Sibylle Hoffmann und Rolf Arvi Vogt – Ach, Ottoto …

Ottoto ist anders. Er macht alles verkehrt und bringt damit alle zum Seufzen: „Ach, Ottoto …“. Bei heißen Temperaturen zieht er sich eine Wollmütze über den Kopf und schlendert mit einem Schlitten an im Wasser planschenden Kindern vorbei. Er schläft im Anorak und in Gummistiefeln und stolziert mit Stöckelschuhen in den Kindergarten. Als die Erzieherin mit ihm wieder einmal schimpft, brechen bei Ottoto alle Bahnen und er weint einen Tränensee. Wie gut, dass Maren so gerne mit Booten spielt …

 

In diesem Bilderbuch geht es um Andersartigkeit, Ausgrenzung und Freundschaft. Die Autorin schöpft die emotionale Dramatik voll aus und stellt Ottoto in sehr unterhaltsamen Situationen dar, bis die Enttäuschung seitens des Protagonisten in Frust und Verzweiflung gipfelt. Dazu verleiht Hoffmann Ottoto in ihrer einfühlsamen Geschichte eine kindliche und doch lakonische Stimmung. Als Leser hat man den kleinen Jungen mit seinen Teetassenaugen sehr schnell ins Herz geschlossen und kann die Trauer und die Enttäuschung beinahe hautnah spüren. Dabei verstärken sich Bild und Text gegenseitig, wobei die Illustrationen dem Betrachter dank der Weißflächen viel Freiraum lassen, sodass Ottotos Einsamkeit noch deutlicher in den Vordergrund rückt. Die zunehmende Isoliertheit wird von einem kleinen Mädchen mit viel Einfühlungsvermögen schließlich aufgehoben. Dabei ist besonders die Art der Kontaktaufnahme hervorzuheben, denn sie tröstet Ottoto nicht, sondern bittet ihn weiter zu weinen, damit sie gemeinsam auf seinem Tränensee mit dem Boot spielen können. Auch der Vergleich des Zustandes seiner Haare mit seiner inneren Gefühlswelt ist sehr erheiternd und setzt das i-Tüpfelchen oben drauf.

Ein tolles Plädoyer für mehr Anerkennung unterschiedlicher Individuen.

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Sibylle Hoffmann und Chiara Fedele – Paul und Lobbie

Pauls Lieblingskuscheltier ist ein Seehund mit schwarzen Knopfaugen. Er heißt Lobbie und ist immer in Pauls Nähe, egal ob am Frühstückstisch oder im Sandkasten. Lobbie muss überall hin, wo auch Paul hingeht. In einer Weihnachtsnacht bringt der Weihnachtsmann Paul ganz viele Geschenke, doch am liebsten hat er weiterhin seinen Lobbie. Als er an diesem Abend ins Bett geht, ist Lobbie nicht da. Verzweifelt versuchen alle das Kuscheltier zu finden und begeben sich sogar in den Schnee. Doch werden sie den weißen Seehund im Schnee überhaupt finden können?

Viele Kinder haben eine besonders innige Bindung zu ihrem Kuscheltier. Obwohl das Kuscheltier kein lebendiges Wesen ist, wird er in der phantasievollen Vorstellungswelt des Kindes durchaus lebendig. Das Kuscheltier fungiert als Beschützer, Freund, Trostspender oder Spielgefährte des Kindes. Bei Verlust des wertvollen Begleiters, kann es daher zur Frustration kommen, was dieses Bilderbuch sehr schön darstellt.

Die Illustrationen sind durchgehend großflächig und farbig abgebildet. Der Wechsel von der Frosch- in die Vogelperspektive spiegelt Pauls eigene Welt und persönliche Gefühlslage wunderbar wieder. Auch die Schriftwahl empfand ich als passend und sehr erfrischend. Der kleine Protagonist Paul wurde jedoch von den jungen Betrachtern, vor allem auf dem Titelbild, als unsympathisch empfunden. Womöglich sind es die etwas unförmigen Augen, die diesen Eindruck vermittelt haben. Die Titelseite hätte durchaus etwas spannender und lebendiger gestaltet werden können, denn das Buch an sich bietet viel mehr geeignetere Motive.

Es hat die Kinder ebenfalls stutzig gemacht, wie denn Lobbie „da“ vergessen werden konnte, wenn Paul ihn doch am Abend zuvor in seinem Bett hatte. Hier wurden natürlich Überlegungen und Vorschläge gesammelt, sodass man sich auf eine für alle zufriedenstellende Lösung einigen konnte. 🙂

Ein wichtiges Thema, mit dem sich viele Kinder identifizieren können: Ein Kuscheltier als Freund und Begleiter.

 

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Jane Chapman und Tim Warnes – Das große Buch vom Mutigsein

In diesem Sammelband sind drei kurze Geschichten zum Thema Angst und Mutigsein zusammengefasst. In der Geschichte „W-w-wer hat schon Angst im Dunkeln?“ entdeckt der Frosch im Schatten des Teichs einen furchterregenden Monster und bittet seine Freunde doch bitte nachzuschauen. Mit jedem neuen Ankömmling verändert sich das Monster und wird noch angsteinflößender in seiner Gestalt. Erst als das Laternenlicht ausfällt, kommt die Erkenntnis und sorgt für mächtig Gelächter.

In „Wir sind der Schrecken aller Monster!“ hört Ente unter ihrem Bett seltsame Geräusche und bittet ihren Nachbarn Schweinchen um Hilfe. Dieser fühlt sich für den Kampf mit dem Monster nicht gut genug gewappnet und holt noch mehr Freunde. Mit jeder Weitergabe der Beschreibung des Monsters, werden Einzelheiten hinzugedichtet und die Angst wächst stetig, bis schließlich die Erkenntnis folgt: „Man kann aus einer Mücke auch einen Elefanten machen“.

Die gleiche Moral wird auch in der dritten Geschichte „Fünf Angstbären und ein unheimlicher Gast“ verfolgt und die Einbildung von furchtbaren Monstern thematisiert.

Angsthaben und Mutigsein sind bedeutsame Eigenschaften im Leben der Kinder, die im weiteren Heranwachsen ausgebaut werden. Diese Geschichten verdeutlichen, dass man sich Angst auch oft einbildet und es an der Einstellung liegt, wie mit etwas Angsteinjagendem umgegangen werden kann.

Besonderen Anklang fand bei den Kindern die erste Geschichte. Sie haben sich über den sich stetig verändernden Schatten halb totgelacht und konnten sich kaum einkriegen. Die Illustrationen haben ihren Teil dazu beigetragen und die Tiere im Schatten sehr schön wiedergespiegelt.

Die anderen nachfolgenden Geschichten haben sich thematisch zu sehr geähnelt und daher an Anziehungskraft eingebüßt. Außerdem war es für die Kinder zu vorhersagbar und daher wenig spannend.

Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis für ein Band mit drei Geschichten zum Thema Angst und Mutigsein.


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Shaun Tan – Der rote Baum

Manchmal beginnt der Tag ohne Aussicht auf etwas Schönes

Das kleine Mädchen mit den rötlichen Haaren erwacht in ihrem Zimmer und sieht wie es sich immer weiter mit schwarzen Blättern füllt. Sie begibt sich in die Stadt und schleppt sich mit einem hängenden Kopf von einem dunklen und traurigen Ungeheuer bzw. Ort zum nächsten. Jeder ist so mit sich selbst beschäftigt, dass die Protagonistin die Welt als eine „taube Maschine“ bezeichnet. Sie wird mit einer Flut an Problemen mitgerissen, die alle auf einmal auf sie einprasseln. In dieser Situation hat man kein Auge mehr für das Schöne um einen herum und beginnt an sich selbst zu zweifeln. Als das Mädchen in ihr Zimmer zurückkehrt, erblickt sie jedoch Hoffnung und es strömt wieder etwas mehr Licht hinein.

Shaun Tan hat ein poetisches Werk zum Thema Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Depression und Burnout geschaffen. Das kleine Mädchen, ohne ein wirklich wahrnehmbares Gesicht, kann für jeden von uns stehen. Ihre Augen sind meist geschlossen und das Gesicht dem Boden entgegen gerichtet. Ihre Traurigkeit lässt sich an ihrer ganzen Körperhaltung ablesen. Die Verbildlichung der inneren Leere einer ausweglosen Situation ist künstlerisch auf höchstem Niveau eingefangen. Wir entdecken das Mädchen mit einer bleiernen Tauchermaske am Meeresgrund, eingeschlossen in einer Flasche. Die Welt wird als ein verrostetes Metallmonster dargestellt, verschachtelt, zertrümmert, ausweglos. Jedes Bild für sich, ist ein wahres Kunstwerk und besonders die vorletzte Illustration hat mich beim ersten Durchblättern für sich eingenommen und vollkommen fasziniert.

Doch in all diesen sorgenvollen, dunklen und beklemmenden Darstellungen wird das Mädchen stets von einem roten Blatt begleitet. Es schwirrt immer irgendwo im Bild umher und setzt unter den grauen und trostlosen Farben seinen Akzent eines Hoffnungsschimmers. Die Inszenierung des behutsamen Spiels von Licht und Schatten und dem damit verbundenen hoffnungsvollen Endes, ist mehr als beeindruckend.

Dieses melancholische Bilderbuch bedarf bei Kindern eine behutsame Herangehensweise und soll insbesondere darauf fokussieren, dass „auf jeden Regen Sonnenschein folgt“. Dunkle Augenblicke gehören zum Lebens ebenso dazu, wie die Hoffnung, die uns erlöst. Künstlerisch interessierende Erwachsene werden eine besondere Freude mit diesem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichneten Bilderbuch haben.

Melancholisch, poetisch, philosophisch, einfach meisterhaft!

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Isabel Pin – Wenn ich ein Löwe wäre

„Wenn ich ein … wäre, würde ich …“

Mit diesem Anfangssatz macht Isabel Pin insgesamt neun unterschiedliche Tiere zum Gegenstand des Buches. Auf einer Doppelseite wird jeweils ein Tier präsentiert, dem ein Gesicht fehlt. Hier kommen die Kinder ins Spiel und dürfen sich bereits im szenischen Spiel üben. Sie brüllen wie ein Löwe, zwitschern wie kleine Vögel und grunzen wie ein Schwein. Die Verstellung der Stimme ist mehr als erwünscht und auch der Einsatz der passenden Mimik wird bereits erprobt. Die sehr praktischen seitlichen Griffe und die stabilen Seiten erleichtern den Kindern den Umgang mit diesem Buch zum Anfassen. Die Farben sind sorgfältig gewählt worden und harmonisieren mit den jeweiligen Tieren sehr gut.

Was bietet sich hier mehr an, als Kinder eigene Rahmen aus Pappe basteln zu lassen, um ihr Lieblingstier inklusive des für ihn typischen Geräusches dem Klassenverband vorzustellen? Und wem kein Tier einfällt, darf sich gerne, wie auch im Buch auf der letzten Seite vorgeschlagen, in das andere Geschlecht hineinversetzen. Passend dazu könnte man bereits die Zeitform Konjunktiv lerngruppengerecht thematisieren.

Eine imponierende Idee zur Anbahnung der Fertigkeit „Sprechen vor anderen“!

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Rafik Schami – Fatima und der Traumdieb

Nach der Erkrankung seiner Mutter und der damit verbundenen Armut, begibt sich Hassan auf die Suche nach einer Arbeit. Bei einem Schlossherren wird er fündig, jedoch wird Hassan erst seinen Lohn erhalten, wenn er sich innerhalb einer Woche auf keinen Fall ärgert. Der Schlossherr tut sein Bestes, um Hassan auf jede erdenkliche Art und Weise zu demütigen. Und irgendwann reißt bei Hassan tatsächlich der Geduldsfaden und so muss er nach einer Woche mühvoller Arbeit ohne ein einziges Goldstück und ohne seine Träume zurück nach Hause kehren. Als seine Schwester Fatima diese Geschichte hört, macht sie sich auf den Weg zum Schlossherren, überzeugt davon dass sie sich von ihm nicht verärgern lässt und Hassans Träume zurückholen kann…

Rafik Schami präsentiert uns ein Märchen aus dem Orient und zeigt wie viel Tiefe in einem Bilderbuch schon bereits für sehr junge Kinder stecken kann. In sehr reduzierten Bildern wird die hoffnungslose Situation der Witwe dargestellt und damit verbunden die Armut im Leben der Kinder. Das Problem der Kinderarbeit wird so in den Vordergrund gerückt und aufgezeigt, welche Schwierigkeiten und Herausforderungen damit verknüpft sind.

Besonders die damit verbundene Bedeutsamkeit der Träume sticht eindeutig hervor. Vielen Kindern werden schon sehr früh ihre Träume gestohlen, die Hoffnung etwas im Leben zu leisten und das Vertrauen auf eine bessere Zukunft. Wer diese Träume stiehlt, ist somit nicht einfach nur ein Dieb, sondern ein Verbrecher.

Auf den letzten Seiten im Buch wird auf die Rechte der Kinder eingegangen und die Tragweite des Aufwachsens in Frieden erläutert. Die Erklärungen sind in einfacher, an die Kinder gerichteter Sprache gehalten und stellen die UNO-Kinderrechtskonventionen vor. Denn schließlich wird mit dem Kauf dieses Buches auch die Arbeit von UNICEF mit 1,50 Euro unterstützt.

Ein beeindruckender Appell, die Kinderrechte zu wahren und den Kindern ihre Kindheit und Träume lassen!

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Maria Bogade – Schlafplatz gesucht!

Paul und Bruno sind die besten Freunde. Sie teilen wirklich alles miteinander, nur nicht Pauls Bett. Denn da passt Bruno leider nicht hinein. Und so bleibt Paul nachts nichts anderes übrig, als gemeinsam mit Bruno auf dem Boden zu schlafen. Das findet jedoch Pauls Mutter nicht so toll. Daher muss ein Plan her und so begeben sich die beiden gemeinsam auf die Suche nach einem passenden Schlafplatz …

Das Vorlesen von Gute-Nacht-Geschichten als abendliches Ritual vor dem Schlafengehen, ist für Kinder sehr wichtig,  da es den Übergang von einem lebhaften und ereignisreichen Tag zu einer erholsamen und ruhigen Nacht erleichtert. „Schlafplatz gesucht“ thematisiert das Zubettgehen und stellt die Freundschaft in den Vordergrund. Die Illustrationen von Maria Bogade haben etwas Behagliches, Wohliges und Beruhigendes. Vielleicht sind es die gedeckten Farben oder die sehr runden und wohlproportionierten Zeichnungen, die eine gewisse Wärme und Ruhe ausstrahlen.

Viele Kinder haben gewöhnlich Lieblingskuscheltiere, die natürlich mit ins Bett müssen. Dadurch ist die Korrelation zur Erfahrungswelt der Kinder sehr evident und die Identifikation mit den Figuren stark. Die beiden Freunde erleben auf ihrer Suche nach einem geeigneten Schlafplatz so einige Abenteuer und kehren gemeinsam mit einem mehr als zufriedenstellenden Ergebnis in ihr Zimmer zurück und können so in aller Ruhe in die Traumwelt eintauchen. Bild und Text verstärken sich gegenseitig und lassen den Zuhörer und Betrachter allmählich zur Ruhe kommen und tatsächlich gemeinsam mit den Charakteren müde werden.

Eine gediegene Gute-Nacht-Geschichte, die die Kinder wohlig in die Traumwelt eintauchen lässt.

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Brigitte Endres und Sabine Wiemers – König Mops und die kleine Seiltänzerin

König Mops liebt Nockerln über alles! Er isst sie morgens, abends, mittags und sogar vor dem Schlafengehen. Eigentlich ist er mit seinem Leben mit den beiden Möpsen recht zufrieden, wenn da nicht der Hofmarschall wäre, der ihm versucht vor Augen zu führen, dass der kugelrunde König sich zu wenig bewegt und allgemein sehr ungesund lebt.

Eines Tages hat der Hofmarschall eine geniale Idee und ruft alle Prinzessinnen im Umland zur Geburtstagsfeier des Königs zusammen. Das Geburtstagsfest wird zur Brautschau, doch leider hat die eine Prinzessin eine Gurkennase, die andere Hasenzähne und die dritte riecht ganz furchtbar aus dem Mund. Nein, der König kann sich für keine der Prinzessinnen entscheiden. Doch als er die Seiltänzerin Tütü wie eine Schneeflocke auf einem Seil schwebend erblickt, ist es um ihn geschehen. Doch Tütü scheint genauso wählerisch zu sein, wie der König auch und stellt eine Bedingung …

Eine typische Märchengeschichte wird von Brigitte Endres als Grundlage für eine sehr aktuelle Thematik gewählt. Der König hat Gewichtsprobleme und wird durch den äußeren „Zwang“  in Form von Tütü dazu verdonnert das Seiltanzen zu lernen. Und so trainiert sich der König mit dem Ziel die Seiltänzerin dann endlich heiraten zu dürfen, rank und schlank. Leider kommt der Wille und die Motivation zum Abnehmen nicht vom König selbst, sondern wird ihm extern auferlegt. Das finde ich recht schade und so verliert die eigentlich sehr spritzige Geschichte für mich an bedeutsamer Sinnhaftigkeit.

Nichtsdestotrotz sind die Illustrationen sehr amüsant und heben sich durch einen unerschöpflichen Schatz an unterhaltsamen Details hervor.  Auch der sehr abwechslungsreiche Wortschatz bereitet Sprachbegeisterten durch Einsprengsel wie  krakeelen, mopsfidel, pumpern, gacksen, gicksen eine große  Freude.

PS:  Den kleinen Betrachtern fällt natürlich sofort der Fehler auf, dass das Bild zum Text auf Seite 31 nicht passt: „Der kleine König brachte sich das linke und Tütü das rechte Bein.“ Abgebildet ist es jedoch anders herum.

Eine etwas andere Märchengeschichte, die durch einen kleinen Dreher wundervoller hätte gestaltet werden können.

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Marcus Sauermann und Uwe Heidschötter – Der Kleine und das Biest

Monster sind gemeine Ungeheuer, die nicht nur von ihrem Erscheinungsbild auf Kinder erschreckend wirken, sondern auch von ihrer Art her sehr angsteinflößend sind. Dumm nur, wenn man genau so ein Biest zu Hause hat und es ausgerechnet die eigene Mutter ist. In manchen Lebensumständen verwandeln sich Mütter in Biester und wirken abwesend, launisch, gleichgültig, depressiv und  emotional. Der Kleine weiß, dass sie dann viel Liebe, Zuneigung und Verständnis benötigen. Ein Treffen mit einer alten guten Freundin hilft genauso wie weinen, sich ablenken, spielen, einkaufen … und wenn man Glück hat, verwandelt sich das Biest irgendwann wieder in deine Mutter …

Dieses Bilderbuch zeigt ein herzzerreißendes Abbild der Gefühlswelt von Scheidungskindern. Die Illustrationen erinnern an ein Cartoon, was natürlich daran liegen mag, dass Uwe Heidschötter über diese Thematik zunächst für das ZDF einen Zeichentrickfilm entwickelt hat. Erst nach dem großen Erfolg entstand dieses Bilderbuch. Die meisten Illustrationen wirken überbelichtet und scheinen wie durch einen warmen Schleier hindurch zu schimmern. Die Traurigkeit bekommt dadurch ein noch größeres Gewicht und die Schatten, die die Hauptcharaktere besonders am Anfang immer begleiten, eine besondere Schärfe und Aufmerksamkeit.

In diesem Buch ist das Kind der Protagonist und zeigt aus in einer äußerst einfachen, kindgerechten und doch sehr mitfühlenden Perspektive, dass Trennungen und Scheidungen viele Veränderungen mit sich bringen. Auch die Welt des Kindes verändert sich, sie übernehmen automatisch mehr Verantwortung und erleben wie zwei Menschen, die sich zuvor geliebt haben, sich nun doch entfremden und nicht mehr allzu freundlich zueinander verhalten. Dem Kind wird nun eine sehr bedeutende Rolle in dem „Heilungsprozess“ für alle Beteiligten zugeschrieben.

Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, die den „Verwandlungsprozess“ beschleunigen können und verdeutlichen, dass manche Biester in der Tat mehr Zeit benötigen und damit verbunden mehr Fürsorge, Akzeptanz und Mitgefühl seitens der Kinder. Dieses Bilderbuch hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck, da es schafft sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen Empathie zu wecken und mit dem kleinen Jungen diese schwierige Zeit quasi hautnah zu durchleben.

Der Zeichentrickfilm ist ebenfalls sehr sehenswert: Der Kleine und das Biest

Dieses Bilderbuch reißt einen emotional von der ersten Seite mit und hinterlässt eine traurige Schwere, Mitgefühl und aber auch Hoffnung!

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Francesco Pittau und Bernadette Gervais – Frühling, Sommer, Herbst und Winter: Mein erstes Bildwörterbuch

 

 

Das Buch bietet eine spannende Reise durch die Wunder der vier Jahreszeiten. Beginnend mit dem Frühling, welches durch einen aufblühenden Zweig symbolisiert wird, werden Pflanzen und Tiere in deutscher, englischer und französischer Sprache vorgestellt. Durch die Klappen entdecken die Kinder z.B. den Wandel einer Kirschblüte, sehen nicht nur die Erdbeere von außen, sondern dank der Klappe auch von innen. Die Entwicklung des Frosches vom Froschlaich zu Kaulquappen, sowie die Wurzeln vieler Gemüsesorten, entsprechend der Jahreszeit, werden ebenso zum Thema gemacht.

Dieses praktische Ringbuch lebt von den  klaren, gradlinigen und schon fast puristischen Illustrationen. Die Bilder sind nicht mit Details überfrachtet, sondern konzentrieren sich auf das Wesentliche. Die naturgetreu gewählten Farben  spiegeln die Natur mit ihren Pflanzen und Tieren sehr realistisch wider. Die Ausklappseiten entsprechen der kindlichen Entdeckungslust und verbergen einige Überraschungen, die die Neugierde stets aufrecht erhalten. Die Seiten sind sehr stabil und halten das ein oder andere Ziehen und Biegen gut aus.

Irgendwie schafft es dieses Bildwörterbuch, dass man sich darin verliert und ich beobachte auch sonst quirlige Kinder dabei, wie sie ganz vertieft den Wandel der einzelnen Pflanzen, das Innere vom Obst und die Naturphänomene ganz selbstständig für sich entdecken und mit Freude ihr erworbenes Wissen teilen möchten.

      

 

 

 

 

 

 

Ein spannendes, schön illustriertes und lehrreiches Bildwörterbuch.

Frühling, Sommer, Herbst und Winter -: Mein erstes Bildwörterbuch

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