Christa Kempter und Günther Jakobs – Clara, der Mond und das neue Zuhause

Clara, der Mond und das neue Zuhause

Nein, Clara will nicht umziehen. Sie möchte nicht weg sein von ihrer Kuschelecke im Flur, nicht von ihrem Kindergarten, nicht von ihren Freunden Lisa und Jan und auch nicht von Nachbars Kaninchen. Nein. Kein bisschen.

Diese Lebensveränderung beschäftigt und bewegt Clara sehr. Sie erkundigt sich bei ihrem Opa und ihren Freunden, ob sie denn auch traurig wären, wenn sie wegziehe? Sie bejahen, doch keiner möchte mitkommen. Alle hält irgendjemand oder -etwas an ihrem Wohnort. Das versteht Clara.

Bald wird gepackt. Und ein kleines bisschen will Clara nun doch umziehen. Im neuen Haus ist schließlich alles anders. Es riecht anders, auch die Geräusche rund um das Haus haben sich verändert. Nur einer ist mitgekommen und leistet Clara weiterhin Gesellschaft …

Dieses Bilderbuch ist neben 999 Froschgeschwister ziehen um das beste im Themenbereich „Umzug“, das es momentan auf dem Bilderbuchmarkt gibt. Christa Kempter ist es gelungen die schwankende Gefühlswelt, die durch diese bevorstehende Veränderung in Claras Leben hervorgerufen wird, sehr sensibel, liebevoll und einfühlsam zu schildern. Claras Unsicherheiten und Ängsten bekommen viel Aufmerksamkeit und so wird deutlich, dass Kindern viel Raum und Zeit zum Verarbeiten gelassen werden muss. Dabei helfen besonders Gespräche mit allen Beteiligten und aber auch das „Abschiednehmen“.

Sehr rührend ist die Szene von Clara in ihrem Bett in der letzten Nacht vor dem Umzug. Sehr aufmerksam lauscht sie ihren gewohnten Geräuschen in der Umgebung und beschreibt diese ausführlich. Dies ist auch eine Art des Verarbeitens – die Umgebung bewusst wahrnehmen.

Pädagogisch sehr wertvoll ist der Ausgang der Geschichte. Trotz der neuen und ungewohnten Akustik im Schlafzimmer, findet Clara einen ständigen Begleiter, der ihr Halt und Zuversicht schenkt. Und schon muss sie feststellen: „Es ist fast wie immer.“

Clara, der Mond und das neue Zuhause
weiterarbeit

Diese Geschichte eignet sich hervorragend für eine Klasse, die ein Kind aufgrund eines Umzugs verabschiedet. Über ein Gespräch im Erzählkreis gelingt ein schöner Einstieg in die Thematik, indem Kinder die Gelegenheit bekommen zu erzählen, wer schon einmal umgezogen ist und wie das war.

Die Fischervelage stellen zu diesem Bilderbuch ein Bilderbuchkino zum Download bereit. Nach der Gesprächsrunde kann dieses Bilderbuch dazu dienen, dem Kind Mut zu machen und seine Unsicherheiten zu nehmen. Als Hausaufgabe wäre es denkbar, die SuS ihre Eltern, Freunde oder Verwandte interviewen zu lassen, um die kuriosesten Umzugsepisoden aufzuschreiben.

Ein äußerst einfühlsames Bilderbuch, das allen Kindern Mut macht, die Angst vor Veränderungen haben.

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Cruschiform und Barbara Heller – Schneller?!

Schneller?!

In diesem Bilderbuch dreht sich alles um Geschwindigkeit, dem Verhältnis von Weg und Zeit.  Von 0,3 km/h bis zu sagenhaften +100 000 km/h werden auf einer Doppelseite Tiere, Fahrzeuge, Naturphänomene – eigentlich alles was in Bewegung gebracht werden kann, präsentiert. Hätten Sie gewusst, dass ein Seepferdchen genauso „schnell“ wie eine Galápagos-Schildkröte ist? Das Seepferdchen gehört zu den langsamsten Tieren der Erde, da ist die Riesenschildkröte mit mehr als 370 m/h ihr eine Nasenlänge voraus. Wer schafft es auf 200 km/h?Ein Mauersegler oder ein Hubschrauber? Nun die richtige Antwort ist: beide.Dieses Kindersachbuch beeindruckt durch einen einfachen und übersichtlichen Aufbau. Auf der linken Seite wird stets die Geschwindigkeit und ihr gegenüber alles, was in dieser Zeit den gleichen Weg zurück legen kann, verbildlicht. Die Zeichnungen leuchten in strahlenden Kontrastfarben. Sehr dominant sind die Farbnuancen Blau, Orange und Gelb. Erfreulicherweise wurde ein Glossar angehängt, in dem zu den einzelnen Tieren und Fahrzeugen eine kurze Erläuterung mit interessanten Informationen zu finden ist. Hier erfahren wir, wann das erste Fahrrad erfunden wurde und dass es „Veloziped“ hieß oder welche Funktion die beiden Höcker eines Kamels haben.

„Schneller?!“ bringt den Betrachter zum Staunen. Besonders der Vergleich von Technischem mit Natürlichem ist phänomenal und schon fast angsteinflößend. Die letzte Seite ist dann doch einem Naturphänomen gewidmet, sodass die technischen Errungenschaften an die Wunder der Natur (noch) nicht herankommen.

Schneller?!
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Durch die nun neu geweckte Neugier nach der Geschwindigkeit, wäre es denkbar ein gemeinsames Kunstbuch nach dem Schema von „Schneller?!“ zu entwickeln. In kleinen Gruppen können Kinder recherchieren und eine Seite zu einer bestimmten km/h-Zahl entwickeln. Welche Tiere oder Fahrzeuge kriechen, fliegen, rennen oder fahren genauso schnell? Die dazu passenden Motive können selbst gemalt oder ausgedruckt und aufgeklebt werden.

Dieses Bilderbuch weckt das kindliche Interesse weiter zu forschen und trumpft mit außergewöhnlichen und verblüffenden Geschwindigkeitsvergleichen auf.

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Chris Wormell – Wo ist der Ball, kleiner Bär?

Wo ist der Ball, kleiner Bär?

Dem kleinen Bär fliegt ein roter Ball zu. Nach einigen Kicks beim Fußballspiel, landet der Ball hoch oben auf der Baumkrone. Bald kommen auch schon die eigentlichen Besitzer des roten Balls, die Kaninchen. Der kleine Bär schlägt vor den Ball gleich wieder herunter zu holen, schließlich war es sein Verschulden und außerdem ist er ein ausgezeichneter Bäume-Kletterer. Doch eigentlich hat er Höhenangst und wer hätte schon gedacht, was sich so alles im Geäst herumtreibt?!
Die Illustrationen des britischen Kinderbuchautors Chris Wormell sind schon fast klassisch – ruhige Motive, mit wenig Schnörkel. Die Abenteuergeschichte ist gediegen und fokussiert auf die Thematik „Mut“. Der kleine Bär überwindet seine Angst und traut sich nach ganz oben. Dabei kommen immer wieder Hindernisse auf ihn zu, die er ganz vorbildlich meistert. Die überraschende Wendung zum Schluss passt zu dieser kurzweiligen Geschichte sehr gut. Kleine Kletterer werden dieses Buch schnell ins Herz schließen, das so ganz ohne übermäßig viel Trubel und Ereignisjagd auskommt.
Aufgrund der großen Schrift ist dieses Bilderbuch auch gut für Erstleser geeignet.
Wo ist der Ball, kleiner Bär?
Ein Bilderbuch über die Überwindung von Hindernissen und den Mut sich etwas zuzutrauen.

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Ann Bonwill und Simon Rickerty – Ich bin doch keine Erbse

Ich bin doch keine Erbse

Das Flusspferd Hugo und der Vogel Bella sind die allerbesten Freunde. Gemeinsam planen sie ihre Kostüme für einen Märchenkostümball. Hugo schlägt vor sich als Prinzessin zu verkleiden und Bella soll dementsprechend als Erbse zum Ball gehen. Mit diesem Vorschlag ist Bella jedoch ganz und gar nicht einverstanden, schließlich ist eine Erbse klein und rund. Viel lieber würde Bella als Meerjungfrau gehen und Hugo soll dafür ihr schöner Felsen sein. Hugo findet, dass Felsen grau und plump sind, was seinen Ärger noch weiter steigert. Nach einigen weiteren unzufriedenstellenden Vorschlägen, eskaliert die Kostümsuche in einem Streit.

Außerdem will ich gar nicht mehr mit dir auf den Ball gehen.
Na wenn das so ist, dann will ich auch nicht mehr.

Werden die beiden Freunde sich doch noch einigen können und es rechtzeitig zum Märchenkostümball schaffen?

Die Ausgangssituation ist so realitätsnah der kindlichen Lebenswelt entnommen, dass man schon zu Beginn schmunzeln muss. Zur Freundschaft gehört eben auch sich behaupten zu können und natürlich Kompromisse zu schließen. Dies ist ein humorvolles Bilderbuch rund um Bestimmer, Konkurrenten und wahre Freunde.

Die sehr bunten und reduzierten Illustrationen von Simon Rickerty fokussieren auf die Gefühle und die Verkleidungen der beiden Protagonisten. Die Dialoge unterscheiden sich in eigens für die Tiere entworfenen Schriften und lassen sich schnell den jeweiligen Figuren zuordnen. Man kann den Streit mit all den typisch kindischen Formulierungen regelrecht hören. Die Unzufriedenheit, der Trotz und die Ärgernis springen den Leser buchstäblich an. Ja, genauso läuft es unter Kindern ab.

Pädagogisch wertvoll ist auch der vorgeschlagene Kompromiss. Vor dem Vorlesen der eigentlichen Lösung, müsste man mit den Kindern unbedingt ins Gespräch kommen und die Kinder auch selbst beschreiben lassen, wie die beiden Freunde sich wohl fühlen. Natürlich wäre es sicherlich auch spannend von den Kindern zu erfahren, wie sie sich die Lösung des Streits vorstellen.

Dieses Thema ist nicht nur unter Freunden, sondern auch später in der Grundschule, wenn Kinder mit einem Partner oder in der Gruppe etwas erarbeiten sollen, sehr bedeutsam. Die Bedürfnisse der anderen Mitschüler berücksichtigen und sich einigen können ist ein langwieriger Prozess und eine nicht zu unterschätzende Kunst.

Ich bin doch keine Erbse

Eine humorvolle Geschichte rund um die Fähigkeit auf seine Mitmenschen einzugehen und vielleicht auch selbst einmal zurückstecken zu können.

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Tanja Jeschke und Ulrike Möltgen – Die Weihnachtsgeschichte

Die Weihnachtsgeschichte

Das Erscheinen von Engel Gabriel wird von einem Walderdbeerenduft angekündigt. Gott liebte seine Menschen sehr und entschied seinen Sohn auf die Erde zu schicken. Maria wurde auserwählt, um Gottes Sohn zu gebären. Kurz bevor der Kleine das Licht der Welt erblicken sollte, rief Kaiser Augustus zu einer Volkszählung auf. Während Josef und Maria nach einer Unterkunft suchten, tauchte ein großer, neuer Stern am Himmel auf und leitete die drei Weisen „zum mächtigsten König der Welt“. In einer kalten und dunklen Nacht wurde schließlich Jesus geboren.

Jesus sah aus wie ein Mensch, schrie wie ein Mensch und Maria wickelte ihn in ganz normale Windeln.

Auch die Hirten kamen herbei, um den Retter, das Geschenk Gottes, zu sehen. Die drei Weisen besuchten den König Herodes und erzählten ihm von dem neugeborenen König. Doch Herodes war ein schlechter Mensch und schmiedete böse Pläne. Daraufhin schickte Gott Josef die Warnung nicht zurück nach Nazareth zu gehen, sondern Zuflucht in Ägypten zu suchen.

Diese Weihnachtsgeschichte versprüht den Charme einer in ein modernes Licht getauchten Bibelgeschichte. Dieser Eindruck wird nicht zuletzt durch die collageähnlichen Illustrationen von Ulrike Möltgen verstärkt. Wir erleben Maria stets in ein goldenes Licht gehüllt. Zarte Goldstreifen umhüllen auch das Neugeborene und verleihen somit auch ihm den Status des Auserwählten. Die Gestaltung der Bilder erinnert sehr stark an die Glasmalerei auf Kirchenfenstern. Die scharfen Kanten, die kräftigen Farben und das allgegenwärtige Licht versinnbildlichen die göttliche Allmacht und lassen eine Ahnung göttlichen Glanzes aufkommen.

Tanja Jeschke passt sich sprachlich den Illustrationen an und integriert bildhafte und zum Teil verschlüsselte Elemente. Ungewöhnlicherweise steht in dieser Weihnachtsgeschichte durchgehend die Absicht Gottes Sohn als etwas Profanes darzustellen:

Er soll Schuhe tragen wie sie, Brot essen, Tränen lachen und weinen wie sie.

Nur um die Menschen verstehen zu lassen, wer Gott wirklich ist. Besonders schön ist das Ende der Weihnachtsgeschichte, das eigentlich einem Neubeginn gleicht:

Und Gott hat Großes mit ihm vor.

Hier wird uns eine Überleitung zu den weiteren Bibelgeschichten dargeboten und die Leser dazu eingeladen sich über das Leben und Leiden Jesus zu informieren.

Die Weihnachtsgeschichte

Material

Inspiriert von den Illustrationen, folgt nun meine weihnachtliche Variante einer Fensterdekoration:

Kerze_Kirchenfenstermalerei

Eine andächtige, ungewöhnliche und künstlerische Ausarbeitung der Weihnachtsgeschichte.

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Alexander Steffensmeier – Lieselotte ist krank

Lieselotte ist krank

Hust, schnief, hatschi! Und schon ist sie wieder da: die Erkältungszeit. Auch Lieselotte hat es erwischt. Die Postkuh hat sich beim ungemütlichen und windigen Postgang erkältet und fühlt sich schlapp und müde. Die Bäuerin nutzt alle möglichen Hausmitteln, um Lieselotte wieder fit zu kriegen. Es wird gegurgelt, inhaliert, warme Hals- und kalte Beinwickel angelegt. Auch der Tierarzt schaut vorbei und untersucht den Rachen, misst das Fieber und verschreibt Hustensaft und Bettruhe.

Und damit Lieselotte ganz bald wieder die alte Kuh wird, liest die Bäuerin ihr was vor, bringt ihr heißen Tee und verwöhnt sie auf jegliche erdenkliche Art. Nach fünf Tagen geht es Lieselotte schon viel besser, doch als sie draußen das nasse und trübe Wetter sieht, überlegt sie sich vielleicht doch noch ein bisschen länger krank zu sein …

Herbstzeit ist Erkältungszeit. Bei kühleren Temperaturen im Herbst ist schnell eine Erkältung eingefangen. In diesem neuen Bilderbuch begleiten wir Lieselotte durch unschöne, aber auch gemütliche und wohltuende Phasen des Krankseins. Kinder werden sich mit dieser Situation und der Hauptfigur gut identifitzieren können, mit ihr mitleiden und freuen. Besonders amüsant ist das Krankstellen von Lieselotte – wie sie im Stall herumhopst, mit einem Ballon spielt und sich plötzlich auf den Boden plumpsen lässt, als der Postbote vorbei schaut, um nach ihr zu sehen.

Die Illustrationen von Alexander Steffensmeier sind immer wieder ein Genuss. Sie sind detailreich, mit ausdrucksstarken und lebhaften Mienenspielen versehen und so schön farbenfroh. Dieses Bilderbuch ist das perfekte Vorlesebuch für Kinder an Tagen, an denen es ihnen nicht so gut geht. Hier kann gemeinsam gelacht werden und fühlt sich danach sicherlich gleich viel besser! Besonders beim Anblick der letzten Seite scheint einem das Kranksein gar nicht mehr so schlimm zu sein.

Lieselotte ist krank

Das perfekte Vorlesebuch für kranke Kinder in der kühlen Jahreszeit! Einfach herzerwärmend und wohltuend.

 

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Ingrid & Dieter Schubert – Oben oder unten?

Oben oder unten?-  Schubert

In diesem Tierreich geht es ganz schön turbulent zu. Wer ist oben und wer ist unten? Wer ist klein und wer ist groß? Wer ist fröhlich und wer ist traurig? Wer ist frech und wer ist lieb? Dieses kunterbunte Wimmelbuch ist reichlich versehen mit lustigen Tieren zum Suchen und Entdecken. Begleitet wird jede Doppelseite von einer Fragestellung, die das Thema „gegensätzliche Adjektive“ genauer beleuchtet.

In diesem liebevollen und farbenfrohen Universum ist eine Menge Raum zum Betrachten, Beschreiben und Entdecken. Dies ist kein Buch für ebenmal zwischendurch. Es braucht Zeit, um sich die Einzelheiten genau anschauen zu können und vor allem zu verbalisieren. Trotz oder vielleicht auch wegen des sparsamen Textes, lebt dieses Wimmelbuch von Kommunikation.

Die einzelnen Strukturelemente sind so eingesetzt, dass der Betrachter jegliche Ordnung und Orientierung verliert. Hier treffen reale und irreale Dinge aufeinander. Ein Pelikan fliegt kopfüber, während sich ein Frosch an seinen Beinen festhält. Ein Krokodil trauert um einen verstorbenen Artgenossen und gleich nebenan freut sich ein Eichhörnchen über eine Haselnuss.  Hier dominieren die Gegensätze, sodass  die Lebenswirklichkeit von Kindern und ihre Fantasie nebeneinander stehen und miteinander verschmelzen.

Oben oder unten? - Dieter Schubert

Material

Dieses Bilderbuch kann wunderbar im Förderunterricht oder zum Thema „gegensätzliche Adjektive“ eingesetzt werden. Mit diesem Wimmelbuch lässt sich der Wortschatz von Kindern spielerisch erweitern.

Nach dem gemeinsamen Beschreiben, kann dieses AB zur Festigung von Gegensätzen eingesetzt werden:

Bild_Gegensätze

Außergewöhnlich gelungene Illustrationen, die nicht viel Text brauchen.

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Wolfram Hänel und Constanze von Kitzing – Hast du den Troll gesehen?

Hast du den Troll gesehen

Der kleine Troll mit dem goldenen Ohrring lebt in einem Wald dicht am Meer.  Am liebsten spielt er Verstecken und kann sich sogar unsichtbar machen. In seiner Höhle aus Kiefernnadeln fühlt er sich am wohlsten und rennt gerne mit seinem besten Freund um die Wette.  Der Leser begleitet den liebenswürdigen Troll einen ganzen Tag lang und taucht mit allen Sinnen in diese verwunschene Welt voller Abenteuer ein.

Constanze von Kitzing schafft in ihren Illustrationen eine Balance zwischen einer gediegenen Ruhe und doch Lebendigkeit mit knuffigen, überraschenden Details, wie z.B. all der gut versteckten Tiere und Pflanzen im Wald. Die Bilder vibrieren in einer erdigen Farbwahl und überladen nicht, trotz ihres Wimmelbildcharakters.

Sehr ansprechend ist die Integration vieler Sinne am Ende jeder Doppelseite. Die Leser werden eingeladen gemeinsam mit dem Troll den Kopf zu schütteln und somit die Haare zum Fliegen zu bringen oder dem Summen der Bienen zuzuhören. Wir werden aufgefordert in eine Fantasiewelt einzutauchen, die zum Mitmachen und vor allem Einfühlen anregt. Dieses Bilderbuch kommt ohne viel Tamtam aus. Es ist weit weg vom Lärm, Betriebsamkeit und Hektik. Hier darf man sich zurücklehnen und ganz entspannt abtauchen.

Hast du den Troll gesehen?

Eine hervorragende Gutenachtgeschichte, die mit allen Sinnen ins Träumeland einlädt.

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Michaela Holzinger und Stefanie Reich – Lukas und das Eckenmonster

Lukas und das Eckenmonster

Jede Nacht lauert das dicke und freche Eckenmonster im Kinderzimmer von Lukas. Kaum löscht Mama das Licht, bekommt Lukas schreckliche Angst und zieht sich die Bettdecke über das Kinn. Erst wenn Mama wieder hereinkommt, ist das Eckenmonster verschwunden.  Solange das Problem nicht gelöst ist, darf Lukas im Elternschlafzimmer nächtigen. Das gefällt ihm richtig gut, denn hier gibt es keine dunklen Ecken.

Trotzdem kann es so nicht weiter gehen und Lukas überlegt sich wie man das Eckenmonster los werden könnte… mit einem bissigen Hund oder einem feuerspuckenden Drachen? Oder vielleicht doch mit einem Trick und einer Portion vertrauensvoller Sicherheit?

Das Einschlafen in einem dunklen  Zimmer ist für einige Kinder eine Herausforderung. Es geht oft mit einem unheimlichen Gefühl einher, da man nicht alle Ecken des Zimmers überschauen kann und schon fängt die Fantasie ihre Spielchen an. Kinder tun sich dann oft schwer, zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden. So geht es auch Lukas. Seine Angstgefühle werden so groß, dass er kaum in seinem Zimmer einschlafen kann.

Die sehr dynamischen und comicartigen Bilder von Stefanie Reich, die mich bereits in „Ein Kiste für den Bären“ mit ihren Illustrationen begeistern konnte, spiegeln die Emotionen der übermüdeten Eltern und dem verängstigten Lukas sehr gut wider.

Die Lösung des Problems zeigt, dass Kinder mit ihren Ängsten und Sorgen ernst genommen werden müssen. Nur die wenigsten denken sich die Monster aus, um nicht in ihrem Zimmer schlafen zu müssen. Monster entstehen aufgrund entwicklungsbedingter Ängste und den besten Schutz, den Eltern ihren Kindern geben können, ist Vertrauen und Sicherheit. Michaela Holzinger hat sinnvollerweise Lukas selbst nach einer Vertreibungsmöglichkeit suchen lassen. Die unkonventionelle Lösung der Monsterbekämpfung ist für Lukas  effektiv, weil sie von ihm aus kam und ihm nicht aufgezwängt wurde.

Lukas und das Eckenmonster

Lebendige Bilder und eine unkonventionelle Monsterbekämpfung, die sich als sehr effektiv zeigt.

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John Chambers und Dorothea Tust – Wo ist Emil?

Wo ist Emil

Joris und Emil gehen beide in die gleiche Kita. Sie sind beste Freunde und spielen auch manchmal  Streiche. So wie heute. Denn Emil beschließt heute einfach nicht da zu sein. Die Erzieherin und alle Freunde wundern sich wo Emil denn heute stecken könnte. An seinem Kleiderhaken hängt sein Rucksack, aber im Morgenkreis bleibt sein Stuhl leer. Die Kinder sind sich sicher: In der Kuschelecke brummt doch etwas! Oder ist das der übergroße Teddybär? Wo kann Emil bloß stecken?

Erst als Emil das Gefühl hat, etwas Spannendes zu verpassen, gibt er seine Tarnung auf und gesellt sich dann doch zu seinen Freunden.

Wer kennt sie nicht? Die Tage, an denen man am liebsten im warmen Bett bleiben würde.  Dieses Bilderbuch greift dieses Gefühl auf, manchmal einfach unsichtbar sein zu wollen.  Auf humorvolle Weise schildern die Autoren Emils Streich sich in der Kita zurückziehen zu wollen.

Als Betrachter kommt man nicht umhin ebenfalls mit den Kindern aus dem Buch nach Emil Ausschau zu halten. Ist er zwischen den Büchern im Regal? Unter den ganzen Kissen oder doch unter einer Bank? Pädagogisch wertvoll ist ebenfalls das Verhalten der Erzieherin. Sie gibt Emil seinen Freiraum und wartet ab, bis er sich von selbst zur Gruppe gesellt.

Eine sehr realistische Situation, die wohl vielen Kindern (und auch manchen Erwachsenen) bekannt sein dürfte. Positiv hervorzuheben ist der Ausgang der Geschichte: Emils Erkenntnis, dass Kindergarten schließlich doch Spaß macht! Ein Bilderbuch für alle Kinder, die ab und zu nicht gerne in den Kindergarten gehen.

Wo ist emil

Realistisch, humorvoll, ehrlich!

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