Ute Krause – Feiern die auch mit?

Feiern die auch mit?

Nach „Wann gehen die wieder?“  ist  nun der Fortsetzungsband „Feiern die auch mit?“ zum Thema „Weihnachten in einer Patchwork-Familie“ erschienen.

Der stets namenlose Ich-Erzähler freut sich auf den Monat Dezember, denn da gibt es viele Überraschungen. Es gibt einen doppelten Adventskalender, zu  Nikolaus doppelt so viel Schokolade, aber auch eine ganz schön lange Geschenkeliste abzuhacken. Denn schließlich hat der Ich-Erzähler eine ziemlich große Familie und das liegt daran, dass sein Räuberpapa eine Prinzessin mit ganz vielen Prinzessinenkindern geheiratet hat und seine Mama einen Drachen mit ebenfalls einer Vielzahl an Kindern. Der Tannenbaum muss doppelt besorgt werden, das Schmücken findet ebenfalls zweimal statt und dann streiten sich auch noch die Eltern darüber, bei wem zuerst Heiligabend gefeiert wird.

In einer Patchwork-Familie muss daher alles gut organisiert sein und damit alle Omas und Opas auch glücklich und zufrieden sind, darf ein Besuch bei ihnen natürlich keinesfalls fehlen. Kein Wunder, dass besonders  die Erwachsenen nach Weihnachten völlig erschöpft sind.

Die Leser dürfen erneut einen Blick hinter die geheimen Türen vieler Familien werfen. Durch ein aufgerissenes Guckloch bekommen wir einen stets amüsanten Einblick in die Strapazen vieler Patchwork-Familien zur Weihnachtszeit.

Ute Krause gelingt es die Ironie des Ganzen durch wundervoll illustrierte Bilder zu unterstreichen. Trotz der Vermenschlichung der jeweiligen neuen Lebenspartner sind auch einige artspezifische Verhaltensweisen ins Bild gefasst. Stiefmutter als Prinzessin? Stiefvater als Drache? Doch schon bald erkennt man, dass die Vorurteile, die man auf den ersten Blick hat (und mit denen Ute Krause sehr gut zu spielen versteht), sich in Luft auflösen können, denn schließlich machen sich die Prinzessinenkinder bei einer „Klößenschlacht“ schmutzig und die Drachenkinder haben stets ein Lächeln auf den Lippen und spucken das Feuer ausschließlich auf den Braten und die Tannenbaumkerzen.

Auch in diesem Band schildert Ute Krause offen und ehrlich sowohl die Nach-, als auch die Vorteile, die so eine Großfamilie mit sich bringt. Doch immer schwingt eine Prise Humor, eingebettet in einen ironischen Unterton, mit. Gemeinsam mit den wunderbar ausgearbeiteten und daher in Erinnerung bleibenden Charakteren, avanciert diese Bilderbuchreihe zu meinen Lieblingsbüchern zum Thema „Trennung“ und „Patchwork-Familie“.

Ob uns wohl zu Ostern ein Folgeband erwartet? Freuen würde es mich ja…

Feiern die auch mit?

Material

Der altbekannte Stammbaum mit zwei Großvätern, zwei Großmüttern, einem Vater und einer Mutter, trifft heutzutage nur auf wenige Kinder zu. Daher habe ich einen „flexiblen“ Stammbaum erstellt. In die Mitte kann das Kind sich malen oder ein Foto von sich einkleben und die beiden Abzweigungen den jeweiligen Elternteilen widmen. Die Anzahl der Kreise bzw. Familienmitglieder kann nach Belieben ergänzt werden (siehe Material).

Stammbaum

Ein heiteres und doch sehr wahrheitsgeladenes Bilderbuch!

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Jessica Meserve – Klein!

Die Kleine hat ein Problem: Sie steht im Schatten ihrer großen Schwester. Die große Schwester kann alles viel besser. Sie springt viel weiter, läuft viel schneller und bekommt die schönsten Geschenke. Die jüngere Schwester fühlt sich dagegen ganz klein und beschließt sich an ihrer großen Schwester zu rächen. Doch dadurch geht es ihr nur noch jämmerlicher zumute…

Die jüngeren Geschwister haben es manchmal ganz schön schwer! Sie stehen im Schatten ihrer älteren Geschwister und müssen sich erst beweisen und eigene Stärken entdecken. Jeder hat seine ganz eigenen Fähigkeiten und Begabungen, die man zunächst herausfinden muss. Der Thematik zur Findung des eigenen Ichs und der Loslösung von dem Vergleich mit den Geschwistern und der damit verbundenen Rivalität wird in diesem Bilderbuch Rechnung getragen. Und so wird die kleine Protagonisten zunächst immer im großen Schatten ihrer Schwester dargestellt. Der Schatten folgt ihr immer und überallhin. Bis … nun ja … sie auch ihrer Stärke bewusst wird. Nach diesem Ereignis hat jede der beiden Mädchen ihren eigenen ebenbürtigen Schatten. Die fabelhaften Illustrationen zeichnen diese Unsicherheit und Angst des kleinen Mädchens ganz wunderbar. Thematisch werden sich ganz viele junge oder auch ältere Geschisterkinder mit diesem Buch identifizieren können. Wem erging es in einigen Situationen nicht so ähnlich?

Geschwisterrivalität und Selbstfindung in grandiose Illustrationen eingebettet.

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Anna Marshall – Oma und die 99 Schmetterlinge

99 bunte Schmetterlinge hat Oma als Schulmädchen aufgezogen und freigelassen. Und Bären in der Bäckerei getroffen. Jeden Tag erzählt Oma Geschichten von früher – und verliert sie dabei den roten Faden, suchen wir gemeinsam nach ihm. Ich bin gerne beim Oma, und ich werde sie vermissen, wenn sie eines Tages als hundertster Schmetterling davongeflogen sein wird.“

Dieses Bilderbuch treibt einem Tränen in die Augen! Es ist mit so vielen poetischen Einschüben, dass es den Leser  unglaublich zu bewegen vermag und gleichzeitig auch traurig stimmt. Die Geschichte wird aus der Sicht eines kleinen Mädchens erzählt, deren Oma immer mehr und mehr an Alzheimer zu leiden scheint. Diese Demenz ist jedoch für die Enkelin etwas sehr Spannendes, denn gemeinsam tauchen sie in vergangene, äußerst witzige und unwirkliche Geschichten ab: „Beim Denken wachsen uns ganz langsam Flügel.“ Sie entfliehen der Wirklichkeit und begeben sich auf fantastische Reisen. Bis irgendwann auch die Enkelin erkennen muss, dass die Haut der Oma immer durchsichtiger wird und sie bald „abheben und davon fliegen“ wird, denn sie ist der 100. Schmetterling!

Dieses wahnsinnig rührende Bilderbuch wurde mit dem  „Meefisch 2011“  ausgezeichnet und ist in der Tat ein Meisterwerk! Die Bilder scheinen einige Zeitungsausschnitte zu beinhalten, die den Leser zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit schwanken lassen. Was ist wahr und was erfunden? Sind es tatsächliche Geschehnisse aus Omas früherer Zeit oder ihre Erfindungen, die der Demenz zu Schulde kommen?

Es geht um Abschiednehmen, um Vergänglichkeit und Loslassenkönnen. Es ist eine stetige Verwandlung, der man nicht entrinnen und doch nur hoffen kann, dass die Hinterbliebenen einen in Erinnerung behalten. Nichts währt ewig.

Poetisch, mitfühlend, rührend, auf den Punkt.

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Beong-gi Bae und Seung-min Oh – Mias Traumbär

Mia lebt in einem dunklen Zimmer in einer Großstadt und hat außer ihrem Bilderbuch über einen großen weißen Bären keine weiteren Spielzeuge. Ihre Mutter arbeitet als Kellnerin und ihr Vater ist Alkoholiker. Sie träumt von einer Welt, in der ihre Eltern sich Zeit für sie nehmen. Und so erscheint der große weiße Bär und nimmt sie auf eine lange  und fantastische Reise mit Taxi, Bahn und Bus mit zu ihren Eltern und in eine bessere Welt.

Dieses großformatige Bilderbuch thematisiert die Angst alleine und verlassen zu sein. Es zeigt eine andere Lebensweise auf und verdeutlicht, dass das Leben für Kinder, deren Eltern ganztägig arbeiten, mit einigen Herausforderungen verbunden ist. Hinzu kommt die trostlose Umgebung und die Armut, die sehr schön durch dunkle Farben in Acryl hervorgehoben wird, und der Hang des Vaters zum Alkohol. Mia projiziert all ihre Wünsche und die Hoffnung auf Geborgenheit auf den weißen Bären, der hell erleuchtet in ihrem Zimmer dargestellt wird. Zeitweilen findet Mias Geschichte auch ein gutes Ende, doch manchmal bleibt es auch bei Träumen. Die Handlung findet in einer verschneiten Großstadt statt, wobei Schnee in Korea mit Schutz und Schönheit in Verbindung gesetzt wird.

Dieses Bilderbuch schneidet ein sehr sensibles Thema an und eignet sich hervorragend, um bei Kindern die Wahrnehmung für Armut zu sensibilisieren. Es ermuntert ebenso über die eigenen Ängste zu sprechen und einen Vergleich zur eigenen Lebensweise herzustellen. Es verdeutlicht, dass unser Leben auch Schattenseiten hat und nicht alle Kinder vom Schicksal verwöhnt werden.

Trotz des traurigen Endes, ist dieses Buch sehr einfühlsam und hoffnungsvoll erzählt.

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Katja Kiefer – Die Muddeldings: Chaos im Kinderzimmer

Sie sind schmuddelig, gefräßig und lieben das Chaos: Die Muddeldings. Eines Tages kommen sie zu Max und seinem Hund Pepper, denn in diesem Kinderzimmer ist es herrlich unordentlich … Doch das reicht den drei Muddeldings noch lange nicht!

Eine lustig-freche Aufräumgeschichte für kleine Chaoten- und alle, zu denen die Muddeldings auch kommen könnten …

Der Hund Pepper bedeutet Max alles und deshalb baut er für ihn eine Höhle, teilt mit ihm die Reste seines Mittagessens und genießt so richtig die Unordnung in seinem Zimmer. Doch daraufhin bekommt Max unerwarteten Besuch von den nicht wirklich sympathischen Muddeldings, sie lieben das Chaos und quartieren sich kurzerhand bei Max im Zimmer ein. Damit die Muddeldings sich so richtig heimisch fühlen, machen sich sie an die Arbeit und stellen das Zimmer so richtig auf den Kopf. Erst als Max seinen Hund nicht mehr finden kann, ist er von der Unordnung gar nicht mehr so begeistert …

Natürlich ist es eine sehr überspitzte Darstellung einer Unordnung, aber einen Kern Wahrheit hat es dennoch. Wenn man nicht aufräumt, bekommt man auch im wahren Leben Besuch von unwillkommenen Kreaturen. So haben die Worte von Max’s Mutter doch sehr viel Wahres und Max erfährt, dass Putzen, Aufräumen und Baden auch sehr viel Spaß machen kann. Die Wasserfarbenzeichnungen von Katja Kiefer verdeutlichen so richtig schön das Durcheinander  und auch die Figuren der Muddeldings sind sehr gelungen dargestellt. Nach dem Lesen dieses Buches können die Kinder nur hoffen, dass die Muddelngings bloß nicht an ihrer Tür klingeln 🙂 Um das zu vermeiden, hilft nur eines: Aufräumen!

Eine lehrreiche und witzige Geschichte für kleine Aufräumverweigerer!

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Julia Breitenöder und Manfred Tophoven – Mit Mama in den Kindergarten

Klappentext:

Laura will nicht alleine in den Kindergarten. Mama soll sie begleiten und mit ihr spielen. Mama erfüllt Laura diesen Wunsch und gemeinsam springen sie auf dem Trampolin und malen mit Fingerfarben. Doch dann kommt plötzlich alles anders: die anderen Kinder wollen, dass Mama mit ihnen eine riesige Sandburg baut, beim Mittagessen muss Laura ihren Schokopudding mit Mama teilen und beim Theaterspielen bleibt für Laura nur die Rolle des siebten Zwerges.

Rezension:

Laura möchte sich von ihrer Mama nicht trennen und so fließen bei ihr Krokodilstränen. Da hat Lauras Mama eine Idee: Sie ruft kurzerhand im Büro an und bittet um einen freien Tag, welcher ihr auch prompt gewährt wird. So kann die Mutter mit ihrer Tochter zusammen im Kindergarten bleiben. Anfangs freut sich Laura sehr, doch als ihre Mutter nur ihr eine Geschichte vorlesen soll, gesellen sich auch andere Kinder hinzu, sodass Laura nie ihre Mutter für sich haben kann. Und als ihre Mama sich auch noch die Füße mit Farbe beschmiert und auf dem Trampolin mit den anderen Kindern herumtollt, verliert Laura gänzlich die Lust auf Mamas Anwesenheit in IHREM Kindergarten… So langsam beginnt Laura zu zweifeln, ob das eine gute Idee war, ihre Mutter zum Bleiben zu bitten …

Wer kennt diese Szene nicht: Das Kind möchte einfach nicht von der Mutter loslassen. Das Mutterherz zerbricht in zwei Teile und das Kind schluchzt so sehr, dass das Atmen schwer fällt.

Hier hat die Mutter eine grandiose Idee und durch das Vorlesen könnte einigen Kindern das Loslassen womöglich leichter fallen. Die Überwindung der Trennung ist ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstständigkeit und dieses Buch zeigt auf eine lustige Weise, dass es durchaus Vorteile hat die Mama nicht im Kindergarten dabei zu haben.

Fazit:

Einfallsreich und witzig!

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Lilli Messina – Opa ist … Opa!

Klappentext:

„Opa wird gefüttert. Opa fährt Roller. Opa macht Unsinn. Pepe ist sich sicher: Opa ist ein Baby! Doch Pepes Mama ist anderer Meinung.

Ein Buch über Pepe, seinen Opa, seine Mama und über alte und junge Menschen.“

Rezension:

Pepe entdeckt an seinem Opa ganz viele kindliche Eigenschaften, z.B. hat sein Opa nur ganz wenig Zähne, er wird oft genauso wie Pepe von der Mama gefüttert, er kann sich nicht alleine die Schuhe binden etc. Da geht für Pepe natürlich das Licht auf: Opa ist ein Baby! Doch Pepes Mama beweist ihm, dass Opa doch kein Baby ist … und so muss Pepe feststellen: Opa ist ein toller Opa!

Lilli Messina hat da eine ganz tolle Arbeit geleistet, die Illustrationen sind einfach ulkig. Die Gemeinsamkeiten von Jugend und Alter werden auf eine urkomische Weise aus der Sicht eines kleinen Jungen erzählt. Die Schrift wurde daher angepasst und ist sehr krakelig und schief. Auf eine wundervoll humoristische Weise wird das gemeinsame Leben von drei Generationen geschildert. Anhand dieses Buches kann das Thema Pflege älterer Menschen ebenfalls gut angeschnitten werden.

Fazit:

Ein Buch welches weder Jung noch Alt vorenthalten werden sollte. Lacher sind jedenfalls garantiert!

Bewertung:


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Milena Baisch – Anton taucht ab

Klappentext:

„Jetzt erzähle ich die Geschichte. Es beginnt in der Zeit, als ich noch Starflashman hieß, und hier sind Chips. Ihr sollt sitzen bleiben und zuhören, alles klar?
Zugegeben, Campingurlaub mit Oma und Opa ist nicht gerade das Coolste. Doch erst als Anton den Ekelsee entdeckt, werden diese Ferien zur echten Katastrophe.  Niemals steckt er auch nur den kleinen Zeh da rein! Arschbomben und Köpper vom Badesteg? Bekloppt! Aber dann macht Anton eine Bekanntschaft der besonderen Art.
Und damit beginnt ein Ferienabenteuer, wie es sich Anton in seinen kühnsten Heldenfantasien nicht ausgemalt hat ….“

Inhalt:

Anton begibt sich mit seinen Großeltern in einen Campingurlaub zu einem See. Als Anton dann noch erfährt, dass es weit und breit keinen Swimmingpool gibt, ist seine Laune so richtig dahin. Was soll er bloß an so einem Ort machen? In diese Ekelbrühe, die voll von Schlingpflanzen ist, möchte er auf keinen Fall rein. Und so langweilt sich Anton, bis ihn sein Opa mit zum Angeln nimmt. Dort macht er Bekanntschaft mit einem Fisch, den er auf den Namen Piranha tauft und in ein Gurkenglas steckt, um ihn vor Opas Verfütterungsaktion zu schützen. Hier beginnen die Ferien nun doch Spaß zu machen. Wäre da nur nicht Pudel, ein Junge, der Anton das Leben schwer macht. Kurz vor der Abreise, muss sich Anton von seinem mittlerweile sehr lieb gewonnen Freund, dem Fisch Piranha, Abschied nehmen und das tut er auf eine sehr außergewöhnliche Art und Weise …

Meinung:

Was für ein herrlich komisches Buch. Anton wächst dem Leser mit seinen frechen und coolen Sprüchen so richtig ans Herz. Dabei spricht er auch öfter den Leser persönlich an, was natürlich noch weiter zur Identifikation mit der Figur beiträgt: „Soll ich weiter erzählen? Ihr seid so ruhig auf einmal. Ist es langweilig? Keine Angst, bald kommt wieder Action.“ Nein, mit Anton war es keine Sekunde lang langweilig, auf seinen Lippen immer ein flotter Spruch, sodass das Lesen zum einem Vergnügen wurde. Das Buch spricht besonders Jungs an, denn es geht unter anderem auch um Antons Leidenschaft: einen ferngesteuerten X3C. Themen wie Unsicherheit, Ängste, Einsamkeit aber auch eine Wendung von der virtuellen Welt hin zur Entdeckung der Natur werden angesprochen.

Fazit:

Ein lebendiges und witziges Buch mit dem wichtigen Plädoyer sich auch mal auf die spannenden Ereignisse in der Natur einzulassen.

Bewertung:

 

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