Mario Ramos – Der Wolf im Nachthemd

An einem sonnigen Tag macht sich Rotkäppchen mit ihrem Körbchen auf dem Weg zur Großmutter. Im Wald begegnet sie dem Wolf, der kurzerhand beschließt Rotkäppchen und die Großmutter zu verspeisen. Er geht einem besonderen Plan nach und läuft, nach erfolgreicher Ablenkung Rotkäppchens, zum Haus der Großmutter. Im Haus entdeckt er Großmutters Nachthemd und beschließt es sich überzustülpen, um Rotkäppchen glauben zu lassen, er sei die Großmutter. Im neuen Gewand erhält das Märchen eine neue Wendung, die zu einem unerwartetem Fortgang führt.

Das Buch beginnt so wie wir das Märchen Rotkäppchen auch kennen. Doch bereits nach einigen Zeilen fällt dem Leser die Absurdität in diesem Buch auf. Der Wolf warnt Rotkäppchen vor bösen Haifischen im Wald. Er sperrt sich im Nachthemd der Großmutter aus dem Haus aus und die turbulenten und zugleich lustigen Erlebnisse nehmen ihren Lauf. Dieses Bilderbuch eignet sich perfekt für den unterrichtlichen Einsatz, wenn es darum geht das Ende eines Märchens zu verändern. Der Moment der Überraschung, als die Geschichte eine unerwartete Wendung nimmt, ist grandios. Auch diese Verschachtelung und die Einbindung sämtlicher weiterer Märchen in dieses Märchen („Meta-Märchen“) ist fantastisch. Doch auch der Blick „hinter die Maske“ wird zum Thema gemacht und das Gefühl nicht aus seiner „Verkleidung“ bzw. Haut kommen zu können. Das Abstreifen bestimmter Eigenschaften ist manchmal ganz schön mühselig und bedarf einiger Anstrengung und Hilfe.

Die Illustrationen vom Mario Ramos haben einen hohen Wiedererkennungswert was die Stilistik betrifft. Beim Anblick der Titelseite wird schon fast automatisch die Verbindung zum Buch „Ich bin der Stärkste im ganzen Land“, das ebenfalls aus Ramos‘ Feder stammt, hergestellt. Dieses Buch ist verblüffend und so überraschend, dass es sicherlich Potenzial hat, zum Lieblingsbuch gekürt zu werden.

Absurd, turbulent, überraschend und die Stimmung hebend.

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Andrea Dami – Spieglein, Spieglein an der Wand … Meine liebsten Märchen

„Spieglein, Spieglein an der Wand …“ … diese märchenhafte Worte wurden zum Leitmotiv für dieses Buch gewählt und so präsentiert sich das Buch mit einem runden Spiegel auf dem Titelbild.  Auf den insgesamt 55 dicken Pappseiten werden neun Märchen vorgestellt. Darunter auch die eher selten in Sammelbändern vorzufindenden Märchen wie „Der Rattenfänger von Hameln“, „Däumelinchen“ oder auch „Kalif Storch“.

Wer nach dem Märchen von der Titelseite sucht, wird in diesem Buch nicht fündig werden. Schneewittchen ist hier leider nicht vertreten und so mancher Käufer könnte hier enttäuscht werden, da die Gestaltung sich leicht irreführend erweist. Die Mischung bzw. Auswahl der Märchen finde ich ansonsten persönlich sehr gelungen. Es ist von allem etwas dabei: Bekanntes und eher Unbekanntes, orientalische Märchen und Grimms Märchen, Märchen mit Tieren als Figuren und aber auch Prinzessinnen. Die Illustrationen erinnern sehr stark an Disney und sind wohl Geschmackssache. Auf dem Lesebändchen ist ein tolles Krönchen vorzufinden, welches eindeutig als Eyecatcher fungiert. Ausgehend von den Pappseiten hätte ich gedacht, dass es auf den Seiten wenig Text zu vorzufinden wäre,  jedoch besticht das Buch mit recht viel Geschriebenem. Ein Nachteil ist jedoch das Gewicht des Buches, durch die vielen Pappseiten es ist wahnsinnig schwer und könnte bei einem Kleinkind (empfohlen ab 2) keinesfalls auf dem Schoß liegen.

Äußerlich macht das Märchenbuch viel her. Kleine Details machen es zu etwas Besonderem.

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German Ogorodnikow und Jelena Ogorodnikowa – Russische Märchen

Elf typische russische Märchen sind hier in einem Band zusammengefasst. Darunter ist der berühmte „Kolobok“, der „Jemelja“, der von einem Hecht all seine Wünsche erfüllt bekommt und so mit einem Ofen durch das Dorf jagt und das Märchen von den Schwanengänsen, die einen kleinen Jungen entführen. Es sind sowohl kurze Märchen, die lediglich über zwei Seiten gehen, als auch längere Märchen dabei. Die berühmte Hexe Baba Jaga, ihr Hexenhäuschen Isbuschka und der Samowar sind genauso vertreten, wie eine Abwandlung von dem Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“.

Das legendäre russische Hexenhaus, die sogenannte Isbuschka mit Gänsefüßen prangt auf der Titelseite. Die berühmte Bewohnerin, die Hexe Baba Jaga darf natürlich nicht fehlen und schaut böse aus dem Fenster drein. Das Ehepaar Ogorodnikow, die russischen Karikatur-Altmeister haben ganze Arbeit geleistet und präsentieren dem Leser so richtig kitschig-schöne Märchenfiguren. Die Bilder sind alle mit vielen winzigen Details überfrachtet: ein Maulwurf mit Brille, der die List des Fuchses betrachtet, ein Bär, der vor einem Bienenschwarm davonläuft oder ein Vogel, der einen Fisch im Schnabel hält und den müden Wolf beobachtet. Die Seiten sind mit einer verschnörkelten Verzierung versehen. Auf den Bildern gibt es viel zu entdecken und davon gibt es eine ganze Menge. Auf jeder Doppelseite findet man meist zwei große und farbenprächtige Illustrationen. So schön die Zeichnungen sind, so holprig ist zwischendurch die Übersetzung. Man gerät als Vorleser ab und an ins Stocken. Ich würde mir außerdem wünschen das Inhaltsverzeichnis am Anfang des Buches vorzufinden, anstatt am Ende.
Dennoch sind die Zeichnungen so karikaturhaft witzig, dass das Betrachten wahnsinnig Spaß macht. Ebenfalls positiv bewerte ich die Einbindung vieler russischer Elemente, wie z.B. die Piroggen, das Hexenhaus, den Samowar, Kolobok, Birken, russische Kuppeln etc.

Besonders  jüngeren Kindern wird diese Märchensammlung mit den witzigen karikatur-ähnlichen Zeichnungen sehr gut gefallen.

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Angelika und Dieter Rehm – …so leben sie noch heute 1/2

Erkenntnisse aus der Lernpsychologie besagen, dass wir zu 70% etwas durch Erzählen behalten und zu 90% durch eigenes Handeln. Aus diesem Grund wurden die Vorschläge in diesem Buch handlungsorientiert und fächerübergreifend angelegt. Zu jedem Märchen angefertigte Erzählbilder sollen das mündliche Sprachhandeln der Schülerinnen und Schüler fördern und ihnen als Erzählvorlage dienen. Die hauptsächlich von den Gebrüder Grimm vertretenen 12 Märchen werden alle nach demselben Aufbau präsentiert. Nach der Vorstellung der Märchen, die alle leicht verändert wurden, um absolut nicht mehr gebräuchliche Wörter und Wendungen zu „bereinigen“, folgen einige Unterrichtshinweise. Es werden Vorschläge für den Einstieg gegeben und Hinweise für die Arbeit mit den nachfolgenden Kopiervorlagen. Zu jedem Märchen gibt es durchschnittlich sieben Arbeitsblätter. Es sind Suchbilder, Bild-Text-Zuordnungen, Lückentexte, Lieder, Gedichte, Anmalbilder, Zahlen-Bild-Puzzles, Bastelbögen und Rätsel vorhanden. Im Anhang wird auf die Definitionen einiger Textgattungen eingegangen und die Wesensmerkmale von Märchen herauszustellen versucht.

Die Bandbreite an Vorschlägen und unterrichtlichen Ideen ist in diesem Band groß. Die Schwierigkeitsniveaus unterscheiden sich ebenfalls, sodass Differenzierung gewährleistet werden kann. Besonders die Erzählbilder finde ich sehr sinnvoll, denn sie bieten den Kindern eine Stütze, um ihre Erzählung strukturiert wiedergeben zu können. Leider muss ich gestehen, dass ich kein Fan von den Illustrationen bin. Sie sind zwar nicht so verschnörkelt, wie das Titelbild es womöglich suggeriert, aber es fehlt ihnen an Pfiff und Lebendigkeit. Die meisten Vorschläge werden eher für Ende der Klasse 1 bzw. vordergründig für die Klasse 2 geeignet sein. Die Hinweise zum szenischen Spiel können problemlos auch bereits in der ersten Klasse realisiert werden. Das Märchen Hans im Glück gibt es für die Kinder als ein DIN-A5 Heft (16 Seiten) mit integrierten Aufgaben, die nach bestimmten Absätzen bearbeitet werden können. Erfahrungsgemäß arbeiten Kinder mit solchen eigenen Heftchen lieber, als mit losen Blättern, sodass hier die Motivation wahrscheinlich hoch sein wird. Die Ringbindung ist für das Kopieren sehr praktisch und ich freue mich immer, wenn ein Buch mit vielen Kopiervorlagen eine Ringbindung aufweist.

Viele nützliche Unterrichtsideen und vor allem tolle Erzählbilder zu allen 12 Märchen!

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Waltraud Fink-Klein – Klingende Märchen für den Kindergarten

Dieses Buch konzentriert sich auf die Darstellung der sogenannten Kettenmärchen. Diese zeichnen sich durch Reihungen und Wiederholungen im gleichen Ablauf aus, die Kindern Sicherheit und Geborgenheit bieten sollen. Zu den bekanntesten Kettenmärchen zählt „Das Rübchen“, welches auch auf dem Titelbild zu sehen ist. Im Buch werden folgende acht Märchen thematisiert: Der Pfannkuchen, Die fünf Ziegen, Das Hausgesinde, Das Mütterchen Marie und der Weizen, Das Rübchen, Klein Flöhchen und Klein Läuschen, Die Fünf im Handschuh und Das Häschen und die Rübe. Zu jedem Märchen werden Spielmöglichkeiten angeboten, die in  einem Märchen-Projekt oder in einer kleinen Spieleinheit verwirklicht werden können. Es sind Ideen zur Umsetzung des Märchens mit Gesten, Reimen, Liedern, Orff-Instrumenten, Tänzen und Schattenspielen vorhanden.
Die Vorschläge zur Umsetzung des jeweiligen Märchens sind so aufgebaut, dass zuerst das Märchen präsentiert wird und daraufhin Ideen zur Einstimmung dargestellt werden. Es sind konkrete Fragen zum Märchen aufgeführt, die das Vorwissen der Kinder aktivieren können und sie so auf das kommende Märchen einstimmen. Es folgen Gestenspiele, Bewegungsspiele mit expliziter Beschreibung der Bewegungen zu den passenden Sätzen. Den Abschluss bilden Vorschläge zum Aufbau von mehreren Spielstunden, die in Einheiten gegliedert sind. In zwei oder drei Sätzen wird beschrieben, welche weitere Ideen noch umgesetzt werden können.  Die für ein Schattenspiel notwendigen Schattenfiguren sind als Kopiervorlage ebenfalls vorhanden.

Auf der beiliegenden CD finden sich alle Lieder mit Playback-Version und natürlich auch die Märchentexte.

Märchen faszinieren Kinder. Es ist das Magische und Zauberhafte was Kinder anzieht und auch dem kindlichen Denken entspricht. Märchen vermitteln Positives, sie erweitern das Bewusstsein, helfen zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Die Auswahl und Eingrenzung der Märchen in diesem Buch finde ich sehr gelungen und nachvollziehbar. Für die Darstellung benötigen Kinder wiederkehrende Reime oder Sätze, die sie zum Verklanglichen, Mitsprechen und rhythmischen Erleben geradezu einladen. Als Pädagoge hat man die Wahl welche der vielen und fantasievollen Vorschläge für seine Kleingruppe geeignet ist. Die Spielvorschläge bauen nicht aufeinander auf, sodass man gezielt Spiele heraussuchen kann. Auch die Darstellung der Einheiten finde ich sinnvoll und hilfreich. Die Ringbindung ist praktisch und besonders für das Kopieren der wenigen Kopiervorlagen gut geeignet.
Die Aufnahmen sind gut verständlich und werden schön betont vorgelesen. Eine Sängerin rollt das /r/ relativ stark, sodass das Mitsingen den Westfälern manchmal schwer fallen könnte.  😉

ErzieherInnen werden sich über die Vielfalt an Ideen zu Kettenmärchen freuen!

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Rezensionsmonat: Märchen

Das Jahr 2012 ist ein Märchenjahr! Vor 200 Jahren sind die berühmten Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm erschienen und dieses Jahr wird ihr Jubiläum gefeiert. Diesem Themenanlass werde ich mich in diesem Monat widmen und Bücher rezensieren, die mit dem Thema Märchen in Verbindung stehen. Es werden unterschiedliche Märchensammlungen, Unterrichtsmaterial und den meisten noch unbekannte Märchenbücher präsentiert. Ihr dürft gespannt sein!

Ursel Scheffler – Die schönsten Tierfabeln

„Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Fuchs, der dem Raben durch Schmeicheleien ein Stück Käse abgaunert? Oder das Lehrstück vom Mistkäfer und der Ameise? Während diese im Sommer  fleißig Vorräte sammelt, liegt der Käfer faul auf seiner Haut  und muss im Winter hungern – gemäß dem alten Sprichwort: „Spare in der Zeit, so hast du in der Not!“ Obwohl all diese Geschichten sehr alt sind, haben sie bis heute nichts an ihrer Aussagekraft verloren. Fabeln stellen menschliche Fehler humoristisch überzogen und deshalb umso unterhaltsamer dar.  Ein reich bebilderter, farbenfroher Bücherschatz für die ganze Familie!

Dieses Fabelbuch ist für Kinder ab 5 Jahren gut geeignet. Es enthält auf jeder Doppelseite farbige Bilder und die insgesamt 58 Fabeln sind alle relativ kurz, im Durchschnitt nehmen sie 2 Seiten ein. Es sind bekannte und aber auch relativ unbekannte Fabeln vertreten. Neben „die Stadtmaus  und die Landmaus „und dem weiteren Klassiker „Die Ameise und die Grille“ sind Fabeln wie „Der Affe, der sein Herz vergaß“ und „Die neun dummen Wölfe“ in der Sammlung zu finden. Bei allen Fabeln wird die Moral am Ende der Geschichte noch einmal explizit hervorgehoben, meist in einem Reim, wie z.B. zur Fabel „Die Frösche im Butterfass“:

Das kleine Fröschlein paddelt fest,
weil ihn die Hoffnung nicht verlässt.
So ist die Lehre für das Leben:
Niemals vorschnell aufzugeben!

Zu einigen Fabeln wird in einem blauen Kasten auf die Tradition der jeweiligen Fabel eingegangen und so rückt der Ursprung, Fabelerzähler oder auch die Zeit in den Vordergrund. Auf den letzten sechs Seiten ist die Tierfabel an sich Thema und so wird das Wesen der Fabel, die Geschichte, die literarische Form und die Redensarten erläutert. Auch die berühmten Fabeldichter Äsop und Phädrus finden Erwähnung.

Die Fabeln sind leicht verständlich, lassen sich flüssig lesen und die Bedeutung wird von tollen Zeichnungen unterstützt. Vor allem die gesonderte Darstellung der Moral in Reimform am Ende jeder Fabel finde ich persönlich sehr gelungen.

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Ingrid Hagemann und Katja Möhring – Mit Füller, Farbe & PC

Wie wecke ich bei meinen Schülerinnen und Schülern (SuS) Freude an der Lyrik? Wie sieht eine reizvolle, spannende und individuelle Herangehensweise aus? Auf diese Frage vieler LehrerInnen hat die Gedichte-Kartei vom Finken Verlag eventuell eine Antwort …

Das Konzept dieser beim Finken Verlag erst kürzlich erschienen Gedichte-Kartei zu den vier Jahreszeiten basiert auf den Vorgaben der aktuellen Richtlinien und Lehrpläne. Anders als noch vor einigen Jahren sollen die SuS das Gedicht nicht auf Grundlage der Fragestellung „Was will der Dichter uns damit sagen?“ interpretieren, sondern einen eigenen persönlichen Zugang zum Gedicht finden. Gleich dem Impuls „Was entdecke ICH in dem Gedicht?“ ist diese Kartei aufgebaut und legt einen großen Fokus auf die individuelle Arbeitsweise. Weiterhin steht die Medienkompetenz im Mittelpunkt, untersützt durch einen so genannten „Medienkoffer“. Dieser beinhaltet 11 Karten in doppelter Ausführung, auf denen mit vielen Screenshots und kleinschrittigen Erläuterungen erklärt wird, wie man z.B. Word nutzt, um ein ansprechendes Layout für ein Gedicht zu gestalten, ein Bild oder einen Rahmen einfügt. Das ebenfalls beigefügte „Handwerkskoffer“ umfasst 16 Karten in doppelter Ausführung und bietet den SuS erforderliche Hilfen, um mit der Gedichte-Kartei kreativ und  vor allem selbstständig umgehen zu können. Wie erstelle ich den für Gedichte sehr wichtigen Zeilenumbruch? Wo finde ich Reimwörter? Wie lerne ich Gedichte auswendig und wie trage ich sie wirksam vor? Auf diese und noch einige andere Fragen hat der Handwerkskoffer eine Antwort und vermittelt sehr wertvolle Tipps. Des Weiteren werden hier auf je einer Karte Wörter zu den jeweiligen Jahreszeiten gesammelt und in alphabetischer Übersicht den SuS zur Verfügung gestellt.

Die jahreszeitliche Gedichte-Kartei enthält insgesamt 84 Karten, also jeweils 21 Karten pro Jahreszeit. Ein beigefügtes Folienset mit 4 Folien von Bildern bekannter Künstler soll zur Einführung als Gesprächs- und Schreibimpuls genutzt werden. Auf der Vorderseite der Karten (s. Bild oben) befinden sich viele Gedichte in unterschiedlichsten Gestaltungen und Formen. Die bekannten Gedichtsformen wie Rondell, Elfchen, avenidas, Akrostichon oder Haiku finden ebenfalls Eingang, wie auch das eher unbekannte Mittendrin-Gedicht. Die Bandbreite der Gedichte ist enorm. Es ist eine Sammlung lustiger und besinnlicher Gedichte von verschiedenen Dichter aus unterschiedlichsten Epochen. Auf der Rückseite  finden die SuS Vorschläge zur Ausgestaltung in Schrift oder Bild, zum Lesen oder Vortragen. Der Schüler hat die Wahl so einen eigenen Zugang zum Gedicht zu finden.

Das Begleitheft  ist für die Lehrerhand gedacht und beinhaltet die Darstellung der Bildungstandards, die Inhalte  und die Beschreibung der Kartei, sowie einige nützliche Kopiervorlagen. Darunter befindet sich die Vorlage für ein Geschichtenheft oder ein der sehr wertvoller Beobachtungsbogen in tabellarischer Form.

Die Materialien vom Finken-Verlag werden zumindest an unserer Grundschule hochgeschätzt, vor allem die Ordner vom Orthografikus sind heiß begehrt. So waren meine Erwartungen an diese Kartei für das dritte Schuljahr sehr hoch und ich wurde auch hier nicht enttäuscht. Der Karteikasten ist sehr robust und verspricht einige Jahre und Klassen zu überleben. Die Gedichte sind sehr unterschiedlich und die farbliche Gestaltung anregend. Die Vorschläge auf der Rückseite beziehen sich jeweils auf das abgebildete Gedicht auf der Vorderseite und sind abwechselnd, motivierend und auf unterschiedlichem Niveau. Ebenfalls positiv bewerte ich die doppelte Bereitstellung der Karten zum Handwerkskoffer und Medienkoffer. Bei 30 Kindern in der Klasse, könnte die Umsetzung sonst schwierig werden.
Die Gedichte-Kartei lässt sich super in einer Schreibwerkstatt oder nach einer Einführung auch in der Freiarbeit einsetzen. Auch in den Wochenplan oder  Förderunterricht lässt es sich gut integrieren. Für eine Unterrichtsreihe mit gemeinsamer Bearbeitung und integrierter Stationenarbeit, ist es ebenfalls ein geeignete Ergänzung.

Individuell, leicht handhabbar und anregend.

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Zu erwerben beim Finken-Verlag.

Nadine Monfils und Claude K. Dubois – Anna will nicht geküsst werden


Anna findet es furchtbar erdrückend und unangenehm nass und feucht, wenn ihre Mutter sie abknutscht. Das mag Anna gar nicht. Daher versteckt sie sich vor den Küssen ihrer Mutter, doch sie findet sie, egal wo sie steckt. Für Anna ist das ein wirkliches Dilemma, denn nicht geküsst werden zu wollen, heißt ja keinesfalls dass man denjenigen nicht mag. Und so wendet sie sich mit ihrem Problem an ihren Vater und gemeinsam finden sie eine Lösung, die sie zufälligerweise in ein Tierheim führt …

Auch ich kann mich daran erinnern, als Kind von meiner Tante total abgeknutscht worden zu sein und das mochte ich auch ganz und gar nicht. Über einen Ärmel, mit dem ich das Ganze abwischen konnte, war ich damals sehr froh 🙂 Hier geht es jedoch um eine Mutter, die mit ihren erdrückenden Küssen anscheinend übertreibt. Eine heikle Situation, die einerseits den Eltern verdeutlichen soll, dass Kinder sich irgendwann abnabeln und diese enge Nähe nicht mehr benötigen und der Wunsch durchaus Akzeptanz finden soll und andererseits um die Kinder, die in einer innerlichen Zwickmühle stecken, denn nicht geküsst werden zu wollen, bedeutet keinesfalls dass man die Eltern weniger lieb hat. Die im Buch vorgeschlagene Lösung betrachte ich mit einem Augenzwinkern und finde sie eher amüsant. Denn ich denke nicht, dass ein Tier die Nähe zum eigenen Kind ersetzen kann.  Dieses Buch ermutigt Grenzen zu setzen, sich zu wehren und seine Meinung offen kundzutun.

Die Illustrationen sind eine Augenweide. Die Zeichnungen sind minimalistisch und unglaublich liebevoll, sodass man Anna, die mit hinterher fliegenden Küssen schon fast gejagt wird, gleich ins Herz schließen muss. Die Farben sind eher gedeckt und dezent,  Naturtöne überwiegen, nur die Küsse sind knallrot und fast überall präsent.

Eine schöne Gute-Nacht-Geschichte, bei der der Gute-Nacht-Kuss keinesfalls fehlen darf! 😉

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Renate Seelig – Der Kinder Brockhaus Im Kindergarten

Auf dem Weg zum Kindergarten muss man auf viele wichtige Verkehrszeichen achten, die Fußgängerampel beachten und evtl. den Zebrastreifen überqueren. Im Kindergarten angekommen gilt es zuerst die Erzieherin zu begrüßen und die Jacke aufzuhängen bevor es dann zum Spielen mit allerlei Spielzeugen geht. Dann steht auch schon das Frühstück an, sodass zuerst gedeckt werden muss. Im Freien zu spielen, Basteln, Musizieren, Geburtstagsfeiern, Verkleiden und Zirkus sind weitere Themen, deren Wortfelder Erwähnung finden.

Für 3-jährige Kinder sind diese Themen, sofern sie einen Kindergarten besuchen, sehr vertraut und stammen aus ihrem Alltag, sodass sie sich damit bereits identifizieren können. Sie stellen einen Bezug zu ihrer eigenen Welt dar und können ihr bisher erworbenes Wissen mit den hier vorgestellten Wörtern und Wimmelbildern vernetzen. Ganz unbewusst stellen sie Vergleiche dar und erkennen eventuelle Unterschiede. Besonders die Themen „Verkleiden“ und „Geburtstag“ fanden großen Anklang. Hier wurde bei Liedern mitgesungen und die Bilder haargenau betrachtet und beschrieben. Auch in diesem Band aus der Reihe „Hören & Entdecken“ sind rund 200 Alltagsgeräusche, Dialoge, Reime, Lieder und Texte zum Hören versteckt. Den Umgang mit dem Hörstift haben auch schon die Kleinsten schnell raus, denn schließlich muss man nur auf das jeweilige Bild tippen und schon wird einem die Hörüberraschung präsentiert. Zur Wortschatzerweiterung ist diese Reihe ganz wunderbar geeignet und die Kinder sind mit Freude dabei! Besser geht es nicht!

Antippen, Zuhören, Lernen

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