Ljerka Rebrović und Ivana Pipal – Der Spott-Papagei

In prächtigen Wachsmalerei-Zeichnungen präsentiert sich der farbenfrohe Papagei, der dem Zoo entflogen ist. Der rote Ara erkundet selbstbewusst die ihm bis dato unbekannte Tierwelt des Waldes. Hochnäsig spottet er über ihr seltsames, lächerliches und sogar hässliches Aussehen.

Er stört sich an den albernen Stacheln des Igels, spottet über die schlackernden Ohren des Hasen und staunt über das lächerliche Schneckenhaus der Schnecke. Doch die Tiere des Waldes sind sich ihrer sinnvollen Besondheiten bewusst und begründen gekonnt den Nutzen dieser Körperteile. Sie wehren den gemeinen Angriff des Papageien stets mit der Aussage „Was du sagst, ist mir egal!“ ab.

Dem Vogel werden die individuellen Stärken der Tiere erst dann bewusst, als er selbst im Schlamassel steckt. Letztlich rettet er sich durch seine schrillende Stimme und bleibt völlig verschreckt zurück. Die Erkenntis folgt im Nu, dass er den Tieren im Wald Unrecht getan hat. Nach dem anfangs überheblichen Verhalten, zeigt der Ara Reue und lernt aus seinem Fehler. Das Sprichwort „Hochmut kommt vor dem Fall“ könnte nicht besser als geschichte umgesetzt werden, während die Tiere ein wunderbares Beispiel für Selbstbewusstsein und Abgrenzung gegen Gemeinheiten anderer sind.

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Thomas MeYer und Philippe Goosens – Das Tännchen Felix

Schön gerade stehen!
Nicht mitsingen!
Möglichst wenig Nadeln verlieren!

In der Baumschule lernen die Tannenbäume, wie sie zu guten Weihnachtsbäumen werden. Felix ist das kleinste Tännchen in seiner Baumklasse und wir dafür von Kurt, der größten Tanne, gehänselt. Er piesackt und ärgert, wo er kann. Felix findet das gemein. Frau Immergrün schimpft mit Kurt und warnt, dass nett sein für alle gilt, ob Groß oder Klein.

Als die Tännchen das Halten von Weihnachtskugeln üben, macht sich Kurt schon wieder über Felix lustig. Seine schwachen Äste können die vielen Kugeln nicht gut halten. Obwohl Frau Immergrün ihm gut zuspricht und ihn aufmuntert, glaubt Felix Kurt und beginnt an sich zu zweifeln.

An Weihnachten kommen die Tiere des Waldes in die Baumschule, um sich eine Tanne auszusuchen. Familie Eichhörnchen sucht sich gleich Kurt, den größten Tannenbaum aus. Nach und nach verschwinden auch alle anderen. Niemand wählt Felix aus. Als es schon dunkel wird, hört Felix viele Kinderstimmen und das Stampfen im Schnee. „Oje, wir sind zu spät!“, ruft jemand aus der Ferne.

Diese Weihnachtsgeschichte steckt voller Herz für Andersartigkeit und Individualität. Es richtet den Blick weg von der Norm und Wertung. Es kommt nicht auf die Größe an. Das zeigt uns Felix. Genauso erleben wir mit, was es mit jemandem macht, wenn er Hänseleien ausgesetzt ist. Felix glaubt nicht den Worten seiner Lehrerin, sondern Kurt. Er nimmt seine Meinung als gegeben an und stuft es als Tatsache ein. Das Selbstwertgefühl leidet.

Diese wohlig-warmen Illustrationen zeigen in wirklich realitätsnahen Darstellungen, was Gemeinheiten und Mobbing bewirken kann. Kurt ist eine Figur, die es in einigen Klassenräumen geben wird. So ist ganz ratsam, mit dieser Weihnachtsgeschichte einigen Kindern vielleicht auch den Spiegel vorzusetzen, sie in ihrer Empathiefähigkeit zu sensibilisieren und in ihrem Einfühlvermögen zu stärken.

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Nora Burgard-Arp – Flauschig mauschig

Ein beklemmendes Gefühl breitet sich aus. Lou mag nicht essen und auch nicht sprechen. Sie sitzt einfach nur da und schaut dem Regen aus dem Fenster zu. Die Hände sind fest um ihre Knie geschlungen. Ihr Vater erkennt sofort, dass Lou etwas auf dem Herzen hat.

Im vertrauensvollen Gespräch erzählt sie ihrem Vater, dass sie in der Schule wegen ihrem dicken Bauch gehänselt wurde. Lous Vater offenbart ihr einen Zaubertrick, macht ihr Mut und baut sie auf. Sie stellen sich gemeinsam vor den Spiegel und schauen bewusster hin, was Lou eigentlich ausmacht. Schnell breitet sich auf ihrem Gesicht ein Lächeln aus, wenn sie den Bauch als flauschig, mauschig, weich, zart und warm umschreiben.

Der positive Blick auf sich und den eigenen Körper, der sich im Wandel des Lebens immer wieder verändert und Dankbarkeit verdient hat, wird hier sehr einfühlsam angegangen. Selbstwahrnehmung und schließlich Selbstliebe beugen Essstörungen im frühen Kindesalter vor. Doch noch wichtiger ist die Erkenntnis, dass eine Person nicht ausschließlich die Hülle ihrer Selbst ist. So schauen Vater und Kind gemeinsam, was Lou noch ausmacht.

Körper sind vielfältig und auch erstaunliche Wunderwerke. Es braucht eine gewisse Offenheit für die Unterschiedlichkeit unserer Äußerlichkeiten. Das Mobbing wird zwar nur am Rande angeschnitten, bietet dennoch ausreichend Gesprächsstoff. Schließlich wird in jedem Klassenzimmer ein übergewichtiges Kind sitzen.

Die Illustrationen sind zart und feinlinig. Sie drängen sich nicht auf. Auch farblich ist die Zurückhaltung in den pastelligen Farbtönen ersichtlich. Die Emotionen werden dennoch lautstark getragen. So fühlt man als Leser mit Lou mit und kann die Spuren dieser Äußerung an ihr ablesen. Die Botschaft öfter in den Spiegel zu schauen und Wertschätzung auszusprechen, ist nicht nur bei der „Spiegelexposition“ bei Behandlungen von Essstörungen sinnvoll. Man kann es einfach im Alltag integrieren und sich nicht im Tadel, sondern in Body Positivity üben.

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Michael Engler und Julianna Swaney – Das alles sind wir

„Das alles sind wir“ thematisiert die Erfahrungen eines Schulstarts zweier Kinder, die vor der Einschulung bereits befreundet sind. In der ersten Schulstunde entscheidet die Klassenlehrerin über die Sitzordnung, sodass die beiden sich nur aus Entfernung sehen, was zunächst etwas befremdlich ist.

Während Lars schnell neue Freunde findet und sich von Anfang an wohl fühlt, hat es Lina ein bisschen schwerer. Annabelle hat etwas Gemeines zu ihr gesagt und ihr böse Blicke zugeworfen. Da sich Freunde beistehen, ist Lars für Lina da. Mit Entschlossenheit verkündet er, dass Wörter manchmal genauso weh tun können wie Schläge.

Es ist unsere Schule! Die ist für uns alle.
Egal, wie man aussieht!
Egal, was man anhat!
Egal, was man denkt!
Egal, was man gerne mag!

Lars wehrt sich gegen diese Art des Mobbings und steht für Toleranz, Vielfalt und Zusammenhalt ein. „Keiner ist allein und du bekommst Hilfe, wenn du Hilfe brauchst!“ ist eine starke Botschaft, die jede Grundschule aussenden sollte. Genau deshalb verfolgen viele Schulen das Patenkonzept. Hier übenehmen Dritt- oder Viertklässler die Verantwortung für die frisch eingeschulten Erstklässler und führen sie behutsam in das Schulleben ein. Diese Bilderbuch greift nicht nur realistische Sorgen und Ängste von Kindern auf, sondern sichert Zuversicht in Bezug auf Nächstenliebe, Freundschaft und Fairness zu.

„Das alles sind wir“ zeigt einen gesunden Umgang mit unfairem Verhalten auf und bestärkt Kinder bei Mobbing einzugreifen.

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Claire Alexander – Ein klein wenig anders

Rezension

Claire Alexander hat in diesem Bilderbuch über Andersartigkeit und Selbstvertrauen ihre ganz eigenen Wesen erschaffen. Die Plufer sind winzige, runde, graue Geschöpfe, die gerne zusammen etwas Einzigartiges machen. Durch die kleine Öffnung auf ihrem Kopf plufen sie gerne auf Kommando. Daraufhin steigt grauer Rauch auf, an dem sie sich erfreuen.

Nur bei einem Pluf passiert etwas wahrlich Besonderes und Einzigartiges. Sein Rauch ist bunt und leuchtet in allen Regenbogenfarben. Alle anderen Plufer sind verunsichert und entscheiden sich lieber zu verduften.

Der thematische Blick visiert die Werte von Akzeptanz, Offenheit, Toleranz aber auch Ausgrenzung und Mobbing. Die große Gemeinschaft preist zwar zuvor ihre Vorliebe zum Einzigartigen an, doch wenn es tatsächlich vor ihren Augen entsteht, ziehen sie sich zurück und verurteilen das Gegenüber stattdessen. Glücklicherweise erscheint ein anderes Wesen, welches auch etwas anders aussieht als der Rest der Pluffer und zeigt dem zurückgelassenen Pluff, dass Anderssein etwas Tolles ist. Das Erziehungsziel ist erfüllt und gelangt auch letztlich zu der großen Masse.

Hier zeigt sich einmal mehr, dass Buchgestaltung im Zusammenspiel aller drei Dimensionen – Text, Bild und Layout – mit viel Liebe zum Detail eine der ganz großen Stärken der Kinderliteratur ist. Der Einband hebt in ausgestanzten Buchstaben den Titel „anders“ hervor, untermauert von bunten Farben der darauffolgenden Seite. Auch sonst wird der Botschaft viel freie Fläche eingeräumt. Die Figuren und der gewichtige Inhalt erhalten den nötigen Raum zur Entfaltung, ohne jegliche Ablenkung durch anderweitige Nebenereignisse.

Blick ins Buch
Fazit

Nicht nur die Botschaft des Einzigartigen prädigen, sondern auch wirklich leben!

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Jan De Kinder – Tomatenrot oder Mobben macht traurig

Tomatenrot oder Mobben macht traurig

Tom wird rot. Seine Wangen verfärben sich von Tomatenrot über Paprikarot bis hin zu Kirschrot. Die anderen Kinder kichern. Seine Wangen blinken noch mehr: An. Aus. An. Aus. Tom wird immer stiller. Sein Feind Paul dafür umso lauter. Die Ich-Erzählerin möchte, dass Paul aufhört. Denn eigentlich ist Tom ganz nett. Aber sie hat Angst. Sie traut sich nicht. Wird sie all ihren Mut zusammen nehmen und sich für Tom einsetzen? Oder muss Tom sich alleine behaupten? Und wie reagiert die Lehrerin auf das Mobbing?
Das Rotwerden ist ein äußerst sensibles Thema. Manche Kinder und auch Erwachsene werden schnell rot. Sei es ein peinliches Ereignis oder eine freudige Erregung, schon wechselt die Gesichtsfarbe und nimmt einen Rotton an. Es ist jedoch nichts wofür man sich schämen sollte. Es kann sogar ganz liebenswürdig und reizend erscheinen. Das sollte Kindern ganz früh vermittelt werden.

Das Rotwerden kann bei Kindern aber auch  als Angriffsfläche genutzt werden. In diesem Bilderbuch schildert der Autor De Kinder wie ein Junge aufgrund seiner Röte verspottet wird. Die Angriffe gehen soweit, dass man sogar von Mobbing sprechen kann. Paul schubst und macht sich über Tom lustig. Tom beißt sich auf die Lippen, schweigt und sagt nichts.

Es ist ein äußerst rührendes Bilderbuch. Gedeckte Farben dominieren, lediglich das Rot leuchtet durchgehend. Pauls scharfe Zunge wird mit einem Messer verglichen und als Sinnbild erscheint ein rot-leuchtender Wolf mit scharfen Zähnen. Der Leser spürt die ausgehende Bedrohung hautnah. Tom wird dafür immer kleiner und kleiner dargestellt. Es braucht Mut, um sich gegen diese Ungerechtigkeit zu stellen. Und es ist schön zu sehen, dass manche diese Portion Mut aufbringen können und sich für Schwächere einsetzen. Kinder, die sich in der Gemeinschaft wohl und sicher fühlen, die Anerkennung erfahren, werden zu selbstbewussten Individuen. Daran knüpft dieses lehrreiche Bilderbuch an und zeigt wie wichtig gegenseitige Hilfe und ein fairer Umgang miteinander ist.

Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die subtile Anspielung auf Pauls veränderte Stellung in der Gemeinschaft. Paul wechselt schlussendlich auch die Gesichtsfarbe:
Er wird ganz grün.
Grün, das ist auch eine Farbe.
Der Verlag stellt in Kürze für Lehrpersonen ein Download mit Begleitmaterialien bereit, passend zum Buch rund um das Thema Mobbing.
Tomatenrot oder Mobben macht traurig

Material

Innerhalb von Gruppen gelten bestimmte Normen, die angeben, ob jemand dazugehört oder ausgegrenzt wird. Das dient der Sicherung der Gruppenidentität. Kinder, die nicht akzeptiert werden, werden im schlimmsten Fall mutwillig geärgert oder aktiv gemobbt. Durch dieses Arbeitsblatt sollen Kinder ein ärgerndes Verhalten erkennen und über Möglichkeiten nachdenken, für sich selbst und für andere einzutreten. Sehr gerne dürfen die Spielszenen in der Kleingruppe auch nachgespielt werden.

Für sich und für andere eintreten

zum Download bitte auf das Bild klicken

Ein Bilderbuch über Mobbing, Angst, Gemeinschaft, gegenseitige Untersützung und Vertrauen.

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