Nicola O’Byrne – Nutze deine Fantasie … aber pass auf, was du dir wünschst!

Nutze deine Fantasie

Aufgrund purer Langeweile wünscht sich der Hase ein bisschen Action. Prompt erscheint der Wolf und schlägt dem Hasen vor, sich gemeinsam eine Geschichte auszudenken. Und so beginnen sie gemeinsam zu planen. Eine Geschichte wäre keine richtige Geschichte ohne eine ordentliche Prise Fantasie. Wie im richtigen Märchen beginnt die Geschichte mit „Es war einmal…“.

Doch für eine richtige Handlung braucht man natürlich einen Bösewicht und einen Helden. Auch der Ort des Geschehens muss benannt werden, bevor der Spannungsbogen gespannt werden kann. Und schwups … finden sich die beiden Protagonisten selbst in der Geschichte wieder. Doch dem Hasen gefällt der Verlauf so ganz und gar nicht. Er nutzt seine Fantasie und kreiert einen Wendepunkt, mit dem der Wolf keinesfalls gerechnet hat…

Ist Fantasie nicht etwas Wunderbares?
… du weißt nie wohin deine Fantasie dich führt.

Diese Geschichte verdeutlicht auf eine ganz zauberhafte Art und Weise, dass beim Geschichtenschreiben wir eine einzigartige Chance haben etwas ganz Eigenes zu erschaffen. Als Schreiber bestimmen wir den Weg und können ganz nach Belieben Wendepunkte einbauen, die den Leser überraschen und die Spannung aufrecht erhalten.

Nicola O’Byrne zeigt Schritt-für-Schritt die Planung einer Geschichte und benennt die einzelnen „Zutaten“ für ein „Märchen-Rezept“. Dabei verwirft sie auch bestimmte Ideen und macht klar, dass Geschichten auch „reifen“ müssen und evtl. einer Überarbeitung bedürfen.

Der begeisterte Ausruf des Hasens von seiner Fantasie Gebrauch zu machen und der damit einhergehende Wendepunkt in seiner Geschichte, wird durch eine aufklappbare Seite noch verstärkt. Das auf der letzten Seite ausgestanzte Fenster deutet auf die unendlichen Möglichkeiten sich seiner Fantasie zu bedienen. Eine Fähigkeit, die es Stufe für Stufe zu erklimmen gilt.

Ein fabelhaftes Bilderbuch, um Kindern  die Kunst des Schreibens von Geschichten und insbesondere von Märchen nahezubringen.

Nutze deine Fantasie
Aus pädagogischer Sicht mein Highlight in dem noch jungen Jahr!
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Brigitte Endres und Joelle Tourlonias – Hallo, ich bin auch noch da!

Brigitte Endres - Hallo, ich bin auch noch da!

Das kleine Chamäleon lebt mit vielen anderen Tieren in einer Zoohandlung. Jeden Tag aufs Neue versucht es die Besucher auf sich aufmerksam zu machen, rollt sein Schwänzchen zu einer hübschen Schnecke und ruft: „Hallo, ich bin auch noch da!“ Aber keiner sieht es, keiner hört es. Das kleine Chamäleon wird immer übersehen.
Eines Tages reicht es dem kleinen Tier und es klettert unbemerkt aus dem Terrarium. Ganz traurig und mutterseelenallein läuft das Chamäleon durch die turbulenten Straßen. In einem Park entdeckt es ein blasses Mädchen, das darauf wartet auch einmal schaukeln zu können. Auf ihr Rufen hin „Hallo, ich bin auch noch da!“, wird sie von den anderen Kindern nicht gehört und weiterhin ignoriert. Keiner sieht sie, keiner hört sie – nur das kleine Chamäleon weiß, wie es sich anfühlt nicht beachtet zu werden.

„Hallo, ich bin auch noch da!“ ist ein bewegendes Bilderbuch rund um das Thema Selbstbewusstsein und Ich-Stärke. Die beiden vorerst namenlosen Figuren können sich nur schwer behaupten und bleiben stets im Hintergrund. Sie werden von ihrer Unsicherheit überschattet und von den anderen verdrängt. So spielt die Illustratorin zu Beginn der Geschichte mit gedämpften, düsteren Farben. Um die Distanz zum Geschehen zu verringern, werden viele Begebenheiten aus der Froschperspektive gezeigt. Der Leser fühlt somit mit dem kleinen Chamäleon mit und wird emotional auf bildnerischer Ebene einbezogen.

Erst als die beiden Protagonisten sich begegnen, hellen die Farben auf und dem Leser wird der Name des Mädchens verraten. Camée lässt es sich nicht nehmen, dem kleinen Tier ebenfalls einen Namen zu geben und tauft es ganz passenderweise auf „Leon“. Hier wird die Zusammengehörigkeit der beiden Figuren deutlich. Dieses Zusammentreffen verleiht dem Mädchen Mut und zeigt, was Freundschaft bewirken kann. Auf dem abschließenden Bild wird dem Leser ein glückliches Duo präsentiert – schwebend auf einer Schaukel, umspielt von einer leichten Brise.

Hallo ich bin auch noch da
weiterarbeit
Im Kunstunterricht lassen sich die Farben in Bezug auf unterschiedliche Stimmungen (warme – kalte Farben)  und evtl. die Vogel- und Froschperspektive thematisieren. Die verschiedenen Gefühlslagen eignen sich hervorragend zur Realisierung in Form von Standbildern. Eine Adjektivlandkarte zu den Stimmungen vor und nach dem Zusammentreffen kann als Hilfestellung hinzugezogen werden.
Freundschaft kann dem Selbstbewusstsein Flügel verleihen – zusammen sind wir stark!

Hallo, ich bin auch noch da!

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Julie Fogliano und Erin E. Stead – Wenn du einen Wal sehen willst

Wenn du einen Wal sehen willst

Rezension
Wenn du einen Wal sehen willst , brauchst du vor allem Zeit, Ruhe, Durchhaltevermögen und ein wenig Glück. Dabei darfst du dich von deiner Umgebung nicht ablenken lassen, nicht von der duftenden Rose, auch nicht vom vorbeifahrenden Segelboot, nicht von den dasitzenden Pelikanen oder der kriechenden Raupe und auch nicht von den vorbeiziehenden Wolken. Richte beide Augen aufs Meer … und warte … und warte … bis vielleicht eines Tages ein Wal auftaucht.
 
Das Bilderbuch von Julie Fogliano entschleunigt den oftmals hektischen Alltag. Es ist sehr ruhig, poetisch und richtet die Aufmerksamkeit der Betrachter auf die kleinen Dinge im Leben, die einen umgeben. Es umschmeichelt das Phänomen der Tagträumerei. Hier ist es erlaubt sich in eigenen Gedanken und Fantasien zu verlieren. Der Text ist philosophisch angehaucht und eignet sich sehr gut dazu, um mit den Kindern gemeinsam zu philosophieren.

Die begleitenden, in Pastelltönen gehaltenen Illustrationen sind sehr minimalistisch und animieren dazu die weißen Flächen selbst auszufüllen.

Mein Neffe liebt dieses Bilderbuch und möchte es seit Wochen immer abends vorgelesen bekommen. Er kommt  sehr gut zur Ruhe und hat nun einen neuen Berufswunsch: Forscher werden!

Blick ins Buch
Wenn du einen Wal sehen willst
Fazit
Ein ruhiges, poetisches Bilderbuch.

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Guido van Genechten – Ben der Schneemann…: Können wir nicht teilen?

Ben der Schneemann...können wir nicht teilen

Ben lebt im Eisland. Dort gibt es das ganze Jahr über Schnee und unzählig viele Schneemänner. Es gibt sie in allen Formen und Farben. Manche halten einen Besen oder einen Ast in der Hand, einige tragen einen Schal und alle haben etwas auf dem Kopf, mal ist es ein Zylinder, mal ein Strohhut oder auch einfach eine Blechdose. Während Ben und seine Freunde eine heitere Schneeballschlacht veranstalten, erblicken sie in der Ferne Dimitri. Er sieht sehr traurig aus und hat vor allem einen kahlen Kopf.

Er hat seine Heimat verlassen und erzählt den Schneemännern seine traurige Geschichte. Ben ist von der Erzählung sehr gerührt und leiht aus Mitgefühl Dimitri seine eigene Mütze. Als Dimitri auch nach zehn Tage die geliehene Mütze nicht zurückgibt, entschließt sich Ben freundlich nachzuhaken. Doch Dimitri ist nicht bereit die Mütze wieder herzugeben. Ganz enttäuscht wendet sich Ben an seinen besten Freund. Wird die Gemeinschaft der Schneemänner für Ben eine Lösung finden können?

Guido van Genechten hat in der Fortsetzungsgeschichte vom freundlichen Schneemann Ben das Teilen in den Fokus der Geschichte gestellt. Die Aufbereitung ist sehr kindgerecht und wird sicherlich jedem Kind bekannt vorkommen. Kinder behalten gerne etwas, was ihnen gefällt.

Dimitri fühlt sich mit der geliehenen Mütze so wohl, dass er sie nicht mehr zurückgeben möchte. Das Problem wird in diesem Bilderbuch sehr feinfühlig angegangen. Die Gemeinschaft berät und findet schließlich die ideale  Lösung für beide Parteien. Erfreulicherweise wird keiner beschuldigt oder verurteilt. Im Vordergrund steht ausschließlich ein für alle zufriedenstellender Ausgang.

Jede Bilderbuchseite ist in eine winterliche Landschaft getaucht. Die Freude auf das Rodeln und eine Schneeballschlacht mit den Lieben erhöht sich mit jeder Illustration!

Ben der Schneemann ...Können wir nicht teilen?
weiterarbeit
Im Kunstunterricht lässt sich die große Bandbreite der äußerlichen Erscheinungsformen der Schneemänner sehr gut mit Wasserfarben realisieren. Die Kinder können ganz individuell gestaltete Schneemänner im verschneiten Eisland platzieren. Die letzte Seite gibt einen guten Überblick über die unterschiedlichsten Kopfbedeckungen und kann zur Differenzierung als Ideenpool genutzt werden.
 Ein entzückendes Winter-Bilderbuch!

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Julie Bind und Michael Derullieux – Der nette böse Wolf

Der nette böse Wolf

 An einem Wintermorgen wird der große böse Wolf aus dem Schlaf gerissen. Seine Kleinen sind am Verhungern. So macht sich der böse Wolf auf den Weg etwas Essbares für die kleinen Wölfe zu suchen. Schon bald sichtet er mehrere wehrlose Tiere, wie z.B. ein Kaninchen, eine Ziege oder ein Rentier.

Doch alle bitten den Wolf um Erbarmen und beteuern, dass sie sich lediglich in die Kälte hinaus getraut haben, um etwas Gutes zu tun. Der böse Wolf verspürt Mitleid und lässt eines nach dem anderen wieder frei. Gleichzeitig ärgert er sich über sein großes Herz und wehrt heftig die Dankesreden ab. Schließlich ist er der große böse Wolf.

Als ihm ein warmer und köstlicher Geruch die Nase kitzelt, macht er sich großen Schrittes Richtung Dorf. Welches Opfer wird den Hunger seiner kleinen Wolfskinder stillen?

Das Weihnachtsessen gehört für viele Kinder zu den alljährlichen Festtagsvorbereitungen. In diesem stimmungsvollen und humorvollen Bilderbuch wird das Thema „Mitgefühl“ und „Nächstenliebe“ sehr zugespitzt angegangen. Der böse Wolf entpuppt sich durch unterschiedliche Begebenheiten als ein herzensgutes Tier, was so gar nicht seinem Image entsprechen will.

Dem Familienzusammenhalt wird ein großes Gewicht beigemessen. Alle Beteiligten betonen ihren ausgeprägten Familiensinn und die damit verbundene Verantwortung. Für die Kinder ist es äußerst amüsant zu sehen, wie sich der Wolf über die Komplimente der anderen Tiere ärgert. Die rhetorische Frage zum Schluss regt zum Diskutieren und Erzählen an. Das Abschlussbild versetzt alle Beteiligten unweigerlich in eine richtig wohlige Weihnachtsstimmung. So kann das alljährliche Festtagsessen im Familienkreis kommen!

Der nette böse Wolf
Amüsant und herzerwärmend!

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Regina Schwarz und Julia Dürr – Flitze-freche Zungenbrecher

Flitze-freche Zungenbrecher

Kleines, krankes Krokodil
kriegt ein Knuspereis am Stiel,
um den rauen, roten Rachen
schnurstracks schnell gesund zu machen.

Schon der Titel macht deutlich, wie dieses witzige Zungenbrecher-Buch von Regina Schwarz funktioniert. Hier werden insgesamt 21 flotte Zungenbrecher für wahre Sprachverbrecher präsentiert. Die Zungenbrecher, oft in Form von Stabreimen oder alliterierenden Versen, laden zum Nachdichten ein.

Auch manch ungewöhnliches und den Kindern vielleicht zunächst unbekanntes Wort, wie z.B. „grausig“, „verwinden“ oder „umtosen“ kann Neugierde wecken und ganz nebenbei die Erweiterung des Wortschatzes fördern. Die kreative Sprachproduktion sensibilisiert die Kindergarten- und Grundschulkinder für den Aufbau der deutschen Sprache. Zur schöpferischen Sprachproduktion regen außerdem die zahlreichen Komposita („blütenfrische Brillenputztücher“, „Bratwurstbudenbär“) an und ganz nebenbei wird die Artikulationsfähigkeit von Eltern und Kindern trainiert.

Dieses Bilderbuch zeichnet insbesondere der in jeder Zeile geballte Sprachwitz in Kombination mit den urwitzigen Illustrationen aus. Die skurrilen Bilder verstärken die Botschaft und laden zum weiteren Entdecken ein, wenn es beispielsweise darum geht die Mücke auf jeder Doppelseite zu finden, die den Leser durch das Buch begleitet.

Für einen silbenorientierten Schriftspracherwerb bietet dieses Bilderbuch einen großen Fundus an außergewöhnlichem Wortmaterial, das so keine Fibel oder Erstleserbuch bieten kann. Die Fülle und die Leichtigkeit ist beeindruckend. Ein tolles Weihnachtsgeschenk, das Erwachsenen und Kindern einige witzige Stunden bescherren wird.

Flitze-freche Zungenbrecher
Ein vergnügliches Bilderbuch mit einer spielerisch lustvollen Entdeckung der deutschen Reimsprache.

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Marcus Pfister – Weisst du, was Glück ist?

Weisst du, was Glück ist?

Was ist Glück?
Glück ist das Allerwichtigste überhaupt.
Zwei kleine Mäuse sitzen auf der Wiese und hängen ihren Gedanken nach. Sie beschäftigen sich mit dem Thema „Glück“ und ergänzen abwechselnd den Satzanfang „Glück ist …“. Für Zoe ist es pures Glück im Winter die Schneeflocken auf der Zunge zu schmecken. Leo liebt es dagegen den Flug einer kleinen Feder zu beobachten. Sie äußern ihre ganz individuellen Vorstellungen von Glück und kommen schlußendlich zu der Einsicht, dass Glück auch ist, gemeinsam mit der besten Freundin einen Drachen steigen zu lassen.

Dieses Bilderbuch über das Glück macht einfach glücklich!

Marcus Pfister, der mit seinem Bilderbuch „Der Regenbogenfisch“ schon viele Kinder glücklich gemacht hat, vermittelt mit der immer gleichen Aufbaustruktur die alltäglichen Glücksgefühle im Leben eines Kindes. Dabei sind es die einfachen Erlebnisse in Verbindung mit der Natur, die die kleinen Mäuse am meisten faszinieren. Das Sammeln von schönen Kieselsteinen oder das Wegpusten der Samen einer Pusteblume macht die Mäuse glücklich. Sehr schön ist, dass die unterschiedlichen Sinne stets einbezogen werden.

Pädagogisch wertvoll ist auch die Erkenntnis, dass einen durchaus Dinge glücklich machen können, die man alleine erlebt und aber auch das Miteinander hervorgehoben wird. Das letzte Bild zeigt die zwei kleinen Mäuse lachend und Hand in Hand weglaufen. Freundschaft macht eben auch glücklich.

Die Illustrationen sind sehr reduziert und mit einem großen Anteil an weißer Fläche dargestellt. Es bleibt viel Freiraum für die eigenen Gedanken und Fantasien. Die Tupf-/ Schwammtechnik lässt alle Erlebnisse harmonisch wirken und ganz subtil ineinander verschwimmen. Es schafft letztendlich einen schönen Rahmen, der zeigt, dass Glück im Fluss des Lebens besteht.

Weisst du, was Glück ist?

Material

Das Thema „Glück“ ist prädestiniert, um mit Kindern darüber zu philosophieren. Was ist Glück? Kann man Glücklichsein überhaupt erlernen? Worin besteht ein glückliches Leben? Gerhard Friedrich hat in seinem Buch „Mit Kindern philosophieren“ den Themen „Glück“ und „Freundschaft“ je ein Kapitel gewidmet. Hier finden sich unzählige themenorientierte Bastelideen, Liedvorschläge und Diskussionsanregungen.

Nach dem Vorlesen der ersten Seiten, die stets mit dem Satzanfang „Glück ist…“ beginnen, wäre es denkbar die Kinder ihre eigenen Glücksmomente sammeln zu lassen. Auch bestimmte Zitate lassen sich für kleine Diskussionsrunden gut nutzen.

Bild_Glück

 Ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch über das Thema Glück!

 

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Michaël Escoffier und Kris Di Giacomo – Wer hat Angst vor diesem Wolf?

Wer hat Angst vor diesem Wolf

Sag mal, Häschen, kennst du eigentlich den Wolf Schubidu?
Da der Hase den Wolf ja aus vielen Märchen kennt, zeichnet er mit Tafelkreide ein Ungeheuer mit scharfen Zähnen auf die Schiefertafel. Doch der Sprecher im Hintergrund korrigiert den Hasen und weist ihn darauf hin, dass Wolf Schubidu besonders ist. Er hat nämlich kleine Öhrchen, stumpfe Zähne und eine wilde Mähne. Nach der Korrektur sieht das Ungeheuer nun gar nicht mehr nach einem Wolf aus. Genau in diesem Moment ertönt eine drohende Stimme und das Monster erscheint. Doch bevor sich der Hase überhaupt in Sicherheit bringen kann, wird er geschnappt. Puh, der Hase ist ganz schön erleichtert, als er feststellt, dass man sich vor Wolf Schubidu gar nicht fürchten muss …

Michaël Escoffier ist es gelungen durch die Hintergrundstimme eine ganz besondere Spannung aufzubauen. Der Sprecher lässt den Hasen wie eine kleine Marionette tanzen und schon bald werden Erwachsene erkennen, dass diese Hintergrundstimme die Fantasien eines kleinen Kindes wiederspiegelt. Es ist so, als würde man ein kleines Kind beim Spielen mit einem Kuscheltier beobachten.

Die sehr gelungen aufgebaute Spannungskurve wird alsbald aufgelöst und das Ende ist zum Glück so gar nicht schrecklich, wie zuerst vermutet. Dieses Bilderbuch animiert die Kinder zum Erfinden von eigenen Geschichten mit Einbindung ihrer Kuscheltiere. Nach dem Vorlesen kann ein Rate-Mal-Wettbewerb oder ein Versteckspiel angeschlossen werden.

„Ich bin der Wolf… schubidu, find dich im Nu… schubidu!“
Sehr gerne darf dabei natürlich gesungen und weitergereimt werden!
Wer hat Angst vor diesem Wolf
Ein Bilderbuch, das ganz nah an den Fantasien und der Lebenswelt der Kinder ist!

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Soheyla Sadr – Anne und Pfirsich – oder: Wo unsere Seele zu Hause ist

Anne und Pfirsich

Anne besucht ihre Oma, die sie liebevoll Pfirsich nennt, weil ihre Haut so eine weiche, duftende und uralte Pfirsichhaut hat. Regelmäßig erzählt Oma Pfirsich Geschichten. Heute erklärt sie Anne ihren ganz eigenen „Lichtergarten“. Dies ist ein Ort an dem die Seele wohnt. Unseren inneren Garten gestalten wir selbst und entscheiden auch ob wir ins Licht oder ins Dunkel gehen wollen.
Ja, ich entscheide, ob ich mich über den warmen Sonnenschein freue oder mich lieber ärgern will, dass ich den Garten gießen muss.
Der Lichtergarten ist immer da – in dir. Dieser muss allerdings auch gepflegt und gehegt werden, um weiterhin Ruhe, Trost und Verständnis spenden zu können. Er bietet Schutz bei Unsicherheit, Angst oder Kummer. Dein Garten ist dein Wegweiser.

„Anne und Pfirsich“ ist ein philosophisches Bilderbuch und handelt von der Kunst die innere Balance und Zufriedenheit zu finden. Soheyla Sadr hat es geschafft das Ungreifbare ein bisschen sichtbarer zu machen, indem es ein Bildnis des „Lichtergartens“ erhalten hat. Oma Pfirsich fungiert als eine weise und erfahrene Person, die ihrer Enkelin bereits früh verdeutlicht, dass jeder Mensch seines Glückes Schmied ist.

Bei Kummer und Schmerz genügt es dem inneren Garten einen Besuch abzustatten. Oft ist die eigene Einstellung, die unsere Sicht auf das Leben und evtl. Schicksalsschläge bestimmt. Die Autorin hebt das positive Denken hervor und zeigt, dass es sich leichter durchs Leben schreiten lässt, wenn man stets die Sonnenseite sieht.

Die leichten, pastellfarbenen Illustrationen unterstützen das Geheimnisvolle des Lichtergartens und wirken wie ein Schleier, der einen Hauch an Magie andeutet, aber nie zu viel verrät. Schließlich lebt dieses Bilderbuch von Fantasie und der eigenen Vorstellungskraft. Die Zeichnungen umgibt eine Leichtigkeit, stets begleitet von einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen der Protagonisten. Als Leser kann man nicht anders, als sich von dieser ausgetrahlten Ruhe und Gelassenheit anstecken zu lassen.

Anne und Pfirsich
 Dieses Bilderbuch lässt die eigene Lebenseinstellung überdenken. Ein tolles Geschenkbuch für Erwachsene, die eine Aufmunterung benötigen, quasi eine Gießkanne für den inneren Garten.

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Saskia Hula und Eva Muszynski – Gilberts grausiges Getier

Gilberst grausiges Getier

Gilbert ist das allererste Mal alleine zu Hause. Seine Mutter muss ganz kurz zur Apotheke und da Gilbert in ihren Augen schon groß ist, lässt sie ihn alleine zurück. In dem großen und dunklen Haus ist Gilbert ganz mulmig zumute. Hier lauern nämlich die furchterregendsten Tiere. Gilbert beschließt ganz still zu sitzen und sich nicht zu bewegen, denn so glauben die Tiere vielleicht, dass keiner im Haus ist. Blöd nur, dass er schon bald auf die Toilette muss und der Weg dorthin ist lang. Am Zielort angelangt, erwartet Gilbert eine kleine Überraschung, die seine Angst ein bisschen abschwächt und ihm Zuversicht schenkt.

In diesem Bilderbuch von Saskia Hula wird die kleinkindliche Grundangst in Bezug auf die Trennung von Bezugspersonen thematisiert.  Die Angst vor dem Verlassenwerden wird zugleich auf die Dunkelheit projiziert. Der kleine Gilbert wehrt die Angst mit Hilfe seiner Fantasie ab und erfindet somit grausame Tiere. Hier wird dem Phänomen Angst mit dunklen Räumen und einer bunten Schar von Ungeheuern aufgewartet.

Bisher kam Gilbert nicht an den Lichtschalter auf der Toilette und hat diesen Raum als bedrohlich empfunden. Durch das aufgrund der äußeren Umstände erzwungene Erfolgserlebnis, gewinnt der kleine Protagonist im Laufe der Geschichte immer mehr an Selbstvertrauen und Zuversicht. Er bringt den Mut auf die Angst vor dem Neuen und Fremden zu überwinden.

Es wäre schön gewesen einen Einblick in die Dimension der Mutter-Kind-Beziehung zu bekommen. Gilberts Angstbewältigungsstrategie in Form des imaginären Ansatzes resultiert aus dem Urbedürfnis nach Liebe und Geborgenheit. Vielleicht wäre es möglich die Angst vor Dunkelheit in Zusammenhang mit der entsprechenden Angst vor Einsamkeit zu bringen, indem am Ende der Geschichte ein Bogen zurück zur Mutter geschlagen wird.

Gilberst grausiges Getier
Eine wichtige Botschaft: Manchmal muss man sich etwas zutrauen, um Erfolgserlebnisse verzeichnen und somit wachsen zu können.

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