Christa Kempter und Günther Jakobs – Clara, der Mond und das neue Zuhause

Clara, der Mond und das neue Zuhause

Nein, Clara will nicht umziehen. Sie möchte nicht weg sein von ihrer Kuschelecke im Flur, nicht von ihrem Kindergarten, nicht von ihren Freunden Lisa und Jan und auch nicht von Nachbars Kaninchen. Nein. Kein bisschen.

Diese Lebensveränderung beschäftigt und bewegt Clara sehr. Sie erkundigt sich bei ihrem Opa und ihren Freunden, ob sie denn auch traurig wären, wenn sie wegziehe? Sie bejahen, doch keiner möchte mitkommen. Alle hält irgendjemand oder -etwas an ihrem Wohnort. Das versteht Clara.

Bald wird gepackt. Und ein kleines bisschen will Clara nun doch umziehen. Im neuen Haus ist schließlich alles anders. Es riecht anders, auch die Geräusche rund um das Haus haben sich verändert. Nur einer ist mitgekommen und leistet Clara weiterhin Gesellschaft …

Dieses Bilderbuch ist neben 999 Froschgeschwister ziehen um das beste im Themenbereich „Umzug“, das es momentan auf dem Bilderbuchmarkt gibt. Christa Kempter ist es gelungen die schwankende Gefühlswelt, die durch diese bevorstehende Veränderung in Claras Leben hervorgerufen wird, sehr sensibel, liebevoll und einfühlsam zu schildern. Claras Unsicherheiten und Ängsten bekommen viel Aufmerksamkeit und so wird deutlich, dass Kindern viel Raum und Zeit zum Verarbeiten gelassen werden muss. Dabei helfen besonders Gespräche mit allen Beteiligten und aber auch das „Abschiednehmen“.

Sehr rührend ist die Szene von Clara in ihrem Bett in der letzten Nacht vor dem Umzug. Sehr aufmerksam lauscht sie ihren gewohnten Geräuschen in der Umgebung und beschreibt diese ausführlich. Dies ist auch eine Art des Verarbeitens – die Umgebung bewusst wahrnehmen.

Pädagogisch sehr wertvoll ist der Ausgang der Geschichte. Trotz der neuen und ungewohnten Akustik im Schlafzimmer, findet Clara einen ständigen Begleiter, der ihr Halt und Zuversicht schenkt. Und schon muss sie feststellen: „Es ist fast wie immer.“

Clara, der Mond und das neue Zuhause
weiterarbeit

Diese Geschichte eignet sich hervorragend für eine Klasse, die ein Kind aufgrund eines Umzugs verabschiedet. Über ein Gespräch im Erzählkreis gelingt ein schöner Einstieg in die Thematik, indem Kinder die Gelegenheit bekommen zu erzählen, wer schon einmal umgezogen ist und wie das war.

Die Fischervelage stellen zu diesem Bilderbuch ein Bilderbuchkino zum Download bereit. Nach der Gesprächsrunde kann dieses Bilderbuch dazu dienen, dem Kind Mut zu machen und seine Unsicherheiten zu nehmen. Als Hausaufgabe wäre es denkbar, die SuS ihre Eltern, Freunde oder Verwandte interviewen zu lassen, um die kuriosesten Umzugsepisoden aufzuschreiben.

Ein äußerst einfühlsames Bilderbuch, das allen Kindern Mut macht, die Angst vor Veränderungen haben.

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TOP 5 – Fußball

Top 5 - fußball

 

Die Fußball-WM steht kurz bevor und die Euphorie steigt. Ich habe eine kleine Auswahl an Büchern rund um den Fußball zusammengestellt, um diese Begeisterung in Form von Lesetipps für Fußball-Fans aufzufangen:

TOP 1:

Die Geschichte „Bené, schneller als das schnellste Huhn“ spielt in Brasilien und schildert in äußerst einfühlsame Weise das Leben eines Jungen in den ärmeren Regionen des Landes. Bené geht nicht zu Schule und sein Alltag ist geprägt von der Notwendigkeit zu überleben. Seine Eltern produzieren Fußbälle und verdienen somit ihren Lebensunterhalt. Bené testet das runde Leder, denn nur die guten Bälle können verkauft werden. Er träumt von richtigen Fußballschuhen und einem Trikot. Bis dahin spielt er in Flip-Flops und ist trotz der widrigen Umstände glücklich. Gerade vor der anstehenden WM in Brasilien gibt dieses Bilderbuch einen realitätsnahen Einblick in die Lebenskultur des Gastgeberlandes.

TOP 2:

Anne-Kathrin Behl spielt in diesem Bilderbuch mit der stereotypischen Geschlechterrollenverteilung. Trotz der bestehenden Klischees, ist der Fokus auf die individuellen Talente eines jeden Individuums gerichtet. Matze ist in diesem Bilderbuch, trotz oder gerade wegen seiner Passion für Ballet, ein echter Überflieger und Held.

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

TOP 3:

Kaiser Franz ist furchtbar langweilig, schließlich darf er nur halbtags regieren. Aus seinem Schlossfenster entdeckt er Kinder, die sich um einen Ball prügeln. In just diesem Moment bringen ihn seine 300 Gummibälle auf eine grandiose Idee. Wenig später hat er ein Spiel erfunden, bei dem der Einsatz von Händen verboten ist, da sie sonst ja zu Handgreiflichkeiten führen können. Und als Kaiser hat er die beste Position überhaupt: Mit Trillerpfeife ist er mittendrin!

In der dritten Geschichte, die sich wunderbar zum Vorlesen eignet, reist Kaiser Franz nach Brasilien und auf wen trifft er im Finale? Das wird natürlich hier nicht verraten!

TOP 4:

Michi ist ein wahrer Fußballheld. Er beherrscht das Dribbeln, Kicken und schießt die perfekten Kopfbälle. Doch was nützen diese Künste, wenn keiner Zeit zum Mitspielen hat? Da muss die kahle Hauswand im Hof herhalten, die Michi in diesem Moment noch grauer vorkommt. Als der Ball über die Mauer fliegt, jagt ein Mitspieler den nächsten. Und so kommt Spieler für Spieler eine echte Mannschaft zusammen. Eine ganz besondere Gruppe von ungleichen Sportlern: Sie haben mehrere Beine, Fell und auch manchmal auch Flügel. Eine humorvolle Geschichte voller actionreicher Begebenheiten über die Bedeutung von sozialen Kompetenzen!

TOP 5:

Jakob wurde als Trainer für eine Fußballweltraumweltmeisterschaft auserkoren. Zuerst verschafft er sich einen Überblick über die Spieler und stellt seine ganz individuelle Mannschaft zusammen: Tiere, Roboter, Außerirdische. Doch auch die gegnerische Mannschaft ist nicht außer Acht zu lassen. Dabei entdeckt er nicht nur Andromeda Roboter, die Sirius, auch fliegende Elfen genannt, sondern auch die laufenden Steine. Jeder Gegner hat also so seine Stärken aber auch Schwächen, die es auszutricksen gilt….eine durchaus herausfordernde Aufgabe!

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

 

Cruschiform und Barbara Heller – Schneller?!

Schneller?!

In diesem Bilderbuch dreht sich alles um Geschwindigkeit, dem Verhältnis von Weg und Zeit.  Von 0,3 km/h bis zu sagenhaften +100 000 km/h werden auf einer Doppelseite Tiere, Fahrzeuge, Naturphänomene – eigentlich alles was in Bewegung gebracht werden kann, präsentiert. Hätten Sie gewusst, dass ein Seepferdchen genauso „schnell“ wie eine Galápagos-Schildkröte ist? Das Seepferdchen gehört zu den langsamsten Tieren der Erde, da ist die Riesenschildkröte mit mehr als 370 m/h ihr eine Nasenlänge voraus. Wer schafft es auf 200 km/h?Ein Mauersegler oder ein Hubschrauber? Nun die richtige Antwort ist: beide.Dieses Kindersachbuch beeindruckt durch einen einfachen und übersichtlichen Aufbau. Auf der linken Seite wird stets die Geschwindigkeit und ihr gegenüber alles, was in dieser Zeit den gleichen Weg zurück legen kann, verbildlicht. Die Zeichnungen leuchten in strahlenden Kontrastfarben. Sehr dominant sind die Farbnuancen Blau, Orange und Gelb. Erfreulicherweise wurde ein Glossar angehängt, in dem zu den einzelnen Tieren und Fahrzeugen eine kurze Erläuterung mit interessanten Informationen zu finden ist. Hier erfahren wir, wann das erste Fahrrad erfunden wurde und dass es „Veloziped“ hieß oder welche Funktion die beiden Höcker eines Kamels haben.

„Schneller?!“ bringt den Betrachter zum Staunen. Besonders der Vergleich von Technischem mit Natürlichem ist phänomenal und schon fast angsteinflößend. Die letzte Seite ist dann doch einem Naturphänomen gewidmet, sodass die technischen Errungenschaften an die Wunder der Natur (noch) nicht herankommen.

Schneller?!
weiterarbeit
Durch die nun neu geweckte Neugier nach der Geschwindigkeit, wäre es denkbar ein gemeinsames Kunstbuch nach dem Schema von „Schneller?!“ zu entwickeln. In kleinen Gruppen können Kinder recherchieren und eine Seite zu einer bestimmten km/h-Zahl entwickeln. Welche Tiere oder Fahrzeuge kriechen, fliegen, rennen oder fahren genauso schnell? Die dazu passenden Motive können selbst gemalt oder ausgedruckt und aufgeklebt werden.

Dieses Bilderbuch weckt das kindliche Interesse weiter zu forschen und trumpft mit außergewöhnlichen und verblüffenden Geschwindigkeitsvergleichen auf.

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Anne-Kathrin Behl – Matze vor, tanz ein Tor!

Behl - Matze vor. tanz ein Tor

Passend zur anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, erleben wir in diesem Bilderbuch von Anne-Kathrin Behl ein Fußballabenteuer der ganz anderen Art.
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Matze und sein bester Freund Emil spielen gerne gemeinsam. Sie fahren Roller um die Wette, bauen Straßen, um darauf ihre Spielzeugautos sausen zu lassen oder buddeln in einem Sandkasten. Doch Matze hat auch ein anderes Hobby. Er tanzt leidenschaftlich gerne – Ballett! Seine Pirouetten sind unvergleichlich. Während die Mädchen seine Künste voller Bewunderung bestaunen, können die Jungen seine Leidenschaft für Ballett so gar nicht nachvollziehen. Schließlich ist Fußball doch viel cooler.

Beim großen Fußballspiel der Rummelsdorfer Raufbolde gegen die Kleinmunzheimer Kampfbolzer, steht Matze am Spielrand und drückt den Raufbolden die Daumen. Doch die Gegner scheinen die Führung zu übernehmen und als dann Ole auch noch verletzt vom Spielfeld getragen wird, hat sein bester Freund eine Idee: Matze soll einspringen! Auf dem Fußballplatz steht Matze vorerst ganz ratlos herum, bis der Ball ihm direkt vor die Füße hüpft. Dann beginnt er an zu tanzen…. mit dem Ball direkt ins Tor!

Anne-Kathrin Behl spielt in diesem Bilderbuch mit der stereotypischen Geschlechterrollenverteilung. Einerseits erleben wir das in pink dargestellte Mädchenuniversum inkl. Basteleien und Tänzereien. Andererseits sind da die wilden Kerle auf dem Fußballplatz. Matze ist genau dazwischen – von den Mädchen akzeptiert, von den Jungen keinesfalls gemieden.

Die Illustrationen kontrastieren diese beiden Welten sehr harmonisch. Matze fällt nicht als ein von der Norm stark abweichendes Wesen auf. Er gehört dazu und ist genau zwischendrin.
Matze vor, tanz ein Tor

Material

Zur vertiefenden Auseinandersetzung eignet sich die künstlerische Ausgestaltung des eigenen größten Fußballmoments oder die in Gruppenarbeit entwickelte digitale Aufzeichnung von Geräuschkulissen eines fiktiven Fußballspiels.

Talente und ihre Akzeptanz, auch in besonderen Situationen!

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Johanna Lindemann und Lucie Geöpfert – Das Regenmädchen

Das Regenmädchen

Das Regenmädchen ist tief traurig. Eine Regenwolke über ihrem Kopf ist ihr ständiger Begleiter. Es symbolisiert ihren Gemütszustand. Die Regenwolke stört das Mädchen nicht. Lediglich ihre Nachbarn machen sich Sorgen. Als sie versucht ein Lächeln aufzusetzen, fängt es nur zu donnern und zu blitzen an.
Eines Tages bekommt sie einen Brief aus Afrika. Der Staatspräsident lädt das Regenmädchen zu sich ein und hofft somit auf ein bisschen Regen für sein Land. Das Regenmädchen folgt prompt dieser Einladung und muss feststellen, dass eine Regenwolke auch etwas Gutes bewirken kann.
Ausgangspunkt der Geschichte ist die Traurigkeit eines Mädchens, dessen Ursprung wir als Leser nie erfahren. In diesem Bilderbuch werden die Symptome einer kindlichen Depression einfühlsam geschildert. Sie bekommt gut gemeinte Ratschläge von ihren Nachbarn, die eigentlich als Kritik an der Gesellschaft aufzufassen sind. Die Nachbarn raten dem Mädchen das Weinen einzustellen, damit ihre Tränen nicht in ihren Garten tropfen. Leider geht es ihnen weniger um das traurige Mädchen selbst, sondern eher um ihr eigenes Wohlergehen.

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Das Mädchen bemüht sich ein Lächeln aufzusetzen, aber es gelingt ihr nicht, ihre Traurigkeit zu überwinden. Erst als ihre Traurigkeit in einem fremden Land als etwas Positives und Erfreuliches wertgeschätzt wird, kann das Regenmädchen nun doch lachen. Dieses Bilderbuch vermittelt Kindern auf ansprechende Weise, dass Traurigkeit zum Leben dazugehört. Sie jedoch auch überwunden werden kann. Hier ist es vor allem die Zeit, die etwas vom Kummer mit sich nimmt und das Gefühl des „Gebrauchtwerdens“.

Die Atmosphäre prägenden Grundfarben Göpferts fangen die Gefühlslage des Regenmädchens entzückend ein. Die Typographie, die eine kindliche Handschrift imitiert und die selbst gemalten Linienstriche, verdeutlichen die innere Zerrissenheit des Mädchens. Auf allen Bild- und Textebenen arbeitet Das Regenmädchen mit der Verschränkung von an der Oberfläche liegenden Ereignissen mit dem in der Tiefenstruktur verarbeiteten Erleben. Der Leser wird mit einer komplexen Gefühlsbalance konfrontiert und erlebt die Entwicklung einer Kompensierung.

Das Regenmädchen

Material

Angeregt durch dieses Bilderbuch wäre es möglich mit Kindern Handlungsstrategien im Umgang mit Traurigkeit zu erarbeiten. Auf diesem Arbeitsblatt ist links ein trauriges Gesicht zu sehen. In der Mitte kann gezeichnet oder geschrieben werden, was bei Traurigkeit hilft, z.B. weinen zu können, jemandem von dem Kummer zu berichten oder sich trösten zu lassen. Ganz rechts erscheint schließlich ein fröhliches und entspanntes Gesicht als Konsequenz der Bewältigungsstrategien.

Traurigkeit Bewältigung

Alternativ bietet es sich hier an, den Perspektivwechsel in Briefen zu Texten zu trainieren. Das Bilderbuch wird hierzu lediglich bis zur Ankunft der Post vom afrikanischen Staatspräsidenten vorgelesen. Anschließend ist es die Aufgabe von den Kindern ihr Weltwissen einzubinden und aus der Sicht des Präsidenten den Brief zu vervollständigen. Dieses Vorhaben habe ich mit meinen 3. Klässlern ausprobiert und es sind richtig tolle Briefe entstanden!

 

Ein Bilderbuch vom Mut, traurig zu sein.

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Bernd Wehren – Der Bastel-Führerschein

Der Bastelführerschein

Zur Schulung feinmotorischer Fähigkeiten von Kindern in der Schuleingangsphase, bietet der Bastel-Führerschein eine Sammlung unterschiedlicher Angebote zu den Bereichen „Schneiden, Malen, Falten, Reißen, Kleben“. Der sichere Umgang mit Kleber und Schere wird anhand von 24 Bastelaufgaben trainiert und jede erledigte Aufgabe in einem Bastel-Führerschein notiert.

Bevor die Kinder ihre Urkunde abholen können, gilt es eine Führerschein-Prüfung zu bestehen. Nach erfolgreicher Teilnahme an der Generalprobe müssten die Kinder gut für die Prüfung gewappnet sein. Eine Urkunde würdigt schließlich ihre Leistung und Mühe.

Ein Klassensatz farbiger Bastel-Führerscheine ist dem Band beigefügt und kann auch einzeln nachbestellt werden.

Eine gut ausgebildete Feinmotorik ist eine grundlegende Fertigkeit, die nicht nur im Kunstunterricht bedeutsam ist. Der richtige Umgang mit Schere und Kleber ist in allen Fächern im alltäglichen Unterricht essentiell.

Dieser Band beinhaltet Aufgabenformate, die Kinder darauf vorbereiten sollen und sich in ihrem Schwierigkeitsniveau stets steigern. Vorerst gilt es Vorübungen zum Schneiden zu bewältigen, indem Kinder entlang gestrichelter Linien schneiden sollen. Es folgen Ausschneideseiten, bei denen lediglich viereckige Figuren ausgeschnitten werden sollen, bevor sich Kinder an runde Formen herantrauen. Die dadurch entstandenen Ergebnisse, wie z.B. ein Schloss, dürfen auch für den fächerübergreifenden Unterricht genutzt werden. Ein Schloss dient somit als Inspiration zum Schreiben von Märchen oder anderen Geschichten. Für eine bessere Präsentation der Schreibergebnisse kann die Geschichte auch mitten ins Tor geklebt werden (siehe Bild unten).

Einfache Bastelspiele, wie z.B. Memo, Domino oder ein Puzzle ergänzen das Angebot. Wünschenswert wäre die Beilage einer CD gewesen, auf der die vorhandenen Bastelangebote und der Führerschein an die Lerngruppe hätte angepasst werden können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass für die Erst- und Zweitklässler die Anzahl der Angebote etwas erschlagend war und die Lust nach ca. 10 Bastelangeboten schwand. Das ist schade. Mit einer beiliegenden CD hätte man die Anzahl der Angebote und die Reihenfolge an die Kinder anpassen können.

Die Angebote eignen sich jedoch auch hervorragend für die Kunst-Freiarbeitsecke, auch in den höheren Jahrgängen. Durch die Angebote werden Kinder auch zur Weiterarbeit angeregt und so entstehen ganz wunderbare Produkte, wie z.B. eine Schatzkiste mit einem aufklappbaren Deckel. Diese Idee nutzte ein Kind aus meiner Klasse, um darin seine eigenen Lernwörter niederzuschreiben.

Der Bastel-Führerschein
Selbsterklärende Bastelangebote zum besseren Umgang mit Schere und Kleber.

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„Heute bin ich“ im Kunstunterricht der Grundschule

"Heute bin ich" Hout

 

Endlich war es soweit! Inspiriert von dem grandiosen Bilderbuch „Heute bin ich“ von Mies van Hout gestaltete meine dritte Klasse eigene „Gefühlsfische“ mit Jaxonkreide.

Wir versammeln uns im Kinositz. Der Erzählstuhl ist bereits mit dem roten Umhang geschmückt. Ein Ritual, das die Kinder seit der zweiten Klasse kennen. Die Vorfreude steigt. Sie lieben Bücher! Ich erkundige mich bei den Kindern nach ihrer Gefühlslage. Auch das kennen sie und teilen ihren Gemütszustand freudig mit. An der Tafel notiere ich die genannten Adjektive und achte darauf die positiven Gefühlszustände von den negativen räumlich zu trennen. Darauf kommen wir später zurück.

Heute bin ich

Ich nehme mir Zeit und atme erst einmal tief ein und aus. Dann öffne ich langsam die erste Seite. Ich lese ein Wort vor und schwinge das Buch von links nach rechts, um allen Kindern die Gelegenheit zu geben das erste Bild ganz genau zu betrachten. Es ist mucksmäuschenstill. Nach dem zweiten Bild kommen bereits die erwarteten „Oh, ist das schön!“-Töne. Die Kinder sind gefangen, das sehe ich an ihren Gesichtsausdrücken. Sie imitieren die Fische.

"Heute bin ich" Mies van Hout

 

Nach dem Gefühlsbild „zornig“ habe ich sie endgültig. Sie springen ein Stück freudig erregt von den Bänken und müssen ihre Begeisterung ihren Mitschülern mitteilen. Es wird gelacht. Gleichzeitig spiegeln sie den Fisch wider. Das ist der Moment, um gemeinsam einige Gefühlszustände mimisch darzustellen. Dankbar nehmen sie meinen Vorschlag an und ich sehe ein Meer an Fingern in der Luft.

Die Kinder waren von der ersten Sekunde an emotional von diesem Bilderbuch berührt. Da fiel es ihnen auch gar nicht schwer Kriterien zu sammeln und die Identifizierung des Gefühls zu begründen. Es war eindeutig, dass der Gemütszustand des Fisches sich dem Betrachter erschließen sollte. Der Künstler musste also auf die Farbwahl achten, auf den Gesichtsausdruck und evtl. auch auf die Körperhaltung. Natürlich musste auch die Schrift, das Gefühlswort, dem Bild angepasst werden. Der Schriftzug „stolz“ wurde mehrmals nachgezogen, die Linien sind schließlich ziemlich breit. Ein Kind kam gleich auf die Idee Sonnenstrahlen im Buchstaben „o“ zu ergänzen, um die Freude zu unterstreichen. Die Kinder waren Feuer und Flamme!

Das Kunstkartenset diente später dazu sich noch einmal Inspirationen zu holen oder  um einfach ganz verträumt über die Schönheit der Fische zu staunen.

Heute bin ich

Auf der Plattform „Lehrermarktplatz“ biete ich zu dem Bilderbuch ein Materialpaket an, bestehend aus 32 Wortkarten mit Adjektiven, einer möglichen Beurteilungskriterienliste,
Beispielen und Fotos aus der Praxis und Visualisierungshilfen als Differenzierung. 

Materialpaket Heute bin ich Mies van Hout Gefühle Unterricht

(Material-ID: #124984)

Jonathan Meres – Oskar: Alles Banane!

Oskar - Alles Banane!

Oskar ist 13-Jahre alt und steckt mitten in der Pubertät. Seine jüngeren Brüder nerven unentwegt und als wäre das nicht genug, muss Oskar feststellen, dass seine Eltern pleite sind. Neben dem Umzug in ein kleineres Haus, entpuppt sich die Mutter als shoppingsüchtig und es stellt sich heraus, dass sein Großvater auch noch unter Spielsucht leidet. Da ist es für einen Teenager nicht einfach aus diesem Chaos an Umständen seine Hormone nebenher in Schach zu halten.

Das Chaos ist somit vorprogrammiert und ein verworrenes Ereignis jagt das nächste.

Der Comic-Roman ist ein Anziehungsmagnet für Jungen im Lesealter ab 10 Jahren. Die Hauptfigur wird Jungen an sich ziehen, die sonst eher schwer zum Lesen zu verlocken sind. Oskar liebt Mountainbikes, hält nicht viel von der Schule und ist in seinem Umgangston seinen Eltern und Geschwistern gegenüber auch manchmal schroff.

Trotzdem hält dieses Buch einige komische Situationen bereit. Es wartet mit schönen Kritzeleien auf und belebt somit das Lesen von insgesamt 320 Seiten. Die Kapitel sind relativ kurz gehalten. Der Autor spielt mit der Darstellung vieler Wörter. Das Wort „nervtötend“ wird beispielhaft in zittriger Form sinnfällig gemacht und gibt den Gefühlszustand auch bildlich wieder.

Erwachsene werden sicherlich den nicht unbedingt vorbildlichen Umgangston und Wortwahl ankreiden. Auch die Eltern als „Vorbild“ sind sicherlich nicht so ernst zu nehmen. Hier überwiegt die Intention Kinder an das Lesen zu bringen und ihnen in ihren Interessen gerecht zu werden. Wünschenswert wäre natürlich aus pädagogischer Sicht eine lehrreiche Quintessenz, wie z.B. eine positive Entwicklung, die Oskar durchmacht oder das Dazulernen durch Fehltaten.

Leider kommt Oskar an Greg nicht heran. Hier müssen sich wahre Fans noch weiter auf dem Büchermarkt umschauen oder mal Felix Rohrbach von „Knapp vorbei ist auch daneben“ unter die Lupe nehmen.

Oskar - Alles Banane!
Gute Aufmachung mit gelungener Situationskomik, aber einer fehlenden pädagogischen Quintessenz.

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Ute Krause – Minus Drei wünscht sich ein Haustier

Minus Drei wünscht sich ein Haustier

Der kleine Dinosaurier Minus Drei wünscht sich sehnlichst ein Haustier. Mama Drei ist jedoch von dieser Idee gar nicht begeistert, denn schließlich ist mit so einem Haustier viel Arbeit verbunden. Der Käfig muss sauber gemacht, das Tier muss regelmäßig spazieren gegangen werden. Mama Drei fürchtet, dass diese Arbeit an ihr hängen bleibt.
Kurzerhand beschließt Minus Drei eine Anzeige zu schalten, um seiner Mama zu beweisen, dass er sehr wohl für ein Haustier selbstständig sorgen kann. Schon bald bekommt er seinen ersten Auftrag und muss feststellen, dass Haustiere ganz schön eigenwillig und anstrengend sein können. Als er nach dem dritten Auftrag ganz erschöpft ins Bett fällt und froh ist doch kein eigenes Haustier zu haben, hält seine Mama für ihn eine Überraschung bereit. Wird es etwa ein eigenes Haustier sein?
Viele Eltern kennen diese Problematik. Das eigene Kind ist nicht einmal in der Lage sein Zimmer sauber zu halten und wünscht sich trotzdem ein Haustier. Nur wenige können vorher einschätzen, wie viel Arbeit so ein Tier macht. In diesem wunderbaren Erstlesebuch von Ute Krause wird dieser Wunsch ganz zauberhaft und mit vielen humoristischen Einsprengseln beleuchtet.
Die Schriftgröße ist für Erstleser sehr passend und beschränkt sich auf wenige Sätze auf einer Seite. Das Leseverständnis wird mit tollen Illustrationen unterstützt und das Eintauchen in die Geschichte, mit der sich wohl viele Kinder identifizieren können, erleichtert.
Die Idee der Haustierbetreuung ist sehr schräg und witzig. Das überraschende Ende ist natürlich ein Garant für Lacher, da es so unerwartet ist. Die Erstleser haben sich unbedingt eine Fortsetzung gewünscht und da es mit „Band 1“ betitelt ist, gehe ich davon aus, dass weitere Abenteuer mit Minus Drei folgen werden. Die ersten Fans warten bereits sehnsüchtig auf die Fortsetzung. Das Lesevergnügen ist ins Rollen gekommen!
Minus Drei wünscht sich ein Haustier
Tolle Charaktere, spannender und witziger Handlungsverlauf mit ansprechenden Illustrationen.

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Peter Turrini und Gerhard Haderer – Manchmal ist ein Fasan eine Ente

Manchmal ist ein Fasan eine Ente

Die vierjährige Theresa verbringt viel Zeit beim siebenundsechzigjährigen Peter-Ini. Gemeinsam gehen sie spazieren, frühstücken oder lesen ein bisschen. In allen Situationen grübeln sie über das Leben und es stellt sich bald heraus, dass das kleine Mädchen den intelektuellen Schriftsteller ganz schön herausfordert. Erwachsene wissen eben doch nicht immer alles. Peter-Ini weiß dagegen sehr gut sich auf die Gespräche mit Theresa einzulassen. Das Ergebnis sind offene, ehrliche, unverschleierte und manchmal sogar unerwartet tiefgründige und philosophische Gesprächswiedergaben, die laut dem österreichischen Schriftsteller Peter Turrini sich tatsächlich so abgespielt haben.

Die über 20 hier festgehaltenen kurzen Sequenzen geben in Form eines Comics authentische Kindergespräche wieder. Es sind alltägliche Situationen, in denen Kinder die besten Einfälle haben, die Peter Turrini stets festgehalten hat, um daraus ein Buch zu machen. Menschen, die mit Kindern in diesem Alter zu tun haben, merken schnell wie lebensnah und ehrlich diese Gespräche sind.

Thematisch drehen sich die Gespräche um das Älterwerden, die Gefühle Traurigkeit und Angst, Geschwisterliebe, Schönheit, Freundschaft und vieles mehr… Gerhard Haderer interpretiert die jeweiligen Situationen in einer fantastischen Mimikdarbietung. Diese lebendigen Illustrationen, gemeinsam mit dem erfrischend natürlichen Text, machen dieses Bilderbuch zu etwas ganz Besonderem.

Manchmal ist ein Fasan eine Ente
– Ich bin fantastisch schön.
– Sicher. Weißt du überhaupt was das heißt?
– Was?
– Fantastisch schön?
– Das heißt, dass ich ganz viel schön bin.
– Und ich? Wie schau ich aus?
– Du bist nur ein bisschen schön, weil du schon ein bisschen alt bist.
Es ist ein wunderbares Geschenkbuch  für alle Hobby-Philosophen, Erzieher, Großeltern und alle Menschen, die Kinder lieben.

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