Oliver Jeffers – Dieser Elch gehört mir

Dieser Elch gehört mir

Wie benimmt sich ein braves Haustier?

Regel Nummer 4: „Nicht lärmen, wenn Wilfried seine Lieblingsplatten abspielt.“

Der kleine Wilfried hat seine ganz besonderen Vorstellungen von einem Haustier und wie es sich zu benehmen hat. Nach der Namenstaufe seines Elches „Marcel“, stellt er einen Regel-Katalog, mit den für ihn wichtigsten Vorschriften, zusammen. Doch der eigenwillige Elch scheint ebenfalls seine ganz eigenen Regeln zu haben und tut sich mit Wilfrieds Gesetzmäßigkeiten durchaus schwer. Er ignoriert die Regel Nummer 7  „Da hingehen, wo Wilfried hingehen will“ und so kommt es, dass er von einer fremden Frau den Apfel aus der Hand frisst. Wutentbrannt rennt Wilfried nach Hause und kommt schließlich zu der Überzeugung seinen Regel-Katalog eventuell doch einmal überdenken zu müssen.

Oliver Jeffers‘ Illustrationen strotzen vor Individualität, in Form von gemischten Stilen, wie z.B. hier ein zeitungsangehauchter,  verpixelter Hintegrund, zusammen mit Abdrücken einer sehr fein schraffierten Landschaft und den in hohem Maße liebenswürdigen Figuren mit Streichholzbeinchen.

Diese Individualität und Eigenwilligkeit spiegelt sich ebenfalls in den Charakteren der Figuren wider. Wilfried will sein Haustier so formen, wie er es gerne hätte. Seine Wünsche entsprechen jedoch keineswegs dem Wesen des Tieres. Und so wird der blaue Faden, der Wilfried und Marcel stets begleitet, zum Sinnbild der „Einschränkung“ und  „Anbindung“, was jedoch schließlich in einer „Verhederrung“ resultiert.

Wilfried ist gezwungen zu erkennen, dass sein Regel-Katalog zu diesem Haustier nicht passt und schleunigst überarbeitet werden muss. Dieser Erkenntnisgewinn wird durch das in zwei geteilte Namensschild verbildlicht und kann als Symbol für „Freiheit“ interpretiert werden.  Die neue und nun einzige Regel ist besonders reizend formuliert worden und stellt sich für dieses Bilderbuch als eine herrlich passende Pointe heraus.

Dieses Bilderbuch kann als Einstieg in das Sachunterrichtsthema „Haustiere“ dienen. Nach der humorvollen Darstellung von Wilfrieds Regeln, kann gemeinsam überlegt werden, welche Haustiere was benötigen, um sich wohl zu fühlen. Der Lernzuwachs, nach vorheriger ausführlicher Recherche, kann in Steckbriefen zu unterschiedlichen Haustieren festgehalten werden.

Dieser Elch gehört mir

Material

Es ist aber auch denkbar den amüsanten Regel-Katalog von Wilfried im Deutschunterricht in kooperativen Lernformen zu ergänzen. Schließlich stellt Wilfried nur fünf seiner insgesamt 73 ausgedachten Regeln dem Leser vor. Hier darf der Fantasie bei der Zusammenstellung absurder Anordnungen freien Lauf gelassen werden:

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Tolle Verbildlichung eines bedeutenden Themas, nicht nur in Bezug auf Haustiere!

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Alice Brière-Haquet – Alles Schweine, oder was?

Alles Schweine, oder was?!

Der kleine Schafjunge und sein Vater leben im „Schweinland“. Sie sind von lauter Schweinen umgeben, die ihnen gegenüber nicht unbedingt freundlich gesonnen sind. Die Bäckerei-Verkäuferin grunzt sie stets boshaft an, der Parkwächter dreht ihnen den Rücken zu und auch das kleine Mädchen von nebenan macht ganz fiese Witze. Doch am schrecklichsten ist  Bodo Grunz und „der wohnt leider neben uns“ …

Schafe sind in diesem Land ganz und gar nicht beliebt. Doch woran mag das liegen? Mögen Schweine keine Schafe oder kennen sie sie einfach nicht?

Eine wundervolle Annährungsgeschichte zweier „Nationen“, die ein unverschönert ehrliches, multikulturelles Zusammenleben schildert. Die Illustrationen zeigen wunderbar das überschattete Verhältnis der beiden zuerst komplett unterschiedlich anmutenden Völker. Auf den charmant-frechen, comic-artigen Bildern, gibt es Vieles zu entdecken. Das Mienenspiel der Darsteller wurde von Pénélope Paicheler ganz zauberhaft und variantenreich eingefangen.

Das grantige und keinesfalls wohlwollende Beziehungsverhältnis resultiert jedoch daraus, dass die beiden Parteien sich kaum  kennen. Erst durch einen blöden Zufall, bei dem sich die Schafe als Retter erweisen, beginnt das eigentliche Kennenlernen. Und nu? Es werden Gemeinsamkeiten entdeckt, die zum schrittweisen Ausbau von Sympathie, Toleranz und Akzeptanz führen.

Das Bilderbuch wurde aus dem Französischen übersetzt und mit witzigen Reimen untermalt. Hier und da werden Stolpersteine beim Vorlesen deutlich. Insgesamt ist es jedoch erheiternd und äußerst passend zu den mit Augenzwinkern zu verstehenden Bildern, die viel mehr für sich sprechen, als der Text es vielleicht vermag.

Alles Schweine, oder was ?!

Ob einer Schaf ist oder Schwein,
ist piepegal.
Wer glaubt, das sollte anders sein,
der kann uns mal.

Material

Drei Arbeitsblätter für die Grundschule zum Thema „Fremd sein – Freunde finden“: Ängste, Wünsche, Gemeinsamkeiten, die verbinden!

Fremd sein - Freunde finden

Eine ehrliche, lehrreiche, pädagogisch wertvolle Integrationsgeschichte für alle Schweine und Schafe dieser Welt!

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Heinrich Heine und Peter Schössow – Der arme Peter

Der arme Peter

Der mit allen möglichen Preisen ausgezeichnete Schössow wagt sich an eine Interpretation des Klassikers „Der arme Peter“ von Heinrich Heine. Er platziert das Gedicht, rund um ein von Kindern inszeniertes Liebesdrama, in ein Theater. Der Leser erlebt das Theaterstück beginnend mit dem Kauf der Tickets, begleitet die Schauspieler hinter die Bühne, entdeckt sie beim Kostümwechsel und lässt die Zuschauerbühne mit ihren Besuchern auf sich wirken. Letztlich applaudieren wir den Schauspielern, verlassen gemeinsam mit den Zuschauern das Theater und erleben außerhalb des Trauerspiels, dass sich die dargestellte Geschichte  auch im wahren Leben wiederfindet.

Der arme Peter hat sich nämlich unglücklichweise unsterblich in Grete verliebt. Sie jedoch favorisiert den Nebenbuhler Hans. Während das verliebt Paar nun Hochzeitspläne schmiedet, leidet der arme Peter am unheilbaren Liebeskummer. Dieser treibt ihn gar ins Grab.

Wir betrachten das Theaterstück durchweg durch einen Rahmen geschmückt mit roten Theatervorhängen. Diese Kulisse vermittelt eine wahrlich besondere Atmosphäre. Der Schachzug des Wechsels der Perspektive – vom Publikum zu Schauspielern und umgekehrt – ist raffiniert integriert worden (siehe Bild unten). So sehen wir ganz genau, welche Handlungen eine bestimmte Reaktion bzw. einen Gefühlsumschwung seitens der Zuschauer hervorrufen.  Begeistert, mitfühlend, entsetzt, bangend und schließlich hingerissen und anerkennend.

Die Umsetzung eines Klassikers in einem Theaterstück von Kindern für Kinder ist Peter Schössow hervorragend gelungen und lässt das Theater im betörenden Glanz hochleben.

Diese Lektüre ist als Einstieg für alle Theater-AGs Pflicht. Wo lassen sich alle notwendigen Kriterien so wunderbar herausarbeiten, wenn nicht an einem so tollen Beispiel? Jede Phase eines Theaterstücks ist kunstvoll festgehalten. Die unterschiedlichen Requisiten zur Verdeutlichung bestimmter Absichten sind kinderleicht zuzuordnen. Dieses Bilderbuch macht richtig Lust auf eine szenische Umsetzung!

Der arme Peter

Der arme Peter

Hochlebung eines Klassikers als gelungenes Theaterstück in Bilderbuchform.

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Saskia Hula und Stefanie Reich – Eine Kiste für den Bären

Eine Kiste für den Bären

Rezension

Eine einfache Holzkiste steht eines Tages mitten im Wald, vor der Tür zur Höhle des Bären. Die Waldbewohner, darunter ein Fuchs, Hase, Wolf, Dachs und Eichhörnchen, wollen natürlich auch wissen, was sich in der Holzkiste verbirgt und stellen ihr ganz eigenen Mutmaßungen an. Als die Ameisen-Feuerwehrmänner mit einem Stemmeisen anrücken, erwacht auch schon der Bär aus seiner Winterschlaf und lüftet alsbald das Geheimnis um die mysteriöse Kiste.

Ein heiteres Bilderbuch mit großformatigen, farbenfrohen Illustrationen von Stefanie Reich, die bereits Herrn Anders seine unverwechselbare Erscheinung verliehen hat. Den besonderen Charme der Geschichte hat das Bilderbuch den Zeichnungen zu verdanken. Sie sind frisch, modern, jung. Hier ein paar Striche an der Baumrinde, dort ein paar pastellfarbene Blümchen an den modern illustrierten Bäumchen, entzückende Kulleraugen und schon hat man sich in das Bilderbuch verliebt. Man kann einfach nicht anders!

Die Geschichte um den Bären herum bietet sich als Einstieg zur Thematik „Winterschlaf“. Wo verbringen Bären den Winter? Wie lange dauert der Winterschlaf? Wie ist es mit der Nahrung? Welche Vorbereitungen müssen getroffen werden? Was ist an der Geschichte Fiktion und was findet tatsächlich in der Realität statt? Es bieten sich durch das Bilderbuch so einige Gesprächsanlässe und der Spannungsbogen um den Inhalt der Kiste ist ebenfalls sehr gut geschlagen worden. Die Kinder werden es kaum erwarten können zu erfahren, was es mit der Kiste auf sich hat …

Blick ins Buch

Eine Kiste für den Bären

 

Dieses Arbeitsblatt kann bereits ab der ersten Klasse oder auch schon im Kindergarten eingesetzt werden. Der Vorleser sollte an der Stelle, als der Bär aus seinem Winterschlaf erwacht, eine Pause einlegen und die Kinder vermuten lassen, was sich wohl in der Kiste für den Bären befinden könnte. Es darf sowohl gemalt, als auch geschrieben werden.Logo_PL_klein

(Material-ID: 122653)

Fazit

Unkomplizierte und erheiternde Geschichte rund um ein mysteriöses Päckchen.

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Piet Grobler und Dianne Hofmeyr – Bojabi, der Zauberbaum

Bojabi, der Zauberbaum

Rezension

Nach einer langen Dürrezeit kämpfen die Tiere Afrikas um das Überleben. Das Gras ist vertrocknet und die Bäume ohne ein einziges Blättchen. In der Ferne erblicken sie jedoch eines Tages einen Baum voll saftiger und reifer Früchte. Wenn da bloß nicht die gemeine Python wäre, die erst bereit ist den Baum frei zu geben, wenn die Tiere ihr den wundersamen Namen des Zauberbaums verraten können. Nun begeben sich die Tiere nacheinander auf den langen Weg zum König der Tiere, der als einziger den Namen kennt. Wem wird es gelingen den kniffligen Namen die lange Strecke hindurch zu behalten? Dem schnellen Zebra, dem klugen Affen oder doch der langsamen Schildkröte?

Dianne Hofmeyr erzählt die afrikanische Fabel in ihrer eigenen Version nach. Laut ihrer eigenen Aussage, ist die Geschichte um den Zauberbaum für alle Kinder, die unsinnige Namen und Reime lieben. Hier finden sich tatsächlich urkomische Abwandlungen der Originalbezeichnung, die alle in ihrer Typografie von Piet Grobler wunderschön hervorgehoben wurden.

Dieses Bilderbuch lebt in der Tat von dem sehr beeindruckenden und modernen Illustrationsstil. Die Zeichnungen konnten mir sogar mehr imponieren, als der Inhalt der Geschichte. Während ich mir in der Geschichte  hier und da einige Kürzungen gewünscht hätte und für eine Fabel typische Moral als Ergänzung, konnte ich mich an den Bildern einfach nicht satt sehen. Die feinen Pinselstriche und der sehr individuell angehauchte Farbverlauf, sind in Verbindung mit dem einzigartigen afrikanischen Flair ein wundervolles Kennzeichen Goblers Illustrationskunst.

Blick ins Buch

Bojabi, der Zauberbaum

 

 

Auf der Plattform „Lehrermarktplatz“ findet sich zum Bilderbuch ein Arbeitsblatt für die Weiterarbeit an der Fabel „Bojabi, der Zauberbaum“:

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(Material-ID: 122754)

Fazit

Fantastische Bilder, jede Seite ein Genuss!

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Antonie Schneider und Susanne Straßer – Herr Glück & Frau Unglück

Herr Glück & Frau Unglück

Rezension

Als Frau Unglück einen neuen und dazu noch äußerst netten Nachbarn bekommt, ist sie darüber gar nicht begeistert. Sie liebt nämlich kahle Bäume, Spinnennetze, Ziegen und Kakteen. Jeden Tag aufs Neue begrüßt der Nachbar jedoch die strahlende Sonne, den aufgehenden Mond und die leuchtenden Sterne. Er pflanzt Sonnenblumen im Garten und ist immer von Glücksschweinen umgeben. Doch als der lebensfrohe Nachbar sich bei Frau Unglück auch noch vorstellen möchte, knallt sie ihm entschieden vor der Nase die Tür zu. Nun ist für Frau Unglück höchste Zeit den Nachbarn endlich loszuwerden und so schmiedet sie einen Plan und schickt ihm Ungeziefer, Vogelscheuchen und Maulwürfe. Und was macht Herr Glück? „Er freut sich über die schwarze Katze von nebenan, den Maulwurf, die Raupe …“ Und ruft aus: „Wie schön das Leben doch ist!“

Ist diese Lebensfreude womöglich doch ansteckend?

Die Illustratorin Susanne Straßer bedient sich in ihren collageähnlichen Bildern vieler klischeehafter Kontraste. Während Herr Glück stets von Kleeblättern, Marienkäfern, Hufeisen, Glücksschweinen und Sonnenstrahlen umgeben ist, hängen über der Hausnummer 13 von Frau Unglück schwere, dunkle Regenwolken. Im Garten ist kein Zeichen von Leben zu finden und die schwarze Katze symbolisiert eindeutig ihren Pessimismus. Der falsch angebrachte Hufeisen veranschaulicht deutlich ihre negative Weltsicht und Lebenseinstellung. Diese einzigartige Zusammenstellung der einzelnen Elemente in den Bildern weckt ganz offensichtlich die Entdeckerfreude. Diese flächigen und karrikierenden Illustrationen spielen äußerst gekonnt mit dem Geschichtenrahmen.

Die Thematik des Bilderbuchs fokussiert auf zwei sehr unterschiedliche Lebensansichten, gleich dem Motto: „Ist das Glas halb leer oder halb voll?“ Schließlich wird man als Leser anhand des Geschichtenverlaufs schnell erkennen können, dass jeder seines Glückes Schmied ist. Es liegt in der eigenen Hand wie man sein Leben gestaltet und die Begebenheiten sieht. Das ist eine sehr schöne Quintessenz, die  nicht früh genug vermittelt werden kann.

Doch auch die angeschnittene Hilfsbereitschaft, Offenheit und Zuvorkommenheit sind wichtige Stützen dieses Bilderbuchs. Auch Erwachsene dürfen sich übrigens diesen Kerngedanken gerne öfter mal in Erinnerung rufen. So habe ich dieses tolle Buch bereits einige Male verschenkt  😀

Blick ins Buch

Herr Glück & Frau Unglück

Fazit

Das Glücklichsein kann man teilen, man muss sich nur trauen sich anstecken zu lassen.


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Holger Haag und Manfred Rohrbeck – Hör mal, das Meer lebt!

Hör mal, das Meer lebt!

Das Meer wird oft mit Dunkelheit und Unheimlichkeit assoziiert und doch fasziniert es viele Menschen. Was verbirgt sich tatsächlich in der endlosen Tiefe? Diese Sound-Sachbuchreihe aus dem Coppenrath Verlag versucht etwas Licht ins Dunkle zu bringen.

Auf einer Weltkarte werden zunächst die Meeresbewohner, nach ihrem Lebensort sortiert, dargestellt. Wer lebt in der Nordsee, im Mittelmeer, Atlantik oder auch im Nordpolarmeer? Besonders gelungen ist die Begründung für den strukturierten Aufbau des Sachbuchs. Denn welche Tiere  und Pflanzen wo leben, hängt davon ab, wie tief und wie warm das Wasser ist. Und so erfahren die jungen Lesen auf den darauffolgenden Seiten mehr über die Meeresbewohner und ihre besonderen Lebensumstände. Die abgebildeten Tiere sind stets mit einer Bezeichnung versehen, sodass zahlreiche Namen für die unterschiedlichsten Tiere zusätzlich erlernt werden können.

Neben der  ansprechenden, farbenfrohen und nicht allzu überladenen Seitengestaltung, ist der besondere Clou dieser Sachbuchreihe der Einbau des „Sound-Buttons“. Mit insgesamt sieben Geräuschen können die Kinder einzelne Tiere auf Knopfdruck hören. Mal ruft eine Silbermöwe, mal heult ein Seehund, mal stimmt ein Orca mit seinem Gesang ein. Das Wellenrauschen rundet schließlich das wundervolle Sinnerlebnis ab. Die entsprechenden Symbole sind im ganzen Buch verteilt und reagieren auf Druck, wobei man hier als Elternteil eventuell nachhelfen müsste. Die Geräusche sind echt und von der Lautstärke für Kleinkinder angemessen.

Vielleicht werden schon bald manche junge Zuhörer zur Geräuschimitation angeregt und so ihr Stimmorgan weiter ausprägen…

Hör mal, das Meer lebt!

Material

Zur Förderung des genauen Lesens und des entdeckenden Lernens:

Quiz Hör mal das Meer lebt

Eine spannende und gelungene Einbindung des zusätzlichen Sinns „Hören“ in Verbindung mit vielen wertvollen Informationen über unsere Meeresbewohner.

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Maria Theresia Rössler und Brunella Baldi – Prinzessin Leonie und der linkshändige König

Prinzessin Leonie und der linkshändige König

Eine schwarze Katze, die einem König vor vielen, vielen Jahren den Weg kreuzte und ihn so zum Stolpern brachte, war der Auslöser zur nun fest verankerten Regel „Links vor rechts bringt Schlechtes“. Seit diesem Tag herrscht im Königreich Linksverbot. Alle Aufgaben sollen ausschließlich mit der rechten Hand erledigt werden. Doch als die kleine Prinzessin Leonie unbeabsichtigt mit dem linken Fuß aufsteht und merkt, dass nichts weiter Verwunderliches geschieht, gerät das Festhalten am Linksverbot ins Wanken. Zum Geburtstag wünscht sich das Mädchen, dass einen Tag lang alle im Königreich alles mit der linken Hand machen. Während es den meisten ganz schön schwer fällt, entpuppt sich der König, der sonst als Tollpatsch bekannt war, als kein bisschen ungeschickt. Doch welche Hand ist nun die richtige? Und wie wäre es, wenn jeder selbst entscheidet, ob rechts oder links?

Die Autorin Maria Theresia Rössler arbeitete jahrelang als Grundschullehrerin und präsentiert in diesem Bilderbuch ein liebesvolles Plädoyer für Linkshändigkeit. Das starre Festhalten an althergebrachten Sitten und für alle verbindlichen Gewohnheiten wird genauso kritisiert, wie das blinde Folgen dieser Regeln. Die Fähigkeit zur Reflexion, in Gestalt des kleinen Mädchens, zerbricht die eingefahrenen, sinnlosen Muster und Gepflogenheiten und regt gleichzeitig dazu an das Individuum selbst entscheiden zu lassen mit welcher Hand es am besten arbeiten kann.

Auch wenn es heutzutage Normalität ist, Kinder in ihrer Wahl der bevorzugten Hand zu unterstützen, war es nicht immer so der Fall. Linkshänder wurden auf rechts „umgepolt“ und das Schreiben mit der linken Hand bestraft. Heute weiß man, dass es fatale Folgen haben kann. Die Gehirnhälften geraten in ein Wirrwarr und aufgrund dieser Anstrengung werden manche Kinder schnell müde oder beginnen zu stottern. Die Forschung geht davon aus, dass Linkshändigkeit genetisch bedingt sei und somit auch vererbbar ist.

Das Thema wurde von Frau Rössler auf Kinderniveau heruntergebrochen und in ein ansprechendes Geschichtengeflecht gepackt. Leider werde ich beim Lesen den erhobenen Zeigefinger nicht los. Es verfolgt mich. Das Auftreten der Gestalten als pädagogische Instanzen ist allgegenwärtig.

Nach dem Lesen sollte die Thematik mit den Kindern ausführlich besprochen und herausgearbeitet werden, wie sich Menschen fühlen, die „zwei falsche Hände“ haben:

„Ich habe zwei falsche Hände“, erklärt Ernesto.

„Die richtige Hand ist die falsche, aber die falsche ist meine richtige! Verstehst du?

Prinzessin Leonie und der linkshändige König

Material

Das folgende „Story Web“ hilt den Kindern eine Geschichte nach Kriterien zu klassifizieren und tiefer in die Thematik einzutauchen: storyweb

Das Themennetz Linkshändigkeit ist umwoben von der Lehre: Jeder entscheidet für sich, welche Hand die „richtige“ ist!

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Helga Bansch – Amelie und der Fisch

Amelie und der Fisch

Amelie ist mit ihren Eltern das erste Mal im Leben am Meer und fürchtet sich etwas vor so viel Wasser und den großen Wellen. Als sie sich ein bisschen weiter ins Wasser traut, kommt ein kleiner Fisch, der an ihren Zehen knabbert. Mit ihrem neuen Freund vergisst sie ihre Angst völlig und sie spielen Verstecken, Fangen, Tauchen und Springen. Abends schwimmt der Fisch ins offene Meer hinaus und kommt am nächsten Morgen erneut zu Amelie. Das Abscheidnehmen fällt Amelie immer schwerer, bis sie beschließt den kleinen Fisch in einem Glas einzufangen.

Der Fisch ist jedoch sehr unglücklich und Amelie bekommt ein schlechtes Gewissen. Sie lässt ihn wieder frei und wartet am nächten Morgen vergebens auf ihren kleinen Freund. Er kommt nicht. Amelie ist traurig und sagt, dass es ihr leid tut den Fisch gegen seinen Willen festgehalten zu haben. Sie hat verstanden, dass jedes Lebewesen frei ist und man die Zuneigung eines anderen nicht erzwingen kann.

Die Grundstimmung dieses fabelhaften Bilderbuchs erinnert mich sehr stark an mein Lieblingsbuch aus dem Jungbrunnen Verlag „Ein Rucksack voller Sand“. In diesem Bilderbuch schwingt Sehnsucht, Unsicherheit, Angst, aber auch Erkenntnis, Erfahrungsgewinn und Reife mit.

Die Feriengeschichte von Helga Bansch zeigt, dass Beziehungen als Besitzeigentum nicht funktionieren können. Das kleine Mädchen begreift recht schnell, dass der Wille eine Freundschaft zu erzwingen, sie bereits im Keim ersticken lässt. Denn jeder benötigt seine Freiheiten und die Akzeptanz dieser Regel bringt die Freundschaft im Gegenzug zum Wachsen und Blühen.

Helga Bansch skizziert die Figuren dieser Geschichte mit bloßen Bleistiftstrichen und akzentuiert die Umgebung mit dezenten, natürlichen Farbklecksen. Es breitet sich dadurch eine leicht melancholisch angehauchte und doch mit Zuversicht gefüllte Stimmung aus. Die kleine Ente, die Amelie überallhin begleitet, scheint eine Art „inner mirror for a spiritual journey“ zu sein. Die Gefühlswelt Amelies spiegelt sich ebenfalls in der Körperhaltung und dem Gesichtsausdruck der Ente wider.

Amelie und der Fisch

MaterialDieses Bilderbuch bringt einen zum Wachsen. Nach dem Lesen nimmt man einen wichtigen Erfahrungsschatz mit sich und ist dankbar für so viel Erkenntniszuwachs!

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Ralf Butschkow – War das wirklich so?

War das wirklich so?

In Opas großem Ohrensessel auf einem geheimnisvollen Dachboden, sitzen Lisa und ihr Hund Popcorn und wühlen in Geschichten über alte Zeiten. Hatte Opa mit seiner Warnung recht, dass der Sessel manchmal zuhört und dann seltsame Dinge geschehen?

Und ob! Auf Opas Ohrensessel begeben sich die beiden auf eine spannende Zeitreise in die Welt der Dinosaurier, Steinzeitmenschen, Wikinger, Ritter, Piraten und Cowboys. Doch geht es hier wirklich mit rechten Dingen zu? Trugen die Dinosaurier tatsächlich Brillen? Haben die Steinzeitmenschen die Höhlenzeichnungen mit Spraydosen aufgesprüht? Hatten die Wikinger  einen Schlauchboot? Und wurde die Ritterburg aus Legosteinen gebaut?

Die Leser erwartet hier eine herrlich skurrile Zeitreise mit einer Vielzahl an geschickt eingebauten Fehlern. Die Wimmelbilder laden dazu ein, sich die Doppelseiten ganz genau anzuschauen und gleichzeitig zu überlegen, ob die dargestellten Begebenheiten auch tatsächlich stimmen können. Die Beurteilung benötigt in gewissem Grade eine erweiterte Allgemeinbildung zu den unterschiedlichen Epochen der Zeitgeschichte.

Das Buch bietet einen wunderbaren Gesprächanlass, bei dem Vieles im Austausch dazugelernt werden kann. Einzelne Seiten können auch als Einstieg in eine bestimmte Thematik dienen, bei dem die Kinder im Sinne des stummen Impuls ihre Assoziationen und Gedanken frei äußern können. Der Vorlesetext ist nicht allzu ausschweifend und schildert kurz und bündig die einzelnen wundersamen Landestationen. Das Schmunzeln wird sicherlich weder bei den Erwachsenen noch Kindern ausbleiben. Die Auflösung der eingebauten Fehler findet sich auf der letzten Seite.

War das wirklich so?

Material

Einige Übungsformate (vordergründig Klasse 1/2) zum Thema „Piraten“:

Piraten

Vergnügliches Bilderbuch mit verrückten und amüsanten Fehlern, deren Richtigstellung zur Erweiterung des Allgemeinwissens beiträgt.

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