„Fehler sind Freunde“ – Unterrichtsmaterial zum Bilderbuch „Versuchen“ von Kobi Yamada

Die Angst vor dem Scheitern ist bei alledem der furchteinflößendste Teil. Sie hält die meisten Menschen davon ab, etwas zu beginnen. Der einzige Weg, um dorthin zu gelangen, wo man hin möchte, beginnt mit dem ersten Schritt in diese Richtung.

Dieses Unterrichtsmaterial zum grandiosen Bilderbuch „Versuchen“ von Kobi Yamada fußt auf fächerübergreifenden Kompetenzen, die Haltung und Einstellung zum Lernen forcieren.  Die Thematik lässt sich sehr gut zu Beginn eines Schuljahres aufgreifen, um Kinder zu bestärken und zu motivieren, sich allem Neuen unbefangen zu stellen. Manchmal gibt es aber auch Durchhänger im Laufe des Schuljahres, sodass dieses Heftchen den vielleicht nötigen Anstupser bieten kann.

Das DIN-A5-Selbstlernheft bietet 10 thematisch sortierte Aufgabenblätter an, die das Lernen insgesamt umreißen. Es kann im Sachunterricht eingesetzt werden, wenn es um das „Lernen lernen“ geht oder auch im Ethikunterricht, wenn der Fokus auf „Selbstvertrauen“ liegt. Sofern das literarische Lernen im Vordergrund steht, ist die Einbindung im Deutschunterricht ebenfalls möglich.

Es empfiehlt sich, mit den Kindern während der Arbeitsphasen immer wieder ins Gespräch zu gehen. Viele Aufgaben sind philosophischer Natur, sodass der Austausch notwendig ist, da es kein Richtig und Falsch gibt. Der Lernzuwachs lebt von lebensnahen Beispielen und konkreten Umsetzungsmöglichkeiten aus der Lebenswelt der Kinder.

Pezzettino – Unterrichtsmaterial deutsch

Im Bilderbuch Pezzettino von Leo Lionni wird ein Quadrat personifiziert und begibt sich auf die Suche nach dem eigenen Ich. Besonders in der Schuleingangsphase ist es eine Thematik, die viele Kinder beschäftigt. Es geht darum, seinen Platz in der Gemeinschaft zu finden. Es geht um Zugehörigkeit, Selbstfindung und Identität. Pezzettino beschließt seine Freunde um Rat zu fragen und erkundigt sich, ob es ein Teil ihrer Selbst ist. Die Antwort all der Wesen, die selbst aus mehreren Quadraten bestehen, ist immerzu „Nein, tut mir leid.“ Was anfänglich sich nach Ablehnung anfühlt, wächst im Laufe der Geschichte zur Erkenntnis hinaus, dass er selbst für sich steht und damit ganz und gar fertig und vollständig ist. Als er das versteht, ist er glücklich und erleichtert. 

Der Aufbau der Geschichte lädt dazu ein, es im Deutschunterricht der Schuleingangsstufe einzubinden. Dieses Material liegt in 2-facher Differenzierung vor und kann am Ende der 1. Klasse oder im Laufe der 2. Klasse Anwendung finden. Ein Deckblatt zeigt anhand der Sterne die Differenzierungsform an. Alle Arbeitsblätter sind ähnlich aufgebaut, sodass nach der ersten Erläuterung die Kinder selbstständig im Heft arbeiten können. Es gilt immer die kurzen Texte zu lesen, entsprechend zu malen, einen durcheinander gewürfelten Satz richtig zusammen zu puzzeln und aufzuschreiben.

Die einfachere Variante beinhaltet Silbenschrift und weniger Text. Beim Abschreibtext ist der Satzanfang groß geschrieben und das Satzschlusszeichen bereits gesetzt, während bei den schwierigeren Aufgabenformaten der Lesetext umfangreicher ist und die Satzteile vollständig in Großbuchstaben verfasst wurden.

Beim Malen der Figuren ist es möglich die Kinder mit Buntstiften arbeiten zu lassen oder ihnen bereits ausgeschnittene farbige Quadrate an die Hand zu geben, sodass sie die Figuren erst legen und anschließend aufkleben können. Aus Transparenzgründen sollte vorab geklärt werden, ob an den Vierecken Teile abgeschnitten werden dürfen. 

Das letzte Arbeitsblatt bildet eine Überleitung zum Kind, indem es die Fragestellung aufwirft „Wer bist du?“. Kinder werden angeregt, sich zu überlegen, was sie persönlich besonders gut können und es mithilfe der Anlauttabelle zu verschriftlichen. Außerdem besteht die Herausforderung sich selbst und die eigene Stärke als eine abstrakte Personifizierung in Form von Quadraten darzustellen. Alternativ besteht die Möglichkeit, eigene Figuren, unabhängig von sich, zu entwerfen und sie mithilfe des Stempeldrucks mit Moosgummi aufs Papier zu bringen. Die Beschreibung der Gestalten mit „Der, der …“ wurde übernommen und durch die geschlechtersensible Variante „Die, die …“ ergänzt.

Ellen Duthie und Daniela Martagón – Grausame Welt?: Nachdenken über Gut und Böse

Rezension

In dieser stabilen Schachtel befinden sich 14 Bildkarten, die Kinder zum selbstständigen Denken anregen sollen. Es geht um das Thema „Grausamkeit“ und die Gegenüberstellung von Gut und Böse. Auf der Vorderseite wird eine vermeintlich grausame Situation dargestellt, während auf der Rückseite Fragen dazu dienen sollen, sich eine begründete Meinung zu bilden. So sollen Kinder zunächst das Bild auf sich wirken lassen und erst einmal frei erzählen. Nach der anfänglichen Diskussion können weiterführende Fragen eventuelle Pro- und Contra-Argumente herauskitzeln lassen.

Die Vorderseite der Karte zeigt ein Mädchen auf dem Boden sitzend, wie sie mit einem Bleistift eine Ameise aufpikst und laut ruft „Erwischt!“. Ist das grausam?

★ Wenn die Ameise das Mädchen vorher gebissen hätte, würde das deine Meinung zu dieser Situation ändern?
★ Findest du, dass das Mädchen eine Strafe verdient hat? Wenn du das glaubst: Welche Strafe wäre deiner Meinung nach angemessen?
★ Kann es sinnvoll sein, Ameisen zu töten? Wann zum Beispiel? Und wie viele?

Um sich ein Urteil zu bilden, brauchen Kinder vernetztes Wissen. Sie werden zu Querdenkern geschult und erproben sich dabei Dinge zu hinterfragen und nicht gleich als Norm anzunehmen. Hier wird die Gefühlsebene genauso bedient, wie der Perspektivwechsel und das emotionale Hineinversetzen und damit unbewusstes Erleben. Diese Bildkarten brauchen Zeit und sollten sukzessiv aufeinander aufbauend eingeführt werden. Positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass die Autorinnen der Schachtel drei Blanko-Karten beigelegt haben, um Kinder selbst Situationen bildlich einfangen zu lassen und auf der Rückseite Fragen aufzuschreiben. So werden sie von passiven Betrachtern zu aktiven Handelnden.

Ein Poster mit dem Titel „Grausame Welt“ stellt unsere Weltkugel von außerhalb betrachtet dar. Es ist ein Wimmelbild mit vermeintlich grausamen Situationen und schon bald wird der Betrachter für sich postulieren können, dass Gut und Böse vielleicht doch Hand in Hand miteinander gehen.

Ein tolles Set für Familien, die abends gerne miteinander ins Gespräch kommen, diskutieren und Meinungen austauschen. Auch für den schulischen Einsatz, sei es in der Arbeitsgemeinschaft „Philosophieren mit Kindern“, dem Ethik- oder Religionsunterricht sind diese Bild- und Gesprächskarten sehr zu empfehlen.

Blick ins Buch

 

Fazit

Weiterdenken ist erwünscht – Philosophieren mit Kindern anbahnen

(Amazon-Link)