Daniel Nassar und Julio Antonio Blasco – Wo die wilden Tiere wohnen

Wo die wilden Tiere wohnen

Lange bevor die Menschheit die größten und ausgefallensten Bauten angefertigt hat, haben die „animales architectos“, so der Originaltitel, äußerst anspruchsvolle und sehr ausgeklügelte Konstruktionen hervorgebracht. Diese ausgefallenen Wohnstätten beinhalten komplexe Funktionen, wie z.B. Temperaturregulierung, bis ins Detail ausgearbeitete Belüftungssysteme, Fallen, Köderkammern, Täuschungsbauten, mehrere Fluchtwege usw.

Die dazu verwendeten Materialien und Techniken können einfach oder unvorstellbar komplex sein. Aber alle haben die Gemeinsamkeit, dass sie speziell auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten jeder dieser Tierart angepasst sind. So scheint es, dass der Autor Daniel Nassar, der selbst als Architekt tätig ist, die Baukunst der Tiere als ein Paradigma für nachhaltiges Bauen sieht.

Jede Doppelseite stellt eines der insgesamt 14 im Buch enthaltenen Tierarten mitsamt ihrer Bauten vor. Nach einer kurzen Vorstellung des Tieres, folgt die schrittweise Beschreibung des Bauvorgangs. Das Verständnis wird mithilfe einer Zeichnung unterstützt. Hinter der Aufklappseite verbirgt sich eine Liste mit dem nötigen Baumaterial, sowie eine Kurzfassung des Bauprojekts. Jedes Tier wird vorne auf der Aufklappseite noch einmal in einer Art Steckbrief mit passenden Oberbegriffen präsentiert.

Dieses Bilderbuch sollte mit den Kindern gemeinsam gelesen werden. Es beinhaltet Beschreibungen von zum Teil sehr komplexen Vorgängen, die einer Erklärung bedürfen. Sehr schön ist die Einbindung eines Steckbriefs und der vereinfachten Skizze der Wohnstätte.  Ein netter Einfall, aber als Gesamtergebnis eigentlich überflüssig finde ich dagegen viele Kategorien beim Bauprojekt, wie z.B. die nicht ausgefüllte Schwierigkeitsstufe (wäre eigentlich ganz interessant gewesen), die Kategorie „Beinhaltend“ (?) oder auch der Massstab, mit dem Kinder eh nichts anfangen können. Hier hätte man vielleicht noch greifbarere und kindgerechtere Kategorien einbinden können.

Die Illustrationen von Julio Antonio Blasco halten sich in ihren erdigen Farbtönen eher im Hintergrund und rauben den Architekten aus dem Tierreich nicht ihren verdienten Glanz.

wo die wilden tiere wohnen

Dieses Sachbilderbuch versucht Interesse, Aufmerksamkeit und Respekt für nichtmenschliche Konstruktionen zu wecken und ein Bewusstsein für unsere eigene Architektur zu entwickeln.

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Dominique Lurz und Barbara Scherrer – 111 Ideen für selbstständiges Präsentieren

111 Ideen für selbstständiges Präsentieren

Die Autoren haben in diesem Werk, in Sinne einer Fundgrube, viele Ideen zusammengefasst, wie man unterschiedliche Lernprodukte mit Freude, Eifer und Kreativität vorstellen kann. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass auch sogenannte „Basics“ in diesem Sammelwerk ihren Platz finden, um ein rundes Paket zum Nachschlagen und Inspirieren  anbieten zu können.
Die 111 Ideen zum Präsentieren, Vorstellen und Dokumentieren wurden in folgende Kapitel unterteilt:
  1. Basics
  2. Ideen für wenig Aufwand/ Zeit
  3. Ideen für mittleren Aufwand
  4. Ideen für komplexere Präsentationen
  5. Ideen für musischen, künstlerischen und sportlichen Unterricht

Jede Idee gliedert sich in die Bereiche „Zeitbedarf; Jahrgangsstufe; Fächer; Sozialform; Ziele; Material/ Vorbereitung; So geht’s und  Tipps“. Einige Vorschläge werden mit passenden Zeichnungen unterstützt. Um eine bessere Vorstellung von den Inhalten zu bekommen, hier eine kleine Auswahl an Präsentationsideen:

  • Präsentationsteller, Marktplatz, Themenheft, Bodenbild, Weihnachtskoffer, Lapbook, Portfolio, Museumsgang, Ausstellungssockel, Pyramidenbau

Den Abschluss bilden einige Kopiervorlagen auf denen z.B. die einzelnen Schritte zur Erstellung eines Plakats festgehalten sind, Faltanleitungen für unterschiedliche Bücher oder aber auch ein Reflexionsbogen zur eigenen Mitarbeit an einem bestimmten Projekt.

Dieser praktische Ratgeber weist eine übersichtliche Gliederung auf und dient somit als Inspirationsquelle oder Nachschlagewerk, um sich als Lehrkraft weiterzubilden und neue Ideen bzw. Methoden in den Unterricht einfließen zu lassen. Besonders gelungen ist die gut zu überblickende Aufbereitung der Vorschläge. Um sich die jeweiligen Ideen besser vorstellen zu können und auch die Eigenmotivation zu steigern, wären Fotos aus der Unterrichtspraxis sicherlich noch anregender gewesen. Die Einbindung möglichst vieler Sinne steigert die Wahrscheinlichkeit der besseren Verarbeitung und Vernetzung mit dem bereits vorhandenen Wissen.

Die Unterteilung der Kapitel nach dem jeweiligen Aufwand ist für die Praxis durchaus sinnvoll. Hier hilft auch die Angabe, in welchem Fach der jeweilige Vorschlag gut umgesetzt werden kann. Wünschenswert wäre eine Tabelle im Anhang gewesen, die nach den Fächern unterteilt ist, sodass man sich schneller einen Überblick über die angebotenen Methoden und Ideen z.B.  zum Fach Mathematik holen kann. Die „Tipps“ zeigen worauf man im Vorfeld achten sollte oder welche Überlegungen noch anzustellen sind. Hier wird deutlich, dass die Autoren diese Vorschläge bereits selbst ausprobiert haben.
Insgesamt beinhaltet diese Sammlung ein breites Spektrum von bekannten bis nicht unbedingt alltäglichen Ideen, durch die das Präsentieren noch mehr Spaß macht und ein bisschen Abwechslung in den Schulalltag bringt. Schließlich verdienen die Lernergebnisse der Schüler einen angemessenen Rahmen und eine adäquate Würdigung.

111 Ideen für selbstständiges Präsentieren

Ein Sammelwerk an bekannten und einigen nicht unbedingt alltäglichen Ideen, die den Schulalltag bereichern.

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TOP 5 – Krankheit und Tod

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Bei der Thematisierung spezifischer Aspekte von Krankheit und Tod sind Bilderbücher eine unschätzbare Hilfestellung, Kindern das Phänomen Tod nahe zu bringen. Das kindliche Verständnis von Tod wird durch frühzeitige Erfahrungen mit dem Tod von Haustieren oder Angehörigen beeinflusst. Dabei übernehmen Kinder die Einstellungen bzw. Umgangsweisen von Erwachsenen, die sich darauf auswirken, ob und wie ausführlich mit Kindern über den Tod gesprochen wird.

Besonders bei älteren Kindern ist es empfehlenwert auf Bilderbücher mit menschlichen Figuren, im Gegensatz zu Tieren, zurückzugreifen, da diese eine konkrete und stimmigere Orientierung geben. Meine persönlichen Favoriten zu diesem Thema habe ich in einer TOP-5 zusammengefasst:

TOP 1:

Kai Lüftner findet in „Für immer“ kindgerechte tröstende Worte, verpackt in kurze Sätze, um das Unfassbare für Kinder verständlich zu bündeln. Dieses Bilderbuch ist rührend, poetisch und mit einem kleinen Funken Hoffnung versehen, dass der Schmerz irgendwann nachlassen wird.

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

TOP 2:

Dieses bewegende Bilderbuch wurde mit dem  “Meefisch 2011″  ausgezeichnet und ist in der Tat ein Meisterwerk! Die in diesem Buch thematisierte Demenz der Oma ist  für die Enkelin etwas sehr Spannendes. Sie tauchen gemeinsam in vergangene, äußerst witzige und unwirkliche Geschichten ab: “Beim Denken wachsen uns ganz langsam Flügel.” Sie entfliehen der Wirklichkeit und begeben sich auf fantastische Reisen. Eine ausgeklügelte Balance zwischen Wirklichkeit, Vergänglichkeit und der Kunst des Loslassens.

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

 TOP 3:

Lilli Messina schildert auf eine urkomische Art und Weise die alltäglichen Gemeinsamkeiten von Jung und Alt. Das Leben von drei Generationen unter einem Dach birgt nämlich so einige Herausforderungen.  Anhand dieses Buches kann das Thema „Pflege älterer Menschen“ sehr schön angeschnitten werden.

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

TOP 4:

Antje Damm setzt auf einen sachlich-nüchternen Zugang zum Thema „Tod“. Der Schwerpunkt liegt bei diesem Bilderbuch auf einem angstfreien Zugang zu Sterben, indem es als normal, natürlich, als Teil eines Kreislaufes verdeutlicht wird. Antje Damm mutet ganz zu recht dem Kind eine unbeschönigte Konfrontation mit realen Problemen, wie hier dem Tod eines geliebten Haustieres.

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

TOP 5:

Dieses Bilderbuch trumft insbesondere mit indirekten Vorschlägen zum Umgang mit dem Tod auf, wie z.B. das gemeinsame Betrachten der Fotos und das Sprechen über die Verstobenen. Das Erinnern und Abschiednehmen sind wichtige Bestandteile der Trauerarbeit, die hier sehr behutsam aufgegriffen werden.

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

Kai Lüftner und Katja Gehrmann – Für immer

für immer

Der kleine Egon ist seiner eigenen Aussage nach ein „Zurückgebliebener“. Denn zurück bleiben die, die jemanden verloren haben. Egon hat seinen Vater verloren. Für immer. Wie lange ist für immer? Ewig!

Die Menschen um ihn herum verhalten sich auf einmal ganz komisch. Da sind die Flüsterer, die Grinser und die Sprachlosen. Egon mag sie alle nicht. Es ist eben schwer über den Tod zu sprechen. Doch Egon trägt immer ein kleines Stück von seinem Vater im Herzen. Er ist immer bei ihm. Für immer.

Dieses Buch wartet seit Monaten auf meine Rezension. Warum? Ganz einfach, weil ich fürchte der Schönheit dieses Buch mit meinen Worten nicht gerecht werden zu können.

Kai Lüftner stellt die äußerst schmerzhafte Irreversibilität des Todes in einer rührenden und poetischen Weise dar. Kinder können das Konzept des „Nie-wieder-kommens“ ab vier Jahren bereits relativ gut auf Tiere anwenden. Bezogen auf Personen gehen sie in dieser Entwicklungsphase aber noch davon aus, dass bestimmte Personengruppen wie z.B. die Eltern vom Tod ausgenommen sind. Erst ab sieben Jahren gelingt die Ausweitung auf alle Personen um einen herum. Bilderbücher stellen somit eine unschätzbare Hilfestellung in Bezug auf die Thematisierung des Phänomens Tod  dar.

„Für immer“ findet eine eigene Sprache, um das Unfassbare, Unerträgliche zu gestalten. Kai Lüftner schafft den notwendigen Raum, der zur Trauerbewältigung nötig ist, und schließt dabei Angst, Verlassenheit, aber auch Trost und die Sehnsucht nach der Zukunft mit ein. Dem dramatischen Verlust sind Ruhe und Kraft entgegengesetzt.

Durch eine kleine Rückblende sehen wir Egon im Zimmer seines kranken Vaters und können beobachten wie er dort seinen roten Drachen, der ihn durch das ganze Buch begleiten wird, baut. Sein Vater hilft ihm dabei und deutet mit einer Säge und einem Holzstiel bereits das Kreuzzeichen, seinen eigenen unvermeidlichen Tod, an.

Es gibt keine Tabletten gegen das „Für immer“.

Der Schmerz ist unendlich groß. Doch wie lange ist überhaupt „für immer“? Egon beginnt sein Zeitverständnis mit für ihn relevanten Zeitspannen zu vergleichen. Diese Seite ist für mich einfach herzzerreißend: Ein hilfesuchender kleiner Junge im endlosen Labyrinth mit der schmerzlichen Erkenntnis – Für immer ist ewig!

Die drei Gruppierungen der Menschen um Egon herum sind ebenfalls grandios realistisch dem wirklichen Leben entnommen. Die einen versuchen die Tragik mit Witzen zu überspielen, die anderen flüstern über den kleinen Egon in der Annahme er würde es nicht wahrnehmen. Die Mehrheit jedoch schweigt einfach, weil das Unfassbare auch für sie nicht wirklich greifbar ist.

Kai Lüftner findet kindgerechte tröstende Worte, verpackt in kurze Sätze, um das Unfassbare für Kinder verständlich zu bündeln. Die letzte Seite ist schließlich das i-Tüpfelchen. Hier bleibt garantiert kein Auge trocken. Doch auch das „Weinen“ gehört zur Trauerbewältigung. Und es ist ermutigend zu sehen, dass die Schnur des roten Drachens auf der letzten Seite länger wird, auch wenn das Loslassen seine Zeit brauchen wird …

Kai Lüftner Für immer

„Für immer“ findet eine eigene Sprache, um das Unfassbare und Unerträgliche zu gestalten.

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Petra Harms – Wohnideen aus dem wahren Leben

Wohnideen aus dem wahren Leben

Ein Zusammenschluss von 15 kreativen Designbloggern hat dieses Werk voller Inspirationen rund um moderne Wohnideen ergeben. In diesem großen Buch des Wohnens werden Raum für Raum (Flur, Wohnzimmer, Esszimmer, Arbeitszimmer, Badezimmer, Küche, Kinderzimmer, Schlafzimmer, Garten) zahlreiche Interior- und Dekoideen präsentiert, geschmückt mit passenden Zitaten und Einrichtungstipps.

Großformatige Bilder, fotografiert aus interessanten Winkeln, sind das Herzstück dieses Buchs. Man verliert sich schnell in unbekannten Räumen, die dargestellte Atmosphäre überträgt sich blitzartig auf den Betrachter und man kommt nicht umhin für bestimmte charmante Details zu schwärmen. Das Schöne ist, dass man bei jedem Durchblättern etwas Neues entdecken kann, das einen begeistert und inspiriert.

Die präsentierten Stile unterscheiden sich nur geringfügig voneinander. Die meisten Wohnblogger bevorzugen die Kombination aus Weiß, Alt, mit einigen neuartigen Akzenten und eindeutigen Blickfängern. Mal ist es ein gemusterter Teppich, mal ein knalliges Wandbild oder auch einfach nur ein Wohnaccessoire wie ein ausgefallenes Kissen.

Besonders gut gefällt mir das Kapitel „Küche“, weil ich die Tendenz zu offenen Regalen liebe. Da es jedoch sehr schnell chaotisch und unaufgeräumt wirken kann, müssen einige  Tipps befolgt werden, die die Bloggerin sehr schön herausstellt. Die Fotografien wirken allesamt wohnlich, zum Teil auch ein bisschen unaufgeräumt. Da ist eine unorganisierte Magnettafel, herumliegendes Spielzeug oder auf dem Boden gestapelte Bücher. Man hat den Eindruck, als würde man in fremde Räume hineinlinsen, die eindeutig Stil haben.

Am Endes des Buchs werden auf je einer Seite die am Buch beteiligten Wohnblogger mit einem Porträtfoto und der eigenen Blogseite näher vorgestellt, sodass der Leser seinen Lieblingsblogger online weiterverfolgen kann.

Wohnideen aus dem wahren Leben

Wohnideen aus dem wahren Leben

Ein gelungenes Band voller Inspirationen rund um eine moderne Wohnwelt.

* Das Buch wurde mir von  Blogg dein Buch und dem Callwey Verlag zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen und Einblicke ins Buch: hier

Antje Damm – Clara und Bruno

Clara und Bruno

Clara liebt ihren Hund Bruno. Gemeinsam unternehmen sie Spaziergänge zum Strand, buddeln Löcher, gehen zum Metzger und angeln Fische. Doch irgendwann frisst Bruno nichts mehr und Clara macht sich Sorgen. Schließlich weiß sie, was kommt. Sie gräbt ein letztes Mal ein Loch, ein Loch für Bruno.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Sterben und Tod“ ist schwierig, nicht zuletzt aufgrund der Unmöglichkeit der persönlichen Erfahrbarkeit, der Ungewissheit über ein Leben nach dem Tod sowie seine Unumgänglichkeit. Der Umgang mit dem Verlust eines Haustieres wird hier als Aufgabe der Hauptfigur gezeigt, denn nur aktive Trauerarbeit führt zu einer erfolgreichen Verarbeitung. Dazu gehören auch Tränen und die für immer bleibende Erinnerung.

Antje Damm zeigt einen exemplarischen Umgang mit dem Tod infolge einer Krankheit. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf einem angstfreien Zugang zu Sterben, indem es als normal, natürlich, als Teil eines Kreislaufes verdeutlicht wird.  Der eintretende Tod von Bruno wird vom Herbst begleitet und symbolisiert, da es sich um ein Naturphänomen handelt, die Vergänglichkeit. Auch die Metapher des starken Windes, das Wegfliegen, deutet den Tod an und macht es zu etwas Natürlichem.

Der sachlich-nüchterne Zugang wird durch die Darstellung des toten Fisches verstärkt, den sich Bruno schmecken lässt. Leben ist für uns alle, egal ob Mensch oder Tier, vergänglich und Teil eines natürlichen Kreislaufs. Antje Damm mutet ganz zu recht dem Kind eine unbeschönigte Konfrontation mit realen Problemen, die das Leben schreiben.

Clara und Bruno

Ein sachlich-nüchterner Zugang zum Thema Sterben und Tod.

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Tor Freeman – Olivia und die schlechte Laune

Olivia hat schlechte Laune

Die dunkle Wolke über Olivias Kopf lässt schon vermuten, dass heute einfach nicht ihr Tag ist. Sie hat schlechte Laune. Im Verlauf des Tages trifft sie ihre beste Freundin Molly. Als sie Olivia fragt, ob sie denn nicht mit Dinosauriern spielen möchte, motzt Olivia sie einfach an. Daraufhin möchte Paul Olivia ganz stolz  seinen neuen Hut präsentieren, doch sie beleidigt ihn und zieht mit mieser Miene weiter. Dieses Schicksal trifft noch drei weitere Freunde und bei allen hinterlässt die Begegnung mit Olivia ebenfalls eine dunkle Wolke über dem Kopf. Schlechte Laune ist eben ansteckend.
Wird Olivia sich von ihrer schlechten Laune befreien können? Und wie macht sie ihr Verhalten bei ihren Freunden wieder gut?

Tor Freeman zeigt in den für Olivia-Bände typischen sequenzartigen Abfolgebildern welche Auswirkungen eine Begegnung mit schlecht gelaunten Menschen haben kann. Sie hinterlässt einen faden Nachgeschmack oder eben eine dunkle Wolke, manchmal sogar versehen mit einem Blitz. Olivia ist zu ihren Freunden gemein, unfair, mies und motzig. Solchen Menschen möchte man nicht über den Weg laufen. Und doch zeigt es ganz wunderbar, dass es richtig ungerecht ist, sich seinen Freunden gegenüber so zu verhalten.

Achtung Spoiler! (Zum Lesen bitte markieren)

Leider wird die Wendung zur guten Laune durch Süßigkeiten hervorgerufen.
Eine nicht allzu sinnvolle pädagogische Maßnahme.
Schöner wäre es gewesen eine Selbsteinsicht zu evozieren.

Positiv ist, dass Olivia diese negative Ladung schlechter Laune von ihren Freunden zurückbekommt. Hier wäre es schön zu sehen, dass dieses Erlebnis sie zum Nachdenken bringt und schließlich in einem Umdenken endet.

Olivia hat schlechte Laune

Ein nettes Geschenkbuch für so manche Menschen, die gerne schlechte Laune verbreiten. 😉

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Davide Cali und Maurizio A.C. Quarello – Kleiner Inuit

Kleiner Inuit

Die Schatten von morgen hinterlassen keine Spuren im Schnee.

Kleiner Inuit möchte unbedingt wissen, ob er eines Tages ein großer Jäger sein wird. Dafür befragt er den Hasen, denn schließlich hat er große Ohren. Der Hase kann dem Jungen keine Antwort geben und verweist ihn an den Fuchs mit der wirklich guten Spürnase. Nachdem der Fuchs, die Schneeeule und auch das Walross dem Jungen nicht sagen konnten, ob aus ihm ein großer Jäger wird, bringt ihn der Wal zu einer kleinen Insel. Hier wohnt der Weise der Zeit, ein weißer Elch, der dem Kleinen Inuit einen lebensklugen Blick in die Zukunft gewährt.

Bereits auf dem ersten Bild begegnen wir dem jungen Protagonisten und seinem Begleiter, deren Schatten ein Fragezeichen auf dem schneebedeckten Untergrund malen. Der italienische  Illustrator Maurizio Quarello schafft es mit seinen ruhigen und malerischen Winterlandschaften sowohl die Entschlossenheit als auch die Herausforderungen des Lebens, gespiegelt in den übergroßen Dimensionen eines Wals, einzufangen.

Der Blick in die Zukunft, den der weise Elch dem Jungen gewährt, zeigt zehn unterschiedliche Inuits. Und so gewinnt Kleiner Inuit die Erkenntnis, dass er selbst für seine Zukunft verantwortlich ist, gleich dem Motto „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Passend dazu sehen wir auf dem letzten Bild den kleinen Inuit, wie er mutig vier unterschiedliche Pfade im Schnee beschreitet und neugierig, aber auch selbstbewusst in seine Zukunft schaut.

Du bestimmst den Weg. Du gehst, wohin du willst.

Kleiner Inuit

Material

Ein Arbeitsblatt, das bereits im 1. Schuljahr ausgefüllt werden darf: „Das möchte ich werden, wenn ich groß bin“. Schön verpackt, ist es im vierten Schuljahr ein wunderbares Abschiedsgeschenk und gleichzeitig eine Erinnerung an die Selbstbestimmung!

Berufswunsch

Ein Loblied auf die Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit.

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Ann Bonwill und Simon Rickerty – Ich bin doch keine Erbse

Ich bin doch keine Erbse

Das Flusspferd Hugo und der Vogel Bella sind die allerbesten Freunde. Gemeinsam planen sie ihre Kostüme für einen Märchenkostümball. Hugo schlägt vor sich als Prinzessin zu verkleiden und Bella soll dementsprechend als Erbse zum Ball gehen. Mit diesem Vorschlag ist Bella jedoch ganz und gar nicht einverstanden, schließlich ist eine Erbse klein und rund. Viel lieber würde Bella als Meerjungfrau gehen und Hugo soll dafür ihr schöner Felsen sein. Hugo findet, dass Felsen grau und plump sind, was seinen Ärger noch weiter steigert. Nach einigen weiteren unzufriedenstellenden Vorschlägen, eskaliert die Kostümsuche in einem Streit.

Außerdem will ich gar nicht mehr mit dir auf den Ball gehen.
Na wenn das so ist, dann will ich auch nicht mehr.

Werden die beiden Freunde sich doch noch einigen können und es rechtzeitig zum Märchenkostümball schaffen?

Die Ausgangssituation ist so realitätsnah der kindlichen Lebenswelt entnommen, dass man schon zu Beginn schmunzeln muss. Zur Freundschaft gehört eben auch sich behaupten zu können und natürlich Kompromisse zu schließen. Dies ist ein humorvolles Bilderbuch rund um Bestimmer, Konkurrenten und wahre Freunde.

Die sehr bunten und reduzierten Illustrationen von Simon Rickerty fokussieren auf die Gefühle und die Verkleidungen der beiden Protagonisten. Die Dialoge unterscheiden sich in eigens für die Tiere entworfenen Schriften und lassen sich schnell den jeweiligen Figuren zuordnen. Man kann den Streit mit all den typisch kindischen Formulierungen regelrecht hören. Die Unzufriedenheit, der Trotz und die Ärgernis springen den Leser buchstäblich an. Ja, genauso läuft es unter Kindern ab.

Pädagogisch wertvoll ist auch der vorgeschlagene Kompromiss. Vor dem Vorlesen der eigentlichen Lösung, müsste man mit den Kindern unbedingt ins Gespräch kommen und die Kinder auch selbst beschreiben lassen, wie die beiden Freunde sich wohl fühlen. Natürlich wäre es sicherlich auch spannend von den Kindern zu erfahren, wie sie sich die Lösung des Streits vorstellen.

Dieses Thema ist nicht nur unter Freunden, sondern auch später in der Grundschule, wenn Kinder mit einem Partner oder in der Gruppe etwas erarbeiten sollen, sehr bedeutsam. Die Bedürfnisse der anderen Mitschüler berücksichtigen und sich einigen können ist ein langwieriger Prozess und eine nicht zu unterschätzende Kunst.

Ich bin doch keine Erbse

Eine humorvolle Geschichte rund um die Fähigkeit auf seine Mitmenschen einzugehen und vielleicht auch selbst einmal zurückstecken zu können.

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TOP 5 – Bilderbücher des Jahres 2013

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TOP 1:

An dem Landkartenbuch haben die polnischen Illustratoren sage und schreibe 3 Jahre lang gearbeitet. Und es hat sich gelohnt! Dieser Schatz ist in jedem Bücherregal ein wahrer Augenschmaus. Hier werden 42 Länder mit all ihren Besonderheiten in Punkten wie Geschichte, Nationalgerichte, Bauwerke, Feste und Bräuche mit einem ganz anderen Blick auf die Welt präsentiert.

In diesem Wimmelbuchatlas ist jede Seite ein Kunstwerk!

TOP 2:

„Für immer“ ist ein zutiefst herzergreifendes Bilderbuch zum Thema „Tod“ und dem damit verbundenen Gefühl der Trauer. Hier sind Tränen nicht ausgeschlossen, einfach weil es so ehrlich, poetisch und vielleicht auch ein bisschen naiv ist. Man kann mit Worten der Schönheit dieses Bilderbuchs nicht gerecht werden.

Ein echtes Highlight im Jahr 2013!

Rezension folgt!

TOP 3:

Dieses Bilderbuch mit den romantisch angehauchten Illustrationen der begabten Künstlerin Valeria Docampo berührt nicht nur durch die einzigartigen, sehnsuchtsvollen Zeichnungen sondern auch durch den kritischen Blick auf die technischen Neuerungen.

Eine thematisch betrachtet sehr erfrischende Windbrise im Bilderbuchtal.

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

TOP 4:

„Die fliegenden Bücher des Mister Morris Lessmore“ erzählt von der Liebe zu Worten, Geschichten und Büchern und ist für jeden Bücherliebhaber ein Garant für Gänsehaut.

Für alle Menschen, die mit den Büchern leben ein Muss im Regal!

Zum Kurzfilm "The fantastic flying books of Mr. Morris Lessmore" hier entlang.
 

TOP 5:

Diesem Sachbuch wohnt ein besonderer Zauber inne. Vorrangig versprüht durch die von Mark Hearld stammenden Illustrationen. Dem schottischen Grafiker ist es gelungen die überwältigende Schönheit der Natur in bahnbrechende Bilder zu bannen. Dieses Buch fesselt auf wundersame Weise.

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

Was sind eure Favoriten im Jahr 2013?