Nikola Huppertz – 3, 2, 1 – Schulstart! Quinns abenteuerlicher erster Schultag

3, 2, 1 - Schulstart

Quinn ist ganz aufgeregt, denn schließlich wird er heute eingeschult. Seinen Sterne-und-Planeten-Ranzen hat er bereits auf dem Rücken und die Astronauten-Schultüte in der Hand. Mama, Papa, Oma und Opa begleiten ihn und schultern bereits die Fototasche. Quinns großer Tag ist da!

Als Quinn noch in der KiTa war, hatte er einen Weltraumlift mit dem er sich in die Raumstation begab. Damit suchte er das Weite, so wie auch an diesem Morgen. Als die gesamte Familie zur Schule aufbricht, entschwindet Quinn dem Trubel und saust mit seinem Space Shuttle durch das Buchstabengewimmel. Im intergalaktischen Buchstabenfeld erlebt er so manches Abenteuer und trifft für ihn bisher unbekannte  Astronauten. Als er im Weltall eine ihm funkelnagelneue Welt voller Rätsel und Geheimnisse entdeckt, beschließt er zu landen, um sie zu erforschen.

Der Schulanfang ist für Kinder ein großer Schritt in mehr Selbstständigkeit. Hier beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Der Eintritt in den „Ernst des Lebens“ ist mit Aufregung, Nervosität und doch Vorfreude auf den ersten Schultag verbunden. Vielen Kindern hilft es, wenn sie auf die neue und ihnen bis dato unbekannte Situation vorbereitet werden. Bilderbücher können einen kleinen Einblick in das Schulleben geben und somit Ängste und Unsicherheiten nehmen.

Der kleine Quinn entflieht seiner Angst und Aufregung in ein für ihn bekanntes und gewohntes Terrain, den Weltall. Hier fühlt er sich sicher und kann ohne „panische Panik“ in den ersten Schultag starten. Leider erfährt der Leser nur wenig von der Einschulung, denn der Hauptteil des Bilderbuchs konzentriert sich auf die Abenteuer im Weltall. Daher ist der Titel und auch das Titelbild leider etwas irreführend. Lediglich die Rakete im Hintergrund deutet den etwas anderen Schulstart an.

Erwachsene werden die versteckte Botschaft schnell durchschauen können, allerdings ist es schwierig den Kindern den plötzlichen Ausflug Quinns ins Weltall zu erklären. Daher ist dieses Buch nur begrenzt zur Sorgenmilderung zu empfehlen. Es ist eher für kleine Weltall- und Astronauten-Fans geeignet.

3, 2, 1 - Schulstart

Material

Was ist für Kinder an diesem Tag bedeutsamer als ihre Schultüte? Dies ist erfahrungsgemäß auch die am häufigsten gestellte allererste Hausaufgabe: Male deine Schultüte und ihren Inhalt!

Schultüte

Jungen als Operator- und Commando-Anbeter werden sich mit diesem Bilderbuch identifizieren können.

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Antonie Schneider und Susanne Straßer – Herr Glück & Frau Unglück

Herr Glück & Frau Unglück

Rezension

Als Frau Unglück einen neuen und dazu noch äußerst netten Nachbarn bekommt, ist sie darüber gar nicht begeistert. Sie liebt nämlich kahle Bäume, Spinnennetze, Ziegen und Kakteen. Jeden Tag aufs Neue begrüßt der Nachbar jedoch die strahlende Sonne, den aufgehenden Mond und die leuchtenden Sterne. Er pflanzt Sonnenblumen im Garten und ist immer von Glücksschweinen umgeben. Doch als der lebensfrohe Nachbar sich bei Frau Unglück auch noch vorstellen möchte, knallt sie ihm entschieden vor der Nase die Tür zu. Nun ist für Frau Unglück höchste Zeit den Nachbarn endlich loszuwerden und so schmiedet sie einen Plan und schickt ihm Ungeziefer, Vogelscheuchen und Maulwürfe. Und was macht Herr Glück? „Er freut sich über die schwarze Katze von nebenan, den Maulwurf, die Raupe …“ Und ruft aus: „Wie schön das Leben doch ist!“

Ist diese Lebensfreude womöglich doch ansteckend?

Die Illustratorin Susanne Straßer bedient sich in ihren collageähnlichen Bildern vieler klischeehafter Kontraste. Während Herr Glück stets von Kleeblättern, Marienkäfern, Hufeisen, Glücksschweinen und Sonnenstrahlen umgeben ist, hängen über der Hausnummer 13 von Frau Unglück schwere, dunkle Regenwolken. Im Garten ist kein Zeichen von Leben zu finden und die schwarze Katze symbolisiert eindeutig ihren Pessimismus. Der falsch angebrachte Hufeisen veranschaulicht deutlich ihre negative Weltsicht und Lebenseinstellung. Diese einzigartige Zusammenstellung der einzelnen Elemente in den Bildern weckt ganz offensichtlich die Entdeckerfreude. Diese flächigen und karrikierenden Illustrationen spielen äußerst gekonnt mit dem Geschichtenrahmen.

Die Thematik des Bilderbuchs fokussiert auf zwei sehr unterschiedliche Lebensansichten, gleich dem Motto: „Ist das Glas halb leer oder halb voll?“ Schließlich wird man als Leser anhand des Geschichtenverlaufs schnell erkennen können, dass jeder seines Glückes Schmied ist. Es liegt in der eigenen Hand wie man sein Leben gestaltet und die Begebenheiten sieht. Das ist eine sehr schöne Quintessenz, die  nicht früh genug vermittelt werden kann.

Doch auch die angeschnittene Hilfsbereitschaft, Offenheit und Zuvorkommenheit sind wichtige Stützen dieses Bilderbuchs. Auch Erwachsene dürfen sich übrigens diesen Kerngedanken gerne öfter mal in Erinnerung rufen. So habe ich dieses tolle Buch bereits einige Male verschenkt  😀

Blick ins Buch

Herr Glück & Frau Unglück

Fazit

Das Glücklichsein kann man teilen, man muss sich nur trauen sich anstecken zu lassen.


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Holger Haag und Manfred Rohrbeck – Hör mal, das Meer lebt!

Hör mal, das Meer lebt!

Das Meer wird oft mit Dunkelheit und Unheimlichkeit assoziiert und doch fasziniert es viele Menschen. Was verbirgt sich tatsächlich in der endlosen Tiefe? Diese Sound-Sachbuchreihe aus dem Coppenrath Verlag versucht etwas Licht ins Dunkle zu bringen.

Auf einer Weltkarte werden zunächst die Meeresbewohner, nach ihrem Lebensort sortiert, dargestellt. Wer lebt in der Nordsee, im Mittelmeer, Atlantik oder auch im Nordpolarmeer? Besonders gelungen ist die Begründung für den strukturierten Aufbau des Sachbuchs. Denn welche Tiere  und Pflanzen wo leben, hängt davon ab, wie tief und wie warm das Wasser ist. Und so erfahren die jungen Lesen auf den darauffolgenden Seiten mehr über die Meeresbewohner und ihre besonderen Lebensumstände. Die abgebildeten Tiere sind stets mit einer Bezeichnung versehen, sodass zahlreiche Namen für die unterschiedlichsten Tiere zusätzlich erlernt werden können.

Neben der  ansprechenden, farbenfrohen und nicht allzu überladenen Seitengestaltung, ist der besondere Clou dieser Sachbuchreihe der Einbau des „Sound-Buttons“. Mit insgesamt sieben Geräuschen können die Kinder einzelne Tiere auf Knopfdruck hören. Mal ruft eine Silbermöwe, mal heult ein Seehund, mal stimmt ein Orca mit seinem Gesang ein. Das Wellenrauschen rundet schließlich das wundervolle Sinnerlebnis ab. Die entsprechenden Symbole sind im ganzen Buch verteilt und reagieren auf Druck, wobei man hier als Elternteil eventuell nachhelfen müsste. Die Geräusche sind echt und von der Lautstärke für Kleinkinder angemessen.

Vielleicht werden schon bald manche junge Zuhörer zur Geräuschimitation angeregt und so ihr Stimmorgan weiter ausprägen…

Hör mal, das Meer lebt!

Material

Zur Förderung des genauen Lesens und des entdeckenden Lernens:

Quiz Hör mal das Meer lebt

Eine spannende und gelungene Einbindung des zusätzlichen Sinns „Hören“ in Verbindung mit vielen wertvollen Informationen über unsere Meeresbewohner.

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Maria Theresia Rössler und Brunella Baldi – Prinzessin Leonie und der linkshändige König

Prinzessin Leonie und der linkshändige König

Eine schwarze Katze, die einem König vor vielen, vielen Jahren den Weg kreuzte und ihn so zum Stolpern brachte, war der Auslöser zur nun fest verankerten Regel „Links vor rechts bringt Schlechtes“. Seit diesem Tag herrscht im Königreich Linksverbot. Alle Aufgaben sollen ausschließlich mit der rechten Hand erledigt werden. Doch als die kleine Prinzessin Leonie unbeabsichtigt mit dem linken Fuß aufsteht und merkt, dass nichts weiter Verwunderliches geschieht, gerät das Festhalten am Linksverbot ins Wanken. Zum Geburtstag wünscht sich das Mädchen, dass einen Tag lang alle im Königreich alles mit der linken Hand machen. Während es den meisten ganz schön schwer fällt, entpuppt sich der König, der sonst als Tollpatsch bekannt war, als kein bisschen ungeschickt. Doch welche Hand ist nun die richtige? Und wie wäre es, wenn jeder selbst entscheidet, ob rechts oder links?

Die Autorin Maria Theresia Rössler arbeitete jahrelang als Grundschullehrerin und präsentiert in diesem Bilderbuch ein liebesvolles Plädoyer für Linkshändigkeit. Das starre Festhalten an althergebrachten Sitten und für alle verbindlichen Gewohnheiten wird genauso kritisiert, wie das blinde Folgen dieser Regeln. Die Fähigkeit zur Reflexion, in Gestalt des kleinen Mädchens, zerbricht die eingefahrenen, sinnlosen Muster und Gepflogenheiten und regt gleichzeitig dazu an das Individuum selbst entscheiden zu lassen mit welcher Hand es am besten arbeiten kann.

Auch wenn es heutzutage Normalität ist, Kinder in ihrer Wahl der bevorzugten Hand zu unterstützen, war es nicht immer so der Fall. Linkshänder wurden auf rechts „umgepolt“ und das Schreiben mit der linken Hand bestraft. Heute weiß man, dass es fatale Folgen haben kann. Die Gehirnhälften geraten in ein Wirrwarr und aufgrund dieser Anstrengung werden manche Kinder schnell müde oder beginnen zu stottern. Die Forschung geht davon aus, dass Linkshändigkeit genetisch bedingt sei und somit auch vererbbar ist.

Das Thema wurde von Frau Rössler auf Kinderniveau heruntergebrochen und in ein ansprechendes Geschichtengeflecht gepackt. Leider werde ich beim Lesen den erhobenen Zeigefinger nicht los. Es verfolgt mich. Das Auftreten der Gestalten als pädagogische Instanzen ist allgegenwärtig.

Nach dem Lesen sollte die Thematik mit den Kindern ausführlich besprochen und herausgearbeitet werden, wie sich Menschen fühlen, die „zwei falsche Hände“ haben:

„Ich habe zwei falsche Hände“, erklärt Ernesto.

„Die richtige Hand ist die falsche, aber die falsche ist meine richtige! Verstehst du?

Prinzessin Leonie und der linkshändige König

Material

Das folgende „Story Web“ hilt den Kindern eine Geschichte nach Kriterien zu klassifizieren und tiefer in die Thematik einzutauchen: storyweb

Das Themennetz Linkshändigkeit ist umwoben von der Lehre: Jeder entscheidet für sich, welche Hand die „richtige“ ist!

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Anja Boretzki – Mir hat gut gefallen, dass …

Mir hat gut gefallen, dass ... Reflexionskarten

Der Verlag an der Ruhr bietet eine Sammlung an 88 Impulskarten in der Größe DIN-A4 für gezielte und begründete Reflexionen an. Die Karten sind allesamt farbig gestaltet und mit einer großen und gut sichtbaren Schrift versehen. Zur besseren Übersicht wurden die Reflexionskarten in folgende  sechs Themenfelder zusammengefasst:

  1. Reflexionen von Präsentationen
  2. Reflexionen von Gruppen-, Partner- und Einzelarbeit
  3. Tages- und Wochenreflexionen, Gesprächsanlässe für den Erzählkreis, Blitzlicht
  4. Zu sozialen Anlässen (warme Dusche)
  5. Themeneinstieg
  6. Themenabschluss

Jede Impulskarte ist durchnummeriert, um das Wiederfinden zu erleichtern. Da viele Karten für mehrere Bereiche gleichzeitig einsetzbar sind, wurde in einer gesonderten Tabelle jede Impulskarte mit einem farbigen Symbol markiert, welches die Bandbreite des möglichen Einsatzes darstellt.

Ergänzend zu den Karten finden sich 14 Symbole und Bilder, die zu Reflexionslandschaften umgestaltet werden können. Eine sich von sonnig zu regnerisch verändernde Wetterdarstellung kann zur visuell unterstützenden Reflexion von Gruppenarbeit herangezogen werden. Die leuchtende Glühbirne eignet sich sehr gut als grundsätzliches Symbol für die Unterrichtsphase „Reflexion“ bei der Tagestransparenz.

Bisher habe ich mir meine Reflexionskarten mühsam selbst zusammengestellt und farbig ausgedruckt. Oft habe ich eine Abwechslung in der Fragestellung bzw. der zu ergänzenden Anfangssätze vermisst. Diese Sammlung kommt sehr erfrischend und inspirierend daher. Die Satzanfänge sind durchweg in Sprechblasen gefasst, klar illustriert und ansprechend gestaltet.

Besonders praktisch ist die Übersicht mit allen Impulsen, die stets das Nachdenken anregen und auf das begründete Argumentieren fokussieren (was ich besonders schätze). Damit erspart man sich auch das stetige Nachfragen nach dem „Warum“. Das Reflektieren und Begründen will eben erst gelernt werden.

Um einen kleinen Einblick zu bekommen, wie die Karten aufgebaut sind, einige Beispiele:

Für das nächste Mal nehmen ich mir vor …
Bei meiner Arbeit hat mir geholfen, dass …
Schwierig fand ich … , weil …
Mehr wissen möchte ich über …

Mir hat gut gefallen, dass...

Mit 88 Karten ist dies eine stolze Sammlung und eine sehr hilfreiche Organisationshilfe. Die Anschaffung für den Preis lohnt sich allemal.

„Mir hat gut gefallen, dass …“: 88 Impulskarten für gezielte und begründete Reflexionen

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Helga Bansch – Amelie und der Fisch

Amelie und der Fisch

Amelie ist mit ihren Eltern das erste Mal im Leben am Meer und fürchtet sich etwas vor so viel Wasser und den großen Wellen. Als sie sich ein bisschen weiter ins Wasser traut, kommt ein kleiner Fisch, der an ihren Zehen knabbert. Mit ihrem neuen Freund vergisst sie ihre Angst völlig und sie spielen Verstecken, Fangen, Tauchen und Springen. Abends schwimmt der Fisch ins offene Meer hinaus und kommt am nächsten Morgen erneut zu Amelie. Das Abscheidnehmen fällt Amelie immer schwerer, bis sie beschließt den kleinen Fisch in einem Glas einzufangen.

Der Fisch ist jedoch sehr unglücklich und Amelie bekommt ein schlechtes Gewissen. Sie lässt ihn wieder frei und wartet am nächten Morgen vergebens auf ihren kleinen Freund. Er kommt nicht. Amelie ist traurig und sagt, dass es ihr leid tut den Fisch gegen seinen Willen festgehalten zu haben. Sie hat verstanden, dass jedes Lebewesen frei ist und man die Zuneigung eines anderen nicht erzwingen kann.

Die Grundstimmung dieses fabelhaften Bilderbuchs erinnert mich sehr stark an mein Lieblingsbuch aus dem Jungbrunnen Verlag „Ein Rucksack voller Sand“. In diesem Bilderbuch schwingt Sehnsucht, Unsicherheit, Angst, aber auch Erkenntnis, Erfahrungsgewinn und Reife mit.

Die Feriengeschichte von Helga Bansch zeigt, dass Beziehungen als Besitzeigentum nicht funktionieren können. Das kleine Mädchen begreift recht schnell, dass der Wille eine Freundschaft zu erzwingen, sie bereits im Keim ersticken lässt. Denn jeder benötigt seine Freiheiten und die Akzeptanz dieser Regel bringt die Freundschaft im Gegenzug zum Wachsen und Blühen.

Helga Bansch skizziert die Figuren dieser Geschichte mit bloßen Bleistiftstrichen und akzentuiert die Umgebung mit dezenten, natürlichen Farbklecksen. Es breitet sich dadurch eine leicht melancholisch angehauchte und doch mit Zuversicht gefüllte Stimmung aus. Die kleine Ente, die Amelie überallhin begleitet, scheint eine Art „inner mirror for a spiritual journey“ zu sein. Die Gefühlswelt Amelies spiegelt sich ebenfalls in der Körperhaltung und dem Gesichtsausdruck der Ente wider.

Amelie und der Fisch

MaterialDieses Bilderbuch bringt einen zum Wachsen. Nach dem Lesen nimmt man einen wichtigen Erfahrungsschatz mit sich und ist dankbar für so viel Erkenntniszuwachs!

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Philipp Möller – Isch geh Schulhof

Isch geh Schulhof

Der Diplom-Pädagoge Philipp Möller landet als Aushilfslehrer an einer Berliner Brennpunktschule. Er beschreibt in diesem humorvollen Erfahrungsbericht seine Höhen und vor allem Tiefen als Quereinsteiger und schildert auch unbeschönigt die katastrophalen Zustände an vielen Grundschulen. Als Lehrer, das wird ihm schnell bewusst, hat man viele Baustellen gleichzeitig zu leiten: Kinder, die der deutschen Sprache kaum mächtig sind, Eltern, die man nie zu Gesicht bekommt, Kollegen, die fast alle unter Burn-Out leiden und schließlich Politiker, die für die Bildung unserer Kinder keine finanziellen Ressourcen zur Verfügung stellen.

Philipp Möller ist über den Lernort „Schule“ entsetzt. Wo fängt man da an? Bei den vernachlässigten und hyperaktiven Schülern? Bei alkoholkranken Eltern? Bei der Änderung des Frauenbilds von muslimischen Kindern? Bevor Herr Möller auch tatsächlich anpacken konnte, wurde er aus dem Schuldienst nach 2,5 Jahren als Quereinsteiger entlassen. So endet seine Reise im Bildungschaos Deutschland. Und er ist darüber letztlich auch gar nicht so traurig. Das Lehrersein, dass weiß er nun, ist ganz schön anstrengend und mit viel Verantwortung verbunden.

Einen solchen Erfahrungsbericht mit einer Unmenge an urkomischen Erlebnissen könnte wohl jeder Lehrer schreiben. Vielleicht macht auch genau diese Tatsache das Buch so attraktiv. Es unterhält und man lächelt oft genug in sich hinein und denkt: „Ja, genau das ist mir auch einmal passiert.“ Sicherlich sind viele Situationen überspitzt dargestellt, aber im Großen und Ganzen schildert Herr Möller die Bildungsmisere ziemlich gut. Auf die Einsprengsel der privaten Lebensumstände des Autors hätte ich gerne verzichtet. Es wirkt gezwungen. Als möchte der Autor mit aller Macht eine Bindung zum Leser aufbauen. Das hätte ich zuoft aufgrund der Banalität gerne übersprungen.

Leider hinterlassen auch die letzten Seiten einen bitteren Nachgeschmack. Zuerst versucht Herr Möller mit aller Macht Lehrer zu bleiben, als es jedoch nicht funktioniert, ist er froh das Handtuch werfen zu können. Sollen sich doch die anderen um neue Konzepte und Veränderungen kümmern. Ist ja schließlich doch anstrengend, so ein Job als Grundschullehrer!

Hoffentlich begegnet mir heute niemand mehr, der sich über das gute Gehalt von Lehrern oder die vielen Ferien beschwert. In meiner jetzigen Verfassung würde ich so jemanden wahrscheinlich am Ohrläppchen in die Schule schleifen und zu einer Woche Strafpraktikum verdonnern – mal schauen, ob es dann noch Anlass zum Neid gäbe! (S.176)

Ein erheiternder und doch zugleich deprimierender Erfahrungsbericht eines Kurzzeitlehrers.

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Manfred Kiesel – Kunst fachfremd unterrichten: Die Praxis 1./ 2. Klasse

Kunst fachfremd unterrichten: Die Praxis 1./ 2. Klasse

Während das Basiswerk die grundlegenden Strukturen und praktischen Hinweise eines modernen Kunstunterrichts vermittelt hat, konzentriert sich der vorliegende Praxisband für die Schuleingangsphase auf die Darstellung exemplarischer Unterrichtsstunden und -einheiten.

Alle Unterrichtseinheiten wurden nach den vier Arbeitsbereichen (Zeichen und Grafik, Farbe und Malerei, Formen und Bauen, Spiel und Aktion) sortiert und unter folgenden Übersichtspunkten zusammengefasst:

  • Thema und Vorbereitung
  • Kompetenzen
  • Benötigtes Material
  • Unterrichtsverlauf
    • Wahrnehmen und Besprechen
    • Gestalten
    • Präsentieren und Reflektieren
  • Reflexionsfragen
  • Schülerarbeiten

Ein Jahresplan für Klasse 1 und 2 rundet das Angebot ab und stellt eine beispielhafte Sortierung der hier vorgeschlagenen Themen in  aufeinander aufbauenden Zeitfenstern dar. In der Schuleingangsphase sollen vordergründig die unterschiedliche Techniken angebahnt und die ansatzweise Entwicklung einer „Fachsprache“ forciert werden. Diese beiden Ziele ziehen sich durch das ganze Werk und finden sich auch in der sehr gelungenen Reflexionssammlung wieder.

Sehr positiv bewerte ich, besonders für Fachfremde, die Bandbreite der dargestellten Gestaltungstechniken. Die Schneide-, Klebe-, Druck- und  Reißtechnik wird genauso aufgegriffen, wie Collagen oder Zufallstechniken. Für alte Hasen ist es wahrscheinlich nichts Neues, für Anfänger ist es jedoch sehr hilfreich eine solche Übersicht zu haben. Leider ist der eh schon vernachlässigte Arbeitsbereich „Spiel und Aktion“ etwas kurz geraten. Besonders hier hätte ich mir mehr kreative Vorschläge gewünscht.

Die im Buch enthaltenen Abbildungen von Schülerarbeiten sind ebenfalls auf der mitgelieferten CD abgedruckt und können je nach Bedarf auch im Unterricht  eingesetzt werden. Im Buch wird hin und wieder ein Werk eines Künstlers erwähnt, welches sich gut als Betrachtungsbeispiel eignet. Es wäre schön diese Werke ebenfalls auf der CD vorzufinden.

Kunst fachfremd unterrichten: Die Praxis 1./ 2. Klasse

Dieser Praxisband bietet eine übersichtliche Darstellung vollständig ausgearbeiteter Unterrichtsreihen für direkten Unterrichtseinsatz. Praxisnahe Fortbildung in Eigeninitiative!

Kunst fachfremd unterrichten: Die Praxis 1./ 2. Klasse

(beim Auer Verlag inkl. Inhaltsverzeichnis, Musterseiten und der Möglichkeit im Buch zu blättern.)

Manfred Kiesel – Kunst fachfremd unterrichten: Die Basis 1. – 4. Klasse

Kunst fachfremd unterrichten - Die Basis

Dieses Buch richtet sich an Grundschullehrkräfte, die das Fach Kunst nicht studiert haben, es aber gerne unterrichten möchten oder durch schulorganisatorische Umstände unterrichten müssen: kurz an Fachfremde. Im Basisband werden die grundlegenden Aspekte eines bildenden Kunstunterricht aufgegriffen und vorgestellt.

Neben der Darstellung  der unterschiedlichen Unterrichtsformen und des nötigen Handwerkszeugs, wird die Bedeutung der Organisation von Diensten hervorgehoben. Des Weiteren werden die folgenden vier Arbeitsbereiche eingehender betrachtet: Zeichnen und Grafik, Farbe und Malerei, Objekt und Raum, Spiel und Aktion. Zu all diesen Arbeitsbereichen werden die Zielsetzungen erläutert und gezeigt, dass im Kunstunterricht neben gestalterischen Aufgaben auch das Gespräch unter- und miteinander besonders wichtig ist. Dazu gehört die Artikulation der eigenen Wahrnehmung und der Bildbetrachtung. Besonders hilfreich ist hierbei die im Band enthaltene Sammlung der methodischen Zugänge zu Werkbetrachtungen. Wie gestalte ich die Präsentation von Kunstwerken besonders motivierend? Wie wecke ich Neugierde und Fantasie? Welche hilfreichen Stützen kann ich als Lehrkraft den SuS anbieten?

Auch die vorhandenen Leitfragen und Impulse für Zwischenbesprechungen und Schlussreflexionen sind wertvoll und zeigen, dass den vorab mit den SuS gemeinsam aufgestellten Kriterien ein großes Gewicht für den Gestaltungsprozess zukommt. Diese Kriterien fungieren schließlich auch als wichtige Hilfen bei der Benotung von Schülerarbeiten. Exemplarisch werden einige Kriterien, die bei der Benotung im Kunstunterricht eine wichtige Rolle spielen, herausgestellt.

Besonders schön finde ich die Einbindung von zahlreichen Schülerarbeiten zu unterschiedlichen Themen. Jede Seite wird von umfangreichen, bunten Fotografien begleitet und verdeutlicht somit auch Fachfremden wie die im Text erwähnten Techniken künstlerisch von den Kindern umgesetzt werden können.

Für mich hat sich nach der Lektüre dieses Basiswerkes der dunkle Wald eines für mich neuen Faches, was ich übrigens auch erst seit Kurzem unterrichte, ein bisschen gelichtet. Viele Fragen wurden mir beantwortet und ich kann einiges an Handwerkszeug mit in die Unterrichtspraxis nehmen. Von meinem Repertoire an methodischen Zugängen zur Werkbetrachtung sind meine studierten Kunstfachkräfte übrigens ebenfalls sehr angetan 🙂

Jetzt benötige ich noch einige inspirierende Unterrichtsreihen zu den verschiedenen Arbeitsbereichen. Aber dazu später mehr!

Kunst fachfremd unterrichten - Die Basis

Ein Basisband zur eigenen Fortbildung mit hilfreichen unterrichtspraktischen Tipps.

Kunst fachfremd unterrichten: Die Basis 1. – 4. Klasse

(beim Auer Verlag inkl. Musterseiten, Inhaltsverzeichnis und der Möglichkeit im Buch zu blättern)

Ralf Butschkow – War das wirklich so?

War das wirklich so?

In Opas großem Ohrensessel auf einem geheimnisvollen Dachboden, sitzen Lisa und ihr Hund Popcorn und wühlen in Geschichten über alte Zeiten. Hatte Opa mit seiner Warnung recht, dass der Sessel manchmal zuhört und dann seltsame Dinge geschehen?

Und ob! Auf Opas Ohrensessel begeben sich die beiden auf eine spannende Zeitreise in die Welt der Dinosaurier, Steinzeitmenschen, Wikinger, Ritter, Piraten und Cowboys. Doch geht es hier wirklich mit rechten Dingen zu? Trugen die Dinosaurier tatsächlich Brillen? Haben die Steinzeitmenschen die Höhlenzeichnungen mit Spraydosen aufgesprüht? Hatten die Wikinger  einen Schlauchboot? Und wurde die Ritterburg aus Legosteinen gebaut?

Die Leser erwartet hier eine herrlich skurrile Zeitreise mit einer Vielzahl an geschickt eingebauten Fehlern. Die Wimmelbilder laden dazu ein, sich die Doppelseiten ganz genau anzuschauen und gleichzeitig zu überlegen, ob die dargestellten Begebenheiten auch tatsächlich stimmen können. Die Beurteilung benötigt in gewissem Grade eine erweiterte Allgemeinbildung zu den unterschiedlichen Epochen der Zeitgeschichte.

Das Buch bietet einen wunderbaren Gesprächanlass, bei dem Vieles im Austausch dazugelernt werden kann. Einzelne Seiten können auch als Einstieg in eine bestimmte Thematik dienen, bei dem die Kinder im Sinne des stummen Impuls ihre Assoziationen und Gedanken frei äußern können. Der Vorlesetext ist nicht allzu ausschweifend und schildert kurz und bündig die einzelnen wundersamen Landestationen. Das Schmunzeln wird sicherlich weder bei den Erwachsenen noch Kindern ausbleiben. Die Auflösung der eingebauten Fehler findet sich auf der letzten Seite.

War das wirklich so?

Material

Einige Übungsformate (vordergründig Klasse 1/2) zum Thema „Piraten“:

Piraten

Vergnügliches Bilderbuch mit verrückten und amüsanten Fehlern, deren Richtigstellung zur Erweiterung des Allgemeinwissens beiträgt.

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