Peter Carnavas – Zu schwer für mich

Sarah hat ein ziemlich großes und schweres Herz. Damit muss sie überall hin: in den Bus, in die Schule, auf den Spielplatz und sogar auf das Fahrrad. Das Leben mit so einem großen Herz erweist sich als ziemlich schwierig. Denn es stört beim Schlafen und auch beim Baden. Eines Tages sieht sie an der Bushaltestelle etwas an ihr vorbei schweben. Ein Junge, der ein furchtbar leichtes Herz hat, sodass es ihn nicht am Boden hält …

Zu jedem Topf passt ein Deckel, nach diesem Sprichwort lässt sich die Handlung dieser Geschichte zusammenfassen. Sarahs Herz ist viel zu schwer, sodass sie jemanden sucht, mit dem sie ihr Herz teilen kann. Denn alleine für sich, erdrückt ihr Herz sie schon fast. Der Junge dagegen sucht jemanden, der ihm hilft sein Herz zu bändigen, denn es ist so leicht, dass er mit ihm ständig davonfliegt. Ein Bilderbuch, mit wahnsinnig frischen und originellen Illustrationen, die sich ins Gedächtnis brennen. Sarahs Schwierigkeiten mit dem großen Herz im Alltag zurecht zu kommen sind einfach urkomisch. Das große Herz ist so prägnant, dass es sich durch das ganze Buch hindurch zieht und auf jeder Seite abgebildet ist. Bei diesem Bilderbuch steht die Darstellung und insbesondere die Suche nach einer wahren Freundschaft und natürlich auch Liebe im Vordergrund. Gut gelungen ist die Präsentation von Sarahs Versuch den Jungen mit dem leichten Herz zu retten. Die Perspektive am Hochhaus und auch die Zeichnung der beiden Kinder bei den dunklen Hügeln in der Nacht ist einfach fantastisch! Mit diesem Bilderbuch lässt es sich mit den Kindern sehr gut über das Leben philosophieren: Was braucht man im Leben? Wer oder was kann bei Problemen helfen? Was macht uns glücklich? etc.
Das Buch regt dazu an, sich Gedanken über die existenziellen Dinge im Leben zu machen und verdeutlicht, was im Leben wirklich zählt.

Eine erlebnisorientierte Hinführung zum Thema Freundschaft und Liebe.

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Philipp Winterberg und Lena Hesse – Ein Brief aus der Arche

Die Postraben Alexa und Max haben einen besonderen Auftrag: Sie müssen einen Brief zum unheimlichsten Ort der Welt bringen: dem Wrack der Arche Noah. Beiden ist gar nicht wohl bei dem Gedanken. Was für furchterregende Ungeheuer mögen dort wohl leben? Doch als sie an der alten Arche ankommen, erleben sie eine Überraschung und treffen auf Wesen, deren Vorfahren die Arche nicht verließen, weil sie sich vor allem und jedem fürchteten: die Furchtlinge. Da der endgültige Zerfall der Arche droht, suchen sie verzweifelt ein neues, sicheres Zuhause. Ob die Postraben helfen können? Eine phantastische Geschichte über Angst, Hilfe von Freunden und Fabelwesen, die es nicht gibt. Oder doch?

Die Rezension erfolgt bei diesem Bilderbuch aus zweierlei Sicht. Einmal aus meiner, erwachsenen Perspektive und dann aus der Perspektive von 7-9 Jährigen, denen ich wöchentlich Bilderbücher vorlese. Ich wurde auch dieses Mal vom Lena Hesses Talent überzeugt. „Ole kann nicht schlafen“ fand ich schon so grandios! Und hier erneut satte, kräftige Farben, die Abbildungen schon fast dreidimensional.  Vor allem die „schlotternden Flügel“ sind wahnsinnig gut gelungen, sie simulieren ganz realitätsnah die Bewegungen der Vögel in der Luft.

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Die Furchtlinge sind doch gar nicht so furchtbare Ungeheuer, sondern niedliche Fabelwesen, die Angst vor der unheimlichen Welt da draußen haben und sich so lieber in dem Wrack der Arche Noah verkriechen. Die Rettung naht und zwar in Gestalt der zwei Postraben, die sich zuerst vor dem Anblick der Furchtlinge erschrecken. Das Entsetzen beruht jedoch auf beiden Seiten. Für die Kinder war diese Begegnung der Höhepunkt in der Geschichte, obwohl dann ein sehr aufmerksames Kind angemerkt hat, dass man die Gestalt der Furchtlinge vorher besser nicht gezeigt hätte (s. S. 6). Dann wäre die Spannung auch viel größer gewesen 🙂 Mit dem Ende war der Großteil der Kinder nicht so wirklich einverstanden. Es fehlte den meisten an Abenteuer, sie erwarteten mehr von der Reise und waren von dem plötzlichen Ende leicht überrascht. Das war für mich der Punkt hier anzuschließen und die ganzen Ideen, die die Kinder hatten, verschriftlichen zu lassen. Das Bilderbuch spricht ein wichtiges Thema an: Angst, aber damit verbunden auch Geborgenheit, Vertrauen, Sicherheit, Freundschaft, Mut und Zusammenhalt. Mir war es aber auch ein Anliegen die Kinder für den „sichersten Ort der Welt“ zu sensibilisieren und sie darstellen zu lassen, wovor sie persönlich Angst haben und wer oder was ihnen diese Angst nehmen kann. Daraus sind grandiose Rollenspiele entstanden und die Kinder fanden das Bilderbuch am Ende doch „ganz schön“ 🙂

An das Lesen bzw. Vorlesen sollte ein Gespräch anschließen, um die Thematik gemeinsam näher zu beleuchten und den tiefliegenden Sinn genauer zu erarbeiten.

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Sueli Menezes und Giuliano Ferri – Nino, das Glühwürmchen

„Nino, das Glühwürmchen, leuchtet jede Nacht so hell es kann. Nur der Mond scheint noch heller. Was aber passiert, wenn der Mond einmal müde wird und sich ausruhen möchte? Nino und seine Glühwürmchen kommen auf eine zauberhafte Idee. Gemeinsam machen sie möglich, was zuerst unerreichbar scheint.“

Nino hat die ganze Nacht hindurch zu tun, schließlich muss er als Glühwürmchen zusammen mit seinen Freunden den Urwald mit ihrem Licht verzaubern. Alleine der Mond scheint noch heller und Nino fragt sich, ob sie als Glühwürmchen je so hell leuchten können wie der Mond. Denn dieser macht nicht nur für die Tiere im Dschungel die Nacht hell, sondern noch viele andere Orte auf der Erde. Nino hält an seinem Glauben fest, dass sie diese Aufgabe genauso gut übernehmen könnten, auch wenn seine Mutter ihn beschwichtigt und darauf hinweist, dass jeder seine eigene Aufgabe hat. Die ihre ist es die Nacht in zauberhaftem Lichterglanz erstrahlen zu lassen. Der Mond hört den beiden sehr aufmerksam zu und entschließt sich Nino eine Freude zu bereiten … Nun steht Nino vor einer großen Herausforderung, die er nur mit seinen Freunden zu meistern vermag.

Eine Geschichte über den Mut und das Zutrauen an die eigenen Fähigkeiten. Es geht um Visionen, Träume, ihre Verwirklichung. Auch wenn es am Anfang etwas schwierig erscheint, mit der Hilfe anderer ist alles möglich! Es ist eine sehr einfühlsame Geschichte, die Farben sind sehr ruhig, gelassen, schon fast utopisch. Die Goldprägungen in den Illustrationen verleihen dem Buch etwas Magisches, etwas Zauberhaftes. Die Perspektiven und die Schatten sind perfekt inszeniert. Die Krönung ist die Stanzung auf der letzten Seite des Buches, die den Glanz des Zusammenhalts verdeutlicht!

Das Betrachten macht nicht nur den Kindern Spaß, es ist auch dem Vorleser ein Vergnügen!

Lebe deine Träume und erreiche Großes mit Unterstützung deiner Freunde und Familie!

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Milena Baisch – Anton taucht ab

Klappentext:

„Jetzt erzähle ich die Geschichte. Es beginnt in der Zeit, als ich noch Starflashman hieß, und hier sind Chips. Ihr sollt sitzen bleiben und zuhören, alles klar?
Zugegeben, Campingurlaub mit Oma und Opa ist nicht gerade das Coolste. Doch erst als Anton den Ekelsee entdeckt, werden diese Ferien zur echten Katastrophe.  Niemals steckt er auch nur den kleinen Zeh da rein! Arschbomben und Köpper vom Badesteg? Bekloppt! Aber dann macht Anton eine Bekanntschaft der besonderen Art.
Und damit beginnt ein Ferienabenteuer, wie es sich Anton in seinen kühnsten Heldenfantasien nicht ausgemalt hat ….“

Inhalt:

Anton begibt sich mit seinen Großeltern in einen Campingurlaub zu einem See. Als Anton dann noch erfährt, dass es weit und breit keinen Swimmingpool gibt, ist seine Laune so richtig dahin. Was soll er bloß an so einem Ort machen? In diese Ekelbrühe, die voll von Schlingpflanzen ist, möchte er auf keinen Fall rein. Und so langweilt sich Anton, bis ihn sein Opa mit zum Angeln nimmt. Dort macht er Bekanntschaft mit einem Fisch, den er auf den Namen Piranha tauft und in ein Gurkenglas steckt, um ihn vor Opas Verfütterungsaktion zu schützen. Hier beginnen die Ferien nun doch Spaß zu machen. Wäre da nur nicht Pudel, ein Junge, der Anton das Leben schwer macht. Kurz vor der Abreise, muss sich Anton von seinem mittlerweile sehr lieb gewonnen Freund, dem Fisch Piranha, Abschied nehmen und das tut er auf eine sehr außergewöhnliche Art und Weise …

Meinung:

Was für ein herrlich komisches Buch. Anton wächst dem Leser mit seinen frechen und coolen Sprüchen so richtig ans Herz. Dabei spricht er auch öfter den Leser persönlich an, was natürlich noch weiter zur Identifikation mit der Figur beiträgt: „Soll ich weiter erzählen? Ihr seid so ruhig auf einmal. Ist es langweilig? Keine Angst, bald kommt wieder Action.“ Nein, mit Anton war es keine Sekunde lang langweilig, auf seinen Lippen immer ein flotter Spruch, sodass das Lesen zum einem Vergnügen wurde. Das Buch spricht besonders Jungs an, denn es geht unter anderem auch um Antons Leidenschaft: einen ferngesteuerten X3C. Themen wie Unsicherheit, Ängste, Einsamkeit aber auch eine Wendung von der virtuellen Welt hin zur Entdeckung der Natur werden angesprochen.

Fazit:

Ein lebendiges und witziges Buch mit dem wichtigen Plädoyer sich auch mal auf die spannenden Ereignisse in der Natur einzulassen.

Bewertung:

 

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