Margarethe Fimmen, Doris Fischer und Anne Lenze – Gemeinsam starten: Soziales Lernen

Rezension

Auch wenn das Gemeinsame Lernen in der Ausnahmesituation der Corona-Zeit momentan etwas anders aussieht, so steht das soziale Lernen vielleicht noch stärker im Fokus als je zuvor. Es geht schließlich vordergründig um Rücksichtnahme, Zusammenhalt und Solidarität.

Es ist davon auszugehen, dass Kinder, die im Sommer eingeschult werden, auch anders an die Vermittlung, Entwicklung und Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen im Schulalltag herangeführt werden müssen. Neben der Wissensvermittlung bestimmt das soziale Lernen nicht nur im Anfangsunterricht das Schulleben. Die Grundschule ist hierbei als Lernort von großer Heterogenität geprägt und braucht den Schutzraum einer funktionierenden Klassengemeinschaft.

Gemeinsam starten – Soziales Lernen richtet den Blick auf genau diese Kernkompetenzen und bietet fortlaufend für die ersten beiden Schuljahre aufeinander aufbauende Förderschwerpunkte. Dabei erfolgt die Gliederung anhand von folgenden Modulen:

  • Miteinander leben
  • Miteinander lernen
  • Miteinander sprechen
  • Sich kennenlernen
  • Operatoren

Erfahrungsgemäß sollte das Soziale Lernen bereits beim Punkt „Miteinander spielen“ ansetzen und zwar vom ersten Schultag an. Etliche Wochen habe ich im letzten Durchgang in die Einübung investiert, weil viele Kinder das Abwarten, Vorlassen, Aushalten, Gönnen können etc. nur schwer verinnerlicht haben. Erst danach war der Blick frei für das Miteinander auf Klassenebene. Erfreulicherweise sind hier viele Arbeitsblätter ohne Schriftkenntnisse einsetzbar. Es gilt „richtiges“ vom „falschen“ Verhalten zu unterscheiden und farblich entsprechend zu markieren. Motivierende Puzzlebilder sind von Anfang an und ohne große Erklärungen zu nutzen. Um andere Themen zu umreißen: Kennenlernspiele, sich begrüßen und verabschieden, Regeln im Schulgebäude, gemeinsam frühstücken, miteinander sprechen im Stuhlkreis, Stimmungsbarometer, Gesprächsregeln, spielerische Übungen zu Gesprächsregeln, Sprechanlässe schaffen, Arbeitsformen kennenlernen, Klassendienste einführen, Klassensprecher wählen, Gefühle zeigen und Konflikte lösen.

Die Kopiervorlagen sind stets übersichtlich, nicht allzu überladen und vom Layout ansprechend gestaltet. Das ist bei den Finken-Materialien immer ein großer Pluspunkt, den auch viele Förderkinder schätzen. Die 6 bunten Poster sind glücklicherweise auch auf der mitgelieferten CD enthalten, sodass diese auf einem Beamer oder mithilfe eines Whiteboards bequem gezeigt werden können. Das ist vor allem heutzutage viel wert, wenn der nötige Sicherheitsabstand eingehalten werden muss. Auf der CD befinden sich auch die wunderbar illustrierten 16 Operatoren-Karten, die die Arbeitsanweisungen, wie „kreise ein, benenne, klebe auf, kreuze an“ auch visuell verdeutlichen. Dafür werden viele DaZ-Kinder dankbar sein, denen das Erlesen der Arbeitsaufträge noch Mühe bereitet.

Das Einüben ist ein fortlaufender Prozess. Man kann bestimmtes Vorwissen oft nicht voraussetzen. Auch der richtige Toilettengang muss thematisiert werden. Das hat auch der Verlag erkannt (siehe KV oben). Es ist nicht mit schlichter oder gar einmaliger Besprechung getan. Deshalb ist der Themenbereich „Gesprächsregeln einhalten mit spielerischen Übungen“ meiner Meinung nach besonders wertvoll. Hier verinnerlichen die Schülerinnen und Schüler nachhaltig die Regeln, ohne den pädagogischen Zeigefinger. Das friedliche Miteinander wird gestärkt und idealerweise ein erfolgreiches Lernen ermöglicht.

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Fazit

Soziales Lernen von Anfang an im Fokus, um ein erfolgreiches und friedliches Miteinander zu ermöglichen.

(Bitte beachten: Die Finken-Materialien sind nicht im Handel, sondern nur direkt beim Verlag erhältlich.)

 

Christine Faust – Der Wolkenmacher

Rezension

Der Wolkenmacher wohnt hoch oben auf einem Berg und besitzt ein Wolkenkochbuch. Hier sind Rezepte zu den unterschiedlichsten Wolkenarten und Wetterphänomenen festgehalten: Schäfchenwolken, Federwolken, Gewitterwolken aber auch Nebel, Regenschauer und den schönsten Schneeflocken, die es weit und breit zu sehen gab.

Er ist ein leidenschaftlicher Koch und wird tagein tagaus von seinen Wetterfröschen unterstützt. Alles hat seine Ordnung und so hat er es am liebsten. Eines Tages fällt eine Krähe durch den Schornstein in den Wolkentopf. Damit verursacht sie ein Chaos, sodass die Wolken nun fleckig am Himmel erscheinen. Als wäre das nicht genug, fordert die Krähe den Wolkenmacher heraus und erkundigt sich:

Kannst du keine Elefantenwolken?

Genau hier nimmt die Experimentierfreude nach einigem Zögern ihren Lauf. Der Wolkenmacher schwingt schließlich seine Pipette und tropft beschwingt in den Wolkenkessel. Am Himmel erscheint nicht nur ein Elefant. Erst als die Krähe eines Morgens wortlos verschwindet, erkennt der Wolkenmacher, dass man als Erfinder und Innovator mutig sein muss.

Dieses Bilderbuch ist nicht nur aufgrund der wunderbar liebenswerten Charaktere und Illustrationen ein Lesevergnügen, sondern schneidet das besonders spannende Thema „Wolkenarten“ an. Im Sachunterricht des dritten Schuljahres werden Wetterphänomene und speziell die Wolken als einmalige Naturschauspiele am Himmel behandelt. Schließlich haben die Wolken eine ganz eigene „Wolkensprache“. Mit ein wenig Übung kann man damit das Wetter vorhersagen. Zu den drei großen Wolkenarten zählen Stratus, Kumulus und Zirrus.

Neben dem Sachwissen, das nach dem Vorlesen vertieft werden darf, stehen Fantasie und Wagemut der Menschen im Fokus. Denn Wolken haben schon immer Bilder im Kopf entstehen lassen und das Gehirn hat Verknüpfungen schaffen können, die sich aus der Wolkenform erlesen ließen. Auch dieser Aspekt schreit nach einer künstlerischen und kreativen Auseinandersetzung.

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Fazit

Himmel – Wetter – Wolken: zauberhaft illustriert, herzlich erzählt

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Anja Wrede – Sagt das Monster zu der Maus …

Rezension

Wer ist die Hauptfigur in der Geschichte? Wann und wo spielt die Geschichte? Wen trifft die Hauptfigur? Was ist der Nebenfigur passiert? Wie kann die Hauptfigur helfen und wie endet die Geschichte?

Dieses Sprachspiel hat die Erzählfähigkeit im Fokus und ist eine ideale Unterstützung für Kinder, die noch Schwierigkeiten mit dem Erfinden von Geschichten haben. Spätestens im dritten Schuljahr spielt die Aufsatzerziehung im Deutschunterricht eine wichtige Rolle und da ist es sehr hilfreich, wenn Kinder auf ein großes Repertoire an Ideen und Fantasie zurückgreifen können.

Erfahrungsgemäß fällt das Geschichtenschreiben Kindern, denen regelmäßig vorgelesen wird und die Hörbücher hören, leichter, weil sie bereits viele Bausteine intuitiv abgespeichert haben. Doch diese Sprachkompetenz kann auch bewusst trainiert werden.

In dieser Geschichtenerzählkiste finden sich zwei Spielvorschläge. Beim Erzählspiel dienen die W-Fragen auf dem roten Faden als Hilfe, die dem Kind den strukturellen Aufbau verdeutlichen sollen. Der spielerische Charakter wird durch das Zufallsprinzip beim Ziehen der kleinen Karten weiter forciert. Zu jeder W-Frage sind Vorschläge vorhanden. Das Foto unten verdeutlicht das Prinzip.

Es ist empfehlenswert das Spiel mit einer reduzierten Anzahl an Karten zu beginnen und diese später zu erweitern. Da es vielleicht doch zu komplex für manche Kinder sein könnte, sodass die Fantasie eingeschränkt wird und das Geschichtenerzählen sich nur um die Einbindung der Begrifflichkeiten dreht.

Der zweite Spielvorschlag Geschichtenmemo dreht sich um die Gedächtnisleistung der Kinder. Hierbei sollen die von anderen Spielern erzählten Einzelheiten memoriert, also ins Gedächtnis gerufen werden. Der Wettbewerbscharakter wird gefördert und die Kinder dazu angeregt genau hinzuhören und sich die Details zu merken.

Die Geschichtenerzählkiste gehört zugegeben in die Sparte „pädagogische Spiele“. Doch auch zum Lernen gehören spielerische Aspekte dazu, sodass dieses Material eine wunderbare Ergänzung für die Freiarbeit oder den Förderunterricht sein könnte. Manchmal bewirken einfach andere Formate oder eine Umwälzung der Erscheinungsform eines Materials Wunder.

 

Fazit
Geschichtenerfinden leicht gemacht!

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Gewinnspiel – Welttag des Buches 2020: Irmelina Geisterkind

Zum Welttag des Buches verlose ich im Rahmen der Aktion #heuteeinbuch dieses Leseexemplar von
Irmelina Geisterkind.

Wer teilnehmen möchte, verlinkt eine Person auf Instagram und/ oder Facebook, unter dem entsprechenden Beitrag, die sich ebenfalls über diesen Büchergewinn freuen würde.

Am 24. April wird ausgelost.
Der Gewinner wird benachrichtig und unter diesem Post verkündet.
Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück!

Teilnahmeschluss ist der 23. April 2020 (24:00).

Bitte beachten: Teilnahmeberechtigt sind nur User mit Versandadresse in Deutschland, die mindestens 18 Jahre alt sind. Die GewinnerInnen werden nach dem Zufallsprinzip ermittelt. Die Daten werden nach Beendigung des Gewinnspiels gelöscht. Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook oder Instagram und wird in keiner Weise gesponsert, unterstützt oder organisiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wird der Gewinn nicht innerhalb von drei (3) Tagen nach der Bekanntgabe angenommen, wird das Recht vorbehalten, den Gewinn anderen Teilnehmern zur Verfügung zu stellen.

Herzlichen Glükwunsch: @leagrinch!

Lydia Ruwe – Irmelina Geisterkind: Das Geheimnis der Dorfeiche

Rezension

Das aufgeweckte Geisterkind Irmelina ist nun endlich 10 Jahre alt. In der Geisterwelt geht damit die Feierlichkeit einher, ein Geisterreich zugeteilt zu bekommen. Doch statt Windgeister kennen zu lernen und die Lüfte zu erkunden, bekommt der kleine Wirbelwind die Dorfeiche von Hügelhausen, am stinkenden Dorftümpel als neuen Schutzort, für den sie nun Verantwortung trägt. Ihre Begeisterung hält sich in Grenzen, bis sie Juna kennen lernt. Die Neunjährige ist ein Menschenkind. Ihr Naturell ist eher die Zurückgezogenheit, sodass sie sich von dem forschen Nachbarsjungen manchmal überrollt fühlt. Gerne wäre sie etwas mutiger, um ihm auch mal ihre Meinung sagen zu können. Vielleicht ist aber auch genau das der Grund, warum sie auf das Geisterkind stößt. Mit dieser ungewöhnlichen Freundschaft beginnt ein Sommer voller Abenteuer.

Der Auftakt einer neuen Kinderbuch-Reihe hat die Natur und Umwelt als einen großen Themenblock und aber auch die Entwicklung eines gesunden Selbstkonzepts. Es erfordert durchaus Selbstbewusstsein für seine Meinung einzustehen und die Wahrheit zu sagen. Der Leser darf zwei Figuren dabei begleiten, wie sie stets dazulernen und sich weiter entwickeln, denn fehlerfrei ist keiner und mutig sein, hat viele Facetten.

Nach einer ausführlichen Vorstellung der beiden Charaktere in ihrer eigenen Welt, laufen die beiden Erzählstränge schließlich zusammen, sodass die die Begegnung an der Badestelle für beide der Beginn von etwas Neuem ist. Mit einem Schwur besiegelt, beginnt nun eine Freundschaft, die sehr verheißungsvoll erscheint. Das Kinderbuch ist vorwiegend für Mädchen interessant, die gerne in fantastische Welten abtauchen. Doch auch als Vorlesebuch lockt es Kinder Abenteuer in der Natur zu suchen.

Und hopsidops machte das Geisterkind sich auf den Weg, den Baumstamm hinab, zu seiner neuen Menschenfreundin (S. 61).

Blick ins Buch

Fazit

 

 

Eine Sommerlektüre für alle Mädchen, die sich auf fantastische Abenteuer mit einem Geisterwesen freuen!


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Isabel Pin – Mein Butterbrot

Rezension

Isabel Pin widmet sich in ihrem neuen Buch einem Thema, zu dem jeder von uns eine Verbindung hat: Das Butterbrot. Tagein, tagaus begleitet uns die Stulle zunächst im Kindergarten, dann in der Grundschule und später vielleicht auch im Berufsleben. Es ist aus dem Leben gegriffen und korreliert mit den täglichen menschlichen Bedürfnissen nach Nahrungszufuhr.

Doch woher kommt das alles, das auf dem Brot schließlich landet? Der Leser darf quasi beim Belegen zuschauen, denn die rechte Doppelseite des Pappbilderbuchs besteht ausschließlich aus den einzelnen Zutaten, die nacheinander geschichtet werden. Da wäre zunächst das Brot als Grundlage, welches vom Bäcker gebacken und von der Schwester der Erzählerin besorgt wird. Anschließend landet eine Butterschicht auf dem Brot, die vom Bauernhof mithilfe eines Lastwagens in den Supermarkt transportiert wird. Gemüse und Kräuter dürfen für eine ausgewogene Ernährung nicht fehlen und da darf man schon froh sein, dass die Oma aus ihrem Gemüsegarten hier und da etwas beisteuern kann. Von den Kräutertöpfen auf dem Balkon darf die Erzählerin sogar selbstständig die Spitzen schneiden.

Mit jeder Seite steigt die Vorfreude in das saftige Butterbrot zu beißen. Die collageartigen Illustrationen haben sogar annährend das Format eines wirklichen Brotes, doch viel wichtiger ist, dass die Wertschätzung sich ebenfalls stetig erhöht. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen, Tiere und Zeit und Arbeit hinter den Lebensmitteln stecken, geht man viel bewusster damit um. Das Thema „Gesunde und ausgewogene Ernährung“ lässt sich mit diesem Buch wunderbar anstoßen. Positiv zu bewerten sei auch die Tatsache, dass Kinder dazu animiert werden, selbst tätig zu werden und zum Beispiel Kräuter auf dem Balkon ziehen können. Vor allem jetzt im Frühling ist es ein schöner Zeitpunkt ein paar Samen zu streuen, sei es Kresse, Petersilie oder Dill. Doch vor allem das Beobachten, Gießen, Warten, Staunen und schließlich das Genießen hat einen wertvollen Lerneffekt, auch in Bezug auf Umwelt.

Gerade heutzutage, in denen Lebensmitteln oft aus dem Supermarkt statt aus dem eigenen Garten kommen und die meisten Kinder kaum Gelegenheit haben, die Herkunft dieser vom Bauernhof an zu verfolgen, ist es für sie spannend zu beobachten, wie so ein kleines Samenkorn zu einer „echten Pflanze“ heran wächst. Also: Ran an die Töpfe und dann auf`s Brot!

Blick ins Buch

Fazit

Wertschätzung für Lebensmittel und bewusstes Essen vereint

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Leserolle zur Klassenlektüre „Anton taucht ab“

Rezension

Erneut entschied sich die Klasse, nach der Vorstellung von insgesamt 3 Klassenlektüren, mehrheitlich für die Ganzschrift „Anton taucht ab“. Nach der Entdeckung im Jahr 2010, habe ich im Jahr 2014 noch mit einem Lesetagebuch gearbeitet, dieses Jahr ist eine Leserolle dran.

Das Buch hat seinen Reiz immer noch nicht verloren. Es ist eine Sommergeschichte, die von Ferien am See in der Obhut der Großeltern handelt. Anton, der Erzähler ist sehr präsent, nimmt die Lesenden «bei der Hand» und führt sie in das Thema ein, wie man neue Freundschaften schließt und sich traut neue Wege zu gehen, seiner Komfortzone entflieht. Als Eigenbrötler, mit einem sehr speziellen Humor, versteckt er seine Unsicherheit zunächst und wird glücklicherweise im Verlauf der Handlung mutiger und selbstbewusster. Anton ist ein Kind in einer wilden Dynamik der Gefühle, mit Widerstandskräften und inneren Kämpfen. 

Der Erzählstil ist weiterhin beeindruckend vom lockeren, witzigen und mit den Lesern plaudernden Ton, gut verständlich und unterlegt mit vielen Bezügen zur kindlichen Lebenswelt und Ausdrucksweise. Die Gestaltung der Lektüre ist bewusst ruhig gehalten, die Illustrationen zurückhaltend eingesetzt, der Text steht im Zentrum. 

Mit viel Gespür für die Atmosphäre des Aufwachsens in der Provinz, erzählt Milena Baisch von einer scheinbar unmöglichen Freundschaft – zwischen einem Barsch und dem coolsten Helden, so wie Anton sich nennt. Die Figur wird lebendig, mit all ihren Gedanken, Sorgen und Nöten. Ganz aus dem Leben gegriffen, vielleicht macht genau das den Reiz dieser Lektüre aus.

Sollte jemand auch auf der Suche nach Unterrichtsmaterial sein, findet meine Vorlagen auf meiner Seite beim Lehrermarktplatz (Material-ID: #148356) zum Download. Hier ein Einblick:

Fazit

Das Buch entwickelt sich zum Evergreen der Kinderliteratur.

 

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Katy Hudson – Ich liebe Möhren!

Rezension

Benni hat ein Herz für Möhren. Das Kaninchen sät die Samen, erntet sie fleißig und verbuddelt den gesamten Möhrenbestand in seinem gemütlichen Bau. Irgendwann platzt allerdings sein Bau aus allen Nähten. Also bittet Benni seine Freundin Schildkröte um Hilfe. Diese teilt ihren Schildkrötenpanzer, doch für zwei ist es dann doch arg eng. Als Benni im Vogelnest und später in der Schlafstätte des Eichhörnchens versucht, seine Möhren zu verstauen, wird allen Beteiligten klar, dass eine neue Lösung her muss. Schließlich haben alle Freunde ihr Zuhause verloren, nur weil sie Benni mit den Möhren helfen wollten …

Das vor Möhren überquellende Vorsatzpapier, deutet die Problematik bereits an. Benni hortet aus Leidenschaft und kann sich von seinen Möhren einfach nicht trennen. Sie sind sein Leben, zum Leidwesen seiner Freunde, wie sich später herausstellen wird. Der Weg zur Erkenntnis ist jedoch lang. So muss das Kaninchen erst durch mehrere Fehlversuche durch, bis irgendwann sogar die Freundschaft zu den Tieren auf dem Spiel steht. Als allerdings die Freunde nass und obdachlos vor Benni stehen, wird ihm klar, dass es nur eine Lösung geben kann.

Neben der Thematik „Freundschaft“ und „Hilfsbereitschaft“, wird hier auch das „Teilen“ thematisiert. Das soziale Lernen beginnt mit dem egozentrischen Blick des Kaninchens auf seine eigenen Bedürfnisse und endet mit der Weitsicht, dass Verzicht auch wohltuend sein kann, weil man auf einer anderen Seite etwas Anderes dazugewinnt. Der positive Aspekt, wie hier die Freude und der Dank der Freunde ist eine große Entschädigung. Die expressiven Szenen evozieren ein Mitgefühl für die Sammelleidenschaft des Kaninchens, die schließlich zum Umdenken lenken. Nicht nur die Botschaft ist bedeutend, die Bilder machen nicht minder weniger Spaß. So resümiert, klingt das nach einem wohl gebahnten Weg für die kleinen Leser.

Blick ins Buch

Fazit

Sammeln und/oder teilen – Was ist schöner?

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Nadine Reitz – Die Nacht vor Ostern

Rezension

Der Osterhase kann es kaum fassen. Morgen ist schon Ostersonntag und er hat nicht einmal einen Blick auf die ellenlange Erledigungsliste geworfen. In solchen Augenblicken ist er ganz neidisch auf den Weihnachtsmann, der so viele Helfer am Nordpol hat. Der Osterhase hatte zwar auch ein Team, bestehend aus einer eitlen Gockel, einem Osterlamm und Hühnern, aber das war insgesamt ein ganz schön chaotischer Haufen.

In der Hühnerstall-Eier-Bemal-Maschinerie geht es drunter und drüber und dann kommt der Osterhase auch noch auf die Idee, es dem Weihnachtsmann gleich zu tun und die Ostereier den Kindern durch den Schornstein zukommen zu lassen. Ob das gut geht?

Eine rasante und erfrischend moderne Ostergeschichte erwartet hier die Leser. Die großformatigen und farbigen Illustrationen erwecken den Eindruck, man würde einen Zeichentrickfilm schauen. Es lebt von Frohsinn, einer übermutigen Leichtigkeit und frischer Ausgelassenheit. Man darf den winzigen Küken, mit einem hohen Niedlichkeitsfaktor, beim Tupfen, Beringeln und Bemalen der Ostereier zuschauen – in Akkordarbeit versteht sich. Da darf es dem ein oder anderen auch mal schwindelig werden. Statt der Schlitten des Weihnachtsmannes, fliegen nun Osterkörbchen, bepackt mit bunten Ostereiern und Osterglocken durch die dichten Nebelwolken der Nacht. Und wer genau hinschaut, entdeckt auf den Osterinseln den neugierig spähenden Weihnachtsmann.

 

Die Buchstabenbande liest die ganze Geschichte in einem Youtube-Video vor….wer also beim Bücherkauf den Tag ebenso verplant hat, wie der Osterhase …

Blick ins Buch

Die typischen Merkmale von Osterhase und Weihnachtsmann drängeln sich hier einem förmlich auf. Auf den Arbeitsblättern zum Bilderbuch dürfen die Kinder ihr Wissen anwenden, zu jeder Figur einen Steckbrief verfassen und die Gemeinsamkeit und Unterschiede herausarbeiten.

Arbeitsblätter zu Die Nacht vor Ostern

(Material-ID: #143030)

Fazit

Ein fröhliches, turbulentes Bilderbuch zum Osterfest!

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Britta Teckentrup – Der kleine Spross

Rezension

Im von Dunkelheit und Schatten getragenen Wald, ragt ein junger Spross empor. Im lebendigen, hellen Gelb und tief in der Erde verwurzelt, wächst mit ihm die Hoffnung für ein neues Leben. Eine Ameise, ein Marienkäfer und ein Schmetterling stehen dem jungen Pflänzchen schützend zur Seite und übernehmen die Patenschaft.

Das Cover des Bilderbuchs von Britta Teckentrup deutet die Quintessenz schon an. Auch die nachfolgenden Seiten geben den Illustrationen viel Raum, während der Text pointiert und kurz gehalten wird. Im Frühling beginnt der Kreislauf des Lebens und alles nimmt seinen gewohnten Lauf, die Pflanzen strecken sich der Sonne entgegen und wachsen und gedeihen. Nur ein Samenkorn ist noch nicht so weit. Die Insekten setzen sich zu ihm, sodass das zarte Leben tatsächlich beginnt. Da die anderen Pflanzen schon höher gewachsen sind, muss sich der Spross durchkämpfen und wird stets von den Tieren unterstützt. Manchmal muss man sich eben durchkämpfen und das gelingt in Gemeinschaft leichter.

Die Botschaft ist einfach herzerwärmend: Füreinander da sein, sich unterstützen, sich sorgen, sich kümmern, sich interessieren. Die Lebendigkeit und die Schönheit der Illustrationen entfaltet ihre Wirkung in der Buchmitte. Das Dunkle der Schatten weicht dem Licht der Sonne und die Leser schauen auf eine vor Vitalität sprießende Wiese, die in ihrer Pracht die Betrachter schon fast blendet. Es wimmelt vor Insekten und winzigen Blättern, die alle den Fortlauf des Lebens versprechen. Hier steckt Hoffnung.

Doch der Kreislauf ist eben ein Kreislauf, sodass der Jahreszeitenwechsel schnell ansteht und der Abschied schnell an die Tür klopft. Der Schnee als Sinnbild des Todes, hüllt alles in Schweigen, Ruhe und Stillstand. Doch auch das hat irgendwann ein Ende. Und wenn wieder Frühling ist, schickt der Spross den Tieren einen Gruß…

Nach Playbook Farm und Wir gehören zusammen, ist dies nun das dritte Buch der Autorin, das ich in den letzten zehn Jahren rezensiere und bin erneut von der Tiefe der Botschaft beeindruckt. Hier steckt so viel. Nicht nur in Bezug auf die Jahreszeiten, nehmen die Kinder hier viel mit, sondern auch bezüglich des Miteinanders und grundsätzlich der Einstellung zum Leben, zu Problemen und Herausforderungen. Auch heute, dürfen wir dankbar auf den Kreislauf des Lebens hoffen.

Blick ins Buch

So wie die Tiere den kleinen Spross zum Licht leiten, gehört das Patensystem an unserer Schule zum festen Bestandteil des Schullebens. Jedes Schuljahr übernehmen die Viertklässler ihre Patenschaft und leiten die frisch eingeschulten Erstklässler in den Schulalltag. Die Großen erproben ihre Sozialkompetenz und die Kleinen fühlen sich willkommen und zugehörig.

Als Willkommensgruß erhalten die Erstklässler ein Leporello, womit sich die Viertklässler vorstellen, ihr Passfoto einkleben, ein bisschen von ihren Vorlieben preisgeben und Kontaktinformationen bereit stellen, um sich evtl. verabreden zu können.


(Material-ID: 139722)

Fazit

Kreislauf des Lebens, mit allen Herausforderungen und in aller Schönheit und Kraft dargestellt.

(Amazon-Link)