lebenswelt.

Pädagogisch wertvoll ist der Ausgang der Geschichte. Hier zeigt das Tier Mut und bedankt sich für die Hilfe und entschuldigt sich auch für sein Fehlverhalten. Es benennt genau, wofür es sich entschuldigt. Das ist oft ein weiterer Schritt in der Konfliktlösung, der vielen Kindern schwer fällt.

Am Ende des Bilderbuchs wurde die Seite „Nächste Schritte“ mit Vorschlägen für die Arbeit mit Kindern angeschlossen. Hier gibt es sämtliche Anregungen wie die Weiterarbeit mit dem Bilderbuch aussehen kann. Kinder werden zum Nachdenken angeregt, dürfen sich in die Gefühlslage der Beteiligten hineinversetzen. Konkrete Fragen sollen die Merkfähigkeit der Kinder fördern. Hier wird nach bestimmten Begrifflichkeiten gefragt und vor allem nach dem „Warum?“. Die Kinder erhalten die Gelegenheit sich eine Meinung zu bilden und diese auch zu begründen.

Eine Botschaft – zwei Interpretationen: Die Fähigkeit zwischen den Zeilen zu lesen

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Patrick Wirbeleit und Max Fiedler – Antonia war schon mal da

Antonia war schon mal da

Wenn gute Freunde reisen gehen, gibt’s unterwegs ganz viel zu sehen.

Der kleine Biber und seine Freunde Specht, Molch und der Igel im Rollstuhl möchten die Welt sehen. Mit dem Nötigsten im Gepäck, klopfen sie bei Antonia am Gartentor. Doch Antonia möchte nicht mit, schließlich hat sie die Welt schon längst gesehen:

Ihr glaubt mir nicht?
Ihr wollt Beweise?
Die findet ihr auf eurer Reise!

Und so ziehen die Freunde alleine los. Zwar ist Antonia nicht physisch dabei, doch sie hat trotzdem tatsächlich Spuren auf ihren vorigen Reisen hinterlassen. Diese gilt es auf den Wimmelbildern zu entdecken. Hoch oben auf einem Berg strahlt sie ihre Freunde auf einer wehenden Flagge an. In einer dunklen Höhle wurde sie als Höhlenzeichnung verewigt und auch im Wald muss man die Baumstämme nicht lange nach ihrem Abbild absuchen. Nach der Heimkehr sitzen die Freunde gemütlich am Lagerfeuer „und stellen fest, ganz ungelogen. Was immer unser Ziel auch war. Antonia war schon mal da!“

Ein neues Bilderbuch hat sich in mein Herz gebrannt! Ich selbst liebe das Reisen und kenne viele Globetrotter und Weltenbummler, die  die wundervollsten Flecken der Erde besichtigt haben. Umso wertvoller ist dieses Bilderbuch für die kommende Generation. Es hat Weltoffenheit zum Ziel und auch den Mut neue Wege zu gehen und durch verschiedenste Erlebnisse und Erfahrungen zu wachsen. Es lädt ein auf der Welt seine Spuren zu hinterlassen. Hierbei kann den Igel auch sein Rollstuhl nicht behindern. Er rollt, getrieben von der Abenteuerlust, durch die Eichen- und Birkenwälder und lässt sich, wenn nötig auch helfen, z.B. von seinen Freunden auf den hohen Berg tragen. Davon abgesehen ist das Entdecken von Antonias Hinterlassenschaften ein Heidenspaß und schult ganz nebenbei die visuelle Wahrnehmung. Auch die Erwachsenen werden die Spuren so schnell nicht finden und müssen sich durchaus etwas anstrengen.

Mein Lehrerherz lacht ebenfalls bei der gut überlegten und spielerisch veranlagten Einbindung der Reime. Während zu Beginn den Kindern Zeit gelassen wurde mit Reimen warm zu werden, schließen sich dann sämtlich Satzanfänge an, bei denen das Ende fehlt. Eine zusätzliche Hilfe bieten Vorahnungen auf den Bildern, die  das Schlusswort andeuten.

In Höhlen ist es ganz schön kalt. Viele Bäume sind ein …

Es lässt auch wunderbar an Vielreisende verschenken, die gerade erst aufbrechen oder schon heimgekehrt sind.

Antonia war schon mal da

Die grandiosen Illustrationen sind neben dem äußerst gelungenen Inhalt das i-Tüfelchen!

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Ingo Siegner – Das kleine Erdmännchen Gustav in drei spannenden Abenteuern

Das kleine Erdmännchen Gustav

Im Schuber befinden sich drei Hörbücher mit Abenteuern rund um das Erdmännchen Gustav:

  • Das kleine Erdmännchen Gustav – Spurlos verschwunden
  • Das kleine Erdmännchen Gustav – Nachts auf dem Sambesi
  • Gustav vor, noch ein Tor!

Der Autor von dem liebenswürdigen Drachen Kokosnuss hat erneut einen Charakter erschaffen, den man einfach ins Herz schließen muss. Im ersten Abenteuer stößt Gustav mit einem Radfahrer zusammen, bricht sich das Bein und landet im Krankenhaus. Mit dem Krankenwagen fahren die beiden Verletzten ins Krankenhaus und werden operiert. Während Moritz täglich Besuch bekommt, kriegt Gustav seine Freunde nicht zu Gesicht. Hier tauchen Kinder in die Krankenhauswelt ein und erleben durch Gustav wie es ist auf einer Station zu liegen. Es ist sehr lebensnah erzählt und nimmt Kindern die Angst vor einem möglichen Krankenhausaufenthalt.

Nachts auf einer Bootsfahrt auf dem Sambesi-Fluss wird Gustavs Freund von einem Uhu verschleppt. Gemeinsam schaffen es die Freunde Rocky zu befreien und lernen wieder einmal, dass man gemeinsam viel schaffen kann. Im dritten Teil trainiert Gustav voller Eifer für das große Spiel gegen den VfL Donnerknispel. Dafür haben die Erdmännchen eine Fußballmannschaft aus Zootieren zusammengestellt. Und dann kommt schließlich der große Tag. Dieses Hörbuch ist für alle Fußballbegeisterte und auch hier steht das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund.

Nach dem Vorlesebuch „Struppse in Gefahr„, das ich ebenfalls wärmstens empfehlen kann, hören wir uns in der Frühstückspause nun die Abenteuer vom Erdmännchen Gustav an. Wie schon beim Drachen Kokosnuss wird sehr lebendig erzählt und die eingebundenen Lieder zwischendurch tragen ihren Teil dazu bei, dass die Aufmerksamkeit aufrecht erhalten wird. Inhaltlich werden Jungen und Mädchen gleichermaßen angesprochen und Tiere wirken eh wie Magnete auf Kinder. Vor allem die Geschichte rund um den Krankenhausaufenthalt fanden viele lehrreich und spannend.

Lebendig erzählte Geschichten rund um einen sympathischen Charakter.

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Julia Boehme – Tafiti und der Honigfrechdachs

Tafiti und der Honigfrechdachs

Im siebten Band über das pfiffige Erdmännchen Tafiti und seinen Freund Pinsel dreht sich alles um Honig. Das Honigglas ist wieder leer. Doch sie sind sich sicher, dass bei den Bienen neuer Frühstückshonig zu finden ist. Die Bienen verteidigen ihr Wertvollstes allerdings mit spitzen Stacheln. Der freche Dachs Melle soll helfen. Dafür will er aber den meisten Honig für sich einsacken. Zu allem Überfluss bleibt dieser auch noch in einem hohlen Baumstamm stecken.

Wer kann helfen? Kleine Freunde, ein Heerschaar von Termiten, erweisen sich als große Helfer und kommen Tafiti schließlich zu Hilfe. Zusammen ist man ziemlich stark!

Tafiti, der kleine Savannenbewohner, ist bereits zum richtigen Star avanciert. Es empfiehlt sich jedoch mit den Abenteuern zum ersten Band zu beginnen. So haben Kinder die Möglichkeit den Charakter richtig kennen zu lernen und ins Herz zu schließen.

Bei jungen Kindern rate ich dazu erst das Buch gemeinsam zu lesen. Hier sind viele tolle Bilder enthalten, die den Kindern helfen in diese afrikanische Welt einzutauchen und passende Bilder im Kopf zu kreieren. Die Hör-CD empfehle ich Kindern ab 6 Jahren. Der Sprecher gibt sich alle Mühe die Charaktere durch entsprechende Betonung zum Leben zu erwecken und gibt sich gar beim Lispeln in der Rolle des Löwen King Kofi größte Mühe, doch aufgrund der fehlenden musikalischen Inszenierung fällt es jungen Kindern schwer sich über einen längeren Zeitraum auf den Inhalt zu konzentrieren. Die Quintessenz ist bedeutsam. Es geht um Mut, Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt und Freundschaft. Außerdem wurden lehrreiche Informationen rund um Bienen und Honig in die Geschichte eingebunden.

Tafiti und der Honigfrechdachs

Ein liebevoller Charakter umwoben mit lehrreichen Sachinformationen.

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Jenni Desmond – Das Zebra, das zu schnell rannte

Das Zebra, das zu schnell rannte

Das Zebra, das sehr schnell rennen kann, hat zwei beste Freunde: einen Elefanten, der sehr klug ist und interessante Geschichten erzählen kann und einen Vogel, der äußerst witzig ist und alle zum Lachen bringt. Zusammen sind sie die drei allerbesten Freunde. Doch eines Tages war das Zebra so aufgedreht und fröhlich, dass er ZU schnell rannte und den Freunden davon ganz schwindelig wurde. Sie baten das Zebra damit aufzuhören, doch das Zebra hörte nicht auf. So entschieden der Elefant und der Vogel, dass sie zu zweit besser dran sind.

Eine Giraffe fand das traurige Zebra und bot ihm ein paar frische Blätter an. Nun rannten sie zusammen um die Wette. Währenddessen zog ein schwerer Sturm auf und der Elefant und der Vogel wünschten sich Zebra zurück, um sie mit einem Zebra-Spiel aufzuheitern. Das Gewitter machte ihnen Angst. Sie fanden Zebra bei Giraffe und spielten, lachten und lauschten interessanten Geschichten, bis sie einschliefen. Am nächsten Morgen waren sie jedoch nicht mehr die drei allerbesten Freunde… denn sie waren jetzt zu viert!

Jenni Desmond hat hier ein sehr zauberhaftes und modern illustriertes Bilderbuch geschaffen. Durch feine Linienstriche schafft sie es den Figuren ganz eigene Charakterzüge zu verleihen. Dabei ist stets Bewegung und Perspektivwechsel im Spiel. Es ist ein Genuss sich die Zeichnungen immer und immer wieder anzuschauen.

Das Thema Freundschaft wird hier in einer oft nicht unproblematischen Konstellation thematisiert. In der Streitschlichtung erlebe ich regelmäßig, dass eine häufige Ursache für Streitigkeiten Ausgrenzung und Eifersucht ist. Das Zebra hat sich nicht an die Bitte seiner Freunde halten können und war in seinem Verhalten noch sehr egozentrisch, was typisch für 5-6 Jährige ist, woraufhin er von seinen Freunden ausgegrenzt wurde.

Die Freunde erleben jedoch, dass jeder in seiner Individualität, mit all den dazugehörenden Macken, so schätzbar ist, dass sie ihn schon bald vermissen. Und da Freundschaft kein starres Konstrukt ist, erfahren die Freunde, dass der Freundschaftsbund sich auch vergrößern und alle somit bereichern kann. Manchmal ist nur ein Perspektivwechsel nötig.

Das Zebra, das zu schnell rannte

Material

Seine Freunde schätzen lernen mit all den dazugehörenden Eigenschaften – sich streiten, versöhnen, respektieren und lieben … ein lebenslanger Prozess.Zebra_Freunde_Bild

Ein alltägliches Thema für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter.

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Julia Boehme – Tafiti und die Affenbande

Tafiti und die Affenbande

Im 6. Band der erfolgreichen Tafiti-Reihe rund um das sympathische Erdmännchen und seinen Freund, dem fliegenden Pinselohrschwein, dreht sich alles um Tafitis Geburtstag. Seine Freude auf den berühmten Kuchen von Omama ist riesig, als die Kuchenform kurz vor der Feier geklaut wird. Der Verdacht steht nahe, dass die fiese Affenbande ihre Finger im Spiel hat. Schließlich sind sie für gemeine Streiche, Trubel und Chaos bekannt. Als jedoch Oma selbst verschwindet, zeigt die Affenbande Solidarität und unterstützt Tafiti und Pinsel dabei das geheimnisvolle Verschwinden aufzuklären. Wahre Freunde helfen immer in der Not!

Das niedliche Erdmännchen lässt so manche Kinderherzen schmelzen. In diesem 40-minütigen Hörbuch, unterteilt in neun Kapitel, legt sich Christoph Maria Herbst so richtig ins Zeug um die kleinen Zuhörer mitzureißen. Es wird gegrunzt, geseufzt, gequickt, geflüstert und geschnarcht. Die Sprecherrolle ist gut besetzt und trägt erheblich zum Zuhör-Spaß bei. Dank der kurzen Kapitel können sich auch junge Zuhörer in dieser kurzen Zeitspanne gut auf den Inhalt konzentrieren.

Im Klassenverband würde ich das Hörbuch jedoch erst ab Klasse 2 empfehlen. Für Erstklässler sind verschiedene und abwechslungsreichere Stimmen motivierender, untermalt mit eingebundenen Liedern, die zum  Mitsummen animieren. Für den häuslichen Rahmen, ohne ablenkende Nebengeräusche, eignet sich das Hörbuch bereits ab 4/ 5 Jahren.

Tafitis Abenteuer rund um Verdachtsfälle und wahre Freundschaften.

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Brigitte Endres und Joelle Tourlonias – Hallo, ich bin auch noch da!

Brigitte Endres - Hallo, ich bin auch noch da!

Das kleine Chamäleon lebt mit vielen anderen Tieren in einer Zoohandlung. Jeden Tag aufs Neue versucht es die Besucher auf sich aufmerksam zu machen, rollt sein Schwänzchen zu einer hübschen Schnecke und ruft: „Hallo, ich bin auch noch da!“ Aber keiner sieht es, keiner hört es. Das kleine Chamäleon wird immer übersehen.
Eines Tages reicht es dem kleinen Tier und es klettert unbemerkt aus dem Terrarium. Ganz traurig und mutterseelenallein läuft das Chamäleon durch die turbulenten Straßen. In einem Park entdeckt es ein blasses Mädchen, das darauf wartet auch einmal schaukeln zu können. Auf ihr Rufen hin „Hallo, ich bin auch noch da!“, wird sie von den anderen Kindern nicht gehört und weiterhin ignoriert. Keiner sieht sie, keiner hört sie – nur das kleine Chamäleon weiß, wie es sich anfühlt nicht beachtet zu werden.

„Hallo, ich bin auch noch da!“ ist ein bewegendes Bilderbuch rund um das Thema Selbstbewusstsein und Ich-Stärke. Die beiden vorerst namenlosen Figuren können sich nur schwer behaupten und bleiben stets im Hintergrund. Sie werden von ihrer Unsicherheit überschattet und von den anderen verdrängt. So spielt die Illustratorin zu Beginn der Geschichte mit gedämpften, düsteren Farben. Um die Distanz zum Geschehen zu verringern, werden viele Begebenheiten aus der Froschperspektive gezeigt. Der Leser fühlt somit mit dem kleinen Chamäleon mit und wird emotional auf bildnerischer Ebene einbezogen.

Erst als die beiden Protagonisten sich begegnen, hellen die Farben auf und dem Leser wird der Name des Mädchens verraten. Camée lässt es sich nicht nehmen, dem kleinen Tier ebenfalls einen Namen zu geben und tauft es ganz passenderweise auf „Leon“. Hier wird die Zusammengehörigkeit der beiden Figuren deutlich. Dieses Zusammentreffen verleiht dem Mädchen Mut und zeigt, was Freundschaft bewirken kann. Auf dem abschließenden Bild wird dem Leser ein glückliches Duo präsentiert – schwebend auf einer Schaukel, umspielt von einer leichten Brise.

Hallo ich bin auch noch da
weiterarbeit
Im Kunstunterricht lassen sich die Farben in Bezug auf unterschiedliche Stimmungen (warme – kalte Farben)  und evtl. die Vogel- und Froschperspektive thematisieren. Die verschiedenen Gefühlslagen eignen sich hervorragend zur Realisierung in Form von Standbildern. Eine Adjektivlandkarte zu den Stimmungen vor und nach dem Zusammentreffen kann als Hilfestellung hinzugezogen werden.
Freundschaft kann dem Selbstbewusstsein Flügel verleihen – zusammen sind wir stark!

Hallo, ich bin auch noch da!

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Marcus Pfister – Weisst du, was Glück ist?

Weisst du, was Glück ist?

Was ist Glück?
Glück ist das Allerwichtigste überhaupt.
Zwei kleine Mäuse sitzen auf der Wiese und hängen ihren Gedanken nach. Sie beschäftigen sich mit dem Thema „Glück“ und ergänzen abwechselnd den Satzanfang „Glück ist …“. Für Zoe ist es pures Glück im Winter die Schneeflocken auf der Zunge zu schmecken. Leo liebt es dagegen den Flug einer kleinen Feder zu beobachten. Sie äußern ihre ganz individuellen Vorstellungen von Glück und kommen schlußendlich zu der Einsicht, dass Glück auch ist, gemeinsam mit der besten Freundin einen Drachen steigen zu lassen.

Dieses Bilderbuch über das Glück macht einfach glücklich!

Marcus Pfister, der mit seinem Bilderbuch „Der Regenbogenfisch“ schon viele Kinder glücklich gemacht hat, vermittelt mit der immer gleichen Aufbaustruktur die alltäglichen Glücksgefühle im Leben eines Kindes. Dabei sind es die einfachen Erlebnisse in Verbindung mit der Natur, die die kleinen Mäuse am meisten faszinieren. Das Sammeln von schönen Kieselsteinen oder das Wegpusten der Samen einer Pusteblume macht die Mäuse glücklich. Sehr schön ist, dass die unterschiedlichen Sinne stets einbezogen werden.

Pädagogisch wertvoll ist auch die Erkenntnis, dass einen durchaus Dinge glücklich machen können, die man alleine erlebt und aber auch das Miteinander hervorgehoben wird. Das letzte Bild zeigt die zwei kleinen Mäuse lachend und Hand in Hand weglaufen. Freundschaft macht eben auch glücklich.

Die Illustrationen sind sehr reduziert und mit einem großen Anteil an weißer Fläche dargestellt. Es bleibt viel Freiraum für die eigenen Gedanken und Fantasien. Die Tupf-/ Schwammtechnik lässt alle Erlebnisse harmonisch wirken und ganz subtil ineinander verschwimmen. Es schafft letztendlich einen schönen Rahmen, der zeigt, dass Glück im Fluss des Lebens besteht.

Weisst du, was Glück ist?

Material

Das Thema „Glück“ ist prädestiniert, um mit Kindern darüber zu philosophieren. Was ist Glück? Kann man Glücklichsein überhaupt erlernen? Worin besteht ein glückliches Leben? Gerhard Friedrich hat in seinem Buch „Mit Kindern philosophieren“ den Themen „Glück“ und „Freundschaft“ je ein Kapitel gewidmet. Hier finden sich unzählige themenorientierte Bastelideen, Liedvorschläge und Diskussionsanregungen.

Nach dem Vorlesen der ersten Seiten, die stets mit dem Satzanfang „Glück ist…“ beginnen, wäre es denkbar die Kinder ihre eigenen Glücksmomente sammeln zu lassen. Auch bestimmte Zitate lassen sich für kleine Diskussionsrunden gut nutzen.

Bild_Glück

 Ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch über das Thema Glück!

 

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Jakob M. Leonhardt – Knapp vorbei ist auch daneben

Knapp vorbei ist auch daneben

Felix Rohrbach ist ein Chaot und Loser. Er ist kurz davor von der Schule zu fliegen, doch es macht ihm nicht wirklich etwas aus. Mit seinen Freunden Lea und Musti schmiedet er regelmäßig Pläne wie er die Anerkennung seiner Mitschüler durch nonkonformes Verhalten gewinnen kann. Nach einer Sprayaktion an den schlulischen Mauern, bekommt er vom Rektor Toaster-Manni die allerletzte Chance das Ruder noch einmal umzuschmeißen und sein Leben in den Griff zu bekommen.
Genau dann taucht Charleen, das schönste Mädchen auf dem Planaten, auf. Sie geht in Felix‘ Klasse und verdreht ihm völlig den Kopf.
Stöhn und Doppelstöhn!
Wäre da nur nicht sein Nebenbuhler Robert Maschmann, der absolute Held der Schule, der ebenfalls ein Auge auf Charleen geworfen hat. Hier beginnt ein schonungsloses Stechen gegeneinander im Kampf um den Engel Charleen. Felix unterwirft sich einer Generalüberholung – alles damit Charleen sich bloß für ihn entscheidet.
Dieses Buch ist vorrangig für männliche Leser ab 11 Jahren zu empfehlen. Es schildert die Schwierigkeit sich als Teenager im Leben zurecht zu finden. Es dreht sich um Liebe, Freundschaft und vor allem um die Suche nach sich selbst und der eigenen wahren Identität. Was macht dieses Buch aus? Es ist diese Portion Witz, Leichtigkeit im sprachlichen Stil, Nähe zur Jugendsprache und das „Sich-selbst-nicht-so-ernst-nehmen“, dass den Leser an dieses Buch bindet.
Wer hier rein schaut, ist selbst schuld!
Sehr gelungen sind die eingebundenen Comic-Illustrationen von Fréderic Bertrand, die den Inhalt geschickt verpackt in Szene setzen. Die Kapitel sind relativ kurz gehalten und gespickt mit den vielen Zeichnungen, kommen auch die weniger Lesebegeisterten schnell voran. Die Charaktere werden sehr lebendig, schräg überspitzt und schon fast stereotypisch dargestellt. Der mollige Musti, der alles Mögliche in sich hineinstopft und mit einem herrlich übertriebenen „Ausländer-Deutsch“ glänzt. Dann wäre da das schüchterne Gothic-Mädchen Lea und die wunderschöne Charleen mit ihrer oberflächlichen Mädchen-Clique.
Dienjenigen, die Bücher wie „Gregs Tagebuch“, „Rick“ oder „Oskar“ mochten, werden hier einen ebenbürtigen Lesestoff finden.
Knapp vorbei ist auch daneben
Ein herrlich erfrischender Lesestoff mit tollen Comic-Illustrationen und einer guten Portion Witz!

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