Rachel Bright – Der Löwe in dir

Der Löwe in dir von Rachel Bright beeindruckt vor allem wegen seiner tiefen, kindgerecht vermittelten Botschaft über Mut, Angst und Selbstvertrauen. Im Mittelpunkt steht eine kleine Maus, die sich in einer Welt voller großer, lauter Tiere oft übersehen, klein und machtlos fühlt. Sie bewundert den imposanten Löwen – stark, respekteinflößend, furchtlos. Doch im Laufe ihrer mutigen Reise erkennt die Maus: Auch der Löwe hat Ängste. Und mehr noch – in jedem von uns steckt ein Löwe, aber auch eine Maus.

Diese einfache, aber kraftvolle Geschichte vermittelt Kindern eine zentrale Lebenswahrheit:
Mut ist nicht das Fehlen von Angst, sondern das Handeln trotz Angst. Jeder hat mal Angst, fühlt sich klein oder unsicher – und jeder hat auch die Kraft, über sich hinauszuwachsen.

Für die pädagogische Arbeit in Kita oder Grundschule ist dieses Buch ein echter Schatz. Es bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für Gespräche über Gefühle, Rollenbilder, Selbstbild und gegenseitigen Respekt. Kinder erkennen sich in der Maus wieder – leise, ängstlich, oft unterschätzt – und erleben, wie wichtig es ist, den eigenen Weg zu gehen und für sich selbst einzustehen.

Zugleich sensibilisiert das Buch dafür, dass auch scheinbar „starke“ oder „laute“ Menschen – wie der Löwe – Verletzlichkeit und Angst empfinden. Eine wertvolle Perspektive, gerade im sozialen Lernen: Starke Kinder dürfen schwach sein, stille Kinder dürfen stark sein. Niemand ist nur das eine oder das andere.

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Kai Pannen – Trautes Heim, Glück allein

Trautes Heim, Glück allein ist mehr als nur ein unterhaltsames Kinderbuch. Es ist eine kluge und warmherzige Geschichte über das Zusammenleben von Mensch und Natur, über Rücksicht, Vielfalt – und darüber, dass ein bisschen „Unordnung“ manchmal das Beste ist, was einem Garten und seinen Bewohnern passieren kann.

Im Mittelpunkt steht eine bunte Gemeinschaft von Insekten, die ein scheinbar idyllisches Leben in einer Buchenhecke führen – bis der Mensch eingreift. Der Rasen muss „perfekt“ sein, alles wird ordentlich gestutzt, Unkraut beseitigt, Laubhaufen entsorgt. Was für viele Menschen nach gepflegtem Garten klingt, bedeutet für die Insektenwelt: Lebensraumverlust, Stress und Gefahr. So leidet auch das Bienenvolk und insbesondere der pummelige Bienen-Drohne, der sich bei Bisy und Heinz eingenistet hat und sich herrisch verhält.

Pannen gelingt es auf unterhaltsame Weise, das Thema Umwelt- und Artenvielfalt in eine kindgerechte Handlung zu verpacken. Die übertriebene Ordnungsliebe und das zwanghafte Rasenmähen werden nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit viel Witz und aus Sicht der betroffenen Tiere geschildert. Dadurch wird klar: Was für uns Menschen „Ordnung“ bedeutet, kann für viele kleine Lebewesen den Verlust ihres Zuhauses bedeuten. Gerade in Zeiten des Insektensterbens und der Diskussion um Naturgärten statt Steingärten ist das Buch ein wertvoller Beitrag zur frühen Umweltbildung. Kinder lernen, dass Vielfalt, Wildwuchs und Unordnung in der Natur nicht nur erlaubt, sondern notwendig sind.

Kai Pannens Sprache ist bildhaft, humorvoll und zugleich feinfühlig. Die Dialoge sind lebendig, die Figuren charmant gezeichnet – man fiebert mit, lacht mit und erkennt dabei ganz nebenbei gesellschaftliche Strukturen wieder. Die Illustrationen sind detailreich und liebevoll gestaltet und runden das Lese- und Vorleseerlebnis wunderbar ab.

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Alice Hemming und Nicola Slater – Der Sonnendieb

Im Herbst bemerkt das kleine, schlaue Eichhörnchen, dass sich etwas verändert: Die Sonne scheint jeden Tag ein bisschen weniger. Es wird dunkler und kälter. Das Eichhörnchen ist sich sicher: Jemand stiehlt die Sonne!


Sofort beginnt es, den vermeintlichen Sonnendieb zu entlarven. Misstrauisch beobachtet es seine Waldmitbewohner, besonders die Fledermaus. Doch am Ende erkennt das Eichhörnchen: Niemand hat die Sonne gestohlen – der Wechsel der Jahreszeiten ist ganz natürlich. Das Buch endet mit einem humorvollen Aha-Moment, der zeigt, dass nicht alles, was anders ist, gleich bedrohlich sein muss.

Das Buch ist ein wunderbarer Einstieg, um mit Kindern über den Herbst, den Lauf der Sonne, und den Wechsel der Jahreszeiten zu sprechen. Es erklärt kindgerecht, warum die Tage kürzer werden – eingebettet in eine humorvolle Detektivgeschichte. Das Eichhörnchen interpretiert die Veränderungen zunächst falsch – es glaubt an einen Diebstahl und verdächtigt andere Tiere. Diese kindlich-logische Fehleinschätzung lädt zum Nachdenken ein:

  • Wie entstehen falsche Vermutungen?
  • Warum ist es wichtig, Dinge genau zu beobachten, bevor man urteilt?
    So werden kritisches Denken, Wahrnehmungsschulung und Toleranz gefördert.

Das Verhalten des Eichhörnchens regt Gespräche über Missverständnisse, Vorurteile und den Umgang mit anderen an. Kinder können überlegen, wie man freundlich mit Irrtümern umgeht oder wie man sich fühlt, wenn man fälschlich beschuldigt wird.

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Michael Petrowitz – Gruselgeschichten

Diese Ravensburger-Reihe bietet in der 1. Lesestufe vier kurze Gruselgeschichten für Erstleser an. Aktionsreiche Szenen mit einem Vampirmädchen, einer Klassenfahrt von Geistern oder einem Spiel zwischen „1. FC Zombie“ und „SC Gerippe“ bieten Abwechslung ohne übermäßigen und allzu großen Grusel. Die Texte sind in einfacher Sprache gehalten, mit großer Fibelschrift und kurzen Kapiteln – genau passend für Leseanfänger. lediglich die Silbenschrift hätten wir uns zum Ende des 1. Schulajhres gewünscht, um Erstklässlern das Erlesen zu erleichtern.

Die ansprechenden Illustrationen begleiten die Szenen, stützen zusätzlich das Leseverständnis und steigern das Lesevergnügen. Am Ende des Buches gibt es zu jeder Geschichte Quizfragen , die von aufmerksamen Lesern beantwortet und mit Stickern belohnt werden – das steigert das Erfolgserlebnis und das Textverständnis ungemein.

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Andrew Bond und Julie Völk – Die Raupe spinnt

Die kleine Raupe erzählt ihrem Freund, dem Regenwurm, dass es sich bald etwas in ihrem Leben verändern wird. Das spürt sie einfach tief unten im Bauch. Sie glaubt gar in einer anderen Gestalt fliegen zu können. Der Regenwurm tut dies schnell als Hirngespinnst ab …bis die Raupe ihm bald das Gegenteil beweisen wird.

Andrew Bond nutzt die Metamorphose der Raupe als kraftvolle Metapher für Wachstum, Selbstvertrauen und den Mut auf sein Bauchgefühl zu hören. Die gereimte Sprache wirkt einfühlsam und regt zum Nachdenken an.

Julie Völk bereichert die Geschichte mit zarten, fein ausgearbeiteten Aquarellillustrationen. Ihr feines Bildkonzept öffnet Blickwinkel – hinaus aus der Wiese, hinauf in den Himmel, hinein in eine neue Sicht auf die Welt und schließlich in die eigenen Gefühlswelt.

Das Buch lehrt Kinder, auf ihre Intuition zu hören, Veränderungen zu vertrauen und stolz zu sein, wenn andere ihre Träume nicht verstehen: „Manchmal muss man einfach spinnen…“ sagt die Raupe und plädiert dafür, dass Taten Worten folgen müssen. irgendwann muss man sich einfach auf den Weg machen.

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Agnès de Lestrade und Valeria Docampo – Die große Wörterfabrik

Ein Bilderbuch über Sprache, Macht und soziale Ungleichheit

Die große Wörterfabrik“ ist ein poetisches Bilderbuch, mit seiner tiefgreifenden Symbolik und Gesellschaftskritik, das auch schon für Kinder gut geeignet ist. Die Autorin und Illustratorin schaffen ein vielschichtiges Werk über Sprache, Liebe und soziale Gerechtigkeit.

In einem fiktiven Land muss man Wörter kaufen und schlucken, bevor man sie aussprechen kann. Sprache ist hier somit ein Luxusgut. Wer arm ist, kann sich kaum Worte leisten — wer reich ist, kann reden, beeinflussen, bestimmen. In dieser Welt lebt der schüchterne Paul, der nur wenige Wörter besitzt, aber sie dennoch einsetzen will, um seiner Freundin Marie seine Liebe zu gestehen. Doch sein Konkurrent ist reich und daher auch wortgewandt. Paul kann dennoch Marie seine Zuneigung zeigen und so merken die Leser, dass Kommunikation auch mit Gestik und Mimik stattfinden kann.

Die zentrale Kritik des Buches richtet sich gegen die Kommerzialisierung von Kommunikation und die soziale Ungleichheit, die dadurch entsteht. Worte als käufliche Ware — das ist eine kraftvolle Metapher für reale gesellschaftliche Strukturen, in denen Bildung, Ausdrucksfähigkeit und rhetorisches Geschick oft vom sozialen Status abhängen.

Die Geschichte prangert subtil, aber deutlich an, wie der Zugang zu Sprache und Ausdrucksmöglichkeiten zur Frage des Geldes wird. In der Realität sind es oft wirtschaftliche Bedingungen, die darüber entscheiden, wie frei und wirksam jemand kommunizieren kann — sei es durch Bildung, kulturelles Kapital oder mediale Reichweite. Das Buch zeigt, wie diese Ungleichheit Machtverhältnisse verfestigt: Wer die Sprache kontrolliert, kontrolliert auch das Denken und Handeln anderer.

Gleichzeitig offenbart „Die große Wörterfabrik“ aber auch die Kraft weniger, aufrichtiger Worte, was die Bilder einfach zauberhaft einfangen. Pauls sparsamer, aber ehrlicher Ausdruck von drei, vermeintlich bedeutungslosen Worten von „Staub, Kirsche und Stuhl“ übertrifft schließlich die leeren, pompösen Phrasen seines reichen Rivalen. Damit stellt das Buch eine hoffnungsvolle Gegenbotschaft auf: Echtheit und Gefühl können materielle Nachteile überwinden.

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Friederike Steil – Der kleine Gärtner

Es ist Frühling und Oma Riedel zieht es regelrecht in ihren gepflegten Garten, in dem sie Stunden mit Gartenarbeit verbringt. Sie beschneidet die Büsche, bepflanzt Beete und entdeckt dabei voller Schreck einen Erdhügel, der verdächtigt nach einem Maulwurfshügel aussieht. Panisch versucht sie den Maulwurf aus ihrem Garten zu vertreiben. Sie trötet in die Tunnelgänge und gießt Wasser hinein.

Als ihre Enkelin Charlie zu Besuch kommt, erzählt sie ihrer Oma von dem kleinen Gärtnter unter der Erde und seinen erstaunlichen Fähigkeiten. So lässt sich ein Maulwurfsfell in jede Richtung streicheln, weshalb er so gut vor- und rückwärts zwischen den engen Gängen sich bewegen kann.

Am nächsten Morgen harkt Oma Riedel alle Haufen glatt und zeigt sich einsichtig, dass jeder Erdbewohner irgendwo seinen Platz auf dem Fleckchen Erde braucht. Dieses Bilderbuch ist in warmen, erdigen Farben gehalten und vermittelt interessante Fakten rund um die unterirdische Lebensweise. Es lässt sich im Unterricht gut zum Thema „Tiere auf der Wiese“ einsetzen und regt zum Diskutieren an, wenn es darum geht Tieren mit Respekt in der vielfältigen Natur zu begegnen.

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Sara Forster und Bianca Austria – Aus klein wird groß: So wächst ein Schmetterling

Ein wahrhaftig großartig bebildertes Sachbilderbuch führt junge Leserinnen und Leser durch die Entwicklung eines Schmetterlings vom winzigen Ei zum Schlüpfen einer hungrigen Raupe, die sich mehrmals häutet und sich schließlich in einen Kokon zurückzieht. Die Metamorphose beinhaltet spannende Fakten und erstaunliche Wunder der Natur.

Zudem werden Nahrung, Körperbau und Feinde thematisiert, sodass es für den unterrichtlichen Einsatz prädestiniert ist. Auch die cleveren Tricks zur Tarnung vor Fressfeinden sind genauso lesenswert, wie die Übersicht über die unterschiedlichen Schmetterlingsarten. Es ist sachkundig und kindgerecht erklärt und stets von verständniserleichternden Abbildungen begleitet. Am Ende des Buches findet sich eine übersichtliche Kreisdarstellung des Lebenszyklus sowie Erklärungen zu wichtigen Fachbegriffen. Ein wunderbares Bilderbuch für den Sachunterricht!

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Madlen Ottenschläger und Ramona Wultschner

Das Krawallkehlchen hat ein ganzes Gefühlsrad im Bauch und lebt seine Gefühle intensiv aus. Heute ist es ganz aufgeregt, denn die Tiere machen einen Waldausflug zum höchsten Baum im Park. Im Bauch fühlt es sich ganz hibbelig vor Vorfreude an. Doch genau an diesem Tag geht einiges schief, sodass die Truppe schon weg ist, wenn er da mit seinem Papa ankommt.

Man kann schon erahnen, dass das ein Grund zum Krawallen ist. Also tobt das kleine Vögelchen und weiß nicht weiter mit all dieser Wut im Bauch. Hinter starken Gefühlen steckt oft ein großes Herz und damit eine Superkraft. Das ist die Botschaft dieses Bilderbuchs, sodass Mikas Hilfsbereitschaft, sein Mut und der Einfallsreichtum den anderen Tieren noch zugute kommen wird.

Besonders positiv ist, wie das Bilderbuch die genauen Zeichen im Körper herausarbeitet. So kann man sich selber viel besser beobachten und wahrnehmen. Die Kinder werden für die körperlichen Anzeichen von Gefühlen sensibilisiert.

Zuerst ist das Zittern in Mika winzig. Dann wird aus dem Zittern ein Beben. Mika wird gelb und immer gelber. Das Brüll-Beben schüttelt Krawallkehlchen so sehr, dass es sich auf den Boden wirft.

Die Illustrationen rahmen die Handlung in herzerwärmenden Bildern ein. Den kleinen Wutball schließt man schnell ins Herz und bekommt ein bisschen Mitleid, dass es ihm schwer fällt, seine Gefühle passend zu regulieren. Zu keinem Zeitpunkt werden seine Gefühle im Buch bestraft und negativ bewertet. Er bekommt Raum zum Ausleben. Andererseits stört und verletzt er auch keinen mit seiner Wut. Die Geschichte ist ein wunderbarer Aufhänger für weitere Diskussionen in pädagogischen Einrichtungen, wie Kindergärten oder Grundschulen.

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Nicola Davies und Emily Sutton – Grün: Die Entstehung des Lebens

Das Sachbilderbuch „Grün“ erklärt die grüne Farbe als die wichtigste auf Erden. Begründet wird diese These mit der Bedeutung von Pflanzen für unsere Erde. An Land und in den Meeren produzieren Pflanzen Sauerstoff und damit die Nahrung für viele Lebewesen. Damit gewährleisten sie das Überleben. Dies ist eine faszinierend einfache Einführung in eine doch recht komplexe Wunderwelt der Pflanzen.

Das Buch trägt Fakten zusammen und setzt es bildnerisch um. Das Denken vom Bild her vereinfacht jungen Kindern das Verstehen. Sachbücher sollen und dürfen Spaß machen. Dennoch müssen sie auch sachlichen Kriterien standhalten. So tauchen die Leser zunächst in die Wirklichkeit und die Funktionsweise eines Baumes ab. Hier wird die Photosynthese gut verständlich erläutert. Die Vergrößerung eines Blattes ist gleichzeitig faszinierend und erstaunlich.

Mindestens genauso beeindruckend ist der Blick in die Entstehung des Lebens. Hier wird 4,5 Milliarden Jahre zurück gespult. Den Start machen die Mikroben auf Erden, die erstmals Photosynthese betrieben und so den Ursprung fürs Leben sicherten. Es folgten Algen, erste Fische, Wirbeltiere, Dinosaurier und schließlich landet der Leser in der Gegenwart. wo ein kritischer Blick auf die Umweltverschmutzung geworfen wird. Es endet mit dem Appell das Gleichgewicht zu halten, um möglichst lange Freude an der Schönheit unserer Erde zu haben.

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