Jochen Schmidt – Rituale im Englischunterricht der Grundschule

Das Ziel dieses Materials ist, so Jochen Schmidt, die Lehrkräfte „bestmöglich bei der Entwicklung und Durchführung eines gut strukturierten, planvollen und gleichzeitig frischen, lebendigen und produktiven Englischunterrichts in der Grundschule zu unterstützen“ (S. 6).

Dazu wurde in diesem Buch eine vielfältige Auswahl an praxiserprobten Inhalten zusammengefasst. Da wären z.B. Tipps (inkl. Fotos) für eine sprachbegleitende Gestik und Mimik, Reime, Lieder, Spiele, useful classroom phrases (Encouragement, class openers, group formation etc.), pupils‘ language (inkl. phrase sheet). Der Einsatz von Schaukarten  ist ebenfalls bedeutsam und dient der Unterstützung verbaler Kommunikation. Hier werden unterschiedliche Schaukarten zu Arbeits- und Sozialform wie zu circle game, dialogue, group discussion, semi-circle oder zu Unterrichtsphasen wie z.B. work quietly, It’s reading time, playful learning etc. als Vorlagen in DIN-A5 bereit gestellt.

Ein Stimmungs- und Lautstärkebarometer gehört zu weiteren Ritualvorschlägen, die die Tagesform abfragen oder den Unruhezustand im Klassenzimmer veranschaulichen sollen. Auch die Ritualisierung durch akustische Signale wird hervorgehoben und die Sinnhaftigkeit dieses Hilfsmittels erläutert.

Zahlreiche Karten dienen als Vorlage für eine abwechslungsreiche Gruppeneinteilung und classroom rules (siehe Bild unten) sind selbstverständlich ebenfalls ein fester Bestandteil des Englischunterrichts, die den SuS  Sicherheit geben.

Die Vielzahl an Materialkarten und Vorlagen befindet sich im veränderbaren Word-Format auf der beiliegenden CD.

Jochen Schmidts Schwerpunkte liegen in der praktischen Lehrerausbildung und das merkt man dem umfangreichen Materialpaket sofort an. Alle angesprochenen Rituale und Regeln dienen der Verbesserung des classroom managements, was eine enorme Bedeutung für den Unterrichtsfluss hat. Sie bilden sogenannte „sichere Inseln“, die besonders für eine Fremdsprache außerordentlich wichtig sind. Ritualisierte Handlungsabläufe machen den einsprachigen Unterricht erst möglich. Struktur und Kontinuität vermögen präventiv auf Unterrichtsstörungen zu wirken und können ferner Beständigkeit und Verlässlichkeit gewährleisten, um den SuS einen geschützten Lernraum für das Experimentieren mit der Fremdsprache zu bieten.

Viele Bausteine werden auch so im Fachseminar den Lehramtsanwärtern ans Herz gelegt. Sehr erfrischend fand ich den Vorschlag zur spielerischen Überprüfung des derzeitigen Wortschatzstandes mithilfe von Willy the Word Worm  und Sandy the Sentence Snake. Das werde ich sicherlich zukünftig auch ausprobieren. Die Ernennung zum King and Queen of the Month, ist ebenfalls eine tolle Wertschätzung für besonders gelungene Leistungen und eine großartige Motivationsstrategie.

Das Buch stellt eine sehr gelungene Materialsammlung dar, die ich jeder Englischlehrkraft wärmstens empfehlen kann!

Lehramtsanwärter werden hier eine wertvolle Fundgrube mit vielen gewinnbringenden Ideen finden und erfahrene Unterrichtsprofis die ein oder andere Anregung den Englischunterricht abwechslungsreich und motivierend zu gestalten.

Rituale im Englischunterricht der Grundschule

beim Persen Verlag (inkl. Einsicht in das Inhaltsverzeichnis und Musterseiten)

Alexandra Ferrarÿ – 111 Ideen für den geöffneten Unterricht

Unter dem Titel „111 Ideen für den geöffneten Unterricht“ verbergen sich Methoden für den Schulalltag und Organisationstipps, die sich geöffnete Arbeitsformen zum Thema gemacht haben. Geöffnetes Arbeiten sorgt für Individualisierung, Differenzierung und Handlungsorientierung und führt letztlich  zu selbstgesteuertem Lernen.

Nach einer kurzen Darstellung der theoretischen Hintergründe des offenen Arbeitens, folgt die Beschreibung der veränderten Schüler- und Lehrerrolle. Die insgesamt 111 Ideen wurden in 11 Kapitel aufgeteilt, u.a. zum Schwerpunkt Unterrichtseinstiege, Soziales Lernen und Gruppenförderung, Selbstständige Wissensaneignung oder auch Präsentationen. Zum Bereich Unterrichtseinstiege wird zum Beispiel die „Vier-Ecken-Methode“ näher erläutert. Nach der Beschreibung der Ziele und der nötigen Vorbereitung seitens der Lehrkraft, wird unter „So geht’s“ die Vorgehensweise dargelegt. Nach diesem Dreischritt werden auch alle übrigen Methoden vorgestellt.

Mit diesem Buch soll der Aufbau einer soliden methodischen Vielfalt forciert werden. Offene Unterrichtsformen gehören in der Lehrerausbildung zu den fundamentalen Themen, denn sie verhelfen den SuS zu mehr Eigenständigkeit und Selbstständigkeit und fördern das individuelle Lernen.

Dieses Buch soll eher als ein Nachschlagewerk betrachtet werden. Eine Methode reiht sich an die andere und kann durch die sehr sinnvolle Strukturierung der Kapitel dazu dienen sich in einem bestimmten Gebiet wie z.B. Selbst- und Fremdeinschätzung weiterzubilden und sich zusätzliche Anregungen zu holen. Da wäre zu der bereits erwähnten Thematik der Lernvertrag, das Könnerheft, das Portfolio oder die Selbsteinschätzung. Hierdurch kann der Umfang der Methodenkompetenz der Lehrkräfte erweitert werden und der offene Unterricht abwechslungsreich gestaltet werden.

Besonders für Lehramtanwärter im ersten und zweiten Ausbildungshalbjahr eignet sich dieses Buch, um sich in unterschiedliche offene Arbeitsformen einzuarbeiten und auch das theoretische Wissen um die Didaktik des weißen Blattes, des Werkstattunterrichts oder des Stationlernens anzueignen bzw. zu vertiefen.

Ein nützliches Nachschlagewerk zum offenen Arbeiten – übersichtlich und sinnvoll zusammengefasst.

bei amazon.de

Rosanna Pradella und Hanne Türk – Die große Kinderzeichenschule

Kurze Reime und dazu passende step-by-step Zeichenanleitungen: Das macht Spaß!

Das Buch beginnt mit einfachen Schwungübungen: Frei aus dem Handgelenk heraus führen sie zu Grundformen wie Kringeln, Strichen und Zacken. Aus den Kringeln entsteht sehr bald eine Raupe, aus den Zacken ein Krokodil. Neben Bauernhoftieren werden Bäume, Fische, Vögel, Zootiere, Fahrzeuge,  Hexen, Prinzessinnen, Burgen, Piraten, Clowns und Mädchen und Jungen Schritt-für-Schritt gezeichnet.

Der Kasten ist noch leer.
Da muss ein Kringel her.
Was schaut da oben raus?
Was wird da unten draus?
Ein Bein zuerst allein, und dann das zweite Bein.
Ein Maul, mit dem er quakt. Und hörst du, was er sagt?
Nimm Grün und Gelb und quak mich an, damit ich lauter quaken kann!

Alle Kinder zeichnen gerne. Zeichnen ist für die kindliche Entwicklung sehr bedeutsam. Es fördert die visuelle Wahrnehmung, Abstraktionsvermögen und das Zusammenspiel von Hand und Auge. Das Kind kann durch das Zeichnen seine Gefühle äußern und lernt den Umgang mit Stift und Papier. Das Zeichnen von Kringeln, Kreisen, Vierecken und Zacken stellt ganz nebenbei Vorübungen zum Schreibenlernen dar.

Durch das Mitsprechen von Reimen, die die Schrittfolgen kommentieren, soll das Zeichnen erleichtert werden. Außerdem macht es Spaß und die Gedichte beinhalten meist lustige Geschichten. Das Buch kann aber auch von den Kindern alleine genutzt werden. Die einzelnen Schritte sind mit Nummern beschriftet, sodass das Kind sofort weiß, wo es anfangen soll. Vielleicht sollte im Vorfeld mit dem Kind gemeinsam besprochen werden, dass das Radiergummi ein freundlicher und wichtiger Helfer ist. Dieser entfernt im Zeichenprozess Hilfslinien. Denn das Ausradieren gehört zum Zeichnen genauso dazu wie das Hinzufügen von Strichen.

Das Buch kann ebenso für Erwachsene, die oft mit Kindern arbeiten, als Inspirationsquelle genutzt werden. So aus dem Stegreif könnte ich auch kein Eichhörnchen oder einen stolzen Hahn zeichnen. Dabei bedarf es nur weniger, einfacher Striche!

Diese Schritt-für-Schritt Zeichenanleitungen lassen Kinder Erfolge erleben und durch Reime den rhythmischen Klang der Sprache wahrnehmen. Zeichnen auf vergnügliche Art und Weise!

bei amazon.de

Katja Reider – Wie reist ein Paket von Haus zu Haus?

Lena möchte ihrem Ferienfreund Tim ein selbstgebasteltes Album schicken. Sie haben sich letztes Jahr auf Mallorca im Urlaub kennen gelernt und nun möchte sie ihn mit einem Erinnerungsalbum überraschen. Nachdem Lena das Album  fertig gestellt hat, muss es sorgfältig verpackt werden. Das Porto darf natürlich auch nicht fehlen und schließlich geht es in die Postfiliale, von wo das Paket einen weiten und sehr spannenden Weg antritt.

Die Sachgeschichte rund um die  Reise eines Pakets ist in den Kontext der beiden Kinder Lena und Tim eingebunden. Im Fokus des Geschehens steht vordergründig die Postsendung. Schritt für Schritt werden den Kindern die einzelnen Stationen einer Paketsendung erklärt. Es wird auf die Bedeutung einer guten Verpackung von Paketsendungen eingegangen, genauso wie auf die Möglichkeit personalisierte Briefmarken zu gestalten. Auch die Packstation wird kindgerecht und verständlich eingeführt. Der Weg von der Postfiliale in das Paketzentrum ist dank der sehr gelungenen Illustration sehr anschaulich dargestellt.

Das Buch ist aktuell, sei es die Einbindung des Scannlesergeräts, der Packstation oder des kleinen Computers zum Unterschreiben beim Empfang einer Sendung. Es wird auch stets die Bedeutung der jeweiligen Schritte und Vorrichtungen erklärt.

Die Seiten sind sehr stabil und beinhalten viele bunte Klappen, die z.B. verdeutlichen, was getan werden muss, wenn das Scannlesergerät die Anschrift nicht lesen kann, weil es womöglich unleserlich aufgeschrieben wurde. Leider haben viele kleine Klappen beim erstmaligen Öffnen die Seiten eingerissen. Die Stanzung scheint nicht ideal gearbeitet zu haben.

Insgesamt ist das Buch sehr informativ und durch die Einbettung in eine Geschichte auch nicht allzu trocken geschrieben. So machen Sachbücher Spaß!

Spannend, kleinschrittig und sehr informativ.

bei amazon.de

Meike Teichmann – Passt das?

Der kleine Pinguin Anton begibt sich mit seinem Koffer auf Wanderschaft. Dabei trifft er auf unterschiedlichste Tiere. Stets sucht er eine Art, zu der er passt. Bei den Giraffen angekommen, stellt er sich auf aus dem Koffer heraus gezauberte Stelzen auf und hängt sich einen orange gepunkteten Umhang um, nur um ein wenig später zu erkennen, dass es doch nicht passt. Eine lange Socke auf die Nase zu hängen, hilft auch nicht, um als Elefant anerkannt zu werden. Wird Anton seine Artgenossen jemals finden?

Der äußerst naive und doch auch sehr liebenswürdige kleine Pinguin Anton erobert bereits von ersten Seite an alle Leserherzen! Er ist auf der Suche nach Freundschaft, Gleichgesinnten und damit verbunden Akzeptanz. Mit etlichen Hilfsmitteln versucht er sich anzupassen und muss dann letztlich doch feststellen, dass diese Verkleidungen ihm nicht das erwünschte Zugehörigkeitsgefühl bescherren. Die Suche nach der eigenen Identität ist ein Prozess und bedarf daher einiger Stationen, die es zunächst zu durchlaufen gilt. Antons Ideenreichtum sich den unterschiedlichen Tieren anzupassen, treibt einem beim Betrachten die Tränen in die Augen, und zwar vor Lachen! Die Herausarbeitung der besonderen Eigenschaften der Tiere ist einfach wundervoll gelungen und auch die Hilfsmittel sind sehr schön gewählt.

Dieses Bilderbuch eignet sich besonders gut für den unterrichtlichen Einsatz. Die SuS könnten eigene Tiere wählen, die Anton auf seiner Wanderschaft trifft und sich überlegen mit welchen Hilfsmitteln er sich anpassen könnte. Ein selbst einstudiertes Theaterstück wäre die perfekte Präsentationsmethode.

Der warme Hintergrund der Illustrationen unterstreicht die kraftvollen Begegnungen und lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die jeweiligen Akteure. Eigentlich benötigt dieses Bilderbuch keine Worte, denn die Bilder sprechen eine eindeutige Sprache. Die Erkenntnis, dass man sich bei den „richtigen“ Freunden oder der Familie nicht zu verkleiden bzw. verstellen braucht, ist auf der letzten Seite sehr rührend eingefangen und bildet den krönenden Abschluss dieser tollen Geschichte.

Dieses Bilderbuch über Selbstfindung und Akzeptanz zaubert jedem Leser, nicht zuletzt wegen der wundervollen Illustrationen, ein glückliches Lächeln ins Gesicht!
Dies ist mein „Buch des Monats“!

bei amazon.de

Haery Lee und Byeongkyu Jeong – Was tust du wenn es regnet?

Was tun bei einem trüben Regenwetter? Sechs unterschiedliche Tiere stellen ihren eigenen, ganz persönlichen Umgang mit dem Regen vor. Dabei ist Regen nicht einfach nur Regen. Mal nieselt es ganz leicht, ein anderes Mal regnet es in Strömen. Mal sind die Regengüsse zackig, mal wild durcheinander in alle Richtungen zeigend, gezeichnet. Genauso unterschiedlich die Regensweisen sind, sind auch die Verhaltsweisen der Tiere. Der Tiger würde sich am liebsten verkriechen, während ein Dinosaurier genüßlich durch die Regenpfützen stapft. Doch was macht eigentlich Papa bei so einem Regenwetter?


Dieses Bilderbuch leitet,  nach der Darstellung einer bestimmten Art des Regens,  auf die Fragestellung „Regnet es so, was würde ein (Löwe) tun?“ über. Dabei ist jeweils eine Doppelseite dem Regen gewidmet und lässt dem kleinen Leser genug Zeit, um den Fortgang der Geschichte zu antizipieren. Die Kinder werden angeregt mit- und vor allem weiterzudenken. Die Illustrationen sind stets in grauen Bleistiftzeichnungen gehalten, mit einem sparsamen Einsatz von gelben und blauen Highlights. Die vielfältigen Regentypen sind in passenden Grautönen eingefangen.

Besonders das Ende überrascht und zeigt, was Papa bei einem Regenwetter tun würde. Und endlich leuchten hier auch viel mehr Farben! Das Regenwetter kann nämlich auch Spaß machen!

Trübe Regentage können auch ganz kreativ genutzt werden, das zeigt dieses Bilderbuch in tollen Bleistiftzeichnungen!

 

bei amazon.de

Christiane Strauss – Meine Wörter reisen

Das großformatige Bilderbuch  ( 44,2 x 29,2 cm ) ist bereits für sehr junge Leser ab zwei Jahren geeignet. Auf acht Seiten werden unterschiedliche Situationen dargestellt: Ein Zebrastreifen mit einem Zebra in Rollschuhen, zwei Ameisen in einem kleinen Boot schwimmend, eine Maus mit einem Regenschirm auf einer Schlange sitzend oder ein Riese ein Eis schleckend. Die Situationen sind zum Teil sehr verwoben und auch absurd. Doch sie laden zum näheren Betrachten und Nachdenken an. Die Wörter reisen über die ganzen Illustrationen und finden ihren Platz an dem dazu passenden Bild. Dabei wird mit der Schrift genauso gespielt wie mit den Darstellungen. Die Wörter „rauf“ und „runter“ werden der Treppe passend angebracht und können so aus dem Zusammenhang heraus entschlüsselt werden.

Für DaZ-Kinder bietet das Buch z.B. für das Geschichtenschreiben oder auch das Erzählen eine hervorragende Hilfe, denn das dafür passende Vokabular ist ja bereits vorhanden. Dabei werden nicht nur Nomen, sondern auch Verben und Präpositionen  berücksichtigt.

Die Illustrationen sind sehr ansprechend, bunt und kommen bei Groß und Klein gleichermaßen gut an. Natürlich beeindruckt das Format ebenfalls und weckt die Motivation zusätzlich. Zur Erweiterung des Grundwortschatzes ist dieses Bilderbuch eine sehr schöne Abwechslung. Die künstlerische Kreativität könnte durch das Bilderbuch ebenfalls beflügelt werden und die  Kinder dazu animieren auch mal eigene Wörter zum Reisen zu bringen!

„Meine Wörter reisen“ ist auch in einer deutsch-türkischen Version erhältlich: Meine Wörter reisen /Kelimelerin Yoluculugu.

Ästhetisch, fantasieanregend, lehrreich.

Meine Wörter reisen

bei amazon.de

Angelika Diem – Wir vom Jahrgang 1968: Kindheit und Jugend in Österreich

Ein im Wartberg Verlag veröffentlichtes Buch, welches sich hervorragend als Geschenkbuch macht, thematisiert die Kindheit und Jugend der 68er. In diesem Geburtsjahr ging es nämlich in Österreich hoch her. Die Kinder tobten noch in der Natur und verbrachten ihre Tage im Wald, Feld oder Garten. Als Windeln mussten quadratische Baumwolltücher herhalten. Im Fernseher liefen Biene Maja, die Sesamstraße und die Muppet Show. Der erste erfolgreiche Heimcomputer fand langsam Einzug in die Wohnzimmer und der Walkman mit den Hörspielkasetten immer mehr Begeisterte und Nutzer. Dauerwellen und Punkfrisuren waren hoch Trend und symbolisierten die Revolution der Teenies.

In fünf Kapiteln werden die Jahre von 1968 bis 1986 und die damaligen Geschehnisse und Entwicklungen rückblickend betrachtet und anhand von vielen Fotografien verbildlicht. Es macht Spaß die schicken Kurzmäntel der Mütter und die altmodischen und heute ja schon fast kultigen Kinderwagen in Erinnerung zu rufen. Die Männer in Schlaghosen und von Elvis Presley inspirierten Frisuren entlocken einem beim Betrachten ein Schmunzeln. Das Schwelgen in vergangenen Erinnerungen bereitet viel Vergnügen und man wünscht sich dieses Buch hätte doch ein paar zusätzliche Seiten.

Diese Buchreihe gibt es ebenso für Deutschland (für die Jahrgänge 1922 bis 1989) und die ehemalige DDR (für die Jahrgänge 1935 bis 1979). Ein tolles Geschenkbuch!

Ein schöner Blick zurück in die Kindheit und Jugend der 68er und die damalige Zeit prägenden Ereignisse.

 

Wir vom Jahrgang 1968 – Kindheit und Jugend in Österreich

bei amazon.de

Die Shutter Sisters – Fotografiere was du fühlst

Ein Porträt ist nicht einfach nur ein Bild, sondern ein dynamisches Zusammenspiel zwischen Fotograf und Modell. Auf dem Foto mag zwar nur die abgebildete Person zu sehen sein, doch ein gelungenes Bild reflektiert sowohl das Talent und das Können des Fotografen als auch seine Beziehung zum Modell (S. 30).

Ein einziger Klick – geplant oder nicht – macht einen Augenblick zu einer immer wiederkehrenden Erinnerung an das Vergangene (S.7).

Die Shutter Sisters sind zehn Frauen, die alle mit Leidenschaft fotografieren und auf der Internetplattform www.shuttersisters.com  ihre Bilder mit der breiten Öffentlichkeit teilen. Dieses Buch, so die Sutter Sisters, will dazu einladen, sich in Bilder zu vertiefen, interessante Geschichten zu erfahren und mehr über das Wie und Warum der emotionalen Fotografie zu lernen.

In zehn thematisch gegliederten Kapiteln stellt je eine Shutter Sister ihre Fotografien dar und erkärt in kurzen Texten den Kontext des Schnappschusses, die Bedeutsamkeit des Winkels, der Farben oder auch einfach nur die Wahl des passenden Hintergrunds. Das Buch ist in folgende Kapitel aufgeteilt: Horizonte, Porträts, Natur, Räume, Kindheit, Stille, Dokumentation, Tiere, Tafeln, Zusammengehörigkeit. Jedes Kapitel wird nach den Schritten: Annährung, Blickwinkel, Komposition, Licht, Details und Bearbeitung analysiert. Im Glossar werden die wichtigsten Begrifflichkeiten wie Blende, ISO-Wert, Schärfentiefe etc. verständlich erläutert.

Die Fotografie, das Festhalten eines bestimmten Moments für die Ewigkeit, ist für mich immer noch wie ein Wunder. Ich bin jedes Mal erstaunt, dass man Augenblicke des Lebens auf diese Weise auffangen kann. Und da man als Fotograf in einer ganz anderen Emotion steckt und wie im Zitat oben so schön hervorgehoben zum „Modell“ auch eine ganz besondere Beziehung hat,  als es ein Außenstehender wahrzunehmen vermag, sind Bilder etwas Persönliches und geben immer etwas vom Fotografen, auch wenn er hinter der Kamera bleibt, preis. Mit jedem Bild beleuchtet man, was für einen selbst von Bedeutung ist. Diesen Fokus hat sich dieses Buch zu eigen gemacht und präsentiert äußerst utnerschiedliche Bilder, die die Betrachter inspirieren sollen die Kamera wie ein Maler ein Pinsel zu betrachten und damit farbenfrohe und emotionale Bilder zu erschaffen.

Die Shutter Sisters blenden jedoch die Technik des Fotografierens komplett aus. Dieses Gebiet ist so breitgefächert und eine Wissenschaft für sich, unabhängig vom Bildgegenstand. Nichtsdestotrotz hätte ich mir bei allen Bildern die Angabe vom ISO-Wert, Belichtung, Blende und Brennweite gewünscht. Bei einigen wenigen sind diese Werte vorhanden, doch die Neugierde war bei einigen Bildern doch vorhanden und diese Ergänzung für mich persönlich wünschenswert gewesen.

Mich persönlich haben insbesondere die Kapitel Zusammengehörigkeit von Jen Lemen und Kindheit von Maile Wilson beeindruckt. Es sind Fotografien in denen man sich verlieren möchte. Sie stellen das Leben so ungezwungen, frei, alltäglich und doch inspirierend dar, dass man oft das Gefühl hat, mitten im Raum bei der kleinen Familie oder auf der Couch beim Feiern und Essen zu sein. Einige Ideen und Blickwinkel möchte man sofort übernehmen und behält sie daher für den richtigen Augenblick im Hinterkopf. Denn bekanntlich verbindet man gestellte und künstlich konstruierte Situationen mit dem jeweiligen Foto und so bleibt das beim Betrachten des Fotos auch immer als fahler Beigeschmack erhalten. Echte Emotionen im richtigen Moment einzufangen ist eine Kunst und diese zu entwickeln braucht Zeit, Hingabe, Übung, Beharrlichkeit und Leidenschaft.

Inspirierende Fotografien, die die Emotionalität in den Vordergrund stellen und Bilder als Dokumente von Ereignissen betrachten.

bei amazon.de

François Lelord – Die kleine Souvenirverkäuferin

Julien ist ein junger Arzt aus Paris, der in Vietnam arbeitet und die Kultur und das Leben lieben lernt, als ein tödliches Virus  ausbricht. An seinem Lieblingsort am See trifft er immer wieder eine Souvenirverkäuferin, der er hin und wieder etwas abkauft und vor allem ihre Gesellschaft zu genießen scheint. Doch da ist auch noch seine britische Kollegin Clea, die seine Aufmerksamkeit auf sich zieht und mit ihm schließlich in die Bergregionen aufbricht, um dem unbekannten Virus auf die Spur zu kommen. Kaum ist Julien fort, wird die kleine Souvenirverkäuferin verhaftet, da die Behörden  den Kontakt von Einheimischen zu Ausländern nicht gern sehen. Wird Julien sie wiederfinden?

Als Fan von den Hector-Büchern war ich auf diesen Roman von François Lelord  sehr gespannt. Schließlich sind es diese kleinen ausgeklügelten Weisheiten über das Leben, die seinen Schreibstil prägen und die Bücher zu millionenfachen Kassenschlagern machen.
Ich habe diesen Roman auf Seite 143 abgebrochen. Dabei geschieht es bei mir äußerst selten, dass ich Bücher nicht zu Ende lese. Ich habe zu Julien keinen Zugang finden können. Die Beschreibung der Geschichte Vietnams, des Bürgerkriegs, der Mentalität der Menschen haben einen sehr großen Rahmen eingenommen, sodass leider vergessen wurde auf die Charaktere an sich einzugehen. Der Titel des Buches wirkt auf mich bis heute nicht treffend für diese Geschichte. Denn zumindest bis zur Seite 143 spielt die kleine Souvenirverkäuferin eine so kleine Nebenrolle, dass es des Titels nicht würdig ist. Die zarte Blüte der aufblühenden Liebe zwischen Julien und Minh Thu wurde leider von den exzessiven Beschreibungen der französischen Kolonialmacht, Kommunismus und der Unterdrückung des Landes bereits im Keim erstickt.

„Wann weiß man eigentlich, dass es die Frau des Lebens ist?“, hatte er einen frisch verheirateten älteren Freund einmal gefragt. „Wenn sie einen verlässt“, hatte der mit traurigem Lächeln geantwortet. (…) Im Laufe der Jahre begegne man mehreren Frauen, die zur Frau des Lebens werden könnten. Irgendwann entscheidet man sich einfach für eine und hört mit dem Suchen auf.

Zu viel Vietnam, zu wenig Fokussierung auf die Charaktere und somit fehlende Identifikation mit den Figuren.

 

bei amazon.de