Oscar Wilde/Mecki & Wilfried Claus – Der selbstsüchtige Riese

Rezension

Die Puppenmacherin Mecki Claus nutzte die Ausgangsbeschränkungen während der Corona-Zeit und setzte das Märchen von Oscar Wilde rund um den selbstsüchtigen Riesen kreativ in Szene. Es entstand ein wunderbar belichtetes Fotobilderbuch, das auf 14 Kamishibai-Karten in DIN-A3-Größe zeigt, dass jeder Mensch sich ändern kann, wenn er es denn möchte.

Der Riese baut eine Mauer rund um seinen Garten, damit die Nachbarskinder dort nicht mehr spielen können. Diese Ausgrenzung mit eigennützlichen Absichten, ja sogar Intoleranz wird prompt bestraft, denn die warmen Jahreszeiten bleiben im Garten des Riesen fortan aus. Diese Vorstellung, dass Kinder sich nicht frei bewegen dürfen und das gemeinsame Spielen eingeschränkt wird, könnte gar nicht aktueller sein. Jedes Kind wird sich momentan mit der dargestellten Situation identifizieren können.

Diese Geschichte ist ein wunderbarer Aufhänger, um mit den Kindern über ihre individuellen Erfahrungen während des Lockdowns ins Gespräch zu kommen. Schließlich gelten für alle auch in der Schule und in der Kita neue Regeln bezüglich des Abstands. So wie die Jahreszeiten dahinziehen, sich die Natur verändert und der Riese neue Erkenntnisse und Lehren für sich zieht, so macht die Geschichte auch Mut, dass es sich doch noch alles zum Guten wendet.

Die ganze Kulisse ist mit so viel Liebe erschaffen, dass man als Betrachter ewig bei den einzelnen Darstellungen verweilen könnte. Es entsteht der Eindruck man würde wahrhaftig im Puppentheater sitzen und sich das Märchen zu Gemüte führen, mit dem Vorteil, dass man die Dauer des Genusses beeinflussen kann. Auf der Rückseite der einzelnen Karten ist der Text in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch) abgedruckt. Was mich begeistert ist, dass der jeweilige Text auf der zuvor gezeigten Karte steht. Wenn also Karte Nr. 2 im Kamishibai gezeigt wird, liest die Erzieherin oder die Lehrerin den Text von der Karte Nr. 1 vor. Auch wenn ich persönlich eher zum freien Erzählen rate und den Text lediglich als Hilfe und Stütze nutzen würde. Die Umsetzung in Form von Puppentheaterfiguren von dem Ehepaar Mecki & Wilfried Claus ist auch in Buchform erhältlich.

Blick ins Buch

Fazit

Ein klassisches Märchen in einer zauberhaften Darstellung, mit einer mehr als aktuellen Botschaft.

Haery Lee und Byeongkyu Jeong – Was tust du wenn es regnet?

Was tun bei einem trüben Regenwetter? Sechs unterschiedliche Tiere stellen ihren eigenen, ganz persönlichen Umgang mit dem Regen vor. Dabei ist Regen nicht einfach nur Regen. Mal nieselt es ganz leicht, ein anderes Mal regnet es in Strömen. Mal sind die Regengüsse zackig, mal wild durcheinander in alle Richtungen zeigend, gezeichnet. Genauso unterschiedlich die Regensweisen sind, sind auch die Verhaltsweisen der Tiere. Der Tiger würde sich am liebsten verkriechen, während ein Dinosaurier genüßlich durch die Regenpfützen stapft. Doch was macht eigentlich Papa bei so einem Regenwetter?


Dieses Bilderbuch leitet,  nach der Darstellung einer bestimmten Art des Regens,  auf die Fragestellung „Regnet es so, was würde ein (Löwe) tun?“ über. Dabei ist jeweils eine Doppelseite dem Regen gewidmet und lässt dem kleinen Leser genug Zeit, um den Fortgang der Geschichte zu antizipieren. Die Kinder werden angeregt mit- und vor allem weiterzudenken. Die Illustrationen sind stets in grauen Bleistiftzeichnungen gehalten, mit einem sparsamen Einsatz von gelben und blauen Highlights. Die vielfältigen Regentypen sind in passenden Grautönen eingefangen.

Besonders das Ende überrascht und zeigt, was Papa bei einem Regenwetter tun würde. Und endlich leuchten hier auch viel mehr Farben! Das Regenwetter kann nämlich auch Spaß machen!

Trübe Regentage können auch ganz kreativ genutzt werden, das zeigt dieses Bilderbuch in tollen Bleistiftzeichnungen!

 

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Christiane Strauss – Meine Wörter reisen

Das großformatige Bilderbuch  ( 44,2 x 29,2 cm ) ist bereits für sehr junge Leser ab zwei Jahren geeignet. Auf acht Seiten werden unterschiedliche Situationen dargestellt: Ein Zebrastreifen mit einem Zebra in Rollschuhen, zwei Ameisen in einem kleinen Boot schwimmend, eine Maus mit einem Regenschirm auf einer Schlange sitzend oder ein Riese ein Eis schleckend. Die Situationen sind zum Teil sehr verwoben und auch absurd. Doch sie laden zum näheren Betrachten und Nachdenken an. Die Wörter reisen über die ganzen Illustrationen und finden ihren Platz an dem dazu passenden Bild. Dabei wird mit der Schrift genauso gespielt wie mit den Darstellungen. Die Wörter „rauf“ und „runter“ werden der Treppe passend angebracht und können so aus dem Zusammenhang heraus entschlüsselt werden.

Für DaZ-Kinder bietet das Buch z.B. für das Geschichtenschreiben oder auch das Erzählen eine hervorragende Hilfe, denn das dafür passende Vokabular ist ja bereits vorhanden. Dabei werden nicht nur Nomen, sondern auch Verben und Präpositionen  berücksichtigt.

Die Illustrationen sind sehr ansprechend, bunt und kommen bei Groß und Klein gleichermaßen gut an. Natürlich beeindruckt das Format ebenfalls und weckt die Motivation zusätzlich. Zur Erweiterung des Grundwortschatzes ist dieses Bilderbuch eine sehr schöne Abwechslung. Die künstlerische Kreativität könnte durch das Bilderbuch ebenfalls beflügelt werden und die  Kinder dazu animieren auch mal eigene Wörter zum Reisen zu bringen!

„Meine Wörter reisen“ ist auch in einer deutsch-türkischen Version erhältlich: Meine Wörter reisen /Kelimelerin Yoluculugu.

Ästhetisch, fantasieanregend, lehrreich.

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