Rotraut Susanne Berner – Einhorn, Bär und Nachtigall tanzen auf dem Maskenball

Rezension

26 Maskentiere laden zu einem Maskenball ein, der es ganz schön in sich hat! Mit viel Humor und einer ordentlichen Portion Leichtigkeit, packt die Autorin die aktuellen Geschehnisse rund um die Pandemie und der damit verbundenen Maskenpflicht in ein buntes ABC-Reimbuch.

Trotz Maske ist nachts der Gesang
der Nachtigall von süßem Klang.

Beim Maskenball haben die Tiere sich natürlich mit einer Mundschutzmaske verkleidet, auch wenn man zunächst eine andere Feierlichkeit erwarten würde. Die Maskerade ist äußerst amüsant und wird immer in lustige, sich reimende Zweizeiler verpackt. Diese werden von zauberhaften Bleistift-Illustrationen gestützt. So braucht der Bär keine Diät zu machen, denn die Maske hindert ihn ausreichend vor zu übermäßiger Nahrungsaufnahme. Das Faultier braucht fast 20 Stunden, bis es die Maske umgebunden. Die Giraffe muss sich gar keine Sorge wegen ausreichend Abstand machen. Der lange Hals übernimmt es praktischerweise für sie. Und ja, eine Maske kann auch nerven. Lamas finden daran gar keinen Gefallen:

Spucken ist des Lamas Lust,
eine Maske bringt da Frust.


In einem angehängten Mitmachteil werden Kinder dazu animiert, selbst Masken zu gestalten und Gesichter fertig zu malen. Es gibt Punkt-zu-Punkt-Aktivitäten, eine Bildergeschichte, die weitererzählt werden möchte und anregende Fehlersuchbilder. Und warum dieses Bilderbuch nicht mal bei einer Videokonferenz den Kindern zu Karneval oder Fasching vorlesen? Lächelnde Gesichter wären garantiert!

Blick ins Buch
Fazit

Die Maskerade mal auch mit einem Augenzwinkern betrachten – Diese Leichtigkeit ist wohltuend!

(Amazon-Link)

Oscar Wilde/Mecki & Wilfried Claus – Der selbstsüchtige Riese

Rezension

Die Puppenmacherin Mecki Claus nutzte die Ausgangsbeschränkungen während der Corona-Zeit und setzte das Märchen von Oscar Wilde rund um den selbstsüchtigen Riesen kreativ in Szene. Es entstand ein wunderbar belichtetes Fotobilderbuch, das auf 14 Kamishibai-Karten in DIN-A3-Größe zeigt, dass jeder Mensch sich ändern kann, wenn er es denn möchte.

Der Riese baut eine Mauer rund um seinen Garten, damit die Nachbarskinder dort nicht mehr spielen können. Diese Ausgrenzung mit eigennützlichen Absichten, ja sogar Intoleranz wird prompt bestraft, denn die warmen Jahreszeiten bleiben im Garten des Riesen fortan aus. Diese Vorstellung, dass Kinder sich nicht frei bewegen dürfen und das gemeinsame Spielen eingeschränkt wird, könnte gar nicht aktueller sein. Jedes Kind wird sich momentan mit der dargestellten Situation identifizieren können.

Diese Geschichte ist ein wunderbarer Aufhänger, um mit den Kindern über ihre individuellen Erfahrungen während des Lockdowns ins Gespräch zu kommen. Schließlich gelten für alle auch in der Schule und in der Kita neue Regeln bezüglich des Abstands. So wie die Jahreszeiten dahinziehen, sich die Natur verändert und der Riese neue Erkenntnisse und Lehren für sich zieht, so macht die Geschichte auch Mut, dass es sich doch noch alles zum Guten wendet.

Die ganze Kulisse ist mit so viel Liebe erschaffen, dass man als Betrachter ewig bei den einzelnen Darstellungen verweilen könnte. Es entsteht der Eindruck man würde wahrhaftig im Puppentheater sitzen und sich das Märchen zu Gemüte führen, mit dem Vorteil, dass man die Dauer des Genusses beeinflussen kann. Auf der Rückseite der einzelnen Karten ist der Text in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch) abgedruckt. Was mich begeistert ist, dass der jeweilige Text auf der zuvor gezeigten Karte steht. Wenn also Karte Nr. 2 im Kamishibai gezeigt wird, liest die Erzieherin oder die Lehrerin den Text von der Karte Nr. 1 vor. Auch wenn ich persönlich eher zum freien Erzählen rate und den Text lediglich als Hilfe und Stütze nutzen würde. Die Umsetzung in Form von Puppentheaterfiguren von dem Ehepaar Mecki & Wilfried Claus ist auch in Buchform erhältlich.

Blick ins Buch

Fazit

Ein klassisches Märchen in einer zauberhaften Darstellung, mit einer mehr als aktuellen Botschaft.