Lemony Snicket und Jon Klassen – Dunkel

Dunkel Jon Klassen

Die Dunkelheit jagt Leo große Angst ein. Sobald die Sonne untergeht, breitet sich das „Dunkel“ im ganzen Haus aus. Es versteckt sich im Schrank, hinter dem Duschvorhang und auch unter den Treppen. Doch die meiste Zeit verbringt das Dunkel im Keller, dort wo es auf den Sonnenuntergang wartet. Eines Nachts kommt das Dunkel in Leos Zimmer, um ihm etwas zu zeigen. Mit einer Taschenlampe bewaffnet, begibt sich Leo auf den Weg in den Keller, wo er eine sonderbare Entdeckung macht …

Die Angst vor der Dunkelheit beschäftigt viele Kinder. Die Thematik hat somit einen engen Alltagsbezug und spricht viele Kinder an. Oft spielt die Fantasie den Kindern einen Streich, sobald die Augen nichts mehr sehen können. In den sehr dunkel gehaltenen Illustrationen von Jon Klassen ist diese Erfahrung des Nicht-sehen-könnens wunderbar eingefangen. Lediglich die Taschenlampe in Leos Händen beleuchtet die Umgebung, so dass das Dunkel sehr viel Raum erhält.

Leos Angst ist für den Leser schon fast spürbar. Die Wirkung wird durch die Illustrationen verstärkt. Es empfiehlt sich das Bilderbuch nicht unbedingt vor dem Zubettgehen zu lesen. Ein gemeinsames Gespräch über den Ausgang der Geschichte ist ebenfalls sehr ratsam. Schließlich wird das Dunkel zum Schluss als etwas Notwendiges und vor allem Natürliches gesehen.

Als Leo ins Bett ging, war das Dunkel nicht mehr in seinem Zimmer, außer als er die Augen zumachte, um zu schlafen.

Diese Erkenntnis ist sehr beruhigend: Das Dunkel begleitet uns täglich wenn wir einfach nur die Augen schließen.

Dunkel Jon Klassen
Ein Bilderbuch über die Angst vor der Dunkelheit und wie man sich ihr stellen kann.

bei amazon.de

Andreas Steinhöfel und Sabine Wilharm – Glücksstadt

Glücksstadt

Lena bekommt von K. Postkarten, die sich auf eine verrückte und aufregende Reise in die Glücksstadt gemacht hat. In einer Teekanne schwebend, berichtet K. von dem einengenden Gefühl ihres Heimatorts und ihrer Sehnsucht nach Träumen. Ansatzweise wird der verrückte Posseck und sein schweres Schicksal skizziert. Bruchstückhaft schildert K.  die sonderbaren Wesen und Sinnbilder des Glücks, wie z.B. die japanische Winke-Katze, das vierblättrige Kleeblatt oder die rosigen Glücksschweine.

Doch was ist Glück überhaupt? K. kommt letztlich zu dem Entschluss, dass das Leben eine große Reise ist und die Zukunft uns grundsätzlich rosig blüht, auch wenn nichts für immer ist.

Dieses philosophische Bilderbuch ist ein Erwachsenenbuch mit vielen tiefgründigen Einsprengseln, die den Leser zum Nachdenken bringen. Als Textform wurden ausschließlich Postkartentexte berücksichtigt, sodass der Leser weder von der namenlosen Absenderin, noch von der Empfängerin nähere Informationen erhält. Es ist eine Aneinanderreihung an Briefen, die während der Reise in die Glücksstadt geschrieben werden. In dieser Entwicklung, kann der Leser eine Wandlung im Gemüt der Absenderin wahrnehmen. Von der anfänglichen Unruhe und den symbolisch ausgestreckten Fühlern, kommt recht bald die Erkenntnis: „Und ohne es zu bemerken, war ich am glücklichsten immer dann, während ich suchte.“

Die Briefe sind gespickt mit verschachtelten Sätzen, die sehr gut die innere Zerrissenheit der Protagonisten verdeutlichen. Wortneuschöpfungen wie „Dottergelbigkeit“ und die Einbindung vom anspruchsvollen Wortmaterial wie „behäbig“ oder „Quertreiber“ erschweren das Verständnis erheblich für jüngere Leser. Durch das fast vollständige Fehlen des Kontextes, ist eine breite Interpretationsebene gegeben.

Die Illustrationen von Sabine Wilharm laden in diese durcheinander gewirbelte Fantasiewelt ein. Es ist eindeutig eine chaotische Unruhe und gleichzeitig aber auch Neugierde zu erkennen. Allen Bildern wohnt jedoch ein Zauber inne, der die Symbolhaftigkeit des Glücks streichelt.

Glücksstadt
Der Inhalt der Briefe wird für Kinder schwer zu fassen sein. Der Fokus kann jedoch auf die Briefform gelegt werden. Einzelne Forscherkinder können sich auf die Suche nach innovativen und abwechslungsreichen Anredeformen und verspielten Abschlussworten machen. Das Zusammentragen wird sicherlich sehr amüsant und erweitert zugleich den Sprachschatz.
 
Ein Bilderbuch für Erwachsene, die sich näher mit dem Thema Glück beschäftigen wollen.

bei amazon.de

Christa Kempter und Günther Jakobs – Clara, der Mond und das neue Zuhause

Clara, der Mond und das neue Zuhause

Nein, Clara will nicht umziehen. Sie möchte nicht weg sein von ihrer Kuschelecke im Flur, nicht von ihrem Kindergarten, nicht von ihren Freunden Lisa und Jan und auch nicht von Nachbars Kaninchen. Nein. Kein bisschen.

Diese Lebensveränderung beschäftigt und bewegt Clara sehr. Sie erkundigt sich bei ihrem Opa und ihren Freunden, ob sie denn auch traurig wären, wenn sie wegziehe? Sie bejahen, doch keiner möchte mitkommen. Alle hält irgendjemand oder -etwas an ihrem Wohnort. Das versteht Clara.

Bald wird gepackt. Und ein kleines bisschen will Clara nun doch umziehen. Im neuen Haus ist schließlich alles anders. Es riecht anders, auch die Geräusche rund um das Haus haben sich verändert. Nur einer ist mitgekommen und leistet Clara weiterhin Gesellschaft …

Dieses Bilderbuch ist neben 999 Froschgeschwister ziehen um das beste im Themenbereich „Umzug“, das es momentan auf dem Bilderbuchmarkt gibt. Christa Kempter ist es gelungen die schwankende Gefühlswelt, die durch diese bevorstehende Veränderung in Claras Leben hervorgerufen wird, sehr sensibel, liebevoll und einfühlsam zu schildern. Claras Unsicherheiten und Ängsten bekommen viel Aufmerksamkeit und so wird deutlich, dass Kindern viel Raum und Zeit zum Verarbeiten gelassen werden muss. Dabei helfen besonders Gespräche mit allen Beteiligten und aber auch das „Abschiednehmen“.

Sehr rührend ist die Szene von Clara in ihrem Bett in der letzten Nacht vor dem Umzug. Sehr aufmerksam lauscht sie ihren gewohnten Geräuschen in der Umgebung und beschreibt diese ausführlich. Dies ist auch eine Art des Verarbeitens – die Umgebung bewusst wahrnehmen.

Pädagogisch sehr wertvoll ist der Ausgang der Geschichte. Trotz der neuen und ungewohnten Akustik im Schlafzimmer, findet Clara einen ständigen Begleiter, der ihr Halt und Zuversicht schenkt. Und schon muss sie feststellen: „Es ist fast wie immer.“

Clara, der Mond und das neue Zuhause
weiterarbeit

Diese Geschichte eignet sich hervorragend für eine Klasse, die ein Kind aufgrund eines Umzugs verabschiedet. Über ein Gespräch im Erzählkreis gelingt ein schöner Einstieg in die Thematik, indem Kinder die Gelegenheit bekommen zu erzählen, wer schon einmal umgezogen ist und wie das war.

Die Fischervelage stellen zu diesem Bilderbuch ein Bilderbuchkino zum Download bereit. Nach der Gesprächsrunde kann dieses Bilderbuch dazu dienen, dem Kind Mut zu machen und seine Unsicherheiten zu nehmen. Als Hausaufgabe wäre es denkbar, die SuS ihre Eltern, Freunde oder Verwandte interviewen zu lassen, um die kuriosesten Umzugsepisoden aufzuschreiben.

Ein äußerst einfühlsames Bilderbuch, das allen Kindern Mut macht, die Angst vor Veränderungen haben.

bei amazon.de

Anne-Kathrin Behl – Matze vor, tanz ein Tor!

Behl - Matze vor. tanz ein Tor

Passend zur anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, erleben wir in diesem Bilderbuch von Anne-Kathrin Behl ein Fußballabenteuer der ganz anderen Art.
D

Matze und sein bester Freund Emil spielen gerne gemeinsam. Sie fahren Roller um die Wette, bauen Straßen, um darauf ihre Spielzeugautos sausen zu lassen oder buddeln in einem Sandkasten. Doch Matze hat auch ein anderes Hobby. Er tanzt leidenschaftlich gerne – Ballett! Seine Pirouetten sind unvergleichlich. Während die Mädchen seine Künste voller Bewunderung bestaunen, können die Jungen seine Leidenschaft für Ballett so gar nicht nachvollziehen. Schließlich ist Fußball doch viel cooler.

Beim großen Fußballspiel der Rummelsdorfer Raufbolde gegen die Kleinmunzheimer Kampfbolzer, steht Matze am Spielrand und drückt den Raufbolden die Daumen. Doch die Gegner scheinen die Führung zu übernehmen und als dann Ole auch noch verletzt vom Spielfeld getragen wird, hat sein bester Freund eine Idee: Matze soll einspringen! Auf dem Fußballplatz steht Matze vorerst ganz ratlos herum, bis der Ball ihm direkt vor die Füße hüpft. Dann beginnt er an zu tanzen…. mit dem Ball direkt ins Tor!

Anne-Kathrin Behl spielt in diesem Bilderbuch mit der stereotypischen Geschlechterrollenverteilung. Einerseits erleben wir das in pink dargestellte Mädchenuniversum inkl. Basteleien und Tänzereien. Andererseits sind da die wilden Kerle auf dem Fußballplatz. Matze ist genau dazwischen – von den Mädchen akzeptiert, von den Jungen keinesfalls gemieden.

Die Illustrationen kontrastieren diese beiden Welten sehr harmonisch. Matze fällt nicht als ein von der Norm stark abweichendes Wesen auf. Er gehört dazu und ist genau zwischendrin.
Matze vor, tanz ein Tor

Material

Zur vertiefenden Auseinandersetzung eignet sich die künstlerische Ausgestaltung des eigenen größten Fußballmoments oder die in Gruppenarbeit entwickelte digitale Aufzeichnung von Geräuschkulissen eines fiktiven Fußballspiels.

Talente und ihre Akzeptanz, auch in besonderen Situationen!

bei amazon.de

Jorge Bucay – Wie der König seinen Feind verlor

Wie der König seinen Feind verlor

Ein launischer und eitler König sehnt sich nach Verehrung und Bewunderung seitens seines Volkes. Doch als sich unter der Bevölkerung herumspricht, dass es einen Mann gibt, der die Fähigkeit besitzt die Zukunft vorherzusagen, wird der König ganz tattrig.
Er lädt ihn in seinen Palast ein und beabsichtigt den armen Mann durch eine geschickte Fangfrage endgültig loszuwerden. Doch der arme Mann stellt sich als äußerst klug heraus. Und so beginnt hier, durch eine anfängliche List, eine über Jahre stets wachsende und tiefe Freundschaft.
In einen goldenen Rahmen gepackt, präsentiert der argentinische Illustrator Gusti die Titelseite dieses Bilderbuchs voller lebensnaher Weisheiten. Der Rahmen wird diesem Schatz an Bilderbuch mehr als gerecht. Dem korpulenten König mit einer vor Neid violetten Nase und einem grün angelaufenen Gesicht, ist die Unzufriedenheit und die Böswilligkeit schon fast anzusehen. Die düsteren Illustrationen verstärken diesen Eindruck und lassen den Leser die bevorstehende List vorausahnen.
Die aquarellierten Illustrationen sind üppig ausstraffiert, zum Teil mit Collage-Elementen versehen und künstlerisch auf höchstem Niveau ausgefeilt. Nicht minder gut ist auch die Botschaft der Geschichte zu bewerten. Der gelangweilte König ist einsam und unsicher. Der weise Mann begleitet ihn über mehrere Jahre und so wird aus der einstigen Duldung um Überlebenswillen, eine tiefgründige Freundschaft, die auf Wertschätzung beruht. Wie es im wahren Leben oft der Fall ist, wird man erst im Nachhinein klüger. Leider bedarf auch eine Entschuldigung eine lange Zeit, umso schöner ist es, wenn sie dann doch nocht kommt:
Ich hasste, dich, weil alle dich liebten.
Dafür schäme ich micht unendlich.
Ein bewegendes Ende führt dazu diese Weisheit mittels eines Briefs an alle Nachkömmlinge dieser Erde weiterzugeben.
Wie der König seinen Feind verlor

Material

Der Brief lässt sich wunderbar im Unterricht aufgreifen. Hier können die Schülerinnen und Schüler selbst zusammenfassen, welche Lehre der König an seinen Sohn weitergeben möchte. Es wäre auch denkbar anhand dieses Beispiels die Nacherzählung zu trainieren.

Brief_Wie der König seinen Feind verlor

Ein herausragendes Bilderbuch mit einer gewichtigen Lehre des argentinischen Autors Jorge Bucay, kongenial illustriert vom preisgekrönten  Illustrator Gusti.

bei amazon.de

Chris Wormell – Wo ist der Ball, kleiner Bär?

Wo ist der Ball, kleiner Bär?

Dem kleinen Bär fliegt ein roter Ball zu. Nach einigen Kicks beim Fußballspiel, landet der Ball hoch oben auf der Baumkrone. Bald kommen auch schon die eigentlichen Besitzer des roten Balls, die Kaninchen. Der kleine Bär schlägt vor den Ball gleich wieder herunter zu holen, schließlich war es sein Verschulden und außerdem ist er ein ausgezeichneter Bäume-Kletterer. Doch eigentlich hat er Höhenangst und wer hätte schon gedacht, was sich so alles im Geäst herumtreibt?!
Die Illustrationen des britischen Kinderbuchautors Chris Wormell sind schon fast klassisch – ruhige Motive, mit wenig Schnörkel. Die Abenteuergeschichte ist gediegen und fokussiert auf die Thematik „Mut“. Der kleine Bär überwindet seine Angst und traut sich nach ganz oben. Dabei kommen immer wieder Hindernisse auf ihn zu, die er ganz vorbildlich meistert. Die überraschende Wendung zum Schluss passt zu dieser kurzweiligen Geschichte sehr gut. Kleine Kletterer werden dieses Buch schnell ins Herz schließen, das so ganz ohne übermäßig viel Trubel und Ereignisjagd auskommt.
Aufgrund der großen Schrift ist dieses Bilderbuch auch gut für Erstleser geeignet.
Wo ist der Ball, kleiner Bär?
Ein Bilderbuch über die Überwindung von Hindernissen und den Mut sich etwas zuzutrauen.

bei amazon.de

Tor Freeman – Gebrüder Tukan: Die Meisterklempner

Gebrüder Tukan

Ferdi und Jan sind Handwerker aus Leidenschaft. Die Klempner-Brüder sind in jeder brenzligen Situation für die Bewohner der Rohrstadt da. Weder verstopfte Rohre, noch tropfende Wasserhähne sind vor den Brüdern sicher.
Mit Schüsseln und Pümpeln stehn sie bereit,
stets kundig und höflich – und immer zu zweit.
Doch eines Tages bekommen sie Konkurrenz. Willi Windig, ein Hund mit Werkzeug und Hut verspricht noch viel schneller und günstiger zu sein, als die Gebrüder Tukan. Und so kommt es, dass günstige Preise und die Schnelligkeit für die Bewohner der Rohrstadt mehr zählen, als ein Meisterbrief und die langjährige Fachkenntnis von Jan und Ferdi.
Werden die Bewohner die Konsequenz schon bald zu spüren bekommen? Ist Willi Windig vielleicht doch nur windig und nicht wirklich gründlich?
Dieses Bilderbuch ist bunt, fröhlich, rasant und voller Trubel. Die Detailzeichnungen beeindrucken mit einem eindrucksvollen Entdeckungsreichtum. Es ist gar nicht schwer auf einer Doppelseite bis zu fünf Minuten lang zu verweilen und auch dann hat man immer noch nicht alles gesehen. Es ist ein wunderbares Bilderbuch zum wiederholten Vorlesen und Betrachten.
Der Text wurde von Stephanie Menge ins Deutsche übersetzt. Die Übersetzung der Reime lässt sich gut rhythmisch vorlesen und so bekommen schon die Allerkleinsten das typisch deutsche Silbentrennungsmuster mit, wodurch die Sprachförderung ganz unbewusst vorangetrieben wird.
Dieses Bilderbuch hat die Absicht Kinder dafür zu sensibilisieren mehr Wert auf Gründlichkeit und Sorgfalt zu legen. Es ist sinnvoller eine Aufgabe ein bisschen langsamer, aber dafür richtig und mit Bedacht  zu absolvieren. Das Ziel zu pfuschen, um einfach nur schneller fertig zu werden, wird irgendwann Spuren hinterlassen. Es ist eine grundlegende Lehre fürs Leben, die hier so kindgerecht vermittelt wird.
Gebrüder Tukan
Gewissenhaftigkeit, Sorgfalt und Geduld zahlen sich langfristig aus!

bei amazon.de

Anne Möller – Vom Leben in der Erde

Vom Leben in der Erde

 

Welche Schätze verstecken sich unter unseren Füßen? Wenn wir auf den Boden schauen, sehen wir Gras, Laub oder einfach nur Erde. Doch was befindet sich darunter?
Zahlreiche altersgerechte Sachinformationen werden hier in Bildern voller Details verpackt. Dank der Klappfenster, wird den Kindern nach und nach spannendes Wissen rund um unseren Nährboden und damit einhergehend einige geschichtliche Entwicklungen vermittelt.
In einem Querschnitt bestaunen wir einen Mäusebau mit all den gesammelten Vorräten für den Winter. Ein genauer Blick in die tieferen Schichten der Erde offenbart uns Schätze aus einer früheren Zeit, als die Dinosaurier noch lebten und die Steinzeitmenschen ihre Spuren hinterließen. Wir erfahren die wichtige Funktion eines Regenwurms zur Entstehung eines fruchtbaren Bodens, aus dem auch etwas wachsen kann. Einige Gemüsesorten werden unter die Lupe genommen und der Zauber der Natur somit bestaunt. Ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen auch die Steine. Welche wurden von Wasser geschliffen? Stammen einige auch aus einem Vulkanausbruch oder ist das einfach nur ein versteinerter Seeigel?
Dieses Sachbuch gibt einen kleinen Einstieg in die Entwicklung unserer Erde. Es spornt an genauer auf unsere Umwelt zu schauen. Die Klappen tragen zur Eigenaktivität der Kinder bei und steigern die Neugierde. Sie zwingen zum Mitdenken und Vorhersagen. Da dieses Sachbuch sicherlich viele Detailinformationen enthält, sollte es nicht in einem Schub gelesen werden. Es braucht Zeit, um die gewonnenen Erkenntnisse zu verarbeiten.
Anne Möller konzentriert sich gerne auf Tiermotive. Zahlreiche Bildbände sind bereits von ihr erschienen. Die Illustrationen bestechen durch Anschaulichkeit und bildhafte Klarheit. Als Betrachter haben wir das Gefühl mitten in der Natur zu sein und die beschriebenen Beobachtungen selbst wahrzunehmen. Dieses Sachbilderbuch weckt das Bedürfnis den Dingen in der Natur auf den Grund zu gehen und als kleiner Forscher die unsichtbaren Schätze zu ergründen.
Vom Leben in der Erde
Anschaulich, informativ, den Blick erweiternd.

bei amazon.de

Lorenz Pauli und Kathrin Schärer – Das Beste überhaupt: Meerschwein sein

Das beste überhaupt: Meerschwein sein

Miro, ein kleines Meerschweinchen, bricht zum jährlichen Wahlfest des „besten Meerschweins überhaupt“ auf. Während seine Freunde auf dem langen Weg zum Gewinnerstein ihre Talente unter Beweis stellen, fühlt sich Miro pudelwohl einfach mittendrin zu sein. Andere Meerschweinchen versuchen sich zu übertreffen und zeigen ihre Schnelligkeit, Klugheit, und ihren Mut, was Miro hin und wieder auch als schiere Dummheit abtun könnte.
Das amtierende und äußerst gelangweilte Meerschwein hört sich die Geschichten der besonderen Taten jedes Einzelnen an. Als Miro an der Reihe ist, berichtet er,  dass er nur mittendrin war und eigentlich nichts Besonderes kann. Er hat geholfen und war einfach nur dabei, mittendrin in der Gemeinschaft der Meerschweinchen.

So ganz objektiv kann ich dieses Bilderbuch nicht besprechen. Ich bin ein Fan. Ein Fan von diesem traumhaften Erfolgsduo „Pauli & Schärer“. Und das seit der Veröffentlichung des herausragenden Bilderbuchs „mutig, mutig“. Auch dieses Bilderbuch haut mich um.

Kathrin Schärer schafft es mit ihren nüchternen, nicht allzu verschnörkelten oder nahezu comicartigen Illustrationen, eine Verbindung zwischen den ernstzunehmenden Protagonisten und dem Leser zu schaffen. Die Symbiose aus erdigfarbenen Naturtönen, Collageelemente und subtilen Bleistiftzeichnungen ergibt ein stimmiges Bild, in das man sich einfach nur verlieren möchte.

Lorenz Pauli füttert das Bilderbuch mit sinnvoller Botschaft über den Wert des Mittelmaßes. Das Streben nach ganz oben wird einmal reflektiert betrachtet. Miro ist ein Gegenbeweis – ein äußerst wichtiges Bindeglied für eine funktionierende Gemeinschaft:

Er tut, was er kann. Und so gut er es kann.

Das Bilderbuch ist eine sehr erfrischende Abwechslung gegen das „Ellenbogendenken“ und „sich-in-den-Vordergrund-Drängens“. Die zur Botschaft des Buches unpassende Kürung von Miro zum „Besten überhaupt“ ist leider pädagogisch betrachtet ein bisschen ungünstig. So erscheint es am Ende doch so, als würde Miro sich über dieses Krönchen freuen und als wäre es etwas Erstrebenswertes auf dem Gewinnerstein ein ganzes Jahr lang auszuharren. Zum Glück bleibt sich Miro treu und unterstreicht sein Bestreben nach einem Leben „mittendrin“.

Auf der Abschlussseite sehen wir an die 50 Meerschweinchen in Braun-Grau-Tönen und Miro ist mittendrin. Doch wo ist er? Das ist schwer zu erraten! Alle sind zwar unterschiedlich, doch Miro können wir auch nach längerem Betrachten nicht ausmachen. Und hier kommt die beste Formulierung der bedeutsamen Botschaft dieses Bilderbuchs:

Ich weiß nicht, welches Meerschwein Miro ist. Aber Miro weiß, wer er ist.

Miro hat nach der langen Wanderung zu sich selbst gefunden. Er ist JEMAND.

Das beste überhaupt: Meerschwein sein

Mein persönliches Highlight zum Thema „Selbstfindung“ in Verbindung mit Achtsamkeit und Zusammenhalt in der Gemeinschaft.

bei amazon.de

James Krüss und Anke Kuhl – Es war einmal ein Mann

Es war einmal ein Mann

Es war einmal ein Mann, der hatte einen Zahn.
Der Zahn, der tat ihm weh.
Da sprang er in den See.
Den namenlosen und zugleich ruhelosen Mann begleitet stets eine dunkle Wolke, die seinen Gemütszustand anzeigt. Er läuft herum, immer auf der Suche nach etwas, was er nicht zu finden scheint. Und bei allem hat er etwas auszusetzen. Der Wald ist zu dicht. Die Hölle ist zu heiß. Die Stadt ist voll Gedränge. Das Tal ist ihm zu flach.
Zum Glück findet er am Ende seinen Ruhepol, sodass statt der dunklen Wolke nun doch ein Herz über seinem Kopf schwebt. Manchmal ist das Glück doch nicht so weit wie man es zuerst vermutet.
Er änderte sich sehr und nörgelt‘ niemals mehr.

Das neuaufgelegte Bilderbuch aus dem Jahre 1967 kann noch immer mit den wunderschönen, leicht einprägsamen und rhythmischen Reimen begeistern. Die konservative und vielleicht ein bisschen nostalgische Botschaft das Glück in der eigenen Familie zu finden ist auch heute noch sehr aktuell.

Die Illustrationen von Anke Kuhl unterstützen das freche, spitzbübische Gemüt des Zeitgenossen und verdeutlichen mit einem kleinen Augenzwinkern seine Ruhelosigkeit und Unzufriedenheit. Aus jedem Abenteuer gesellt sich ein Lebewesen dem mürrischen Mann und so wird er bald von einer ganzen Polonaise begleitet, die zum Schluss auch sein nun endlich gefundenes Glück bestaunen darf.

Das Leben ist eine Reise. Dazu gehören Tiefen und Höhen. Seinen Platz in der Welt zu finden ist demnach gar nicht so einfach. Hier dürfen wir einen Mann auf seiner Reise der Selbstfindung begleiten und seine Wandlung von einem Desperado zum wahren Optimisten, der zur Ruhe gekommen ist und die innere Zufriedenheit gefunden hat, miterleben.

Es war einmal ein Mann

Die Reise des Lebens, festgehalten in wunderschönen Bildern und in gereimter Sprache. Ein tolles Geschenk auch für Erwachsene!

bei amazon.de