Katja Reider – Wie reist ein Paket von Haus zu Haus?

Lena möchte ihrem Ferienfreund Tim ein selbstgebasteltes Album schicken. Sie haben sich letztes Jahr auf Mallorca im Urlaub kennen gelernt und nun möchte sie ihn mit einem Erinnerungsalbum überraschen. Nachdem Lena das Album  fertig gestellt hat, muss es sorgfältig verpackt werden. Das Porto darf natürlich auch nicht fehlen und schließlich geht es in die Postfiliale, von wo das Paket einen weiten und sehr spannenden Weg antritt.

Die Sachgeschichte rund um die  Reise eines Pakets ist in den Kontext der beiden Kinder Lena und Tim eingebunden. Im Fokus des Geschehens steht vordergründig die Postsendung. Schritt für Schritt werden den Kindern die einzelnen Stationen einer Paketsendung erklärt. Es wird auf die Bedeutung einer guten Verpackung von Paketsendungen eingegangen, genauso wie auf die Möglichkeit personalisierte Briefmarken zu gestalten. Auch die Packstation wird kindgerecht und verständlich eingeführt. Der Weg von der Postfiliale in das Paketzentrum ist dank der sehr gelungenen Illustration sehr anschaulich dargestellt.

Das Buch ist aktuell, sei es die Einbindung des Scannlesergeräts, der Packstation oder des kleinen Computers zum Unterschreiben beim Empfang einer Sendung. Es wird auch stets die Bedeutung der jeweiligen Schritte und Vorrichtungen erklärt.

Die Seiten sind sehr stabil und beinhalten viele bunte Klappen, die z.B. verdeutlichen, was getan werden muss, wenn das Scannlesergerät die Anschrift nicht lesen kann, weil es womöglich unleserlich aufgeschrieben wurde. Leider haben viele kleine Klappen beim erstmaligen Öffnen die Seiten eingerissen. Die Stanzung scheint nicht ideal gearbeitet zu haben.

Insgesamt ist das Buch sehr informativ und durch die Einbettung in eine Geschichte auch nicht allzu trocken geschrieben. So machen Sachbücher Spaß!

Spannend, kleinschrittig und sehr informativ.

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Meike Teichmann – Passt das?

Der kleine Pinguin Anton begibt sich mit seinem Koffer auf Wanderschaft. Dabei trifft er auf unterschiedlichste Tiere. Stets sucht er eine Art, zu der er passt. Bei den Giraffen angekommen, stellt er sich auf aus dem Koffer heraus gezauberte Stelzen auf und hängt sich einen orange gepunkteten Umhang um, nur um ein wenig später zu erkennen, dass es doch nicht passt. Eine lange Socke auf die Nase zu hängen, hilft auch nicht, um als Elefant anerkannt zu werden. Wird Anton seine Artgenossen jemals finden?

Der äußerst naive und doch auch sehr liebenswürdige kleine Pinguin Anton erobert bereits von ersten Seite an alle Leserherzen! Er ist auf der Suche nach Freundschaft, Gleichgesinnten und damit verbunden Akzeptanz. Mit etlichen Hilfsmitteln versucht er sich anzupassen und muss dann letztlich doch feststellen, dass diese Verkleidungen ihm nicht das erwünschte Zugehörigkeitsgefühl bescherren. Die Suche nach der eigenen Identität ist ein Prozess und bedarf daher einiger Stationen, die es zunächst zu durchlaufen gilt. Antons Ideenreichtum sich den unterschiedlichen Tieren anzupassen, treibt einem beim Betrachten die Tränen in die Augen, und zwar vor Lachen! Die Herausarbeitung der besonderen Eigenschaften der Tiere ist einfach wundervoll gelungen und auch die Hilfsmittel sind sehr schön gewählt.

Dieses Bilderbuch eignet sich besonders gut für den unterrichtlichen Einsatz. Die SuS könnten eigene Tiere wählen, die Anton auf seiner Wanderschaft trifft und sich überlegen mit welchen Hilfsmitteln er sich anpassen könnte. Ein selbst einstudiertes Theaterstück wäre die perfekte Präsentationsmethode.

Der warme Hintergrund der Illustrationen unterstreicht die kraftvollen Begegnungen und lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die jeweiligen Akteure. Eigentlich benötigt dieses Bilderbuch keine Worte, denn die Bilder sprechen eine eindeutige Sprache. Die Erkenntnis, dass man sich bei den „richtigen“ Freunden oder der Familie nicht zu verkleiden bzw. verstellen braucht, ist auf der letzten Seite sehr rührend eingefangen und bildet den krönenden Abschluss dieser tollen Geschichte.

Dieses Bilderbuch über Selbstfindung und Akzeptanz zaubert jedem Leser, nicht zuletzt wegen der wundervollen Illustrationen, ein glückliches Lächeln ins Gesicht!
Dies ist mein „Buch des Monats“!

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Haery Lee und Byeongkyu Jeong – Was tust du wenn es regnet?

Was tun bei einem trüben Regenwetter? Sechs unterschiedliche Tiere stellen ihren eigenen, ganz persönlichen Umgang mit dem Regen vor. Dabei ist Regen nicht einfach nur Regen. Mal nieselt es ganz leicht, ein anderes Mal regnet es in Strömen. Mal sind die Regengüsse zackig, mal wild durcheinander in alle Richtungen zeigend, gezeichnet. Genauso unterschiedlich die Regensweisen sind, sind auch die Verhaltsweisen der Tiere. Der Tiger würde sich am liebsten verkriechen, während ein Dinosaurier genüßlich durch die Regenpfützen stapft. Doch was macht eigentlich Papa bei so einem Regenwetter?


Dieses Bilderbuch leitet,  nach der Darstellung einer bestimmten Art des Regens,  auf die Fragestellung „Regnet es so, was würde ein (Löwe) tun?“ über. Dabei ist jeweils eine Doppelseite dem Regen gewidmet und lässt dem kleinen Leser genug Zeit, um den Fortgang der Geschichte zu antizipieren. Die Kinder werden angeregt mit- und vor allem weiterzudenken. Die Illustrationen sind stets in grauen Bleistiftzeichnungen gehalten, mit einem sparsamen Einsatz von gelben und blauen Highlights. Die vielfältigen Regentypen sind in passenden Grautönen eingefangen.

Besonders das Ende überrascht und zeigt, was Papa bei einem Regenwetter tun würde. Und endlich leuchten hier auch viel mehr Farben! Das Regenwetter kann nämlich auch Spaß machen!

Trübe Regentage können auch ganz kreativ genutzt werden, das zeigt dieses Bilderbuch in tollen Bleistiftzeichnungen!

 

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Christiane Strauss – Meine Wörter reisen

Das großformatige Bilderbuch  ( 44,2 x 29,2 cm ) ist bereits für sehr junge Leser ab zwei Jahren geeignet. Auf acht Seiten werden unterschiedliche Situationen dargestellt: Ein Zebrastreifen mit einem Zebra in Rollschuhen, zwei Ameisen in einem kleinen Boot schwimmend, eine Maus mit einem Regenschirm auf einer Schlange sitzend oder ein Riese ein Eis schleckend. Die Situationen sind zum Teil sehr verwoben und auch absurd. Doch sie laden zum näheren Betrachten und Nachdenken an. Die Wörter reisen über die ganzen Illustrationen und finden ihren Platz an dem dazu passenden Bild. Dabei wird mit der Schrift genauso gespielt wie mit den Darstellungen. Die Wörter „rauf“ und „runter“ werden der Treppe passend angebracht und können so aus dem Zusammenhang heraus entschlüsselt werden.

Für DaZ-Kinder bietet das Buch z.B. für das Geschichtenschreiben oder auch das Erzählen eine hervorragende Hilfe, denn das dafür passende Vokabular ist ja bereits vorhanden. Dabei werden nicht nur Nomen, sondern auch Verben und Präpositionen  berücksichtigt.

Die Illustrationen sind sehr ansprechend, bunt und kommen bei Groß und Klein gleichermaßen gut an. Natürlich beeindruckt das Format ebenfalls und weckt die Motivation zusätzlich. Zur Erweiterung des Grundwortschatzes ist dieses Bilderbuch eine sehr schöne Abwechslung. Die künstlerische Kreativität könnte durch das Bilderbuch ebenfalls beflügelt werden und die  Kinder dazu animieren auch mal eigene Wörter zum Reisen zu bringen!

„Meine Wörter reisen“ ist auch in einer deutsch-türkischen Version erhältlich: Meine Wörter reisen /Kelimelerin Yoluculugu.

Ästhetisch, fantasieanregend, lehrreich.

Meine Wörter reisen

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Sibylle Hoffmann und Rolf Arvi Vogt – Ach, Ottoto …

Ottoto ist anders. Er macht alles verkehrt und bringt damit alle zum Seufzen: „Ach, Ottoto …“. Bei heißen Temperaturen zieht er sich eine Wollmütze über den Kopf und schlendert mit einem Schlitten an im Wasser planschenden Kindern vorbei. Er schläft im Anorak und in Gummistiefeln und stolziert mit Stöckelschuhen in den Kindergarten. Als die Erzieherin mit ihm wieder einmal schimpft, brechen bei Ottoto alle Bahnen und er weint einen Tränensee. Wie gut, dass Maren so gerne mit Booten spielt …

 

In diesem Bilderbuch geht es um Andersartigkeit, Ausgrenzung und Freundschaft. Die Autorin schöpft die emotionale Dramatik voll aus und stellt Ottoto in sehr unterhaltsamen Situationen dar, bis die Enttäuschung seitens des Protagonisten in Frust und Verzweiflung gipfelt. Dazu verleiht Hoffmann Ottoto in ihrer einfühlsamen Geschichte eine kindliche und doch lakonische Stimmung. Als Leser hat man den kleinen Jungen mit seinen Teetassenaugen sehr schnell ins Herz geschlossen und kann die Trauer und die Enttäuschung beinahe hautnah spüren. Dabei verstärken sich Bild und Text gegenseitig, wobei die Illustrationen dem Betrachter dank der Weißflächen viel Freiraum lassen, sodass Ottotos Einsamkeit noch deutlicher in den Vordergrund rückt. Die zunehmende Isoliertheit wird von einem kleinen Mädchen mit viel Einfühlungsvermögen schließlich aufgehoben. Dabei ist besonders die Art der Kontaktaufnahme hervorzuheben, denn sie tröstet Ottoto nicht, sondern bittet ihn weiter zu weinen, damit sie gemeinsam auf seinem Tränensee mit dem Boot spielen können. Auch der Vergleich des Zustandes seiner Haare mit seiner inneren Gefühlswelt ist sehr erheiternd und setzt das i-Tüpfelchen oben drauf.

Ein tolles Plädoyer für mehr Anerkennung unterschiedlicher Individuen.

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Sibylle Hoffmann und Chiara Fedele – Paul und Lobbie

Pauls Lieblingskuscheltier ist ein Seehund mit schwarzen Knopfaugen. Er heißt Lobbie und ist immer in Pauls Nähe, egal ob am Frühstückstisch oder im Sandkasten. Lobbie muss überall hin, wo auch Paul hingeht. In einer Weihnachtsnacht bringt der Weihnachtsmann Paul ganz viele Geschenke, doch am liebsten hat er weiterhin seinen Lobbie. Als er an diesem Abend ins Bett geht, ist Lobbie nicht da. Verzweifelt versuchen alle das Kuscheltier zu finden und begeben sich sogar in den Schnee. Doch werden sie den weißen Seehund im Schnee überhaupt finden können?

Viele Kinder haben eine besonders innige Bindung zu ihrem Kuscheltier. Obwohl das Kuscheltier kein lebendiges Wesen ist, wird er in der phantasievollen Vorstellungswelt des Kindes durchaus lebendig. Das Kuscheltier fungiert als Beschützer, Freund, Trostspender oder Spielgefährte des Kindes. Bei Verlust des wertvollen Begleiters, kann es daher zur Frustration kommen, was dieses Bilderbuch sehr schön darstellt.

Die Illustrationen sind durchgehend großflächig und farbig abgebildet. Der Wechsel von der Frosch- in die Vogelperspektive spiegelt Pauls eigene Welt und persönliche Gefühlslage wunderbar wieder. Auch die Schriftwahl empfand ich als passend und sehr erfrischend. Der kleine Protagonist Paul wurde jedoch von den jungen Betrachtern, vor allem auf dem Titelbild, als unsympathisch empfunden. Womöglich sind es die etwas unförmigen Augen, die diesen Eindruck vermittelt haben. Die Titelseite hätte durchaus etwas spannender und lebendiger gestaltet werden können, denn das Buch an sich bietet viel mehr geeignetere Motive.

Es hat die Kinder ebenfalls stutzig gemacht, wie denn Lobbie „da“ vergessen werden konnte, wenn Paul ihn doch am Abend zuvor in seinem Bett hatte. Hier wurden natürlich Überlegungen und Vorschläge gesammelt, sodass man sich auf eine für alle zufriedenstellende Lösung einigen konnte. 🙂

Ein wichtiges Thema, mit dem sich viele Kinder identifizieren können: Ein Kuscheltier als Freund und Begleiter.

 

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Jane Chapman und Tim Warnes – Das große Buch vom Mutigsein

In diesem Sammelband sind drei kurze Geschichten zum Thema Angst und Mutigsein zusammengefasst. In der Geschichte „W-w-wer hat schon Angst im Dunkeln?“ entdeckt der Frosch im Schatten des Teichs einen furchterregenden Monster und bittet seine Freunde doch bitte nachzuschauen. Mit jedem neuen Ankömmling verändert sich das Monster und wird noch angsteinflößender in seiner Gestalt. Erst als das Laternenlicht ausfällt, kommt die Erkenntnis und sorgt für mächtig Gelächter.

In „Wir sind der Schrecken aller Monster!“ hört Ente unter ihrem Bett seltsame Geräusche und bittet ihren Nachbarn Schweinchen um Hilfe. Dieser fühlt sich für den Kampf mit dem Monster nicht gut genug gewappnet und holt noch mehr Freunde. Mit jeder Weitergabe der Beschreibung des Monsters, werden Einzelheiten hinzugedichtet und die Angst wächst stetig, bis schließlich die Erkenntnis folgt: „Man kann aus einer Mücke auch einen Elefanten machen“.

Die gleiche Moral wird auch in der dritten Geschichte „Fünf Angstbären und ein unheimlicher Gast“ verfolgt und die Einbildung von furchtbaren Monstern thematisiert.

Angsthaben und Mutigsein sind bedeutsame Eigenschaften im Leben der Kinder, die im weiteren Heranwachsen ausgebaut werden. Diese Geschichten verdeutlichen, dass man sich Angst auch oft einbildet und es an der Einstellung liegt, wie mit etwas Angsteinjagendem umgegangen werden kann.

Besonderen Anklang fand bei den Kindern die erste Geschichte. Sie haben sich über den sich stetig verändernden Schatten halb totgelacht und konnten sich kaum einkriegen. Die Illustrationen haben ihren Teil dazu beigetragen und die Tiere im Schatten sehr schön wiedergespiegelt.

Die anderen nachfolgenden Geschichten haben sich thematisch zu sehr geähnelt und daher an Anziehungskraft eingebüßt. Außerdem war es für die Kinder zu vorhersagbar und daher wenig spannend.

Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis für ein Band mit drei Geschichten zum Thema Angst und Mutigsein.


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Shaun Tan – Der rote Baum

Manchmal beginnt der Tag ohne Aussicht auf etwas Schönes

Das kleine Mädchen mit den rötlichen Haaren erwacht in ihrem Zimmer und sieht wie es sich immer weiter mit schwarzen Blättern füllt. Sie begibt sich in die Stadt und schleppt sich mit einem hängenden Kopf von einem dunklen und traurigen Ungeheuer bzw. Ort zum nächsten. Jeder ist so mit sich selbst beschäftigt, dass die Protagonistin die Welt als eine „taube Maschine“ bezeichnet. Sie wird mit einer Flut an Problemen mitgerissen, die alle auf einmal auf sie einprasseln. In dieser Situation hat man kein Auge mehr für das Schöne um einen herum und beginnt an sich selbst zu zweifeln. Als das Mädchen in ihr Zimmer zurückkehrt, erblickt sie jedoch Hoffnung und es strömt wieder etwas mehr Licht hinein.

Shaun Tan hat ein poetisches Werk zum Thema Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Depression und Burnout geschaffen. Das kleine Mädchen, ohne ein wirklich wahrnehmbares Gesicht, kann für jeden von uns stehen. Ihre Augen sind meist geschlossen und das Gesicht dem Boden entgegen gerichtet. Ihre Traurigkeit lässt sich an ihrer ganzen Körperhaltung ablesen. Die Verbildlichung der inneren Leere einer ausweglosen Situation ist künstlerisch auf höchstem Niveau eingefangen. Wir entdecken das Mädchen mit einer bleiernen Tauchermaske am Meeresgrund, eingeschlossen in einer Flasche. Die Welt wird als ein verrostetes Metallmonster dargestellt, verschachtelt, zertrümmert, ausweglos. Jedes Bild für sich, ist ein wahres Kunstwerk und besonders die vorletzte Illustration hat mich beim ersten Durchblättern für sich eingenommen und vollkommen fasziniert.

Doch in all diesen sorgenvollen, dunklen und beklemmenden Darstellungen wird das Mädchen stets von einem roten Blatt begleitet. Es schwirrt immer irgendwo im Bild umher und setzt unter den grauen und trostlosen Farben seinen Akzent eines Hoffnungsschimmers. Die Inszenierung des behutsamen Spiels von Licht und Schatten und dem damit verbundenen hoffnungsvollen Endes, ist mehr als beeindruckend.

Dieses melancholische Bilderbuch bedarf bei Kindern eine behutsame Herangehensweise und soll insbesondere darauf fokussieren, dass „auf jeden Regen Sonnenschein folgt“. Dunkle Augenblicke gehören zum Lebens ebenso dazu, wie die Hoffnung, die uns erlöst. Künstlerisch interessierende Erwachsene werden eine besondere Freude mit diesem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichneten Bilderbuch haben.

Melancholisch, poetisch, philosophisch, einfach meisterhaft!

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Isabel Pin – Wenn ich ein Löwe wäre

„Wenn ich ein … wäre, würde ich …“

Mit diesem Anfangssatz macht Isabel Pin insgesamt neun unterschiedliche Tiere zum Gegenstand des Buches. Auf einer Doppelseite wird jeweils ein Tier präsentiert, dem ein Gesicht fehlt. Hier kommen die Kinder ins Spiel und dürfen sich bereits im szenischen Spiel üben. Sie brüllen wie ein Löwe, zwitschern wie kleine Vögel und grunzen wie ein Schwein. Die Verstellung der Stimme ist mehr als erwünscht und auch der Einsatz der passenden Mimik wird bereits erprobt. Die sehr praktischen seitlichen Griffe und die stabilen Seiten erleichtern den Kindern den Umgang mit diesem Buch zum Anfassen. Die Farben sind sorgfältig gewählt worden und harmonisieren mit den jeweiligen Tieren sehr gut.

Was bietet sich hier mehr an, als Kinder eigene Rahmen aus Pappe basteln zu lassen, um ihr Lieblingstier inklusive des für ihn typischen Geräusches dem Klassenverband vorzustellen? Und wem kein Tier einfällt, darf sich gerne, wie auch im Buch auf der letzten Seite vorgeschlagen, in das andere Geschlecht hineinversetzen. Passend dazu könnte man bereits die Zeitform Konjunktiv lerngruppengerecht thematisieren.

Eine imponierende Idee zur Anbahnung der Fertigkeit „Sprechen vor anderen“!

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Rafik Schami – Fatima und der Traumdieb

Nach der Erkrankung seiner Mutter und der damit verbundenen Armut, begibt sich Hassan auf die Suche nach einer Arbeit. Bei einem Schlossherren wird er fündig, jedoch wird Hassan erst seinen Lohn erhalten, wenn er sich innerhalb einer Woche auf keinen Fall ärgert. Der Schlossherr tut sein Bestes, um Hassan auf jede erdenkliche Art und Weise zu demütigen. Und irgendwann reißt bei Hassan tatsächlich der Geduldsfaden und so muss er nach einer Woche mühvoller Arbeit ohne ein einziges Goldstück und ohne seine Träume zurück nach Hause kehren. Als seine Schwester Fatima diese Geschichte hört, macht sie sich auf den Weg zum Schlossherren, überzeugt davon dass sie sich von ihm nicht verärgern lässt und Hassans Träume zurückholen kann…

Rafik Schami präsentiert uns ein Märchen aus dem Orient und zeigt wie viel Tiefe in einem Bilderbuch schon bereits für sehr junge Kinder stecken kann. In sehr reduzierten Bildern wird die hoffnungslose Situation der Witwe dargestellt und damit verbunden die Armut im Leben der Kinder. Das Problem der Kinderarbeit wird so in den Vordergrund gerückt und aufgezeigt, welche Schwierigkeiten und Herausforderungen damit verknüpft sind.

Besonders die damit verbundene Bedeutsamkeit der Träume sticht eindeutig hervor. Vielen Kindern werden schon sehr früh ihre Träume gestohlen, die Hoffnung etwas im Leben zu leisten und das Vertrauen auf eine bessere Zukunft. Wer diese Träume stiehlt, ist somit nicht einfach nur ein Dieb, sondern ein Verbrecher.

Auf den letzten Seiten im Buch wird auf die Rechte der Kinder eingegangen und die Tragweite des Aufwachsens in Frieden erläutert. Die Erklärungen sind in einfacher, an die Kinder gerichteter Sprache gehalten und stellen die UNO-Kinderrechtskonventionen vor. Denn schließlich wird mit dem Kauf dieses Buches auch die Arbeit von UNICEF mit 1,50 Euro unterstützt.

Ein beeindruckender Appell, die Kinderrechte zu wahren und den Kindern ihre Kindheit und Träume lassen!

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