Angelika Diem – Wir vom Jahrgang 1968: Kindheit und Jugend in Österreich

Ein im Wartberg Verlag veröffentlichtes Buch, welches sich hervorragend als Geschenkbuch macht, thematisiert die Kindheit und Jugend der 68er. In diesem Geburtsjahr ging es nämlich in Österreich hoch her. Die Kinder tobten noch in der Natur und verbrachten ihre Tage im Wald, Feld oder Garten. Als Windeln mussten quadratische Baumwolltücher herhalten. Im Fernseher liefen Biene Maja, die Sesamstraße und die Muppet Show. Der erste erfolgreiche Heimcomputer fand langsam Einzug in die Wohnzimmer und der Walkman mit den Hörspielkasetten immer mehr Begeisterte und Nutzer. Dauerwellen und Punkfrisuren waren hoch Trend und symbolisierten die Revolution der Teenies.

In fünf Kapiteln werden die Jahre von 1968 bis 1986 und die damaligen Geschehnisse und Entwicklungen rückblickend betrachtet und anhand von vielen Fotografien verbildlicht. Es macht Spaß die schicken Kurzmäntel der Mütter und die altmodischen und heute ja schon fast kultigen Kinderwagen in Erinnerung zu rufen. Die Männer in Schlaghosen und von Elvis Presley inspirierten Frisuren entlocken einem beim Betrachten ein Schmunzeln. Das Schwelgen in vergangenen Erinnerungen bereitet viel Vergnügen und man wünscht sich dieses Buch hätte doch ein paar zusätzliche Seiten.

Diese Buchreihe gibt es ebenso für Deutschland (für die Jahrgänge 1922 bis 1989) und die ehemalige DDR (für die Jahrgänge 1935 bis 1979). Ein tolles Geschenkbuch!

Ein schöner Blick zurück in die Kindheit und Jugend der 68er und die damalige Zeit prägenden Ereignisse.

 

Wir vom Jahrgang 1968 – Kindheit und Jugend in Österreich

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Die Shutter Sisters – Fotografiere was du fühlst

Ein Porträt ist nicht einfach nur ein Bild, sondern ein dynamisches Zusammenspiel zwischen Fotograf und Modell. Auf dem Foto mag zwar nur die abgebildete Person zu sehen sein, doch ein gelungenes Bild reflektiert sowohl das Talent und das Können des Fotografen als auch seine Beziehung zum Modell (S. 30).

Ein einziger Klick – geplant oder nicht – macht einen Augenblick zu einer immer wiederkehrenden Erinnerung an das Vergangene (S.7).

Die Shutter Sisters sind zehn Frauen, die alle mit Leidenschaft fotografieren und auf der Internetplattform www.shuttersisters.com  ihre Bilder mit der breiten Öffentlichkeit teilen. Dieses Buch, so die Sutter Sisters, will dazu einladen, sich in Bilder zu vertiefen, interessante Geschichten zu erfahren und mehr über das Wie und Warum der emotionalen Fotografie zu lernen.

In zehn thematisch gegliederten Kapiteln stellt je eine Shutter Sister ihre Fotografien dar und erkärt in kurzen Texten den Kontext des Schnappschusses, die Bedeutsamkeit des Winkels, der Farben oder auch einfach nur die Wahl des passenden Hintergrunds. Das Buch ist in folgende Kapitel aufgeteilt: Horizonte, Porträts, Natur, Räume, Kindheit, Stille, Dokumentation, Tiere, Tafeln, Zusammengehörigkeit. Jedes Kapitel wird nach den Schritten: Annährung, Blickwinkel, Komposition, Licht, Details und Bearbeitung analysiert. Im Glossar werden die wichtigsten Begrifflichkeiten wie Blende, ISO-Wert, Schärfentiefe etc. verständlich erläutert.

Die Fotografie, das Festhalten eines bestimmten Moments für die Ewigkeit, ist für mich immer noch wie ein Wunder. Ich bin jedes Mal erstaunt, dass man Augenblicke des Lebens auf diese Weise auffangen kann. Und da man als Fotograf in einer ganz anderen Emotion steckt und wie im Zitat oben so schön hervorgehoben zum „Modell“ auch eine ganz besondere Beziehung hat,  als es ein Außenstehender wahrzunehmen vermag, sind Bilder etwas Persönliches und geben immer etwas vom Fotografen, auch wenn er hinter der Kamera bleibt, preis. Mit jedem Bild beleuchtet man, was für einen selbst von Bedeutung ist. Diesen Fokus hat sich dieses Buch zu eigen gemacht und präsentiert äußerst utnerschiedliche Bilder, die die Betrachter inspirieren sollen die Kamera wie ein Maler ein Pinsel zu betrachten und damit farbenfrohe und emotionale Bilder zu erschaffen.

Die Shutter Sisters blenden jedoch die Technik des Fotografierens komplett aus. Dieses Gebiet ist so breitgefächert und eine Wissenschaft für sich, unabhängig vom Bildgegenstand. Nichtsdestotrotz hätte ich mir bei allen Bildern die Angabe vom ISO-Wert, Belichtung, Blende und Brennweite gewünscht. Bei einigen wenigen sind diese Werte vorhanden, doch die Neugierde war bei einigen Bildern doch vorhanden und diese Ergänzung für mich persönlich wünschenswert gewesen.

Mich persönlich haben insbesondere die Kapitel Zusammengehörigkeit von Jen Lemen und Kindheit von Maile Wilson beeindruckt. Es sind Fotografien in denen man sich verlieren möchte. Sie stellen das Leben so ungezwungen, frei, alltäglich und doch inspirierend dar, dass man oft das Gefühl hat, mitten im Raum bei der kleinen Familie oder auf der Couch beim Feiern und Essen zu sein. Einige Ideen und Blickwinkel möchte man sofort übernehmen und behält sie daher für den richtigen Augenblick im Hinterkopf. Denn bekanntlich verbindet man gestellte und künstlich konstruierte Situationen mit dem jeweiligen Foto und so bleibt das beim Betrachten des Fotos auch immer als fahler Beigeschmack erhalten. Echte Emotionen im richtigen Moment einzufangen ist eine Kunst und diese zu entwickeln braucht Zeit, Hingabe, Übung, Beharrlichkeit und Leidenschaft.

Inspirierende Fotografien, die die Emotionalität in den Vordergrund stellen und Bilder als Dokumente von Ereignissen betrachten.

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François Lelord – Die kleine Souvenirverkäuferin

Julien ist ein junger Arzt aus Paris, der in Vietnam arbeitet und die Kultur und das Leben lieben lernt, als ein tödliches Virus  ausbricht. An seinem Lieblingsort am See trifft er immer wieder eine Souvenirverkäuferin, der er hin und wieder etwas abkauft und vor allem ihre Gesellschaft zu genießen scheint. Doch da ist auch noch seine britische Kollegin Clea, die seine Aufmerksamkeit auf sich zieht und mit ihm schließlich in die Bergregionen aufbricht, um dem unbekannten Virus auf die Spur zu kommen. Kaum ist Julien fort, wird die kleine Souvenirverkäuferin verhaftet, da die Behörden  den Kontakt von Einheimischen zu Ausländern nicht gern sehen. Wird Julien sie wiederfinden?

Als Fan von den Hector-Büchern war ich auf diesen Roman von François Lelord  sehr gespannt. Schließlich sind es diese kleinen ausgeklügelten Weisheiten über das Leben, die seinen Schreibstil prägen und die Bücher zu millionenfachen Kassenschlagern machen.
Ich habe diesen Roman auf Seite 143 abgebrochen. Dabei geschieht es bei mir äußerst selten, dass ich Bücher nicht zu Ende lese. Ich habe zu Julien keinen Zugang finden können. Die Beschreibung der Geschichte Vietnams, des Bürgerkriegs, der Mentalität der Menschen haben einen sehr großen Rahmen eingenommen, sodass leider vergessen wurde auf die Charaktere an sich einzugehen. Der Titel des Buches wirkt auf mich bis heute nicht treffend für diese Geschichte. Denn zumindest bis zur Seite 143 spielt die kleine Souvenirverkäuferin eine so kleine Nebenrolle, dass es des Titels nicht würdig ist. Die zarte Blüte der aufblühenden Liebe zwischen Julien und Minh Thu wurde leider von den exzessiven Beschreibungen der französischen Kolonialmacht, Kommunismus und der Unterdrückung des Landes bereits im Keim erstickt.

„Wann weiß man eigentlich, dass es die Frau des Lebens ist?“, hatte er einen frisch verheirateten älteren Freund einmal gefragt. „Wenn sie einen verlässt“, hatte der mit traurigem Lächeln geantwortet. (…) Im Laufe der Jahre begegne man mehreren Frauen, die zur Frau des Lebens werden könnten. Irgendwann entscheidet man sich einfach für eine und hört mit dem Suchen auf.

Zu viel Vietnam, zu wenig Fokussierung auf die Charaktere und somit fehlende Identifikation mit den Figuren.

 

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Sibylle Hoffmann und Rolf Arvi Vogt – Ach, Ottoto …

Ottoto ist anders. Er macht alles verkehrt und bringt damit alle zum Seufzen: „Ach, Ottoto …“. Bei heißen Temperaturen zieht er sich eine Wollmütze über den Kopf und schlendert mit einem Schlitten an im Wasser planschenden Kindern vorbei. Er schläft im Anorak und in Gummistiefeln und stolziert mit Stöckelschuhen in den Kindergarten. Als die Erzieherin mit ihm wieder einmal schimpft, brechen bei Ottoto alle Bahnen und er weint einen Tränensee. Wie gut, dass Maren so gerne mit Booten spielt …

 

In diesem Bilderbuch geht es um Andersartigkeit, Ausgrenzung und Freundschaft. Die Autorin schöpft die emotionale Dramatik voll aus und stellt Ottoto in sehr unterhaltsamen Situationen dar, bis die Enttäuschung seitens des Protagonisten in Frust und Verzweiflung gipfelt. Dazu verleiht Hoffmann Ottoto in ihrer einfühlsamen Geschichte eine kindliche und doch lakonische Stimmung. Als Leser hat man den kleinen Jungen mit seinen Teetassenaugen sehr schnell ins Herz geschlossen und kann die Trauer und die Enttäuschung beinahe hautnah spüren. Dabei verstärken sich Bild und Text gegenseitig, wobei die Illustrationen dem Betrachter dank der Weißflächen viel Freiraum lassen, sodass Ottotos Einsamkeit noch deutlicher in den Vordergrund rückt. Die zunehmende Isoliertheit wird von einem kleinen Mädchen mit viel Einfühlungsvermögen schließlich aufgehoben. Dabei ist besonders die Art der Kontaktaufnahme hervorzuheben, denn sie tröstet Ottoto nicht, sondern bittet ihn weiter zu weinen, damit sie gemeinsam auf seinem Tränensee mit dem Boot spielen können. Auch der Vergleich des Zustandes seiner Haare mit seiner inneren Gefühlswelt ist sehr erheiternd und setzt das i-Tüpfelchen oben drauf.

Ein tolles Plädoyer für mehr Anerkennung unterschiedlicher Individuen.

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Sibylle Hoffmann und Chiara Fedele – Paul und Lobbie

Pauls Lieblingskuscheltier ist ein Seehund mit schwarzen Knopfaugen. Er heißt Lobbie und ist immer in Pauls Nähe, egal ob am Frühstückstisch oder im Sandkasten. Lobbie muss überall hin, wo auch Paul hingeht. In einer Weihnachtsnacht bringt der Weihnachtsmann Paul ganz viele Geschenke, doch am liebsten hat er weiterhin seinen Lobbie. Als er an diesem Abend ins Bett geht, ist Lobbie nicht da. Verzweifelt versuchen alle das Kuscheltier zu finden und begeben sich sogar in den Schnee. Doch werden sie den weißen Seehund im Schnee überhaupt finden können?

Viele Kinder haben eine besonders innige Bindung zu ihrem Kuscheltier. Obwohl das Kuscheltier kein lebendiges Wesen ist, wird er in der phantasievollen Vorstellungswelt des Kindes durchaus lebendig. Das Kuscheltier fungiert als Beschützer, Freund, Trostspender oder Spielgefährte des Kindes. Bei Verlust des wertvollen Begleiters, kann es daher zur Frustration kommen, was dieses Bilderbuch sehr schön darstellt.

Die Illustrationen sind durchgehend großflächig und farbig abgebildet. Der Wechsel von der Frosch- in die Vogelperspektive spiegelt Pauls eigene Welt und persönliche Gefühlslage wunderbar wieder. Auch die Schriftwahl empfand ich als passend und sehr erfrischend. Der kleine Protagonist Paul wurde jedoch von den jungen Betrachtern, vor allem auf dem Titelbild, als unsympathisch empfunden. Womöglich sind es die etwas unförmigen Augen, die diesen Eindruck vermittelt haben. Die Titelseite hätte durchaus etwas spannender und lebendiger gestaltet werden können, denn das Buch an sich bietet viel mehr geeignetere Motive.

Es hat die Kinder ebenfalls stutzig gemacht, wie denn Lobbie „da“ vergessen werden konnte, wenn Paul ihn doch am Abend zuvor in seinem Bett hatte. Hier wurden natürlich Überlegungen und Vorschläge gesammelt, sodass man sich auf eine für alle zufriedenstellende Lösung einigen konnte. 🙂

Ein wichtiges Thema, mit dem sich viele Kinder identifizieren können: Ein Kuscheltier als Freund und Begleiter.

 

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Jane Chapman und Tim Warnes – Das große Buch vom Mutigsein

In diesem Sammelband sind drei kurze Geschichten zum Thema Angst und Mutigsein zusammengefasst. In der Geschichte „W-w-wer hat schon Angst im Dunkeln?“ entdeckt der Frosch im Schatten des Teichs einen furchterregenden Monster und bittet seine Freunde doch bitte nachzuschauen. Mit jedem neuen Ankömmling verändert sich das Monster und wird noch angsteinflößender in seiner Gestalt. Erst als das Laternenlicht ausfällt, kommt die Erkenntnis und sorgt für mächtig Gelächter.

In „Wir sind der Schrecken aller Monster!“ hört Ente unter ihrem Bett seltsame Geräusche und bittet ihren Nachbarn Schweinchen um Hilfe. Dieser fühlt sich für den Kampf mit dem Monster nicht gut genug gewappnet und holt noch mehr Freunde. Mit jeder Weitergabe der Beschreibung des Monsters, werden Einzelheiten hinzugedichtet und die Angst wächst stetig, bis schließlich die Erkenntnis folgt: „Man kann aus einer Mücke auch einen Elefanten machen“.

Die gleiche Moral wird auch in der dritten Geschichte „Fünf Angstbären und ein unheimlicher Gast“ verfolgt und die Einbildung von furchtbaren Monstern thematisiert.

Angsthaben und Mutigsein sind bedeutsame Eigenschaften im Leben der Kinder, die im weiteren Heranwachsen ausgebaut werden. Diese Geschichten verdeutlichen, dass man sich Angst auch oft einbildet und es an der Einstellung liegt, wie mit etwas Angsteinjagendem umgegangen werden kann.

Besonderen Anklang fand bei den Kindern die erste Geschichte. Sie haben sich über den sich stetig verändernden Schatten halb totgelacht und konnten sich kaum einkriegen. Die Illustrationen haben ihren Teil dazu beigetragen und die Tiere im Schatten sehr schön wiedergespiegelt.

Die anderen nachfolgenden Geschichten haben sich thematisch zu sehr geähnelt und daher an Anziehungskraft eingebüßt. Außerdem war es für die Kinder zu vorhersagbar und daher wenig spannend.

Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis für ein Band mit drei Geschichten zum Thema Angst und Mutigsein.


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Shaun Tan – Der rote Baum

Manchmal beginnt der Tag ohne Aussicht auf etwas Schönes

Das kleine Mädchen mit den rötlichen Haaren erwacht in ihrem Zimmer und sieht wie es sich immer weiter mit schwarzen Blättern füllt. Sie begibt sich in die Stadt und schleppt sich mit einem hängenden Kopf von einem dunklen und traurigen Ungeheuer bzw. Ort zum nächsten. Jeder ist so mit sich selbst beschäftigt, dass die Protagonistin die Welt als eine „taube Maschine“ bezeichnet. Sie wird mit einer Flut an Problemen mitgerissen, die alle auf einmal auf sie einprasseln. In dieser Situation hat man kein Auge mehr für das Schöne um einen herum und beginnt an sich selbst zu zweifeln. Als das Mädchen in ihr Zimmer zurückkehrt, erblickt sie jedoch Hoffnung und es strömt wieder etwas mehr Licht hinein.

Shaun Tan hat ein poetisches Werk zum Thema Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Depression und Burnout geschaffen. Das kleine Mädchen, ohne ein wirklich wahrnehmbares Gesicht, kann für jeden von uns stehen. Ihre Augen sind meist geschlossen und das Gesicht dem Boden entgegen gerichtet. Ihre Traurigkeit lässt sich an ihrer ganzen Körperhaltung ablesen. Die Verbildlichung der inneren Leere einer ausweglosen Situation ist künstlerisch auf höchstem Niveau eingefangen. Wir entdecken das Mädchen mit einer bleiernen Tauchermaske am Meeresgrund, eingeschlossen in einer Flasche. Die Welt wird als ein verrostetes Metallmonster dargestellt, verschachtelt, zertrümmert, ausweglos. Jedes Bild für sich, ist ein wahres Kunstwerk und besonders die vorletzte Illustration hat mich beim ersten Durchblättern für sich eingenommen und vollkommen fasziniert.

Doch in all diesen sorgenvollen, dunklen und beklemmenden Darstellungen wird das Mädchen stets von einem roten Blatt begleitet. Es schwirrt immer irgendwo im Bild umher und setzt unter den grauen und trostlosen Farben seinen Akzent eines Hoffnungsschimmers. Die Inszenierung des behutsamen Spiels von Licht und Schatten und dem damit verbundenen hoffnungsvollen Endes, ist mehr als beeindruckend.

Dieses melancholische Bilderbuch bedarf bei Kindern eine behutsame Herangehensweise und soll insbesondere darauf fokussieren, dass „auf jeden Regen Sonnenschein folgt“. Dunkle Augenblicke gehören zum Lebens ebenso dazu, wie die Hoffnung, die uns erlöst. Künstlerisch interessierende Erwachsene werden eine besondere Freude mit diesem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichneten Bilderbuch haben.

Melancholisch, poetisch, philosophisch, einfach meisterhaft!

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Isabel Pin – Wenn ich ein Löwe wäre

„Wenn ich ein … wäre, würde ich …“

Mit diesem Anfangssatz macht Isabel Pin insgesamt neun unterschiedliche Tiere zum Gegenstand des Buches. Auf einer Doppelseite wird jeweils ein Tier präsentiert, dem ein Gesicht fehlt. Hier kommen die Kinder ins Spiel und dürfen sich bereits im szenischen Spiel üben. Sie brüllen wie ein Löwe, zwitschern wie kleine Vögel und grunzen wie ein Schwein. Die Verstellung der Stimme ist mehr als erwünscht und auch der Einsatz der passenden Mimik wird bereits erprobt. Die sehr praktischen seitlichen Griffe und die stabilen Seiten erleichtern den Kindern den Umgang mit diesem Buch zum Anfassen. Die Farben sind sorgfältig gewählt worden und harmonisieren mit den jeweiligen Tieren sehr gut.

Was bietet sich hier mehr an, als Kinder eigene Rahmen aus Pappe basteln zu lassen, um ihr Lieblingstier inklusive des für ihn typischen Geräusches dem Klassenverband vorzustellen? Und wem kein Tier einfällt, darf sich gerne, wie auch im Buch auf der letzten Seite vorgeschlagen, in das andere Geschlecht hineinversetzen. Passend dazu könnte man bereits die Zeitform Konjunktiv lerngruppengerecht thematisieren.

Eine imponierende Idee zur Anbahnung der Fertigkeit „Sprechen vor anderen“!

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Rafik Schami – Fatima und der Traumdieb

Nach der Erkrankung seiner Mutter und der damit verbundenen Armut, begibt sich Hassan auf die Suche nach einer Arbeit. Bei einem Schlossherren wird er fündig, jedoch wird Hassan erst seinen Lohn erhalten, wenn er sich innerhalb einer Woche auf keinen Fall ärgert. Der Schlossherr tut sein Bestes, um Hassan auf jede erdenkliche Art und Weise zu demütigen. Und irgendwann reißt bei Hassan tatsächlich der Geduldsfaden und so muss er nach einer Woche mühvoller Arbeit ohne ein einziges Goldstück und ohne seine Träume zurück nach Hause kehren. Als seine Schwester Fatima diese Geschichte hört, macht sie sich auf den Weg zum Schlossherren, überzeugt davon dass sie sich von ihm nicht verärgern lässt und Hassans Träume zurückholen kann…

Rafik Schami präsentiert uns ein Märchen aus dem Orient und zeigt wie viel Tiefe in einem Bilderbuch schon bereits für sehr junge Kinder stecken kann. In sehr reduzierten Bildern wird die hoffnungslose Situation der Witwe dargestellt und damit verbunden die Armut im Leben der Kinder. Das Problem der Kinderarbeit wird so in den Vordergrund gerückt und aufgezeigt, welche Schwierigkeiten und Herausforderungen damit verknüpft sind.

Besonders die damit verbundene Bedeutsamkeit der Träume sticht eindeutig hervor. Vielen Kindern werden schon sehr früh ihre Träume gestohlen, die Hoffnung etwas im Leben zu leisten und das Vertrauen auf eine bessere Zukunft. Wer diese Träume stiehlt, ist somit nicht einfach nur ein Dieb, sondern ein Verbrecher.

Auf den letzten Seiten im Buch wird auf die Rechte der Kinder eingegangen und die Tragweite des Aufwachsens in Frieden erläutert. Die Erklärungen sind in einfacher, an die Kinder gerichteter Sprache gehalten und stellen die UNO-Kinderrechtskonventionen vor. Denn schließlich wird mit dem Kauf dieses Buches auch die Arbeit von UNICEF mit 1,50 Euro unterstützt.

Ein beeindruckender Appell, die Kinderrechte zu wahren und den Kindern ihre Kindheit und Träume lassen!

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Maria Bogade – Schlafplatz gesucht!

Paul und Bruno sind die besten Freunde. Sie teilen wirklich alles miteinander, nur nicht Pauls Bett. Denn da passt Bruno leider nicht hinein. Und so bleibt Paul nachts nichts anderes übrig, als gemeinsam mit Bruno auf dem Boden zu schlafen. Das findet jedoch Pauls Mutter nicht so toll. Daher muss ein Plan her und so begeben sich die beiden gemeinsam auf die Suche nach einem passenden Schlafplatz …

Das Vorlesen von Gute-Nacht-Geschichten als abendliches Ritual vor dem Schlafengehen, ist für Kinder sehr wichtig,  da es den Übergang von einem lebhaften und ereignisreichen Tag zu einer erholsamen und ruhigen Nacht erleichtert. „Schlafplatz gesucht“ thematisiert das Zubettgehen und stellt die Freundschaft in den Vordergrund. Die Illustrationen von Maria Bogade haben etwas Behagliches, Wohliges und Beruhigendes. Vielleicht sind es die gedeckten Farben oder die sehr runden und wohlproportionierten Zeichnungen, die eine gewisse Wärme und Ruhe ausstrahlen.

Viele Kinder haben gewöhnlich Lieblingskuscheltiere, die natürlich mit ins Bett müssen. Dadurch ist die Korrelation zur Erfahrungswelt der Kinder sehr evident und die Identifikation mit den Figuren stark. Die beiden Freunde erleben auf ihrer Suche nach einem geeigneten Schlafplatz so einige Abenteuer und kehren gemeinsam mit einem mehr als zufriedenstellenden Ergebnis in ihr Zimmer zurück und können so in aller Ruhe in die Traumwelt eintauchen. Bild und Text verstärken sich gegenseitig und lassen den Zuhörer und Betrachter allmählich zur Ruhe kommen und tatsächlich gemeinsam mit den Charakteren müde werden.

Eine gediegene Gute-Nacht-Geschichte, die die Kinder wohlig in die Traumwelt eintauchen lässt.

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